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Indien ist außerordentlich farbenfroh, ohrenbetäubend laut, ganz schön schmutzig, extrem chaotisch, erschreckend arm, sagenhaft reich an Menschen, Göttern und Kühen und voller Kontraste – die Klischees über „Incredible India“ sind nicht totzukriegen, wohnt ihnen doch mehr als nur ein Fünkchen Wahrheit inne. Blickt man über heilige Kühe, quietschbunte Götterstatuen, leuchtende Gewürzkegel und miefende Müllberge hinaus, offenbart sich ein Kaleidoskop, das vor allem eins ist: unglaublich.
First Time in India?
Wer sanft im Schoß von „Mother India“ landen will, schlüpft von der klimatisierten Ankunftshalle des Indira Gandhi Airport in Neu-Delhi in ein klimatisiertes Uber. Zu dem Fahrer mit dem langen Bart und dem roten Turban, der die Lautstärke des aus seinem Smartphone dudelnden Punjabi-Rock-Songs sofort herunterdreht. Um die obligatorische Frage zu stellen: „First time in India?“ Um stolz auf das India Gate zu verweisen und die Prachtbauten am Raj Path. Auf deine Frage, ob es noch weit ist, erntest du ein elastisches Kopfwackeln, weder Nicken noch Verneinen. Du wirst lernen, dass der indische Head Wobble die Antwort auf alle Fragen ist und alles und nichts bedeutet. In Indien ist man flexibel; was Indian Flexi Time bedeutet, wirst du noch erfahren auf deiner Reise. Dann landet ihr in einem Meer aus Fahrradrikschas, Mofas und Menschen, es wird gehupt, bis fast das Trommelfell platzt. Der Mann mit dem verrosteten Karren und dem auf einem Kohlefeuer dampfenden Teekessel neben euch lacht freundlich durchs Fenster und entblößt dabei seine vom Betelnusskauen rot gefärbten Zähne. Dann heißt es aussteigen. Die staubigen Gassen, durch die zerknautschte Plastikflaschen wehen, wirken wenig einladend, doch in einer davon steht dein Hotel. Schlürf auf der Dachterrasse einen Sundowner mit Dry Gin aus dem Himalaja, lass den Blick über die Dächer schweifen, und lausch dem Ruf des Muezzins, der das Hupen auf der Straße übertönt.
Kontrastreich und "Multi"
Die Essenz Indiens in Worte zu fassen, ohne das Bild Indiens als Land der Kontraste überzustrapazieren, ist ein herausforderndes Unterfangen. Allein schon deswegen, weil in Indien alles multi ist – multikulturell, multiethnisch, multireligiös. Kein Wunder, dass von Indien immer als Vielvölkerstaat gesprochen wird. Kein anderes Land der Welt vereint so viele Ethnien, soziale Gruppen, Lebensanschauungen und Sprachen unter einem Dach. Allein 22 Amtssprachen gibt es, mehr als 3000 Kasten und Unterkasten sind bekannt. Dazu kommt die schiere Größe des dicht besiedelten Subkontinents. Zwischen den schneebedeckten Gipfeln des Himalajas und den Palmwipfeln im tropischen Süden leben sage und schreibe 1,428 Mrd. Menschen. Mit seiner Einwohnerzahl hat Indien China 2023 als bevölkerungsreichster Staat der Welt knapp überholt.
Geschichte
Um 2800 v. Chr.
Harappa-Kultur im Industal
Um 1400 v. Chr.
Arische Einwanderung aus Afghanistan und Persien
Um 270–236 v. Chr.
Kaiser Ashoka regiert
4.–8.Jh.
Gupta-Dynastie. Neue Blüte hinduistischer Kultur
1192–93
Muslime erobern Delhi
1498
Vasco da Gama erreicht Indien, Beginn europäischer Kolonialherrschaft
1698
Gründung Kalkuttas und der British East India Company
1857–58
Aufstand gegen die Briten
1911
New Delhi wird Hauptstadt
1920
Mahatma Gandhi ruft zum gewaltlosen Widerstand gegen die Briten auf
1947
Unabhängigkeit, Teilung in Indien und Pakistan
1962/1965–66
Krieg mit China und Pakistan
2023
Indien gelingt eine unbemannte Mondlandung
2024
Narendra Modi wird zum dritten Mal Premierminister
In der Topliga der Wirtschaftsnationen
Als Indien 1991 kurz vor dem Staatsbankrott stand, hätte wohl niemand geglaubt, dass das rückständige Land sich einmal zu einer der mächtigsten Wirtschaftsnationen der Welt mausern würde. Gemessen am Bruttosozialprodukt ist Indien heute die fünftgrößte Wirtschaftsmacht. Der Weg für den wirtschaftlichen Aufschwung wurde seinerzeit von einem findigen Finanzminister geebnet – Manmohan Singh, der eine weitreichende Liberalisierungsphase einleitete, die er auch in seiner Zeit als Premierminister (2010 bis 2014) fortführte. Sein Nachfolger Narendra Modi, der 2024 zum dritten Mal gewählt wurde, legte mit einem umfangreichen Infrastrukturprogramm nach, mit dem Indien endgültig in die Topliga der Industrienationen aufsteigen soll.
Zwischen bettelarm und superreich
Dank der beachtlichen wirtschaftlichen Entwicklung hat sich in Indien eine kaufkräftige Mittelschicht herausgebildet, die genug Geld hat, um den Nachwuchs zum Studium in die USA oder nach England zu schicken. Trotz großer Erfolge bei der Armutsbekämpfung bleibt die Kluft zwischen Arm und Reich immens. Laut Forbes zählte Indien im Jahr 2023 169 Milliardäre und rangiert damit direkt hinter den USA und China. Der reichste Mann Indiens – Mukesh Ambani, Vorsitzender des Mischkonzerns Reliance Industries – verteidigt seinen ersten Platz im weltweiten Club der Superreichen mit einem Vermögen von mehr als 100 Milliarden Dollar. Er kaufte seiner Frau einen Airbus und baute in Mumbai ein privates Hochhaus nur für seine Familie und Gäste. Von derartigem Luxus können die Bauarbeiter, die barfuß oder in Flip-Flops auf wackeligen Bambusgerüsten herumlaufen und Häuser wie das von Ambani hochziehen, nur träumen. Nach dem Global Multidimensional Poverty Index 2023 ist die Armutsquote in Indien in den vergangenen 15 Jahren deutlich zurückgegangen: von 55,1 Prozent 2006 auf 16,4 Prozent 2021.Das heißt, 415 Mio. Menschen konnten aus der Armut geführt werden. Allerdings gibt es immer noch 230 Mio. Inder, die als arm eingestuft werden; zehn Prozent der Bevölkerung leben sogar unter der Armutsgrenze und müssen mit weniger als 2,15 US-Dollar am Tag auskommen. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie sind noch nicht absehbar. Hunderttausende von Wanderarbeitern verloren in dieser Zeit ihre Arbeit.
Bildung ist der Schlüssel
Sieben Generationen dauert es statistisch in Indien, bis jemand aus einer armen Familie es schafft, sich dem Durchschnittseinkommen zu nähern. Eine wichtige Rolle spielt dabei der Zugang zur Bildung. Zwar sank die Analphabetenrate zuletzt deutlich unter 25 Prozent, und es wurde eine Schulpflicht eingeführt, doch viele Eltern schicken ihre Kinder lieber zum Betteln anstatt zum Lernen. Die staatlichen Schulen sind zudem mehr Verwahrungs- als Lerneinrichtung. Die 2023 eingeführte „New Education Policy“ soll das indische Bildungssystem bis 2030 vollständig verändern und Indien zu einem Wissenszentrum machen. Ein wichtiger Schritt, denn die Hälfte der Inder ist jünger als 24 Jahre. Die Regierung bemüht sich auch, Mädchen von Familien in ländlichen Regionen zu erreichen. Zwar üben Millionen von gut ausgebildeten Inderinnen einen qualifizierten Beruf aus und viele Frauen haben sich mit Mikrokrediten eine Existenz geschaffen. Doch genauso oft müssen Mädchen die Schule abbrechen, weil sie minderjährig verheiratet werden. Bildung ist auch der Schlüssel gegen Fremdbestimmung und die Ausbeutung von Frauen. Noch immer macht Indien hier keine gute Figur. So stuft eine Studie der Thomson Reuters Foundation Indien als gefährlichstes Land für Frauen ein, noch vor Afghanistan, Syrien und Saudi-Arabien. Bei den offiziellen Stellen in Indien hagelte es Kritik an dem Bericht, die Zahlen seien nur so hoch, weil es zu mehr Anzeigen bei Vergewaltigungen und anderer Form von Gewalt gegen Frauen käme, hieß es.
Kasten und Karma
Dann ist da noch das Kastenwesen, das es zwar offiziell seit 1949 nicht mehr gibt, aber immer noch Millionen Indern den Weg zu sozialem und wirtschaftlichem Aufstieg versperrt. Dass es an Universitäten, in Verwaltungsberufen und im Parlament Quoten für die Dalit, die Kaste der Unberührbaren, gibt, spricht für sich. Und der Sprung vom Teeverkäufer zum Premierminister, wie ihn Narendra Modi vollbracht hat, bleibt eher eine Rarität. Das Übrige erledigt das Karma. Wem es schlecht geht, hat in einem früheren Leben etwas Böses angestellt und muss jetzt dafür büßen, so lehrt es der Hinduismus, dem 80 Prozent der Inder folgen. Der ist übrigens nicht die einzige Religion in Indien, wie an den Moscheen, Kirchen und Synagogen zu erkennen ist. Der Islam ist die zweitgrößte Religionsgemeinschaft, das Christentum fasste unter der Kolonialherrschaft Fuß, jüdische Gemeinden gibt es nur noch wenige. Auf indischem Boden entstanden sind der Jainismus und Sikhismus sowie der Buddhismus, der in Indien hauptsächlich in Ladakh und Sikkim seine Anhänger hat.
Eigentlich ist Indien ein streng säkularer Staat, aber mit dem 2019 verabschiedeten neuen Staatsbürgerschaftsgesetz wird plötzlich die Religionszugehörigkeit Grundlage für die Staatsbürgerschaft, zum Nachteil für Muslime. Das Gesetz wurde von den Vereinten Nationen offen kritisiert und führte landesweit zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen Hindus und Muslimen. Der zunehmende Hindu-Nationalismus zeigt sich auch im Umgang mit Kaschmir, dem ewigen Zankapfel zwischen dem Erzfeind Pakistan und Indien, wegen dem schon mehrere Kriege geführt wurden. 2019 eskalierte der Konflikt erneut, und die Regierung in Delhi hob den Sonderstatus Kaschmirs auf, um mehr Kontrolle über das umstrittene Gebiet zu haben. Seitdem herrscht in der Region ständiger Ausnahmezustand.
Ein Land, das sich öffnet
Indien blickt auf eine bewegte Vergangenheit mit jahrhundertelanger Fremdherrschaft zurück und hat großes Leid erfahren. Dennoch zeigen sich Inder Besuchern aus dem Ausland gegenüber meistens hilfsbereit und interessiert. Gastfreundschaft wird großgeschrieben, auch bei denen, die nicht viel besitzen. Man bietet Tee oder Früchte an, möchte dem Gast etwas Gutes tun, selbst wenn man sich mit ihm aufgrund der Sprachbarriere nicht unterhalten kann. Außer Urlaub an Palmenstränden und Exkursionen im Kamelsattel trumpft das touristische Indien mit Ayurvedakuren, Trekkingtouren im Himalaja, Hausbootferien in den Backwaters von Kerala, Rafting im Gebirge, Reitsafaris in Rajasthan oder Fahrten im historischen Luxuszug auf. Unverwechselbar indisch sind Yoga- und Meditationskurse in einem Ashram. Und so zählt das Land zu den attraktivsten Reisezielen weltweit. Es wandelt sich täglich – reise deshalb gerade jetzt hin!
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Über die Region:
Indien: Indien bietet eine vielfältige Landschaft, von den Himalaya-Bergen im Norden bis zu den tropischen Stränden von Goa im Süden. Besuchen Sie das Taj Mahal in Agra, ein Meisterwerk der Architektur, und die heiligen Stadt Varanasi am Ganges. Die Wüste Thar in Rajasthan und die Backwaters von Kerala sind ebenfalls beeindruckende Ziele.
Sri Lanka: Sri Lanka ist bekannt für seine üppigen Teeplantagen und die goldenen Strände. Erkunden Sie die antike Stadt Anuradhapura und den Sigiriya-Felsen mit seinen historischen Ruinen. Der Yala-Nationalpark bietet die Möglichkeit, wilde Tiere wie Leoparden zu beobachten. Die Hauptstadt Colombo ist ein lebendiges Zentrum mit kolonialer Architektur.

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