- Reiseführer
- Asien
- Malediven
Da unten liegen sie also – die Malediven. Ein Tropenparadies im Indischen Ozean, nur rund 10 Flugstunden entfernt und doch wie eine andere Welt. Du fliegst über die nördlichen Atolle in Richtung der Hauptstadtinsel Male’; kleine grüne Farbtupfer – mal rund oder oval, mal länglich. Mit weißem Rand inmitten von tiefem Azurblau und dem kräftigen Türkis der Lagunen ziehen die kleinen Inselchen beim Landeanflug unter dir vorbei.
Angekommen im Paradies
In deinem Kopf geistert die Frage herum: Welche davon mag meine Urlaubsinsel sein? Silbrig glänzende Wellen brechen sich an den Riffkanten. Zwischen den Inseln siehst du die kleinen Schnellboote übers Wasser flitzen; sicher fliegt auch das ein oder andere Wasserflugzeug unter dir hindurch oder an dir vorbei und bringt Urlauber von Insel zu Insel. Denn via Male‘ gehen die allermeisten Transfers, will man mehrere Atolle kennenlernen (weshalb Enfernungen in diesem Band stets Male‘ als Bezugspunkt haben).
Meist macht der Flieger kurz vor der Landung eine lang gezogene Linkskurve und wenn du auf der richtigen Seite sitzt, hast du einen traumhaften Blick auf die zahlreichen Hotelinseln im Süd-Male‘-Atoll. Ein Ausblick, den du sicher nicht so schnell vergisst. Der internationale Flughafen auf der Insel Hulhule wirkt wie ein Flugzeugträger mitten im Meer und man fragt sich, wie eine so große Passagiermaschine auf der Landebahn rechtzeitig zum Stehen kommen soll. Doch sie kann und sobald die Tür aufgeht und du auf die Gangway heraustrittst, weißt du: Ich bin da! Die feuchtheiße Luft schlägt dir entgegen und raubt dir erst mal den Atem (die meisten der Malediven-Mehrfachtäter lieben genau diesen Moment sehr). Schon am Flughafen geht der Urlaub los, wenn Mitarbeiter der Resortinseln die Gäste in Empfang nehmen, ihnen das Gepäck abnehmen und zu ihrem Transfer mit dem Schnellboot, dem Wasserflugzeug oder einem Inlandsflug bringen. Du musst dich um nichts kümmern, sondern kannst dich zurücklehnen und dich auf deine Insel freuen.
Geschichte
4./5.Jh. v. Chr.
Tamilen aus Indien besiedeln die Inseln
Um 1100
Der Araber Yusuf-al-Barbary bringt den Islam auf die Malediven
1153
Erster Sultan wird Mohammed Ibn Abdullah
Um 1340
Der arabische Reisende Ibn Battuta lebt zwei Jahre auf den Malediven
1558
Portugiesen übernehmen die Macht und werden 1573 wieder vertrieben
1887
Britisches Protektorat
1953
Einführung der Demokratie; erster Präsident: Amin Didi
26.7.1965
Unabhängigkeit
1972
Erstes Touristenresort (Kurumba) wird eröffnet
2004
Am 26.Dez. werden die Inseln vom Tsunami getroffen
2009
Ein neues Gesetz erlaubt Touristen, auf Local Islands Urlaub zu machen
April 2024
Parlamentswahlen: Erdrutschsieg der nationalkonservativen PNC unter Präsident Mohamed Muizzu
Resortinsel oder Local Island?
Bei der Planung deiner Maledivenreise musst du dich zunächst entscheiden, welche Art von Urlaub du machen möchtest. Die allermeisten Touristen urlauben auf einer der inzwischen über 160 Resort- bzw. Hotelinseln. Wenn man an die Malediven denkt, stellt man sich in der Regel genau das vor: Eine kleine Insel (viele sind so klein, dass man sie in einer Viertelstunde am Strand entlang schlendernd umrunden kann) umgeben von blütenweißem feinem Sandstrand und türkisfarbener Lagune, Palmen, Bungalows direkt am Strand oder auf Stelzen entlang eines Steges über das Wasser gebaut, Restaurants und sonstige Hoteleinrichtungen in tropischer, offener Bauweise am Strand oder im Dschungel. Eine Insel ist hier gleichzeitig eine einzige Hotelanlage. Du kannst bei der Ankunft deine Schuhe in die Ecke werfen, denn die brauchst du auf der Insel nicht.
Hat man sich für eine der vielen Hotelinseln entschieden, ist die nächste Frage: Strandbungalow oder Wasserbungalow? Hier scheiden sich die Geister und es bleibt einfach Geschmacksache. Für viele ist das eigene kleine Häuschen direkt am Strand oder etwas zurückversetzt im Schutz der dichten Vegetation ein Muss – Terrassentür auf und direkt die Füße im Sand haben und vor dem Bungalow den eigenen kleinen Strandabschnitt. In der Regel gehören zu jedem Bungalow bzw. jeder Villa eigene private Liegen am Strand – was für ein Luxus! Fans der Wasserbungalows lieben es, direkt über dem Wasser zu wohnen, die Wellen gegen die Stelzen klatschen zu hören und auf der Terrasse ungestörte Privatsphäre zu genießen. Nachteil: Will man an den Strand, muss man doch wieder seine Tasche packen und/oder ein Handtuch schnappen, über den Steg marschieren und irgendwo auf der Insel (meist in der Nähe des Hauptpools) eine Liege oder ein schönes Plätzchen suchen. Viele splitten ihren Urlaub auf und gönnen sich am Ende ein paar Nächte in einer Wasservilla. Ein einzigartiges Wohnerlebnis ist das auf jeden Fall, direkt über der türkisfarbenen Lagune.
Auch wenn inzwischen die internationalen Luxushotelketten die Malediven übernommen zu haben scheinen, findet man noch immer die kleinen, schnuckeligen Barfußinseln, die noch sehr viel des ursprünglichen maledivischen Charmes versprühen mit ihren palmblattgedeckten Dächern, tropisch rustikalen Einrichtungen und Sandboden im Restaurant – was gibt es Schöneres, als während eines romantischen Dinners unterm Tisch die Zehen in den Sand zu stecken? Sich nicht einmal zum Essen schick anziehen zu müssen? Tatsächlich gibt es selbst auf den Luxusinseln selten Dresscode und es herrscht in der Regel eine sehr legere und entspannte Atmosphäre.
Local Islands
Die andere Art des Maledivenurlaubs ist erst seit gut 15 Jahren möglich und macht nur einen kleinen Anteil am gesamten Tourismus aus: Urlaub auf einer Einheimischeninsel. Die Regierung sah Kontakte zwischen Touristen und Einheimischen in der Vergangenheit nicht gern. Offiziell sind auch heute noch nicht viele der von Maledivern bewohnten Inseln für den Besuch freigegeben, für die anderen benötigt man eine (nur selten erteilte) Genehmigung. Man kann diese Inseln von benachbarten Resortinseln aus in kurzen Trips besuchen und es gibt Inseln, die mit ihren Gästehäusern und kleinen Hotels auch einen Urlaub für den kleineren Geldbeutel möglich machen.
Die Malediven sind ein muslimisches Land und somit gibt es für Touristen einige Regeln zu beachten: Es wird kein Alkohol ausgeschenkt, man kann sich vor allem als Frau nicht ganz so frei bewegen und sollte sich vor allem in puncto Kleidung anpassen (außerhalb des Hotels Knie und Schultern bedecken) und es gibt auf den meisten Local Islands nur einen abgetrennten Strandabschnitt, wo man sich auch als Frau in Badekleidung aufhalten darf (meist Bikini Beach genannt). Zudem werden auf den Inseln die Strände nicht so gepflegt und sauber gehalten, wie auf den Hotelinseln – angeschwemmter Plastikmüll wird nicht täglich eingesammelt und das Paradies zeigt dann auch seine Schattenseiten. Wer mit diesen Einschränkungen leben kann, der kann verhältnismäßig preisgünstige Unterkünfte finden und hat die Möglichkeit, das maledivische Leben zu erleben. Der Transfer vom Flughafen aus muss dafür selbst organisiert werden, in der Regel per Fähre oder Schnellboot.
Kopf unter Wasser
Sehenswürdigkeiten über Wasser sind dünn gesät, die eigentlichen Attraktionen findet man um die Inseln herum: eine manchmal noch fast unberührte, einzigartig variantenreiche Unterwasserwelt. Doch auch über Wasser sind die Voraussetzungen für einen actiongeladenen Urlaub bestens: Wakeboarding, Jetski, Stand-up-Paddling oder Kite- und Windsurfen, Segeln, Tennis, Fußball und andere Ballspiele sowie umfangreiche Wellnesseinrichtungen und -anwendungen werden den Gästen auf so gut wie allen Hotelinseln (und auch vielen Local Islands) geboten. Dazu kommt ein kulinarisches Angebot, das sich längst nicht mehr auf Fisch, Reis und Kokosnüsse beschränkt. Viele international renommierte Chefköche haben ihre Spuren auf den Speisekarten hinterlassen.
Wer war zuerst da?
Wer die Malediven entdeckt und erstmals besiedelt hat, verliert sich im Dunkel der Geschichte. Fest steht, dass bereits vor der Einführung des Islam als Staatsreligion (1153), nicht nur der Buddhismus, sondern zuvor auch der Hinduismus auf den Inseln vorherrschend war. Der berühmte Meeresforscher Thor Heyerdahl glaubte, Reste buddhistischer Heiligtümer aus späterer Zeit entdeckt zu haben, die auf eine Besiedelung zur Zeit der Spätantike (um 300 n. Chr.) hindeuteten. Die nur im Indischen Ozean heimische Kaurischnecke, für deren Beschaffung die Malediver so etwas wie ein Monopol hatten, wurde z. B. in Norwegen als Grabbeigabe gefunden. Und schon Plinius der Ältere (23–79 n. Chr.) hatte den Seeweg nach China über die Malediven beschrieben. Der arabische Weltenbummler Ibn Battuta kam um 1340 auf die Inseln, wo er einige Jahre als Rechtsgelehrter wirkte. Andere kamen unfreiwillig – als Schiffbrüchige. Manchmal gestattete man den Gestrandeten, ihre Schiffe zu reparieren und weiterzusegeln. Andere behielt man – aus welchen Gründen auch immer – lieber da.
Maledivischer Alltag
Wenn du eine Einheimischeninsel besuchst, solltest du auf jeden Fall einen Spaziergang durch die breiten Straßen aus Sand machen, an denen sich die Häuser mit kalkgeweißten Fassaden reihen. Sie sind aus einem Korallensand-Zement-Gemisch gebaut. Dahinter befindet sich meist ein kleiner Innenhof, in dem an Palmen die typische Malediven-Schaukel aus Sisalseilen hängt. Hier ist der Treffpunkt für die Familie, hier verbringt man die heißesten Stunden des Tages. Erwerbszweige sind Fischfang und -verarbeitung sowie natürlich der Tourismus. Bis heute ist es nicht gelungen, ein weiteres wirtschaftliches Standbein aufzubauen. Es gibt einige Zulieferer für die Textilfabriken des nahen Sri Lanka, ansonsten ist man froh, wenn der Ernährer der Familie oder ein Sohn eine lukrative Anstellung auf einer Hotelinsel findet. Bis vor wenigen Jahren war es Männern vorbehalten, dort zu arbeiten, inzwischen sieht man immer mehr Frauen an der Rezeption oder im Restaurant. Eine maledivische Form der Emanzipation? Es bleibt unverkennbar, dass Frauen es immer noch schwer haben. Doch es gibt zusehends Spannungen zwischen westlich denkenden jungen Maledivern und der nach oligarchischen Prinzipien agierenden Regierung, die seit 2012 besonders auf der Hauptstadtinsel Male‘ immer wieder zu Unruhen führen.
Untergang durch Klimawandel oder Müll?
Von all dem wirst du als Urlauber nicht viel mitbekommen. Ein wirkliches Problem für die nur maximal 2,40 Meter über den Meeresspiegel hinausragenden Inseln – die Malediven sind damit das flachste Land der Erde – ist allerdings der drohende Anstieg des Meeresspiegels. Der gibt Anlass zur Befürchtung, dass den Malediven ein nahes Ende bevorsteht. Hinzu kommen Umweltprobleme, die sich in der „Müllinsel“ Thilafushi unweit von Male‘ offenbaren. Hier landet ein Teil des vorwiegend von Touristen produzierten Mülls, der einfach verbrannt wird. Deshalb trägt jeder Tourist eine Mitverantwortung: Müll sollte man vermeiden und am sparsamen Verbrauch von kostbarem Trinkwasser und Strom kann sich jeder Besucher beteiligen. Und was gehört unbedingt ins Gepäck? Eigentlich genügen Badehose bzw. Bikini, Shorts und T-Shirts oder Sommerkleider, Flipflops, Flossen, Schnorchel und die Bücher, die du schon lange lesen wolltest. Bist du nun also reif für die Insel? Dann komm doch einfach mit!
Malediven Highlights
Aktuelles Wetter
Wissenswertes
Aktuelles Wetter
Wissenswertes
MARCO POLO Reiseführer
Malediven
Buch, 15. Auflage · 17.95 €Weiße Strände, kristallklares Wasser: Mit dem MARCO POLO Reiseführer die Malediven erkunden Mit Taucherbrille und Schnorchel einen Blick in die Unterwasserwelt werfen, den ganzen Urlaub barfuß verbringen und einfach mal die Seele baumeln lassen: Eine Reise auf die Malediven ist ein Erlebnis, das lange im Gedächtnis bleibt. Erkunde die traumhaften Südsee-Atolle und entspanne in deiner eigenen Wasservilla – mit etwas Glück siehst du dabei Delfinen und Wasserschildkröten in den Wellen zu.
Alle Highlights und Insider-Tipps im Blick mit dem Reiseführer von MARCO POLO
So geht Traumurlaub: Weiße Sandstrände, Schwimmen mit Walhaien und die Gastfreundschaft der Einheimischen genießen. Von den wichtigsten Hinweisen vor Reiseantritt (alles andere als Flipflops ist auf den Malediven overdressed) bis hin zu Ideen für einen gelungenen Familienurlaub – mit dem MARCO POLO Reiseführer Malediven hast du alle relevanten Infos für ein eine unvergessliche Reise praktisch zur Hand.
ERLEBE LOS!

Malediven in Buch & Film










