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Der Blick vom friedlich und ruhig auf dem Hügel gelegenen Kloster. Die frisch asphaltierte Passstraße mit dem Bergpanorama des Kaukasus. Die restaurierte oder auch ruinierte historische Burg. Der Besuch beim stolzen Winzer. Die geheimnisvolle, in den Felsen gehauene Höhlenstadt mit den Tausenden Geschichten, die sie zu erzählen weiß: All das ist Georgien.
Und das ist längst nicht alles: Der Schlemmerabend im kleinen Restaurant, bei dem du versuchst, unfallfrei die legendären khinkali zu essen, um dann mit einem Schluck Hauswein nachzuspülen, während du auf der Terrasse sitzend den Blick in die Landschaft schweifen lässt. Und die tägliche Freude, den nächsten Tag wieder auf ähnlich gesellige Weise ausklingen zu lassen. Ganz zu schweigen von der ausgesprochenen Gastfreundschaft in der kleinen Pension oder dem Privatzimmer, in dem du übernachtest. Der persönliche Touch, das menschliche Element, die Extraportion Lächeln, die nette Plauderei, die praktischen Tipps vor Ort – das gibt es hier fast überall und jederzeit.
Grenzgänger zwischen Kontinenten
Ja, rein geografisch gesehen gehört Georgien zu Asien. Aber so viele Menschen fühlen sich doch viel eher als Europäer. Daran können auch die aktuellen politischen Entwicklungen mit EU-skeptischen oder gar moskaufreundlichen Regierungen nichts ändern – die meisten blicken doch hoffnungsvoll in den Westen. Und du siehst es selbst, wenn du genau hinschaust: Das Straßenbild wird immer moderner, viele Kneipen, Cafés, Restaurants, Eisdielen und Cocktailbars präsentieren sich locker, hip, manchmal auch alternativ und cool, die Musik aus den Lautsprechern ist aus den heimischen Charts bekannt. Die Georgier nehmen seit vielen Jahren wie selbstverständlich am Eurovision Song Contest teil – in der Juniorversion des Wettbewerbs haben sie sogar schon viermal gewonnen, zuletzt 2024.Und bei der Fußball-EM 2024 in Deutschland fielen sie mit ihrem erfrischenden Kick auf, der sie sogar ins Achtelfinale brachte. Aber auf der anderen Seite bist du hier mitten im Kaukasus, über die Jahrhunderte hatten Perser, Türken, Russen und viele andere einen enormen Einfluss.
Geschichte
Ca. 2000–1000 v. Chr.
Erstes Staatsgebilde
337 n. Chr.
Die heilige Nino bringt das Christentum
Ab 4.Jh.
Persische Herrschaft, später wechselnd mit Byzantinern, Arabern u. a.
Ab 10.Jh.
Georgisches Königreich
12.Jh.
Herrschaft von Persern und Osmanen
1801
Anschluss ans russische Zarenreich
1918–1921
Erste georgische Republik
1921–1991
Zugehörigkeit zur Sowjetunion
1991
Georgien wird souveräner Staat
2008
5-Tage-Krieg gegen Russland um die Regionen Abchasien und Südossetien
2022
Georgien wird EUBeitrittskandidat
2024
„Georgischer Traum“ erneut Wahlsieger. Proeuropäische Massendemonstrationen
2025
Regierung legt EU-Beitrittsprozess bis 2028 auf Eis
Ein weiter Weg
Die Richtung ist also klar: Europa und Modernität. Dass der Weg dorthin ein wenig steinig ist, sollte niemanden wundern. Die erste georgische Republik währte – ab 1918 – gerade einmal drei Jahre. Es folgten lange, schwierige Jahrzehnte in der Sowjetunion. Seit 1991 sind die Menschen – in einer parlamentarischen Demokratie und unter schwierigen Bedingungen – selbst für ihr Glück verantwortlich. Es gab vieles aufzuholen, die Infrastruktur war marode, die Abhängigkeit von Russland weiterhin groß, Europa ziemlich weit weg und kriegerische Konflikte um die Regionen Abchasien und Südossetien machten das Leben auch nicht gerade leichter. Wenn du das bedenkst und heute durchs Land fährst, kannst du eigentlich nur staunen, wie weit die Infrastruktur schon gekommen ist. Vielen gefällt sogar, dass hier noch nicht alles hundertprozentig geordnet und geregelt ist: dass die Schweine und Ziegen noch einfach so auf den Dorfstraßen herumspazieren, die frisch eröffnete Strandbar am Schwarzen Meer auf den letzten Drücker ihre nagelneuen Liegestühle aufstellt, dass man einen kleinen Umweg fährt, weil die Landstraße gerade asphaltiert wird. Es liegt viel Tradition in der Luft – und gleichzeitig ein großer Wandel.
Exotisch und doch nicht fremd
Was macht also die Reise nach Georgien zu einem besonderen Erlebnis? Eben diese gewisse Portion Exotik, gemischt mit vielen vertrauten Elementen. Das georgische Alphabet z.B. , über 1500 Jahre alt, ist für unsereins unmöglich zu entziffern. Griechische oder russische Schriftzeichen sind für manch einen zumindest teilweise zu erahnen. Hier aber besteht keine Chance. Dafür sind fast sämtliche Schilder und Namen ins Englische übersetzt worden, sodass du dich nahezu nirgendwo orientierungslos fühlst. Oder die Kirchen und Klöster: Die georgisch-orthodoxe Tradition unterscheidet sich von katholischer oder protestantischer – und doch ist sie nicht ganz fremd. Immerhin war Georgien eines der ersten Länder überhaupt, in die das Christentum vorrückte. Ein wenig exotisch und gleichzeitig bekannt – das trifft auch auf die Berglandschaften zu: noch etwas höher als die Alpen, noch etwas wilder, naturbelassener, weniger erschlossen – aber dennoch ein Raum für Entdeckungen und Abenteuer, sogar wenn du nicht professionell wanderst und kletterst. Oder die Burganlage, die wie ein Traum aus Tausendundeiner Nacht scheint – und wo du doch ganz zeitgemäß auf dem Gelände Pizza mit einem Bier und danach einen Espresso bekommst.
In den Städten kommt alles zusammen
Und dann sind da noch die Städte – Anziehungspunkte, die wie Brenngläser die Besonderheiten der Regionen widerspiegeln: das vom Schwarzen Meer, von der nahen Türkei und von Badetouristen geprägte Batumi, das aufstrebende, zentral gelegene Kutaisi, von spektakulären Felsen, Höhlen und Canyons umgeben. Und natürlich Tbilisi – die Metropole, die allein schon eine Reise wert ist, mit ihren Flaniermeilen, Seilbahnen, historischen türkischen Bädern, der über der Stadt thronenden Festung und der alles verbindenden Friedensbrücke. Georgien, das ist nicht bloß Urlaub, sondern ein Erlebnis!
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