Japan

Überblick

Entdecken Sie Japan!

Womit haben die Japaner ihre Götter erzürnt, dass diese gleich drei Katastrophen auf einmal über ihre harmonische Welt hereinbrechen ließen? Am 11. März 2011 erbebte im Nordosten die Erde mit nie zuvor gemessener Stärke, nur Minuten danach überrollte ein Tsunami die Küste, und Tage später drohte ein nukleares Desaster. Mit Ausnahme der fast völlig zerstörten Region um Fukushima hat sich die leidgeprüfte Nation inzwischen erstaunlich schnell erholt. Die Radioaktivität liegt wieder unter dem Weltdurchschnitt, Reisen und Essen sind sicher wie stets zuvor. Die Wolkenkratzer von Tokio oder Osaka und die tausendjährigen Tempel und Schreine von Kyoto haben dem Megabeben standgehalten. Heute können Sie wieder bedenkenlos in alle Landesteile fahren, auch die Menschen im Nordosten freuen sich über Ihren Besuch.

Wer nach Japan reist, sucht das Besondere in der Exotik, der Technik, dem Essen und der Tradition. Er will erleben, wie eine ganze Nation im kollektiven Glücksrausch der Kirschblüte versinkt und wie die spätherbstliche Laubfärbung Tempel und Gärten in farbentrunkene Gemälde verwandelt. Wer den weiten Weg fliegt, will in heißen Quellen entspannen, frischesten Rohfisch genießen, mit dem Shinkasen - dem pünktlichsten Zug der Welt - reisen, in stilvollen Gärten die Symbiose von Architektur, Natur und Mensch empfinden und in lärmenden Hightechvierteln die Zukunft bestaunen. Der Besucher wird auf extrem höfliche Menschen treffen und sich wundern, wie sie auf engstem Raum in stiller Harmonie miteinander auskommen.

"Hier habe ich gefunden, was ich zu finden hoffte", vertraute Literaturnobelpreisträger Saul Bellow dem Gästebuch der Nobelherberge Tawara-ya in Kyoto an: "menschliches Maß, Ruhe und Schönheit." Aber Japan ist auch hässlich. Warum hat man die meisten der über 26500 km Küsten allein auf den vier Hauptinseln Honshu, Hokkaido, Kyushu und Shikoku so zubetoniert? Warum ziehen sich Strom- und Telefonleitungen wie ein wirres Spinnennetz über die Straßen? Warum grenzen traumhafte Tempel an abstoßende Betonburgen? Warum drängt sich das Leben auf engstem Raum in wild gewachsenen Großstädten, obwohl das Land doch mit 378000 km2 größer ist als Deutschland?

Die Antwort ist so einfach wie unbefriedigend: Japaner sind angepasst. Sie haben gelernt, unangenehme Realitäten einfach zu übersehen. Sie verstehen es, sich an der kleinen Blume zu erfreuen, auch wenn sie aus einer Betonritze der Hochstraße vor ihrem Fenster sprießt. Japaner sind nett. Nur selten finden ausländische Gäste Grund, sich über eine Unhöflichkeit der Einheimischen beschweren. Japan benimmt sich gegenüber zahlenden Touristen immer zuvorkommend. Es gilt das Prinzip: Seien Sie herzlich willkommen, aber bitte befolgen Sie unsere Regeln. Das gilt besonders, wenn der Reisende direkt in die Welt der Söhne und Töchter Nippons eindringt, sei es in die heiße Onsen-Quelle oder in das schuhfreie Restaurant. Selbst moderne Japaner sind überzeugt, dass die Gaijin - also Ausländer - sie nie völlig verstehen können. Für die Kulturunterschiede braucht man Fingerspitzengefühl. Wollen Sie ein besseres Hotelzimmer zum selben Preis? Erwarten Sie besser nicht, dass die Reiseleiterin oder der Rezeptionist etwas, das nicht ohnehin vorgesehen ist, spontan zu Ihren Gunsten entscheidet. Man trägt das Anliegen bestenfalls weiter. In Japan werden selbst kleine Details im kollektiven Konsens entschieden, und äußerst selten lässt sich der wirkliche Entscheidungsträger ausmachen.

Die fernöstliche Insellage und wahrscheinlich noch mehr die lange politische Isolation haben eine relativ homogene Mentalität hervorgebracht, eine fast störungsfrei gewachsene Gesellschaftsstruktur, eine spürbare Nationalgeschichte und eine hochverfeinerte Kultur. Und dennoch ist Japan multikulti. Niemand mag mit Bestimmtheit zu sagen, woher diese Nation stammt, aus China, Korea, Sibirien oder Polynesien? Beinahe nichts, worauf Japan heute in Kunst und Kultur mit Recht stolz ist - die komplizierten Schriftzeichen, das feine Porzellan, der edle Lack oder der noble Kimono -, wäre denkbar ohne fremde Einflüsse.

Wenigstens in der Statistik ist Japan mit einem der höchsten Pro-Kopf-Einkommen weltweit reich. Die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt hat mehr als zwei Dekaden Krise hinter sich, aber nirgendwo sind einfache Büroangestellte so gut und teuer angezogen wie in Tokio, tragen Ladenmädchen Schuhe und Taschen von Luxusmarken aus aller Welt. Die Restaurants sind gut gefüllt, selbst wenn aberwitzige Preise verlangt werden. Und doch gibt es mehr oder minder verstecktes Elend. Am späten Abend betten sich im Bahnhof Shinjuku ganze Heerscharen von obdachlosen, schmutzigen, betrunkenen, kranken Männern in Verpackungskartons zum Schlaf.

Nach dem 11. März 2011 jedoch scheint nichts mehr so zu sein oder zu werden, wie es war. Äußerlich läuft längst vieles wieder normal, aber in den Familien, in den Firmen und am Finanzmarkt beherrscht die Gefahr noch immer Denken und Diskussionen. Keiner, der sie miterlebt hat, kann die Jahrhundertkatastrophe vergessen, die Killerwelle am Pazifik, den nuklearen Super-Gau, an dem die fernöstliche Industriemacht so millimeterscharf vorbei geschrammt ist. Dieses dramatische Kapitel ist zwar noch nicht Geschichte, aber aus dem Alltagsleben der übrigen Nation weitgehend ausgeblendet. Nach dem Schock von Fukushima schlägt das Entsetzen erst allmählich in Nachdenken um. Glaubensgrundsätze und Maßstäbe müssen überdacht werden. Was ist lebenswert? Der Sechzehnstundentag, die Fabrik als Familienersatz? Die Regierung hat immer Recht? Und nicht zuletzt: Atomkraft ist sicher und macht uns stark? Nippons technikgläubige Söhne und Töchter sind tief verunsichert, stellen ihr Dasein und die dahinterstehende Lebensphilosophie infrage. Selbst in diesem auf Harmonie bedachten Land werden Kritik und Zweifel auf einmal massiv geäußert. Eine Reise nach Japan stellt kein besonderes Risiko dar. Es gibt außerhalb des kollabierten Atommeilers Fukushima keine Sperrzonen, in denen Sie radioaktive Verseuchung befürchten müssen. Die Lebensmittel aus der Nachbarschaft werden strengstens kontrolliert, wenn sie nicht ohnehin aus den Geschäften und Restaurants verschwunden sind. Das Warnsystem für Erdbeben und Tsunami wurde weiter verbessert.

Reisen in Japan ist leichter, als das 3000 Kilometer lange Archipel vermuten lässt. Ein dichtes Netz von Fluglinien und Expresszügen führt bequem zu allem, was das Land an Sehenswertem bietet. Das eher subtropische Klima ist bisweilen schwierig, aber berechenbar. Nie sollten Sie im klebrigen Juli oder August kommen. Am schönsten ist es zur Kirschblüte zwischen März und April und zur Laubfärbung Ende November.Die japanische Sprache und die Schriftsysteme sind zwar eine Herausforderung, aber dies lässt sich mit ausreichend englischen Kenntnissen umschiffen. Zumindest in den Ballungszentren sind viele Hinweisschilder übersetzt. Im Zweifel können Sie sich auch über Gesten und Fingerzeige verständigen. Man wird Ihnen stets gern weiterhelfen. Trauen Sie sich diese Reise: Das Inselreich im Fernen Osten wird auch Sie faszinieren!

Bilder

Bildergalerie starten

Sehenswürdigkeiten & Top Highlights

Ansicht:
Alle Sehenswürdigkeiten Alle Hotels & Übernachtungsmöglichkeiten Alle Restaurants Alle Aktivitäten

Beliebte Regionen in Japan

Sortierung:

Beliebte Städte in Japan

Sortierung:
MARCO POLO Reiseführer
MARCO POLO Kontinentalkarte Japan, Korea 1:2 000 000
MARCO POLO Kontinentalkarte Japan, Korea 1:2 000 000
11,99 €
≫ Jetzt kaufen
MARCO POLO Reiseführer Japan
MARCO POLO Reiseführer Japan
12,99 €
≫ Jetzt kaufen
MARCO POLO Cityplan Tokio 1:15 000
MARCO POLO Cityplan Tokio 1:15 000
6,99 €
≫ Jetzt kaufen
MARCO POLO Reiseführer Tokio
MARCO POLO Reiseführer Tokio
12,99 €
≫ Jetzt kaufen

Wetter & Klima

kachelmannwetter.com
Sonntag / 13.10.2019
Vormittags
-
Nachmittags
-
Abends
19 °C
Montag / 14.10.2019
Vormittags
16 °C
Nachmittags
16 °C
Abends
15 °C
Dienstag / 15.10.2019
Vormittags
15 °C
Nachmittags
16 °C
Abends
16 °C
Mehr Wetterinfos

Anreise

12h 30min
Frankfurt am Main
Japan
Route planen
In Kooperation mit unserem Partner Rome2Rio

Praktische Hinweise

Adressen

Eine Adresse in Japan zu finden, gehört zu den größten Herausforderungen - auch für Einheimische. Das Land kommt weitgehend ohne Straßennamen aus. Sie wollen nach 5-4-13 Denenchofu, Ota-ku, Tokyo? Das geht so: Sie suchen Hausnummer 13, im Block 4 des 5. Rayon im Stadtviertel Denenchofu des Tokioter Bezirks Ota. Dabei muss Haus Nr. 13 nicht zwischen 12 und 14 liegen, sondern irgendwo in dieser Gegend. Auch Taxifahrer verzweifeln oft daran. Am besten fahren Sie mit einer detaillierten Wegeskizze mit Telefonnummer, die der Chauffeur im Zweifel anruft. Eine Grundorientierung bei großen Städten bietet der Stadtbezirk. in diesem Band haben deshalb auf die Angabe der Adressen verzichtet und stattdessen die Telefonnummern und/oder Viertel angegeben.

Anreise
Flugzeug

Direkte Linienflugverbindungen gibt es ab Frankfurt (Lufthansa, All Nippon Airways), München (Lufthansa), Wien (AUA) und Zürich (Swiss). Aus Europa angeflogen werden Tokio-Narita, Kansai/Osaka und Nagoya. Tokio-Haneda wird für den internationalen Verkehr ausgebaut. Zuweilen sind Flüge über Amsterdam (KLM) oder Moskau preisgünstiger. Flugdauer über Sibirien: 12 Std.

Von Narita zur Tokioter Innenstadt geht es am schnellsten per Narita Express (NEX) bis Tokyo Station (Hauptbahnhof | Fahrzeit 53 Min. | 2940 ¥ in der 2. Klasse | www.jreast.co.jp./e). Tickets und Sitzplatzreservierung vor der Fahrt arrangieren. Wer viel Gepäck hat, sollte den Zubringerbus (2900 ¥) zum City Terminal oder allen großen Hotels Tokios nutzen. Die Fahrtdauer kann zu Stoßzeiten die durchschnittlichen 70 Minuten weit überschreiten. Ähnliches gilt für die Ankunft auf dem Kansai-Airport in der Bucht von Osaka. Vorsicht bei Taxifahrten: Sie können 25000 ¥ kosten, und vor schwarzen Privattaxis warnt die Polizei aus Versicherungsgründen. Japaner benutzen für ihr Gepäck Zustelldienste, die auf den Flugplätzen leicht auszumachen sind. Sie liefern am selben Tag für 1600 ¥ pro Stück. Zuweilen ist die Nutzung aber ohne Japanischkenntnisse schwierig.

Bahn Ferry

Per transsibirischer Eisenbahn (bis Wladiwostok) und Fähre nach Niigata anzureisen ist so reizvoll wie teuer und ohne Reisebüro schwer zu realisieren (10 Tage Reisezeit).

Auskunft vor der Reise
Japanische Fremdenverkehrszentrale (JNTO)

Die Japan National Tourist Organization versendet Broschüren, die sparen helfen, z. B. einen Prospekt der günstigen "Welcome Inns". Kaiserstr. 11 | 60311 Frankfurt a. M. | Tel. 069 20353 | www.jnto.go.jp (auch auf Deutsch)

Japan Travel Bureau

Hier erhalten Sie unter anderem den Japan Rail Pass.

Weißfrauenstr. 12-16 | 60311 Frankfurt a. M. | Tel. 069 2998780

Operngasse 6 | 1010 Wien | Tel. 01 71609

45/47, Rue de Lausanne | 1201 Genf | Tel. 02 27163400

Auskunft in Japan

Der englische Informationservice des Japanischen Tourismusbüros (JNTO) hilft bei der Reiseorganisation. Büro Tokio: 10. Fl., Tokyo Kotsu Kaikan Building Mo-Fr 9-17, Sa 9-12 Uhr, 29. Dez.-3. Jan. geschl. | Tel. 03 32161901 | www.jnto.go.jp | Telefonische Auskünfte auch am Internationalen Flughafen Narita: Tel. 0476 222102

Bahn

Auf fast allen Strecken ist die Bahn ein ideales Verkehrsmittel. Die Züge sind sauber, sicher und pünktlich, die Einstiege auf allen Bahnsteigen gekennzeichnet. Es gibt mehrere Bahngesellschaften. Auf manchen Strecken sind Privatbahnen schneller und günstiger als das landesweite Netz von Japan Rail (JR). Fahrkarten gelten nur für die jeweilige Gesellschaft! Karten für kürzere Strecken lösen Sie an Automaten, für längere am besten im Reisebüro. Empfehlenswert ist der Japan Rail Pass, mit dem Sie das gesamte JR-Netz (inklusive JRS-Bahnen) für ein, zwei oder drei Wochen beliebig oft benutzen können. Erhältlich ist er nur im Ausland über die Japan Travel Bureaus (www.japanrail.com).

Camping

Es gibt ca. 2800 offizielle Campingplätze (auch Zelt- und Bungalowverleih), viele sind nur von Juli bis August in Betrieb. JNTO gibt eine detaillierte Broschüre zu Camping in Japan heraus. Achtung: Während der Ferien und an Wochenenden sind die Plätze oft überfüllt.

Diplomatische Vertretungen
Deutsche Botschaft Tokio

Minami-azabu | Tel. 03 57917000 | www.tokyo.diplo.de

Deutsches Generalkonsulat Osaka

Umeda Sky Building, Tower East 35F | Kita | Tel. 06 64405070 | obe.diplo.de

Österreichische Botschaft Tokio

Moto-azabu | Tel. 03 54498281 | www.bmeia.gv.at/botschaft/tokio.html

Schweizer Botschaft Tokio

Minami-azabu | Tel. 03 54498400 | www.eda.admin.ch/tokyo

Einreise

Ein Reisepass, der noch mindestens sechs Monate gültig sein muss, ist nötig. Deutsche, Österreicher und Schweizer erhalten ein bis zu drei Monate gültiges Visum bei der Einreise. Bis zehn Tage vor Ablauf kann es noch einmal um drei Monate verlängert werden.

Erdbeben

Im Falle eines Erdbebens folgen Sie bei der Evakuierung unbedingt den offiziellen Anweisungen oder im Zweifel den Bewegungen der meisten Einheimischen. In jedem Fall Ruhe bewahren, in Hotels auf der Etage bleiben und an relativ sicheren Plätzen wie in Türrahmen oder unter Tischen Schutz finden. In keinem Fall Aufzüge benutzen. Im Freien einen Platz suchen, an dem nichts um- oder einstürzen kann. Kein Gepäck mitführen, das auf der Flucht hinderlich sein könnte.

Geldwechsel

Am besten tauschen Sie Geld auf dem Flughafen oder im Hotel. Geldwechsel ist in großen Bankfilialen möglich, in Großstädten an manchen Hauptpostämtern, in Warenhäusern (auch Reiseschecks). Hotels und viele Restaurants der Großstädte akzeptieren Kreditkarten. In kleineren Geschäften und in der Provinz wird bar bezahlt. Mit der Kredit- oder EC-Karte können Sie gegen Gebühr Bargeld abheben. Internationale Geldautomaten sind zunehmend verfügbar (auch in Englisch).

Gesundheit

Vorbeugende Impfungen sind nicht nötig. Bringen Sie Medikamente, die Sie benötigen, unbedingt von zu Haus mit. Im Notfall kann der deutsche Arzt Dr. Peter Seez von der Tokyo Medical & Surgical Clinic helfen. Alle Ärzte und Schwestern in dieser Klinik sprechen Englisch. Mori Building 32 | Shiba Koen | Tel. 03 34363028 Nur in dringenden Notfällen: Tel. 03 34326134. Englisch wird auch im St. Lukes Hospital and Clinic gesprochen. Chuo, Tokyo | Tel. 03 35415151

Inlandflüge

Im Inland fliegen vor allem die Gesellschaften Japan Airlines und All Nippon Airways. Hinzu kommen Nischenanbieter auf bestimmten Strecken. Infos im Reisebüro und unter: english.itp.ne.jp, www.jal.com, www.anaskyweb.com

Internet

Links zu interessanten Japan-Sites und aktuelle Informationen finden Sie unter www.jnto.go.jp, www.neo-tokyo.com, www.japan.tipp.de,www.jpinn.com, www.japanican.com

Internetzugang & Wlan

Internetcafés gibt es überall, Terminals auch in allen großen Hotels, Bibliotheken und Rathäusern. Kostenloses WLAN wird immer üblicher, vor allem in Cafés und kleinen Pensionen. Die meisten großen Hotels verlangen die international üblichen Preise. In Zügen und auf Bahnhöfen ist Internetzugang nur bei japanischen Anbietern gegen Gebühr möglich. Die meisten japanischen Apps sind nur in der Landessprache verfügbar. Bei Verwendung europäischer Anbieter für Apps und Internet müssen Sie mit hohen Roamingkosten rechnen.

Klima & Reisezeit

Am angenehmsten sind das Frühjahr - am besten zur Kirschblüte im März/April - und der Herbst (besonders November/Anfang Dezember) mit milden Temperaturen und herrlicher Laubfärbung. Juni bis August sollten Sie meiden, weil es viel regnet und schwülheiß ist. Im Winter kann es auf Hokkaido, in Nord-Honshu und in den Gebirgsregionen sehr kalt werden und heftig schneien.

Medien

Es gibt zwei englischsprachige Tageszeitungen: "Japan Times", "Daily Yomiuri". Restaurant- und Veranstaltungstipps bieten die Gratismagazine "Metropolis", "J Select", "Tokyo Classified" und "Kansai Time Out" (in Hotels, Supermärkten, Buchläden). Deutsche Zeitungen finden Sie nur in großen Hotels, in manchen Buchläden und an den Flughäfen. Internationale Hotels übertragen meist englisches Satellitenfernsehen, morgens auch ZDF-Nachrichten, selten ARD. Über Zweikanalton können Sie abends die Hauptnachrichtensendung des öffentlich-rechtlichen Senders NHK auf Englisch sehen.

Mietwagen

Vom Mietwagen ist dringend abzuraten. Der deutsche Führerschein (auch der Internationale Führerschein) wird nicht ohne eine offizielle Übersetzung (durch die jeweiligen Botschaften) anerkannt - dafür muss das Original sowie eine beglaubigte Kopie vorliegen. Erschwerend kommen exorbitante Maut- und Parkgebühren sowie der Linksverkehr hinzu.

Notruf

Polizei: Tel. 110, auf Englisch 03 35010110; Feuer/Notarzt: Tel. 119; Japan Helpline: Tel. 0120 461997

Öffentliche Verkehrsmittel

Bei der Orientierung helfen die farblich gekennzeichneten und auf Englisch ausgeschilderten U-Bahn-Systeme in den Großstädten. Bei Vorortzügen ist es oft schwer, die Verbindung herauszufinden und den richtigen Fahrschein zu kaufen. Im Zweifel können Sie sich beim Schaffner melden, der Ihnen mit kleinem Aufpreis den richtigen Tarif berechnet.

Post

Eine Postkarte nach Europa kostet 80 ¥, Briefe unter 10 g 130 ¥. Die zahlreichen Postfilialen sind meist Mo-Fr 9-17, Hauptpostämter 9-19 Uhr geöffnet. Sa/So ist die Post - mit Ausnahme einiger Hauptpostämter - geschlossen.

Preise & Währung

Das Preisniveau ist generell sehr hoch - vergleichbar etwa mit dem Standard von London oder New York.

Die japanische Währung ist der Yen (¥), gleichzeitig die kleinste Einheit. Münzen gibt es bis 500 Yen, Scheine ab 1000 Yen.

Strom

110 Volt Wechselstrom. In Japan werden zweipolige Flachstecker benutzt. Vor der Abreise empfiehlt es sich, einen Reisestecker-Adapter zu besorgen

Telefon & Handy

Von Deutschland, Österreich oder der Schweiz nach Japan wählen Sie 0081, dann die Vorwahl ohne die erste 0 und dann die Teilnehmernummer.

Für ein Gespräch von Japan ins Ausland muss zuerst eine Telefongesellschaft gewählt werden (z. B. 001 für KDDI oder 0041 für Nicon Telecom), dann der nationale Code (Deutschland 49, Österreich 41, Schweiz 43), dann jeweils die Vorwahl ohne die 0 und die Nummer des Teilnehmers.

Gespräche ins Ausland können Sie von öffentlichen Telefonen aus führen - entweder mit Telefonkarte oder Münzgeld. Karten sind in zahlreichen Geschäften und Kiosken erhältlich, akzeptiert werden außerdem Münzen (10, 100 oder 500 ¥) sowie Geldscheine. In Hotels und auf Flughäfen stehen Credit Phones von KDDI, die internationale Kreditkarten akzeptieren. Die Vermittlung hat die Telefonnummer 0051.

Für Touristen hat die japanische Regierung das Reisetelefon eingerichtet. Der englischsprachige Telefonservice hilft, wenn Sie in Schwierigkeiten geraten oder Auskunft benötigen. Bei öffentlichen Fernsprechern werfen Sie 10 ¥ ein, wählen die Nummer 106 und bitten auf Englisch um ein R-Gespräch mit dem TIC (collect call TIC).

Europäische Mobiltelefone funktionieren in Japan nur sehr selten. Mehrere Unternehmen vermieten jedoch Handys an ausländische Touristen und liefern bei Vorbestellung pünktlich ans Hotel oder zum Airport (www.rentafonejapan.com).

Trinkgeld

Trinkgeld ist weder in Restaurants noch in Taxis oder für Kofferträger üblich.

Übernachten

Auch in Japan gibt es relativ preiswerte Übernachtungsmöglichkeiten, allerdings sind sie nicht immer empfehlenswert. Einfache Herbergen (Zimmer unter 75 Euro) entsprechen oft nicht europäischen Standards. Touristen klagen regelmäßig über mangelhafte Hygiene. Geschlafen wird auf Futons, oft mit mehreren Personen im Raum. Zum Frühstück wird - wenn überhaupt - ein Reisgericht mit kaltem Fisch serviert, statt Kaffee ist meist nur grüner Tee verfügbar. Auch kann es vorkommen, dass Ausländer aufgrund der Sprachprobleme nicht willkommen sind. Leider dürfen Englischkenntnisse auch bei der jüngeren Generation Japans noch immer nicht vorausgesetzt werden. Businesshotels sind in der Regel beengt und verraucht. Frauen sind dort selten anzutreffen. Sogenannte Kapselhotels, meist in Bahnhofsnähe, sind ebenfalls nicht zu empfehlen.

Auffällig platziert vor allem an Autobahnen in der Nähe von Großstädten sind phantasiereiche oder grellbunt erleuchtete Herbergen, die "Love Hotels" genannt werden. Dabei handelt es sich nicht etwa um Bordelle, sondern um Stundenabsteigen für Paare - auch Ehepaare - die der häuslichen Enge einmal entfliehen möchten. Für unerfahrene Touristen sind diese Hotels ungeeignet, aber wer sich in Japan einigermaßen sicher fühlt, kann in hier recht komfortabel und preiswert übernachten, vor allem wenn er spät in der Nacht eincheckt, wenn der normale Publikumsverkehr abgeebbt ist.

Zeit

Japan ist Mitteleuropäischer Zeit (MEZ) um 8 Stunden und bei europäischer Sommerzeit um 7 Stunden voraus.

Zoll

Zollfrei nach Japan einführen darf man drei Flaschen alkoholische Getränke, 400 Zigaretten, 100 Zigarren oder 500 g Tabak, 60 g Parfüm sowie Geschenke im Wert bis 200000 ¥, allerdings keine Wurst- oder Fleischwaren. Wollen Sie Pflanzen oder Tiere mitbringen, müssen Sie die geltenden Quarantänebestimmungen beachten.

Bei der Heimkehr sind Waren bis zum Wert von 430 Euro zollfrei. Sonstige Freimengen: 200 Zigaretten oder 100 Zigarillos oder 50 Zigarren oder 250 g Tabak, 50 ml Parfüm und 0,25 l Eau de Toilette, 1 l Spirituosen und 2 l Wein. Mehr unter www.zoll.de

Was kostet wie viel?

Kaffee

3 Euro für eine Tasse im Café

Bier

4 Euro für ein kleines Glas

Nudelsuppe

ab 5 Euro für eine einfache Suppe

Museum

ab 5 Euro für den Eintritt

Fächer

25 Euro für einen Souvenirfächer

U-Bahn

ab 1 Euro für ein Ticket (einfache Fahrt)

Events, Feste & mehr

Offizielle Feiertage
Allgemein

Japan hat 14 amtliche Feiertage. Arbeitsfrei sind zudem etliche Brückentage. Fällt ein Feiertag auf ein Wochenende, wird er am Montag nachgeholt. Hauptferien- und Reisezeiten (mit überfüllten Verkehrsmitteln) sind die Goldene Woche Anfang Mai, das Ahnengedenkfest O-Bon Mitte August und Kaisers Geburtstag Ende Dezember.

1. Jan.

Neujahr

2. So im Jan.

Volljährigkeitstag: Junge Leute ziehen in prächtiger Kleidung durch die Straßen

11. Feb.

Staatsgründungstag

20. oder 21. März

Frühlingsanfang

29. April

Tag der Natur

3. Mai

Verfassungstag

5. Mai

Knabentag: Familien mit Söhnen hängen Bambusstangen mit bunten Stoffkarpfen in den Wind, die Widerstandskraft und Ausdauer demonstrieren sollen

20. Juli

Tag des Meeres

15. Sept.

Tag der Alten

23. oder 24. Sept.

Herbstanfang

2. Mo im Okt.

Tag des Sports

3. Nov.

Tag der Kultur

23. Nov.

Tag des Arbeitdanks

23. Dez.

Kaisers Geburtstag: Die Kaiserfamilie zeigt sich auf einem Palastbalkon.

Feste & Veranstaltungen
Januar

Jahreswechsel (31. Dez.-3. Jan.): Man besucht Schreine, Verwandte und Geschäftspartner, macht Geschenke und speist üppig.

Februar

Setsubun (3. Feb.): In Tempeln und Schreinen wirft man zum Ruf "Geister raus, Glück ins Haus!" Bohnen in die Luft.

Schneefestival (1. Februarwoche) im Odori-Park von Sapporo u. a. mit Eisnachbildungen berühmter Gebäude und Phantasiefiguren. www.snowfes.com

Fest der Nackten (3. Sa): Der Tempel Saidai-ji bei Okayama zelebriert ein Reinigungsritual, bei dem mit einem Lendenschurz bekleidete junge Männer Ruten fangen, die Priester in die Dunkelheit werfen.

März/April

Puppenfest (3. März): Kleine Mädchen erhalten Puppen, die den alten Hofstaat darstellen.

Kirschblüte (Ende März/Anf. April): Wenn ein Schleier von rosaweißen Blüten das Land überzieht, beginnt das größte Volksfest mit Essen, Trinken und Gesang. Die größte Sakura-Party (Sakura heißt Kirschblüte) findet in Tokios Ueno-Park statt.

Mai

Sanja-Fest (16.-18. Mai): Rund 80 Tragschreine werden unter Trommeln und Rufen zum Asakusa-Schrein in Tokio transportiert.

Toshugu-Fest in Nikko (17.-18. Mai): Tausend als Samurai verkleidete Männer eskortieren Tragschreine, mit Bogenschießen zu Pferde.

Juli

Gion Matsuri in Kyoto (17. Juli): Festumzug der Geishas in prächtigen Prozessionswagen

Sumida- und Rainbow-Fest in Tokio (3./4. Sa) mit Feuerwerk am Sumida-Fluss

August

Fuji-Rockfestival (Anfang Aug.) in Naeba: trotz Eintritt von über 300 Euro ein Magnet für 250000 Fans

Laternenfest des Kasuga-Schreins in Nara (15. Aug.): 3000 Lichter erhellen den Weg zum Schrein.

Totenfest O-Bon (um den 15. Aug.), bei dem nach buddhistischem Glauben die Ahnen zurückkehren.

Oktober

Jidai Matsuri in Kyoto (22. Okt.): Zum Gedenken an die Stadtgründung 794 Aufzug von Bürgern in historischen Kostümen

November

Shichi-Go-San (15. Nov.) (wörtlich: sieben, fünf, drei): Bei diesem Kinderfest beten malerisch ausstaffierte drei- und siebenjährige Mädchen sowie fünfjährige Jungen in Schreinen oder Tempeln um Segen. Am schönsten am Meiji-Schrein in Tokio

Im Trend

Taschenspielereien
Spiele

Es geht auch ohne Handy und Konsole. Japans Trendsetter haben ihre Minispiele am Schlüsselbund hängen. Wenn Sie es lieben, Luftpolsterfolie zum Platzen zu bringen, dürfen Sie das Land nicht ohne Puchi Puchi verlassen. Süße Sojaböhnchen in ihrer Schote verschieben - darum geht es bei Mugen Edamame (beide www.bandai.co.jp). Kaufen können Sie sie z. B. in Japans Hauptstadt im Tokyo Hands Department Store (Times Square Building | Shinjuku).

East meets West
Bars

An einem Tag von Mexiko nach Schweden und zurück nach Japan. Beim Barhopping in Tokio ist das gar kein Problem. Hunderte Tequila- und Mezcalsorten gibt es bei Agave (Minato). Im Zoetrope (Shinjuku) hat man sich dagegen auf Whiskey aus aller Welt spezialisiert. Im skandinavischen Aquavit (Minato) ist der Name Programm. Serviert werden diverse Kümmelschnäpse und dazu nordische Küche.

Schöner schlafen
Übernachten

Eine Sanierung hat das Hoshinoya Karuizawa (Hoshino | Karuizawa) zu einem modernen Reisegasthaus gemacht. Aber auf Tradition, z. B. in Form eines japanischen Miniaturgartens, müssen Sie bei einem Besuch dennoch nicht verzichten. Althergebrachtes und zeitgemäßer Komfort kommen im Kaichoro (Ikaho | Ikaho) sehr gelungen zusammen - in Form von neuester Nippon-Technik und einem klassischen japanischen Bad. Hinter den Reispapierwänden des Hoshinoya Kyoto (Arashiyama | Nishikyo) warten unter anderem europäische Antiquitäten und ein französisches Restaurant auf Sie.

Kunst für den Leib
Mode

Einkaufen ist in Japan ein echtes Erlebnis. Coole Stores wie der riesengroße Dover Street Market Ginza (Ginza Komatsu West | Tokio) - inspiriert von dem Londoner Markt - muten fast an wie Galerien. Sie wollen wissen, woher die Tokioter ihre verrückten Outfits bekommen? Dann besuchen Sie doch einmal das Candy (Shibuya). Dort gibt es Mode von angesagten Designtalenten - wie etwa Mikio Sakabe (www.mikiosakabe.com) - und zudem noch ausgeflippte Secondhandmode. Osakas heißestes Talent mit Nadel und Faden ist Yoruko Banzai (www.yorukobanzai.com). Seine Designs gibt es in seiner Heimatstadt beispielsweise im Excube (Yamazaki Building | Naniwa), das sowohl Laden als auch Galerie ist. In Kobe ist die Boutique Miki (Hyogo) einen Besuch wert und in Osaka der Flagshop-Store von Roggykei (Nishi).

Nächtlicher Marathon
Wilde Feier

Wenn Sie das passende Outfit gefunden haben, führt in Tokio der Weg in Trend- und Ausgehviertel Shibuya: Anlaufstelle Nummer eins ist der Trump Room (Hoshi Building), der wohl ausgefallenste Club der Stadt. Oder aber Sie ziehen weiter ins Dommune (Sunrise Building). Bei nur etwa 50 Plätzen wird es schnell voll. Wenn Sie kein Ticket mehr für ein angesagtes DJ-Event bekommen, können Sie sich den Abend auch als Livestream im Internet ansehen. An der Grenze des Viertels liegt das Stand S, das mit seinen Holzwänden an eine Skihütte oder Sauna erinnert. Zusammen mit Latin Beats und Mojito-Bier entsteht ein unvergessliches Gesamtbild.

Bloss nicht

Hände schütteln

Beim Betreten eines Hotels, Restaurants oder Geschäfts begrüßt man Sie mit Verbeugungen. Besonders in der Provinz reagieren Japaner verstört, wenn Sie darauf die Hand schütteln wollen. Sie selbst (als Ausländer) müssen sich nicht verbeugen. Ein freundliches Gesicht tut es auch.

Vergessen, die Schuhe auszuziehen

Wer in einem japanischen Gasthof wohnt, ein mit Strohmatten ausgelegtes Restaurant besucht, sich einen Tempel oder Schrein anschaut, muss seine Schuhe ausziehen. Japaner bevorzugen für solche Touren Slipper. Eine besondere Tücke sind Toiletten in schuhfreien Zonen. Dort stehen aus hygienischen Gründen spezielle Pantoffeln. Immer wieder vergessen Ausländer, nach getanem Geschäft in die Hauspantoffeln zu wechseln, und spazieren unter dem verstohlenen Lächeln der Japaner in Kloschlappen durchs Gelände.

Taxifahrregeln missachten

Regel Nummer eins: Fassen Sie keine Tür an. Die hinteren Türen öffnet und schließt der Fahrer von seinem Sitz aus. Es gilt als hinterwäldlerisch, wenn man das nicht weiß. Fahrgäste platzieren sich generell im Fond. Die Taxifahrer sprechen bis auf wenige Ausnahmen keine Fremdsprachen, auch kein Englisch. Vergessen Sie daher nicht, Ihre Zieladresse auf Japanisch mitzunehmen.

Ungewaschen ins Gemeinschaftsbad

Beim Entspannen in den herrlichen heißen Quellen (Onsen) werden Ausländer fast immer argwöhnisch beobachtet. Japaner fürchten, die Gaijin würden ungewaschen in das Gemeinschaftsbad steigen. Man muss sich unbedingt - für jedermann sichtbar - gründlich schrubben und abseifen. Japaner hocken dazu meist auf Holzschemeln und begießen sich mit einem kleinen Holzzuber. Nehmen Sie viel Seife, das überzeugt!

Zur falschen Zeit reisen

Im Juli und August stöhnen selbst Japaner unter dem Klima. Etwas kühler, aber dafür sehr regnerisch ist der Frühsommer von Mitte Mai bis Juni. Nass und wenig einladend kommt in der Regel auch der Spätsommer mit seinen Taifunen daher. Schön sind Frühjahr und Herbst, doch meiden Sie die Goldene Woche Ende April/Anfang Mai, weil in dieser Kette von Feiertagen halb Japan unterwegs ist. Gleiches gilt zum Seelenfest O-Bon Mitte August.

Streiten

Japaner haben eine ausgeprägte Abneigung gegen offene Konfrontationen und ein starkes Bedürfnis nach Harmonie, die oft einen höheren Stellenwert als die Wahrheit bekommt. Unterdrücken Sie persönliche Empfindungen. Emotionen - sagen Japaner - sollten erfühlt werden. Es gilt als unfein, sie verbal auszudrücken oder sie sich anmerken zu lassen.

Stichworte

Amae

Kein Begriff umschreibt die japanische Seele treffender. Übersetzt bedeutet Amae in etwa: das Gefühl, an der Mutterbrust zu liegen. Übertragen ist es eine Art Urvertrauen, gut aufgehoben zu sein, zwanglos und ungehemmt. Amae kann man nur in einer engsten Gruppenbeziehung erreichen, einer Art innerer Zirkel ähnlich einem mystischen Bund.

Diese tief empfundene Vertrautheit spürt man in der Familie oder bei den Nachbarn, später in der Schule oder dem Club. Ohne Amae könnte ein Japaner vielleicht mit Frau und Kind leben, aber in seiner Firma niemals bestehen. Er braucht den festen Platz in der Gesellschaft. Das ist der Schlüssel zu vielen Eigenarten, z. B. zu der offenen Ablehnung von Individualismus, der in diesem Land oft als Egoismus und Außenseitertum interpretiert wird. "Auf einen Nagel, der hervorsteht, haut man drauf", heißt ein Sprichwort, das bereits Schüler lernen.

Bonsai

"Alles in Japan ist klein, und am besten lässt sich das am Bonsai ermessen." Mal ehrlich: Denken Sie nicht auch so? Ein wenig haben Sie damit sogar recht. Und es ist auch wahr, dass die Platznot in den Großstädten die Menschen zum Verzicht auf einen eigenen Garten zwingt. Aber Bonsai-Züchten ist vor allem eine Kunst, von der ganze Dörfer leben. Eine japanische Kiefer oder ein Mandarinenbäumchen im Miniformat als ein Reisesouvenir? Das ist eine nette Idee, die locker ins Handgepäck passt. Aber Vorsicht! Bei allem Zwergwuchs sind die Preise besonders für alte Bonsai stattlich.

Fugu

Eine Einladung zum Fugu-Essen hat einen scheinbar gefährlichen Beigeschmack. Dabei ist der Verzehr eines Kugelfischs - zumindest im Spezialitätenrestaurant - mitnichten "japanisches Roulette". Es ist schon lange kein Fall mehr bekannt geworden, dass jemand an einer Fugu-Vergiftung gestorben ist. Nur Fischköche mit Sonderlizenz dürfen den kostspieligen Genuss kredenzen. Sie haben jahrelang trainiert, mit dem Messer in keinem Fall die Leber und andere Eingeweide des Kugelfischs zu verletzen, die tödliches Tetrahydrotoxin enthalten können. Aber meist kommt ohnehin nur der kaum kontaminierte Toso-Fugu auf den Tisch.

Geisha

Die meisten Touristen schwärmen von den Geishas, die sie in den Gassen von Kyoto fotografiert haben, und meinen eigentlich Maikos, Geisha-Auszubildende. In Kostüm und Make-up kommen die Maikos dem japanischen Schönheitsideal sehr nahe - ovales Gesicht mit kirschrotem Mund, Augenbrauen wie Halbmonde, die Haut makellos weiß, das Haar pechschwarz, ein sinnlicher, langer Hals und die in den Seidenkimono gehüllte Figur sanft gerundet.

Während die Geishas für Veranstaltungen - etwa in Teehäusern - gebucht werden, wird von den 16- bis 20-jährigen Geisha-Lehrlingen keine auserlesene Tanz-, Gesangs- oder gar Konversationskunst erwartet. Sie werden zum Anschauen gebucht und sind ein beliebtes Fotomotiv.

Generation "Pflanzenfresser"

Fast 50 Prozent der unverheirateten Japanerinnen im Alter zwischen 18 und 34 Jahren bevorzugen ein permanentes Single-Dasein. Noch beziehungsresistenter sind die männlichen Insulaner. Mehr als 61 Prozent der unverheirateten Japaner haben nicht einmal eine Freundin. Vor allem die Verweigerung japanischer Männer macht den Demographen wegen der Überalterung der Gesellschaft Sorgen. Man spricht schon von der Generation Pflanzenfresser (soshokukei danshi), was aber mit Vegetariern nichts zu tun hat. Es ist ein Wortspiel, denn im Japanischen wird Sex als fleischliche Beziehungen übersetzt.

Flirtchancen? Eigentlich aussichtslos. Lust auf eine Romanze? Nein! Partylaune? Tendiert gegen null. Interesse an Sex? Dito. Japans Jugend kapselt sich immer mehr vom anderen Geschlecht ab. Nippons Töchter und Söhne bevorzugen das Alleinsein als Lebensprinzip, belegen jüngste Studien. Die Hälfte aller Befragten gab zu Protokoll, sie wären überhaupt nicht an einem Liebesverhältnis interessiert, nicht einmal an einem Rendezvous. Eine intensive und intime Beziehung zum anderen Geschlecht sei ihnen nichts wert, würde nur Zeit kosten und die individuelle Freiheit einschränken. Arbeit und Hobbys hätten einen höheren Stellenwert als ein festes Verhältnis oder gar eine Ehe.

Gengo

Wundern Sie sich nicht, wenn Sie auf einem amtlichen Dokument oder einer Restaurantrechnung eine Jahreszahl finden, die Sie nicht identifizieren können. Datiert wurde dann mit Sicherheit nach dem Gengo, dem sogenannten Kaiserkalender. Wer 1950 das Licht der Welt erblickte, trägt in der Geburtsurkunde die Jahreszahl Showa 25 - benannt nach der Ära von Kaiser Hirohito. Als dieser am 7. Jan. 1989 starb, ging das 64. Jahr Showa (Leuchtender Friede) schon nach sechs Tagen zu Ende. Es begann die Amtszeit von Kaiser Akihito und damit die Ära Heisei (Umfassender Friede). Japan begann das neue Jahrtausend im 13. Jahr Heisei. Aber wenn Sie 2001 sagen, verstehen das auch die meisten.

Manga

Sie machen bereits 40 Prozent aller Druckerzeugnisse in Japan aus: Mangas. Die japanische Variante eines Comics ist quer durch alle Schichten beliebt, es gibt Mangas für jedes Alter, zu jedem Thema und für jedwede sexuelle Orientierung. Und es gibt Untergruppen: Bei Jugendlichen unterscheiden sich Mangas für Mädchen (Shojo) von denen für Jungen (Shonen), bei Erwachsenen die für Frauen (Josei) von denen für Männer (Seinen) - letztere können ziemlich pornografisch sein. Seit 2000 sind Mangas und Animes (Animationsfilme) in Japan als eigenständige Kunstform anerkannt. In Kyoto gibt es sogar eine Fakultät für Mangas mit angeschlossenem Museum.

Mobilverrückt

Das Handy ist wie ein Spiegel der Eitelkeiten: Als hätte sich ein hochinfektiöses Virus verbreitet, zieht jede Japanerin und jeder japanische Geschäftsmann beim Betreten eines Restaurants, in der U-Bahn und im Bus erst einmal das Keitai, das Handy, hervor und widmet sich neuen Botschaften, Nachrichten oder Spielen. Auch bei Gruppen und Paaren gilt das Prinzip: Dem Telefon gebührt Vorrang vor jeder Konversation.

Mystik

Ein Freitag, der 13., kann einen Japaner nicht erschüttern. Hier herrschen andere Mystizismen. In Japan diktiert der Rokki - der Mondkalender - wichtige Entscheidungen. Der meistgefürchtete Tag ist der Butsumetsu. Nach dem chinesisch-japanischen Mondkalender gilt er, der wörtlich übersetzt "der Tod Buddhas" bedeutet, als ausgesprochener Unglückstag. Im Sechs-Tage-Rhythmus trübt er die Laune und bremst die Aktivitäten spürbar. Am Butsumetsu, so will es der Volksglaube, werden keine wichtigen Entscheidungen gefällt, keine Feiern veranstaltet. Selbstverständlich wird am Butsumetsu auch nicht gern geheiratet. Die meisten warten bis zum Taian - der Glückstag verspricht fünf- bis sechsmal im Monat beste äußere Umstände.

Onsen

Japan liegt in vulkanisch aktiven Gebiet, deshalb sind die heißen Thermalquellen allgegenwärtig. Onsen ist die japanische Version einer Sauna. Man versteht darunter einen Thermalbadeort, der aus einer heißen Quelle gespeist wird. Das Onsen ist ein Ort der Entspannung. Die Japaner achten sehr auf Sauberkeit, daher sollten Sie beim Besuch ein paar Regeln beherzigen, damit Sie nicht unangenehm auffallen: erst duschen, bevor Sie das Bad betreten. Seifenreste gründlich abspülen. Und nicht vergessen: Schuhe rechtzeitig ausziehen!

Samurai

Es gibt schon seit fast 150 Jahren keine Samurai mehr, aber viele Japaner benehmen sich noch heute mit Vorliebe so, wenigstens in ihrer Phantasie. Die Geschäft, Geld und Gefühl verachtenden Mitglieder der Kriegerkaste verstanden sich als treue Erfüllungsgehilfen der Feudalherren, als ordnender Faktor und Elitekämpfer zugleich - das Wort leitet sich von samurau (dienen) ab. Ihr Oberkommandierender ist der Militärherrscher Shogun - im Mittelalter oft der politische Gegenspieler des Kaisers.

Zum Selbstverständnis eines Samurai gehörte ein Ehrenkodex, der sich im Laufe von Jahrhunderten zum gesetzähnlichen Bushido, dem Weg des Kriegers, verfeinerte und dessen Höchstform im rituellen Selbstmord Seppuku (im Westen meist Harakiri genannt) gipfelte.

Shintoismus

Mit ihren Shinto-Göttern haben sich die Japaner prächtig arrangiert. Ohne deren Segen kann kein Haus eingeweiht und kein Vertrag unterzeichnet werden. Kein neues Taxi darf ohne Götterreinigung den ersten Passagier transportieren. Während das Christentum in Japan eine untergeordnete und der Islam keine Rolle spielt, ist der Buddhismus als gleichberechtigte "Zweitreligion" zuständig für alles, was mit dem Sterben zu tun hat. Das Leben jedoch ist Shintoismus.

Vor allem, wenn es ums Geld geht, wird kräftig gebetet und gespendet. Wer ein gutes Geschäft machen will, betet den Gott Inari an, der - ursprünglich als Gott des wichtigsten Nahrungsmittels Reis - heute zuständig ist für Reichtum. In den Zeni-arai Benten, den Tempel der Geldwäsche von Kamakura, pilgern jeden Tag Tausende, um Geld im Quellwasser zu waschen, das sich dadurch auf das Doppelte bis Hundertfache vermehren soll.

Tenno

Japans Kaiser ist weder ein regierender Monarch noch ein Staatsoberhaupt und auch kein lebendiger Gott, jedenfalls nicht mehr, seit Kaiser Hirohito 1945 auf diesen Anspruch verzichten musste. Die Verfassung beschreibt den Hüter des Chrysanthementhrons als "Symbol des Staats und der Einheit des Volks". Weil keiner so recht weiß, was damit gemeint ist, wird die kaiserliche Rolle nach Gutdünken ausgelegt. Einig ist man sich darin, dass fast 2700 Jahre ununterbrochenes Kaisertum seit dem Urherrscher Jimmu (angeblich 660 vor unserer Zeitrechnung) und seinen bisher 124 Nachfolgern ein starker Beweis für die Kontinuität der japanischen Nation ist.

Öffentlich wahrgenommen wird der aktuelle Kaiser Akihito, der 1989 inthronisiert wurde und als erster Tenno mit einer Bürgerlichen verheiratet ist, äußerst selten. Zweimal im Jahr, zu seinem Geburtstag am 23. Dez. und zu Neujahr, lässt er sich vom Volk bejubeln, und gelegentlich nimmt er protokollarische Termine wahr und verreist zuweilen auch zu Staatsbesuchen. Der Hof achtet streng darauf, dass der Tenno als "Mensch über den Wolken" kein Diskussionsthema ist.

Tsunami

Es ging alles verheerend schnell. In Sekunden verschwanden Vorstädte und Dörfer, Flug- und Seehäfen unter Wassermassen. Mit Brachialgewalt raste die dunkle Flutwelle aufs Land, überrollte Siedlungen, riss Häuser, Bäume und Elektroleitungen mit sich, verschlang Autos und Schiffe, begrub ganze Landstriche. Feuer gerieten außer Kontrolle. Wer die Katastrophe in Nordostjapan überlebte, stand fassungslos im Freien.

Knapp eine Stunde nach dem Rekordbeben der Stärke 9 am 11. März 2011 überrollte ein Tsunami - zu deutsch Welle im Hafen - das Katastrophengebiet im Nordosten Japans. Den Namen hatten japanische Fischer vor Jahrhunderten geprägt, wenn sie von einer Fangfahrt zurückkehrten und im Hafen alles verwüstet vorfanden, obwohl sie auf offenem Meer keine Springwelle bemerkt hatten. Dieses Naturphänomen entsteht zu 90 Prozent durch starke Beben unter dem Ozeangrund, fast immer im Pazifik. Die Welle kann sich über sehr große Distanzen ausbreiten, staucht sich in geringer Wassertiefe, türmt sich am Ufer zu einer bis zu 40 m hohen Springflut auf und rast am Ende zurück, alles mit sich reißend, was zuvor an Land überflutet wurde.

Umami

Als der japanische Fernsehsender NHK in einer populären Kochsendung Kindern zwei Suppen vorsetzte, befanden diese kollektiv, jene Variante, die einen zusätzlichen Geschmack aufwies, sei lecker (umai), die pure Brühe fanden sie dagegen lasch. Die kleinen Japaner demonstrierten dabei instinktiv ihren Sinn für den sogenannten fünften Geschmack (neben süß, sauer, salzig, bitter), der nach dem japanischen Wort für köstlich oder lecker umami getauft wurde. Erstmals erkannt hat diesen Gaumenkitzel 1907 der Forscher Kikunae Ikeda, als er vor einer Brühe aus Seetang, Trockenfisch und Pilzen saß und sich wunderte, wieso diese Suppe dem Sojabohnenquark einen besonderen Kick gab. Er fand heraus, dass die Substanz, die diese Geschmacksqualität ausmacht, Glutamat ist, eine der am weitesten verbreiteten Aminosäuren.

Bücher & Filme

Darum nerven Japaner

Christoph Neumann gibt mit diesem Buch, das erstmals 2006 erschien, einen Einblick in den "ungeschminkten Wahnsinn des japanischen Alltags"

Schönheit und Trauer

Yasunari Kawabata, Japans erster Literaturnobelpreisträger, führt die Leser durch seine Lieblingsstadt Kyoto. Auf Deutsch zuerst 1987

Gefährliche Geliebte

Haruki Murakami, derzeit der erfolgreichste japanische Autor, seziert mit diesem Roman (2000 auf Deutsch erschienen) die Seele der Tokioter. In Deutschland wurde das Buch pornografisch genannt, was Japans Kritiker nicht verstehen können

Kirschblüten-Hanami

Regisseurin Doris Dörrie erzählt in ihrem Film von 2009 vom Leben und Tod in Japan. Auch in den früheren Arbeiten "Erleuchtung garantiert" oder "Der Fischer und seine Frau" war sie schon fasziniert von der spirituellen Kraft Nippons

Chihiros Reise ins Zauberland

Der bisher erfolgreichste japanische Film (2003) ist ein Anime: Regisseur und Manga-Zeichner Hayao Miyazaki gewann mit dieser Produktion unter anderem einen Oscar. "Chihiros Reise" führt ein kleines Mädchen in eine Welt der Mythen, Geister und Götter. Eine Art entfesseltes Disneyland, in dem man eines keinesfalls darf: seinen eigenen Namen vergessen

Fakten

Einwohner
124.776.364
Fläche
377.972 km²
Sprache
Japanisch
Währung
Yen
Strom
100 V, 50, 60 Hz
Regierungssystem
Konstitutionelle Monarchie
Hauptstadt
Shigaraki-Palast
Reisepass / Visum
notwendig
Ortszeit
21:02 Uhr
Zeitverschiebung
7 h (zu MESZ)
MARCO POLO Produkte
MARCO POLO Kontinentalkarte Japan, Korea 1:2 000 000
MARCO POLO Kontinentalkarte Japan, Korea 1:2 000 000
11,99 €
≫ Jetzt kaufen
MARCO POLO Reiseführer Japan
MARCO POLO Reiseführer Japan
12,99 €
≫ Jetzt kaufen
MARCO POLO Cityplan Tokio 1:15 000
MARCO POLO Cityplan Tokio 1:15 000
6,99 €
≫ Jetzt kaufen
MARCO POLO Reiseführer Tokio
MARCO POLO Reiseführer Tokio
12,99 €
≫ Jetzt kaufen
Nach oben