© Werner Nystrand, Visit Sweden

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Malmö - Oh boy! Eine Fahrrad-Stadt!

Auf dem Möllevang Torget in der Nähe der Altstadt von Malmö bieten Markhändler jeden Tag frisches Obst und Gemüse an. Erstklassige Ware. Deshalb ist viel los hier, aber auch, weil es einfach Spaß macht, über den quirligen Markt zu schlendern und die Atmosphäre einzusaugen. Vor dem Platz stehen Fahrräder, viele Fahrräder. Parkplatzsorgen? Gibt es hier nur für Autofahrer. Seit moderne – und schön designte – Lastenfahrräder auf dem Markt sind, ist auch der Transport des Einkaufs auf zwei Rädern kein Problem mehr. Fahrräder sind Kult-Objekte in Malmö. Radfahren ist in. Und praktisch. Es gibt hier inzwischen 500 Kilometer gut ausgebaute Radwege. Auf der Rangliste der fahrradfreundlichsten Städte der Welt hat Malmö den 5. Platz erobert.

Lächerliche Autofahrten

Möllevangen ist ein ehemaliges Arbeiterviertel in einer Stadt, die den Abschied von der alten Werftindustrie und den Wandel zu einer modernen, ökologischen Metropole in rasanter Geschwindigkeit geschafft hat. Einer der Tempomacher: das Fahrrad. Mehr als 25 Prozent aller gefahrenen Kilometer werden in Malmö inzwischen per Fahrrad zurückgelegt. Dafür hat die Stadt eine Menge getan – mit einer exzellenten Infrastruktur, aber auch durch Aufklärung. "Vermeide lächerliche Autofahrten", heißt eine PR-Aktion. Malmö fordert seine Gäste und Einwohner auf, die unnötigsten und deshalb skurrilsten Fahrten zu beschreiben, die sie jemals mit dem Auto gemacht haben. Der Ansatz hat Erfolg. Es gibt wohl kaum eine Stadt, in der das Bewusstsein dafür, dass man durch eigenes Verhalten viel zum Umweltschutz beitragen kann, größer ist, als in Malmö.

Rundes an jeder Ecke

Malmö macht es allerdings auch jedem sehr leicht, sich mit dem Fahrrad zu bewegen. An 50 Stationen in der Stadt kann man sich ganz bequem ein Rad ausleihen und wieder abgeben. Für Touristen besonders interessant: Das 3-Tages-Ticket für 17 Euro und das Tagesticket für 8 Euro. Das Radwegenetz ist mit 510 Kilometern sehr gut ausgebaut und die Verwaltung hat sogar öffentliche Servicestellen eingerichtet, wo man kleinere Reparaturen durchführen kann.

Ein Haken für das Fahrrad

Ola gehört zu den Malmöern, die für ein erstklassiges Fahrrad gern etwas mehr Geld auf die Ladentheke legen. Mit Baseball-Cap, sportlichen Shorts und Jacke radelt er zu seinem Apartment im "Oh boy", einem neuen, 7-stöckigen Haus im Viertel Västra Hamnen. Das Gebäude ist bis ins letzte Detail auf die Bedürfnisse von Radfahrern ausgerichtet. Ola biegt mit einem schnellen Rechtsschwung zum Eingang ab. Um in seine Wohnung zu kommen, muss er nicht vom Rad steigen. Direkt vor der Haustür steht ein Stahlpfosten. An dem hält er sich fest, zieht seine Türkarte mit einem eleganten Schwung am elektronischen Türöffner vorbei. Die Haustür geht auf und Ola rollt gemächlich in den Hausflur. Der Aufzug hat natürlich eine extrabreite Tür. Ola tritt kurz in die Pedale und lässt sich in den 4. Stock befördern. Bis er bei seinem Apartment angekommen ist, hat er keinen Fuß auf den Boden gesetzt. Jetzt muss er sein wertvolles Rad nur noch in der Wohnung unterbringen. Er hängt es gekonnt an einen speziell für diesen Zweck konstruierten Haken – im Schlafzimmer.

Das Motel für Fahrräder

Der Blick aus Olas Apartment geht auf einen Skatepark, 200 Meter weiter rechts ragt der Turning Torso auf, das neue Wahrzeichen Malmös – ein Hochhaus, das einem leicht gedrehten menschlichen Körper nachempfunden ist. Dahinter schimmert das Meer. Mit dem "Oh boy" ist das Konzept Fahrradstadt endgültig angekommen im demnächst wahrscheinlich angesagtesten Wohnviertel Malmös. Ausgedacht hat sich das alles der Hamburger Architekt Cord Siegel mit seinem Team. Zu seiner Baubaracke, in der er gleich neben dem "Oh boy" schon am nächsten Projekt tüftelt, rollt er mit dem neuesten Modell eines hyper-kompakten Klapprades an. "Im Grunde ist unsere Idee alt", sagt er, "Das Oh boy ist ein Motel, nur eben eines für Fahrräder und nicht für Autos. Wir wollen, dass Malmö eine noch umweltfreundlichere Stadt wird."

Zimmer mit Rad

Neben den Apartments für Dauermieter bietet das "Oh boy" auch 31 fahrradfreundliche Hotelzimmer, die meisten davon Maisonette-Räume mit 22 Quadratmetern (weitere Infos unter ohboy.se). Für diese Fläche wirken die Räume erstaunlich groß, weil jeder Quadratzentimeter intelligent genutzt wird. Es gibt eine integrierte Küche, ein Bad und Schlafgelegenheiten für bis zu 4 Personen – einschließlich einer platzsparenden, aufspannbaren Hängematte. Alles wirkt skandinavisch-edel designt. "Wenn man eine kleine Fläche hat, muss man sehr gute Materialien nutzen. Wir haben hier zum Beispiel massive Esche verwendet. Und natürlich arbeiten wir mit Designern und Handwerkern aus unserer Region zusammen", erklärt Cord Siegel, der Architekt. Ach ja – ein Fahrrad ist natürlich im Zimmerpreis enthalten.

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