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Reiseführer
San Francisco

MARCO POLO Reiseführer

San Francisco

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Du planst einen Trip nach San Francisco, in eine der schönsten Städte der USA? Alles richtig gemacht! Vielleicht bist du schon auf dem Weg? Oder du sitzt bereits in einem Café vor Ort und weißt nicht, wo du zuerst hingehen sollst? Keine Panik, du bist in guter Gesellschaft: Vielen San Franciscans geht das auch nach Jahren noch so. Neben dem Pflichtprogramm wie dem Bestaunen viktorianischer Holzhäuser, der Cable Cars, der Golden Gate Bridge, Chinatown und der Seelöwen am Fisherman’s Wharf buhlen das ganze Jahr über Dutzende von Festivals, Konzerten, Sportveranstaltungen und Straßenfesten um die Aufmerksamkeit von Anwohnern und Besuchern.

Ständige Veränderung als Konstante

San Francisco – na gut, sag eben flapsig-cool „San Fran“ oder „The City“, nur ja nicht „Frisco“ – findet sich erst seit 1850 offiziell auf der Landkarte – und hat seitdem Kriege, Erdbeben und im Rathaus erschossene Lokalpolitiker mit links weggesteckt. Denn ständige Veränderung ist in San Francisco eine Konstante. Auf dem Heimatland der Ohlone-Indianer gründeten die Spanier mit dem Presidio 1776 eine erste Siedlung, die 1821 an die Mexikaner ging. 25 Jahre später kassierten die USA im Zuge des Mexikanisch-Amerikanischen Kriegs Kalifornien und damit auch San Francisco, das durch den Goldrausch von 1849 von 1000 auf 25 000 Menschen anwuchs.

Freie Sicht aufs Wasser

Von seinem heutigen Schmelztiegelcharakter war im letzten Jahrhundert noch wenig zu spüren: 1960 wohnten in der Hafenstadt rund 70 Prozent weiße Arbeiter der Mittelklasse. In den 1980ern rotteten die Hafenanlagen vor sich hin, während in der Innenstadt Banken und Dienstleister ihre prunkvollen Hauptquartiere hochzogen. Günstige, zentral gelegene Arbeiterhotels wurden eingeebnet und an ihrer Stelle die Messe- und Kulturtempel Moscone und Yerba Buena Center errichtet. Die nach dem großen Erdbeben von 1989 stark lädierten Stadtautobahnen riss man nach heftigen Debatten fast komplett ab. Gute Sache, denn heute joggt und flaniert man wieder vom Ferry Building zum Fisherman’s Wharf und genießt dabei spektakuläre Aussichten auf Stadt und Bucht.

Geschichte

  • 1776

    Spanische Pioniere errichten Presidio und Mission Dolores

  • 1846

    Die USA schnappen sich Kalifornien im Mexikanisch-Amerikanischen Krieg

  • 1849

    Ein Goldrausch lockt Glücksritter und Händler an

  • 1873

    Die ersten Cable Cars kraxeln die Clay Street hinauf

  • 1906

    Ein Erdbeben mit anschließendem Feuer zerlegt große Teile der Stadt

  • 1937

    Die Golden Gate Bridge wird eröffnet

  • 1967

    Hippies aus aller Welt feiern den Summer of Love

  • 1989

    Ein Erdbeben der Stärke 6,9 tötet 67 Menschen und verursacht $ 5 Mrd. Schaden

  • 1993

    Der erste Dotcom-Boom lässt Mieten und Preise explodieren

  • 2004

    Bürgermeister Gavin Newsom erlaubt die Homo-Ehe

  • 2022

    Die Golden State Warriors feiern die vierte NBAMeisterschaft in nur acht Jahren

Hightech regiert

Mitte der 1990er startete mit dem Siegeszug des Internets die Dotcom-Revolution. Deren Blase platzte zwar 2001, doch davon will heute keiner mehr etwas wissen: Auch wenn die Aktienkurse der Internet- und Techfirmen kräftig schwanken, schießen sowohl im Silicon Valley wie auch in San Francisco immer noch immer größere Bürogebäude in die Höhe. Andere Firmen versuchen einen Spagat zwischen Vergangenheit und Gegenwart: So schlug Twitter in einem seit langer Zeit leer stehenden Art-déco-Gebäude von 1937 seine Zelte auf, während Yelp ins historische Pacific Telephone Building zog. Im Zuge der Corona-Pandemie verließen jedoch viele große Tech-Firmen die Stadt oder gar den Staat Kalifornien. Die Folgen des Exodus: weniger Steuereinnahmen für beide.

Millionenstadt in spe

Weil so viele in San Francisco ihren Start-up-Traum erfüllen wollen, wuchs die Bevölkerung der Stadt lange Zeit konstant. Jedenfalls bis 2018: In den Folgejahren verlor die Stadt rund zehn Prozent ihrer Einwohner. 2022 waren es nur noch rund 808000 (2017: 885000). Doch das Tal scheint durchschritten, denn noch immer locken Jobs bei Google, Apple, Facebook & Co. Die Mieten und Lebenshaltungskosten ziehen wieder an, die gerade mal 121 km² große Stadt droht wieder einmal aus allen Nähten zu platzen. Erschwerend kommt hinzu, dass der Pazifik und die San Francisco Bay den Ort an drei Seiten mit Salzwasser umschließen. Erwähnten wir die Berge – okay, die Hügelkette – im Süden der Stadt?

Mieten wie in Manhattan

Die logische Folge: The only way is up! So schießen insbesondere im Stadtteil SoMa – kurz für South of Market – die Apartment- und Bürowolkenkratzer in die Höhe. Der größte Bauboom der letzten 30 Jahre sorgt nicht nur dort für Umbrüche: An der Market Street wie auf dem Russian Hill schlossen Traditionsgeschäfte, um für weit über hundert Eigentumswohnungen Platz zu machen. Auf dem Potrero Hill kämpften an sich krisenfeste Handwerker gegen den Rauswurf. Immobilienmakler und Investoren treiben den Preis der letzten Freiflächen in schwindelerregende Höhen. Oh, und die durchschnittliche Miete für eine Zweizimmerwohnung? Zuletzt warst du mit $ 3358 pro Monat dabei.

Verbrechen lohnt sich (nicht)?

Um Kosten für Strafverfolgung und -vollzug zu sparen, sorgte ein Bürgerentscheid dafür, dass Eigentumsdelikte bis $ 950 nicht mehr als Straftaten, sondern als Ordnungswidrigkeiten gelten. Seitdem werden Ladendiebstähle weder groß gestoppt noch geahndet – heute gehören daher abgeschlossene Waschmittelund Eisregale (!) etwa bei Walgreens zum Alltag. Spiel also nicht den Helden, wenn sich dort jemand den Rucksack vollstopft. Ende 2021 raubten Diebesbanden sogar Edelboutiquen rund um den Union Square aus. Weil dieses Viertel für rund 70 Prozent aller Tourismuseinnahmen der Stadt sorgt, steht dort nun eine mobile Polizeiwache. Auch Autos und deren Inhalte werden ebenfalls am helllichten Tag gestohlen – räum den Leihwagen deshalb immer leer.

Wilde Schönheit am Pazifik

Aber warum will dennoch jeder in die City by the Bay? Die Antwort: Weil es hier zwar eng und laut, aber noch immer atemberaubend schön und einzigartig ist – und das an fast jeder Ecke. Etwa, wenn du mit letzter Kraft einen der rund 50 Hügel der Stadt erklimmst, dich in den von Westen wehenden Wind lehnst und den Sonnenuntergang an einem feuerroten bis vanillefarbenen Himmel genießt – so dir der legendäre Nebel nicht die Sicht versperrt. Oder wenn eine auf dem Telegraph Hill lebende, laut gackernde Papageienschar über dich hinwegflattert. Oder wenn du erlebst, wie eine Kindergartengruppe mit großen Augen die exotischen Auslagen der Händler in der Stockton Street mustert.

Stadtleben: vielfältig und progessiv

Etwa tausend verschiedene Volksgruppen nennen San Francisco ihr Zuhause. Sie alle wollen authentisch essen und leben. Daher besitzt fast jeder Stadtteil seine eigene kulturelle Identität. In Chinatown ist, unschwer zu erraten, alles komplett auf Chinesisch ausgeschildert. Einen Block weiter nördlich lockt das italienische Viertel North Beach: Hier sitzen italo-amerikanische Patriarchen an den Tischen vor den Restaurants der Columbus Avenue und schauen dem bunten Treiben zu. Im Mission District im Osten der Stadt machen Tech-Hipster den dort ansässigen Latinos Haus und Hof streitig – wobei die Latinos ihrerseits Deutsche, Iren, Italiener und Skandinavier vertrieben haben. Auch im Castro-Viertel gleich nebenan waren einst Iren und Skandinavier am Start. Heute flattert an der Ecke Castro und Market eine riesige Regenbogenfahne. Nicht von ungefähr: Laut Volkszählung aus dem Jahr 2021 erklärten nämlich 6,7 Prozent aller Bewohner der Bay Area, lesbisch, schwul, bi- oder transsexuell zu sein – mehr als in irgendeinem anderen Ballungszentrum der USA. 2004 setzte sich der damalige Bürgermeister Gavin Newsom prompt über das Verbot der erst 2013 in Kalifornien legalisierten Homo-Ehe hinweg und zeigte damit ganz plakativ, dass man in San Francisco in jeder Hinsicht tolerant und progressiv ist.

Beat-Poeten und Flower-Power

Toleranz und Progressivität haben in San Francisco Tradition. Zwei markante Beispiele sind die poetisch-politische Beat-Generation um Jack Kerouac und Allen Ginsberg der 1950er-Jahre und natürlich der berühmt-berüchtigte Summer of Love von 1967.Vor 55 Jahren schlug im Haight-Ashbury-Viertel gleich rechts vom Golden Gate Park die Geburtsstunde der Hippie-Bewegung. Zehntausende Blumenkinder trafen sich hier, um die Werte der Gegenkultur der 1960er zu zelebrieren, darunter Kunst, Selbstfindung, Protest gegen Krieg, Konsumkultur und die Regierung. Freie Drogen und freien Sex nicht zu verschweigen. Hippies muss man heute mit der Lupe suchen. Stattdessen leben entlang der Haight Street zumeist jüngere Obdachlose. Für dich als Besucher überwiegen die positiven Effekte des ständigen Umbruchs: Dank hoher Bevölkerungsdichte ist der etwas eigenwillige öffentliche Personennahverkehr gut ausgebaut. Der bringt dich zu über 220 Parks und Orten zum Ausspannen – vom riesigen Golden Gate Park bis zu Mini-Parklets in Wohnvierteln. Oft veranstalten Anwohner öffentlicher Grünanlagen dort Aktionen wie Kunstausstellungen und Open-Air-Kinoabende. Halt also die Augen nach entsprechenden Plakaten an Laternenpfählen und Schaufenstern offen.

Zwangspause für die Diät

Augen auf auch, was das Essen betrifft: Neben der Qual der Wahl aus Hunderten von „normalen“ Cafés und Restaurants boomt in San Francisco die Street-Food- Kultur: Statt Burger und Fritten gibt es frisch servierte kulinarische Höhenflüge aus aller Welt. Teilweise rotten sich einzelne Anbieter zu Wagenburgen zusammen, Livemusik inklusive – etwa bei Spark Social SF (s. S. 82). Google ist hier dein Freund, denn so schnell, wie die fahrbaren Küchen ihre Claims abgesteckt haben, so schnell fahren sie weiter zum nächsten Standort. Hab bei alldem keine Angst, nach dem Weg zu fragen. Die meisten San Franciscans sind auf der Stelle bereit, dir zu helfen – oder fragen schon von sich aus, wenn sie jemanden mit einem Stadtplan am Straßenrand stehen sehen. Denn das erinnert sie daran, dass sie in einer Stadt leben, in der jemand anderes Urlaub macht: in San Francisco, einer der schönsten Städte der Welt.

Aktuelles Wetter

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San Francisco

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