
Reiseführer Chicago

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Düster, unheimlich und erdrückend erscheint die Stadt auf historischen Bildern. Sicher, es hat die legendären Schlachthöfe gegeben, aber heute erinnert nur noch das Eingangstor an alte Zeiten. Die berüchtigten Gangster wie John Dillinger und Al Capone sind tot, und die Kriminalitätsrate liegt unter denen vieler anderer Städte. Was für eine Überraschung, wenn man beim Besuch der Metropole die Vorurteile von der Wirklichkeit verdrängt sieht.
Was bleibt ist das extreme Klima, der Wind heult durch die Straßenschluchten: Windy City, ein Beiname, der nicht jedem gefällt. Und das Rattern der Hochbahn, ein Markenzeichen der Stadt. Doch Chicago am Lake Michigan zeigt sich kraftvoll und beeindruckend, eine ausufernde und laute Großstadt – doch gleichzeitig auch weltoffen und kosmopolitisch.
Chicago hat die höchsten Wolkenkratzer und längsten Shoppingmeilen, die eindrucksvollste Skyline, die geschäftigste Innenstadt, aber auch unendlich viele Museen, Theater und Kleinkunstbühnen, Diskotheken und Blueslokale, Strände, Parks und Radwege, dazu erstklassige Hotels und Restaurants.
Geschichte
Ca. 25 000–8000 v.Chr.
Indigene Nomaden siedeln im Gebiet der Großen Seen
1673
Jaques Marquette gründet eine Mission, aus der sich später Chicago entwickelt
1775–1783
Erfolgreicher Unabhängigkeitskrieg gegen England
1830
Gründung von Chicago
1871
Das Große Feuer tötet 200 Menschen und zerstört ein Drittel der Stadt
1885
Das Home Insurance Building in Chicago ist der erste Wolkenkratzer der Welt
1908
Gründung von General Motors. Henry Ford produziert in Detroit die ersten T-Modelle
1920–1933
Gangstersyndikate versorgen zur Prohibitionszeit die Bekerung illegal mit Alkohol
2008
Barack Obama hält seine erste Rede als Präsident im Grant Park von Chicago
2019
Lori Lightfoot wird die erste schwarze Frau im Bürgermeisteramt
2026
Den 250.Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung am 4.Juli begeht Chicago mit einer monatelangen Konzertreihe
Die Stadt zieht sich 30 Meilen an dem mit vielen Stränden gesäumten Lake Michigan entlang und bietet fast 2,8 Mio. Bürgern ein Zuhause – in der „Chicagoland” genannten Metropolregion mit den Vororten im Umland, leben bald 10 Mio. Menschen.
Vom Zwiebelfeld zur Metropole
Im 17.Jh. waren Louis Jolliet und Pater Jacques Marquette die ersten weißen Männer am Ufer des Lake Michigan, dort, wo später Chicago entstehen sollte. Damals gab es nur ein paar Hütten von Ureinwohnern und Wälder, in denen wilde Zwiebeln in Hülle und Fülle wuchsen. Deshalb nannten die Chippewa den Ort auch „Shegahg“, das Land der wilden Zwiebeln. Später kamen amerikanische Siedler, Chicago wuchs zu einer Stadt mit 40 000 Ew. heran. Die Lebensbedingungen waren schlecht, es gab viel Armut. Mit dem Ausbau der Eisenbahn und der Eröffnung des Illinois & Michigan Canal änderte sich die Situation. Chicago wurde zum größten Viehverladebahnhof und zum berühmt-berüchtigten Schlachthof der Nation, zum Verkehrsknotenpunkt und Handelszentrum. Nichts schien diesen Boom aufhalten zu können, bis es am 9.Oktober 1871 zu einer Katastrophe kam. Eine Kuh soll in einem Stall eine Laterne umgestoßen haben. Das Strohfeuer breitete sich rasend schnell aus. Beim Großen Feuer von Chicago mussten über zweihundert Menschen ihr Leben lassen, über 90 000 Menschen verloren ihr Heim und ihre Habe.
Experimentierfeld für Architekten
Das Unglück wurde aber auch zur Bewährungsprobe für die Bürger. Ein nie erwartetes Wirtschaftswunder ließ die Stadt in neuem Glanz erstrahlen. International anerkannte Architekten nutzten die Gunst der Stunde und planten die höchsten und kühnsten Gebäude. Innerhalb weniger Jahre bauten sie ein neues Chicago auf. Der Wasserturm, eines der wenigen Gebäude, die den Brand unbeschadet überstanden hatten, wurde zum Symbol für den Lebenswillen der Stadt und ihrer Bürger. So entwickelte sich Chicago nach dem Feuer zu einem Experimentierfeld für kreative und avantgardistische Architekten und Künstler. An der Ecke La Salle und Monroe Street errichtete William Le Baron Jenney 1885 eine zehnstöckige Konstruktion aus Stahlrahmen und Steinen, ein für die damalige Zeit revolutionäres Unternehmen. Das Experiment gelang: Das Home Insurance Building war stabiler als alle anderen Häuser, und der Begriff des Wolkenkratzers war geboren.
Höhen und Tiefen
Neue Akzente setzte auch die World’s Columbia Exposition, eine gewaltige Weltausstellung, die 1893 stattfand und auf ideale Weise das Wirtschaftswunder dokumentierte, das Chicago nach dem großen Feuer zu einem neuen Boom verhalf. Die Stadt wuchs zur „Skyscraper City“ heran, mit waghalsigen Wolkenkratzern, kühnen Skulpturen und weitläufigen Parks am Michigansee. Bereits im ersten Jahrzehnt des 20.Jhs. kletterte die Einwohnerzahl über die 2-Mio.-Grenze, nahm der Handel einen beinahe beängstigenden Aufschwung. Elektrische Eisenbahnen verkehrten auf hochgelegten Schienen, ein riesiger Bahnhof wurde eröffnet, und die Filmindustrie entdeckte die Stadt. Die kulturelle Szene explodierte, und die Theateraufführungen und Konzerte konnten sich mit den besten in Europa messen. Zehntausende Farbige aus dem Süden kamen nach Chicago. Ihre Musik brachten sie mit und verwandelten die Metropole am Michigansee in die „Blues City“. Erst am Schwarzen Freitag des Jahres 1929 läuteten der Börsenkrach und die Weltwirtschaftskrise das Ende des allgemeinen Wohlstands ein – nicht nur in Chicago, sondern in ganz Amerika. Im Zug der Prohibition in den 1930er-Jahren machte vor allem die organisierte Kriminalität unaufhörlich Profit. Auch Gangsterbosse wie Al Capone und John Dillinger machten sich mit ihren Banden Chicago zur Heimat.
Aus dem Stillstand zum neuen Aufbruch
Die 1960er-Jahre – in Kalifornien eine Ära des Aufbruchs – brachten eine gewisse Stagnation. Chicago hatte Probleme: In den Farbigenvierteln der City gab es Unruhen, und die Bürger zogen in die Vorstädte. Erst am Ende des Jahrzehnts konzentrierte man sich wieder auf die Innenstadt: Das John Hancock Center entstand, damals mit hundert Stockwerken das fünfthöchste Gebäude auf der Welt. Wie ein gewaltiges Raumschiff ruht das asymmetrische James R. Thompson Center aus Stahl und Glas an der Lake Street. Die Meinungen über dieses 1985 gebaute und vom deutschen Architekten Helmut Jahn entworfene Traumgebilde gehen auch heute noch auseinander, aber alle erkennen den Mut und die Kreativität des Bayern an, der auch im modernen Nebenbau des Board of Trade einen gläsernen, lichtdurchfluteten Innenhof schuf. Die Skyline mit ihren schlanken Wolkenkratzern ist faszinierend, besonders während einer Bootsfahrt vom See oder vom Chicago River aus gesehen, und innerhalb des Loop liegt die Innenstadt, ein durch die Schienen der Hochbahn gebildeter Ring, der sich über fünfunddreißig Blocks erstreckt. Hier spielt das geschäftliche Leben von Chicago die Hauptrolle. Hier liegt der gewaltige, bis zur Spitze 527 m hohe Willis Tower, in dem allein 16 000 Menschen arbeiten, eine Stadt innerhalb der Stadt. Hier verläuft die State Street mit der sieben Blocks langen gleichnamigen Einkaufsmeile. Und am Seeufer lockt der Millennium Park mit Kunst, Kultur, außergewöhnlicher Architektur, attraktiven weitläufigen Parks und Gartenanlagen.
Grüne Parks, lebhafte Wohnviertel und Kultur
Außerhalb des Loop atmet die Stadt durch, wirkt sie freier und großzügiger. Der Blick weitet sich, besonders auf der prachtvollen Michigan Avenue. Auf der einen Seite erheben sich die Wolkenkratzer des Loop, auf der anderen öffnet sich die Straße zum Grant Park und zum uferlos scheinenden Lake Michigan. Jenseits des Chicago River liegen beschaulichere Wohnviertel wie Streeterville, Old Town oder Lincoln Park, warten teure Boutiquen, exklusive Hotels und Restaurants auf Kunden. An der Universität in Hyde Park im Süden hat Ex-US-Präsident Barack Obama lange Zeit gelehrt und dort mit seiner Familie gelebt. Aus vielen Musikclubs und Lokalen dringt Musik nach draußen. Der Blues, der Memphis und New Orleans vor vielen Jahren verlassen hat, ist in Chicago heimisch geworden.
Chicago und Kultur – passt das zusammen? Besuch ein Konzert des fantastischen Chicago Symphony Orchestra. Oder – Englischkenntnisse vorausgesetzt – schau dir eine Theatervorführung der sechzig professionellen Theatergruppen an. Berühmt ist die Stadt auch für ihre Museen und Galerien. Etwas Zeit solltest du mitbringen, nicht nur für die großen drei: Im Prachtbau des Griffin Museum of Science and Industry kannst du die Wunder von Wissenschaft und Technik nicht nur bestaunen, sondern auch mit ihnen experimentieren. Das Field Museum of Natural History gehört mit über 500 fest angestellten und noch einmal genauso vielen ehrenamtlichen Mitarbeitern zu den größten und gleichzeitig bestbesuchten kulturellen Einrichtungen weltweit. Und in dem bescheiden The Art Institute of Chicago genannten Kunstmuseum an der Michigan Avenue findest du eine überragende Sammlung großer Meister wie Rembrandt, El Greco und vor allem Impressionisten wie Auguste Renoir, Edouard Manet und Claude Monet. Zwei Bronzelöwen des amerikanischen Bildhauers Edward L. Kemey flankieren den Eingang und blicken auf den Beginn der legendären Route 66 an der Kreuzung Michigan Avenue und Jackson Street, die erst am Pier von Santa Monica am fernen Pazifik endet. „Interaktiv“ heißt das Zauberwort. Aus dem „hands up“ (Hände hoch) der Gangster-Ära wurde ein „hands on“ (Hände drauf). In den Museen von Chicago darfst du (fast) alles anfassen und wirst auf spielerische Weise an die Geheimnisse von Wissenschaft und Technik herangeführt.
Lass dir Zeit
In ein paar Tagen ist diese Stadt nicht zu schaffen. Deshalb solltest du gleich gar nicht damit starten, von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten zu hetzen. Ein Blick vom Hancock Observatory, die Mittagspause vor dem James R. Thompson Center, der Besuch des Museum of Science and Industry, am Abend gemütlich in einen Bluesclub – so könnte ein perfekter Chicago-Tag aussehen. Die Stadt sehen, hören, riechen und schmecken, mit dem Fahrrad am Ufer des Lake Michigan, unter der ratternden Hochbahn im Loop, am Hotdog-Stand beim Chicago River, im Karussell auf dem Navy Pier – erleb Chicago in seiner ganzen Vielfalt! The Windy City. Die energische Stadt mit den breiten Schultern. Glitzernd und grundehrlich. Amerikanisch. Auf Fortschritt gepolt und dem übrigen Amerika oft einen Schritt voraus. Frank Lloyd Wright, der große Architekt, sagte: „Irgendwann wird Chicago die letzte schöne Großstadt der Welt sein.“
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Chicago und die Großen Seen
Buch, 11. Auflage · 17.95 €Willkommen in der Blues City! Der MARCO POLO Reiseführer für Chicago und die Großen Seen Du willst den Wolken einmal ganz nah sein? Dann ist Chicago deine Stadt! Hier ist die eindrucksvollste Skyline Amerikas in den Himmel gewachsen. Der Soundtrack dazu: eine Symphonie aus Blues, Jazz und Rock, begleitet vom Rattern der Hochbahn und dem Pfeifen des Windes in den Häuserschluchten.
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In Chicago ist alles etwas größer, höher und imposanter. Hier gibt es die eindrucksvollsten Wolkenkratzer, die geschäftigste Innenstadt, aber auch unendlich viele Museen, Theater und Kleinkunstbühnen, Bars und Blues Clubs. Flaniere über die längste Stadtstraße der Welt und stürze dich mitten ins Getümmel. Oder schau dir das bunte Treiben in Ruhe aus einer Gondel des gigantischen Riesenrads am Navy Pier an. Egal wofür du dich entscheidest, mit dem MARCO POLO Reiseführer für Chicago findest du die besten Spots der Stadt – für einen Urlaub voller unvergesslicher Momente!
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