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Wer am frühen Abend auf einer Dachterrasse über dem Bosporus sitzt, dem bietet İstanbul ein einmaliges Schauspiel: Die Sonne versinkt langsam im Goldenen Horn, das jetzt seinem Namen alle Ehre macht. Die Silhouette der Hagia Sophia verschwimmt in der Dämmerung, von überallher schallen die Rufe der Muezzine. Jede berühmte Stadt zeichnet sich durch eine unverwechselbare Erinnerung aus - In İstanbul ist es der Sonnenuntergang vor einer einzigartigen Kulisse.
Besinnliche Momente am Meer machen es jedem Besucher leicht, die alte, aber immer noch wunderschöne Dame İstanbul mit einem liebenden Auge zu betrachten. Mitunter ist das auch nötig, um über ihre chaotischen Seiten hinwegsehen zu können. Leicht verliert man hier den Überblick – zum einen wegen der schieren Größe, zum anderen, weil İstanbul lange planlos den Launen seiner inzwischen auf fast 16 Mio. Einwohner angewachsenen Bevölkerung überlassen wurde. Das änderte sich, als die Regierung und auch die Kommune in den letzten zehn Jahren beschlossen, viel Geld in die Restaurierung der wichtigsten historischen Bauwerke und gleichzeitig in eine moderne Verkehrsinfrastruktur zu investieren. Die Hagia Sophia, einstmals die größte Kirche der Christenheit, der Topkapı-Palast, mehrere Jahrhunderte lang Sitz des Sultans, und die großen Moscheen – die weltberühmten Monumente erstrahlen in neuem Glanz. Zudem entwickelt die Stadt endlich ein Bewusstsein für ihre Historie: Ihre griechisch-byzantinische Vergangenheit ignoriert sie nicht mehr, sondern zeigt sie vor. In unmittelbarer Nachbarschaft der Hagia Sophia legten Archäologen die Überreste des byzantinischen Kaiserpalasts frei und am Marmara-Meer wurde während der Arbeiten an einer neuen U-Bahn der älteste Hafen der Stadt wiederentdeckt. An dieser Stelle der historischen Halbinsel hatten Abgesandte der damaligen griechischen Seemacht Megara 658 v. Chr. die Siedlung Byzanz errichtet und damit den Grundstein der heutigen Stadt gelegt.
Stadt der Gegensätze - fremd und doch vertraut
İstanbul platzt aus allen Nähten – und bleibt für die Besucher dennoch überschaubar: Hauptanziehungspunkt sind die historischen Bauten und Museen auf der historischen Halbinsel Sultanahmet. Hier tummeln sich mittlerweile mehr Touristen aus Asien als Europäer – und alle genießen die Freiheit, die die moderne Metropole ihnen bietet. Wie in allen touristischen Hochburgen verlassen Einwohner wegen steigender Mieten das Zentrum und aus Wohnvierteln werden Hotelgebiete, das Geld regiert auch İstanbul. Und es wird für die Besucher immer wichtiger, neue Pfade zu erkunden. Kenner bevorzugen die entfernteren Ecken auf beiden Seiten des Bosporus, machen einen Abstecher ins Umland oder genießen einfach das gute Essen am Meer. Besucher aus Deutschland fasziniert dagegen gerade die charakteristische Mischung aus Orient und Okzident: moderne Shoppingmalls neben jahrhundertealten Basaren, Hochhäuser zwischen altosmanischen Holzbauten, Minirock neben Schleier – nirgendwo ist der Ost-West-Mix so sichtbar wie in dieser Stadt. Große Gegensätze wie das ganz und gar europäisch geprägte Beyoğlu und das nur wenige Kilometer entfernt liegende islamisch-fromme Fatih sind in dieser Form tatsächlich nur hier zu finden. Die alten Griechen kannten ein Wort, das dieses Verhältnis beschreibt: paraxenon – beinahe fremd, aber dennoch irgendwie vertraut.
Geschichte
657 v. Chr.
Griechische Kolonisten gründen eine erste Siedlung an der Spitze der Halbinsel und nennen sie Byzanz
330
Aus Byzanz wird Konstantinopel, später Hauptstadt von Ostrom, das gut 1000 Jahre existieren wird
380
Kaiser Theodosius erklärt das Christentum zur Staatsreligion und ordnet den Bau der heute noch existierenden Stadtmauer an
550
Kaiser Justinian läßt die Hagia Sophia bauen
1453
Konstantinopel wird von den Osmanen erobert und neue Hauptstadt ihres Reiches
1923
Die Türkei wird zur Republik und Ankara die neue Hauptstadt
1970–90
Bevölkerungsexplosion durch Binnenmigration – İstanbul erreicht die 10-Millionen-Grenze
2022/23
Die Türkei verhält sich im Ukraine-Krieg neutral und lässt die Schiffe beider Seiten passieren
2024
Kommunalwahlen bestimmen über die Zukunft der Stadt
Eine umwerfende Dynamik
Besonders auffallend in İstanbul ist auch die sehr junge Bevölkerung. Das Leben pulsiert, die Dynamik der Stadt ist für jeden Besucher spürbar. Für Reisende aus Westeuropa und besonders aus Deutschland hat İstanbul aber noch einen anderen Reiz: Sie lernen eine neue Türkei kennen. Wer erwartet, hier eine etwas größere Version der türkisch geprägten Stadtteile in Berlin oder anderen deutschen Großstädten zu finden, wird überrascht sein: İstanbul verkörpert ein aufstrebendes und sich in Windeseile modernisierendes Land. Die Stadt übertrifft in ihrer Größe jede deutsche Metropole, sie ist teilweise sehr reich und sie ist längst zu einem überregionalen wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum geworden.
Bereits die ca. 10- bis 15-minütige Bootsüberfahrt von Europa nach Asien vermittelt einen Eindruck von der Vielfalt und atemberaubenden Mischung, die İstanbul zu bieten hat. Man muss den Kopf nur leicht wenden, um wenige Kilometer entfernt von der eindrucksvollen orientalischen Kulisse mit dem Topkapı- Palast, der darüber thronenden Hagia Sophia und einem ganzen Wald von Minaretten die Bürotürme von Levent in den Blick zu bekommen. Die erste Hängebrücke über den Bosporus ist ein weiteres Wahrzeichen der Moderne. Nur wenige Kilometer davon entfernt steht der historische Leander-Turm im Meer.
İstanbuls bunte Mischung
Weit größer als İstanbuls architektonische Vielfalt ist die Vielfalt seiner Bewohner. Über Jahrhunderte wurde die Nase zwischen Bosporus und Marmara-Meer immer wieder von neuen Gruppen erobert und geprägt. Griechen und Römer, Perser und Kreuzritter, Tataren und Türken haben ihre Spuren hinterlassen. Nachkommen der Untertanen aus allen Teilen des Osmanischen Reichs leben heute in İstanbul. Seit byzantinischer Zeit gibt es Niederlassungen der Venezianer und Genuesen. Die Nachfahren der 1492 aus Spanien vertriebenen sephardischen Juden versuchen, ihre alte Kultur beizubehalten. Vier von fünf Einwohnern İstanbuls sind erst in den letzten 50 Jahren aus Anatolien gekommen. Noch Mitte der 1960er-Jahre lebten hier nur 2,5 Mio. Menschen. Größtenteils war das asiatische Ufer bewaldet, diente als Weideland oder bot Platz für Sommerhäuser im Grünen. Heute ist es ebenso dicht bebaut wie die europäische Seite, auf der die Stadt vom Meer weg nach Norden wucherte. Mittlerweile ist der Zuzug etwas abgeflaut, die Infrastruktur der Zahl der neuen Bewohner angepasst. Die Stadtregierung will durch ambitionierte Projekte das Verkehrschaos beenden:Unter dem Bosporus wurde ein Tunnel gebaut und damit der jahrhundertealte Traum einer Bahnverbindung zwischen Europa und Asien realisiert. Statt viel Zeit auf einer Fähre oder im Stau auf der Bosporusbrücke zu verbringen, fährt man nun in vier Minuten von Kontinent zu Kontinent. Etliche weitere U-Bahn-Linien, Straßenbahnen und unterirdische Seilbahnen haben das Vorankommen in der Stadt wesentlich erleichtert. Außerdem wurde für den Fernverkehr eine dritte Brücke über den Bosporus gebaut und 2019 ging der neue İstanbuler Großflughafen in Betrieb. Der Flughafen wurde nordwestlich der Stadt, nahe dem Schwarzen Meer, gebaut. Er soll mit einer Kapazität von bis zu 150 Mio. Passagieren jährlich zu einem der größten Luftkreuze der Welt werden.
İstanbul besteht heute aus drei Zentren. Sultanahmet, wo die Hagia Sophia thront und die Blaue Moschee ihre sechs Minarette in den Himmel reckt, ist der historische Kern. Wie in jeder viel besuchten Weltstadt ist dieses Gebiet, einschließlich des Topkapı-Palasts und des Großen Basars, die touristische Zone. Das zweite Zentrum liegt am Westufer des Bosporus nördlich des Goldenen Horns und ist mit seinen Hochhäusern und schicken Wohngebieten stark europäisch geprägt. Mit dem Herzstück Taksim erstreckt es sich zwischen Karaköy und Maslak und ist bereits durch eine U-Bahn erschlossen. Der dritte wichtige Bezirk ist die asiatische Seite der Stadt. Am Bosporus und an der Bagdad-Allee, die sich oberhalb des Marmara-Meers von Kadıköy bis Bostancı und noch weit dahinter kilometerlang hinzieht, liegen die schönsten Cafés und Geschäfte der Stadt.
Die Winde prägen die Stadt
Die Natur prägt das Leben in İstanbul aber auch in anderer Hinsicht. Deniz, das Meer, hat unmittelbaren Einfluss auf das Klima der Stadt. Die Fischer kennen seine mitunter mehrmals am Tag wechselnden Winde am besten. Mit den Strömungen ziehen abwechselnd Seebarsch- oder Sardinenschwärme durch die Meerenge. İstanbuler lieben den poyraz aus dem Nordosten und hassen den lodos aus dem Süden – bei poyraz wird es zwar etwas kühl, aber die Luft ist so rein, dass jedes Detail am anderen Ufer sichtbar wird. Bei lodos hingegen strömen schlagartig Wärme, Regen, Nebel und Smog herbei.
Es wird zwar viel von ökologischem Bewusstsein geredet, aber İstanbul kann sich noch nicht so recht darauf einlassen. Angeheizt durch einen enormen Immobilienboom wurde jede verfügbare Fläche in der Innenstadt zugebaut. Historische Viertel müssen Luxusobjekten weichen, innerstädtische Grünflächen sind rar. Und selbst die Wälder am Stadtrand sind bedroht. In Waldgebieten, die eigentlich nicht bebaut werden dürften, entstehen gated communities, abgezäunte Wohnanlagen mit Wachschutz. Für die dritte Brücke über den Bosporus hat man Autobahnschneisen durch die Wälder schlagen müssen. Es regt sich allerdings auch Widerstand: Gegen all diese Entwicklungen protestieren engagierte Bürgerinitiativen.
Doch auch das wird nur eine Fußnote in der Geschichte der Metropole bleiben. Von Byzanz über Konstantinopel bis İstanbul hat diese Stadt mehr Aufs und Abs erlebt als die meisten anderen. Und dass der Republikgründer Kemal Atatürk nicht sie, sondern Ankara zu seiner Auserwählten machte, hat die Grande Dame souverän gemeistert. Ihre Vitalität ist wieder erwacht. Heute besitzt Ankara zwar das Etikett, aber İstanbul die meisten Attribute einer Hauptstadt. Hier sitzen Geld, Intelligenz, Kunst und Medien. Längst gilt wieder der selbstbewusste Spruch: Das Schönste an Ankara ist der abendliche Rückflug nach İstanbul.
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