© Eric Gevaert, shutterstock

Reiseführer
La Palma

La Palma liegt am westlichen Rand des Kanarischen Archipels. Vom Flugzeug aus sieht man, wie die Spitze der Insel nach Süden zeigt, im Norden hat sie ihre breiteste Ausdehnung. Besonders schön ist es, sich La Palma mit dem Schiff zu nähern: Als mächtiger Scherenschnitt erhebt sich die Insel abrupt aus dem Atlantik, und die bis zu 2500 m aufsteigenden Höhenzüge wirken gewaltig.

Als der Atlantikboden aufbrach

La Palma ist vulkanischen Ursprungs – das hat der große Ausbruch 2021/22 wieder einmal vor Augen geführt. Ein neuer Vulkan erhob sich aus dem Schoß der Erde, spie Feuer und Asche und begrub mit seiner Lava ganze Ortschaften im Südwesten. Er erhielt den altkanarischen Namen Tajogaite. Hier und im Süden der Insel, wo 1971 der Teneguía ausbrach, präsentiert sich die Insel mit dunklen, kegelgespickten Hängen. Nicht so im Norden, wo üppiger Lorbeerwald wächst. Und im Zentrum befindet sich einer der größten Erosionskrater, aus dessen steilen Klippen Kiefern ragen.

Ost-West-Wetterscheide

La Palma ist eine vorwiegend grüne Insel, wird im Herbst und Winter nicht selten vom Regen verwöhnt. Dieser spendet das unentbehrliche Wasser für die Landwirtschaft, die immer noch große Bedeutung für die Wirtschaft La Palmas hat. Die Insel mit einer Nord- Süd-Ausdehnung von etwa 47 km wird durch einen Gebirgskamm, die quer zu den einfallenden Passatwinden verlaufende Cumbre, in eine feuchtere Ost- und eine trockenere Westhälfte geteilt. Die vom Passat herangeführten Wolken regnen auf der Ostseite ab. Wie krass dieser Gegensatz sein kann, erfährst du, wenn du durch die Cumbre nach Westen kommst. Sowie du den Straßentunnel passiert hast, herrscht strahlender Sonnenschein, während im Ostteil der Himmel womöglich wolkenverhangen ist.

Geschichte

  • Ab ca. 300 v. Chr.

    Besiedlung La Palmas durch Nordwestafrikaner

  • Ab 1492

    Eroberung der Insel durch die Spanier, Beginn der Kolonialisierung

  • 1500–1550

    Blüte des Zuckerrohranbaus

  • Ab 1550

    Piratenüberfälle

  • 17.–19.Jh.

    Emigrationswellen

  • Ab 1894

    Bananenexport

  • 1939–1975

    Franco-Diktatur. Nach Francos Tod wird Spanien eine Demokratie

  • ab 1982

    Kanarische Inseln erhalten Autonomiestatus

  • ab 1990

    Infrastruktur-Auf- und Ausbau im Rahmen der EU

  • 2010–2015

    Wirtschafts- und Finanzkrise erfasst die Kanaren 

  • 2016–21

    Der Tourismus profitiert von Konflikten in Ländern in Nordafrika, die als Reiseziele in Konkurrenz zu den Kanaren stehen; Corona stoppt den Aufschwung

  • 2021

    Großer Ausbruch (85 Tage) des Vulkans Tajogaite, Evakuierung von Orten im Südwesten

  • 2023

    Puerto Naos bleibt gesperrt, Waldbrand im Nordwesten

In den niedrigen Küstenzonen herrscht subtropisches Klima. Bananen, Mangos, Ananas und Papayas gedeihen hier. Ab etwa 400 m Höhe wachsen Palmen, Wein, Aprikosen, Pfirsiche, Kartoffeln, Süßkartoffeln und Getreide. Ab 1200 m schließlich folgen Lorbeer- und Maronenbäume sowie die Kanarische Kiefer (Pinus canariensis), die nach den im Sommer häufig vorkommenden Bränden meist erneut ausschlägt.

Auf dem Weg nach Übersee

Auf dieser Insel der Kontraste mit ihren hohen Bergen, schroffen Graten, Lavafeldern, Pinien- und Lorbeerwäldern sowie Bananenplantagen, mit Temperaturen zum Schwitzen und zum Frieren leben rund 83 000 Menschen, davon etwa 15 400 in der Hauptstadt Santa Cruz de la Palma. Die Hafenstadt war jahrhundertelang der letzte Zwischenstopp für die vielen kanarischen und spanischen Emigranten, die in mehreren Wellen nach Venezuela und Kuba auswanderten.

Vom Zucker bis zum Tourismus

Abgesehen von dieser Transitfunktion war La Palma relativ isoliert vom Rest der Welt. Mitunter störten Piraten die Ruhe der Insulaner. Einige kleinere Kastelle in der Hauptstadt erinnern an diese Zeit. Der Handel mit Zucker, Wein, Kartoffeln und Zwiebeln brachte zunächst nicht den entscheidenden kulturellen Austausch mit anderen Ländern. Erst der Anbau der Banane, im 19.Jh. von den Engländern begonnen, öffnete die Insel mehr und mehr für neue Ideen. Doch die Palmeros behielten lange ihre Identität, die mit den neuen Kommunikationsmöglichkeiten und dem Tourismus langsam aufgeweicht wird. Der frühe Tourismus begann etwa um 1960.Heute ist La Palma ein Wander- und Naturparadies, wo Besucher sich auf abgelegenen Wegen erholen und Überraschendes entdecken können.

Am Rand der Welt

Die meisten Palmeros sind zurückhaltend, oft tímido, was schüchtern oder scheu bedeutet. Dies mag die Folge jahrhundertelanger Fremdbestimmung durch Großgrundbesitzer und Statthalter der fernen Regierung in Madrid sein (seit 1982 haben die Kanaren Autonomiestatus). Das zurückhaltende Wesen der Insulaner bedeutet jedoch nicht, dass sie unfreundlich im Umgang mit Touristen wären. Spricht man Einheimische, womöglich in ihrer eigenen Sprache, an, so erweisen sie sich meistens als freundlich und hilfsbereit, begierig, über ihre Heimat zu erzählen. Sie mögen es, die Dinge entspannt anzugehen. Dazu gehört auch die Ruhe, mit der Geschäfte abgewickelt und Auskünfte erteilt werden. Dank intensiver Förderung seitens der Behörden werden traditionelle Künste und Bräuche gepflegt, die nicht zu bloßem Touristenspektakel verkommen sind. Die jahrhundertealten Traditionen der Seidenspinnerei, Weberei, Stickerei und Korbflechterei sind lebendig und werden hauptsächlich von Frauen betrieben. Die Männer drehen Zigarren, stampfen mit den Füßen den Most aus Trauben, töpfern und bearbeiten das Land. Alle gemeinsam pflegen ihre Folkloremusik, feiern zahlreiche Feste, besuchen Viehmärkte, veranstalten ausgelassene sonntägliche Picknicks mit der Familie, nehmen an feierlichen Prozessionen teil und zeigen ihren Stolz auf die kanarische Heimat. Ihre kulturelle Eigenständigkeit spiegelt sich in jahrhundertealten Kirchen, Bürgerhäusern und Kolonialbauten, Landsitzen und Weinbodegas wider.

Aktuelles Wetter

7h/Tag (März)
86Sonnenstd. Jahr
Beste Reisezeit
März
16°C
April
16°C
Mai
17°C
Wetter in La Palma

Wissenswertes

AdaptertypC, E, L
Reisepass/Visum/Reisewarnungen beim Auswärtigen Amt
Mehr Wissenswertes

Aktuelles Wetter

7h/Tag (März)
86Sonnenstd. Jahr
Beste Reisezeit
März
16°C
April
16°C
Mai
17°C
Wetter in La Palma

Wissenswertes

AdaptertypC, E, L
Reisepass/Visum/Reisewarnungen beim Auswärtigen Amt
Mehr Wissenswertes

La Palma in Buch & Film

Der die Adler sieht
Der die Adler siehtWie kamen die Ureinwohner auf die Insel? in seinem packenden Roman (2023) erzählt Harald Braem, wie es gewesen sein könnte.
6,99 EURinkl. 19% MwStr.
Lava-Steinzeit
Lava-SteinzeitAnschaulich beschreibt und bebildert Gudrun Bleyhl „drei Monate am Fuß des jüngsten Vulkans Europas“. Ähnlich Lucía Rosa González mit ihrem „Tagebuch eines Vulkans“ (beide 2022, deutsch-spanisch).
4,19 EURinkl. 19% MwStr.
Geologischer Wanderführer La Palma
Geologischer Wanderführer La PalmaDie Geologen Rainer Olzem und Timm Reisinger stellen Wanderrouten vor und erklären die (Erd-)Geschichte – leicht verständlich (2018). Ungewohnte, spannende Einblicke, auch dank der vielen Bilder.
19,90 EURinkl. 19% MwStr.
Wunderschön! La Palma
Wunderschön! La PalmaAndrea Grießmann stellt in der WDR-Produktion von 2017 spannende Touren über die Insel vor: in den Lorbeerwald Los Tilos, zu einem der größten Erosionskrater der Welt, zur Sternwarte und zur Puderschlacht beim „Día de los Indianos“. Eine gute Einstimmung auf den bevorstehenden Urlaub.
12,71 EURinkl. 19% MwStr.