
Reiseführer La Palma
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La Palma liegt am westlichen Rand des Kanarischen Archipels. Vom Flugzeug aus sieht man, wie die Spitze der Insel nach Süden zeigt, im Norden hat sie ihre breiteste Ausdehnung. Besonders schön ist es, sich La Palma mit dem Schiff zu nähern: Als mächtiger Scherenschnitt erhebt sich die Insel abrupt aus dem Atlantik, und die bis zu 2500 m aufsteigenden Höhenzüge wirken gewaltig.
Als der Atlantikboden aufbrach
La Palma ist vulkanischen Ursprungs – das hat der große Ausbruch 2021/22 wieder einmal vor Augen geführt. Ein neuer Vulkan erhob sich aus dem Schoß der Erde, spie Feuer und Asche und begrub mit seiner Lava ganze Ortschaften im Südwesten. Er erhielt den altkanarischen Namen Tajogaite. Hier und im Süden der Insel, wo 1971 der Teneguía ausbrach, präsentiert sich die Insel mit dunklen, kegelgespickten Hängen. Nicht so im Norden, wo üppiger Lorbeerwald wächst. Und im Zentrum befindet sich einer der größten Erosionskrater, aus dessen steilen Klippen Kiefern ragen.
Ost-West-Wetterscheide
La Palma ist eine vorwiegend grüne Insel, wird im Herbst und Winter nicht selten vom Regen verwöhnt. Dieser spendet das unentbehrliche Wasser für die Landwirtschaft, die immer noch große Bedeutung für die Wirtschaft La Palmas hat. Die Insel mit einer Nord- Süd-Ausdehnung von etwa 47 km wird durch einen Gebirgskamm, die quer zu den einfallenden Passatwinden verlaufende Cumbre, in eine feuchtere Ost- und eine trockenere Westhälfte geteilt. Die vom Passat herangeführten Wolken regnen auf der Ostseite ab. Wie krass dieser Gegensatz sein kann, erfährst du, wenn du durch die Cumbre nach Westen kommst. Sowie du den Straßentunnel passiert hast, herrscht strahlender Sonnenschein, während im Ostteil der Himmel womöglich wolkenverhangen ist.
Geschichte
Ab ca. 300 v. Chr.
Besiedlung La Palmas durch Nordwestafrikaner
Ab 1492
Eroberung der Insel durch die Spanier, Beginn der Kolonialisierung
1500–1550
Blüte des Zuckerrohranbaus
Ab 1550
Piratenüberfälle
17.–19.Jh.
Emigrationswellen
Ab 1894
Bananenexport
1939–1975
Franco-Diktatur. Nach Francos Tod wird Spanien eine Demokratie
ab 1982
Kanarische Inseln erhalten Autonomiestatus
ab 1990
Infrastruktur-Auf- und Ausbau im Rahmen der EU
2010–2015
Wirtschafts- und Finanzkrise erfasst die Kanaren
2016–21
Der Tourismus profitiert von Konflikten in Ländern in Nordafrika, die als Reiseziele in Konkurrenz zu den Kanaren stehen; Corona stoppt den Aufschwung
2021
Großer Ausbruch (85 Tage) des Vulkans Tajogaite, Evakuierung von Orten im Südwesten
2023
Puerto Naos bleibt gesperrt, Waldbrand im Nordwesten
In den niedrigen Küstenzonen herrscht subtropisches Klima. Bananen, Mangos, Ananas und Papayas gedeihen hier. Ab etwa 400 m Höhe wachsen Palmen, Wein, Aprikosen, Pfirsiche, Kartoffeln, Süßkartoffeln und Getreide. Ab 1200 m schließlich folgen Lorbeer- und Maronenbäume sowie die Kanarische Kiefer (Pinus canariensis), die nach den im Sommer häufig vorkommenden Bränden meist erneut ausschlägt.
Auf dem Weg nach Übersee
Auf dieser Insel der Kontraste mit ihren hohen Bergen, schroffen Graten, Lavafeldern, Pinien- und Lorbeerwäldern sowie Bananenplantagen, mit Temperaturen zum Schwitzen und zum Frieren leben rund 83 000 Menschen, davon etwa 15 400 in der Hauptstadt Santa Cruz de la Palma. Die Hafenstadt war jahrhundertelang der letzte Zwischenstopp für die vielen kanarischen und spanischen Emigranten, die in mehreren Wellen nach Venezuela und Kuba auswanderten.
Vom Zucker bis zum Tourismus
Abgesehen von dieser Transitfunktion war La Palma relativ isoliert vom Rest der Welt. Mitunter störten Piraten die Ruhe der Insulaner. Einige kleinere Kastelle in der Hauptstadt erinnern an diese Zeit. Der Handel mit Zucker, Wein, Kartoffeln und Zwiebeln brachte zunächst nicht den entscheidenden kulturellen Austausch mit anderen Ländern. Erst der Anbau der Banane, im 19.Jh. von den Engländern begonnen, öffnete die Insel mehr und mehr für neue Ideen. Doch die Palmeros behielten lange ihre Identität, die mit den neuen Kommunikationsmöglichkeiten und dem Tourismus langsam aufgeweicht wird. Der frühe Tourismus begann etwa um 1960.Heute ist La Palma ein Wander- und Naturparadies, wo Besucher sich auf abgelegenen Wegen erholen und Überraschendes entdecken können.
Am Rand der Welt
Die meisten Palmeros sind zurückhaltend, oft tímido, was schüchtern oder scheu bedeutet. Dies mag die Folge jahrhundertelanger Fremdbestimmung durch Großgrundbesitzer und Statthalter der fernen Regierung in Madrid sein (seit 1982 haben die Kanaren Autonomiestatus). Das zurückhaltende Wesen der Insulaner bedeutet jedoch nicht, dass sie unfreundlich im Umgang mit Touristen wären. Spricht man Einheimische, womöglich in ihrer eigenen Sprache, an, so erweisen sie sich meistens als freundlich und hilfsbereit, begierig, über ihre Heimat zu erzählen. Sie mögen es, die Dinge entspannt anzugehen. Dazu gehört auch die Ruhe, mit der Geschäfte abgewickelt und Auskünfte erteilt werden. Dank intensiver Förderung seitens der Behörden werden traditionelle Künste und Bräuche gepflegt, die nicht zu bloßem Touristenspektakel verkommen sind. Die jahrhundertealten Traditionen der Seidenspinnerei, Weberei, Stickerei und Korbflechterei sind lebendig und werden hauptsächlich von Frauen betrieben. Die Männer drehen Zigarren, stampfen mit den Füßen den Most aus Trauben, töpfern und bearbeiten das Land. Alle gemeinsam pflegen ihre Folkloremusik, feiern zahlreiche Feste, besuchen Viehmärkte, veranstalten ausgelassene sonntägliche Picknicks mit der Familie, nehmen an feierlichen Prozessionen teil und zeigen ihren Stolz auf die kanarische Heimat. Ihre kulturelle Eigenständigkeit spiegelt sich in jahrhundertealten Kirchen, Bürgerhäusern und Kolonialbauten, Landsitzen und Weinbodegas wider.
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