
Reiseführer Sizilien

„Araaaance!“ Singsang hallt durch die Altstadtgasse. Jalousien öffnen sich. Schwarz gekleidete Witwen treten auf Balkons, lassen Körbe hinunter. Orangenduft mischt sich mit Knoblauch und Schwertfisch aus der Neonlicht- Trattoria ... Es gibt dieses Bilderbuch-Sizilien tatsächlich. Aber wer es für die volle Realität nimmt, hat den Anschluss an die Gegenwart verpasst.
Feiermeilen und Fotomotive
Im touristischsten Ort der Insel, in Taormina mit dem millionenfach fotografierten Ätnablick, sprießen wie zur Belle Epoque Nobelherbergen aus dem Boden. Zahlungskräftige sizilianische Gäste kommen fürs Wochenende. Umgekehrt mischen sich kaum Urlauber unter die quirlig-laute movida, die in Sommernächten Catanias lavagetünchtes Centro storico durchtobt. Hier feiert die studentische Jugend noch ausgelassener als im aufgewachten Palermo.
Fahrradfahren und Wandern gilt plötzlich als hip. Im Naturschutzgebiet Zingaro erproben ragazzi ihr neuen Trekkingschuhe – streifen vorbei an Thunfischstationen, gelb blühender Wolfsmilch und türkisblauen Buchten. Landgüter locken zivilisationsmüde Norditaliener ebenso wie auf Bio eingeschworene deutsche Familien an. Nero d’Avola ist zum Kultwein avanciert: Topwinzer veredeln ihn durch Reifung in Tonamphoren.
Geschichte
800–580 v. Chr.
Gründung phönizischer und griechischer Küstenstädte
241 v. Chr.–468 n. Chr.
Sizilien ist römische Provinz
535–827
Byzantinische Epoche
827–1061
Arabische Herrschaft
1061–91
Die Normannen erobern Sizilien. Arabisch-byzantinischstaufische Hochkultur
1282–1700
Spanische Herrschaft
1734–1860
Neapolitanische Bourbonen regieren das „Königreich Beider Sizilien“
1860
Garibaldi erobert Sizilien
ab 1870
Auswanderung nach Amerika; 1880 beginnt die organisierte Mafiakriminalität
1943–47
Separatisten stürzen Sizilien fast in einen Bürgerkrieg
ab 1975
Offener Mafiaterror und spektakuläre Verhaftungen
ab 2011
Sizilien ist Anlaufstation für boat people aus Nordafrika
2025
Agrigent ist Kulturhauptstadt Italiens
Addio Mafia
Ein weinerlicher Süden, dem außer malerischer Armut, Kriminalität und Auswanderung kaum Alternativen bleiben, dieses Bild stimmt nicht mehr. Selbst die Krake Mafia ist zum Wirtschaftsmotor mutiert. Seit Palermo mit Betrieben wirbt, die den pizzo (das Schutzgeld) verweigern, wirkt die Bedrohung sogar tourismusfördernd. „Wir sind Anti-Mafia“ als Reiseerlebnis
Sicilia est insula
An dem lateinischen Paukersatz ist was dran. Die größte Insel des Mittelmeers liegt näher an Afrika als an Mailand - und ist zu kulturträchtig, zu modern, um sich provinziell zu verstecken. In Syrakus improvisierten antike Griechen die ersten Komödien, am Hof des Stauferkaisers Friedrich II. reifte Italienisch zur Literatursprache. Programmierer im Etna Valley haben sich längst ins Computerenglisch eingeklinkt, und Starköche aus Trapani jetten nach Tokio, um Japaner in die Geheimnisse der cucina siciliana einzuweihen. Die Jugend kokettiert unbekümmert mit ihrem orientalischen Kulturerbe. Fernsehköchinnen schwärmen von den islamischen Wurzeln der cassata. Auf lange Sicht werden sich für Sizilien andere Optionen ergeben, als immer mehr Bootsflüchtlinge aufzunehmen – ohne tunesische Gastarbeiter würde mancher Fischerhafen schon jetzt nicht mehr funktionieren. Doch der Strom von Asylsuchenden, die die gefährliche Überfahrt von Nordafrika wagen, bleibt ein europaweit diskutiertes Problem.
Bunt und Multikulturell
Un ponte sullo stretto – auch ohne das umstrittene Brückenprojekt über die Meerenge von Messina sind die Sizilianer und Sizilianerinnen längst näher an Europa gerückt. Als Richter und Dichter, Mechaniker und Barbesitzer, Carabinieri und Filmemacher haben sie Italien längst im positiven Sinn unterwandert. Und doch scheint Sizilien manchmal ein Kontinent für sich zu bleiben, anderen Rhythmen, Regeln und Farben zu folgen. Nirgendwo leuchten Kirschen und Feigenkakteen, Schlangengurken und polierte Auberginen bunter. In keiner Oper wird so laut geschrien wie in der Cavalleria Rusticana. Wo sonst schleppen sich Kinder als Nonnen und Mönche durch die Karfreitagnacht? Spanier und Hellenen, Albaner und Franzosen, Normannen und Nordafrikaner – sie alle haben Festungen und Dome, Sagen und Speisen, Musik und Gesichter hinterlassen.
Eine Insel, viele Landschaften
Die Vegetation mit violetten Kaskaden von Bougainvilleen, orangen Opuntienfrüchten, silbergrauen Oliven und knorrigen Johannisbrotbäumen in den Küstenregionen kontrastiert mit dem schwefelreichen, menschenleer wirkenden Landesinneren: wogende Kornfelder, verwachsene Wanderpfade und Schafherden in der Macchia. Üppig ist auch die Vielfalt der Strände: vom feinen Sand der Nordküste, der das Fischerstädtchen Cefalù rahmt, bis zum Lavagrus der Äolischen Insel Lipari. Blaue Grotten zu Füßen Taorminas oder die Vulkanklamm der Gola d’Alcantara: Sizilien ist das sinnenfreudige Konzentrat des Südens!
Blickkontakte
Sizilianer feiern die Freundschaft, lieben das Gespräch, können sich wie Andrea Camilleris Commissario Montalbano stundenlangen Gastmählern hingeben. Demonstrativer Müßiggang, verschwenderisches Trinkgeld, unermüdliches Kommentieren mit erotischem Unterton sind Konstanten der sicilianità. Und die Freude am persönlichen Kontakt. Das kann manchmal sehr schnell gehen. Die Freundin, die den Orangenverkäufer nur mal eben fotografieren wollte, sah sich unvermutet einer Fülle weiterer Fotomodelle gegenüber – anche a me, warum nicht auch mich, drängte sich der Padrone der Trattoria ins Geschehen und stemmte stolz ein Tablett cannoli, gefüllt mit kandierten Früchten, in die Luft ...
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Die Sizilianer feiern die Gastfreundschaft und lieben das Gespräch. Wer hier nur schnell den Fischverkäufer auf dem Markt fotografieren will, darf sich nicht wundern, wenn die nächsten eifrigen Fotomodelle schon Schlange stehen, bevor der Auslöser ganz durchgedrückt ist. Dein MARCO POLO Reiseführer verrät dir, welche Fotospots du nicht verpassen darfst und wo du mit den Einheimischen am besten in Kontakt kommst. Ohne lange Vorbereitung bist du so optimal gerüstet für deine Traumreise nach Sizilien!
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Über die Region:
Sizilien, die größte Insel im Mittelmeer, bietet eine abwechslungsreiche Landschaft mit Küsten, Bergen und Vulkanen. Der Ätna, Europas aktivster Vulkan, dominiert die Ostküste. Palermo, die Hauptstadt, ist bekannt für ihre historischen Märkte und die Kathedrale. Das Tal der Tempel in Agrigent zeigt beeindruckende griechische Ruinen. Sizilien vereint Natur und Geschichte und lädt zu vielfältigen Erkundungen ein.

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