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Man steht an Deck und schaut. Die Fähre tuckert von Meersburg nach Konstanz, die Sonne steht hoch am Himmel und das Wasser glitzert so grell, dass man gar nicht herabsehen mag. Also schaut man in die Ferne. Es kann nicht schaden, sich dabei an der Reling festzuhalten. Nicht weil das Schiff so schaukelt, sondern weil das, was sich da vor dem Passagier ausbreitet, umwerfend schön ist: die im Westen und Süden aufragenden Alpengipfel und über Friedrichshafen der Zeppelin.
Der dort unermüdlich seine Runden dreht, damit man nicht vergisst, dass es Friedrichshafen auch noch gibt. Denn anders als Kons(ch)tanz oder Meersburg oder Stein am Rhein kann die Industriestadt nicht mit einer verwinkelten Altstadt locken, in denen Mittelalterlichkeit so wuselig zu entdecken ist, dass man sich wahrlich auf historischem Boden wähnt. Friedrichshafen hat’s eher mit der Luftfahrt: Dornier, Zeppelin, Maybach – alles einst buchstäblich aufstrebende Menschen, deren Erbe in eindrucksvollen Museen und modernen Unternehmen bewahrt wird.
Der Name des Sees
So unterschiedlich wie die Städte am Ufer sind auch die Menschen: Hier leben Badener und Bayern, Schwaben und Vorarlberger, Thurgauer und Sankt Galler. Etwas mehr als 273 km misst das Ufer, an dem sich diese Völkerscharen tummeln. Zusammenfassend nennt man sie Bodenseeanrainer, ein Ungetüm von Herkunftsbezeichnung, das leider das einzige ist, das sie nomenklatorisch vereint. Die ersten Anrainer zogen schon vor mehr als zehntausend Jahren ans Ufer. Vom steinzeitlichen Leben künden unter anderem die weltberühmten Pfahlbauten rund um den See. Später rückten die Römer an, denen das Uferleben den Weinbau verdankt. Sie nannten den See noch „lacus brigantinus“ – Bregenzer See. Im Mittelalter setzte sich das heute kleine, damals aber bedeutende Bodman in Szene, weil mancher Kaiser dort gern Ferien machte. „Lacus podamicus“ hieß das Gewässer irgendwann, von wo der Weg zum Bodensee nicht mehr weit war.
Geschichte
15000 v. Chr.
Bei Schaffhausen entsteht der Rheinfall
3000 v. Chr.
Pfahlbauern siedeln am See
400 v. Chr.
Die Kelten siedeln am Ufer, erste stadtähnliche Anlagen
1.Jh. v. Chr.–4.Jh.
Zeit der Römerherrschaft
6.–8.Jh.
Christianisierung, Konstanz wird Bischofssitz
720–724
Gründung der Klöster St. Gallen und Reichenau
9.Jh.
Die Karolinger gründen die Pfalz Bodman
1414–18
Das Konzil von Konstanz beendet die Spaltung der katholischen Kirche
1805/06
Durch Napoleon erhalten Württemberg, Baden und Bayern Seezugang
1900
Der erste Zeppelin steigt in Friedrichshafen auf
1963
Die letzte „Seegfrörne“: Der gesamte See friert zu
2024/25
Die Reichenau feiert doppelt: Erst den 1300.Klostergeburtstag (2024), dann das 25-jährige Bestehen als Unesco- Welterbestätte (2025)
Geschichte ist nicht immer lustig
Überhaupt, das Mittelalter: Damals war der See der Nabel der Welt. Die Benediktineräbte auf der Reichenau galten als so gelehrt, dass sie als Berater der Kaiser fungierten und die Geschicke Europas lenkten. Die prachtvollen Handschriften, die in der zugigen Schreibstube im Münster entstanden, waren Topseller an den Fürstenhöfen. Das Kloster St. Gallen wurde über Jahrhunderte hinweg als klerikaler Musterbetrieb bewundert und in Konstanz fand 1414–18 das berühmte Konzil statt: Man wählte einen neuen und ausnahmsweise mal alleinigen Papst, füllte die Kassen der Zuhälter, schichtete den einen oder anderen Scheiterhaufen auf und freute sich am Ende, ein bisschen Ruhe in das Kirchenimperium gebracht zu haben. Zumindest vorübergehend. Das klingt böse, aber Vergangenheit ist nicht immer lustig. Das wussten nur wenige so gut wie der streitbare Schriftsteller Martin Walser, der am See sein Zuhause hatte, oder der Künstler Peter Lenk, der auch kein Blatt vor seinem Mund und Feigenblätter vor seinen Skulpturen schon gar nicht duldet.
Die Sonne erwärmt die Bodenseeseele
Am See leben die Menschen anders als im Rest der anrainernden Republiken. Wir haben für diese Lebensart leider nur eine südeuropäische Vokabel – mediterran. Sie steht für Wärme und Lebensfreude. Sie strahlt aus den Anrainern mit dem Beginn des Frühlings. Dann hebt sich der Winternebel und auf den Feldern blühen die Obstbäume. Alles, was Beine und Fahrräder hat, verlagert das Leben ins Freie. Diese Idylle hat natürlich ihren Preis, vornehmlich auf dem Immobilien- und dem Übernachtungsmarkt. Dafür liegt alles dicht beieinander, nur wenige Minuten trennen Surfkurs und Gipfelglück. Mancherorts ist die Hölle los – und gleich nebenan gar nichts. Denn hier liegen stille Natur- und Vogelschutzgebiete in direkter Nachbarschaft lebendiger Metropölchen.
Anrainer in Feierlaune
Insgesamt gibt es etwa 4 Mio. Anrainer. Gelegentlich werden dir rund um den See Schilder begegnen, auf denen von einer „Vierländer-Region“ die Rede ist. Neben Österreich, der Schweiz und Deutschland zählt noch das uferlose Liechtenstein dazu. Und wie sich das für eine gute Nachbarschaft gehört, werden fleißig Animositäten gepflegt. Man ächzt zum Beispiel in D wortreich unter den derzeit kaufkräftigen Nachbarn aus CH, weil sie den Konstanzern alle Parkplätze wegschnappen und wegen ihrer Ausfuhrpapiere nervige Schlangen an den Kassen erzeugen. Außerdem wäre plötzlich alles so teuer. Die Schweizer wiederum wundern sich über das Ächzen, wo sie doch so viel Kohle ins Nachbarland schaufeln und so weiter ... Am Ende ziehen sie aber an einem Strang. Und kümmern sich um Gewässer- und Umweltschutz sowie um einen gemeinsamen Kulturraum. Denn ein weiterer Reichtum am See ist das riesige Angebot an Museen, Theatern, Ausstellungen, Konzerten und Festen: Irgendwo ist immer was los.
Hast du dich dann von eingangs erwähnter Reling und Fähre gelöst, dann setz dich in aller Ruhe in eine Strandbar, einen kühlen Weißwein im Glas, und staune erneut, diesmal über den Sonnenuntergang, der da hinten zwischen den Hügeln abbrennt. Er taucht das Land in ein ganz eigenes Licht, lässt das Seewasser glühen und macht die Menschen leicht. Also sitzt du da und trinkst und schaust.
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