Baltikum

Überblick

Willkommen im Baltikum

Eigentlich mögen es die Bewohner Estlands, Lettlands und Litauens gar nicht, sich im "Baltikum" zusammengefasst zu sehen. Ein Este fühlt sich ohnehin mehr als Skandinavier, und das katholische Litauen verbindet seine Geschichte, Kultur und Religiosität eher mit Polen - beide Länder waren mehrere hundert Jahre als europäische Großmacht in einem Staat vereint.

Es ist eben diese wechselvolle Vielfalt aus verschiedenen Kulturen und Landschaften sanfter Schönheit, die das Baltikum als Reiseziel so reizvoll macht. Einsame Seen und urwüchsige Wälder, Sommerwolken über Auwiesen, Wildrosen und "weiße" Juninächte: Wer mit diesen Vorstellungen in die drei Ostseerepubliken reist, wird unzählige Paradiese entdecken. Allein die Küste wandelt auf tausend Kilometern zwischen dem litauischen Nida und dem Lahemaa-Nationalpark im Norden Estlands immer wieder ihre Form: Sandstrände, soweit der Blick reicht, Dünenketten und zerklüftete Steilufer, schroff ins Meer abfallende Klintfelsen. In Estland spürt man das nahe Skandinavien, dort säumt ein schärenartiger Archipel aus über 1500 Inseln die Küste.

Wer die Küste verlässt, erlebt ein Land der leisen Töne, nordisch herb und von östlicher Melancholie zugleich. Über die Hälfte des baltischen Nordens ist von Wäldern bedeckt. Dazwischen breiten sich geheimnisvolle Hochmoore aus - ein Traumrevier für Outdoor-Fans, wie die Latgale-Ebene, die sich im Osten Lettlands zu einer endlos scheinenden stillen Seenplatte öffnet. Und wer hätte nicht schon von der Kurischen Nehrung gehört, jener legendären Halbinsel, von der schon Wilhelm von Humboldt schwärmte.

Der Kontrast zu den Hauptstädten könnte größer nicht sein. Hier schlägt das Herz der jungen Republiken - politisch, wirtschaftlich, kulturell. Rīga, Tallinn und Vilnius haben sich herausgeputzt, der graue Sowjetmief ist einem lebendigen Mix aus eleganten Läden und Galerien, Restaurants und trendigen Cafés gewichen. An Sommerabenden pulsiert in Clubs und Jazzkneipen ein wildes Nachtleben.

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Auftakt

Entdecke das Baltikum!

Lenin, goodbye! Gerade zwei Jahrzehnte sind vergangen, seit das Baltikum sich mit seiner singenden Revolution aus der Sowjetunion befreite, doch es scheint eine Ewigkeit her. Estland, Lettland und Litauen sind dem Westen näher gerückt, seit 2004 Mitglieder der EU und mittlerweile auch des grenzenlosen Schengen-Europas: drei junge Ostseerepubliken, die dem alten Kontinent guttun - mit ihrem Mut zu innovativen Ideen, ihrer Aufbruchstimmung, ihren gelebten Traditionen. Ein Faible für brandneue Informationstechnologien verbindet die Balten ebenso wie die Verwurzelung im alten Brauchtum. Die Internettelefonie ist eine baltische Erfindung. Zugleich gibt es nirgendwo in Europa mehr Volkslieder als im Baltikum, es sind mehrere Millionen.

Drei Hauptstädte, drei Gesichter. Tallinn betört mit mittelalterlichem Charme. Das historische, meisterhaft restaurierte Vanalinn mit seinen Gassen, Wehrtürmen und Kirchen rings um den Domberg zählt zu den schönsten Altstädten Europas. Vergangenheit trifft Zukunft: Es passt in das Bild baltischer Kontraste, dass Autofahrer ihre Parkgebühren hier per SMS bezahlen.

Lettlands Hauptstadt Rīga vereint spielend hanseatische Backsteingotik mit der schwelgerischen Pracht von über 800 Jugendstilhäusern, die sich in den üppigsten Gründerzeitquartieren der Welt zu einer Operette aus Stein entfalten. Rings um Dom-, Rathaus- und Livenplatz laden von Frühling bis in den späten Herbst Dutzende Straßencafés ein, das Leben zu genießen.

Vilnius ist anders. Berauschend barock, katholisch, ein bisschen exzentrisch, geheimnisvoll. Litauens Hauptstadt wuchs als Schmelztiegel der Kulturen. In schattigen Hinterhöfen der verwinkelten Altstadt, zwischen alten Klöstern, Dutzenden Kirchen, Kaufmannshäusern und dem prächtigen Universitätskomplex lebt noch der Zauber der litauischen Vielvölkerstadt. Heute betreiben hier viele Künstler ihre Ateliers und Galerien.

An Sommertagen durchweht das lebensfrohe Vilnius ein fast südländisches Flair. Der Osten scheint fern. Das ist auch kein Wunder. Liegt der Mittelpunkt Europas doch gerade eine halbe Autostunde von der litauischen Hauptstadt entfernt. Mancher blickte verwundert auf, als französische Kartografen 1989 den Kontinent neu vermaßen und die Achsen Gibraltar-Ural und Nordkap-Kreta sich in Litauen schnitten. So sehr hatte der eiserne Vorhang das europäische Bewusstsein verschoben, dass der Westen erst allmählich wahrnahm, welchen Aufschwung die baltischen Staaten genommen hatten. Litauen, Lettland und Estland zählten jahrelang zu den am stärksten wachsenden Volkswirtschaften in Europa. Die Staatsbetriebe wurden in einem beispiellosen Radikalkurs privatisiert, postsozialistische Krisen und die lähmende Abhängigkeit von russischen Märkten sind überwunden: Drei Viertel ihres Außenhandels wickeln die Ostseerepubliken inzwischen mit der EU und Skandinavien ab.

Doch die globale Krise nahm auf Wirtschaftswunder keine Rücksicht. Die gefeierten Superstars unter Osteuropas aufstrebenden Ökonomien stecken in der Rezession. Als das globale Geldbeben nach der Lehman-Implosion im September 2008 Europa erschütterte, traf es das Baltikum so hart wie nur wenige andere Länder. Weil ein immenser Teil des baltischen Wirtschaftswunders auf Pump finanziert war - wenig Exporte, wenig Wertschöpfung, wenig nachhaltig also und stattdessen angetrieben vor allem von einem Konsum- und Immobilienboom - kehrte sich der Aufschwung nun in einen steilen Absturz um. Es war eine Kettenreaktion: Tausende Firmen wurden zahlungsunfähig und meldeten Insolvenz an. Inflation und Arbeitslosigkeit explodierten, der längst überhitzte Immobilienmarkt brach zusammen. "Es war im Prinzip das gleiche Spiel wie in Spanien und Griechenland", erklärt Morten Hansen, Volkswirt an der Rīgaer Universität. "Nur war die Blase, die hier bei uns platzte, im Verhältnis zur Größe der Länder viel gewaltiger." Die lettische Wirtschaft schrumpfte 2009 um fast 19 Prozent, das größte Minus aller EU-Staaten.

Drei Jahre dauerte die Talfahrt, die Wirtschaft der kleinen Länder erholt sich nur langsam davon. Am weitesten ist Estland, seit jeher Musterknabe des baltischen Trios. Ein beispiellos striktes Sparprogramm, Lohnkürzungen von bis zu 40 Prozent und die geringste Staatsverschuldung in der EU (2011 etwa 6,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, zum Vergleich: in Griechenland lag sie bei 160, in Deutschland bei 80 Prozent) halfen der kleinsten Ostseerepublik vergleichsweise schnell aus der Krise. 2011, mitten in den Euro-Untergangsdebatten, führten die Esten ihn als Währung ein. Und feierten das sogar noch. In einem Tallinner Tattoo-Studio kann man sich seither eine Euro-Münze in den Oberarm tätowieren lassen. Das Geschäft geht gut. "Ein merkwürdiges Land", titelte der Spiegel erstaunt.

Doch auch das ist halt typisch Baltikum: Optimismus. Hier, zwischen Tallinn und Vilnius, gilt als Maßstab immer noch die Zeit unter Hammer und Sichel - mit den gewaltigen Problemen, nach dem Ende der Sowjetzeit eigene Volkswirtschaften aufzubauen. Vielleicht gab es darum keinen Aufruhr, kaum Demonstrationen, als die Regierungen die Steuern anzogen, als die Löhne sanken und die Arbeitslosigkeit hochschnellte.

Am Ziel Euro halten auch Lettland und Litauen fest. Rīga und Vilnius wollen das "Westgeld" 2014 einführen, obwohl die Wirtschaft hier deutlich größere Probleme hat, wieder auf die Beine zu kommen. Erst Ende 2011 brach Litauens viertgrößtes Bankhaus Snoras zusammen. Es ist ein Teufelskreis: Die "Märkte" misstrauen dem einst gefeierten Baltikum nun, die Rating-Agenturen warnen vor den finanziellen Risiken dort. Die Folge: Ausländische Großunternehmen halten sich mit Investitionen nach wie vor spürbar zurück.

Turbokapitalistisches Wirtschaftswunder und anschließende Krise haben viele Balten zu Verlierern gemacht - vor allem die Rentner, die bei rasant steigenden Preisen mit ihren monatlich 200 Euro kaum überleben können. Die Arbeitslosigkeit liegt offiziell bei knapp 15 Prozent, in ländlichen Regionen ist sie drei- bis viermal so hoch. Das Wohlstandsgefälle zwischen Stadt und Land ist krass. Wer das polierte Rīga in Richtung der lettischen Provinz verlässt, meint aus der Zeit zu fallen. Die Menschen in den verarmten Dörfern des baltischen Hinterlands haben es schwer im neuen EU-Europa. Hier kommen kaum Fördergelder an. Wer überleben will, hält sich eine Kuh und bestellt seinen Acker - für den Eigenbedarf.

Auch die Wunden der Sowjetzeit sind längst nicht vernarbt. Die meisten Balten hatten jahrzehntelang unter der brutalen Besatzung gelitten. Wie schnell alte Vorurteile wachzurufen sind und in Gewalt umschlagen, zeigte sich im Mai 2007 in Tallinn: Die Demontage eines sowjetischen Soldatendenkmals eskalierte zu Straßenschlachten zwischen Polizei und russischen Jugendlichen.

Die Balten sind sehr patriotisch. Wen wundert's? Die Geschichte des Baltikums war jahrhundertelang eine Geschichte fremder Herren: Deutsche, Dänen, Schweden, schließlich die Russen - sie alle kamen und okkupierten, was ihnen gefiel in der strategisch günstig gelegenen Ostseeregion. Freie Nationalstaaten auszurufen gelang den Balten erstmals 1918, in den Wirren nach dem Ersten Weltkrieg. Zeugen dieser bewegten Vergangenheit findet man überall im Baltikum: Ordensburgen, alte Landsitze des deutschbaltischen Adels, Schlösser prächtig wie Zarenpaläste.

Touristische Geheimtipps sind die Ostseerepubliken längst nicht mehr. Seit dem EU-Beitritt entdecken immer mehr Urlauber das Baltikum. Hits sind natürlich die Hauptstädte, aber auch die Kurische Nehrung, die feinen Badeorte Jūrmala und Palanga, die estnische Insel Saaremaa stehen in der Gunst der Touristen ganz oben. In das Hinterland aber verirrt sich kaum ein Fremder. Dabei gibt es viel zu entdecken in den stillen baltischen Provinzen, und das Kurbad Druskininkai in den tiefen Wäldern des litauischen Südens, die Gauja-Schlucht in Lettland oder die estnische Nordküste sind echte Geheimtipps für Leute, die neue Wege gehen wollen. Unterkünfte bekommt man im Baltikum problemlos, das Angebot reicht von Fünf-Sterne-Luxus über stilvoll restaurierte Landschlösser bis zur Jugendherberge. Wer Land und Leute kennen lernen möchte, nimmt sich am besten ein Privatquartier. Hier wird man es schnell spüren: Der große Reichtum dieser wundervollen Länder sind seine Menschen, gastfreundlich und hilfsbereit.

Praktische Hinweise

Anreise
Auto

Empfohlene Strecke: Berlin-Poznan-Plock-Ostroleka-Suwalki-Kalvarija-Kaunas-Vilnius, Dauer etwa 20 Std. Weiterfahrt nach Lettland: von Kaunas über Ukmerge in Richtung Daugavpils, über Siauliai in Richtung Rīga. Wenn Sie an die Küste wollen, empfiehlt sich die Strecke von Kanuas nach Klaipėda und von dort weiter nach Liepāja/Ventspils.

Bahn

Gute Verbindungen gibt es von Berlin nach Warschau (viermal tgl., ca. 6 Std.). Von Warschau bis Vilnius fährt frühmorgens ein Zug (weitere 10 Std.). Zwischen den baltischen Staaten verkehren derzeit keine Züge.

Bus

Von vielen deutschen Städten fahren mehrmals wöchentlich Fernreisebusse ins Baltikum. Z. B. Stuttgart/München/Köln/Berlin-Tallinn (www.eurolines.com, www.ecolines.ee). Von Berlin aus verkehren tgl. Linienbusse nach Litauen (Kaunas, Vilnius, Klaipėda | www.berlinlinienbus.de). Fahrzeiten (ab Berlin): Vilnius 18, Rīga 22, Tallinn 26 Std. Hin- und Rückfahrt 110 Euro, Senioren und Studentenrabatt. Weitere Infos auch unter www.deutsche-touring.de

Ferry

Autofähren verkehren von Rostock nach Liepāja und Ventspils (Scandlines), von Lübeck nach Rīga (DFDS, Lisco) und Ventspils (Finnlines), von Travemünde nach Ventspils und Liepāja (Scandlines), alternativ von Travemünde nach Helsinki (Finnlines), von dort legen tgl. mehrere Fähren nach Tallinn ab (www.vikingline.fi, www.eckeroline.fi, www.tallinksilija.com, www.njl.info), von Kiel und Sassnitz/Rügen nach Klaipėda (Scandlines, Lisco). Fähren: DFDS | www.dfdslisco.de; Scandlines | www.scandlines.de; Finnlines | www.finnlines.com. Weitere Fähr-Infos unter www.baltikum24.de

Flugzeug

Easyjet (www.easyjet.com) fliegt von Berlin-Schönefeld nach Tallinn und Rīga. Ryanair (www.ryanair.com) verbindet Frankfurt-Hahn mit Rīga. Ähnlich günstig (online buchen) sind Flüge mit Estonian Air von Berlin, Frankfurt und Hamburg nach Tallinn (www.estonian-air.com) sowie mit Air Baltic (www.airbaltic.com) von Berlin, Frankfurt, Hamburg, Köln, München, Stuttgart oder Wien nach Rīga. Air Baltic fliegt auch nach Vilnius von Berlin, Hamburg, München und Wien aus sowie von Hamburg nach Palanga. Keine Direktflüge aus der Schweiz. Die polnische Airline LOT (www.lot.com) fliegt dreimal wöchentlich ab Frankfurt die lettische Hauptstadt Rīga an, sowie von Düsseldorf nach Tallinn, jeweils über Warschau. Von dort aus bedient LOT auch täglich Vilnius. Auch SAS (www.skandinavian.net) bietet von mehreren deutschen Flughäfen Verbindungen nach Tallinn (via Kopenhagen) an, Austrian Air (www.aua.com) startet ab Wien.

Auskunft
Baltikum Tourismus Zentrale Estland - Lettland - Litauen

Katharinenstr. 19-20 | 10711 Berlin | Tel. 030 89009091 | www.baltikuminfo.de

Fremdenverkehrsämter im Baltikum

Estland: Roosikrantsi 11 | 10119 Tallinn | Tel. 6279770 | www.visitestonia.com

Lettland: Pils 4 | 1050 Rīga | Tel. 67229945 | www.latvia.travel

Litauen: Juozapavičiaus | 09311 Vilnius | Tel. 5 2108796 | www.travel.lt

Es gibt außerdem ein gutes Netz an Informationsbüros, gekennzeichnet mit dem internationalen "i". Estn.: Turismiinfokeskus; Lett.: Tūrisma informācijas; Lit.: Turizmo informacijos centras

Auto

In allen drei Ländern muss auch am Tag mit Licht gefahren werden. Die Fernstraßen sind im Baltikum in gutem Zustand, in der Provinz gehen die Straßen allerdings häufig unvermittelt in staubige Schotterpisten über. Man kann auf ihnen durchaus fahren, allerdings langsam und Vorsicht bei Gegenverkehr (Steinschlag)! Es gibt zahlreiche Radarfallen, bezahlt werden muss vor Ort. Überall beträgt die Höchstgeschwindigkeit innerorts 50 km/h, auf Landstraßen 90 km/h, auf der Autobahn in Litauen 110 km/h.

In Estland und Litauen gilt die Nullpromillegrenze, in Lettland liegt sie bei 0,5. Weitere Verkehrsregeln: In allen drei baltischen Staaten Anschnallpflicht und Handyverbot am Steuer, auch eine Warnweste muss mit sich geführt werden. Von Dez.-März sind Winterreifen vorgeschrieben. Achtung an Ampeln: Das Grün blinkt zehn Sekunden vor dem Umschalten auf Gelb, bei Gelb niemals mehr fahren!

Pannenhilfe: Lettland Tel. 8000000 oder mobil 188, Estland Tel. 6969188, mobil 1888, Litauen Tel. 880000000, mobil 1888

Banken & Kreditkarten

Die meisten Banken im Baltikum akzeptieren die üblichen Kredit- und EC-Karten. Geldautomaten (Visa, Eurocard, EC) sind auch auf dem Land verbreitet. Banken sind meist Mo-Fr 9-18 Uhr geöffnet, einige auch samstags. In den Hauptstädten kann man fast überall mit Kreditkarten bezahlen.

Diplomatische Vertretungen
Deutsche Botschaften

Tallinn: Toom-Kuninga 11 | Tel. 6275300 | www.tallinn.diplo.de

Rīga: Raiņa bulv. 13 | Tel. 67229096 | www.riga.diplo.de

Vilnius: Sierakausko 24/8 | Tel. 5 2106400 | www.wilna.diplo.de

Österreichische Botschaften

Tallinn: Vambola 6 | Tel. 6278740 | tallinn-ob@bmeia.gv.at

Rīga: Elisabetes 21 a | Tel. 67216125 | www.aussenministerium.at/riga

Vilnius: Gaono 6 | Tel. 5 2660580 | www.aussenministerium.at/wilna

Schweizer Botschaft

Rīga: Elisabetes 2 | Tel. 67338351 | www.eda.admin.ch/riga

Auch für Estland und Litauen zuständig

Einreise

Es genügt der Personalausweis, das Baltikum gehört zum Schengenraum.

Gesundheit

Die Europäische Krankenversicherungskarte (EHIC) gilt auch im Baltikum. Auch Schweizer haben grundsätzlich Anspruch auf die gleiche Behandlung wie zu Hause. Allerdings wird Vorauszahlung verlangt. Der Abschluss einer Auslandskrankenversicherung wird empfohlen. Die meisten Medikamente werden in den Apotheken rezeptfrei verkauft. Wer Wanderungen in der Natur plant, sollte sich vor Reiseantritt gegen Zeckenbisse impfen lassen (FSME), bei Outdoor-Trips unbedingt ein gutes Mückenschutzmittel mitnehmen.

Internet & WLAN

In vielen Städten des Baltikums kommt man mittlerweile kostenlos ins Internet via WLAN. Estland verfügt praktisch über ein flächendeckendes, stabiles und schnelles WLAN-Netz. Es gibt fast 1200 Hotspots, erkennbar an den orange-schwarzen Wifi-Symbolen. Eine komplette Übersicht aller Hotspot-Standorte, auch der kostenlosen: www.wifi.ee. Selbst in abgelegenen Dörfern findet sich ein @-Zeichen, das den öffentlichen Internetzugang markiert. In Litauen und Lettland beschränkt sich WLAN noch auf größere Städte und Touristenzentren, aber alle modernen Hotels verfügen über Hotspots.

Notruf

Estland: Feuerwehr/Krankenwagen 112, Polizei 110. Lettland und Litauen: zentrale Notrufnummer 112 (auch vom Handy)

Öffentliche Verkehrsmittel

Eine Straßenbahn gibt es in Rīga und Tallinn, in Vilnius fährt ein Trolleybus. Kaufen Sie Einzeltickets (ca. 60 Cent) im Vorrat an den Kiosken. Das Ticket muss bei Fahrtantritt entwertet werden. Es kann auch mit Aufschlag beim Fahrer gekauft werden. Bei längeren Fahrten sind Busse meist schneller als Züge, es gibt relativ häufige Verbindungen. Die kleinen Mikrobusse sind oft flexibler und komfortabler, fragen Sie danach. Fahrkarten gibt es im Busbahnhof (Lit.: Autobusų stotis, Lett.: Autoosta, Est.: Bussijaam).

Öffnungszeiten

Das Baltikum hat kein Ladenschlussgesetz. Die großen Einkaufszentren sind meist tgl. bis 22 Uhr geöffnet, manche sogar bis Mitternacht. Normale Geschäfte öffnen in der Regel Mo-Fr 9-19 (20) Uhr, am Samstag bis 17 (18) Uhr, in Litauen vielfach auch am Sonntag. Museen sind wie international üblich meist montags geschlossen, manche auch am Dienstag. Restaurants öffnen meist gegen 10 oder 11 Uhr und schließen gegen 23 Uhr, auf dem Land und außerhalb der Saison auch früher. In der Vor- und Nachsaison haben v. a. in den Touristenzentren der Küste viele Gaststätten, Pensionen, Museen und Kulturstätten nur verkürzt geöffnet bzw. (im Winter) ganz geschlossen.

Post

Postämter sind meist Mo-Fr 8-18 Uhr geöffnet. Auch manche Kioske verkaufen Briefmarken.

Preise & Währung

In Estland ist seit dem 1. Januar 2011, Lettland seit 1. Januar 2013 und in Litauen seit 1. Januar 2015 der Euro das offizielle Zahlungsmittel. Im Vergleich zu Deutschland ist Estland immer noch ein preisgünstiges Land - mit Ausnahme von Tallinn, wo vor allem die Übernachtungspreise in neuen Hotels westliches Niveau erreicht haben. Rīga ist für EU-Touristen die teuerste Stadt. Auf dem Land ist vieles deutlich billiger. Der Eintritt für Museen liegt meist unter 2 Euro. Sehenswürdigkeiten kosten wenig bis keinen Eintritt.

Taxi

Taxifahrten werden im Baltikum nach Strecke abgerechnet (Richtgröße für Vilnius: 20-50 Cent/km; in Tallinn ist es billiger, in Rīga deutlich teurer). Um Gaunereien zu vermeiden, sollten Sie Taxis immer telefonisch rufen (offiziell auch billiger). Sie müssen Abfahrts- und Zieladresse sowie Rückrufnummer angeben und werden angerufen, sobald ein Taxi bereitsteht. In Estland gibt es für Taxiunternehmen keine Festtarife. Vergleichen lohnt sich, vorher fragen! Tallinn: Klubi Takso | Tel. 14200; Linnatakso | Tel. 1224; Rīga: Rīga Taxi | Tel. 68001010, Beschwerdetelefon: Tel. 67012701; Vilnius: Martono | Tel. 5 240004

Telefon & Handy

Internationale Vorwahlen: nach Estland: Tel. 00372, Lettland: Tel. 00371, Litauen: Tel. 00370. Zur Durchwahl aus dem Baltikum nach Deutschland wählt man: Tel. 0049, für Österreich Tel. 0043, für die Schweiz Tel. 0041.

Estland hat landesweit siebenstellige digitale Festnetznummern - es gibt keine Vorwahl ins Ortsnetz bei Ferngesprächen. Auch das lettische Telefonnetz ist gerade vollständig digitalisiert worden, eine Ortsvorwahl gibt es nicht mehr. Sämtliche Nummern wurden von sieben- auf achtstellig umgestellt. Festnetznummern haben im neuen System als erste Ziffer eine 6, Handynummern (bisher meist mit 6 oder 9 beginnend) nun eine 2 am Anfang. In Litauen muss bei Ferngesprächen vor der Ortsvorwahl eine 8 gewählt werden, z. B. 85 nach Vilnius. Wie in Deutschland muss innerhalb des Ortsnetzes keine Vorwahl gewählt werden.

Das baltische Mobilfunknetz ist auf Westniveau. Deutsche Handys funktionieren tadellos, günstiger wird es mit der Prepaid-Card eines einheimischen Netzbetreibers.

Toiletten

Bei der Kennzeichnung der Toiletten werden oft folgende Symbole verwendet: Δ = Frauen, ▼ = Männer. Achtung: Im Estnischen steht das "m" für mees = Mann. Im Litauischen steht das "m" für moterys = Frau! Sind Sie in Estland, bedeutet n = Frau, m = Mann. In Litauen m = Frau, v = Mann.

Trinkgeld

5-10 Prozent des Rechnungsbetrags sind in den Hauptstädten üblich.

Unterkunft

Camping ist in allen drei Ländern auf besonders ausgewiesenen Plätzen möglich, das Campen in der freien Natur wird weitgehend geduldet, ist in den Nationalparks aber verboten. Landhäuser kosten kaum mehr als 20 Euro pro Person und Tag. Eine Auswahl in Estland auf www.maaturism.ee. Landhäuser in Lettland vermittelt Lauku Ceļotāis | Rīga | Kugu 11 | Tel. 67617600 | www.traveller.lv. Informationen über Landtourismus in Litauen und Unterkünfte gibt es unter www.countryside.lt.

Zeit

Die Zeit im Baltikum ist der mitteleuropäischen um 1 Std. voraus. Die Länder stellen auf Sommerzeit um.

Zoll

Für Ein- und Ausfuhr gelten die EU-Bestimmungen. Außer Landes mitnehmen dürfen Sie u. a. 800 Zigaretten, 10 l Spirituosen, 90 l Wein. Antiquitäten und Kunstwerke, die älter als 50 Jahre sind, dürfen nur mit Genehmigung ausgeführt werden. Weitere Infos: www.zoll.de

Was kostet wie viel?

Benzin

1,40 Euro 1 l Super bleifrei

Taxifahrt

4-8 Euro (10 km)

Kaffee

1,10 Euro 1 Tasse Kaffee

Bier

1,30 Euro 0,5 l einer heimischen Marke

Imbiss

1,50 Euro für ein Kiewer Kotelett

Sauna

12-20 Euro für 2 Std.

Events, Feste & mehr

Offizielle Feiertage
1. Jan.

Neujahr

16. Feb.

Unabhängigkeitstag (Litauen)

24. Feb.

Unabhängigkeitstag (Estland)

11. März

Tag der wiedererlangten Selbstständigkeit (Litauen)

März/April

Karfreitag (Estland, Lettland), Ostermontag (Estland, Litauen)

1. Mai

Tag der Arbeit (Estland, Lettland)

23. Juni

Tag des Sieges (Estland)

23./24. Juni

Johannistage (Lettland)

24. Juni

Johannistag (Estland)

6. Juli

Krönung Mindaugas' (Litauen)

15. Aug.

Mariä Himmelfahrt (Litauen)

20. Aug.

Tag der wiedererlangten Unabhängigkeit (Estland)

1. Nov.

Allerheiligen (Litauen)

18. Nov.

Unabhängigkeitstag (Lettland)

25./26. Dez.

Weihnachten

Feste & Veranstaltungen
März

Kasimir-Tag (Litauen): Volksfeste zum Namenstag des litauischen Schutzpatrons

Internationales Jazzfestival in Birštonas (Litauen), in allen geraden Jahren

April

1. April (Litauen): Karnevalesker "Unabhängigkeitstag" der "Freien Republik Užupis" im gleichnamigen Vilniuser Künstlerstadtteil

Letzte Aprilwoche (Estland): Internationales Jazzfestival Jazzkaar in Tallinn, www.jazzkaar.ee

Mai

Folklorefestival Skamba, skamba kankliai (Litauen) in Vilnius

Internationales Theaterfestival Life in Vilnius, weitere Infos www.life.lt

Juni

Anfang Juni (Estland): Altstadttage in Tallinn; Buden, Konzerte, Aufführungen

Grillfest Mitte Juni in Pärnu (Estland), Riesen-Sommersause mit Barbecue

Internationales Rīgaer Opernfestival (Lettland)

Johannisfest: 23./24. Juni (alle): Die Sommersonnenwende wird ausgelassen gefeiert mit speziellen Speisen, Johannisfeuern und Tanz

Juni/Juli

Sängerfeste, alle vier bis fünf Jahre im Wechsel: Mitte Juli 2017 im Rigaer Mežaparks, dann besonders groß und international im Rahmen der 3. Europäischen Chorspiele unter dem Motto „Let's sing in Riga!“. Die Litauer singen 2018 im Vilniuser Vingio parkas, die Esten laden 2019 zum Liederfest in Tallinns Freiluftarena Lauluväljak ein.

Juli

2.-9. Juli (Litauen): Pilgermarsch zur Kirche Mariä Heimsuchung am Kalvarienberg 20 km von Telšiai

Biersommer (Estland) in der ersten Juliwoche in Tallinn, Infos unter www.ollesummer.ee

Festival für Alte Musik (Lettland): Tanz und Gesang am 3. Juliwochenende in drei Schlössern in und um Bauska

Mitte Juli (Estland): Watergate-Festival, Kieler Woche auf Estnisch in Pärnu

Ende Juli (Estland): Woodstock in Viljandi; Hippiemusik aus aller Welt

Das internationale Folklorefestival Baltica tragen die drei Länder abwechselnd in jedem Jahr aus.

Estland: Sommerski-Spektakel in Tartu

Litauen: Internationales Thomas-Mann-Festival in Nida auf der Kurischen Nehrung mit Lesungen und Konzerten

August

Rock- und Jazzfestival "Libauer Bernstein" im lettischen Liepāja

Abschlussfest der "Sommerhauptstadt" Pärnu Ende August (Estland): Tanz am Strand mit dem Ministerpräsidenten

September

Studententage (Estland) Mitte September in Tartu: Openend in Kneipen, Konzerte und Bandwettstreite

Traditionelles Pilzfestival (Litauen) in Varena/Dzukai (nahe der polnischen Grenze) am letzten Samstag des Monats. Sammelwettbewerb und Volksfest in der Stadt

November

Ende November/Anfang Dezember (Estland): Filmfestival "Dunkle Nächte" in Tallinn; weitere Infos www.poff.ee

Dezember

Weihnachtsmarkt in Rīga, der älteste, größte und schönste im Baltikum mit viel Kunsthandwerk, balzamgestärktem Glühwein und riesiger Lichtertanne

Im Trend

Digitalism
Musik

Progressiver Sound erklingt in Nordosteuropa. Insbesondere in Litauen entwickeln Sounddesigner und Komponisten den Elektrosound immer weiter - und überzeugen so auch die, die sonst eher auf Gitarren stehen. Ein solcher Musikkünstler ist Vidis (soundcloud.com/vidis), der unter anderem in der Black Pearl Lounge (Savanory pr. 124, Kaunas) zu sehen ist. Wohin sich die Musik als nächstes entwickelt, ist oft im CAC (Vokieciu 2, Vilnius) zuerst zu hören. Dort findet jährlich das Gaida-Festival für zeitgenössische Musik statt.

Klein & fein
Regioküche

Auf die Größe kommt's nicht an. Das Dorian Gray (Muzeja, Rīga, Lettland) ist klein, bietet aber ein großes Programm. Modeevents, Kinobrunch und extravagante Kombinationen auf dem Teller. Nur 25 Plätze hat das Papli (Paply 13, Pärnu, Estland) im Angebot, auch das Menü ist überschaubar - die Heidelbeersuppe mit frischem Hüttenkäseeis aber große Kunst. Ein lettisches Tastingmenü zum Durchprobieren gibt es im urigen Provinvija (Kaļķu 2, Rīga, Lettland).

Mit Klasse
Nachtleben

Mit coolen Undergroundclubs hat sich das Baltikum einen Namen gemacht. Jetzt kommen die Edelclubs! Der Tarantino Club (Traku 2, Vilnius, Litauen) ist die Adresse für Fashionfans, das Publikum ist entsprechend cool gestylt. Umgeben von schweren Säulen wird im Colonnade (Dzirnavu 57, Rīga, Lettland) gefeiert. In Tallinns Café VS (Pärnu 28) sorgen DJs freitags und samstags für beste Stimmung. Noch heißer wird dem, der die indischen Speisen bestellt.

Zum Versumpfen
Bogshoeing

Im Baltikum kann es ganz schön nass sein - vor allem an den Füßen. Die Sumpfgebiete sind ideale Rückzugsorte für Schwarzstorch und Co. und werden nun auch von der jungen Generation als Ausflugsziel entdeckt. An die Füße kommen Moorschuhe. Sie bewahren Wanderer ähnlich wie Schneeschuhe vorm Einsinken. 360° (Sõtke, Märjamaa, Estland, www.360.ee) organisiert Touren in den Lahemaa- und Kõrvemaapark. Die estnischen Kaleva Travel Destination Services (www.kalevatravel.ee) konzentrieren sich auf die Region Rääma. Wer auf eigene Faust die Region erkunden will, macht sich auf den Viru Bog Nature Trail (im Lahemaa-Nationalpark), der auf Holzstegen durch das Moor führt. So kann man das schwammige Land ohne nasse Füße erkunden und ohne der Natur allzu nahe zu kommen.

Hier ist Kunst zu Hause
Viertel

Zeitgleich entwickeln sich im Baltikum ganze Nachbarschaften zu Künstlervierteln. Eine Art Montmartre im Kleinen ist Užupis in Vilnius (Litauen). Dabei handelt es sich bei dem Stadtteil sogar um eine eigene Republik samt Präsident und Gesetzen. Ein "Staatsbürger" ist die Galerie Užupio Meno Inkubatorius mit ihren spannenden Ausstellungen. Im lettischen Rīga hat sich der Industriehafen Andrejsala (www.andrejsala.lv) zu einer Künstlerwelt entwickelt und in Kalamaja in der estnischen Hauptstadt Tallinn finden beinahe an jeder Ecke Konzerte, Ausstellungen, Happenings und Aufführungen statt. Lohnenswert ist ein Besuch der Galerie Art Depoo (Jahu 12, www.artdepoo.com).

Bloss nicht

Am falschen Strand liegen

Im katholischen Litauen sind manche Strandabschnitte abgeteilt: Mit vyrų plažias (Männerstrand) gekennzeichnete Abschnitte sind den Herren vorbehalten, am moterų plažias (Frauenstrand) hat dagegen nur das andere Geschlecht etwas zu suchen. Für Liebespaare gibt es immer noch den bendras plažias (gemischt). Männer, die sich zum moterų plažias wagen, können in ernsthafte Schwierigkeiten geraten, respektive brutal verscheucht werden.

Nicht aufessen

Den meisten Balten liegt es seit den knappen Sowjetjahren im Blut: Was bestellt wird, isst man auch auf - alles andere wäre Verschwendung. Nicht aufessen im Restaurant kommt in der Regel nicht gut an. Trotz verlockender Schaufenster und schicker Cafés nicht vergessen: Die meisten Esten, Letten und Litauer müssen für einen Restaurantbesuch eine ganze Weile arbeiten.

Ohne Blumen kommen

Wenn Sie eingeladen sind, besorgen Sie sich unbedingt einen kleinen Blumenstrauß - er braucht auch nicht teuer zu sein. Mit leeren Händen zu kommen gilt als ungehörig. Überall in den baltischen Städten gibt es kleine Blumenläden. Der Strauß wird wie in Deutschland gleich an der Tür überreicht.

Religiöse Gefühle verletzen

Russisch-orthodoxen Kirchen begegnen Sie im Baltikum vielerorts, und sie stehen fast immer für Besichtigungen offen, was sich schon wegen der prächtigen Ausstattung und uralter Ikonen lohnt. Doch sind sie Orte gelebten Glaubens, die strenge Religiosität ist echt und keine Folklore. Denken Sie daran, wenn Sie eine orthodoxe Kirche betreten! Bitte nicht in aufreizender Freizeitbekleidung, und mit der Kamera sollten Sie sensibel umgehen. Ähnliches gilt in den katholischen Kirchen Litauens.

Präsidenten verulken

In Deutschland gehört es schon fast zum guten Ton, über Politiker zu spotten. Auch in den baltischen Staaten werden Politik und Verwaltung oft kritisiert. Nur: Die Balten hören diese Kritik an ihren Repräsentanten von Besuchern ungern. Denn insgesamt achten sie die staatlichen Würdenträger hoch. Scherze geraten da leicht in den falschen Hals.

Gewohnheiten missachten

In Litauen wird es nicht gerne gehört, wenn im Haus gepfiffen wird, das könnte die Hausgeister oder andere dunkle Mächte wecken. Bei Privatbesuchen ist das Schuheausziehen üblich. Bei der Begrüßung sollte man die Hand nicht über die Türschwelle reichen: Das könnte jede Menge Unglück bringen!

Stichworte

Baltische Sprachen

Drei Völker, drei Sprachen. Und jede von ihnen so eigentümlich, dass ein Lette einen Esten nicht versteht und der wiederum mit einem Litauer kein Wort zu wechseln vermag. Litauisch ist ein lebendes Fossil. Gemeinsam mit dem Lettischen den Zweig der baltischen Sprachenfamilie bildend, steht Litauisch der indogermanischen Ursprache Sanskrit nahe. Für Ausländer ein Buch mit sieben Siegeln: So viele Fälle hat das Litauische nämlich, dazu eine Lautstruktur aus 59 Phonemen und weitere Klippen, an denen selbst Begabte verzweifeln. Das Lettische kommt ihm noch am nächsten, doch beide Sprachen haben sich in den Jahrhunderten stark auseinanderentwickelt. Zudem gibt es in Lettland viele Dialekte. Völlig aus dem Rahmen fällt Estnisch. Es gehört der finnougrischen Sprachfamilie an, verwandt also mit dem Finnischen und dem Ungarischen. Wer Estnisch lernen will, hat sich viel vorgenommen: Zwar gibt es weder Futur noch Präpositionen, Zischlaute auch keine. Dafür um so mehr Vokale und ganze 14 (!) Fälle.

Mit Russisch haben die drei Sprachen des Baltikums rein gar nichts zu tun. Doch ausgerechnet der ungeliebten Sprache des östlichen Nachbarn fällt im Alltag die Rolle der Lingua franca zu. Wobei sich die Befindlichkeiten hier auch spürbar gelegt haben: Sprache dient der Verständigung. Die jungen Leute haben mit Russisch nur noch wenig am Hut. Sie sprechen Englisch.

Deutsche im Baltikum

Dänen, Schweden, Polen, Russen - sie alle zogen durch die baltischen Länder und beherrschten das Gebiet für eine gewisse Zeit. Doch Siedler aus Deutschland waren es, die der Region ihren Stempel aufdrückten. Sie kamen vom 12. Jh. an ins Baltikum: Einige waren beseelt vom Kreuzzugaufruf des Papstes (1199), andere wollten schlicht eine neue Heimat finden. Um den Kreuzzug auch militärisch durchsetzen zu können, wurde 1202 der Schwertbrüderorden gegründet. Aus diesen Rittern ging der deutschbaltische Adel hervor, der ein Großteil der Ländereien in Besitz nahm. Selbst im Zarenreich blieb die Vorrangstellung der Deutschbalten bestehen. Erst nach dem Ersten Weltkrieg verloren diese Grundherren ihre Vorrechte. Die deutsche Geschichte im Baltikum endete mit dem Hitler-Stalin-Pakt. Damals holte Hitler die Deutschen aus dem Baltikum, um freie Bahn für seine eigentlichen Pläne, den Feldzug gegen die Sowjetunion, zu haben. Die meisten Deutschen leben heute noch im ehemals ostpreußischen Memelland und Litauen. Ihr kulturelles Zentrum ist das Simon-Dach-Haus (www.sdh.lt).

Holzhausarchitektur

Sie verschwinden immer mehr aus den Zentren, aber an den Rändern und in kleineren Städten prägen sie immer noch das Bild: die typischen hölzernen Wohnhäuser, wie man sie auch aus Skandinavien kennt. Holz ist der traditionelle Baustoff Nummer eins für die Balten. Wenn wie im estnischen Badeort Pärnu ganze Straßenzüge aus diesen Holzfassaden bestehen, dann ergibt sich eine gemütliche, fast zeitvergessene Atmosphäre. Schöne Beispiele für den baltischen Baustil gibt es auch im Tallinner Stadtteil Kadriorg, im litauischen Kedainiai und in der "Moskauer Vorstadt" von Rīga, hier mit erkennbar russischem Einschlag. Doch nirgendwo im Baltikum blieb ein derart geschlossenes Ensemble alter Holzhäuser aus dem 18. und 19. Jh. erhalten wie in Kuldīga. In der Kleinstadt in der lettischen Provinz Kurzeme (Kurland), die oft Drehort historischer Filme war, hat man das Gefühl, einer versunkenen Zeit auf der Spur zu sein

Lebensstandard

Der Durchschnittslohn liegt in den baltischen Staaten nach kräftigen Steigerungen in den letzten drei Jahren mittlerweile bei 700 (Litauen) bis 850 (Estland) Euro. Viele verdienen noch etwas dazu, vor allem junge, gut ausgebildete Leute haben oft mehrere Jobs oder gar Firmen. Sie sind diejenigen, die sich den Wohlstand leisten können, über den sich Besucher speziell in den Hauptstädten wundern. Arm dran sind diejenigen, die nicht über die nötige Beweglichkeit für die baltische Radikalmarktwirtschaft verfügen. Eine regelrechte Armut herrscht vielerorts auf dem Land. Verlierer sind auch die alten Menschen. Die mageren Renten reichen kaum zum Überleben. Die Alten waren die ersten, die die Folgen der Krise zu spüren bekamen. Inzwischen trifft der Wirtschaftskollaps viele: In allen drei baltischen Ländern ist die Arbeitslosigkeit sprunghaft gestiegen; wer noch einen Job hat, verdient bis zu 30 Prozent weniger.

Mittsommer

Überall im Baltikum wird die Sommersonnenwende ausgelassen gefeiert. Allerorten brennen in der Nacht vom 23. auf den 24. Juni die Johannisfeuer, man tanzt in bunten Trachten und singt die alten Volkslieder, es gibt spezielle Speisen und Biersorten, die eigens zum "Johannisfest" gebraut werden. Wer in dieser Nacht schläft, wird ein Jahr lang nicht viel Glück haben, heißt es. Das Feiern der Mittsommernacht wurzelt in einem alten heidnischen Brauch, in allen drei baltischen Republiken ist es das beliebteste Fest nach Weihnachten. Der Legende nach können in der kürzesten Nacht des Jahres die Tiere sprechen. Junge Paare gehen in den Wald, um den sagenhaften blühenden Farn zu suchen. Gefunden hat die Blüte noch niemand, doch neun Monate nach dem Fest werden auffällig viele Kinder geboren ...

Naturparadiese

Elche und Luchse sind scheue Einzelgänger. Im Baltikum finden sie reichlich Lebensraum. Die dichten Wälder, riesige Hochmoore und weite, wie unberührt in sich ruhende Ketten eiszeitlicher Seen zählen zu den Kronjuwelen europäischer Naturlandschaften. Estland hält den Europarekord im Sichten von Vogelarten: 192 verschiedene Spezies beobachtete man dort in 24 Stunden. Heimisch sind im Baltikum freilich noch viel mehr: 355 Vogelarten haben Ornithologen allein in Lettland nachgewiesen, darunter Kostbarkeiten wie Regenbrachvögel, Schelladler, Birkhühner und die scheuen Schwarzstörche, von denen in den lettischen Wäldern über tausend Paare nisten. Die ostlettische Seenplatte birgt die größte Fischotterpopulation des Kontinents, und in Litauen streifen neuerdings sogar wieder Bären durch die Wälder. Alle drei Ostseerepubliken haben die kostbarsten Refugien als Nationalparks unter Schutz gestellt. Die acht Reservate von den Küstenhochmooren Estlands bis zu den tiefen Wäldern im Süden Litauens sind viel mehr als Ökoreservate, sondern Symbole einer typisch baltischen Naturverehrung.

Neue Hanse

Rīga und Tallinn, Kaunas und Tartu, Cēsis, Ventspils und Narva haben eines gemeinsam: Sie sind alte Hansestädte. Beinahe 500 Jahre, von Mitte des 12. bis Mitte des 17. Jhs., beherrschte die Hanse als Wirtschaftsgroßmacht den Norden Europas. Auch 14 baltische Städte waren Mitglieder der Hanse. Nach dem 30-jährigen Krieg zerfiel der Handelsbund. 1980 gründeten mehrere Städte im niederländischen Zwolle die Neue Hanse, ein altes hansisches Vermächtnis aufgreifend: als Lebens- und Kulturgemeinschaft die wirtschaftliche, kulturelle und soziale Einigung über Grenzen hinweg zu fördern. Dem Zusammenschluss historischer Hansestädte gehören mittlerweile 173 Mitglieder aus 15 Ländern an. Alljährlich richtet eine Stadt den "Hansetag der Neuzeit" aus - bunte interkulturelle Feste, dem europäischen Dialog und der Förderung des Tourismus verpflichtet. Unter den Veranstaltern waren schon Rīga, Tartu, Pärnu und Kaunas. 2015 wird Viljandi/Estland Gastgeber sein. (www.hanse.org)

Pfifferling & Co

Der Pilzreichtum der baltischen Wälder ist legendär. Biologen haben etwa 1200 Arten gezählt, 280 davon sollen genießbar und etwa hundert ziemlich giftig sein. Vor allem in Litauen könnten Sie das Waldgemüse beinahe schon als einen Bodenschatz bezeichnen; und tatsächlich hat es der findige Unternehmer Viliumas Malinauskas mit dem Export von Pilzen zum Millionär gebracht.

In den tiefen Wäldern Südlitauens sprießen im Herbst derart viele Steinpilze, dass im ganzen Land ein nationales Sammelfieber ausbricht. Busladungsweise schwärmen selbst die Hauptstädter dann zur "stillen Jagd" aus, auf den Wochenmärkten türmen sich frische grybai, und in den Restaurants schmeckt nun vieles nach Pfifferling & Co. Im Dzūkija-Nationalpark wird Mitte September sogar ein Pilzfest gefeiert, das Grybų šventė. Höhepunkt ist ein Mannschaftswettbewerb im Pilzesammeln.

Russische Minderheit

Während der Industrialisierung in der Sowjetzeit wurden nicht nur Hunderttausende Balten nach Sibirien verschleppt - Moskau förderte auch massiv die Ansiedlung von Industriearbeitern aus der Sowjetunion im Baltikum.

Während Litauen nach der Wende seiner - zahlenmäßig geringeren - russischsprachigen Minderheit (ca. 8 Prozent der Bevölkerung) automatisch die litauische Staatsbürgerschaft übertrug, verweigerten dies Lettland und Estland (jeweils ca. 30 Prozent). Dabei schwang sicher auch die Hoffnung mit, dass die vom sowjetischen Regime eingebürgerten Russen nun bald wieder gehen würden. Die aber hatten längst Fuß gefasst, Familien gegründet und eine neue Heimat gefunden.

Bis heute müssen Angehörige der russischen Minderheit in Lettland und Estland Sprach- und Wissenstests absolvieren, wenn sie einen Pass ihres Heimatlandes erwerben wollen. Lange Jahre vermieden das die meisten: Sie behielten einfach den alten Sowjetpass, oder nutzten ein baltisches Kuriosum, einen sogenannten Nichtbürger-Pass für die Identifizierung. Erst seit dem EU-Beitritt beantragen Monat für Monat Tausende die Einbürgerung. Kein Wunder: Mit lettischem oder estnischem Pass ist man vollberechtigter EU-Bürger.

Sängerfeste

Der Gesang ist tief in den baltischen Völkern verankert. In Zeiten der Unterdrückung waren Sängerfeste Demonstration nationalen Bewusstseins. Bis heute sind sie zentrale Kulturereignisse.

Die Tradition nahm ihren Ausgang in Estland: Die Vordenker der nationalen Unabhängigkeit wollten sich nicht nur an die Menschen wenden - die Esten selbst sollten die nationale Idee tausendfach artikulieren. Das erste Liederfest überhaupt im Baltikum fand 1869 in der Universitätsstadt Tartu statt, 822 Esten stimmten dort "Mu isamaa on minu arm" an: "Mein Vaterland ist meine Liebe". Vier Jahre später sangen in Rīga mehrere Tausend Menschen mit den alten Dainas für die nationale Freiheit. Litauen nahm die Idee auf. Bis heute nehmen Hunderttausende Bürger teil. Die Feste finden alle vier bis fünf Jahre im Sommer statt, die nächsten in Tallinn (2014), Vilnius (2015) und Rīga (2016).

Ein Glücksfall für die Letten war die Marotte des Mathematikers Krišjānis Barons (1835-1923), die überlieferten lettischen Lieder aufzuzeichnen. Im Laufe der Zeit kamen anderthalb Millionen meist vierzeilige Dainas zusammen - eine der größten Sammlungen mündlicher Überlieferungen der europäischen Geschichte überhaupt.

Schaukeln, Puck und Basketball

Bei ihren Lieblingssportarten gehen die drei baltischen Republiken eigene Wege. Litauen mischt auf dem Basketballfeld in der Weltliga mit. Schon dreimal holte das Land Olympiabronze, und Spiele des Nationalteams sind absolute Straßenfeger: Jede Kneipe, die etwas auf sich hält, stellt dann einen Bildschirm zum Public Viewing auf: Basketball ist eine Religion in Litauen. So ähnlich feiern die Letten ihre Eishockeyhelden. Wintersportarten sind in Lettland sowieso sehr beliebt, doch ganz obenan steht die Jagd nach dem Puck. Als 2006 die Eishockey-WM in Lettland stattfand, wurde in Rīga eigens eine große Eishalle für 12000 Zuschauer gebaut. Bei Spielen ihrer Nationalmannschaft können auch die sonst eher zurückhaltenden Letten in eine geradezu südländische Euphorie geraten. Vorausgesetzt natürlich, Latvia gewinnt.

Estland hat sich etwas ganz Eigenes kreiert: das Kiiking (www.kiiking.ee). Das heißt auf Estnisch einfach nur "Schaukeln", aber das lässt sich halt richtig in die Höhe treiben! Der Erfinder Ado Kosk verwandelte eine normale Freizeitschaukel mittels Teleskoptechnik in ein Extremsportgerät, auf dem es darum geht, mit möglichst großem Radius einen kompletten Überschlag hinzubekommen. Je länger die Schaukel, desto schwerer ist die Drehung hinzubekommen. Der aktuelle Rekord liegt bei 7,02 m. Nichts für Angsthasen.

Bücher & Filme

Estland, mon Amour

Regisseurin Sibylle Tiedemann auf den Spuren ihres Bruders, der auf mysteriöse Weise in Estland ums Leben kam. Die sensible TV-Dokumentation gerät trotz des ernsten Themas zur sehenswerten Liebeserklärung an das Ostseeland (2004)

Kurische Nehrung

Der für seine Ostgeschichten und lange Schwenks bekannte Dokumentarfilmer Volker Koepp zeichnet ein zeitlos-einfühlsames Bild der russisch-litauischen Landzunge und seiner heutigen Bewohner (2001)

Der Sonnenthron

Schöne Lyriksammlung von Lettlands Nationaldichter Jānis Pliekšāns alias Rainis. Über den Internethändler Amazon zu bekommen

Sterne der Eiszeit

Reichlich schräg gestellter Einblick ins Litauer Landleben von Renata Šerelyte

Hunde von Riga

Spannendes vom schwedischen Krimistar Henning Mankell

Der Verrückte des Zaren

Historischer Roman des großen alten Mannes der estnischen Literatur, Jaan Kross

Die Straßen von Wilna

Zärtliche Hommage des litauisch-polnischen Nationalpreisträgers Czesław Miłosz an Vilnius, die Stadt seiner Jugend

Die baltischen Länder

von Michael Garleff - ebenso fundiert wie Alexander Schmidts "Geschichte des Baltikums"

Fakten

Ortszeit
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