
Reiseführer Estland

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Die Wälder wollen kein Ende nehmen, in abgründigen Moorseen spiegelt sich baltisches Wolkentheater, und an der Küste, gesäumt von zerklüfteten Felsen, schilfigen Buchten, breiten Stränden und über 1500 Inseln, nennen die Leute in den Fischerdörfern die Ostsee ihr „Westmeer“. Die kleinste der drei Ostseerepubliken wartet mit viel Natur und Ursprünglichkeit auf; alte Hansestädte, Burgruinen und Herrenhäuser erzählen von bewegter Geschichte. Und die Hauptstadt Tallinn betört mit mittelalterlich-nordischem Charme, viel Kultur und pulsierendem Nachtleben, die meisterhaft restaurierte Altstadt zählt zu Europas schönsten.
Estland, die nördlichste der drei Ostseerepubliken, ist ein Land der leisen Töne. Geprägt von der herben Schönheit seiner Natur, vom Leben am Meer: Stolze 3800 km misst die Küstenlinie, sechsmal mehr als die Landgrenzen zu Lettland und Russland. Nur der Finnische Meerbusen trennt Estland von Finnland, wie man sich überhaupt mehr Skandinavien als dem Baltikum zugehörig fühlt. Lange Sandstrände, von Kiefernwäldern gesäumt, zerklüftete Kalksandkliffe im Norden, Flüsse, die von der 50 m hohen Steilküste ins Meer stürzen, flache Küstenlinien, durchsetzt mit großen Findlingen: Das Naturpanorama an der Ostsee ist faszinierend. Im Süden des Landes formt sich aus der Ebene eine sanftwellige, waldreiche Hügellandschaft, Hunderte Seen sind in diese Moränenketten eingebettet. Nach Osten öffnet der riesige Peipus-See eine Ahnung russischer Weite.
Geschichte
4400-2500 v. Chr.
Finno-ugrische Völker aus dem Uralgebiet dringen bis ins heutige Finnland und Estland vor
650
Bei den baltischen Völkern bilden sich Herrscherdynastien und feste Grenzen heraus
1202-30
Der Schwertbrüderorden erobert Südestland
1230
Deutsche Kaufleute gründen die Stadt Reval (Tallinn)
1346
Dänemark verkauft Nordestland an den Deutschen Orden
14./15.Jh.
Blütezeit der Hanse
1523
Die Reformation erreicht Estland
1558
Zar Iwan IV. fällt in Estland ein
1582-84
Die Schweden vertreiben die Russen und herrschen bis 1645
1710
Im Nordischen Krieg erobert Zar Peter I. Estland
1869
Erstes estnisches Sängerfest
24.Feb. 1918
Ausrufung der Republik Estland, Freiheitskämpfe
1939/40
Hitler-Stalin-Pakt: Umsiedlung der Deutschbalten, Estland wird sowjetrussisch
1941-44
Deutsche Besatzung
1945-88
Russifizierung Estlands
1989
Eine Menschenkette zieht sich in Erinnerung an den Hitler-Stalin-Pakt quer durchs Baltikum
20.Aug. 1991
Estland erklärt sich für unabhängig
1994
Die letzten russischen Truppen verlassen Estland
2004
Estland wird Nato-Mitglied und tritt der EU bei
Der Kontrast zur Hauptstadt könnte größer kaum sein. Altes, junges, aufstrebendes Tallinn: Kopfsteinpflastergassen, gesäumt von spitzgiebeligen Kaufmannshäusern und Kirchen, zwischendrin ein altes Dominikanerkloster, das gotische Rathaus. Man könnte glauben, ins Mittelalter zurückzuwandern, wären da nicht die bunten Straßencafés vor den historischen Fassaden und allenthalben junge Leute mit aufgeklappten Laptops und den allgegenwärtigen Handys, mit dem man hier sogar die Parkuhr fürs Auto bezahlt oder auch den Stadtbus. Vergangenheit trifft Zukunft. Grauer Sowjetmief ist einem lebendigen Mix aus eleganten Läden, Restaurants und trendigen Cafés gewichen, hanseatisch-nordisches Flair durchweht die Altstadt. Sich hier wohlzufühlen fällt leicht.
Tallinn mit seinem mittelalterlichen Stadtkern, den Theatern, Museen und Kneipen, mit seinem pulsierenden Nachtleben, dem Regierungssitz und den modernen Einkaufszentren ist Estlands unbestrittenes Zentrum, in jeder Hinsicht. Etwa 400000 Menschen leben hier, fast ein Drittel aller Esten. Jenseits von Tallinn fließt das Leben viel gemächlicher. Schon in Tartu, der zweitgrößten Stadt des Landes, ist das zu spüren.
Die baltische Republik, mit 45000 km² etwa so groß wie Niedersachsen und von knapp 1,4 Mio. Menschen bewohnt, wurzelt in bewegter Geschichte. Überall im Land stößt man auf ihre Zeugen: Reste alter Ordensburgen, noch als Ruinen von einstiger Macht erzählend, seltsam anmutende Radkreuze im hohen Gras verwitterter Inselfriedhöfe, orthodoxe Kirchen, prächtige Herrenhäuser. Es sind die Spuren fremder Regenten. Jahrhundertelang lebten die Esten unter deren Herrschaft: Dänen, Deutsche, Polen, Schweden, schließlich die Russen - sie alle rissen sich das historische Livland oder Teile davon unter den Nagel.
Die ersten Missionare kamen im 13.Jh. noch aus Dänemark, doch bald fielen die Ritter des Deutschen Ordens im baltischen Norden ein, um die heidnischen Esten mit dem Schwert unter das Kreuz zu zwingen. In ihrem Gefolge errichteten deutsche Kaufleute Handelsniederlassungen. Tallinn, von den Deutschen Reval genannt, Narva, Tartu (Dorpat), Pärnu (Pernau) und Viljandi entstanden und wuchsen als blühende Hansestädte zu Reichtum und Wohlstand. Im 16.und 17.Jh. rauften sich Polen, Schweden und Russen um das Land, bis das aufstrebende Zarenreich Peters des Großen als Sieger aus diesen Machtkämpfen an der Ostsee hervorging. Zwar konnten sich die Esten 1917/18 endlich aus dem zaristischen Imperium lösen, doch die Eigenständigkeit endete schon 1939 wieder - mit dem Hitler-Stalin-Pakt. Für Estland begann die schlimmste Zeit seiner Geschichte: von Moskau einverleibt, von den Deutschen besetzt, nach Kriegsende sowjetisiert. Durch Flucht, Massendeportationen und Staatsterror verlor das kleine Land ein Viertel seiner ethnischen Bevölkerung. Im Gegenzug kamen Einwohner aus dem Sowjetreich in das Land.
Alle Wunden dieser Zeit sind noch längst nicht verheilt. Doch für mehr und mehr Esten, vor allem in den jungen Generationen, ist Vergangenheit Geschichte: Wer kann, blickt nach vorn. Das Land steckt in einem rasanten Aufschwung, die Wachstumsrate zählt konstant zu den höchsten in Europa. Weltweit als Musterknabe gilt das Baltenland auf dem Gebiet neuer Kommunikationstechnologien. Der Staat garantiert seinen Bürgern per Verfassung den freien Internetzugang, blau-weiße Schilder mit dem @-Symbol weisen auf die etwa 1100 öffentlichen und kostenlosen Internetzugänge hin, die sich selbst in kleinen Dörfern finden.
Esten gelten als Individualisten, wortkarg und schweigsam. Gerade auf dem Land gilt Schweigen durchaus als Art der Kommunikation. Niemals würde ein Este einem Fremden ein Gespräch aufdrängen. Freundschaften schließen die Menschen hier nicht so schnell. Aber wenn, dann halten sie ein Leben. Doch einmal im Jahr ist manches anders: Von Ende Mai bis Mitte Juli, wenn es nicht richtig dunkel wird, beschwingen die „weißen Nächte“ die Seelen der Esten. Ihren Höhepunkt findet diese Zeit an Jaanipäev, der Johannisnacht vom 23.zum 24.Juni: Das ganze Land feiert an diesem Tag ein fröhliches Fest mit Sonnenwendfeiern und alten Liedern.
Traditionen und Bräuche spielen in Estland eine immense Rolle. Traditionen haben den Esten in den Jahrhunderten wechselnder Fremdherrschaft geholfen, die Identität zu bewahrten, so etwas gräbt sich tief ein ins nationale Bewusstsein. Das gilt vor allem für die Lieder, ein heiliger Volksschatz wie überall im Baltikum. Die Sängerfeste, das erste fand 1869 in Tartu statt, sind eine nationale Institution. Mit ihren Volksliedern auf den Lippen stellten sich die Esten 1991 den sowjetischen Panzern entgegen, der Freiheitskampf ging als „singende Revolution“ in die Weltgeschichte ein. Auch das freie Estland machte singend von sich reden: Mit dem Gewinn des European Song Contest 2001 rückte die kleine Republik im Bewusstsein vieler TV-Zuschauer erstmals wieder auf die europäische Landkarte.
Ein Geheimtipp ist das Land im Norden des Baltikums längst nicht mehr. Immer mehr Urlauber entdecken Estland, zumal im Zeitalter der Billigflieger auch Tallinn so leicht erreichbar ist wie Paris und spätestens mit der Aufnahme in den Schengen-Verbund letzte Grenzen fielen. Natürlich lockt vor allem die Hauptstadt die Touristen. Doch auch auf den Inseln und im Binnenland mit seinen kleinen Städtchen gibt es viel zu entdecken: restaurierte Gutshäuser, uralte Windmühlen, Leuchttürme und nicht zuletzt wunderbare Landschaften. In der Stille der Natur dieses Landes lässt sich Kraft schöpfen, und die Gastfreundschaft der Menschen tut ein Übriges, um Besucher spüren zu lassen, dass sie hier, im baltischen Norden, herzlich willkommen sind.
Estland Highlights
Wissenswertes
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Über die Region:
Estland bietet eine vielfältige Landschaft mit Küsten, Wäldern und Inseln. Tallinn beeindruckt mit seiner mittelalterlichen Altstadt und dem Alexander-Newski-Dom. Lettland ist bekannt für die Strände von Jūrmala und die Jugendstilbauten in Riga. Litauen bietet den Kurischen Nehrung Nationalpark und die barocke Altstadt von Vilnius. Alle drei Länder vereinen Natur und Kultur und laden zu vielfältigen Erkundungen ein.

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