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Am Sonntagmorgen sitzt ganz Tallinn auf seiner Bühne: dem blitzblanken Rathausplatz mit den Zuckerbäckerfassaden. Von den gut 1,3 Mio. Esten leben immerhin rund 430 000 in der Hauptstadt. Auf den Terrassen der Cafés betrachten die Menschen das Defilee. In Tallinn sitzt man unter freiem Himmel, wann immer keine Eisschollen im Weg liegen.
Singend in die Freiheit
Tallinn besitzt eine der am besten erhaltenen mittelalterlichen Innenstädte Europas und ist voller romantischem Zauber. Doch unter der historischen Fassade schlägt ein junges und ehrgeiziges Herz. Musik und Mode, Design und IT – zu allem fällt den kreativen Bewohnern etwas ein. Das zeigten sie schon zwischen 1987 und 1991, als die Esten mit dem Singen traditioneller (von den Sowjets verbotener) Freiheitslieder knapp vier Jahrzehnte sowjetischer Besatzung in die Geschichtsbücher verwiesen. 1991 war Estland endlich unabhängig. Nach der „singenden Revolution“ flogen Hämmer, Sichel und Leninbüsten auf den Müll. Eine demokratische Regierung formierte sich, manche Minister waren nicht mal 30 Jahre. Die Vitalität ist geblieben. Eine so innovative Gastroszene, ein ähnlich kreatives Klima wie in Tallinn ist in Städten vergleichbarer Größe kaum zu finden. In nur 13 Jahren wurde Estland EU- und Nato-Mitglied. Die Unesco erklärte den liebevoll restaurierten historischen Kern (Vanalinn) als einer der am besten erhaltenen mittelalterlichen Stadtkerne Europas zum Welterbe.
Stadt der Hanse
Der Name Tallinn knüpft an die Ära der Dänen im Mittelalter an; im Estnischen bedeutet taani linn dänische Stadt. So heißt die Stadt erst seit der Unabhängigkeit Estlands von Russland, bis 1918 hieß sie Reval. Im 13.Jh. lud der Schwertbrüderorden deutsche Kaufleute nach Reval ein, um hier einen Handelsplatz aufzubauen. Wenige Jahre später war Reval mit der Hanse verbunden und nutzte die Privilegien des Handels- und Städtebunds. Auf dem Hügel verschanzten sich die deutsche Oberschicht und der Bischof vor dem Volk unten – und die reichen Kaufleute unten vor dem armen Klerus oben. Heute residieren auf dem Domberg im Schatten der russisch-orthodoxen Alexander-Newski-Kathedrale und des pinkfarbenen Barockschlosses Tompeea, in dem das Parlament tagt, diverse Botschafter. Zwei Aussichtsterrassen bieten wunderschöne Blicke auf die spitzen Kirchtürme, roten Ziegeldächer und die Gassen der Unterstadt, auf das tiefblaue Meer und den Hafen, wo die Fähren aus Helsinki und im Sommer fast jeden Tag Kreuzfahrtschiffe anlegen.
Geschichte
1227
Der Schwertbrüderorden erobert Reval
1238
Reval fällt an Dänemark
1346
Dänemark zieht sich zurück und verkauft seine Rechte an den Deutschen Orden
1561
Schweden übernimmt
1710
Im Großen Nordischen Krieg fällt Reval an Russland
1918
Erste Unabhängigkeit
1940
Sowjetische Besatzung
1941
Deutsche Besatzung; fast die gesamte jüdische Bevölkerung wird ermordet
1944
Sowjetische Besatzung
1991
Estland wird unabhängig
2004
EU- und Nato-Mitgliedschaft
2011
Europäische Kulturhauptstadt
2021
Mit Kaja Kallas wird erstmals eine Frau Ministerpräsidentin
2022
Wachsende Angst vor dem russischen Nachbarn nach dessen Überfall auf die Ukraine
Russische Einflüsse, nordisches Herz
Seinen besonderen Charme bezieht Tallinn aus dem Nebeneinander von Historie und Moderne, von Ruhe und Weltläufigkeit, von russischen Einflüssen und skandinavischem Flair. Letzteres ist den estnischen Tallinnern wichtig. Denn nur 53 Prozent der Hauptstadtbewohner sind Esten; die restliche Bevölkerung besteht zu 44 Prozent aus russischen Muttersprachlern und zu knapp 3 Prozent aus Angehörigen anderer Nationen – eine Folge der Politik der Sowjetunion, Estland mit eigenen Bürgern zu besiedeln, um das System zu festigen. Schon die fünf bis zehn Sorten eingelegten Herings, die zu einem üppigen Frühstück gehören, beweisen: Estland sieht sich als nordisches Land. Gerade mal 80 km trennen Tallinn von Helsinki, zudem gehört die komplizierte estnische Sprache nicht zur indogermanischen, sondern zur finnougrischen Sprachfamilie. Was bedeutet, dass Esten und Finnen sich gut miteinander verständigen können – auch in der Sauna. Die ist in beiden Ländern Kulturgut.
Kronleuchter & Kunsthandwerk
Nicht umsonst war Tallinn seit jeher ein Handelsplatz an der Schnittstelle von Ost und West. Eine Stadt des Handels ist sie bis heute geblieben. Hier blüht immer noch der echte, eigenständige Einzelhandel. In der Altstadt drängen sich Kunstgalerien und Fachgeschäfte für Kristallgläser, Kronleuchter oder Quilts. Freu dich aufs Shopping, vor allem auf Kunsthandwerk und Schönes fürs Zuhause. Und aufs Ausgehen. Gemütliche Cafés findest du an jeder Ecke, auch Tallinns Nachtleben ist einer Hauptstadt würdig. Als Hafenstadt und wichtiger Stützpunkt für Moskau war Tallinn immer weltoffener als andere Regionen hinter dem Eisernen Vorhang. Das spiegelt sich auch in ihrer Restaurantszene. Kaum eine Landesküche ist hier nicht vertreten, gewagte Crossover-Cuisine ebenso wie russische Kochkunst.
Innovative IT-N@tion
Estland ist eine IT-Nation, innovativ und technikverliebt. Von der Autozulassung über die Steuererklärung bis zur Firmengründung wird alles online erledigt. Drahtloser Internetzugang ist fast überall in der Stadt verfügbar. Trotz des entschlossenen Blicks der Bewohner nach vorn kannst du in der baltischen Boomtown Geschichte live erleben – vom mittelalterlichen Kopfsteinpflaster der Altstadt über das pinkfarbene Schloss Katharinental, das Peter I. für seine Frau errichten ließ, bis zu den sowjetischen Plattenbauten im Stadtteil Lasnamäe. Lass dich treiben und Tallinn erzählen. Du wirst sehen: Die kleine Stadt steckt voller Zauber.
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Tallinn
Buch, 6. Auflage · 15.95 €Mit dem MARCO POLO Reiseführer in Tallinn auf Zeitreise gehen Die mittelalterliche Innenstadt von Tallinn ist eine der am besten erhaltenen in Europa. Hinter den betagten Fassaden schlägt trotzdem ein junges Herz. Historie und Moderne, ruhige Ecken und touristischer Trubel, russische Anklänge und skandinavisches Flair – all das geht hier Hand in Hand.
Damit du bei so viel Abwechslung nicht den Überblick verlierst, ist der MARCO POLO Reiseführer dein idealer Begleiter. Mit ihm entgeht dir kein Highlight der Stadt!
Mit MARCO POLO entdeckst du Estlands Hauptstadt von ihrer schönsten Seite
Ob du spontan auf eigene Faust losziehst oder dich von den Tourenvorschlägen inspirieren lässt – mit dem MARCO POLO Reiseführer bist immer perfekt organisiert. Bewundere die mittelalterlichen Türme der Stadt bei einer Kajaktour vom Meer aus, schieße Selfies vor den Zuckerbäckerfassaden auf dem Rathausplatz oder lausche bei einem der weltberühmten Sängerfeste estnischer Musik. Mit dem MARCO POLO Reiseführer für Tallinn stellst du dir genau die Reise zusammen, auf die du Lust hast!

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