
Reiseführer Umbrien

In Umbrien gibt es kein Meer, keinen Strand und keine Riviera, doch das grüne Herz Italiens hat unendlich viel Schönheit zu bieten. Eine zart getupfte Landschaft wie auf Giottos Fresken erwartet Sie, sanfte grüne Hügel mit Wald und silbrigen Olivenhainen, Rebstöcken in Reih und Glied, goldgelb wogenden Sonnenblumenfeldern und blutrotem Mohn als Akzent am Wegesrand. Als die "blauen Augen in Umbriens grüner Landschaft" werden der Trasimenische See, der zum Baden einlädt, und der eiskalte, vor allem bei Anglern beliebte Lago di Piediluca bezeichnet.
Zur Natur kommen Kunst und Kultur pur. Aufgereiht wie eine Perlenkette liegen prächtige alte Hügelstädte an den Rändern der Valle Umbra bis zu den Marken: Gubbio, Perugia, Assisi, Spello, Bevagna, Montefalco, Todi, Narni und Spoleto sowie Orvieto haben ihren historischen Ortskern hervorragend erhalten. Mit römischen Brücken, etruskischen Stadttoren, mittelalterlichen Gassen und steilen Treppenstufen, die meist auf eine schöne herrschaftliche Piazza führen, auf der Sie in der Bar mit einem Cappuccino, Campari oder Aperol Spritz die kleinen Dinge des Lebens genießen können. Selbst das Bergstädtchen Norcia, Wirkungsort des hl. Benedikt von Nursia, hat trotz mehrfacher Erdbeben sein ursprüngliches Aussehen bewahrt. Entdecken Sie auch weniger bekannte Orte, die überraschend mit einem in den Himmel aufragenden Dom oder mit Signorelli-Fresken, vielleicht auch mit etruskischen Höhlengräbern, zumindest aber mit einem romanischen Kirchlein aufwarten, wo ein freundlicher alter Franziskanerpater Ihnen die Marienbilder unbekannter Meister erklärt.
Geschichte
1500 v. Chr.
Erste Siedlungen in Umbrien
8.-9.Jh. v. Chr.
Die Umbrer wandern von Norden ein und werden von nachrückenden Etruskern östlich des Tiber gedrängt
400 v. Chr.
Die Städte geraten immer mehr unter römische Vorherrschaft
220 v. Chr.
Bau der römischen Via Flaminia von Fano nach Rom
217 v. Chr.
Der karthagische Feldherr Hannibal besiegt die Römer am Trasimenischen See
480
Geburt des hl. Benedikt von Nursia
568
Einfall der Langobarden; Gründung des Herzogtums Spoleto
754
Mit der Pippinischen Schenkung an den Papst garantiert Frankenkönig Pippin III. dem Kirchenstaat Latium, Umbrien und die Marken
1075-1250
Kämpfe zwischen Päpsten und deutschen Kaisern festigen die Macht der Städte
1182
Geburt des hl. Franz von Assisi
1209
Der hl. Franz pilgert nach Rom, um vom Papst die Erlaubnis für seinen Bettelorden zu erbitten
1308
Gründung der Universität Perugia durch Papst Clemens V.
15./16.Jh.
Umbrien wird dem Kirchenstaat einverleibt, Perugia verliert 1540 im "Salzkrieg" gegen Papst Paul III.
1703
Schweres Erdbeben
1860
Auflösung des Kirchenstaats. Umbrien und die Marken werden Teil des neuen Königreichs Italien, Perugia schleift die verhasste päpstliche Rocca Paolina
1922-43
Faschistische Herrschaft Benito Mussolinis
1946
Italien wird Republik
1997/98
Große Zerstörungen durch starkes Erdbeben in Mittelitalien
2009
800-jähriges Bestehen des Franziskanerordens
Seit 2011
Perugia und Assisi planen, sich gemeinsam als "Kulturhauptstadt Europas 2019" zu bewerben
So abgelegen Umbrien wirkt, seine Hotellerie ist ausgezeichnet. Zimmer gibt es für jeden Geschmack und Geldbeutel: trutzige Festungen mit Himmelbett und Himmelsblick, ehemalige Klöster mit Bad und TV im Zimmer und einfachem, gutem Essen im Refektorium - oder auch einstige Schafställe, die ihre Besitzer zu schmucken Hotels mit Spa und Schwimmbad umgebaut haben. Die Preise sind bezahlbar, so manches Drei- oder gar Viersternehotel ist in der Vorsaison unter 100 Euro zu haben.
Im grünen Umbrien haben grüne Ideen besser und viel früher Fuß gefasst als im übrigen Italien. Viele Hügelstädte sind verkehrsberuhigt, mit unterirdischen Parkgaragen und Rolltreppen in die Innenstadt. Hier wird der Müll auch in kleinen Dörfern - ganz unitalienisch - getrennt. Bioprodukte wie Wein und kaltgepresstes natives Olivenöl, schwarze und seltene weiße Trüffeln und Steinpilze haben Hochkultur. In den Trattorien kocht oft noch die Mamma die strangozzi, hausgemachte Pasta mit Wildschwein. Sogar ein schlichtes Rührei wird hier mit gehobelten Trüffeln veredelt.
Eigentlich merkwürdig, dass Umbrien bei all seiner bellezza noch immer als Geheimtipp unter Italienliebhabern gilt, als die kleine ungeschminkte Schwester der reichlich herausgeputzten Toskana. Vielleicht liegt es auch daran, dass die extrovertierten toskanischen Nachbarn sich gut vermarktet haben, während die erdverbundenen Umbrer eher franziskanische Einfachheit und Bescheidenheit bei hohem Qualitätsstandard in Küche und Keller pflegen. Hier wird man auch trotz Alltagssorgen, die aus der Wirtschaftskrise resultieren, herzlich empfangen, Sie können auf den sagre, den Dorffesten, mitessen und mittanzen, mit Trüffelsuchern durch die Steineichenwälder streifen, aber auch in den Modeoutlets der Kaschmirkönige Cucinelli oder Tasselli stöbern. Und so kann man nur hoffen, dass eine wachsende Schar von aktiven Urlaubern diese einmalige Mischung aus ländlichen Charme, innerer Spiritualität und sportlicher Action für sich entdeckt: Pilger und Wanderer, Mountainbiker und Paraglider, Mittelalterfans und Eselsreiter. Ein Land für Kunstsinnige, Sportler und Genießer.
In Umbrien scheint alles auf das menschliche Maß zugeschnitten. Auf 8456 km2 leben nur 826000 Einwohner, rund 96 auf 1 km2. Nur die beiden Provinzhauptstädte Perugia und Terni kommen auf mehr als 100000 Einwohner. Dabei war Umbrien im Mittelalter, am europäischen Durchschnitt gemessen, dicht besiedelt. Um 1600 lebten bereits etwa 300000 Menschen in der Gegend - eine Zahl, die erst nach der Loslösung vom Kirchenstaat 1860 bis zur Mitte des 20.Jhs. langsam anstieg. Es ist dieser lange Dornröschenschlaf, dem heute so manches architektonische Kleinod zu verdanken ist. Das "arme Umbrien" hatte über Jahrhunderte nicht die Mittel zur Zerstörung alter Substanz und zum Aufbau "besserer" Strukturen. Die Menschen lebten in denselben Häusern, in denen schon ihre Vorfahren gelebt hatten, und sie gingen zum großen Teil denselben Tätigkeiten nach. Handwerker und vor allem Bauern und Hirten bevölkerten die Region. Mezzadria, Halbpacht, war bis in die Mitte des 20.Jhs. die Regel. Elektrizitäts- und Wasseranschluss blieben oft bis in die 1970er-Jahre ein Traum.
Doch neuerdings will sich auch das ungeschminkte Umbrien besser in Szene setzen: Perugia, die pulsierende Hauptstadt der Region, hat sich zusammen mit dem spirituellen Nachbarort Assisi als Europäische Kulturhauptstadt 2019 beworben. Assisi, die Geburtsstadt des hl. Franz, Wallfahrtsort und Weltkulturerbe, ist trotz Millionen Pilgern ein schöner, mystischer Ort geblieben. Neben Franziskanern und Klarissinnen haben sich zahlreiche Orden in den Hanggärten und in der Altstadt niedergelassen. Trotz der Menschenmassen strahlt der Pilgerort eine besondere Stimmung aus, ganz im Sinne des Bettelmönchs.
Im benachbarten Perugia, der internationalen Universitätsstadt, sind Tradition und Moderne wie in kaum einer anderen Stadt Italiens harmonisch miteinander verwoben: hypermoderne Minimetro und mittelalterliche Paläste, Etruskermauern in einem Internetcafé, Jazzsessions im Renaissancekonvent, Rolltreppen in der Papstfestung, Raffael-Fresken in der Altstadtkirche und die weltberühmte Schokofirma Perugina mit ihren "Baci", den Schokoküssen ... Keine Frage, Perugia ist eine der lebendigsten und verführerischsten Städte der Apenninhalbinsel. Und wer nie einen abendlichen Bummel auf dem Corso Vannucci, gewidmet dem Renaissancemaler Pietro Vannucci alias Il Perugino, genossen hat, der hat was verpasst.
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Über die Region:
Umbrien und die Marken liegen im Zentrum Italiens und sind geprägt von Hügellandschaften, Flusstälern und Gebirgszügen des Apennin. Zu den bekanntesten Zielen zählen Assisi mit der Basilika des Franziskus, Perugia, Urbino, Loreto und die Tropfsteinhöhlen von Frasassi. Auch die Adriaküste bei Ancona ist Teil der Region.

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