
Reiseführer Flandern

Städte mit prächtigen Rathäusern, imposanten Glockentürmen, beschaulichen Beginenhöfen und lebhaften Marktplätzen. Museen voller Meisterwerke, eine Küste mit breiten Sandstränden und Dünen. Überschäumende Lebenslust, die sich in ausgelassenen Festen und kulinarischen Genüssen zeigt. Flandern ist voller idyllischer Ecken, aber auch voller Gegensätze.
Obwohl Flandern im Lauf der Geschichte viele verschiedene Machthaber erlebte, war die Region fast immer wohlhabend. Überall trotzten reiche Bürger den adligen Herren weitreichende Freiheitsrechte für ihre mächtigen Städte ab. Geblieben ist davon bis heute eine ausgeprägte Heimatverbundenheit: Die Flamen sind honkvast, Kinder ihrer Stadt oder ihres Dorfs. Nur selten ziehen sie um, oft pendeln sie zwischen Wohnort und weit entferntem Arbeitsplatz. Auch am Dialekt lässt sich sofort erkennen, aus welcher Region, ja sogar welcher Stadt ein Flame stammt.
Reichtum mit Folgen
Die meisten Flamen haben ein ambivalentes Verhältnis zu Landschaft und Natur. Im Grünen wohnen? Unbedingt! Sich mit dem Laub von Bäumen im Garten herumschlagen? Keinesfalls! An der Küste ragen immer wieder auch triste Apartmentblöcke auf, die gar nicht so recht zur Landschaft passen wollen.
Geschichte
862
Grafschaft Flandern
1106
Grafen von Leuven werden Herzöge von Brabant
13.–16.Jh.
Kulturelle und wirtschaftliche Blüte. 1369 fällt Flandern an die Burgunderherzöge
1585
Teilung der Niederlande. Der Süden wird spanisch, 1713 österreichisch, 1795 von Frankreich annektiert
1815
Königreich der Vereinigten Niederlande
1830
Revolution, Belgien wird unabhängiges Königreich
1914–18
Die deutsche Armee besetzt das neutrale Belgien
1940–44
Erneut deutsche Besetzung Belgiens und Kollaboration flämischer Nationalisten
1962
Festlegung der Sprachgrenze in Belgien
1995
Erste Direktwahl des flämischen Landtags (Vlaamse Raad, heute Vlaams Parlement)
2024
Ensorjahr: Zum 75.Todestag des belgischen Malers James Ensor veranstalten die Städte Oostende und Antwerpen ein ganzjähriges Kulturfestival
Flandern wurde mit dem Wirtschaftswunder der Nachkriegszeit zusehends zersiedelt. In den Außenbezirken der historischen Städte reihen sich an Schnellstraßen Supermärkte, Niederlassungen großer Handelsketten, Autowerkstätten, kleine Fabriken. Wie die Industriellen der Gründerzeit bauen sich die Fabrikanten von heute ihre protzigen Villen neben den Betrieb. Berühmt ist der „Teppichbodenboulevard” an der Autobahn Gent–Kortrijk. Pfiffige Unternehmer erfanden eine neue Webtechnik und eroberten damit die Weltmärkte. Ihren Reichtum stellen sie ungeniert zur Schau: Kortrijk wartet mit vielen Luxusboutiquen auf, beim Pferderennen Waregem Koerse geht es zu wie in Ascot.
Flandern kann auch grün
Allem Wirtschaftswachstum zum Trotz gibt es in Flandern aber noch viele liebenswerte Fleckchen. Bei Knokke erstreckt sich das Zwin, ein sandiges Natur schutzgebiet. Daran schließt sich eine romantische Polderlandschaft mit schmalen Kanälen und Kopfsteinpflastersträßchen an. Aus der weiten Landschaft der Westhoek zwischen Ieper und Veurne ragen geradezu majestätisch der Kemmelberg und andere Hügel auf, an deren Hängen gute Weine gedeihen. Doch stimmt die Gegend auch nachdenklich: Zahllose Soldatenfriedhöfe erinnern an Millionen Gefallene des Ersten Weltkriegs. Südlich von Gent liegen die lieblichen Auen und Laubwälder um die Künstlerkolonie Sint-Martens-Latem. Im östlichen Haspengau dehnen sich schier endlose Obstgärten aus. Auch hier wird Wein angebaut, zum Beispiel der Chardonnay des Wijnkasteel Genoels-Elderen aus der Region nahe Tongeren, der von Kennern geschätzt wird. In der Mitte von Limburg wartet wiederum der Nationalpark Hoge Kempen mit seiner herb-romantischen Heidelandschaft.
Alt und neu ganz nah beieinander
Nicht nur Flanderns Städte und Landschaften, auch Gebräuche und Lebensweisen sorgen für Kontraste. Mitten im modernen Wirtschaftsleben bleiben alte Traditionen lebendig. In Brügge sorgt die Heiligblutprozession für intensive Momente, Feste wie die Gentse Feesten in Gent oder der Karneval in Limburg bringen ganze Gemeinschaften auf die Beine. In den Dörfern züchten Alt und Jung eifrig Brieftauben. Samstags werden sie in Lastwagen weit nach Frankreich gebracht, am Sonntag fliegen sie um die Wette zurück nach Hause. Sicher ist auch: Nahezu jeder Flame hat ein Rennrad in der Garage stehen, und sei es nur für die eine oder andere Abendrunde. Umso ausgiebiger diskutiert man am Tresen der Stammkneipe über die Leistungen der flandriens, der flämischen Radrennfahrer, wobei das Starkbier aus den örtlichen Brauereien in Strömen fließt. Flandern bietet allerdings auch aufregende Avantgarde. Die Pop- und Rockszene bringt jedes Jahr neue Gruppen hervor, die oft den Weg zur internationalen Spitze schaffen. Megafestivals wie Rock Werchter nahe Leuven bringen einheimischen Nachwuchs und internationale Stars zusammen – für die vier Tage braucht man Durchhaltevermögen. Antwerpener Modekreationen gehören fest zu den Modenschauen von Mailand, New York und Paris, und Scharen von Touristen strömen ins Modemuseum und in die Boutiquen von Ann Demeulemeester oder Dries Van Noten. Derweil hat sich Kortrijk mit seiner Biennale Interieur zur Wallfahrtsstätte der Liebhaber von modernen Designmöbeln und -objekten gemausert. Auch die zeitgenössische Kunst ist ein Exportschlager. Wie einst die vornehmen Patrizier sammeln auch Flanderns Neureiche eifrig, und längst nicht nur Einheimisches von Panamarenko oder Luc Tuymans. So merkwürdig es klingen mag: Gerade auf die Kunst wirkt sich die Heimatverbundenheit segensreich aus. Jede Stadt, die auf sich hält, baut ihr eigenes Theater, Kunstmuseum oder Kulturzentrum – kein Wunder, dass Flandern Stoff für viele Reisen hat!
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