Chile

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Entdecken Sie Chile!

Verkehrt und doch vertraut: Dieses Gefühl stellt sich ein, wenn Sie sich nach 16 Stunden Flug auf die Plaza de Armas, den Hauptplatz von Santiago, setzen und den Blick schweifen lassen. Verkehrt ist die Jahreszeit hier auf der Südhalbkugel. Vielleicht sind Sie im Herbst abgeflogen und finden sich nun im Frühling wieder. Die Sonne steht zu Mittag zwar im Norden, aber sie wärmt zuverlässig. Vertraut europäisch ist die Szenerie: hier spanisch anmutende Arkaden, dort ein stolzes Palais, an der Ecke ein Spiegelglasturm neben der neoklassizistischen Kathedrale. Vertraut auch die Gesichter der Menschen: typische Latinos? Fehlanzeige! Geschäftsleute in Designeranzügen, kichernde Schulmädchen, Büroangestellte, Managerinnen mit Handy am Ohr.

Auf der Plaza sitzen Sie im Auge des Hurrikans: Während ringsum das Leben der Millionenstadt pulsiert, verfallen die Menschen hier in den Schlenderschritt, schauen den Schachspielern über die Schulter oder lauschen einem Streichquartett. Das Klischeebild einer chaotischen lateinamerikanischen Metropole erweist sich als unzutreffend: Ruhig und zivilisiert geht es hier zu, kaum ein Bettler fleht Sie an, kein Taxifahrer hupt Ihnen hinterher - allenfalls preist ein Straßenverkäufer Billigschmuck an. Freilich verstehen Sie die Chilenen anfangs kaum, auch wenn Sie glauben, Spanisch zu können: Die Chilenen sind Meister im Schnellsprechen und Verschlucken von Endungen.

Und doch kommen Sie schnell ins Gespräch mit dem Banknachbarn, der Zeitung liest, oder dem Verkäufer, der sich als Deutschstudent entpuppt. Die Chilenen sind unaufdringlich, aber neugierig und ernsthaft interessiert an Besuchern aus dem fernen Europa. Woher, wohin, "¿Te gusta Chile?" (Gefällt dir Chile?) sind stets die ersten Fragen. Und dann stellt sich heraus, dass der Schwager einer Tante mal in Hamburg gelebt hat genau wie Sie, und im Nu sind Sie ein amigo und zum Grillen eingeladen.

Dass Chile zu überraschen versteht, haben Sie schon beim Anflug auf Santiagos Flughafen bemerkt. Gleich hinter dem Häusermeer ragt die schneebedeckte Andenkette auf und lässt erahnen, welche Naturschönheiten das Land bereithält. Chile liegt am Ende der Welt, aber welch ein furioses Ende ist das! Die Sage geht, Gott habe nach der Erschaffung der Welt die Überreste hinter das letzte Gebirge gekehrt - und da sind sie: Vulkane, Regenwälder, Wüsten, Steppen, Gletscher, Flüsse, heiße Quellen und endlose Strände. Kein anderes Land vereint so viele landschaftliche Kontraste und Klimazonen wie Chile. Schon die Form sucht ihresgleichen: ein im Schnitt nur etwa 180 km breiter, aber 4300 km langer Streifen, eingezwängt zwischen der bis zu 7000 m hohen Kordillere im Osten und dem Pazifischen Ozean im Westen. Auf Europa projiziert, reicht Chile von Nordnorwegen bis in die Sahara! Dabei ist Chile zwar mit rund 750000 km2 mehr als doppelt so groß wie Deutschland, wird aber von nur 17 Mio. Menschen bewohnt, und die meisten drängen sich zudem in der fruchtbaren Zentralzone. Große Teile des Landes, die Wüsten des Nordens ebenso wie die Anden und die Fjordlandschaft Patagoniens, sind nur dünn besiedelt.

Schon für die spanischen Eroberer spielte der abgelegene Landstrich nur eine untergeordnete Rolle, fanden sie doch hier weder Gold noch Silber. Mit ein paar Forts und Proviantlagern an der Küste garantierten sie den Seeweg ums Kap Hoorn, und die Haziendas in Mittelchile lieferten Lebensmittel ins Vizekönigreich Peru. Weiter südlich verteidigten die Mapuche über Jahrhunderte ihre angestammten Siedlungsgebiete. Erst ab Mitte des 19. Jhs., nach dem Sieg der Unabhängigkeitsbewegung über die spanischen Truppen und der Gründung der Republik Chile, wurde der Süden von Kleinbauern und Handwerkern aus Mitteleuropa kolonisiert - darunter viele Deutsche. Allmählich dehnte der junge Staat sein Hoheitsgebiet aus. Als der Abbau von Salpeter lukrativ wurde, eroberten die Chilenen die Atacamawüste. Im Wettlauf um die Kontrolle der Magellan-Straße zeigten sie auch am Südzipfel des Kontinents Flagge, schließlich annektierten sie sogar die 3800 km vor der Küste gelegene Osterinsel.

Ende des 19. Jhs. begann der industrielle Abbau von Kupfererzen, und Chile stieg zum weltgrößten Produzenten des roten Metalls auf. Die einseitige Abhängigkeit von der Rohstoffausfuhr hat in der Vergangenheit immer wieder zu Krisen geführt. Aber seit den von der Militärregierung in den 1980er-Jahren verfügten neoliberalen Reformen, der Privatisierung der Staatsbetriebe und der Öffnung zum Weltmarkt sind Chiles Land- und Forstwirtschaft blühende Wirtschaftszweige geworden. Chilenische Erdbeeren, Pfirsiche und Trauben gehen per Luftfracht in die Supermärkte der Nordhalbkugel. Ebenso Butter, Wein und Tiefkühlfisch: Chile ist zum zweitgrößten Lachsexporteur nach Norwegen avanciert.

Das Wirtschaftswachstum der letzten zwei Jahrzehnte hat Chile den Status eines Schwellenlandes und einer wachsenden Mittelschicht relativen Wohlstand beschert. Zwar lebt offiziell immer noch ein Siebtel der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze, doch im internen lateinamerikanischen Vergleich schneidet Chile, was die wirtschaftliche Stabilität und den Lebensstandard angeht, gut ab. Dies ist nicht zuletzt dem Fleiß und dem Ehrgeiz der Chilenen geschuldet. Sie gelten als die "Preußen des Kontinents"; Korruption und Schlendrian halten sich in Grenzen, und nirgends auf der Welt wird so lange gearbeitet wie hier (2400 Stunden im Jahr). Auch politisch hat Chile zu jener Stabilität zurückgefunden, die das Land bis 1973 vom Rest Lateinamerikas abhob. Damals putschte das Militär gegen den linken Präsidenten Salvador Allende und seinen "chilenischen Weg zum Sozialismus". Bis 1990 herrschte General Augusto Pinochet als Diktator mit eiserner Hand, bevor er sich freiwillig abwählen ließ. Die Spuren von drei Jahren sozialistischem Experiment und 17 Jahren Militärdiktatur verschwinden in den Köpfen nur sehr langsam. Eine echte Aufarbeitung dieses nationalen Traumas steht noch immer aus.

Chile ist seiner Randlage überdrüssig geworden und der Welt nahe gerückt: durch politische Integration, durch Freihandelsabkommen z. B. mit der EU und nicht zuletzt durch den Tourismus. Nirgends in Südamerika können Sie so sicher und unbekümmert reisen wie zwischen Arica und Puerto Williams. Ein guter Rat: Unterschätzen Sie die Entfernungen nicht! Das Land verfügt zwar über ein gutes Verkehrsnetz, doch jenseits der urbanen Zentren endet der Asphalt, verstummt das Handy, sind es plötzlich 100 km bis zur nächsten Siedlung. Die Reise ins Land am Ende der Welt ist immer noch ein Abenteuer, wenn auch ein kalkulierbares. Bringen Sie genügend Zeit mit, oder begnügen Sie sich mit einer Region - und kommen Sie im nächsten Jahr wieder!

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November
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Dezember
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Wetter & Klima

kachelmannwetter.com
Freitag / 23.10.2020
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1 °C
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5 °C
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Anreise

17h
Frankfurt am Main
Chile
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In Kooperation mit unserem Partner Rome2Rio

Praktische Hinweise

Anreise

Die weite Flugreise (mind. 16 Std.) ist nicht billig, selbst nicht bei Last-Minute-Angeboten. Zur Auswahl stehen ab Frankfurt/M. Lufthansa (umsteigen in Buenos Aires oder São Paulo), TAM (São Paulo), Aerolíneas Argentinas (Buenos Aires), Air France (Paris), Iberia (Madrid) und LAN (Direktflug über Madrid), die chilenische Fluglinie. Bei LAN (www.lan.com) können Sie sich außerdem den praktischen South America Airpass besorgen, mit dem Sie auf Couponbasis innerhalb Chiles bzw. ganz Südamerikas fliegen können (nur zusammen mit dem Überseeflug zu buchen). Ein Chile-Coupon kostet 90-138 US $, wenn Sie mit LAN anreisen, sonst 107-165 US $.

Wer aus Zürich abfliegt, gelangt mit Swiss nach Santiago (Umsteigen in São Paulo). Wer aus Wien kommt, muss in Frankfurt/M. umsteigen. Eine preiswerte, aber langwierige Variante ist der Umweg über einen Flughafen in Nordamerika. Air Canada, American Airlines und Delta fliegen täglich nach Santiago. Der Mindestpreis für einen Flug von Mitteleuropa nach Chile beträgt ca. 800 Euro. Günstige Sondertickets können meist nur gegen hohe Gebühren umgebucht werden.

Auskunft
Generalkonsulat von Chile

Kleine Reichenstr. 1/IV | 20457 Hamburg | Tel. 040 335835 | www.chileinfo.de

Arge Lateinamerika

Die Arbeitsgemeinschaft versteht sich als überregionale Infostelle für den Tourismus in Südamerika. An der Ruhbank 26 | 61138 Niederdorfelden | Tel. 06101 987712 | www.lateinamerika.org

Chile Travel

Offizielle Tourismus-Website Chiles, mit allgemeinen Infos, Anregungen und Videos, auch auf Deutsch: www.chile.travel

ContactChile

Die Website der deutschsprachigen Serviceagentur in Santiago bietet umfangreiche Landesinfos, Austauschprogramme und Hilfe bei der Buchung touristischer Dienstleistungen: www.contactchile.de

Fair Chile

Die gemeinnützige Stiftung Trekkingchile hat dieses Programm initiiert, über das Touristen und Reiseveranstalter ihren "ökologischen Fußabdruck" kompensieren können. Mit den Einnahmen aus Spenden und dem Verkauf von Ökoprodukten wird u.a. die Aufforstung mit einheimischen Baumarten finanziert. www.trekkingchile.com/fair-chile/de

Sernatur

Nationales Tourismusbüro mit zahlreichen Zweigstellen; Santiago: Av. Providencia 1550 | Tel. 2 7318310 | Mo-Fr 9-20, Sa 9-14 Uhr | www.sernatur.cl

This is Chile

Reisen, studieren, leben, Geschäfte machen - um diese Themen kreisen die Infos und Reportagen der offiziellen Website www.thisischile.cl (Engl./Span.)

Auto

Die Höchstgeschwindigkeit beträgt innerorts 60, auf Landstraßen 100, auf Autobahnen 120 km/h. Das Autofahren ist ungefährlich, wenn man bestimmte Regeln beachtet: 1. Fahren Sie möglichst in Begleitung einer anderen Person, die Sie am Steuer ablösen kann. 2. Tanken Sie immer voll und in abgelegenen Regionen bei jeder Gelegenheit; die Abstände zwischen den Tankstellen können 100 km oder mehr betragen. 3. Erkundigen Sie sich bei den Carabineros nach dem Zustand von Pisten in abgelegenen Gebieten. 4. Befahren Sie Schotterstraßen vorsichtig und begegnen Sie anderen Fahrzeugen langsam (Steinschlag!). 5. Vermeiden Sie Nachtfahrten. 6. Lassen Sie im Wagen keine Wertgegenstände oder Gepäck offen zurück. 7. Besorgen Sie sich gute Karten bei www.trekkingchile.com/karten oder der Tankstellenkette Copec.

Busse & Bahnen

Chile ist bis ins letzte Dorf mit einem guten Busnetz überzogen. Auf den Überlandstrecken fahren moderne, klimatisierte Busse mit Toiletten. Für lange Strecken sollte man 1. Klasse (salón cama) wählen - die Preise sind vergleichsweise niedrig. Das größte Streckennetz und einen guten Service bietet die Gesellschaft Tur-Bus, auf deren Website man die Tickets online buchen kann; je früher, desto günstiger: www.turbus.com.

Züge verkehren nur noch zwischen Santiago und Chillán (mit Speisewagen). Auskunft in Santiago: Tel. 600 5855000 | www.terrasur.cl

Camping

Vor allem in Touristenzentren und Nationalparks finden sich gut ausgestattete Campingplätze. In manchen Schutzgebieten ist "wild zelten" mit Einschränkungen gestattet. Auf Zeltplätzen am Strand und in populären Urlaubsorten geht es meist sehr lebhaft zu - bis tief in die Nacht … Einen Campingführer für Chile sucht man leider vergeblich.

Diplomatische Vertretungen
Chilenische Botschaften

- Mohrenstr. 42 | D-10117 Berlin | Tel. 030 7262035 | consulado1@echile.de

Konsulatsadressen unter www.echile.de

- Lugeck 1 | A-1010 Wien | Tel. 01 5129208 | echile.austria@minrel.gov.cl

- Eigerplatz 5 | CH-3007 Bern | Tel. 031 3700058 | embajada@embachile.ch

Deutsche Botschaft

Las Hualtatas 5677 | Vitacura, Santiago | Tel. 2 4632500 | www.santiago.diplo.de

Österreichische Botschaft

Barros Errázuriz 1968 | Providencia, Santiago | Tel. 2 2234774 | www.aussenministerium.at/botschaft/santiago-dechile

Schweizer Botschaft

Av. Vespucio Sur 100, piso 14 | Las Condes, Santiago | Tel. 2 9280100 | www.eda.ad min.ch/santiago

Einreise

Reisende aus Deutschland, Österreich und der Schweiz erhalten an der Grenze ein dreimonatiges Touristenvisum. Der Durchschlag des Formulars muss bis zur Ausreise aufgehoben werden. Besorgen Sie sich bei Verlust Ersatz (Policía Internacional in Santiago, General Borgoño 1052, oder jedes Polizeirevier).

Frauen allein

Der chilenische machismo ist relativ harmlos, alleinreisende Frauen haben daher außer "Komplimenten" wenig zu fürchten. Vermeiden Sie freizügige Kleidung; BH ist Pflicht, FKK oder oben ohne am Strand nicht üblich.

Geld & Preise

Landeswährung ist der Peso; Münzen gibt es zu 1, 5, 10, 50, 100 und 500 Pesos, Banknoten zu 1000, 2000, 5000, 10000 und 20000 Pesos. Ein Euro entspricht zzt. ca. 640 Pesos (Stand Februar 2013).

Banken haben 9-14 Uhr geöffnet. Bargeld tauschen Sie günstiger bei einer der Wechselstuben (casas de cambio) in Santiago. An Bankautomaten mit dem Logo "Redbanc" können Sie mit EC- oder Kreditkarte Bargeld abheben (ca. 400 Euro pro Tag in Pesos). Die meisten Hotels, Restaurants und Geschäfte akzeptieren Kreditkarten (Visa, Mastercard). Stecken Sie für Reisen in abgelegene Regionen genügend Bargeld ein.

Obwohl der Euro im Zuge der Krise 2012 an Kaufkraft verloren hat, ist Chile immer noch bezahlbar. Zu den preiswerten Dingen gehören Busse und Bahnen, einfache Restaurants, Obst und Gemüse sowie viele Souvenirs. Unterkünfte können hingegen schnell europäisches Preisniveau erreichen, ebenso die meisten Lebensmittel und Industrieprodukte.

Gesundheit

Im Notfall finden Sie in allen großen Städten Privatkliniken mit erstklassigem medizinischem Standard; viele Ärzte sprechen Englisch. Apotheken (farmacias) sind oft bis tief in die Nacht geöffnet oder zeigen den nächstgelegenen Notdienst an. In Chile sind alle handelsüblichen Medikamente erhältlich. Spezielle Impfungen sind nicht notwendig. Wer Salate, Fruchtsäfte, in Fett Gebratenes oder ungeschälte Früchte auf schmuddeligen Märkten zu sich nimmt, muss sich über die folgende "Chilenitis" nicht wundern. Vorsicht auch mit rohem Fisch und Meeresfrüchten! Ernstzunehmen ist auch der Hantavirus, der von einer Mäuseart übertragen wird. Meiden Sie deshalb in ländlichen Gegenden nach Möglichkeit Bungalows oder Schutzhütten, die längere Zeit nicht gelüftet und gesäubert wurden.

Inlandsflüge

Angesichts der riesigen Entfernungen ist Fliegen oft der einzige praktikable Weg, um Ziele im Norden oder Süden zu erreichen. Den Markt dominiert die chilenische Gesellschaft LAN; einziger landesweit operierender Konkurrent: Sky Airline. Ein Flug von Santiago ins rund 2000 km südlich gelegene Punta Arenas kostet hin und zurück in der Billigklasse ca. 120 Euro. LAN: Tel. 600 5262000 | www.lan.com; Sky Airline: Tel. 600 6002828 | www.skyairline.cl

Internetzugang/WLAN

Wenn Sie den Daheimgebliebenen per Mail, Skype, Facebook & Co. von Ihrer Reise vorschwärmen und sie mit Fotos beeindrucken möchten, wird Ihnen das in Chile nicht schwerfallen. Zumindest die größeren Städte und Touristenzentren sind gut ans Internet angebunden. In den meisten Unterkünften gehört die WLAN-Verbindung für Gäste zum (kostenlosen) Standard, oft stehen auch Internet-PCs zur Verfügung. Ebenso kann man sich mit Notebook, Tablet oder Smartphone in den meisten Cafés und Restaurants einklinken und lossurfen - fragen Sie die Bedienung nach dem Passwort (la clave).

Schwieriger wird das in abgelegenen Gegenden wie San Pedro de Atacama oder Torres del Paine: Hier kommt kein Glasfaserkabel mehr hin, und Internet läuft - wenn überhaupt - über das Handynetz und ist langsam und teuer. Da kann ein Prepaid-Surfstick fürs Mobilfunknetz nützlich sein (internet móvil), den Sie sich in einem Handyladen oder Kaufhaus für ca. 30 Euro (Startguthaben inklusive) besorgen können; nachgeladen wird per Kreditkarte. In ländlichen Gebieten, die kein 3G-Standard erreicht, kann das mobile Surfen freilich eine langwierige Angelegenheit werden.

Kleidung

So leicht, leger und bunt wie möglich - am Strand. T-Shirt und (lange) Hose sind für fast alle Gelegenheiten ausreichend, dazu Sportschuhe. In Restaurants und öffentlichen Gebäuden legen die Chilenen aber großen Wert auf korrekte Kleidung. Kurze Hosen sind in der Stadt tabu, ebenso Sandalen. In den Anden und in Patagonien ist warme, wetterfeste Kleidung angesagt.

Klima & Reisezeit

Heiß und trocken ist es im Norden, im äußersten Süden dagegen selbst im chilenischen Sommer (Nov.-März) kühl und wechselhaft. Die mittleren Regionen haben ein angenehmes, fast mediterranes Klima mit langen, trockenen Sommern und einer Regenzeit (Mai-Aug.). Die Jahreszeiten in Chile sind gegenüber Europa um 6 Monate versetzt. Die schönste Reisezeit für Mittel- und Südchile ist Nov.-März, im Norden das ganze Jahr über.

Mietwagen

In der Regel genügt ein nationaler Führerschein; erforderlich ist eine ausreichend gedeckte internationale Kreditkarte. Die Preise reichen bei lokalen Anbietern von 40 Euro/Tag für einen Kleinwagen bis zu 90 Euro für einen geländegängigen Pickup, bei internationalen Firmen liegen sie z. T. noch weit darüber. Beim Abschluss des Mietvertrags sollte man auf unbegrenzte Kilometerzahl und Pannendienst achten sowie eine Vollkaskoversicherung einbeziehen. Einwegmieten können angesichts der großen Entfernungen teuer werden. Auch für die Fahrt nach Argentinien wird ein Zuschlag berechnet. Vergewissern Sie sich bei der Übernahme, dass Wagenheber, Ersatzreifen usw. vorhanden sind! Angebote für Autovermietungen finden Sie auch unter www.marcopolo.de.

Notruf

Notrufnummer Polizei (carabineros): Tel. 133, Ambulanz: Tel. 131

Post

Ein Standardbrief nach Europa kostet ca. 70 Cent und braucht 5-8 Tage. Briefkästen sind unüblich, die Post (correos) unterhält überall Filialen.

Strom

Netzspannung 220 Volt, 50 Hertz-Wechselstrom. Für die Steckdosen benötigen Sie einen Adapter.

Taxi

Fahren Sie nicht los, ohne einen Pauschalpreis ausgehandelt zu haben bzw. ohne dass der Taxameter eingeschaltet ist. Taxifahren ist billig, aber oft mühselig, da sich die Fahrer selten auskennen. Lassen Sie sich, wenn möglich, lieber ein Funktaxi (radiotaxi) rufen: Diese Firmen bieten mehr Sicherheit, modernere Wagen und moderate Fixpreise.

Telefon & Handy

Chile (Vorwahl 0056) verfügt über ein modernes Telefonnetz mit mehreren Anbietern. Erkundigen Sie sich nach einem preiswerten carrier und der entsprechenden Einwahl für Anrufe ins Ausland. Tarife ändern sich oft, meist haben die Hotels oder Centros de llamadas (öffentliche Telefonzentralen) ohnehin einen Vertrag mit einer Gesellschaft. Wer viel telefoniert, ist mit einer internationalen Telefonkarte gut beraten. Noch günstiger ist es, über das Internet per Skype oder einen ähnlichen Anbieter zu telefonieren.

Handys sind weit verbreitet, allerdings brechen die Digitalnetze in abgelegenen Regionen schnell zusammen. Die meisten deutschen Mobilfunkbetreiber bieten für Chile Roaming an, Sie benötigen dafür ein Tribandgerät. Erkundigen Sie sich vorher nach den meist stolzen Tarifen. Die SIM-Karte Ihres Handys gegen einen chilenischen Prepaidchip auszutauschen ist ähnlich preiswert, wie sich vor Ort ein Prepaidhandy mit Gesprächsguthaben zu kaufen. Chilenische Handynummern sind achtstellig; bei der Anwahl aus dem Festnetz wird 09 vorgewählt.

Trinkgeld

Ca. 10 Prozent Trinkgeld werden im Restaurant erwartet; man lässt einen Teil des Wechselgeldes zurück. Kofferträger, Schuhputzer (mit festen Tarifen), Zimmermädchen und andere dienstbare Geister erwarten ein paar Pesos, weil sie davon leben müssen.

Zeit

Da sich die deutsche und die chilenische Sommerzeit teilweise überschneiden, kommt es zu einem "Zeitsalat", vor dem insbesondere Computer und Smartphones gern kapitulieren. Während der deutschen Winterzeit (Ende Okt.-Ende März) liegt Chile 4 Stunden gegenüber der MEZ zurück. Ende März-Ende April sowie Anfang Sept.- Ende Okt. beträgt der Unterschied 5, Mai-August 6 Stunden.

Zoll

500 Zigaretten, 2,5 l Wein oder 1 l Hochprozentiges können zollfrei eingeführt werden. Die chilenischen Behörden beschlagnahmen frisches Obst und Gemüse, Samen, Honig, nicht pasteurisierte Milchprodukte, Wurst und Fleisch. Deklarieren Sie solche Produkte unbedingt, die Kontrollen sind streng und die Strafen empfindlich! In die Länder der EU dürfen bei der Rückreise eingeführt werden: Geschenke im Wert von bis zu 430 Euro, 200 Zigaretten, 500 g Kaffee, 50 g Parfüm, 2 l Wein und 1 l Spirituosen. Streng verboten ist die Einfuhr von Souvenirs, die aus geschützten Tieren oder Pflanzen hergestellt wurden.

Was kostet wie viel?

Kaffee

1,50 Euro für einen Espresso

Bier

3 Euro für einen "Schop" (0,5 l)

Imbiss

4 Euro für ein chilen. Sandwich

Metro

1 Euro für eine Fahrt in Santiago

Taxi

85 Cent pro Kilometer

Alpakaschal

25-35 Euro für einen handgewebten Halswärmer

Events, Feste & mehr

Offizielle Feiertage
1. Jan.

Neujahr

März/April

Ostern(nur Karfreitag ist arbeitsfrei)

1. Mai

Tag der Arbeit

21. Mai

Seeschlacht von Iquique

*29. Juni

Peter und Paul

16. Juli

Jungfrau Carmen

15. Aug.

Mariä Himmelfahrt

18. Sept.

Unabhängigkeitstag

19. Sept.

Tag des Heeres

*12. Okt.

Entdeckung Amerikas

*31. Okt.

Tag der ev. und protestantischen Kirchen

1. Nov.

Allerheiligen

8. Dez.

Mariä Empfängnis

25. Dez.

Weihnachten

Allgemein

(* Diese Feiertage werden auf den jeweils nächsten Montag verlegt)

Feste
Januar

Theatermonat: Erstklassige Inszenierungen aus Chile und Gastländern in Dutzenden Spielstätten und unter freiem Himmel. www.stgoamil.cl

Musikwochen: Renommierte Klassikfestspiele in Frutillar am Ufer des Llanquihue-Sees (Ende Jan./Anf. Feb.). www.semanasmusicales.cl

Februar

Tapati: Volksfest auf der Osterinsel mit Tanz, Sängerwettstreit und Ethno-Triathlon (Anf. Feb.)

Festival de Viña: internationales Schlagerfest in Viña del Mar (Mitte Feb.)

März

Vendimia: Weinlesefest in den Winzerhochburgen, am besten das in Curicó. Hier werden die Trauben barfuß gestampft und die Weinkönigin mit Flaschen abgewogen (Mitte März-Mitte April).

Rodeo: Beim nationalen Stiertreiber-Finale in Rancagua werden die besten huasos gekürt und mit einem zünftigen Volksfest gefeiert (Ende März/Anfang April). www.huasosyrodeo.cl

April/Mai

Cumbre Guachaca: Oktoberfest auf chilenisch in der Hauptstadt Santiago - mit viel Folklore, viel Tanz und noch mehr Rotwein bis zum Morgengrauen. www.guachacas.cl

Juli

Fiesta de La Tirana: Das einsame Wüstennest bei Iquique füllt sich mit 100000 Pilgern aus dem ganzen Land, die der Jungfrau Carmen huldigen. Aymara-Tanzgruppen stampfen mit Tubas, Trommeln und Teufelsmasken tagelang durch die staubigen Straßen (12.-18.7.). Ähnliche Feste gibt es auch noch in vielen anderen Dörfern Nordchiles zu unterschiedlichen Zeitpunkten.

September

Mes de la Patria: Im "Monat des Vaterlands" werden die Häuser und Autos mit Wimpeln und Nationalflaggen geschmückt, und rund um den Nationalfeiertag Dieciocho (18.9.) wird in Festzelten landauf, landab die chilenische cueca getanzt - bis am Abend doch die Salsa-Scheiben aufgelegt werden. Dazu gibt es empanadas (Teigtaschen) und anticuchos (Fleischspieße) satt, und chicha (Federweißer) und tinto (Rotwein) fließen in Strömen ...

Dezember

Año Nuevo: Hunderttausende Schau- und Feierlustige pilgern zu Silvester nach Valparaíso und nach Viña del Mar, um von einem der Hügel oder vom Ufer aus um Mitternacht eine gute Sicht auf das bombastische Feuerwerk über der Hafenbucht zu haben.

Im Trend

Dünenreiter
Aktiv

Zwischen schneebedeckten Bergen und tosender Brandung haben Brettliebhaber eine Zwischenwelt entdeckt: in den Sanddünen des Landes. Am besten sandboarden lässt sich auf den bis zu 120 Meter hohen Dünen bei San Pedro de Atacama. Wer noch nie auf einem Brett stand, wendet sich dort an Atacama Connection (Calle Caracoles) oder Vulcano (www.vulcanochile.com), die beide auch Bretter verleihen.

Anziehend
Mode

Juana Diaz (www.juanadiaz.cl) schneidert detailreiche Liebhaberstücke, wie Hosen mit Schnürungen, Patchwork-Jacken oder weitschwingende Röcke mit wilden Druckmustern. Ihr Kollege Rubén Campos (Eliodoro Yáñez 1750, Santiago) hat mit seinen sinnlichen Outfits schon das New Yorker Publikum verzaubert. Der rote Faden seiner Kollektionen: Der Modemacher feiert mit seinen Entwürfen die weiblichen Formen.

An der Quelle
Kulinarisch

Bei Miguel Torres (Panamericana Sur, km 195, Curicó, www.migueltorres.cl) können Sie sicher sein, dass Menü und Wein perfekt aufeinander abgestimmt sind. Schließlich stehen renommierte Köche in der Küche, und der Wein gedeiht quasi vor Ihren Augen. Die roten und weißen Weine des Guts Viña Indómita (Ruta 68, km 6, www.indomita.cl) fließen nicht nur sprichwörtlich in die Küchenkreationen von Oscar Tapia ein. Im Weingut Viña Matetic (Fundo Rosario, Lagunillas, Casablanca, www.mateticvineyards.com) können Sie sich bei einer geführten Besichtigung des Weinkellers Appetit holen, um sich dann im Restaurant des Guts mit korrespondierenden Menüs verwöhnen zu lassen.

Chile per Rad
Auf Entdeckungsreise

Mit dem Fahrrad entdecken Sie das Land ganz unmittelbar, und wer sich von großen Städten und stark befahrenen Straßen fernhält, lernt auch eine langsame, ursprüngliche Seite Chiles kennen. Wer sich nicht auf eigene Faust auf den Weg machen will, wendet sich an Chile on Bike (www.chile onbike.com) oder Chile Reise (www.chile-reise.de), die eine Vielzahl von Radreisen anbieten - von harten Bergtouren über die malerische Küstenstrecke bis zu entspannten Fahrten im Seenland. Pared Sur (Juan Esteban Montero 5497, Santiago) bietet nicht nur organisierte Touren an. Dort können Sie auch einfachere Fahrräder ohne Schnickschnack erstehen. Sie wollen Patagonien mit dem Rad erobern? Dann ist Azimut (www.azimut.cl) Ihr Ansprechpartner.

Fusión latinoamericana
Musik

Die Musikszene des Landes ist mehr als spannend - und sie ist bunt! Denn hier treffen viele Einflüsse aufeinander. Spa, Reggae, Cumbia werden von La Floripondio (www.facebook.com/vacunaska) vermischt, während Chico Trujillo Blechbläser, Akkordeon und Co. zu Acid Cumbia vermengen. Das Kollektiv Banda Conmoción (www.bandaconmocion.cl) setzt ebenfalls auf eine bunte Instrumentenmischung und lässt Dutzende südamerikanischer Musikstile, wie Porro oder Tinku, aber auch Walzer in ihre Kreationen einfließen. Pedro Subercaseaux alias Pedropiedra (www.quemasucabe za.com) mag es poppiger - und mit Hip-Hop-Elementen. In der Hauptstadt lassen sich aufstrebende Jungbands bestens in der Bar Santa Filomena (Santa Filomena 126) in Bellavista genießen.

Bloss nicht

Bei Erdbeben in Panik geraten

Leichte Erdbeben sind häufig, meist aber kaum spürbar. Sollte es einmal stärker "wackeln", verlassen Sie auf keinen Fall panikartig den Raum oder das Gebäude, sondern suchen Sie unter dem Türbogen, notfalls unter einem Tisch Schutz. Vermeiden Sie die Benutzung von Aufzügen. Eine Taschenlampe sollte griffbereit sein.

Polizisten gegenüber respektlos sein

Die carabineros lassen nicht mit sich spaßen und schon gar nicht mit sich handeln. Allenfalls können Sie auf einen "Gringo-Bonus" hoffen, wenn Sie in die Radarfalle getappt sind und nett bleiben. "Trinkgeldangebote" sind völlig fehl am Platz. Dafür können Sie im Notfall auf korrekte Hilfe rechnen.

Pünktlich kommen

Die Chilenen kommen zu Verabredungen gern eine Viertelstunde zu spät ("der Stau!") und rufen grundsätzlich nicht zurück. Als geradezu unhöflich gilt es, bei privaten Einladungen pünktlich auf die Minute aufzukreuzen - mindestens eine halbe Stunde Puffer sollten Sie den Gastgebern einräumen.

Sich selbst überschätzen

Der Pazifik ist nicht die Ostsee, die Anden sind nicht die Alpen ... Jedes Jahr sterben Touristen, weil sie die örtlichen Gegebenheiten unter- und ihre Fähigkeiten überschätzen. Daher: Baden Sie nur in geschützten Buchten oder an Stränden mit grüner Flagge, und halten Sie respektvollen Abstand zur vielerorts tückischen Brandung! Gehen Sie nur mit ortskundiger Begleitung, guter Ausrüstung und ausreichend Vorräten ins Hochgebirge! Geben Sie vor Touren in einsame Nationalparks den Parkrangern Bescheid, wohin Sie gehen! Und nehmen Sie den Fuß vom Gas auf losen Schotterpisten ...

Das Küsschen vergessen

Chilenischen Frauen darf man oder frau bei der Begrüßung ein (und nur ein!) Küsschen auf die rechte Wange hauchen - egal, ob man sich kennt oder nicht! Bei förmlichen Anlässen oder großem Altersunterschied können Sie der Dame auch die Hand geben, oder beides zugleich. Männer untereinander begrüßen sich mit Handschlag, gute Freunde auch mit Schulterklopfen und Umarmung.

Unvorsichtig sein

Chile ist das sicherste Reiseland in Südamerika. Trotzdem können Sie Zielobjekt von Kleinkriminellen werden, die gern in Fußgängerzonen, vollen Bussen, dicht besetzten Cafés oder an belebten Badestränden zuschlagen. Tragen Sie keine Wertsachen offen mit sich herum, verstecken Sie Ihr Geld, tragen Sie Taschen im Gedränge vor dem Körper, lassen Sie Ausweise im Hotelsafe (führen Sie nur Kopien mit), leisten Sie bei einem Überfall keine Gegenwehr.

Stichworte

Allende

Die Figur des schnauzbärtigen Präsidenten mit der Hornbrille, der sich am 11. September 1973 im brennenden, von Putschisten umstellten Regierungspalasts La Moneda das Leben nahm, spaltet die Chilenen bis heute. Salvador Allende Gossens (geb. 1908), Arzt, Senator, "Anwalt der Armen" aus bürgerlichem Hause, war 1970 als weltweit erster Marxist auf demokratischem Weg an die Macht gekommen. Der Präsident der Volksfront wollte beweisen, dass der Sozialismus auf friedlichem Wege, dem Camino Chileno, erreichbar war. Doch das war in der Zeit des Kalten Krieges eine Illusion. Der gemäßigte Allende stand auf verlorenem Posten: von der Rechten mit Unterstützung der USA wütend bekämpft, von der radikalen Linken sabotiert. Wirtschaftskrise, Massenstreiks und Versorgungsmisere taten das ihre, den Boden für den Militärputsch zu bereiten.

33 Helden

Die Bilder gingen um die Welt: Am 13. Oktober 2010 kamen in der Mine San José bei Copiapó 33 Bergleute wieder zurück ans Tageslicht. Einer nach dem anderen wurde mit einer futuristisch anmutenden Rettungskapsel nach oben geholt und von Präsident Sebastián Piñera persönlich umarmt. 69 Tage lang hatten sie nach einem Bergrutsch in 700 m Tiefe ausharren müssen. Wie durch ein Wunder überlebten alle, tranken das Kühlwasser der Minenfahrzeuge und aßen alle zwei Tage einen halben Keks und einen Löffel Dosenfisch. Zunächst war ihr Schicksal nach dem Unglück äußerst ungewiss gewesen. Erst nach 17 Tagen drang eine Bohrsonde in den Schacht vor, in dem sie vermutet wurden - und brachte auf einem Zettel die erlösende Nachricht nach oben: "Estamos bien en el refugio los 33" ("Uns 33 geht es gut im Schutzraum"). Doch noch nie hatte man Bergleute aus so großer Tiefe gerettet. 1700 Journalisten vor Ort und Millonen Fernsehzuschauer in aller Welt fieberten mit bei der nun folgenden Doku-Reality. Ein deutsches Großbohrgerät schaffte es schließlich, einen Schacht zu den Verschütteten zu drillen, der groß genug war für die Kapsel "Phönix" - das Happy End für die "33 Helden von San José" und für eine der spektakulärsten Rettungsaktionen der Geschichte.

Familie

Wer einmal den Alltag einer chilenischen Familie erlebt, kann das Staunen lernen. Da steht plötzlich die Schwiegermutter unangemeldet in der Tür und mischt sich in der Küche ein; da lassen sich die Kinder noch mit Ende 20 bemuttern und denken gar nicht daran auszuziehen; da trifft sich die ganze Sippe selbstverständlich jeden Sonntag zum gemeinsamen Grillen. Auch wenn sich die traditionell sehr engen Bande allmählich lockern - die Familie bildet nach wie vor das Rückgrat der chilenischen Gesellschaft. Dazu gehören nicht nur Vater, Mutter und Kinder, sondern der komplette Clan mit Großeltern, Onkeln, Tanten, Cousins und Cousinen und auch die in der Mittelklasse obligatorische nana, die als Haushälterin, Köchin und Kindermädchen häufig mit im Haus wohnt. In einer Gesellschaft, deren soziales Netz noch immer große Löcher aufweist, ist die Solidarität der Großfamilie wichtig: Da borgt man dem bankrotten Schwager Geld, da verhilft man der arbeitslosen Nichte mit pitutos (guten Beziehungen) zu einem Job, da lässt man den geschiedenen Vetter monatelang im Wohnzimmer schlafen …

Flora und Fauna

So vielfältig wie Chiles Naturräume präsentieren sich die Tierarten, die sie beleben. Erstaunlich sind die andinen Kamelarten, die noch in den kargen Wüsten und Gebirgen des Nordens genug zu fressen finden: das stattliche Guanako und das zierliche Vikunja, dazu Lama und Alpaka, beide von den Ureinwohnern als Woll- und Fleischquelle domestiziert. Raubvögel wie der Andenkondor und Flamingos bevölkern die Trockensteppen und Salzseen. An der fischreichen Pazifikküste sind Guanovögel und Pelikane zu sehen. Mit zunehmender Niederschlagsmenge sind in Mittel- und Südchile Waldtiere wie Füchse, Wildkatzen (u. a. Pumas) und die scheuen Andenrehe und -hirsche heimisch. Zahlreiche endemische Vogelarten bevölkern die Täler und Seen, darunter Felsensittiche, Ibisse und Falken. An den Küsten Patagoniens tummeln sich Seelöwen und Pinguine, Seeschwalben und Raubmöwen.

In botanischer Hinsicht ist Chile besonders interessant. Übermannshohe Kakteen und Dornengewächse sind für die Wüste charakteristisch. Die Urwälder im Süden vermitteln eine Vorstellung davon, wie es in Europa zur Zeit der Germanen ausgesehen haben mag: riesige Baumfarne, bemooste Baumstämme, unheimliche Sümpfe. Südeiche, Südbuche und Südzypresse sind genetisch nicht mit ihren europäischen Namensgebern verwandt. Die schirmförmige Araukarie mit ihren Kandelaberästen und der tausendjährige, kerzengerade Alerce-Baum haben schon bessere Zeiten gesehen. Die einstmals ausgedehnten Urwälder mussten vielerorts Viehweiden oder monotonen Kiefernplantagen weichen. Den fortschreitenden Raubbau an der Natur bremsen vor allem die gut hundert Nationalparks und Naturreservate, die insgesamt rund 15 Mio. Hektar Land schützen - immerhin fast ein Fünftel der gesamten Staatsfläche.

Kap Hoorn

Das "Ende der Welt", das zu einem berüchtigten Seemannsgrab wurde, hatten die Holländer Willem Cornelisz Schouten und Jakob le Maire 1616 entdeckt. Um die Südspitze Chiles, wo Pazifik und Atlantik aneinanderstoßen, tosen die Stürme. Hier liegen ca. 800 Schiffswracks begraben. Bis zum Bau des Panamakanals mussten Handelsschiffe, die Häfen an der amerikanischen Pazifikküste anlaufen wollten, ums Kap herumsegeln. Das war für jeden Kapitän eine Feuertaufe, die, einmal bestanden, dazu berechtigte, der (2003 aufgelösten) Bruderschaft der Kap-Hoorniers anzugehören.

Klimakind

Etwa alle acht Jahre bringt El Niño (wörtlich "das Kind") das Pazifikklima gründlich durcheinander. Benannt nach seinem Auftreten um die Weihnachtszeit (Christkind), beginnt das Phänomen mit einer Verschiebung der Windzonen; warme Wasserschichten werden zur Küste Südamerikas gelenkt und schwächen dort den Humboldtstrom ab. Diese kalte Meeresströmung streicht normalerweise, aus dem Südpazifik kommend, an der Westküste des Kontinents entlang und funktioniert - ähnlich wie der (warme) Golfstrom im Nordatlantik - wie eine gigantische Klimamaschine: Die kühlen, nährstoffreichen Wassermassen sorgen für prall gefüllte Fischernetze sowie für Morgennebel und ergiebige Niederschläge an den Hängen der Küstenkordillere. El Niño aber lässt die Fischschwärme in kühlere Gewässer abwandern und sorgt für Sintfluten in Chile und Peru. Zugleich kreisen vor Mexiko gewaltige Wirbelstürme, und auf der anderen Seite des Pazifiks, in Indonesien und Australien etwa, führt die Trockenheit zu großen Buschfeuern.

Kupfer

Chiles Schicksal hängt noch immer am Kupferdraht. Die Minen liefern mit 5,4 Mio. Tonnen ca. ein Drittel der Weltproduktion des kostbaren Metalls, wovon jedes zweite Gramm in der Elektroindustrie eingesetzt wird. Seit 100 Jahren bestimmt der Kupferpreis das Schicksal Chiles; noch heute beruht der Löwenanteil der Exporteinnahmen (ca. 50 Prozent) auf Kupfer.

Naturgewalten

In Chile lassen sich die enormen Kräfte der Natur quasi live beobachten. Fast immer raucht irgendwo ein Vulkan - zuletzt 2011/12 der Puyehue in Südchile. 150 aktive Vulkane, darunter die höchsten der Erde (mit über 6000 m!), gehören zum Pazifischen Feuerring, der hier die Kollision der Ostpazifischen mit der Südamerikanischen Platte markiert, durch welche die Anden aufgefaltet wurden. Auch periodisch auftretende Erdbeben erinnern daran, dass die gewaltigen Platten weiterhin in Bewegung sind. Das schwerste Beben der Neuzeit (9,5 auf der Richterskala) hatte 1960 sein Epizentrum bei Valdivia. Im Februar 2010 richteten ein Beben der Stärke 8,8 und der anschließende Tsunami in der Region zwischen Curicó und Concepción schwere Schäden an - fast 600 Menschen starben. Doch die Chilenen, an Naturkatastrophen gewöhnt, rappelten sich auch diesmal wieder auf und begannen schnell mit dem Wiederaufbau. Das gängige Sprichwort "Al mal tiempo, buena cara" (auf Dt. etwa: "Gute Miene zum schlechten Wetter") beschreibt den Optimismus, mit dem sie mangelndes Sicherheitsdenken wettmachen. Immerhin: Nach dem Beben 2010 wurde in ein landesweites Bebenmessnetz investiert. Auch die Vulkane sollen stärker überwacht werden - und in den Küstenstädten weisen Schilder und Straßenmarkierungen im Fall einer drohenden Flutwelle den Fluchtweg.

Patriotismus

"C-H-I, Chi-Chi-Chi Le-Le-Le, Viva Chile!" - "Es lebe Chile!". Der Schlachtruf wird bei allen möglichen und unmöglichen Gelegenheiten skandiert: im Fußballstadion, bei politischen Demonstrationen oder beim Liedfestival. Die Chilenen lieben ihr Land über alles und finden auch mal abfällige Worte über ihre Nachbarn. Vielfach übertüncht der so zur Schau getragene Patriotismus einen Minderwertigkeitskomplex. Er hat seine Wurzeln in der jahrhundertelangen Bedeutungslosigkeit des armen Landes weitab vom Weltgeschehen. Daher die neidvolle Orientierung am alten Europa und an den USA, daher der Stolz auf bescheidene Erfolge: die Miss Universe 1987, die Aufnahme in den Kreis der OECD-Länder 2010, den Einzug ins Achtelfinale der Fußball-WM 2010. Und das ganze Land stand Kopf, als die Tennisstars Massú und González 2004 die ersten olympischen Goldmedaillen für Chile holten.

Pinochet

Sein Bild als finsterer Putschist mit Stahlhelm und Sonnenbrille ging am 11. September 1973 um die Welt. General Augusto Pinochet Ugarte ging brutal gegen die Anhänger des gestürzten Präsidenten Allende vor. Mehr als 3000 Regimegegner wurden ermordet, 100000 Chilenen gingen ins Exil. Erst nach 17 Jahren Diktatur gab Pinochet dem Druck nach und trat ab. Doch er hatte vorgesorgt: Bis 1998 blieb er Heereschef, und eine Selbstamnestie verhinderte die Sühnung der meisten Diktaturverbrechen. Nur in wenigen Fällen wurden hohe Militärs vor Gericht gestellt und verurteilt. Pinochet selbst wurde 1998 in einer Londoner Klinik verhaftet, und nur seine Altersdemenz rettete ihn vor der Auslieferung nach Spanien, wo er wegen Menschenrechtsverbrechen angeklagt war. Doch das Eis war gebrochen: Zurück in Chile, wurden mehrere Verfahren gegen ihn eröffnet. Als er 2006 starb, war er wegen zuvor entdeckter Geheimkonten auch bei vielen einstigen Anhängern in Ungnade gefallen.

Politik

Chiles Regierung beruhte von 1990 an auf einer Mitte-Links-Koalition der Christdemokraten (DC), der Sozialisten (PS), der Sozialdemokraten (PPD) und weiterer Kräfte, die sich 1988 als Concertación gegen die Militärjunta zusammengeschlossen hatten. Alle Präsidenten der Koalition führten das von Pinochet übernommene neoliberale Wirtschaftsmodell fort, versuchten es jedoch sozial abzufedern. 2010 gewann erstmals eine Koalition der rechten Parteien RN und UDI die Wahl, und der Unternehmer Sebastián Piñera übernahm die Regierung. Mit einem Privatvermögen von über einer Milliarde Dollar gehört er zu den zehn reichsten Regierungschefs der Welt.

Ureinwohner

700000 Chilenen sind indianischer Abstammung. Die meisten (87 Prozent) gehören zum Volk der Mapuche ("Menschen der Erde"), von den spanischen Eroberern auch Araukaner genannt. Die Halbnomaden behaupteten sich bis Mitte des 19. Jhs. südlich des Río Bío Bío. Dann wurden auch sie besiegt und verdrängt. Die meisten Mapuche-Familien leben heute in Reservaten in Südchile oder in Randbezirken Santiagos. Seit dem Ende der Militärdiktatur rebellieren die Mapuche zunehmend gegen Diskriminierung und fordern das Land ihrer Vorfahren zurück. Auf dem Altiplano und in den Wüstenoasen Nordchiles leben noch ca. 75000 Aymara, Quechua und Atacameños. 4600 Osterinsulaner gehören zur polynesischen Ethnie Rapa Nui. Ona, Yagan und Alakaluf, die Ureinwohner Südpatagoniens, haben das Vordringen der Weißen nicht überlebt.

Bücher & Filme

Liebesgedichte

Der Band enthält die berühmten Zwanzig Liebesgedichte und ein Lied der Verzweiflung des chilenischen Nationaldichters Pablo Neruda (1904-73), der 1971 den Nobelpreis für Literatur bekam

Ich bekenne, ich habe gelebt

Die deutsche Ausgabe der viel gelesenen Autobiografie von Pablo Neruda erschien 1974

Das Geisterhaus

Die Chronik einer chilenischen Oberschichtsfamilie wurde zu dem (auch verfilmten) Welterfolg der berühmtesten chilenischen Erzählerin Isabel Allende, einer Nichte Salvador Allendes

Mit brennender Geduld

Antonio Skármetas poetischer Roman erzählt die (fiktive) Geschichte von Pablo Nerudas Briefträger

Der Alte, der Liebesromane las

Leicht verdaulicher, aber sehr unterhaltsamer Krimi des in Europa lebenden chilenischen Schriftstellers Luis Sepúlveda

Machuca, mein Freund

Andrés Wood setzte 2004 die sozialen Experimente und Konfrontationen der Allende-Zeit aus der Sicht eines Halbwüchsigen bildstark in Szene

La Nana (Die Perle)

Fern von Klischees, einfühlsam und immer auf dem Grat zwischen Komik und Ernst erzählt Sebastián Silva von dem verschrobenen Hausmädchen Raquel (toll: Catalina Saavedra) - 1. Preis auf dem Sundance-Festival 2009

Fakten

Einwohner
17.373.831
Fläche
756.102 km²
Sprache
Spanisch
Währung
chilenischer Peso
Strom
220 V, 50 Hz
Regierungssystem
Republik
Hauptstadt
Santiago de Chile
Reisepass / Visum
notwendig
Ortszeit
08:25 Uhr
Zeitverschiebung
-5 h (zu MESZ)
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