
Reiseführer Rheingau
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Auf einer Terrasse über dem Rhein bei Rieslingsekt und geräucherter Forelle. Der Blick schweift über den sanft geschwungenen Treppenabgang, über Ginkgobäume, Eichen, Pavillon und Kräutergarten des Preußenschlosses Hotel Reinhartshausen. Auf dem Fluss gleiten Lastschiffe dahin, ein Heißluftballon segelt über schiefergedeckte Fachwerkhäuser und gotische Kirchtürme, über Weinlagen wie Erbacher Marcobrunn und Kiedricher Sandgrub: Dieses Idyll liegt weniger als eine Autostunde von Frankfurt entfernt.
Egal ob Ihnen danach ist, ein Jazzkonzert zu besuchen, im rosenbewachsenen Burghof nach Antiquitäten zu stöbern, die besten Weine des Landes zu verkosten oder in einem modern designten Gutshof zu übernachten: Wiesbaden und der Rheingau sind ganzjährig ein phantastisches Ziel für vielfältige Entdeckungen. Im Frühling erkunden nicht nur Cabrio- und Motorradfahrer die Straßen am Rhein und fahren durch die Wälder des Taunus. Von Juni bis in den Spätsommer locken zahlreiche Feste und Festivals. Rheinromantik prägt den Herbst zur Zeit der Traubenlese und im Winter haben Sie Muße, um sich den vielen kulturellen Highlights der Region zu widmen.
Geschichte
1.Jh.
Römische Truppen errichten ein Kastell an den heißen Quellen auf dem Gebiet des heutigen Wiesbaden
Um 400
Germanen vertreiben die Römer vom Rhein
772
Erste urkundliche Erwähnung des Weinanbaus und der Grafschaft Rheingau
829
Erstes Zeugnis von Wisibada ("Bad in den Wiesen") als Handelsplatz
12.Jh.
Klostergründungen im Rheingau (Johannisberg, Eberbach, Tiefenthal); Ausweitung des Weinbaus
1525
Während des Bauernkriegs Aufstand der Bauern gegen die Privilegien der Klöster und des Adels
1918-25
Französische Truppen besetzen den Rheingau; der Versuch, eine unabhängige Rheinische Republik zu etablieren, scheitert
1985
Die Innenaufnahmen des Films "Der Name der Rose" mit Sean Connery werden zu großen Teilen im Kloster Eberbach gedreht
2014
Mehrere Bürgerinitiativen setzen sich gegen das Vorhaben ein, im Rheingau Windräder zu errichten
Zwischen Wiesbaden und Lorch erstrecken sich die grünen Hügel des Rheingaus, gestern eine Quelle der Inspiration für Dichter und Denker, heute eines der Lieblingsziele nicht nur für deutsche Besucher, sondern auch für US-Amerikaner und Japaner. Das Rheingaugebirge, nämlich die südlichen Ausläufer des Taunus, die bis wenige Kilometer an den Rhein heranreichen, schützt die Region vor kalten Winden und Stürmen.
Als Teil des Naturparks Rhein-Taunus ist dieser bis 580 m "hohe" Bergzug ein großes Naherholungsgebiet mit zahlreichen Wanderwegen. Bis auf wenige gerodete Flächen ist das Rheingaugebirge von Wäldern bedeckt und stellt somit eines der größten zusammenhängenden Waldgebiete Deutschlands dar. Wanderer finden hier seltene Schmetterlinge und Orchideen, kleinwüchsige, von Moos bedeckte Eichen und viele Farne und Flechten. Doch auch in kultureller Hinsicht hüten der Rheingau und seine sich bei Rüdesheim anschließende Fortsetzung, das Mittelrheintal, Schätze: Schlösser, Burgen, Kirchen und Klöster prägen die Dörfer.
Einer Laune der Natur hat der Rheingau seine spezifische geografische Eigenart zu verdanken: Nur hier ändert der Rhein, Deutschlands berühmtester Fluss, auf seiner 1000 km langen Strecke nach Norden seinen Lauf und fließt rund 40 km in Ost-West-Richtung, um dem Taunusgebirge auszuweichen. Dies bewirkt ein günstiges Mikroklima und verhalf so vor etwa 1200 Jahren dem Weinbau zum Durchbruch, nachdem die Römer ihn bereits Jahrhunderte zuvor mitgebracht hatten. Lange, warme Sommer, kurze, milde Winter und ausreichend Regen, dazu eine ganzjährig starke Sonneneinstrahlung auf den Rhein und die nach Süden gerichteten, ihm zugewandten Weinberge: Bessere Bedingungen kann ein Weinbauer sich nicht wünschen.
Heute bedecken Weinberge über 30 km2 Fläche im Rheingau. Rund vier Dutzend große Weingüter mit mehr als 10 ha sind registriert, zum großen Teil Unternehmen, die seit Generationen in Familienbesitz sind. Ihnen stehen weit über 300 kleinere Winzerbetriebe zur Seite. Zählt man auch noch die etwa 1000 Winzer hinzu, die ihre bis zu 2 ha großen Weinberge im Nebenerwerb kultivieren, so wird deutlich, warum der Rheingau oft auch als "Weingau" bezeichnet wird.
Der Fremdenverkehr ist neben dem Weinbau der wichtigste Erwerbszweig der Region. An historisch bedeutsamen Orten, in Burgen, Klöstern und Schlössern, können Sie Konzerte und Theateraufführungen besuchen. Inmitten der schmucklosen und doch so eindrucksvollen Wände der romanischen Basilika des Klosters ertönt ein Saxofon, mischt sich mit gregorianischen Gesängen: Immer wieder finden im Kloster Eberbach außergewöhnliche Musikereignisse statt - und ab und zu auch Veranstaltungen spiritueller Natur, wenn buddhistische Pilger aus Asien, auf Besuch in Europa, ihre Reise mit einer Meditation im Kloster Eberbach beginnen. Und Kultur mischt sich im Rheingau mit Genuss: Vom Frühjahr bis zum Herbst finden zahlreiche Feste und Veranstaltungen statt, bei denen der Rheingauer Wein im Mittelpunkt steht. Kulturelle Glanzlichter wiederum bietet das anspruchsvolle Rheingau-Musik-Festival.
Schwer zu sagen, wann die beste Zeit für den Rheingau ist. Im Herbst, sagen die Genießer, zur Zeit der Traubenlese und der Weinauktion im Kloster Eberbach. Oder im Sommer, wenn keine Woche vergeht, ohne dass nicht irgendwo ein Fest gefeiert wird. Oder vielleicht im Winter, wenn Schnee den Dörfern ein beschauliches Aussehen verleiht, Winzer und Gutshöfe ihre Tore zu Adventsausstellungen öffnen. In diese Zeit fällt auch die Fastnacht mit zahlreichen Umzügen, am bekanntesten der von Kiedrich. Vielleicht aber doch im Frühling, wenn die vielen Bäume die alte Kulturlandschaft in grün schimmerndes Licht setzen und an zahlreichen Straßenständen die ersten frischen Erdbeeren, der erste Ingelheimer Spargel verkauft wird.
Kein Wunder also, dass die Beliebtheit des Rheingaus, auch bedingt durch die Nähe zum Rhein-Main-Gebiet - Frankfurt ist nur rund 50 km entfernt -, zu starkem Zuzug führt. So entstanden in den letzten Jahren in vielen Gemeinden neue Baugebiete, deren Grundstücke trotz der durchweg hohen Quadratmeterpreise rasch ihre Abnehmer fanden.
Getrübt wird die Lebensqualität im Rheingau für nicht wenige erstmals seit Ende 2011: Mit der Eröffnung einer neuen Start- und Landebahn auf dem Frankfurter Flughafen, die dessen Kapazität beträchtlich steigert, und der damit verbundenen Ausweisung neuer Flugrouten über den Rheingau sind Fluggeräusche - viele sprechen von Fluglärm - in der Region ein nicht mehr wegzudiskutierendes Phänomen geworden. Und schon droht weiteres Ungemach: Der zunehmende rechtsrheinische Güterverkehr führt zu vermehrtem Lärm entlang der parallel zum Rhein verlaufenden Bahntrasse.
Neben Frankfurt liegen zwei weitere bedeutende Städte in unmittelbarer Nähe zum Rheingau; als Einkaufsziel sind sie gleichermaßen geschätzt: das volkstümlichere Mainz ebenso wie das feine Wiesbaden. Das "Nizza des Nordens" zehrt noch heute von seiner einstigen Bedeutung als Weltkulturstadt. Nassauische Baumeister schufen einen einzigartigen Bestand an klassizistischen Palästen, Villen und Bürgerhäusern. In der Spielbank - einem historischen Schmuckstück - verlor schon Fjodor Dostojewski viel Geld. Den russischen Schriftsteller inspirierte das Kasino zu seinem Roman "Der Spieler".
Von Wiesbaden führt die Bundesstraße 260 als "Bäderstraße Taunus" nach Bad Ems und passiert dabei die Staatsbäder Bad Schwalbach und Schlangenbad. Hier verlief die Entwicklung ähnlich wie in Wiesbaden: Nach den Römern erlebten die Bäder ihre kulturelle Blüte, als zu den Kurgästen die österreichische Kaiserin und die Zarin von Russland zählten. In der Umgebung der heute ganz bodenständigen Orte liegen kleine Taunusdörfer, in denen die rustikale Küche der Region serviert wird - Kontrastprogramm zum mondänen Wiesbaden und den vielen Feinschmeckerrestaurants im Rheingau.
Rheingauer, so heißt es, sind selbstbewusst, streitbar, direkt und aufgeschlossen. Die eher derbe hessische Mundart, die man im Rheingau spricht, ist ein passender Ausdruck dieses Naturells. Man kennt sich, ist an jedem und allem interessiert. "Ei, zu wem wolle Se dann?" bekommen Sie schon mal zur Antwort, wenn Sie nach einer bestimmten Straße fragen. Der Humor darf im Rheingau nie zu kurz kommen: Im "Spätlesereiter", einem in der Region gezeichneten und produzierten Comic, der zu den erfolgreichsten Deutschlands gehört, heißt es in Anspielung auf die berühmten ersten Sätze in Julius Cäsars "De bello gallico" kurz und prägnant: "Europa in seiner Gesamtheit zerfällt in sechs Teile, in Nord-, West-, Süd-, Ost-, Mitteleuropa und den Rheingau." Entdecken Sie selbst, dass diese Pointe mehr als ein Bonmot ist!
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