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Potsdam - Potsdams Umgebung

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Potsdam

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Nein, vergiss es! Wenn du meinst, es reicht, vom Berlin-Urlaub mal einen halben Tag für Potsdam abzuzwacken: Das wird der Stadt nicht gerecht, die schon Friedrich der Große dem Nachbarn Berlin an der Spree vorzog. Ein Wochenende darf es mindestens sein. Es lohnt sich, versprochen!

Eine aufgeräumte Stadt

Andere Städte sind betongrau. Potsdam, Brandenburgs Hauptstadt, hingegen ist grasgrün und wasserblau. Dieses Erscheinungsbild ist eine Folge der Eiszeiten, die ihre Gletscher über die Landschaft schoben und dabei ein Seenreich hinterließen. So wirkt Potsdam eher wie ein Naherholungsgebiet und weniger wie eine Landeshauptstadt. Den Eindruck verstärkt die ungemeine Aufgeräumtheit der Stadt – die Rasenkanten scheinen mit der Nagelschere geschnitten zu sein, Graffiti sucht man vergebens. Seit dem Fall der Mauer ist sehr viel öffentliches und privates Geld in Sanierung und Wiederaufbau geflossen. Was bis heute nach verfallener Ruine aussieht, heißt Ruinenberg und wurde auf Wunsch eines Hohenzollern so aufgestellt, um antikes Flair in die Stadt zu holen.

Lange Kerls aus Afrika 

Das preußische Königshaus der Hohenzollern hat Potsdam überhaupt erst zur Stadt gemacht. Erwähnt wurde die Siedlung an einem Havelübergang zwar schon 993.Richtig rund ging es aber erst Mitte des 17.Jhs., als die Wahl des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm für eine Residenz neben Berlin auf Potsdam fiel. Sein Enkel Friedrich Wilhelm I. setzte noch einen drauf und ließ Potsdam zur Garnisonsstadt ausbauen. Der Mann trug den Beinamen Soldatenkönig zu Recht. Besondere Freude hatte er an seiner Leibgarde, den Langen Kerls. Mindestens 1,90 Meter mussten die Soldaten messen – gar nicht einfach zu finden zu der Zeit. Sogar aus Afrika wurden Männer angeworben oder verschleppt. Kein Wunder, dass damals die Stadtmauer entstand, von der heute mit dem Brandenburger, dem Nauener und dem Jägertor noch drei Stadttore erhalten sind. Anders als üblich diente sie weniger der Abwehr von Feinden als vielmehr der Abschreckung zwangsrekrutierter Truppen vorm Desertieren.

Geschichte

  • 993

    Erste urkundliche Erwähnung

  • 1685

    Protestantische Hugenotten siedeln in Brandenburg

  • 1713

    Ausbau zur Garnisonsstadt unter Friedrich Wilhelm I.

  • 1733–42

    Bau des Holländischen Viertels

  • 1740

    Friedrich II. wird preußischer König

  • 1745–47

    Bau von Schloss Sanssouci

  • 1911

    Filmstudios Babelsberg werden gegründet

  • 14./15.04.1945

    Bombenangriff zerstört große Teile der Innenstadt

  • 17.07.–02.08.1945

    Potsdamer Konferenz der alliierten Siegermächte im Schloss Cecilienhof

  • 10.11.1989

    Öffnung der Glienicker Brücke

  • 1990

    Schlösser und Parks werden Unesco-Weltkulturerbe

  • 2014

    Rekonstruiertes Stadtschloss eröffnet als Brandenburger Landtag

  • 2017–2024

    Wiederaufbau der Garnisonkirche

Der große Friedrich 

Eine Generation später prägte Friedrich der Große die Stadt. Er liebte Musik und seine Hunde und sprach angeblich besser Französisch als Deutsch, gerne auch mit dem Philosophen Voltaire. Doch seinen Beinamen verdiente sich Fritz, indem er Preußen durch Kriege einige neue Gebiete verschaffte. Zu Hause in Potsdam wurde der Aufstieg seines Landes sowie sein Kulturinteresse mit großartigen Neubauten gefeiert. Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff errichtete ihm am Gipfel künstlich angelegter Weinbergterrassen das hübsche Rokokoschlösschen Sanssouci, was „ohne Sorge“ bedeutet. Die Skizzen dafür lieferte der künstlerisch ambitionierte Herrscher selbst.

Nationale Vielfalt

Für seine Nachkommen setzte Friedrich mit dieser Anpassung der Stadt an den persönlichen Geschmack den Trend. In den folgenden Jahrhunderten ließen Preußens Könige Potsdam immer wieder dem neuesten Architekturschrei gemäß ergänzen und umbauen. Barock? Neuer Markt! Klassizismus? Marmorpalais! Englischer Landhausstil? Schloss Cecilienhof! Einflüsse aus aller Herren Länder wurden dabei ebenso gerne genommen wie deren Bewohner. Der Alte Fritz meinte es ernst, als er davon sprach, dass in seinem Land jeder nach seiner Fasson selig werden solle. Protestantische Hugenotten belebten das vom Dreißigjährigen Krieg ausgeblutete Land und brachten französische Begriffe wie Kinkerlitzchen (von „quincailleries“: wertlose Kleinigkeiten) mit. Holländer bekamen ihr eigenes Viertel und legten den sumpfigen Untergrund trocken. Kulturell vielfältig geht es immer noch zu. Aktuell leben Menschen aus fast 150 Nationen in der Stadt. Infolge dieser Offenheit hat Potsdam alles zu bieten, was in den vergangenen Jahrhunderten in Europa architektonisch und kulturell jemals in war. Zumindest, wenn es aus der Zeit vor 1945 stammt.

Ist das Königsarchitektur oder kann das weg?

Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs legten Bombergeschwader der britischen Royal Air Force große Teile des Zentrums in Schutt und Asche. Bis heute werden bei Bauarbeiten immer wieder Blindgänger von diesem Großangriff ausgegraben. Auch wenn bis 1989 große bauliche Lücken blieben – ihren Beitrag zum Stadtbild hat die DDR durchaus geleistet. Seit dem Mauerfall werden diese Zeugnisse jedoch nach und nach zugunsten des Wiederaufbaus historischer Gebäude aus königlichen Zeiten beseitigt. Diesen Blick zurück nach vorne finden nicht alle Potsdamer dufte. Schließlich gehören der Sozialismus und die Zeit als Verwaltungssitz des Bezirks Potsdam auch zur Geschichte der Stadt. Warum sollte man diese Spuren tilgen? Doch mit Fernsehmoderator Günther Jauch und Software-Milliardär Hasso Plattner hat sich der Neu-Potsdamer Geldadel öffentlichkeitswirksam auch mit eigenem Geld zum Team „historischer Rekonstruktivismus“ geschlagen. Das wird nun durchgezogen. Die Unesco hat 1990 schließlich nicht das 1974 am Alten Markt von Margot Honecker eröffnete und 2017 wieder abgerissene Institut für Lehrerbildung (in späteren Jahren als Fachhochschule genutzt) zum Weltkulturerbe ernannt, sondern die Schlösser und Parks diverser Generationen von Hohenzollern. Wer Lust hat, die sonst so preußisch- kontrollierten Potsdamer einmal emotional zu erleben, spreche sie auf diese Grundsatzfrage an. Doch die neuere Geschichte ist nicht wegzureden und wird erhalten. Im Schloss Cecilienhof kann man sich den Originaltisch ansehen, an dem nach Ende des Zweiten Weltkriegs Josef Stalin, Winston Churchill (bzw. Clement Attlee) und Harry S. Truman über die Zukunft Deutschlands entschieden. Das Militärstädtchen Nr. 7, das sich der sowjetische Geheimdienst für seine Arbeit abriegelte, ist zum begehbaren Museum geworden. Und ein Hauch Kalter Krieg weht noch beim Überqueren der Glienicker Brücke, an der West und Ost ihre Agenten austauschten.

Seit 1911 laufen hier die Bilder von der Rolle

Auch Regisseur Steven Spielberg war schon in Potsdam. Er ließ seinen Hauptdarsteller Tom Hanks bei den Dreharbeiten zum Hollywood-Thriller „Bridge of Spies“ 2014 am Originalschauplatz herumturnen. Manche mag so ein Staraufgebot beeindrucken. Potsdamer sind an Filmbetrieb jedoch gewöhnt, und zwar seit 1911.Damals ließ Filmpionier Guido Seeber den Spaten für das erste Studio in den Brandenburger Sandboden stechen. Die erste Klappe fiel im Jahr darauf für den Stummfilm „Totentanz“ mit Asta Nielsen, die bald auf der ganzen Welt bekannt war. Von Marlene Dietrich bis Brad Pitt haben seitdem gefühlt alle in den Hallen von Babelsberg sowie im historischen Stadtbild gedreht. Was an Kulissen und Requisiten später nicht mehr gebraucht wurde, lässt sich im Filmmuseum sowie im Filmpark Babelsberg besichtigen. Dieser führt Besucher auch durch die Berliner Straße. Die Außenkulisse ist vielfach verwendbar und hat schon New York und Warschau gemimt. Dauerhaft gedreht wird hier die RTL-Soap „Gute Zeiten, Schlechte Zeiten“. Wer die Schauspieler einmal persönlich kennenlernen möchte, hat dazu Gelegenheit. Autogrammstunden werden regelmäßig organisiert. Manchmal ist es im Alltag anstrengend, wenn schon wieder eine Hauptstraße in der Stadt wegen eines Drehs gesperrt ist. Doch die Potsdamer beschweren sich nicht, und das hat nicht nur mit dem heimlichen Stolz auf das deutsche Hollywood zu tun. Die Film- und Fernsehindustrie ist für die Stadt ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Zur Medienstadt Babelsberg gehören neben den Filmstudios das Sendezentrum des Rundfunks Berlin-Brandenburg (rbb), das Deutsche Filmorchester Babelsberg, das Deutsche Rundfunkmuseum, das Deutsche Rundfunkarchiv sowie rund 200 kleinere Unternehmen.

Wissens- und Kulturstandort Potsdam 

Dass der Industrie der Nachwuchs nicht ausgeht, dafür sorgt die älteste Medienhochschule Deutschlands, 1954 als Deutsche Hochschule für Filmkunst gegründet, heute als Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf bekannt. Hier lernten Andreas Dresen und Bjarne Mädel ihr Handwerk. In Kombination mit vier weiteren Hochschulen und mehr als 40 Forschungseinrichtungen macht sie Potsdam zudem zu einem wichtigen Wissenschaftsstandort. Über 10 000 Wissenschaftler und mehr als 27 000 Studierende konzentrieren sich hier. Letztere wohnen zwar gerne in Berlin und pendeln, die selbst ernannte Studentenstadt sieht darüber aber wohlwollend hinweg. Präsent, und zwar weltweit, sind hingegen die Forscher des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, die genau wissen wollen, wie das mit dem Klimawandel läuft. Für ihren Standort, bislang Typ „gemäßigtes Klima der mittleren Breiten“, prophezeien sie höhere Temperaturen und weniger Regen. Schlechte Nachrichten für die Rasen- und Rabatten- Beauftragten von Sanssouci. Wandel an sich kann auch eine gute Sache sein – Kulturwandel bringt Innovatives hervor. Das Areal um die Schiffbauergasse zeigt, dass gelebte Kultur auch Jahrhunderte nach Friedrich II. noch großgeschrieben wird in Potsdam. Wo im frühen 19.Jh. mit viel Dreck und Staub verbunden Dampfschiffe gebaut und bis 1990 Gas für die Stadt produziert wurde, hat sich heute Kultur aller Art etabliert. Im Waschhaus gibt es Partys, Comedy und Konzerte, im T-Werk wird getanzt und Theater gespielt, und auch die Potsdamer Institution Hans-Otto-Theater hat ihre Hauptspielstätte im Kunstund Kulturquartier. Man muss also nicht das große Berlin sein, um alles zu haben, was man zum Wohlfühlen braucht.

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MARCO POLO Reiseführer
Potsdam

Buch, 14. Auflage · 15.95 €

Kleine Großstadt mit Stil: Mit dem MARCO POLO Reiseführer Potsdam erkunden Vom Berlin-Urlaub einen Tag abzwacken, um Brandenburgs Hauptstadt zu besuchen? Vergiss es! So ein Kurztrip wird Potsdam nicht gerecht. Ein Wochenende darf es mindestens sein. Es lohnt sich, versprochen!

Wo in anderen Städten das Betongrau dominiert, ist Potsdam grasgrün und wasserblau. Lass an einem der vielen Seen die Seele baumeln, erlebe im Schloss Sanssouci Geschichte hautnah oder genieße den berühmten Käsekuchen im Café Guam: Worauf auch immer du Lust hast, mit deinem MARCO POLO Reiseführer Potsdam verpasst du keines der Highlights!

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Potsdam - Potsdams Umgebung in Buch & Film

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