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Zuerst erscheint das Schild wie ein schlechter Witz: Mitten in der monotonen Trockenheit der Kalahari hat jemand einen Wegweiser mit der Aufschrift „Waterval“ aufgestellt. Ein Wasserfall in der Wüste? Die Sache wirkt wie ein Lausbubenstreich in einer Gegend, in der man nicht einmal Lausbuben vermuten würde. Doch genau das ist Namibia.
Land der Kontraste
2 km nach dem Abzweig endet der schmale Schotterpfad in einer schlammigen Senke, an deren Ende eine Gischtwolke auf das Naturschauspiel aufmerksam macht. Unter kräftigem Rauschen fällt der Fish River, der sich ansonsten unauffällig wie eine scheue Wasserschlange durch die mal steinig-harsche, mal sandig- flache Landschaft schlängelt, an einer Felskante 10 m in die Tiefe. Wie zum Beweis für die Unberechenbarkeit der Region zieht wenig später ein kurzer Regenschauer auf, dessen Tropfen im Sonnenlicht einen doppelten Regenbogen über die endlose Weite der Kalahari spannen. Namibia ist ein Land unerwarteter Kontraste, und wäre der Titel nicht bereits vergeben, ließe es sich auch als Land der unbegrenzten Möglichkeiten bezeichnen. „Unbegrenzt“ ist das Stichwort für die Naturparks und Schutzgebiete Namibias. In der nördlichen Namib können Wüstenelefanten wieder ungestört von Zäunen und Jägern ihren natürlichen Migrationsrouten folgen, die sich am Wasser orientieren und fest im Gedächtnis der Leittiere verankert sind. Mit den Elefanten genießen immer mehr Nashörner, Antilopen, Zebras, Löwen und Leoparden die Freiheit.
Tradition und Wandel
In einem Gebiet, in dem Metalltonnen auf Karten eingezeichnet sind, weil sie vor lauter Trockenheit nicht verrosten und so über Jahre hinweg gute Orientierungspunkte sind, hat sich das Leben lange Zeit kaum verändert. Das fällt bei den Himba sofort ins Auge, die noch immer größtenteils in Lendenschurz gekleidet in Runddörfern leben. Die Tradition prägt auch Ortschaften wie Lüderitz oder Swakopmund und selbst die Hauptstadt Windhoek, deren Architektur und Erscheinungsbild fast zu urdeutsch sind, um heute überhaupt noch an Deutschland zu erinnern. Doch die Zeit bleibt nicht stehen: Die Himba schicken ihre Kinder auf Internate, wo sie Poster von Ronaldo oder Yamal an ihre Wände hängen. Die Urenkel deutscher Kolonialisten sprechen heute besser Englisch als Deutsch und ziehen ein Studium in Südafrika dem namibischen Farmleben vor.
Geschichte
Um 10 000 v. Chr.
Die San siedeln als erste Menschen im südl. Afrika
1486
Der Portugiese Diogo Cão landet an der Küste
16.Jh.
Herero wandern als erstes Bantuvolk nach Namibia ein
1884
Das Land wird zur Kolonie Deutsch-Südwestafrika
1904–1908
Völkermord deutscher Truppen an den Nama und den Herero
1915
Erster Weltkrieg: Südafrika besetzt die Kolonie und wird zur Mandatsmacht erklärt
1947
Südafrika annektiert Namibia
1948
Einführung der Apartheid
1960
Befreiungsbewegung South West Africa People’s Organization (Swapo) gegründet
1966
Uno entzieht Südafrika das Mandat für Südwestafrika und benennt das Gebiet 1968 in Namibia um
1990
Namibia wird unabhängig, Sam Nujoma erster Präsident
2025
Mit Netumbo Nandi- Ndaitwah steht erstmals eine Frau an der Spitze des namibischen Staats
Schweres Erbe
Die Unterschiede zwischen den Menschen im Land bleiben dennoch enorm. Auch drei Jahrzehnte nach dem Ende der südafrikanischen Herrschaft sind die Folgen der Apartheid, die auch hier bis 1990 die Gesellschaft nach Hautfarben in Besitzer und Besitzlose teilte, nicht überwunden. Die Landreform kommt nur schleppend voran, die Ungleichverteilung von Reichtum ist kaum irgendwo auf der Welt so krass wie in Namibia. Und dennoch: Im Alltag ist deutlich zu sehen, wie die Barrieren zunehmend bröckeln und sich die Bevölkerungsgruppen in den Wohnvierteln, Einkaufszentren, Sportvereinen und Cafés vermischen. Langsam erholt sich das Land – und mit ihm die Natur.
Zugpferd Naturtourismus
Im noch bis in dieses Jahrtausend hinein heftig umkämpften Caprivizipfel grasen heute Antilopen auf den Ruinen ehemaliger Armeelager. Elefanten passieren einst schwer bewachte Grenzen. Namibias Beziehungen mit seinen Nachbarländern sind inzwischen so gut, dass die Anrainerstaaten der Okavango-Sambesi-Region die gemeinsame Kavango-Zambezi Transfrontier Conservation Area (KaZa TFCA) ins Leben gerufen haben. Für Touristen – so die Vision – soll das Reservat bald mit einem einzigen Visum zu erkunden sein. Der Tourismus ist zum wichtigsten Wirtschaftszweig geworden – noch vor Bergbau und Landwirtschaft. Der Großteil der Urlauber kommt aus Deutschland. Angesichts der vielen deutschstämmigen Einwohner und der zahlreichen deutschsprachigen Tourismusangebote verwundert das zunächst nicht. Vor dem Hintergrund der Geschichte ist es trotzdem erstaunlich. Von 1884 bis 1915 litt Namibia – damals Deutsch-Südwestafrika genannt – wie kaum ein zweites Land unter deutscher Kolonialherrschaft. Die kaiserliche Schutztruppe vernichtete die einheimischen Nama und Herero zwischen 1904 und 1908 militärisch, trieb die Überlebenden in die Wüste oder sperrte sie in Lager. Bis zu 100 000 Menschen kamen um.
Gastfreundschaft
Hass oder gar Vergeltungsgelüste sind den Namibiern trotzdem fremd. Gäste werden herzlich willkommen geheißen. Gerade auf dem Land liegt den Menschen viel daran, interessierten Besuchern die eigene Kultur zu zeigen. Wenn du dich darauf einlässt, erlebst du ein stabiles Land im Wandel. Namibias einsame, weite Savannen, sein unwirklich klarer Sternenhimmel, seine majestätischen Sanddünen und seine raue Küste ziehen jeden in ihren Bann, der sich die Zeit nimmt, ihre Macht wirken zu lassen. Namibia ist kein Land, in dem du in 14 Tagen Dutzende Sehenswürdigkeiten abarbeiten musst. Wer es lernt, Namibias Weite und eigenes Tempo zu respektieren, wird sich verlieben – und sicher wiederkommen.
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Alle Vorteile der Karte im Überblick:
Über die Region:
Südafrika bietet eine abwechslungsreiche Landschaft, von den Küsten des Kaps bis zu den Drakensbergen. Der Kruger-Nationalpark ist bekannt für seine Tierwelt, während der Tafelberg in Kapstadt beeindruckende Ausblicke bietet. Die Garden Route verbindet Küstenorte und Wälder. Namibia beeindruckt mit der Namib-Wüste und dem Etosha-Nationalpark, wo man Elefanten und Giraffen beobachten kann. Die Küstenstadt Swakopmund bietet Abenteuer und deutsche Kolonialarchitektur. Botswana ist bekannt für das Okavango-Delta, ein riesiges Binnenflussdelta, das zahlreiche Tierarten beheimatet. Der Chobe-Nationalpark bietet spektakuläre Safaris, während die Kalahari-Wüste mit ihren roten Dünen fasziniert.







