
Reiseführer Berner Oberland - Bern
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Verschneite Berge, glitzernde Seen, gemütliche Chalets, intakte Natur und lebendig gehaltenes Brauchtum - das ist das Berner Oberland im südlichen Teil des Kantons Bern. Etwas nördlich davon erwartet Sie Bern, Metropole und Bundeshauptstadt mit einer lebendigen Altstadt. Nehmen Sie sich Zeit für die fast 3000 km2 große Gebirgslandschaft und erkunden Sie das östliche Oberland mit Interlaken und der viel besuchten Jungfrauregion, bevor Sie im Westen Spiez am Thunersee und die Wandergebiete im Simmental und rund um Gstaad, der zweiten (diskreten) Heimat für Prominente aus aller Welt, genießen.
An den Ufern von Thuner- und Brienzersee sind Burgen und Schlösser, Kirchen, verträumte Grandhotels und blumengeschmückte Dörfer zu finden. Sanft geformt dehnen sich vom Thunersee das Simmental und das Saanenland in Richtung der französischen Schweiz aus, nach Süden verläuft das Kandertal mit dem Lötschberg-Basistunnel. Auf der Höhe von Interlaken stoßen die forscheren Lütschinentäler hervor, der Alpenkamm erhebt sich zum berühmten Dreigestirn Eiger, Mönch und Jungfrau. Östlich von Interlaken erstreckt sich der Brienzersee. Nur wenige Kilometer entfernt liegt das schweizweit einmalige Freilichtmuseum Ballenberg. Bei Meiringen beginnen die bekannten Passstraßen Susten, Grimsel und Brünig. Vom Brienzersee folgt das Haslital dem Lauf der Aare ins Quellgebiet der Grimsel, dem Übergang ins Wallis. Die Aare, die wichtigste Wasserader des Kantons Bern, wird an der Grimsel durch Staumauern gebändigt und formt in Bern eine Schleife um die Altstadt.
Geschichte
Bis 1.Jh. v. Chr.
Der keltische Stamm der Helvetier wandert ein; Römer kontrollieren die Pässe zum Oberland
Ab 600 n. Chr.
Beginn der Christianisierung durch den hl. Beatus, der in einer Höhle am Thunersee als Einsiedler und Wohltäter lebt
1191
Der Zähringer Herzog Berchtold V. gründet Bern und Thun; bei Grindelwald schlägt er einen Aufstand nieder
1353
Bern tritt der 1291 gegründeten Eidgenossenschaft bei und gewinnt zunehmend an Einfluss
1528
Die Oberländer wehren sich erfolglos gegen den Reformationsglauben
1798
Der Berner Stadtstaat zerbricht durch den Einmarsch französischer Revolutionstruppen; das Oberland wird eigenständiger Kanton
1814 und 1851
Wirtschaftskrisen führen zu Unruhen, viele Bauern wandern nach Amerika aus
1834
Gründung der Uni Bern
1848
Die Schweiz wird durch eine neue Staatsverfassung zum Bundesstaat und bestimmt Bern zur Hauptstadt
Ab 1870
Der Fremdenverkehr entwickelt sich zum wichtigsten Erwerbszweig
1971
Einführung des Frauenstimmrechts auf Bundesebene
2002
Die Schweiz tritt aufgrund eines Volksentscheids der Uno bei
2007
Der 34,6 km lange Lötschberg-Basistunnel wird in Betrieb genommen
Okt. 2011
Starke Niederschläge verursachen verheerende Überschwemmungen im östlichen Oberland
Bern ist die Hauptstadt der Schweiz und liegt im Zentrum des Lands, nahe der deutsch-französischen Sprachgrenze. Obwohl kleiner als die Metropolen Zürich und Genf, hat sie viel zu bieten, z. B. das architektonisch eindrucksvolle Zentrum des Malers Paul Klee und die Universität mit acht Fakultäten und 15000 Studierenden. Nachtschwärmern und Kneipengängern verspricht die Berner Altstadt - ebenso wie die Thuner - reichlich Ausgehmöglichkeiten und viel Spaß.
Geformt wurde die Alpenlandschaft während 200 Mio. Jahren durch die Verschiebung des afrikanischen Kontinents in Richtung Europa. Und noch immer heben sich die Bergspitzen jedes Jahr um wenige Millimeter. Doch durch Verwitterung zerbröckelndes Gestein und das Auftauen von Permafrostböden im Sommer, die dabei um einige Millimeter absinken, gleichen dieses "Wachstum" wieder aus.
Bevor der Tourismus zum wichtigsten Wirtschaftsfaktor wurde, gab es kaum Alternativen zum kärglichen bäuerlichen Dasein. Das Leben war hart. Viele Bauernfamilien mussten sich im Winter im Unterland von Hamburg bis Mailand verdingen, um ihr Überleben zu sichern. Junge Männer zogen auch als Söldner in den Krieg; später versuchten viele ihr Glück in Amerika und Russland. Der Fremdenverkehr, der durch den Bau der Bahnlinie Bern-Thun 1859 ermöglicht wurde, brachte in den letzten Jahrzehnten des 19.Jh. die entscheidende Wende. Heute ist der Tourismus der wichtigste Wirtschaftsfaktor im Berner Oberland. Von den 206600 Einwohnern arbeitet über die Hälfte im Dienstleistungssektor. An den Seen und in den breiten Tälern sorgen Gewerbe und Industrie für ein Drittel aller Arbeitsplätze, während es in den entlegenen Bergtälern bis heute kaum Alternativen zur Landwirtschaft gibt.
Die Arbeit der Bergbauern ist schwerer als die ihrer Berufskollegen im Flachland, da die landwirtschaftliche Nutzfläche auf verschiedene Höhenlagen verteilt ist. Die meisten Bauernfamilien leben nach dem Dreistufensystem: Sie bewirtschaften neben Wohnhaus, Stall und Scheune im Tal meist mehrere Gebäude und Gelände oben in höheren Lagen. Im Sommer wird das Vieh auf diese Vorweiden und Alpen getrieben, und viele Bauern leben zwei bis drei Monate ein karges Leben als Älpler. Hatte sich der Alltag in den Alpbetrieben in den letzten Jahrhunderten kaum verändert, hält nun die Hektik auch hier Einzug. Mit der Globalisierung und der zunehmenden Konkurrenz durch Landwirtschaftserzeugnisse aus aller Welt stehen die Schweizer Bauern unter dem Druck, immer preisgünstiger produzieren zu müssen. Seit der Erschließung vieler Alpen durch Straßen fahren nicht wenige Bauern nach der täglichen Käseproduktion hinunter ins Tal zur Heuernte, um abends zum Melken der Tiere und zur Pflege der Käselaibe wieder auf die Alp zurückzukehren. Immer öfter arbeiten auf den oberländischen Alpen auch ausländische Angestellte, sei es zur Unterstützung oder gar als Betriebsleitung und Alpkäseproduzenten.
Im Berner Oberland gibt es rund 3200 Bauernbetriebe. Der Wandel hin zu größeren Betrieben geht hier langsamer voran als in anderen Gebieten der Schweiz. Doch auch die Oberländer Höfe werden zunehmend größer, und es gilt, in derselben Zeit immer mehr Tiere zu betreuen und immer mehr Fläche zu bewirtschaften. Auch das Leben der jungen Oberländerinnen und Oberländer verändert sich. Junge Leute, die noch nie über ihre Bergspitzen hinausgeschaut haben, sind rar geworden. Die meisten verlassen für ihre Ausbildung oder danach ihre Heimat, kehren aber oft nach einigen Jahren wieder in ihre Täler zurück.
Im Sommer riecht die Luft auf den Alpweiden nach Heu. Über den Felskuppen dreht ab und zu ein Steinadler majestätisch seine Runden. Wenn die Tage kürzer werden und sich die Wälder in bunte Farbpaletten von Gelb bis Rot verwandeln, ist die Fernsicht phänomenal, die Bergpanoramen scheinen zum Greifen nah zu sein, und der Blick auf das dichte Nebelmeer im Tal steigert die Lust, in sonnigen Höhen zu wandern. Gerade von der Bundesstadt Bern aus ist der Ausblick auf die Berge bei gutem Wetter atemberaubend. Mitte Oktober schließen viele Bergbahnen ihren Betrieb bis Mitte Dezember. Im November gönnen sich auch etliche Berghotels vor der betriebsamen Winterzeit eine Pause. Erst in der Weihnachtszeit, wenn eine Schneedecke die Landschaft verzaubert, strömen die Touristen wieder ins Gebirge zum Skifahren, Snowboarden, Langlaufen oder Schlittenfahren. Seit einigen Jahren sind Winterwandern und Schneeschuhlaufen im Trend. Die Tourismusorte bieten mehr und mehr präparierte Winterwanderwege an.
Ab Ende März bis Mitte/Ende Mai gibt sich die Alpenwelt oft launisch und unwirsch. Dann legen die Bergbahnen und Berghotels erneut eine Pause ein. Doch an den Seen herrschen bereits angenehme Temperaturen, und bald steht das Unterland in voller Blüte - die schönste Zeit für Radtouren rund um die Seen. Im Sommer sind Segeln, Paddeln und Baden der totale Genuss. Wem die Temperaturen zu hoch werden, der begibt sich auf Kletter-, Rad-, Berg- und Klettersteigtouren in höhere Gefilde.
Auch kulturell besitzt die Region etliche Highlights, darunter die jahrhundertealten Schlösser an den Ufern der Oberländer Seen. Die größeren Ferienorte organisieren ganzjährig Musik- und Theaterfestivals, wobei die Palette von rockigen Open Airs über hochkarätige Klassik bis zu Folklore reicht.
Die Sehenswürdigkeiten liegen alle nahe beieinander, jeder Ort ist als Tagesausflugsziel von jedem Ausgangspunkt aus gut erreichbar. Die Schweizerischen Bundesbahnen SBB bieten für Touristen günstige Mehrtageskarten an. Wagen Sie sich auch auf Wege abseits der Hauptrouten. Entlegene Alpentäler sind oftmals sehr idyllisch und Oasen der Ruhe - für Momente scheint dieser einsame Ort nur Ihnen zu gehören.
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