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Reiseführer Burgund

Entdecken Sie Burgund!

Burgund ist eine Farbe: Rot. Sie begegnen ihr, wenn Sie in dunkle Keller steigen und mit genussvoller Mäßigung den Weingläsern auf den Grund schauen. Ein umweltbewusster Insider werden Sie, wenn Sie eine solche Weintour nicht mit dem Auto zurücklegen, sondern zu Fuß oder mit dem Fahrrad im geruhsamen Tempo, das noch Zeit für ein Gespräch mit dem Winzer lässt. Danach wird es Sie nicht mehr erstaunen, dass vom bœuf bourgouignon bis zum coq au vin nahezu alle handfesten Genüsse der Bourgogne, also Burgunds, mit dem Saft der tiefroten Trauben durchtränkt sind.

Als komplementären Farbkontrast präsentiert die Region das satte Grün ihrer sanft gewellten Hügel mit blauem Himmel und Sommersonne. Nicht nur wegen der zentralen geographischen Lage nennt sich Burgund "das Herz Frankreichs". Gemeint ist la douce France, ein sanftes, großzügiges Frankreich, eins der ländlichen Wonnen, was bei Franzosen dem Paradies gleichkommt. Nur auf Meereswellen müssen Sie in Burgund verzichten, nicht aber auf Wasserspaß. Ob Saône, Loire, Yonne oder Seine - Flüsse mit klangvollen Namen ziehen ihre Schleifen durchs Land und bieten vielfältige Möglichkeiten sich sportlich zu betätigen, von Kanufahren bis Rafting. Seglern und Windsurfern eröffnen die Seen des Morvan ein blaues Paradies.

Bei allem Augenmaß schielen die Menschen gelegentlich nach den Sternen - gemeint sind nicht die in den einschlägigen Gastronomieführern üppig verteilten Sterne. Gut zu essen gehört in Burgund ganz einfach zum Alltag. Die tiefe Provinz aber lässt auch eigenwillige Charaktere leuchten. Dazu zählt Burgunds bekannteste Schriftstellerin namens Colette. Als 20-Jährige kehrte sie dem Dorf St-Sauveur-en-Puisaye den Rücken, um nach Paris zu gehen, wurde Dichterin, Schauspielerin und Femme fatale. Halb nackt stand sie in Zeiten der Prüderie auf der Bühne und führte vor einem staunenden Publikum Pantomimen auf.

Dabei kann Colettes burgundische Heimat geradezu als Musterfall mönchischer Kultur gelten. Keim der Frömmigkeit war das mittelalterliche Kloster Cluny, das die Regeln des heiligen Benedikt entlang der Jakobswege etablierte. Mit dem Weinbau sicherte der Orden seine Existenz, wahren Reichtum aber erlangte er mit den Pilgerströmen. Cluny und seine Tochterklöster quollen über vor Pracht, die Burgunds romanische Kirchen zu Meilensteinen der Kunstgeschichte erhob. Den Weg zurück zu Bescheidenheit und klösterlicher Strenge suchten die Zisterzienser in Cîteaux - nur um abermals von einer schlichten Tatsache überrollt zu werden: Die burgundischen Ideen überzeugten die Welt und bescherten auch den Zisterziensern unverhofft die Macht, der sie entfliehen wollten.

Der "Pilgerweg des Vertrauens auf der Erde" setzte im Zweiten Weltkrieg ein neues religiöses Signal, dem heute jährlich etwa 200000 Jugendliche aus aller Welt nach Taizé folgen. Auf ein Vierfaches beläuft sich die Zahl derer, die als Kulturreisende oder nach alter Pilgertradition die Basilika von Vézelay besuchen. Denn die Französische Revolution hat die Religion nur vorübergehend zum Schweigen bringen und den Bildersturm nie vollenden können, auch nicht in den Schlössern, deren Inventar bis heute vom Wohlstand des Ancien Régime kündet.

Dem alten folgte das neue Regime, mit ihm kam 1789 eine neue Verwaltungsordnung, die auf der Landkarte Spuren hinterließ. Frankreich ist seither in Departements zerschnitten, vier sind es in Burgund: Côte d'Or, Yonne, Nièvre und Saône-et-Loire. In einem Land der Traditionen haben sich freilich auch die Territorial- und Flurbezeichnungen früherer Zeit bewahrt: Auxois, Bazois, Beaunois, Brionnais und manche andere. Das Dickicht der Bezeichnungen macht es Ihnen gewiss nicht leichter, Ihre Routen zu ordnen. Wohl aber erschließt es Ihnen ein Stück burgundischer Seele, die an Vertrautem festhält. So finden Sie im Zentrum einer jeden Region auch eine Stadt voller Geschichtsbewusstsein. Ob pulsierend und mit breitem Kulturangebot punktend wie Dijon, dem Wein verschrieben wie Beaune, von mediterraner Lebensart gepackt wie Mâcon oder seiner römisch-romanischen Vergangenheit verhaftet wie Autun. Daneben gibt es jene Städte und Dörfer, denen die Zeit einfach so davonraste, die wie Semur-en-Auxois im Dornröschenschlaf verweilen und darauf warten, dass ein neuer Impuls sie wachküsst. Die erfolgreiche filmische Inszenierung einer solchen Erweckung trug den Titel "Chocolat" und brachte das Örtchen Flavigny-sur-Ozerain in Aufruhr. Eine ganze Gemeinde fieberte während der Dreharbeiten im Taumel der heißen Schokolade. Doch kaum hatte das Team aus Hollywood die Koffer gepackt, sank Flavigny zurück ins balsamische Milieu seiner Anisbonbons.

So ist Burgund: dem Modernen nicht abgeneigt, doch den Traditionen verhaftet. Entsprechend lässt sich die Region auch entdecken: in den Weinen und Speisen den Nachhall feudaler Bankette erahnen, dem windschiefen Fachwerk die Geschichten ihrer Bewohner ablauschen oder im modern ausgestatteten Hausboot durch Burgunds idyllische Landschaften gleiten. Apropos idyllisch: Um die Naturschätze zu schützen, wurde viel in Rad- und Wanderwege investiert. Zusammen mit dem Angebot an Reiterhöfen und den vielen Hausbootbasen lockt Burgund junge Touristen als Aktivreiseziel. Als Magnet für diese Zielgruppe behauptet sich das 800 km lange Radwegnetz Le Tour de Bourgogne en Vélo, dessen fünf Hauptstrecken es erlauben, ganz Burgund mit dem Rad zu erkunden. Der Weg ins Reiseziel selbst ist nicht weit; die Autobahn durchquert Burgund und der schnelle TGV braucht eineinhalb Zugstunden von Paris nach Dijon. Der TGV Rhin-Rhône verbindet zudem Straßburg mit Dijon und Mâcon. Und nach Straßburg gelangen deutsche Reisende dank des TGV Est von mehreren deutschen Großstädten aus. Neben Touristen nutzen immer mehr Pendler aus dem Großraum Paris die guten Verkehrsverbindungen. Vor allem Burgunds Norden wird zum "Vorort" der französischen Hauptstadt, mit entsprechend hohen Immobilienpreisen.

Längst hat sich dieser versonnene Landstrich jedoch so manchem Diktat der Neuzeit gebeugt. Zwischen den Ackerparzellen sind die Hecken gerodet, um Platz zu machen für modernste Maschinen. Ungehindert schweift daher der Blick oft kilometerweit über reizlose Monokulturen. Und doch warten am Horizont landschaftliche Attraktionen auf Sie: Seen und Wälder im Naturpark des Morvan, Weindörfer und Winzerfeste an der Côte d'Or, Schluchten und Grotten im Macônnais oder eine weltabgewandte Flussidylle bei Avallon. Solche Orte sind ideale Ziele für ausgiebige Rad- und Wandertouren. Auch Climber entdecken inmitten der Hügel, etwa bei Auxerre und Beaune, die reizvollsten Steilwände.

Wer hingegen coole Lokale und trendige Stadtviertel sucht, wird mit Burgund ein Problem haben. Selbst Dijon zählt im Kern gerade einmal gut 150000 Einwohner. Autun, Beaune, Auxerre, Nevers oder Mâcon pendeln sich zwischen 20000 und 80000 Bewohnern ein. Was nicht bedeutet, dass Burgund zum Freiluftmuseum wird. In Dijon konkurrieren neue Restaurantkonzepte und stylische Bistrots mit den großen Traditionshäusern. Und das rege studentische Leben mischt die Beschaulichkeit der burgundischen Hauptstadt auf. Futuristische Museumsbauten wie das Musée de la Civilisation Celtique am Mont Beuvray oder der 2012 am Mont Auxois eröffnete MuséoParc Alésia katapultieren die Region selbstbewusst ins 21. Jh. Beide Objekte spannen einen Bogen von der Antike bis in die Gegenwart. Die Zukunft aber wird grün. Ökologisches Denken hat längst die Oberhand. So konnte die Wasserqualität in den Flüssen enorm verbessert werden. Pestizide kommen im Weinberg in immer geringeren Mengen zur Anwendung. Bioprodukte sind auf den Märkten normal, Ökotourismus und Artenschutz Programm. Kurzum, auf der Basis reicher kultureller Schätze und unverbauter Landschaften schaut Burgund souverän in die Zukunft.

Quick Facts

SprachführerFranzösisch
Geeignet fürKultur

Im Trend

(Mit)Reißend
Aktiv

Auf den Wasserwegen entdecken Besucher das Burgund und dank des Projekts EcoPagayeur (www.canoekayak-bourgogne.fr) entdecken sie dabei spielerisch auch Umweltthemen für sich. Für die Bäche und Flüsse bei Nevers gibt es einen Audioguide beim örtlichen Kanu-Club (10, quaide Médine, www.canoeclubnivernais.fr). Auch der Kanu-Club (14, place du Champ de Foire, club.quomodo.com) von Bourbon-Lancy hat eine EcoPagayeur-Strecke eingerichtet.

Hut auf!
Mode

Schmuck für den Kopf gibt es bei Bibi et Bob (30 rue d'Assas, Dijon) - sowohl für Trendsetterinnen als auch für Männer, die auf den Hut gekommen sind. Renée Lapalus (1, grande rue, Salornay-sur-Guye) ist mit ihren extravaganten Hutkreationen schon eine kleine Berühmtheit im Burgund. In Chalon-sur-Saône besuchen Hutliebhaber das Chapeau Chic et Gants de Cuir (7, rue Fèvres).

Hoch hinaus
Im Wald

Geklettert wird im Burgund nicht am Fels, sondern in den Bäumen. Beim Accrobranche geht es von Ast zu Ast - natürlich gesichert - mit Seilen, Netzen und Co. hoch in die Wipfel. Tree Climbing France hat zwei Kletterspots im Naturpark Morvan (www.parcdumorvan.org) eröffnet, auf dem Mont Beuvray und im Naturparkzentrum Saint-Brisson. Dort kann man auch seine eigene Hängematte, das Tree Boat, anfertigen. Den Aufstieg ermöglichen auch Adventure & Nature (route de Saussy, Messigny-et-Vantoux, www.inforest21.com) und Vertical Sports (7, rue Magnon Pujo, Gevrey-Chambertin, www.vertical-sports.com).

Auf Zeitreise
Für Ausgeschlafene

Früher fuhr der Lastkahn auf der Loire. Heute ist das Schiff aus den 1950er-Jahren ein Bed and Breakfast mit Retrocharme. Der 39 m lange Kahn Bateau Gervic (www.bateaugervic.com) liegt in Nevers. Noch mehr Geschichte bietet die Auberge la Beursaudière (9, Chemin de Ronde, Nitry, www.beursaudiere.com). Sämtliche Zimmer des Hofguts aus dem 12. Jh. erinnern mit ihren Namen an alte Berufe. Hier schläft man nicht nur wie anno dazumal, auch die Küche des Hauses ist von alten Rezepten inspiriert. Das Hôtel le Cep (27, rue Maufoux, Beaune) besteht aus einer Reihe historischer Gebäude, die sich um einen stimmungsvollen Innenhof gruppieren. Auf Fitnessstudio, Spa und weiteren zeitgemäßen Komfort muss dort niemand verzichten.

Ein- und Abtauchen
Kunst & Kultur

Dass die Burgunder Kunst und Kultur nicht nur in Museum oder Oper genießen, zeigen Veranstaltungen wie das Straßenkunstfestival in Chalon-sur-Saône. Einzigartig und genau richtig für Sprachliebhaber, ist das Festival du Mot (www.festivaldumot.fr) in La Charité-sur-Loire. Einmal im Jahr befassen sich Musiker, Tänzer, Dichter und Forscher mit der Kraft der Worte. Ganzjährig erregt die Fassade der Galerie Lazare (6 bis, rue Bocquillot, Avallon) Aufmerksamkeit. Sie schmückt ein rotes Nashorn. Bei La Bonne Impression (1 bis, rue du Professeur Ramon, Bellechaume) können Sie unter anderem Postkarten herstellen. Im La terre se crée (4, rue du Bonnet Rouge, Aillant-sur-Tholon) belegen Sie Töpfer- und Bildhauerkurse oder übernachten zwischen den Keramiken.

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Burgund - die besten Locations und Angebote

Liste Karte

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Aktivitäten & Touren

Aktivitäten & Touren: Alle anzeigen
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Gastronomie

Spezialitäten

andouillette de Chablis

Wurst aus Schweineinnereien in Weißwein

bœuf bourguignon

in Rotwein mariniertes Rindergulasch mit Karotten, Speck und Champignons

civet de lièvre

Hasenpfeffer in Rotwein mit Zwiebeln, Speck und Pilzen

coq au Chambertin

in bestem Gevrey-Chambertin zubereitetes Hähnchen

escargots de Bourgogne

Burgunder Schnecken mit Champignons

flamusse aux pommes

Apfelauflauf mit einer Biskuithaube

fondue bourguignonne

Fondue mit Rinderfilet und diversen Saucen

gaude

Maismehlsuppe

gougères

Vorspeise in der Art eines Windbeutels, aber mit Käsefüllung

grapiau

Speckpfannkuchen aus dem Nivernais

jambon braisé à la lie du vin

in Hefewein gekochter Schinken

jambon persillé

gekochter Schinken in Petersiliengelee

lapereau à la moutarde

Wildkaninchen in Senfsauce

œufs en meurette

pochierte Eier auf Toastbrot mit angedickter Rotweinsauce und Speck

pain d'épice

Gewürz- oder Honigkuchen aus Dijon

paupiette de veau

gefüllte Kalbsroulade

pôchouse

verschiedene Süßwasserfische werden in Weißwein zu einer Suppe gekocht und mit Croûtons serviert

poire belle dijonnaise

Birne mit einem Sorbet aus Cassis

poulet de Bresse à la crème

Bresse-Huhn in einer Weißwein-Sahne-Sauce

quenelle de brochet

Hechtklößchen, oft in Bärlauchsauce

queue de boeuf à la vigneronne

Ochsenschwanz mit Weintrauben

sauce bourguignonne

dunkle Sauce aus Rotwein, Schalotten, Thymian, Lorbeer und Petersilie

Essen & Trinken

Über viele Windungen hat sich das kulinarische Prestige auf das gesamte Burgund ausgedehnt, das heute einen Rekord hält: Keine andere Region Frankreichs kann auf so viele Spitzenköche verweisen.

Ein besonders eifriger Sammler lukullischer Sterne war Küchenmeister Bernard Loiseau aus Saulieu. Als der 3-Sterne-Koch fürchtete, die Höchstnote des Michelin zu verlieren, beging er 2003 Selbstmord und die Gastrokritiker gerieten selbst in die Kritik. Bis alles weiterging: Das Relais Bernard Loiseau hält mit Loiseaus Nachfolger Patrick Bertron weiterhin drei Sterne.

Mittlerweile haben sie neben Altmeistern wie Jean-Michel Lorain (Joigny) und Marc Meneau (St-Père-sous-Vézelay) Platz für junge Wilde eingeräumt. Da ist William Frachot in Dijon (Chapeau Rouge), Tüftler mit Hang zum Internationalen. Da sind Jérôme und Maria Brochot in Montceau-les-Mines (Jérôme Brochot), bei denen auch das Einfache immer appetitlich angerichtet sein muss. Da ist David Zudda in Dijon (Le Pré aux Clercs), stets rastlos und innovativ. Wer sich dort an eine der Grandes Tables setzt, sollte den Geldbeutel gut gefüllt und ein Wörterbuch parat haben. Denn der Genuss wird schon in Worten zelebriert, etwa so: escargots de Bourgogne aux courgettes grillées et au lait d'amandes épicé. Kern solcher Kreationen sind landestypische Grundlagen, in diesem Fall Burgunder Weinbergschnecken, um die der Starkoch seine Variationen rankt, hier gegrillte Zucchini und ein Mandelmus.

Eher deftig, mit viel Butter angereichert und sehr schmackhaft ist das, was die ländliche Küche serviert. Ihr Credo: gute, frische Zutaten aus der Region, oft aus einem sehr kleinen Einzugsgebiet, wo vielleicht die besten Barsche gefangen werden oder die schmackhaftesten Schalotten gedeihen. Die besonders tief verwurzelten Bauerngerichte, coq au vin oder bœuf bourguignon, bauen auf die Kraft eines guten Weins. Da wird schnell mal eine ganze Flasche geleert, damit das Fleisch vom Charolais-Rind oder vom Bresse-Huhn auch richtig mundet.

Der gute Ruf hat eine Kehrseite, denn vielerorts, vor allem in touristischen Zentren, kommt inzwischen auch miserable Qualität zu stolzen Preisen auf den Tisch. Sie werden ein feines Gespür benötigen, um den Braten früh genug zu riechen. Ansonsten hilft es Ihnen nur, sich auf die gern gegebenen Empfehlungen der Einheimischen zu verlassen. Und outen Sie sich nicht gleich als Fremder, indem Sie einen Tisch einfach so in Beschlag nehmen: In Frankreich weist der Kellner den Platz zu.

Beim Preisniveau lautet die Faustregel: Mittags speist man günstiger. Auch Nobelrestaurants bieten dann ein Menü zum kleinen Preis an (menu du jour), wobei sich das Angebot auf die Zeit von Montag bis Freitag beschränkt. Immer mehr Restaurants, Cafés oder Bistrots locken zudem mit einer attraktiven formule, etwa Vorspeise plus Hauptgang oder Hauptgang plus Dessert, evtl. mit Café und/oder einem Glas Wein. Ein Trend bei den Grandes Tables sind Zweitrestaurants in Form eines Bistrots: Auch hier speisen Sie günstig und bekommen doch einen Eindruck vom Können eines großen Chef de Cuisine.

Nach guter französischer Sitte ist auch in Burgund das Abendessen die Hauptmahlzeit, während mittags oft ein preiswertes Tagesgericht (plat du jour; mit Nachtisch menu du jour) gereicht wird. Das Diner bestellt man à la carte oder wählt eines der meist günstigeren Menüs mit mindestens drei Gängen, wobei nach dem Dessert oder einer Platte mit Burgunds guten Käsen - es gibt rund 30 Sorten - der petit café getrunken wird.

Ansonsten sollten Sie außerhalb der üblichen Mahlzeiten möglichst keinen Hunger haben. Mittags steht das Essen zwischen 12 und 14 Uhr auf dem Tisch, abends ab 19.30 Uhr. In kleinen Orten und im Winterhalbjahr werden die Türen früh geschlossen, manchmal schon vor 22 Uhr. Letzte Zuflucht wäre dann eine Brasserie, in der Flüssiges mehr Bedeutung hat als die kredenzte Hausmannskost. Die gibt es allerdings auch zu Zeiten, die Franzosen sonst als "unmöglich" betrachten.

Ein wirklich edler Tropfen wird in Burgund nach wie vor nicht offen serviert. Schon das Etikett der Flasche verrät ziemlich viel über deren Inhalt. Da wäre zunächst die A.O.C., die Appellation d'Origine Contrôlée. Diese kontrollierte Herkunftsbezeichnung verweist auf das jeweilige Anbaugebiet, das seinerseits in Lagen (climat) unterteilt wird. Die weitere Sortierung nimmt Bezug auf die Qualität der Lage, das wären in aufsteigender Folge Appellations Régionales, die den Hauptanteil ausmachen, ferner die schon besseren Weine mit dem Zusatz Village, darüber Premiers Crus und schließlich die 32 Grands Crus.

Grundsätzlich ist Burgund ein eher kleines Weinbaugebiet, das als schmales Band zwischen Dijon und Mâcon verläuft. Als Faustregel für die Rotweine kann gelten, dass ihre Qualität von Nord nach Süd abnimmt, um erst im Beaujolais, schon außerhalb Burgunds, wieder zuzulegen. Die wirklich großen Namen begegnen Ihnen jedenfalls im Gebiet um Beaune: Gevrey-Chambertin, Vosne-Romanée, Nuits-St-Georges, Pommard. Bei den Weißweinen hingegen stehen Chablis im Nordwesten und Pouilly-Fuissé im Süden an der Spitze, während der Meursault eine echte "Insel" in der Rotweingegend von Beaune bildet.

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Wetter & Klima

Aktuelles Wetter

kachelmannwetter.com
Montag / 18.06.2018
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Abends
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Dienstag / 19.06.2018
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Donnerstag / 21.06.2018
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Mehr Wetterinfos

Klima

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  2. Feb 7
  3. März 11
  4. April 15
  5. Mai 18
  6. Juni 22
  7. Juli 25
  8. Aug 25
  9. Sept 21
  10. Okt 15
  11. Nov 8
  12. Dez 5
Nachttemperaturen in °C
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  2. Feb 0
  3. März 2
  4. April 5
  5. Mai 8
  6. Juni 12
  7. Juli 14
  8. Aug 14
  9. Sept 11
  10. Okt 7
  11. Nov 3
  12. Dez 0
Sonnenschein Stunden/Tag
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  2. Feb 3
  3. März 4
  4. April 6
  5. Mai 6
  6. Juni 8
  7. Juli 9
  8. Aug 9
  9. Sept 6
  10. Okt 4
  11. Nov 3
  12. Dez 2
Niederschlag Tage/Monat
  1. Jan 16
  2. Feb 14
  3. März 15
  4. April 14
  5. Mai 16
  6. Juni 13
  7. Juli 11
  8. Aug 12
  9. Sept 11
  10. Okt 12
  11. Nov 15
  12. Dez 15
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Anreise

Auto

Bei Anreise aus Süddeutschland, der nördlichen Schweiz und Österreich wählen Sie ab Mulhouse die A36 nach Beaune. Aus dem Norden geht es am schnellsten über Luxemburg und Nancy und von dort auf der A31 nach Dijon. Ab Genf steht die A40 nach Mâcon zur Verfügung. Die Strecke Mulhouse-Beaune ist 235 km lang (Mautgebühr PKW 16,60 Euro). Weitere Mautgebühren, Baustellen und Staus unter www.autoroutes.fr

Bahn

Obwohl es ein Umweg ist, führt die schnellste Zugverbindung aus dem nördlichen Deutschland zunächst mit dem Thalys nach Paris, vom dortigen Gare de Lyon in 1 Std. 35 Min. mit dem Hochgeschwindigkeitszug TGV nach Dijon. Aus dem süddeutschen Raum fahren Sie über Strasbourg und Belfort. Info und Online-Buchung: www.bahn.de, www.sncf.fr, www.thalys.de und www.tgv-europe.com.

Flugzeug

Der Flughafen Dijon dient vorwiegend zu Urlaubsreisen ab Burgund in ferne Länder und ist aus dem deutschsprachigen Raum nicht per Direktflug zu erreichen. So können Sie lediglich Paris anfliegen und von dort den TGV nehmen.

Anreisezeit

5h 27min
5h 9min
1h 15min
Frankfurt am Main
Burgund
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In Kooperation mit unserem Partner Rome2Rio
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Events, Feste & mehr

Offizielle Feiertage
1. Januar

Neujahr

März/April

Ostermontag

1. Mai

Tag der Arbeit

8. Mai

Kriegsende 1945

Mai

Christi Himmelfahrt

Mai/Juni

Pfingstmontag

14. Juli

Nationalfeiertag

15. Aug.

Mariä Himmelfahrt

1. Nov.

Allerheiligen

11. Nov.

Kriegsende 1918

25. Dezember

Weihnachten

Feste & Lokale Veranstaltungen
Januar

St-Vincent Tournante am Samstag nach dem 22. Januar. Prozession an wechselnden Orten zu Ehren des Weinpatrons

Februar

St-Vincent Tournante in Chablis: Weinfest am 1. Wochenende

Februar/März

Karneval in Chalon-sur-Saône: der zweitgrößte Karneval Frankreichs

April

Marché aux vins in Givry: Unter der runden Markthalle des Dorfs werden die Weine der Côte Chalonnaise vorgestellt.

Mai

Fête de la Bague in Semur-en-Auxois: mehrtägiges Fest mit Umzügen und ältestem Pferderennen Frankreichs

Pfingsten

Montgolfiade in Chalon-sur-Saône: Heißluftballonfest

Pèlerinage du Sacré-Cœur in Paray-le-Monial: Pilgerfahrt

Juni

Les nuits métisses: Festival für World Music in Auxerre mit südamerikanischen, afrikanischen und karibischen Bands

Keltische Johannisfeuer in Mont-St-Vincent am Sonntag vor dem 24. Juni

Juli

Festival de Musique Baroque et Classique in Beaune: einmonatiges Musikfest

Les Zaccros d'ma rue in Nevers: zehntägiges Fest der Straßenkünstler

Chalon dans la rue: großes Straßenkünstlerfest in Chalon-sur-Saône

Fête de l'Escargot in Andryes: am 13. Juli Schneckenfest

Joutes Nautiques in Clamecy: am 14. Juli Fest der Flößer mit Lanzenstechen

Son et Lumière im Château St-Fargeau: jeden Freitag und Samstag von Mitte Juli bis Ende August Show mit 600 Schauspielern

Grandes Heures in Cluny: Konzerte von Mitte Juli bis August

Pèlerinage de la Ste-Madeleine in Vézelay: große Wallfahrt am 22. Juli

Musique en Morvan in Autun und Vézelay: Chorfestival in der 2. Julihälfte

August

Augustodunum in Autun: 1. Augustwoche Historienspiel im Amphitheater

Fête Folklorique in Charolles: Biennale mit internationaler Folklore am 1. Sonntag

Fête du Grand Morvan in St-Léger-sous-Beuvray: Mitte August Folklore und Radrennen

Fête du Bœuf Charolais in Saulieu: 3-tägiger Viehmarkt in der 2. Augusthälfte

September

Festival Musique in Gevrey-Chambertin: 2-wöchiges Fest um Wein und Musik

Pèlerinage in Alise-Ste-Reine: am Wochenende vor dem 7. Sept. Wallfahrt in historischen Kostümen

Oktober

Fête des Vins in Chablis: Weinfest am letzten Wochenende

Fête du Vin Nouveau in Pouilly-sur-Loire: Weinfest am 3. Wochenende

Nevers à Vif: Ende Oktober Rockfestival in Nevers

November

Trois Glorieuses in Nuits-St-Georges, Beaune, Meursault: Weinfest am 3. Wochenende (Sa Treffen im Schloss Clos de Vougeot, So Weinversteigerung in Beaune, Mo Festessen in Meursault)

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Gut zu wissen

Auskunft
Atout France

- Deutschland: Postfach 100128 | 60001 Frankfurt/Main | de.rendezvousenfrance.com

- Österreich: Tel. 01 5032892 | at.rendez vousenfrance.com

- Schweiz: Tel. 044 2174600 | ch.rendez vousenfrance.com

Infos auch über die lokalen Offices de Tourisme sowie beim regionalen Fremdenverkehrsbüro Bourgogne Tourisme (BP 20623 | 21006 Dijon Cédex | Tel. 0380280280 oder (*) 0825002100 | www.burgund-tourismus.com).

Auto

Frankreichs Verkehrsregeln entsprechen weitgehend denen in Deutschland. Viele Vergehen werden aber wesentlich strenger geahndet, so das Überschreiten der Promillegrenze (0,5) und der Höchstgeschwindigkeit (50 km/h in Ortschaften, 130 km/h auf Autobahnen, 110 km/h auf vierspurigen und 90 km/h auf anderen Straßen bzw. bei Nässe 110, 100 und 80 km/h). Für Motorräder und Fahranfänger gelten niedrigere Geschwindigkeiten. Motorradfahrer müssen generell, PKWs nur bei Regen und Nebel das Abblendlicht einschalten. Seit 2012 müssen auch in nichtfranzösischen Autos zwei Alkoholtests mitgeführt werden. Es gibt sie in Supermärkten, Apotheken, Tankstellen, Raststätten und Bars. Sie riskieren ein Bußgeld (derzeit 11 Euro), wenn Sie ohne erwischt werden. Hohe Geldbußen werden auch fällig beim Parken vor Krankenhäusern, Polizeirevieren, Postämtern, an Bushaltestellen und gelb markierten Bordsteinen. Für Camper gilt in vielen Orten nächtliches Parkverbot.

Wer sichergehen will, stellt in größeren Orten das Auto in der Hotelgarage oder auf einem bewachten Parkplatz ab. Wertsachen niemals im Wagen zurücklassen! Autobahnen sind gebührenpflichtig. Die Kraftstoffpreise entsprechen meist denen in Deutschland. Das günstigste Benzin gibt's an den Tankstellen großer Supermärkte. Auslandsnotruf des ADAC: Tel. 0049 89222222, deutschsprachiger Notdienst in Lyon: Tel. 0825800822

Diplomatische Vertretungen
Deutsches Honorarkonsulat

Till Meyer | 29, rue Buffon | Dijon | Postanschrift BP 26 89, 21058 Dijon | Tel. 0380680698 | www.amb-allemagne.fr

Österreichische Botschaft

6, rue Fabert | 75007 Paris | Tel. 0140633063 | www.amb-autriche.fr

Schweizer Konsulat

18, cours du Gén. De Gaulle | Dijon | Tel. 0380673010 | www.amb-suisse.fr

Geld & Kreditkarten

Geldautomaten finden Sie mittlerweile selbst in kleinen Orten. Verbreitete Kreditkarten sind Visa, Eurocard/Mastercard wie auch American Express.

Gesundheit

Mitglieder gesetzlicher Krankenkassen können sich unter Vorlage der Auslandskarte (EHIC) kostenlos bei einem Vertragsarzt behandeln lassen. Sollte die Karte nicht akzeptiert werden, erstattet die Krankenkasse gegen Vorlage der Arztrechnung die in Deutschland üblichen Sätze. Der Abschluss einer Reisekrankenversicherung ist ratsam, um zusätzliche Leistungen zu decken. Apotheken (pharmacies) erkennen Sie am grün blinkenden Neonkreuz.

Internetcafés & WLAN

Die sogenannten Cyber-Cafés sind eher in den Hauptorten anzutreffen, auf dem Land dagegen nur sehr selten. Eine leider nicht vollständige Liste (französich) unter www.cybercafe.fr und (deutsch) www.worldofinternetcafes.de.

WLAN ist in vielen Hotels Standard: je gehobener die Kategorie, je eher kann man auf freies Surfen hoffen. Falls nicht im Zimmer, so gibt es oft einen WLAN-Bereich an der Rezeption oder im Salon.

Kochkurse

Die Kniffe der Haute Cuisine lernen Sie bei einem Kursus des Sternekochs Jean-Michel Lorain in seinem Restaurant La Côte St-Jacques (www.cotesaintjacques.com) in Joigny. Bei Frédéric Doucet vom Hôtel-Restaurant de la Poste (www.hotel-laposte-doucet.com) in Charolles ist das kulinarische Niveau ebenfalls hoch - regionale Rezepte stehen im Vordergrund. Bodenständiger sind die Kochkurse in der Hostellerie Bourguignonne (www.hostelleriebourguignonne.com) in Verdun-sur-le-Doubs.

Notruf

Erste Hilfe: Tel. 15

Polizei: Tel. 17

Feuerwehr: Tel. 18

Europaweiter Notruf: Tel. 112

Öffnungszeiten

Kernöffnungszeiten von Geschäften sind 9-12 und 14-19 Uhr. Im Sommer ist abends länger geöffnet, im Winter früher geschlossen - oder auch ganz. Vor allem in abgelegenen Orten machen einige Läden von Nov.-März zu. Supermärkte in Städten haben ganzjährig über Mittag geöffnet, ihre großen Filialen vor den Stadttoren an einigen Abenden bis 21 oder 22 Uhr. Sa bleiben alle Geschäfte nachmittags offen. Sonntagvormittags wird in vielen Städten Markt gehalten, viele Lebensmittelläden haben dann ebenfalls geöffnet, Bäckereien immer. Mo ist zumindest in kleinen Orten Ruhetag. Beim Winzer, beim Bauern ruft man am besten vorher an, um sicherzustellen, dass jemand zu Hause ist - tabu für den Besuch ist die Mittagszeit.

Reisezeit

Sonnenreiche, warme bis heiße Sommer sind gute Bedingungen für den Wein und für einen gelungenen Urlaub. Der Midi-Wind garantiert milde Temperaturen in Frühjahr und Herbst. Der Winter ist ungemütlich kalt und regenreich. Im Morvan müssen Sie zu jeder Jahreszeit mit bedecktem Himmel und Nässe rechnen.

Strom

Stromspannung: 220-240 V. Flachstecker passen auch in französische Steckdosen. Für andere Stecker brauchen Sie einen Adapter.

Telefon & Handy

Neben Postämtern verkaufen auch Tabakläden und Tankstellen Telefonkarten (télécartes) für öffentliche Fernsprecher. Einige Apparate nehmen noch Bargeld an, an anderen kann mit Kreditkarte gezahlt werden (Master/Eurocard, Visa).

Französische Teilnehmernummern sind zehnstellig, die erste Ziffer ist immer die 0, die bei Anrufen aus dem Ausland entfällt. Nach Frankreich wählen Sie die Vorwahl 0033, nach Deutschland 0049, nach Österreich 0043, in die Schweiz 0041.

Den Mobilfunkmarkt in Frankreich teilen sich mehrere Betreiber. Übersichten und Tipps unter: www.teltarif.de. Bei längeren Aufenthalten kann es günstiger sein, vor Ort, z. B. in Tabakläden, eine Prepaid-Karte zu kaufen.

Trinkgeld

Obwohl die Restaurantrechnung oft schon ein Trinkgeld enthält, ist ein weiterer Zuschlag von bis zu 10 Prozent üblich. Auch Taxifahrer erhalten zumeist ein Trinkgeld in dieser Höhe.

Weinreisen

Wer mehr über Wein lernen möchte, ist mit einem Kurs (1,5 Std.-3 Tage, auch auf Deutsch) der École des Vins de Bourgogne (www.ecoledesvins-bourgogne.com) in Beaune gut beraten. Gruppen ab 6 Teilnehmern führt die Maison des Vins de la Côte Chalonnaise (www.maisonvinsbourgogne.com) in Chalon-sur-Saône in die Tropfen der regionalen Appellationen ein. Daneben bieten auch verschiedene Veranstalter Weinreisen in Burgund an: z. B. Bacchus Wine Tours/Safari Tours (www.burgundy-tourism-safaritours.com), Wine and Voyages (wineandvoyages.com), Passeport Bourgogne (passeport-bourgogne.com) und Vineatours (www.vineatours.com).

Zoll

Zollfrei sind im privaten Reiseverkehr Waren zum eigenen persönlichen Verbrauch; als Richtmengen gelten z. B. 800 Zigaretten, 10 l Spirituosen, 90 l Wein, davon maximal 60 l Schaumwein, 110 l Bier (für Nicht-EU-Mitglieder: 200 Zigaretten, 1 l Spirituosen und 2 l Wein).

Stichworte

Artenvielfalt

Die Liste bedrohter Tiere und Pflanzen ist lang in Burgund, wie ein Blick auf die vom Musée National d'histoire naturelle in Paris für ganz Frankreich erstellte Karte zeigt. 101 Tier- und 17 Pflanzenarten gelten demnach als vom Aussterben bedroht. Doch das Umdenken in Form eines Verzichts auf Pestizide und Fungizide hat sich in der Landwirtschaft durchgesetzt. Die Bilanz sind erste Erfolge bei der Wiedereinbürgerung: So gewinnt die Loire dank strikten Uferschutzes alte Bewohner wie Uferschwalben und Eisvögel zurück, in den Wäldern um Châtillon-sur-Seine brütet erneut der Schwarzstorch. Im landwirtschaftlich nur wenig genutzten Morvan ist die Wasserqualität so gut, dass Flusskrebse, Neunauge sowie Lachs sich stark vermehren. Ansonsten konnte die Wasserqualität durch Kläranlagen entschieden verbessert werden. Nicht zu vergessen, der Mensch ist Umweltschädling Nummer 1 - bei der in weiten Teilen geringen Bevölkerungsdichte Burgunds kommt er logischerweise nicht richtig zum Zug. Fauna und Flora profitieren davon: 179 Tier- und 158 Pflanzenarten stehen unter Naturschutz, was in Frankreich im Vergleich zu anderen Regionen ein Rekordwert ist. Immer mehr ökologisch sensible Gebiete werden unter Naturschutz gestellt. Dazu zählen die 10000 ha große Forêt de Bertranges an der Loire oder der 57 ha große Bec d'Allier, die Mündung des Allier in die Loire. So wird die Loire wieder zum attraktiven Zwischenstopp von Zugvögeln und zum sicheren Nistplatz. Stichwort Loire: Zu den größten Erfolgen der Naturschützer gehört die Wiedereinbürgerung des Biebers am Strom. Möglich machte es die Réserve Naturelle du Val de Loire. Das Naturschutzgebiet erstreckt sich über viele Flusskilometer auf beiden Seiten des Stroms. Die burgundische Sektion der französischen Naturschutzbehörde Conservatoire des Sites naturels de Bourgogne (www.sitesnaturelsbourgogne.asso.fr) betreut an die 150 Naturschutzgebiete; mit einer Fläche von insgesamt 4700 ha.

Benediktiner & Zisterzienser

Schon im frühen Christentum trachteten Mönche danach, der dekadenten Welt der Spätantike zu entfliehen. Im 5. Jh. verfasste Benedikt von Nursia strenge Klosterregeln, die später der Benediktinerorden übernahm. Im Zentrum stand neben Mildtätigkeit und Nächstenliebe die Formel "Ora et labora", bete und arbeite. Doch gerade dieses Armutsideal geriet mit der zunehmenden Macht des Mutterklosters Cluny, von dem aus einst die Geschichte Europas gelenkt wurde, zur sinnleeren Formel. Nachdem Guillaume der Fromme auf alle Rechte an seiner Klostergründung verzichtet hatte, konnte sich Cluny ungewöhnlich frei entfalten und im Lauf seiner Geschichte über 2000 Tochterklöster gründen. Die Einnahmen aus der Jakobspilgerschaft ließen das Kloster florieren und ermöglichten ab 1088 den Ausbau der Abtei zu einem wahren Weltwunder: 187 m lang, darüber ein Wald von Türmen. Während der Französischen Revolution wurde die Abtei als Nationaleigentum an einen Bauunternehmer verkauft. Der begann mit dem Abriss, um Baumaterial zu gewinnen. Allein für das Tympanon über dem Westportal brauchten die Sprengmeister 1810 neun Tage. Erst 1823 wurde der Raubbau gestoppt. Noch im Ruinenfeld aber lässt sich das gigantische Ausmaß der Abtei erahnen.

Dabei hat Cluny nicht nur mönchische Ideale geprägt. Vielmehr gingen von dort auch wichtige Impulse auf die romanische Architektur Burgunds aus, abzulesen an noch heute erhaltenen Abteien wie Paray-le-Monial oder Tournus. Deren steinerne Gewölbe, die weite Räume überspannen, kamen auch dem Wunsch nach, eine makellose Akustik für die liturgischen Gesänge zu erzielen. Strahlenden Glanz erhielten die Kirchen durch einen opulenten Skulpturenschmuck, wie ihn Ste-Madeleine in Vézelay und St-Lazare in Autun bewahrt haben.

Clunys Macht und Reichtum erschien manchen als Verrat an den benediktinischen Ideen der Askese und Demut. Robert de Molesme errichtete 1098 daher ein unabhängiges Kloster in Cîteaux, das durch Selbstversorgung und Bescheidenheit zu den geistlichen Wurzeln zurückkehren wollte. Um Cîteaux als Keimzelle des bald ebenfalls mächtigen Zisterzienserordens entstanden Tochterklöster. Deren Erbauer verzichteten jedoch - im Unterschied zu den Benediktinern - auf einen reichen, überbordenden Schmuck. Entsprechend verkörpert Fontenay, Burgunds besterhaltenes Zisterzienserkloster, einen nüchternen Geist mit einem hellen Chor als symbolischem Sitz Gottes.

Charolais-Rinder

Charolles liegt an einem Nebenfluss der Loire, ein unscheinbares Örtchen, von dem aus der Bauer Claude Mathieu 1773 nach Norden gezogen sein soll, um seinen weißen Rindern neues Weideland zu erschließen. Längst hat sich die Rasse über Burgund verbreitet und ist wegen des zarten Fleischs zum Exportschlager geworden. In Frankreich ist das Charolais die am meisten verbreitete Milchviehrasse. Charolles selbst bewahrte seine Viehmärkte, wobei dort allerdings zunehmend Schafe den Besitzer wechseln. Das eindrucksvollere Spektakel findet ohnehin in St-Christophe-en-Brionnais statt, wo sich die Züchter zu einem der größten Rindermärkte Frankreichs treffen.

Les Chevaliers du Tastevin

Tastevin ist eine tassenähnliche Silberschale, aus der man einst Wein probierte. Es ist wohl auch das einzige Trinkgefäß, das namensgebend für eine Ritterschaft ist. Die relativ junge Confrérie des Cheva-liers du Tastevin wurde 1934 gegründet, als es mit den burgundischen Weinen bergab ging und die Winzer ihr Image aufzupolieren suchten. Über dieses edle Ziel sind die Ritter längst hinausgeschossen. Auf Schloss Clos de Vougeot, ihrem Stammsitz seit 1944, empfangen sie in purpurroter Robe und mit ritterlichem Ritual die erlauchten Häupter der Weinschickeria, um Burgunds gute Tropfen in aller Munde zu führen. Bruder wird man nicht auf eigenen Wunsch, sondern durch Ernennung. Jeweils am ersten der "drei ruhmreichen Tage", der Trois Glorieuses am dritten Novemberwochenende, nimmt die Confrérie neue Mitglieder auf. Diese festliche Sitzung am Ende der Weinlese, verfeinert durch Lobeshymnen, Trinklieder und Bankette, ist die bedeutendste der jährlich 16 chapitres, eben jener Zusammenkünfte im Schloss, bei denen der Weinritter sieht und gesehen wird.

Auf ritterschaftlichem Brauch ist auch die St-Vincent Tournante gewachsen, ein Fest für den Weinpatron Vinzenz, das an wechselnden Orten der Côte d'Or stattfindet. www.tastevin-bourgogne.com

Colette

Henry "Willy" Gauthier-Villars war ein berühmter Pariser Schriftsteller, so berühmt, dass er eigentlich nur schreiben ließ. Auch "Madame Willy" lieferte ihm literarisches Zubrot, darunter die als "Claudine-Romane" bekannten Bestseller. Der Stoff und die eigentliche Autorin stammten aus St-Sauveur-en-Puisaye in Burgund, wo Sidonie Gabrielle Colette 1883 geboren wurde. Unter eigenem Namen schrieb sie erst nach ihrer Trennung von Willy, war dann auch als Journalistin tätig, trat im Varieté auf und wurde ausnahmsweise als weibliches Mitglied in die Ehrenlegion aufgenommen. Nach großartigen Erfolgen und zwei weiteren Ehen starb sie 1953. Über ihren Ruhm freute sich das oftmals pikierte St-Sauveur so recht erst nach ihrem Tod und richtete im Schloss ein Colette-Museum ein.

Farbige Dachmuster

Kunstexperten schreiben den bunten Dächern Burgunds flämischen Ursprung zu. In der Tat reichte das Herzogtum der Grands Ducs bis hinauf nach Flandern, doch das Muster der farbig glasierten Dachpfannen ist so sehr ein Abbild des herbstlichen Weinlaubs, dass die Dächer einfach in der Bourgogne verwurzelt scheinen. Prächtige Beispiele hierfür sind das Hospiz in Beaune und die Kathedrale von Dijon. Die Muster sind immer geometrisch: Rauten, Zickzacklinien, Fischgrätmuster, Flechtwerk. Die bunten Dächer signalisierten Reichtum. Außer Kirchen sind Stadtpalais und Schlösser damit gedeckt, wie etwa das Hôtel Vogue in Dijon oder das Château von La Rochepot.

Grüne Wege

Der Begriff "Voie Verte" geht auf die englische Bezeichnung Greenway zurück. Vorbild für die autofreien Radwege war jedoch Deutschland mit dem Donauradweg. Die "grünen Wege" sind vornehmlich auf stillgelegten Bahnstrecken oder Treidelpfaden längs von Kanälen und Flüssen entstanden. Von der Eröffnung der ersten Voie Verte von Giverny nach Cluny 1997 konnten bis 2012 stolze 650 Voie-Verte-Kilometer den Radfahrern übergeben werden, die zusammen das Großprojekt Le Tour de Bourgogne à Vélo ergeben. Zum radfahrerfreundlichen Angebot gehören 115 Einrichtungen vom Hotel bis zum Radverleiher, die mal ein Proviantpaket für die Tagesetappe vorbereiten, mal das Leihrad zum gewünschten Ort bringen.

Kanäle

Von der Idee bis zum ersten Spatenstich 1774 vergingen über 150 Jahre. Fertig war der Canal de Bourgogne allerdings erst 1843. Wenige Jahre später sollte ihm die Eisenbahn den Rang als Transportweg ablaufen. Die betrübliche Geschichte wiederholt sich bei anderen Kanälen Burgunds, doch die kühnen Planer hinterließen erstaunliche Kapriolen: Schleusen, Aquädukte, Tunnel, Brücken. Diese technischen Meisterleistungen ihrer Zeit begleiten die Freizeitkapitäne der Gegenwart, die den alten Kanälen zu neuer Bestimmung verholfen haben. Kein Urlaub ist so entspannend wie das Leben an Bord eines Hausboots, das mit 4 km/h durch Burgund tuckert.

Kir, Félix

Wo die Gallier den Römern unterlagen, in Alise-Ste-Reine, wurde 1876 ein neuer Held geboren: Félix Kir, Kanoniker, Bürgermeister Dijons und Widerstandskämpfer im Zweiten Weltkrieg gegen die Deutschen. Nachdem er 5000 französischen Kriegsgefangenen zur Flucht verholfen hatte, wurde er zum Tod verurteilt, dann aber begnadigt. Als er 1968 starb, hinterließ er der Welt über eine menschliche Botschaft hinaus auch den Namen für sein Lieblingsgetränk: den Aperitif Kir, der dem burgundischen Johannisbeerlikör cassis die Süße durch Zugabe eines Aligoté-Weißweins nimmt.

Landwirtschaft & Landflucht

Etwa 53 Einwohner pro Quadratkilometer - Burgunds Bevölkerungsdichte erreicht gerade mal die Hälfte des frankreichweiten Mittelwerts. Immerhin 90 Prozent der Gesamtfläche sind Land- und Forstwirtschaft gewidmet. Vor allem im Norden künden weite Monokulturen von fruchtbarem Boden, für dessen Bestellung wenige Arbeitskräfte genügen. Auch der Weinbau an der Côte d'Or, die Rinderzucht im Süden, die Forstwirtschaft im Westen und im Zentrum benötigen vergleichsweise wenige helfende Hände. Ergebnis ist eine starke Landflucht, spürbar vor allem im Morvan. Nur 1,6 Mio. Menschen leben in Burgund, davon über 40 Prozent in Städten. Nachdem das Stahlzentrum Le Creusot, einst die große Waffenschmiede der Nation, seine Bedeutung verloren hat, verlagert sich der städtische Arbeitsmarkt auf Elektronik oder Dienstleistung.

Natur

Seit die Autobahn kurze Wege nach Burgund geschaffen hat, sind die Schleusen offen für Millionen Erholungsuchender aus Paris. Damit hat sich aber auch das Idyll auf den Rückzug begeben, heiß begehrt von den gestressten Parisern, die sich an frischer Luft sportlich betätigen möchten. Ihr Reservat befindet sich im Zentrum Burgunds und trägt den Namen Parc Naturel Régional du Morvan. Der 1970 geschaffene Naturpark mit markierten Wanderwegen und großen Seen für den Wassersport erstreckt sich mit knapp 2000 km2 über alle vier Departements. Sein höchster Punkt ist der Haut-Folin (901 m), ein abgebrochener Riese aus schwarzem Granit. Ringsum erstreckt sich das wasserreiche Herz Burgunds, über dem meist Nebel und Regenwolken geduldig verharren. Einst nutzten Flößer die Ströme, um Holz nach Paris zu verfrachten, jetzt dient das "schwarze Gebirge" (Morvan), das landwirtschaftlich kaum zu nutzen ist, als Refugium für Pflanzen, Tiere und naturbegeisterte Städter. Infos finden Sie auch in der Maison du Parc in St-Brisson. www.parcdumorvan.org

Römer

In den berühmten Comics von Asterix und Obelix kreist manche Episode um die Schlacht von Alesia 52 v. Chr., als Rom die Gallier besiegte. Der Schauplatz befindet sich nahe Dijon auf dem Mont Auxois, wo die Statue des besiegten Vercingetorix zum Pilgerziel wurde. Seit 2011 führt ein futuristisches Informationszentrum in das Schlachtfeld ein. Auf dem Mont Auxois selbst entstand zugleich ein neues archäologisches Museum - das Interesse an der antiken Geschichte Burgunds ist unverändert groß.

Die Region besitzt viele authentische Zeugen der Römerzeit, darunter das gut sortierte Museum auf dem Mont Beuvray, einst Standort der gallischen Siedlung Bibracte. In ihrer Nähe gründeten die Römer 10 v. Chr. Augustodunum (Autun). Dort sind Reste von Stadttor, Tempel und Theater erhalten. Immerhin vier Jahrhunderte währte die römische Herrschaft, dann fielen die Alemannen und Franken in Burgund ein.

Bloss nicht

Die Mittagsruhe stören

Zwischen 12 und 14 Uhr ruht Frankreich und folgt dabei einem nationalen Herdentrieb, der uns kurios anmutet. Lassen Sie sich lieber nicht einfallen, nach oder auch kurz vor dem Glockenschlag schnell noch was erledigen zu wollen. Sie ernten böse Mienen und kommen wahrscheinlich gar nicht zu Ihrem Ziel.

Mit dem Camper protzen

Die Elefanten im Straßenverkehr werden von französischen Autofahrern als Störenfriede betrachtet und gern auch mal abgedrängt. Versuchen Sie nicht, den Spieß umzudrehen und sich allzu breit zu machen oder den Verkehr durch betont entspannte Fahrt zu behindern. Zügig, aber nicht zu schnell heißt die Devise. In größeren Ortschaften müssen Sie am Stadtrand parken.

Allzu lässige Kleidung tragen

Auf dem Land wird trotz des hohen Urlauberaufkommens manches noch ein wenig enger gesehen. Mit allzu luftiger Freizeitbekleidung sollten Sie nicht in die Kirche gehen, zu einem aufwendigen Diner, womöglich noch mit Geschäftspartnern, sollten Sie nicht zu zwanglos erscheinen. Eine Krawatte kann schon Wunder wirken.

Vom Hintermann nötigen lassen

Ein ausländisches Kennzeichen animiert viele französische Autofahrer dazu, einmal zu demonstrieren, wer der Herr im Hause ist. Lassen Sie sich auf keinen Fall jagen. Es warten viele stationäre und mobile Blitzfallen auf ihre Opfer, und die Strafen haben es in sich. Bei allzu hohen Übertretungen können Sie sogar im Gefängnis landen. Vor allem aber besteht für Sie als Ortsfremder ein ungleich höheres Unfallrisiko.

Ohne Wörterbuch ins Restaurant

Die kulinarischen Genüsse sind ein Markenzeichen Burgunds. Leider werden die Namen der Gerichte nur selten ins Englische oder gar Deutsche übersetzt. Ein kleines Wörterbuch fürs Restaurant gehört daher unbedingt ins Gepäck. Zwar halten Sie damit noch nicht den Schlüssel zum Gourmethimmel in der Hand, können sich aber gegen die schlimmsten Überraschungen absichern - und auf die schönsten Freuden vorbereiten.

Wein durch die Landschaft kutschieren

Gerade wenn Sie Ihren Besuch beim Winzer für die ersten Urlaubstage einplanen, ist die Verlockung groß, die Einkäufe für den Rest der Zeit im Kofferraum zu belassen. Aber der Wein leidet unter den hohen Temperaturschwankungen und Vibrationen. Besteht keine Möglichkeit, ihn kühl und ruhig zu lagern, verschieben Sie den Einkauf auf den letzten Tag in Burgund. Der Verkäufer wird Sie außerdem beraten, wann der Wein nach der langen Heimfahrt entkorkt werden darf.

Reiseadapter

In Burgund sind unten abgebildete Steckertypen im Einsatz, für die gegebenenfalls enstprechende Reiseadapter für eigene Geräte benötigt werden.

Spannung 230 Volt und Frequenz 50 Hertz vor Ort sind analog zu Deutschland, Österreich oder der Schweiz, somit wird kein spezieller Transformator zusätzlicher zum Adapter benötigt.

Mehr Infos zu Reisestecker & Netzspannung
Stecker-Typ C
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Stecker-Typ E
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© CalinStan, iStock

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