Sizilien

Überblick

Willkommen in Sizilien

Sicilia est insula – an dem lateinischen Paukersatz ist was dran. 25 709 km2, die größte Insel des Mittelmeers; und eine sehr besondere dazu. Sie liegt näher an Libyen und Tunesien als an Mailand. Und ist zu potent, zu kulturträchtig, zu modern, um sich hinter Provinzialität und mediterraner Grenzlage zu verstecken. In Syrakus improvisierten antike Griechen die ersten Komödien, die Tempel Agrigents faszinieren durch die Harmonie der Proportionen. Carpaccio oder Sashimi: Starköche aus Trapani oder Ragusa jetten nach Tokio, um Japaner in die Geheimnisse der cucina siciliana einzuweihen. Dolce donna mia ... am Hofe des Hohenstaufenkaisers Friedrich II. reifte das Italienische zur Literatursprache. Programmierer und Softwareentwickler im Etna Valley haben sich längst ins Computerenglisch eingeklinkt. Und in der Jugendstilkulisse des gigantischen Teatro Massimo in Palermo wird nach Jahren des Verfalls wieder geschmettert: Bellini, Wagner, Puccini.

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Wetter & Klima

kachelmannwetter.com
Freitag / 29.05.2020
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Samstag / 30.05.2020
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Sonntag / 31.05.2020
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Anreise

1d 5h 43min
1d 15min
2h 25min
Frankfurt am Main
Sizilien
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Auftakt

Entdecken Sie Sizilien!

„Araaaance, arance fresche dell'Etna!“ Carmines Marktschreiersingsang hallt durch die barocke Altstadtgasse Palermos mit ihren abblätternden Fassaden – lang gezogenes Falsett wie klagende arabische Musik. Jalousien öffnen sich. Schwarz gekleidete Witwen treten auf Balkons mit Kanarienvögeln. Lassen am Strick den paniere, den aus Weiden geflochtenen Einkaufskorb, hinunter. Auf dem bunt gerosteten, dreirädrigen Ape-Lastwagen türmen sich Pyramiden von Blutorangen. Der Parfümduft der Agrumenblätter mischt sich mit der brütenden Sommerhitze und dem Duft von in Knoblauch gebratenem Schwertfisch, der aus einer Trattoria mit Neonlicht und flimmerndem Fernseher dringt. Sicilia eterna, es gibt dieses entschleunigte, dieses ewige Sizilien tatsächlich. Aber wer ein paar verwirrend chaotische Altstadtviertel oder die sinnbetörende Hektik des Fischmarkts für die volle sizilianische Realität nimmt, hat definitiv den Anschluss an die Gegenwart verpasst.

Hupende Studentinnen in knappen Jeans und mit hüftlangen rabenschwarzen Locken, die auf ihrer Vespa einen „Mafia-No-Grazie“-Aufkleber platziert haben, sind weder Vorzeige- noch Alibifrauen, sondern schlichtweg Normalität. Die Großmuttergeneration der nonna hatte noch gezaudert, außer zum Kirchgang die Straße zu betreten. Aktivismus wie Fahrradfahren und Wandern (escursionismo) gilt plötzlich unter jungen Sizilianern als hip. Im Naturschutzgebiet Riserva dello Zingaro im äußersten Nordosten erproben einheimische Gruppen ihr neues Trekking-Schuhwerk – streifen vorbei an aufgelassenen Thunfischfangstationen, gelb blühender Wolfsmilch und türkisblauen Buchten. Renovierte Landgüter locken als agriturismi zivilisationsmüde Norditaliener ebenso wie auf Biokost eingeschworene deutsche Familien an. Nero d'Avola ist zum heimischen Kultwein avanciert – Topwinzer veredeln die Trauben durch Reifung in Tonamphoren.

Im einzig wirklich touristischen Ort der Insel, in Taormina mit dem millionenfach fotografierten Ätnablick, sprießen wie zur Belle Epoque die Fünf-Sterne-Nobelherbergen aus dem Boden. Zahlungskräftige Gäste sind oft die weekender aus den nahen Großstädten. Umgekehrt mischen sich kaum Urlauber unter die quirlig-laute movida, die in Sommernächten Catanias lavagetünchtes Centro storico durchtobt. Hier feiert man ausgelassener als in der melancholischen Metropole Palermo. Provinzstädtchen wie Comiso oder Acireale verblüffen durch die Fülle eleganter Modeboutiquen – Mann ist mit dunklem Anzug und Krawatte in Sizilien am einheimischsten angezogen. Oder mit rosa T-Shirt als tifoso von Palermo Calcio – seit Jahrzehnten mischt endlich wieder ein sizilianisches Team in Italiens erster Fußball-Liga mit.

Ein weinerlicher Süden, der sich als ausgebeutetes Opfer sieht, dem außer organisierter Kriminalität, Auswanderung und Armut kaum Alternativen bleiben, dieses Bild stimmt nicht mehr. Vittimismo als Geisteshaltung ist passé. Selbst die Krake Mafia ist zum Wirtschaftsmotor und zur cineastischen Attraktion mutiert. Seit die Provinz Palermo auf Reisemessen mit Betrieben wirbt, die den pizzo (Schutzgeld) verweigern, wirkt die Bedrohung eher tourismusfördernd. „Wir sind Antimafia“ als Reiseerlebnis! Die Schiebermütze der sonnenverbrannten Landarbeiter und sizilianischen Gangster ist knatschbunt gestreift als freche Hollywood-Kopfbedeckung zurückgekehrt. Selbst die Baristinnen am Airport tragen mit anmutiger Lässigkeit ihre coppola.

Die Jugend kokettiert derweil ganz unbekümmert mit ihrem orientalischen Kulturerbe – Arab revival nennt man es hier. Fernsehköchinnen schwärmen von den islamischen Wurzeln der Cassata. A la longue werden sich durch die maghrebinischen Umwälzungen auch für Sizilien andere Optionen ergeben, als auf Lampedusa Flüchtlinge abzufangen – ohne tunesische Gastarbeiter würde der Export-Fischerhafen Mazara del Vallo schon jetzt nicht mehr funktionieren.

Un ponte sullo stretto – auch ohne das umstrittene Brückenprojekt über die Meerenge von Messina nach Reggio di Calabria, das 2016 abgeschlossen sein soll, sind die über 5 Mio. Sizilianer und Sizilianerinnen längst näher an Europa gerückt. Als Richter und Dichter, Automechaniker und Barbesitzer, Carabinieri und Filmemacher haben sie Italien längst im positiven Sinn unterwandert. Und doch scheint Sizilien manchmal ein Kontinent für sich zu bleiben. Anderen Rhythmen, Regeln und Farben zu folgen. Intensiver zu sein. Nirgendwo leuchten Kirschen und Feigenkakteen, Schlangengurken und schwarz polierte Auberginen bunter. In keiner Oper wird so laut geschrien wie in der Cavalleria Rusticana. Wo hallt die Trauermusik der Osterprozessionen scheppernder durch Bergstädtchen, schleppen sich Kinder als Nonnen und Mönche hinter Passionskarren durch die Karfreitagnacht? Spanier und Hellenen, Albanier und Franzosen, Normannen und Nordafrikaner – sie haben Festungen und Dome, Sagen und Speisen, Musik und Gesichter hinterlassen. Multikulturell ist diese Insel seit Jahrtausenden ... eine Überfülle historischer Anschaulichkeit.

Die sprießende Vegetation mit violetten Kaskaden von Bougainvillea, stacheligen orangen Opuntienfrüchten, silbergrauen Oliven und knorrigen Johannisbrotbäumen in den Küstenregionen steht als scharfer Kontrast zum schwefelreichen, menschenleer wirkenden Landesinneren. Wogende Kornfelder, verwachsene Wanderpfade und Schafherden in der Macchia. Üppig auch die Vielfalt der Strände: vom feinen Sand der Nordküste, der das Fischerstädtchen Cefalù am Fuße der Kalksteingipfel der Madonie rahmt, bis zum Lavagries der Äolischen Insel Lipari. Blaue Grotten zu Füßen Taorminas oder die Vulkanklamm der Gola d'Alcantara. Sizilien ist das sinnenfreudige Konzentrat des Südens!

Sizilianer feiern die Freundschaft, lieben das Gespräch, können sich wie Andrea Camilleris Commissario Montalbano stundenlangen Gastmählern hingeben. Bella figura, verschwenderisches Trinkgeld, demonstrativer Müßiggang, das unermüdliche Taxieren und Kommentieren mit erotischem Unterton sind Konstanten der sicilianità. Und die Freude am persönlichen Kontakt. Das kann manchmal sehr schnell gehen. Die Freundin, die den Orangenverkäufer Carmine mal eben fotografieren wollte, sah sich unvermutet einer Fülle weiterer spontaner Fotomodelle gegenüber – anche a me, warum nicht auch mich, drängte sich plötzlich Rosario, der hagere Padrone der Trattoria ins Geschehen und stemmte stolz ein Tablett mit Cannoli, frisch gefüllt mit kandierten Früchten und Schafsricotta in die Luft ...

Praktische Hinweise

Anreise

Die Autobahnfahrt den Stiefel hinunter ist zeitraubend, weil die Autobahn Salerno–Reggio di Calabria zurzeit Baustelle ist, zum Teil mit Totalsperrungen und Umleitungen über schmale, kurvenreiche Gebirgsstraßen. Alternativen: die Autofähren Genua/Livorno–Palermo und Neapel–Palermo. Preise, Fahrpläne, Reservierung im Web unter www.traghetti.com

Mit der Bahn dauert es von München oder Basel aus runde 20 Stunden mit Umsteigen in Mailand oder Rom. Direktzüge oder Kurswagen gibt es nicht, Zuschläge für Schlafwagen und IC können die Bahnfahrt zudem teurer als den Flug werden lassen. www.trenitalia.it, www.bahn.de

Ohne Umsteigen gibt es ganzjährig Charterflüge von deutschen Flughäfen nach Sizilien, zwischen Mai und Oktober täglich von allen großen deutschen Flughäfen nach Catania. Viel billiger als Lufthansa und Alitalia fliegt u. a. TUIfly (www.tuifly.com) nach Palermo und Catania. Meist einmal am Tag, nicht immer zu bequemen Zeiten. Vom Flughafen Catania (www.aeroporto.catania.it) gibt es Direktbusse nach Messina, Taormina, Ragusa, Enna, Cefalù, Agrigent und Syrakus, vom Flughafen Palermo (www.gesap.it, www.aeroportopalermo.net) nach Trapani (www.aeroportotrapani.com).

Auskunft vor der Reise
Italienische Zentrale für Tourismus Enit

069 237434www.enit.de

01 505163012www.enit.at

0434664040www.enit.ch

Auskunft vor Ort

Es gibt wieder Touristinformationen vor Ort. Die 23 Büros des Servizio Turistico Regionale (STR) liegen in den neun Provinzhauptstätten und in 14 viel besuchten Ferienorten. Auf dem Internetportal der Region Sizilien www.pti.regione.sicilia.it/portal/page/portal/SIT_PORTALE gibt es Informationen über alle Orte. Alle STR-Büros können per E-Mail angeschrieben werden nach dem Muster strcefalu@regione.sicilia.it.

Fremdsprachenkenntnisse sind nur sehr eingeschränkt verbreitet. Wo es vor Ort kein STR oder eine andere Informationsstelle gibt, wenden Sie sich an Reisebüros und an die Gemeindepolizei (Polizia Municipale oder Vigili Urbani), die in der Regel sehr hilfsbereit sind. Stadtpläne und andere Informationen haben meist auch Ihre Gastgeber zur Hand. Nutzen Sie das Internet, alle Provinzen und fast alle Gemeinden haben sehr informative Webseiten mit weiterführenden Links. Touristische Informationen zu ganz Sizilien: www.regione.sicilia.it/turismo

Auskunft über die staatlichen Museen und Ausgrabungen können ebenfalls im Internet abgefragt werden: www.regione.sicilia.it/beniculturali. Ein Netz von mehr als 70 Museen und Galerien moderner Kunst, von Kulturzentren, Workshops, Theatern und Konzerträumen klicken Sie auf www.isoladelcontemporaneo.it an

Auto

Die erlaubte Höchstgeschwindigkeit beträgt in Ortschaften 50 km/h, auf Landstraßen 90 km/h, auf vierspurigen Schnellstraßen 110 km/h, auf Autobahnen 130 km/h (bei Regen 110 km/h), bei dichtem Nebel auch auf Autobahnen 50 km/h. Anschnallpflicht besteht auf den Vordersitzen. Auch am Tag müssen Sie außerhalb von Ortschaften mit Licht fahren. Eine Warnweste in Leuchtfarben muss mitgeführt werden. Die Promillegrenze beträgt 0,5. Die grüne Versicherungskarte wird empfohlen. Auch wenn in Italien alles so locker zugeht: Wer erwischt wird, zahlt für alle mit, die durch die Maschen der Verkehrspolizei schlüpfen. Geschwindigkeitsüberschreitungen von mehr als 40 km/h und Alkoholfahrten mit mehr als 1,5 Promille kosten zwischen 1500 und 6000 Euro, den Führerschein und das Auto, das dann zur Versteigerung kommt – auch bei Nicht-Italienern und bei Mietwagen!

Parkverbote in Ortschaften sind vielfach nur durch die Farbe der Bordsteinkante gekennzeichnet: Ohne Farbe ist es erlaubt, sofern Schilder nicht anderes verschreiben, gelb sind reservierte Parkplätze für Polizei, Carabinieri und Linienbusse, schwarz-gelb bedeutet Parkverbot, blau Parken gegen Gebühr. Meist holt man sich die Parkscheine in Bars, Läden, an Kiosken und rubbelt Zeit und Datum frei.

Baden

Akkurat ausgerichtete Liegestuhlreihen, wie in den stabilimenti an der Adria sind eher für die Strände um Taormina typisch. Ansonsten badet sich's in Sizilien meist recht entspannt und individuell. FKK ist ungewöhnlich (www.clubnaturismo.org/italia/sicilia.html), oben ohne bevorzugen auch viele Sizilianerinnen. Die Preise für Mietsonnenschirme (ombrello) und Liegestühle (lettino, sdraio) sind für italienische Verhältnisse maßvoll. Zum Badeerlebnis gehört das Feilschen mit Strandverkäufern.

Camping

Es gibt auf Sizilien und den vorgelagerten Inseln etwa 100 Campingplätze, die fast alle am Meer liegen. Sie sind meistens zwischen Ostern und Ende Oktober geöffnet (www.camping.it). Dazu kommen Hunderte Wohnmobilstellplätze, oft Parkplätze an den Stränden, die z. T. über keine Infrastruktur verfügen und oft gratis sind, z. T. aber kleine, auf Wohnmobile ausgerichtete gebührenpflichtige Plätze mit Sanitäranlagen sind, manche mit Schattendächern und Bäumen. Infos unter www.camper.netsurf.it/sosta_visualizza.asp?reg=Sicilia und www.womo66.com/stellplatz/italien/sizilien/

Diplomatische Vertretungen
Deutsches Konsulat

- 0812488511, 335476719www.neapel.diplo.de

- Messina090671780

- Palermo0919820808

Österreichisches Konsulat

Palermo0916825696

Schweizer Konsulat

Catania095375475

Einreise

Für EU-Bürger reicht ein gültiger Personalausweis, der an der Grenze und am Flughafen nur noch selten vorgezeigt werden muss, dafür aber bei der Anmeldung im Hotel und auf Campingplätzen.

Eintritt

Die meisten Museen und Ausgrabungsstätten kosten 3–8 Euro Eintritt, EU-Bürger unter 18 und über 65 Jahre zahlen nichts, Jugendliche zwischen 18 und 25 bekommen 25–50 Prozent Ermäßigung. In vielen kleinen Museen ist der Eintritt gratis. Kustoden, die Kirchen und Paläste öffnen, bekommen 1–5 Euro Trinkgeld.

Frauen allein unterwegs

Alleinreisende Frauen galten bis in die jüngste Vergangenheit leicht als Freiwild. Doch auch Sizilien ist moderner und entspannter geworden, die Strandpapagalli zurückhaltender. Reichlich Komplimente und Flirtversuche gehören aber nach wie vor zum erfreulichen (oder nervenden) Alltag. Abzuraten ist von der Idee, per Anhalterin zu reisen.

Gesundheit

Die Europäische Krankenversicherungskarte (EHIC) der deutschen Krankenkassen müssen Sie vor einer Behandlung in Italien der örtlichen Krankenversicherung (USL) vorlegen. Die Notfallbehandlung in öffentlichen Krankenhäusern ist nicht mehr komplett gratis. Für Röntgenuntersuchungen und andere diagnostische Leistungen fallen Zuzahlungen an, die direkt im Krankenhaus beglichen werden. Eine Urlaubskrankenversicherung hilft, die oft komplizierte Bürokratie des öffentlichen Gesundheitsdiensts und Wartezeiten zu vermeiden. Weitere Infos unter www.fit-for-travel.de

Hotels

Die Klassifizierung nach Sternen (von einem für sehr einfach bis zu fünf für Luxus) vermittelt nur ein ungefähres Bild über Ausstattung und Preise. Bei den Fremdenverkehrsämtern gibt es kostenlos Verzeichnisse mit detaillierteren Beschreibungen von Hotels, Campingplätzen und Privatvermietern. Die Übernachtungspreise müssen im Zimmer oder am Empfang ausgehängt sein. Hotel-Suchmaschine: www.regione.sicilia.it/turismo

Klima & Reisezeit

An den Küsten herrscht Mittelmeerklima mit langem, heißem und trockenem Sommer. Die idealen Reisemonate sind Mai, Juni, September und Oktober: Die Temperaturen sind angenehm, das Meer ist warm und der große Ansturm der Hochsaison und der Osterwochen fern. Der Winter ist regnerisch und mild. Im Landesinneren kann es in den Bergen oberhalb von 1500 m sogar im Sommer kühl werden. www.tempoitalia.it

Mietwagen

Niederlassungen der großen Autoverleiher finden Sie in Palermo, Catania, Syrakus, Messina, Taormina und an den Flughäfen. Ab 185 Euro kostet es pro Woche, wenn das Auto außerhalb Italiens im Internet gebucht wird. Die Buchung vor Ort ist ca. 25 Prozent teurer.

Notrufe

Unfall/Polizei: 112 und 113

Pannenhilfe: 116 und 800116800

Ambulanz: 118

Feuer und Waldbrände: 115 und 1515

Seerettung: 1530

Öffentliche Verkehrsmittel

Siziliens Bahnnetz ist weitmaschig und meist eingleisig. Auch IC- und Expresszüge haben häufig Verspätung, zudem liegen viele Bahnhöfe sehr weit von den Ortschaften entfernt. Ein dichtes Lokal- und Schnellbusnetz vieler privater Gesellschaften ergänzt und ersetzt das recht dürftige Schienennetz. In vielen Städten gibt es aber keinen zentralen Busbahnhof. Busauskunft: www.anavsicilia.it

Öffnungszeiten

Läden, Supermärkte und Kaufhäuser sind werktags meist von 8.30-13 und von 17-20 Uhr geöffnet; an einem von Geschäft zu Geschäft unterschiedlichen Nachmittag in der Woche sind die Läden geschlossen. In der Hochsaison haben in den Ferienorten die meisten Läden durchgehend bis in die Nacht geöffnet. Tankstellen sind sonntags und nach 20 Uhr oft geschlossen.

Post

Briefmarken gibt es bei der Post oder auch im Tabakgeschäft. Brief oder Postkarte kosten mit der posta prioritaria innerhalb Italiens 0,60 und ins europäische Ausland 0,75 Euro.

Preise

Sizilien ist innerhalb Italiens eine preiswerte Reiseregion. Für einen Espresso in der Bar zahlen Sie am Tresen fast überall weniger als 1 Euro, für ein Glas Mineralwasser 0,50 Euro, für ein Bier oder einen Aperitif 1,50-2 Euro. Am Tischchen sitzen und bedient werden kann in besuchten Ferienorten doppelt und dreifach so viel kosten. Für ein komplettes Essen müssen Sie zwischen 15 und 30 Euro rechnen – selbst wenn Sie ganz groß ausgehen, überschreitet die Rechnung fast nie 50 Euro.

Ihre Euros ziehen Sie sich mit der EC-Karte mit Geheimzahl aus Geldautomaten (bancomat, postamat), die es auch in kleinen Orten abseits der Reisewege gibt. Viele Hotels, Restaurants, Tankstellen und Geschäfte akzeptieren Kreditkarten. Mastercard und Visa sind auf Sizilien weit verbreitet, die EC-Karte mit Pin wird weniger genutzt.

Rauchen

In öffentlichen Gebäuden, Gaststätten und Bars ist Rauchen mit wenigen Ausnahmen verboten. Da Sizilianer sowieso beim Espresso mit Zigarette gerne stehen oder ein paar Schritte machen, wird das Verbot allgemein klaglos akzeptiert. Bei Zuwiderhandlung sind Geldbußen möglich.

Strom

Die elektrische Spannung beträgt 220 Volt. Nur Flachstecker passen, sonst sind Adapter nötig. Weltadapter sind oft nicht kompatibel!

Taxi

In den großen Städten Siziliens sind die Taxis mit Taxameter ausgestattet. Ein Trinkgeld von 5-10 Prozent ist üblich. In kleinen Orten und auf dem Land empfiehlt es sich, den Preis vor der Fahrt mit dem Fahrer abzusprechen.

Telefon & Handy

Telefonzellen gibt es reichlich. Die benötigten Telefonkarten erhalten Sie bei der Post, in Tabak- und Zeitungsläden. Auslandsgespräche sind uneingeschränkt möglich. Ein Ortsgespräch (3 Minuten) kostet 10 Cent in der Telefonzelle, 3 Minuten nach Deutschland 1,50–2 Euro. Servicenummern (Vorwahl 800) von Touristbüros und Hotels sind gratis. Das Mobiltelefon heißt auf italienisch cellulare oder liebevoller telefonino. Wenn Sie in Italien viel telefonieren, lohnt eine italienische SIM-Card, die Sie in fast jedem Telefonladen problemlos bekommen, auch ohne italienische Steuernummer (codice fiscale). Es wird lediglich der Ausweis fotokopiert.

Vorwahl nach Deutschland: 0049, nach Österreich 0043, in die Schweiz 0041, nach Italien 0039 – die 0 am Beginn von Festnetznummern muss bei Anrufen nach Italien mitgewählt werden.

Toiletten

Öffentliche Toiletten sind Mangelware und oft nicht in bestem Zustand. Es ist üblich, in einer Bar einen günstigen Espresso zu konsumieren, um den bagno zu benutzen – notfalls legt man nur eine mancia von 50 Cent auf den Tresen. Signore ist der Plural von Signora, ein Signore nimmt die Herrentür mit der Aufschrift Signori.

Urlaub auf dem Land/Agriturismo

Urlaub auf dem Bauernhof hat sich in ganz Italien als preisgünstiges, kinderfreundliches Konzept etabliert, bei dem man Land und Leuten näher kommt. Gerade in Sizilien mit seinen feudalen Strukturen bedeutet Agriturismo oft nächtigen in historischen Landgütern – die Insel des Gattopardo wird hier lebendig. Viele Höfe verfügen über Mountainbikes oder Pferde und organisieren Exkursionen. Fast alle Agriturismi stehen auch für eine bodenständige cucina – schließlich müssen sie Lebensmittel selbst produzieren, um anerkannt zu werden. Infos unter www.agriturismo-sicilia.it

Zoll

Zollfrei für EU-Bürger (für Schweizer): 800 (200) Zigaretten oder 200 (50) Zigarren oder 1000 (250) g Tabak, 90 (2) l Wein und (oder) 20 (2) l Spirituosen unter 22 (15) Prozent sowie 10 (1) l Spirituosen über 22 (15) Prozent. www.zoll.de

Was kostet wie viel?

Tomaten

1-2 Euro für ein kg im Sommer

Kaffee

Ab 80 Cent für eine Tasse Espresso

Wein

2-3 Euro für eine Karaffe Wein (0,25 l)

Benzin

1,50 Euro für 1 l Super

Strafzettel

38 Euro für Falschparken

Stadtbus

1,20-1,60 Euro

Events, Feste & mehr

Gesetzliche Feiertage
1. Januar

Neujahrstag

6. Januar

Dreikönigstag

März/April

Ostermontag

25. April

Jahrestag der Befreiung vom Faschismus

1. Mai

Tag der Arbeit

2. Juni

Gründung der Republik

15. August

Mariä Himmelfahrt

1. November

Allerheiligen

8. Dezember

Mariä Empfängnis

25. Dezember

Weihnachten

26. Dezember

Santo Stefano

Feste, Festivals, Veranstaltungen
3.–5. Februar

Sant'Agata in Catania – Prozession der Schutzpatronin vor dem Ätna

Mitte Februar

Mandelblütenfest in Agrigent im Valle dei Templi – mit Musikkapellen-Paraden

Februar/März

Karnevalszüge mit Hunderten Karren und Masken in Sciacca und Acireale

Gründonnerstag

Prozession der Veronikas in Marsala (Mit dem Schleier der hl. Veronika wischte sich der kreuztragende Jesus den Schweiß ab)

Karfreitag

Büßerprozession in Trapani – Hunderte vermummte Kapuzenmänner ziehen durch die Nacht

I Giudei in San Fratello – ein burlesk-aggressives Volksfest

Ostern

Teufelstanz in Prizzi – farbig-schrille Austreibung des Winters

Prozession und Tänze der Albaner in Piana degli Albanesi

15. Mai–30. Juni

Festival des griechischen Theaters in Syrakus – antike Tragödien, wo sie schon vor 2500 Jahren aufgeführt wurden

Juni–September

Orestiadi in Gibellina – Sommerfestival mit Kunst, Musik und Theater

Mitte Juni

Taormina Estate – das Sommerfestival im griechisch-römischen Theater mit klassischen Theater- und Musikaufführungen

Spettacoli Classici – antikes Schauspiel im Theater von Segesta

10.–15. Juni

Sant'Alfio in Trecastagni – Folklore und Parade sizilianischer Karren

27.–29. Juni

San Paolo e San Sebastiano in Palazzolo Acreide – die Prozession der Heiligen wird zur Konfettischlacht

11.–15. Juli

U Fistinu in Palermo – Rosalienfest (Palermos Schutzheilige) mit Festkarren, Prozessionen, Jahrmarkt und Konzerten

14. August

Palio dei Normanni in Piazza Armerina – es werden Reiterkämpfe auf mittelalterliche Art ausgetragen

14.–15. August

Mata und Grifone in Messina – die großen, von Menschen getragenen Figuren erinnern an die Befreiung der Insel von den Arabern

Ende August

Ballo della Cordella in Petralia Sottana – zum Erntedank wird ein Ringtanz in alten Trachten aufgeführt

Ende September

Couscousfestwww.couscousfest.it mit Köchen und Rezepten aus Sizilien, dem Orient und Nordafrika in San Vito Lo Capo

13. Dezember

Santa Lucia in Syrakus – Prozession und Lichterfest

Im Trend

Schön langsam
Zeitreise

In Sant'Ambrogio wird der Käse von Schäfer Giulio noch von Hand gerührt und der Brotteig darf ganz natürlich gehen. Das Dorf ist zu seinen Traditionen zurückgekehrt. Das war nicht immer so. Die Sicilian Experience-Gründerin Carmelina Ricciardello hat die Bewohner dazu ermutigt. Besucher genießen das Projekt, das mehr ist als ein Trend. Infos und Führungen: Discesa Decano Martino10Sant'Ambrogiowww.sicilianexperience.com

Local Beautys
Schönmacher

Salz, Olivenöl und Zitronen: Im Spa des Kempinski Hotel Giardino di CostanzaVia Salemi km 7Mazara del Vallo kommen heimische Zutaten zum Einsatz. Auf die Kraft der lokalen Produkte vertrauen auch die Beautyexperten des Belli ResortsVia Roma58-60Gratteri. Im hauseigenen Spa sorgen die ätherischen Öle der Pinien, das berühmte sizilianische Salz und Blütenessenzen für Entspannung. Im Spa des BiancaneveVia Etnea163Nicolosi sind Leckereien die Schönmacher: Biohonig und Wein kommen zum Einsatz.

Leben am Strand
Tags wie nachts

Nur früh morgens sind die Beach Clubs leer, die Spuren des vergangenen Tages schon beseitigt. Denn gefeiert wird in den coolen Strandclubs schon weit vor Sonnenuntergang. Der Paradise Beach ClubVia Luigi RizzoLetojanni ist zuerst entspannte Lounge, dann edles Restaurant, um sich bei Nachteinbruch in eine Disko zu verwandeln. Tags wie nachts wird auch im schicken Panasia BeachVia NazionaleSpisone und dem Mendolina Beach ClubVia Nazionale198Mazzarò gefeiert.

Grüne Herbergen
Wo die Zitronen blühen

Im Süden Italiens sind Natur- und Umweltschutz Themen, derer sich vor allem die Agriturismo-Höfe annehmen. Auf der Zitronenfarm LimonetoVia del Platano3Siracusawww.limoneto.it geht es ganz und gar biologisch zu – auch hinter dem Herd, wo Sie die Feinheiten der sizilianischen Küche kennenlernen. Kochen mit Sonnenenergie und Duschen mit Regenwasser: In der EtnalodgeVia Bassi21Piedimonte Etneowww.etnalodge.it legt man nicht nur Wert auf Umweltschutz, sondern zeigt in Kursen und Workshops, wie Sie zu Hause Energie einsparen können. Umweltfreundlich ist im Agriturismo Guarnera nicht nur die Wandfarbe, auch der Pool kommt dank einem natürlichen Reinigungssystem ganz ohne Chlor aus: Contrada Gargi di CenereCefalùwww.gargidicenere.it

Alt & Neu
Kunstgenuss

Sizilien ist reich an Geschichte und Kunstwerken. Aber es gibt auch eine wachsende junge Kunstszene auf der Insel. Einer der Vorreiter ist Francesco PanaleoneVia Vittorio Emanuele303www.fpac.it, der eine zeitgenössische Galerie in Palermo besitzt. Das Museo d'Arte Contemporanea della SiciliaPalazzo Belmonte RisoVia Vittorio Emanuele365www.palazzoriso.it bietet den Künstlern noch mehr Platz für Gemälde, Fotografien und plastische Werke. Doch Modernes wird nicht nur ausgestellt, man kann auch darin leben. Wie in dem cool durchgestlylten Verdura Golf & Spa ResortSciaccawww.verduraresort.com von Rocco Forte an der Südküste der Insel.

Bloss nicht

Auf der Straße kaufen

An Marktständen können Sie wählen, wühlen, anfassen wie die Einheimischen, meist gibt es sogar Preisschilder, sonst sehen Sie, was andere dafür zahlen. Höchste Vorsicht ist aber angeraten bei den Gewerbetreibenden, die aus ihrer Ware fast schon ein Geheimnis machen, Gelegenheiten versprechen, die es nur einmal im Leben gibt. Vielfach bittet man Sie um einen kurzfristigen Vorschuss …

Das Menú Turistico bestellen

Fast alle Restaurants bieten dieses Essen zum Festpreis an, das zwei Gänge, Nachtisch, ein Getränk, den Preis des Gedecks sowie alle Steuern und die Bedienung enthält. Einheimische machen fast nie von diesem Angebot Gebrauch, obwohl es wesentlich weniger kostet als Essen à la carte. Aber es zeichnet sich hauptsächlich durch Einfallslosigkeit aus, und nur ganz selten werden Sie landestypische Gerichte auf den Teller bekommen, stattdessen serviert man Ihnen Kotelett, Brathuhn oder eine meist zähe Scheibe Roastbeef, dazu ein paar dürre Blättchen Salat oder eine halbe Tomate.

Zum Diebstahl einladen

Diebe und Räuber lauern nicht in jedem Winkel; riskant sind eher die Großstädte, Häfen und viele Strandregionen. Lassen Sie nichts sichtbar im Auto liegen, Sie riskieren sonst eingeschlagene Scheiben. Bei Fahrten durch Palermo und Catania verriegeln Sie Türen und Kofferraum. Autodiebstähle sind in Sizilien nicht häufiger als anderswo, aber diese beiden Großstädte stehen in der italienischen Statistik an oberer Stelle. Das gilt übrigens auch für den Handtaschendiebstahl vom fahrenden Auto oder Moped (scippo) aus. Verzichten Sie deshalb entweder ganz auf die Tasche oder tragen Sie diese immer zur Hauswand hin. Und wie überall sonst auch operieren in dem Gewühl von Märkten und Bahnhöfen, Busstationen und Einkaufsstraßen gern Taschendiebe.

Kassenbon vergessen

Nehmen Sie überall den Kassenbon mit, auch wenn Sie nur ein Brötchen gekauft haben. Der scontrino ist der Beleg dafür, dass Ware oder Dienstleistung in der Kasse verbucht wurde und dafür Steuer abgeführt wird. Ausnahmen: Benzin, Zigaretten, Zeitungen. 100 m weit sind Sie so etwas wie ein Gehilfe der Steuerfahndung, und es gibt für Sie und den Verkäufer hohe Strafen, wenn Sie den Zivilbeamten der Guardia di Finanza den Beleg nicht vorlegen können.

Mit dem Feuer spielen

Jahr für Jahr verwüsten Hunderte von Bränden Wälder, Olivenhaine und Gärten, bedrohen Häuser und Ortschaften. Meist bleiben kahle Steinwüsten zurück. Glimmende Zigarettenstummel, Picknickfeuer, der heiße Kat vom Auto über trockenem Gras oder Laub können katastrophale Folgen haben.

Stichworte

Auswanderung

Millionen Sizilianer, fast der gesamte Bevölkerungszuwachs der letzten 120 Jahre, sind ausgewandert, zuerst hauptsächlich in die USA und andere Länder in Übersee, dann nach dem Zweiten Weltkrieg in die westeuropäischen Industrieländer und nach Norditalien. Elend und Hoffnungslosigkeit haben besonders die Landbevölkerung aus der Heimat getrieben. Der Anschluss Siziliens 1860 an das geeinigte Italien brachte keine Bodenreform und keine sozialen Veränderungen für die Kleinpächter, Tagelöhner und Landarbeiter. Das Handwerk wurde durch Industriewaren aus Norditalien und dem Ausland rasch ruiniert. Die wichtigste Industrie Siziliens, der Schwefelbergbau, kam durch amerikanische Konkurrenz, die viel billiger produzierte, fast zum Erliegen.

Besonders in den Großstädten Amerikas bildeten sich rasch sizilianische Kolonien, in denen sich – genau wie in der Heimat – die Mafia und andere Geheimorganisationen mit kriminellen Zielen zur beherrschenden Macht entwickelten. Heute ist die Auswanderung weitgehend zum Stillstand gekommen, obwohl die Arbeitslosigkeit besonders unter Jugendlichen immer noch bestürzend hoch ist.

Brücke von Messina

2016 soll die Brücke über die Meerenge von Messina fertiggestellt sein. Geplant ist eine 3300 m lange Hängebrücke, die zwischen zwei 382 m hohen Masten in einer Höhe von 50 bis 65 m das Meer überspannt. Hinzu kommen 1,7 km Zufahrten. Die Kosten wurden auf 6,3 Mrd. Euro veranschlagt. Kritiker der Brücke verweisen auf das hohe Risiko durch starke Stürme und Erdbeben sowie auf die Überdimensionierung des Projekts. 200 Züge und 140 000 Autos sollen die Brücke täglich befahren, zehn Mal so viel, wie mit den Fähren übergesetzt wird.

Coppola & Co

Die coppola, die Schirmmütze, hat heute Kultstatus, ist inzwischen wieder schicker Ausdruck von sicilianità – unabhängig vom sozialen Status. Auf dem Land war die Wahl des Sonnenschutzes auf männlichen Köpfen früher nicht dem Zufall überlassen: Die Kopfbedeckung zeigte soziale Stellung und Herkunft an. Träger von Schirmmützen waren Pächter, Landarbeiter, Bauern oder Hirten. Steife Hüte mit breiter Krempe zeigten das ländliche und kleinstädtische Bürgertum und den Adel an. Durch die Mafia kam die coppola in Verruf, galt sie doch lange als die Kopfbedeckung vor allem der Handlanger der großen Bosse. Inzwischen tragen sogar Hollywood-Stars wie Brad Pitt das Teil. Einer der bedeutendsten sizilianischen Schirmmützen-Hersteller betreibt heute Shops in New York und Berlin (www.lacoppolastorta.it).

Corso

Am Abend, noch vor Sonnenuntergang, beginnt die passeggiata, bei der alles auf den Beinen ist. Die Hauptstraße, der corso, oder der Hauptplatz, die piazza, sind dann für zwei Stunden Treffpunkt und Bühne, wo man sich zeigt und präsentiert, wo man für die Freunde, für alle und jeden da ist. Klatsch und Neuigkeiten werden ausgetauscht, Gerüchte auf den Weg gebracht. Die passeggiata ist die wohlkontrollierte Gelegenheit, sich zu verlieben und Zuneigung auszutauschen, Verlobungen und Ehen werden hier angebahnt und beschlossen, ebenso Geschäfte und Verträge.

Familie

Die Großfamilie bestimmt nach wie vor stark die Lebensgewohnheiten, auch wenn sich daran in den Städten und bei der jungen Generation – nicht nur durch die Möglichkeit der Ehescheidung – seit einigen Jahren vieles verändert. Innerhalb des Familienverbands sind die Rollen und Aufgaben fest vergeben. Den Männern gehört die Außenwelt, den Frauen das Haus. Die wichtigste Frau im Leben des Manns ist nicht die Ehefrau oder die Geliebte, sondern die eigene Mutter. Sie kennt die Geheimnisse handgemachter Nudeln, der Soße dazu, sie ist stolz auf ihren Sohn, auf sein Auto, sein Haus, seine Kinder.

Giuseppe Garibaldi

Der italienische Nationalheld wurde 1807 in Nizza geboren, nahm an der Geheimbewegung zur italienischen Einigung teil, floh 1834 nach Frankreich und Südamerika und kehrte 1848 wieder nach Italien zurück, wo er im Dienst des Königs von Piemont-Savoyen Freiwilligentruppen erfolglos gegen Österreich und den Vatikan führte, zu denen damals große Teile Nord- und Mittelitaliens gehörten. Garibaldi emigrierte nach Amerika, dann auf die sardische Insel Caprera. Von dort aus organisierte er den „Zug der Tausend“: Mit seinen Rothemden landete er am 11. Mai 1860 in Marsala und schlug die bourbonischen Truppen am 15. Mai bei Calatafimi. Er bekam Zulauf aus allen sozialen Schichten. Am 6. Juni kapitulierte Palermo, am 28. Juli Messina. Am 7. September eroberte er Neapel, Hauptstadt des süditalienischen Königreichs. Und am 26. Oktober 1860 wurde das Königreich Italien mit König Vittorio Emanuele von Savoyen an der Spitze ausgerufen.

Kirche

Bis auf die Albaner und die wachsende Zahl der Tunesier und Marokkaner sind praktisch alle Sizilianer katholisch. Die Kirche greift nach wie vor in die meisten Bereiche des Alltags ein und verschafft sich immer wieder mit Nachdruck Gehör. Ein Großteil der Kindergärten und viele Schulen sind in kirchlicher Hand, ebenso viele Sozialeinrichtungen. Der Einfluss der Nonnen auf Kinder und Mütter ist groß, auch wenn er vielfach oberflächlich bleibt und oft zu einer von Äußerlichkeiten geprägten Kirchlichkeit führt. Die Braut in Weiß und das kirchliche Begräbnis sind selbstverständlich, der regelmäßige Kirchenbesuch schon weniger. Hier sind die Frauen eindeutig aktiver, und zwar mit steigendem Alter. Immer stärker engagieren sich kirchliche Basisgruppen, Priester, Ordensleute und auch kirchliche Würdenträger für Veränderungen. Die Mafia und die Angst vor ihr, Bau- und Bodenspekulation, politische Korruption, Umweltzerstörung, die rasant wachsende Drogensucht und Kleinkriminalität in den Städten, die Arbeitslosigkeit und der wieder zunehmende Analphabetismus finden auch hier Antworten.

Mafia

Die ehrenwerten Herren, die Paten und ihre Killer haben fast überall ihre Hände im Spiel, wo es um Macht und Geld geht. Drogen und Prostitution, das Schleusen von Flüchtlingen und Schutzgelderpressung sind der offen kriminelle Teil ihrer Geschäfte. Ein Geflecht von Freundschaften mit Politikern und Beamten bis ganz nach oben öffnet Wege ans große Geld für öffentliche Aufträge und für Subventionen, sorgt für kleine Arbeitsplätze und große Karrieren. Die Mafia ist ein Parallelstaat, dessen Machtinstrumente Korruption, Angst und Mord sind. Wer die omertà, die absolute Verschwiegenheit bricht, muss sterben. Tödlich sind auch die inneren Kämpfe, denn die meisten Toten stammen aus den eigenen Reihen, wenn neue Bosse und Familien ihren Anteil am Geschäft erkämpfen.

Die moderne Mafia der Großstädte operiert längst global, vernetzt legale und kriminelle Wirtschaft, besonders im Straßenbau, im Gesundheitswesen und in der Müllbeseitigung. Der jährliche Umsatz wurde 2005 auf mindestens 40 Mrd. Euro geschätzt. Dieses Kapital wird immer mehr in der legalen Wirtschaft investiert, oft in feindlichen Übernahmen.

Mutige Menschen, die sich der Mafia entgegenstellen, riskieren immer noch ihr Leben, die Killer werden sogar brutaler, respektieren nicht einmal mehr Kinder. Doch haben zusammen mit Fahndungserfolgen und hohen Strafen ohne Begnadigungen Zusammenhalt und Selbstbewusstsein der Menschen die Mafia geschwächt. Statt für den Rest ihres Lebens schweigend im Gefängnis zu sitzen, packen viele Bosse aus. Ein Stück Hoffnung sind die beschlagnahmten Ländereien und Betriebe verurteilter Bosse, die an Kooperativen gegeben werden, was auch ein Weg aus der Dauerarbeitslosigkeit auf dem Land ist. Sie produzieren unter dem Markennamen „Libera Terra“ Pasta, Öl, Käse und Wein (www.liberaterra.it). Die Kooperativen haben sich mit Hoteliers, Händlern, Landwirten, Handwerkern, Gastwirten und Bauunternehmern – insgesamt mehr als 400 – zu Addio Pizzo zusammengeschlossen und zahlen kein Schutzgeld (pizzo) mehr. Die Vereinigung kooperiert eng mit den Netzwerken gegen die Mafia in allen Provinzen Siziliens. Den Plan mit allen Adressen, überwiegend in der Stadt und Provinz Palermo, gibt es dort, wo der Aufkleber an der Tür darauf hinweist, oder bei www.addiopizzo.org zum Herunterladen. Auch in Catania und der Ätnaregion unter www.addiopizzocatania.org.

Opera dei Pupi

Rollende Köpfe, gespaltene Sarazenen, entführte Prinzessinnen. Im sizilianischen Marionettentheater ist Aktion und Passion angesagt, wenn Orlando und Rinaldo für Kreuz und Karl den Großen streiten. Aber auch der puparo, der Puppenspieler, kann außer Atem kommen, denn Puppentheater ist Schwerstarbeit im Familienbetrieb. Die buntbemalten metergroßen Figuren sind selbstgeschnitzt und werden mit Eisenstangen geführt. In den 1980ern drohte diese Volkskunst mangels Zuschauern zu verschwinden, doch mittlerweile besuchen auch einheimische Schulklassen die Spektakel. Palermo, Acireale und Monreale sind die sizilianischen Hochburgen der Puppenspieler. 2008 wurde die Opera dei Pupi ins immaterielle Unesco-Weltkulturerbe aufgenommen.

Sarazenentürme

Die massigen, mal runden, mal quadratischen Türme prägen die Küsten Italiens und auch die Siziliens. Die nordafrikanischen Sarazenen tauchten im 9. Jh. mit ihren Schiffen an allen christlichen Mittelmeerufern auf, plünderten und zerstörten die Küstenorte, töteten die Bevölkerung oder verschleppten sie auf die Sklavenmärkte und drangen bis ins Landesinnere vor. Die gut befestigten Städte dagegen wurden nur selten angegriffen. Die Türme standen untereinander in Sichtkontakt, „telegrafiert“ wurde mit Kanonenschüssen oder Feuersignalen.

Trinakria

Der Frauenkopf mit den beiden Schlangen und Flügeln, aus dem drei Beine wachsen, ist seit der Antike das Symbol für Sizilien, Zeichen für seine Dreiecksgestalt, seine drei alten Provinzen, aber auch für das Sonnenrad und für Fruchtbarkeit. Das Wappen Siziliens begegnet einem überall – auf Postkarten und Souvenirs ebenso wie auf Marktkarren, Fischerbooten und LKWs oder Schildern von Bars und Läden, als Markenzeichen einer Brauerei in Messina, auf Stempeln, Fahnen, Internetseiten und amtlichen Briefköpfen.

Umwelt

Der Müll in Palermo war schon Goethe aufgefallen. Sizilianer behandelten ihre Natur lange mit mediterranem Schlendrian. Industrieruinen, Betonwüsten und (weniger werdende) wilde Deponien bilden die Kehrseite von Bella Sicilia.

Doch ein Umdenken ist überall spürbar. Die regionale Umweltbehörde ARPA setzt auf Aufklärung in Schulen, Boote patroullieren entlang der Küsten, um Schwarzbauten aufzuspüren. Die Regionalparks und über 50 Naturschutzgebiete werden begeistert von einheimischen escursionisti (Wanderern) angenommen. Mangiare sano: Der hohe Stellenwert schmackhafter Nahrung hat dazu geführt, dass die Sonneninsel Italiens größter Produzent von Bioprodukten ist. Die junge Generation hat begriffen, dass das postindustrielle Sizilien von einem ökologisch-grünen Image auch wirtschaftlich nur profitieren kann. Noch ausbaufähig die Zahl der Bandiera-Blu-Strände (blaue Flagge für Umweltbewusstsein). Der Reichtum der Fischmärkte täuscht darüber hinweg, dass Thunfisch dramatisch bedroht ist. Allerdings sind daran eher Hochseeflotten als sizilianische Fischerboote schuld.

Vulkane & Erdbeben

Geologisch und erdgeschichtlich ist der größte Teil Siziliens ein Stück Afrika. Nur der Norden gehört zur eurasischen Kontinentalplatte. Gegen sie driftet die afrikanische Platte, deren Druck die Bergketten Nordsiziliens aufgefaltet hat. Spannungen und deren plötzliche Entladungen führen zu Erdbeben. 1693 zerstörte ein Beben ganz Südostsizilien, 1783 und 1908 verwüsteten die stärksten je in Europa gemessenen Erdbeben Messina, 1968 traf es im Westen Gibellina und 13 weitere Orte im Belice-Tal.

In den Knautschzonen entstehen oft Vulkane, weil Brüche und Verwerfungen Magmakammern aus dem glutheißen Erdinneren aufsteigen lassen. Ätna und Stromboli sind die beiden sichtbar aktiven Vulkane Siziliens, für die Vulkanologen sind aber auch die Inseln Lipari, Vulcano, Panarea und Pantelleria aktiv, auch wenn ihre letzten Ausbrüche 100 und mehr Jahre zurückliegen. Erloschene Vulkane sind die Inseln Salina, Filicudi, Alicudi, Ustica und Linosa.

Vor Siziliens Küsten tut sich tief unterm Meeresspiegel noch mehr. Im recht flachen und sehr fischreichen Meer im Süden zwischen Agrigent, Sciacca, Pantelleria und Linosa gehen Fischern immer wieder gekochte Fische in die Netze, sehen sie Gasblasen aufsteigen. 1831 bildeten im Meer vor Sciacca Lava und heiße Vulkanasche eine kleine Insel. Briten, Franzosen und Russen wollten sie haben, drohten dem Landesherrn in Neapel und untereinander mit Krieg. Doch bevor es dazu kam, verschwand die Insel Ferdinandea nach 5 Monaten wieder im Meer.

Tief im tyrrhenischen Meer nördlich der Liparischen Inseln erstreckt sich über 2000 km2 und bis zu 3000 m hoch Europas größter aktiver Vulkan, der Monte Marsili, der noch wenig erforscht und von einem Feuerbogen umgeben ist, zu dem mindestens sieben weitere aktive Unterwasservulkane und über dem Wasser die Liparischen Inseln gehören. Der Monte Marsili wird ständig überwacht; ob und wann es einen Ausbruch oder ein Seebeben mit verheerenden Tsunamis geben wird, ist völlig offen. Es kann heute, morgen oder in 100 000 Jahren passieren. Weitere Infos unter www.geolinde.musin.de/tektonik/pl_vulkan_mittelmeer1.htm

Bücher & Filme

Commissario Montalbano

ist ein echter Sizilianer. Er liebt gutes, handfestes Essen und ist Frauen zugetan. Seine Fälle spielen in Porto Empedocle und Agrigent, wo Autor Andrea Camilleri aufgewachsen ist. In seinen Kriminalromanen, die auch fürs Fernsehen verfilmt wurden, wird der kriminelle Alltag der Insel dargestellt.

Der Leopard

Der Roman von Giuseppe Tomasi di Lampedusa führt ins Leben des Adels, stellt seinen Auf- und Abstieg dar. Von Luchino Visconti mit Burt Lancaster und Alain Delon 1963 an Originalschauplätzen verfilmt

Von Kamen nach Corleone

Petra Reski reist im weißen Alfa Spider durch Mafialand Deutschland bis in die Heimat der Paten, trifft Mafiajäger, schaut zurück auf die großen Prozesse und die Bosse.

Palermo Shooting

wurde 2008 von Wim Wenders gedreht. Ein erfolgreicher Fotograf macht sich auf der Suche nach dem Sinn des Lebens nach Palermo auf

Cinema Paradiso

Die Szenerie des Kultfilms (1988) von Giuseppe Tornatore mit Philippe Noiret sind die Bergnester Castelbuono und Palazzo Adriano: eine Liebeserklärung an das Kino

Wer erschoss Salvatore G.?

Francesco Rosis Film (1961) über den Mafioso Salvatore Giuliano, der 1949 erschossen wurde, entstand an Originalschauplätzen um Montelepre

Fakten

Einwohner
4.983.478
Fläche
25.711 km²
Strom
230 V, 50 Hz
Hauptstadt
Palermo
Reisepass / Visum
nicht notwendig
Ortszeit
00:04 Uhr
Zeitverschiebung
keine
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