Bretagne

Überblick

Willkommen in der Bretagne

Hier ist wohl wirklich das Ende der Welt: Immer wieder hört man diese Worte an der berühmtesten bretonischen Steilküste, der Pointe du Raz. Zugegeben: Auch wenn Touristen ihn im Hochsommer überrennen, wirkt der Ort schon äußerst wild. Deswegen sehen Sommerurlauber hier gern den Höhepunkt ihrer Bretagnereise.

Einheimische raten jedoch zu Recht, die Küste des Finistère außerhalb der Sommermonate zu besuchen. Dann hat der Begriff "wild" eine ganz andere Bedeutung: Raue Atlantikwinde jagen Wolkengebilde, der Ozean schäumt vor Wut - zur Freude der Kitesurfer und Wellenreiter, aber auch der abenteuerlustigen Inselhopper, die sich dann auf der Fährüberfahrt zur sturmumtosten Insel Ouessant über grün angelaufene Landratten amüsieren.

Doch ob Sommerurlaub oder Naturerlebnis in der Nebensaison - in der Bretagne gibt es auch abseits der beliebten Touristenorte viel zu entdecken. Also nichts wie los!

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Anreise

9h 25min
6h 58min
3h 40min
Frankfurt am Main
Bretagne
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Auftakt

Entdecken Sie die Bretagne!

An der Küste spiegelt sich der wahre Charakter der Bretagne wider: ein Charakter der Kontraste. Schon immer ging die Faszination dieser Halbinsel von ihren Gegensätzen aus. Das Land, in dem heute etwa 3 Mio. Menschen leben, ist mit 27209 km2 etwas kleiner als Brandenburg; die Vielfalt seiner Landschaften jedoch ist einzigartig. Allein die Küste mit ihrer Länge von 2730 km, das entspricht einem Drittel der Gesamtlänge der französischen Küste, bietet hinter jeder Felszacke, jeder Pinie und jedem Hortensienbusch unerwartet neue Eindrücke.

Am Mont-St-Michel beginnt die heutige Bretagne - die historische Grenze lag vor langer Zeit weiter östlich. Hier ist das Land lieblich, saftiges Grün herrscht vor. In windgeschützten Lagen findet sich beinahe mediterrane Flora.

Vorbei an der rot gefärbten Steilwand des Cap Fréhel und der sich anschließenden Rosa Granitküste wird die Landschaft in Richtung Westen zunehmend wilder, die Vegetation wird spärlicher. Waren die Felsen gerade noch durch Wind und Wasser rund poliert, sind sie nun gezackt und schroff; das zuvor noch einladende Rosa weicht einem derben Grau.

Weiter im Süden befinden sich die langen Strände des Morbihan; hier ist das Baderevier der Bretonen. Auf dem feinen, hellgelben Sand messen sich Strandsegler. Pinienhaine säumen die flache Küste, durchsetzt von Campingplätzen und vereinzelten Hinkelsteinen.

Der Südosten der Bretagne ist das Land der Menhire. Man findet sie auch anderswo, aber nirgends in so großer Menge und so alt wie hier. In und um Carnac stehen Tausende, wie auf Perlenschnüre aufgezogen. Andere finden sich einsam, verträumt und gottvergessen in der Landschaft. Der mit 20,60 m größte bekannte Menhir überhaupt stand hier, liegt allerdings inzwischen, wohl absichtlich umgestoßen, gleich neben einem Dolmen. Keiner weiß heute mit Bestimmtheit, zu welchem Zweck all diese Steine aufgerichtet wurden - Theorien darüber gibt es viele. Oder war es etwa doch Obelix, der sie auf der Jagd nach Wildschweinen achtlos hier stehen ließ?

Begriffe wie Menhir (langer Stein) oder Dolmen (Steintisch) haben sich in den heutigen Sprachgebrauch herübergerettet. Dabei war die bretonische Sprache Brezhoneg bis in die 1940er-Jahre verboten. Die Franzosen hatten ihren Gebrauch schon vor langer Zeit zu unterbinden versucht, da sie der Inbegriff war für das nie wirklich erloschene Bestreben der stolzen Bretonen nach Wiedererlangung ihrer kulturellen, wirtschaftlichen und nationalen Autonomie von Frankreich. Und genau das unterscheidet sie von den Restfranzosen: Fragen Sie einmal jemanden aus Brest, Quimper, Vannes oder gar Nantes nach seiner Nationalität! Er wird Ihnen, völlig verwundert über solch eine Frage, entgegnen: "natürlich Bretone!"

Die Bretonen leben am, im und mit dem Wasser. Nicht umsonst ist das Lieblingsschiff vieler Berufs- und Hobbyseefahrer die in Brest stationierte "Abeille Bourbon", der größte und stärkste Hochseerettungsschlepper der Welt. Sie lieben ihre Gewässer, aber kennen auch die Gefahren. In lebhafter Erinnerung sind noch die Ölkatastrophen, die durch die Havarien der "Olympic Bravery", der "Amoco Cadiz" und der "Erika" verursacht wurden. Die Folgen sind zwar weitgehend verschwunden, vergessen aber sind sie nicht. Genauso wenig wie die freiwillige Mithilfe bei der Küstensäuberung durch viele tatkräftige Touristen.

Auch heute leben die Bretonen nach wie vor vom Meer: Zwei Drittel aller großen Fischereihäfen Frankreichs stehen in der Bretagne. Hier wird Küsten- wie Hochseefischerei mit Netz, Langleine oder Reuse betrieben. Häfen wie Saint-Malo und Roscoff unterhalten darüber hinaus Fährverbindungen nach England und auf die Kanalinseln. Exportiert werden landwirtschaftliche wie auch Fischereierzeugnisse. Ansonsten sind Handwerk und Dienstleistung, vor allem der Tourismus, Hauptwirtschaftszweige; nennenswerte Industrie gibt es in der Region nicht. Die französische Marine ist einer der größten Arbeitgeber der Bretagne, vor allem in Brest, wo neben ihren größten Atom-U-Booten auch der überwiegende Teil der Atlantikflotte liegt. Gemessen am nationalen Durchschnitt ist die Arbeitslosenquote eher niedrig.

Die Bretagne besitzt glücklicherweise keins der in Frankreich zahlreichen Atomkraftwerke. In der Energieproduktion tut sich stattdessen einiges im Bereich der erneuerbaren Energien: Da Wind und Wasser mehr als genug zur Verfügung stehen, kommen beinahe täglich neue Windkraftwerke (on- und offshore wie in der Bucht von St-Brieuc) und Anlagen zur Umwandlung der Gezeiten-, Strömungs- und Wellenenergie in Strom hinzu.

Ehrfürchtig-religiöser Respekt vor den Gefahren des Meers trieb die Fischer einst in Scharen in Kirchen und Kapellen. Überhaupt sind die Bretonen ein recht frommes Volk. Seit der Ankunft der Missionare von den Britischen Inseln (5.-6. Jh.) herrscht der katholische Glaube vor, der noch heute allseits präsent ist. Neben unzähligen Kirchen und Kapellen stechen vor allem die umfriedeten Pfarrbezirke hervor, einzigartige Granitgebilde aus Umfassungsmauer, Kirche, Beinhaus, Triumphtor und Kalvarienberg. Lebendiger Ausdruck der Gottesfurcht sind die vielen Pardons, bei denen man lokalen Schutzpatronen huldigt. Mitunter kann dies zur mühsamen Tortur ausarten, denn die längste dieser Prozessionen, die Grande Troménie in Locronan, ist immerhin 12 km lang und wird als Bußgang, also schweigend, unternommen.

Die Bretonen sind Nachfahren der Kelten. Deutlich wird dies vor allem auf den vielen Festen und Festivals. Hier wird Cidre gebechert und zu Musik getanzt, die ein wenig nach Schottland und Irland klingt, teils aber viel älter ist. So wundert sich auch keiner, wenn sich jedes Jahr im August eine Woche lang Musiker aus allen keltischen Ländern in Lorient zusammentun, um mit Bombarde und Biniou Koz (Dudelsack) die Straßen und Plätze zu beschallen. Selbst Punk- und Technobands zaubern immer wieder diese Instrumente hervor.

Bevor sich in der Nacht Träume von König Artus, Merlin, Feen und Wassergeistern einstellen, die alle einst im Wald Brocéliande lebten, treffen am Abend in der Bar ein letztes Mal Tradition und Moderne aufeinander: zum Aperitif einen Kir Breton (Cidre auf Cassis) oder einen Bellini-Cocktail? Zum gemeinsamen Absacken zeigt man sich großzügig und gibt eine Runde aus: Monsieur, bevorzugen Sie alten Lambig, den echten, weil (sic!) bretonischen Calvados? Oder doch lieber (neumodischen) Whisky auf Algenbasis? Spätestens hier verstehen Sie, warum die Bretonen die Gegensätzlichkeiten ihrer Heimat hochhalten: Schließlich nennt sich das Finistère auf Bretonisch Penn ar Bed - der Anfang der Welt! Im Leben ist halt alles eine Frage der Perspektive ...

Praktische Hinweise

Anreise
Auto

Am schnellsten fahren Deutsche, Österreicher und Schweizer über die Hauptstadt Paris in die Bretagne, auf der A 11/A 81 beträgt die Entfernung Paris-Rennes etwa 345 km. Die Autobahnmaut Paris-Rennes in Höhe von rund 28 Euro können Sie sich sparen, wenn Sie ab Paris (Périphérique, Porte d'Auteuil) die N 13/N 12 über Dreux, Alençon und Fougères nehmen. Für Anreisende aus dem Süden lohnt sich ein entspannter Abstecher über Burgund und das Tal der Loire. Hier finden Sie erste Spuren der Bretagne, die einst bis vor die Tore von Angers reichte. Ab Rennes führen Schnellstraßen nach Brest, Lorient, Quimper und Vannes.

Bahn

Alle Wege führen über Paris, wo Sie umsteigen müssen. Von Köln fährt z. B. der Thalys in etwa vier Stunden zur Gare du Nord in der französischen Hauptstadt. Von dort geht alle paar Minuten die Metrolinie 4 (www.ratp.fr | Tickets an Schaltern | 1,70 Euro pro Fahrt) zur Gare Montparnasse, wo die Züge in die Bretagne abfahren. Taxi und Bus sollten Sie meiden, da das Pariser Verkehrschaos ein flottes Vorwärtskommen meist verhindert. Der TGV (Train à Grande Vitesse) fährt u. a. Vannes, Lorient, Quimper, St-Brieuc und Brest direkt an. Nach Quimper z. B. braucht er etwa 4,5 Stunden.

Flugzeug

Auch für den Flieger gilt: Umsteigen in Paris. Dorthin fliegt z. B. TUIfly (Hannover, Stuttgart) oder Air-Berlin (alle deutschen Großflughäfen). Von Paris (Roissy-Charles de Gaulle) wird Brest dreimal täglich angeflogen. Auch Rennes, Quimper, Lorient und Dinard/St-Malo sind tägliche Ziele.

Auskunft
Maison de la France - Französisches Fremdenverkehrsamt

Postfach 100128 | 600815 Frankfurt/Main | de.franceguide.com; Lugeck 1-2/Stg. 1/Top 7 | 1010 Wien | Tel. 01 5032892 | at.franceguide.com; Rennweg 42 | 8021 Zürich | Tel. 044 2174600 | ch-de.franceguide.com

Auto

Das gut ausgebaute Netz bretonischer Schnellstraßen ist mautfrei. Autobahnen im übrigen Land sind mautpflichtig (z. B. Valenciennes-Paris 13,30 Euro). Halten Sie sich unbedingt an die Höchstgeschwindigkeit: Die Polizei kontrolliert auch mit mobilen Blitzern, die Geldbußen sind hoch. Aktuelle Bußgelder finden Sie auf www.coderoute.com/permis/19/infractions-sanctions/56/contraventions.html (derzeit ab 68-1500 Euro).

Auf Autobahnen gelten 130 (bei Regen 110), auf National-/Landstraßen 90 (bei Regen 80), auf vierspurigen Strecken 110 und in Ortschaften 50 km/h. Drogenkonsum vor und während der Fahrt ist natürlich streng verboten, die Promillegrenze liegt bei 0,5. Seit 2012 müssen auch in nichtfranzösischen Autos zwei Alkoholtests mitgeführt werden. Sie bekommen sie in Supermärkten, Apotheken, Tankstellen, Raststätten und Bars. Sie riskieren ein Bußgeld (derzeit 11 Euro), wenn Sie ohne erwischt werden. Insassen haben auf allen Plätzen Anschnallpflicht. Die französische ADAC-Notrufstelle ist erreichbar unter Tel. 0825800822. Hebt keiner ab, wählen Sie Tel. 004989222222.

Banken & Geld

Banken sind meist dienstags bis freitags von 9 bis 12 und 14 bis 16.30 Uhr, samstags von 9 bis 12 Uhr, in Städten mitunter länger offen. Mit EC- und Kreditkarte heben Sie an Geldautomaten rund um die Uhr Bares ab. Achtung: EC-Karten werden selten an Kassen akzeptiert; auch an Tankstellen lohnt vorheriges Fragen!

Camping

Campingplätze entsprechen internationalem Standard. Neben einfachen und kostengünstigen buhlen auch komfortabelste Plätze um die Gunst der Wohnmobil- und Wohnwagenfreunde. Vereinzelt stellen Landgemeinden gegen geringe Gebühren Stellplätze mit Wasser- und/oder Stromanschluss zur Verfügung. Das regionale Fremdenverkehrsamt bietet auf www.tourismebretagne.com die Möglichkeit zum Download einer umfassenden Adressliste, auf der auch Ausstattungen und Preise mehrsprachig beschrieben sind. Sie können sie auch bestellen (Comité Régional de Tourisme de Bretagne | 74, b, rue de Paris | 35069 | Rennes).

Diplomatische Vertretungen
Deutsche Botschaft

13-15, avenue Franklin-D.-Roosevelt | 75008 Paris | Tel. 0153834500 | www.amb-allemagne.fr

Österreichische Botschaft

6, rue Fabert | 75007 Paris | Tel. 0140633063 | www.amb-autriche.fr

Schweizer Botschaft

142, rue de Grenelle | 75007 Paris | Tel. 0149556700 | www.eda.admin.ch/paris

Fähren

Zu den meisten Inseln fahren ganzjährig Fähren, im Juli und August oft mehrmals am Tag. Die Hin- und Rückfahrt nach Ouessant oder Sein kostet 29,90 Euro, nach Belle-Île 25 Euro. Dorthin können Sie ab Quiberon auch Ihren PKW mitnehmen. Die Fährgesellschaften bieten Sondertarife außerhalb des Sommers an.

Gesundheit

Ob privat oder gesetzlich versichert, Arzt und Apotheke müssen Sie bar auslegen (praktischer Arzt ab 23 Euro, Spezialist oft ab 40 Euro). Behandlungs- und Transportkosten werden in der Regel von Ihrer Krankenkasse erstattet. Nicht alle Krankenhäuser nehmen das E-111-Formular an. Eine Apotheke (pharmacie) erkennen Sie am grünen Kreuz.

Gezeiten

Nirgendwo sonst in Europa sind die Gezeitenkräfte so stark wie hier. Der Unterschied der Landschaft bei Ebbe und Flut ist frappierend, vor allem rund um die Tagundnachtgleichen (März und September). Ein Koeffizientensystem gibt die Wasserstandsdifferenz bei Ebbe und Flut an. Bei Werten ab 100 (max. 120) ist sie beträchtlich, bei unter 50 (min. 20) entsprechend niedrig. Die kostenlosen Gezeitenpläne der Coopérative Maritime (www.comptoirdelamer.fr) listen für viele Häfen die täglichen Wasserstände auf. Der extreme Tidenhub beträgt am Mont-St-Michel bis zu 15 m; das Meer zieht sich dort bei Ebbe bis 15 km weit zurück. Meiden Sie unnötige Gefahren: Informieren Sie sich gerade vor dem Baden an Felsküsten über die Gezeiten!

Heidebrände

Selbst wenn es regnet: Vor allem an der Küste trocknen die vorherrschenden West- bzw. Nordwestwinde die heimische niedrige Vegetation mit Farnen, Stechginster und Heidekraut schnell aus. Nur eine unachtsam gerauchte (oder gar aus dem Autofenster geworfene) Zigarette oder eine Glasscherbe reicht aus, einen kompletten Küstenstrich in Flammen aufgehen zu lassen.

Hunde

Sind an Strand- oder Küstenzugängen Verbotsschilder für Hunde aufgestellt, sollten Sie sich unbedingt daran halten. Gerade während der Badesaison dürfen Hunde verständlicherweise oft nicht mit an den Strand. Wo es erlaubt ist, müssen die Tiere angeleint sein und, wenn nötig, einen Maulkorb tragen. Verstöße werden mit empfindlichen Strafen geahndet. Und nutzen Sie an Stränden wie in Städten die Spender für kostenlose Kottütchen!

Internet & Wlan

Das Internet ist in Frankreich weit verbreitet. In vielen Städten bieten Bahnhöfe, Geschäftszentren, die meisten Hotels und Restaurants kostenlose WLAN-Hotspots. Erfragen Sie an der Information oder Rezeption den Zugangscode und surfen Sie gleich los! Apropos: WLAN heißt hier WiFi.

Klima & Reisezeit

Das bretonische Klima ist ozeanisch-mild, große Temperatursprünge sind rar in der Gegend. Im Osten ist der Atlantikeinfluss weniger groß, aber auch hier gibt es kaum Frost oder Tropenhitze. Im Winter fällt das Thermometer eher selten unter 3 Grad, im Sommer klettert es am ehesten im Binnenland mal über 30 Grad. In Brest regnet es im Jahresmittel häufiger (156 Tage) als in Rennes (116 Tage). Sonnenanbeter kommen zwischen Juni und September vor allem ins Morbihan: Die Südküste bietet jährlich weit über 2000 Sonnenstunden, mehr als in manchen südfranzösischen Regionen. Charakteristisch sind West- und Nordweststürme zwischen September und Dezember bzw. Februar und Mai. Dann pilgern Naturfreunde zu den umtosten Landspitzen des Finistère.

Kriminalität

Der Sündenpfuhl Paris ist weit, die Bretagne ist eine - kriminalistisch gesehen - eher ruhige Gegend. Handtaschenraube, Überfälle und ähnliche Delikte stehen hier nicht auf der Tagesordnung. Provozieren sollten Sie potenzielle Diebe aber auch nicht gerade und so wie anderswo auch vor allem im Restaurant, im Hotel und an gut besuchten Stätten Wertgegenstände vor den Augen Dritter verbergen. Im Auto sollten Sie alle Fächer offen lassen und damit zeigen, dass sich ein Einbruch nicht lohnt.

Kurtaxe

Fast überall in der Bretagne wird vor allem im Sommer eine Kurtaxe erhoben (0,50-2 Euro pro Tag).

Notruf

Feuerwehr, Notarzt: Tel. 18 oder Tel. 112 (Europäischer Notruf)

Notdienstapotheke: Tel. 15

Polizei/Gendarmerie: Tel. 17

In Seenot: Tel. 1616 (per Handy)

Post

Standardbriefe (20 g) und Postkarten in die EU und die Schweiz kosten 0,60 Euro, nach Resteuropa 0,77 Euro. Manche Postämter haben mehrere Wurfkästen: Étranger (Ausland) oder Autres Destinations (andere Ziele) sind für Sie die richtigen.

Presse/Medien

In der Maison de la presse, in Papierwaren-, Buch- und Tabakläden gibt es reichlich französische und mitunter auch ausländische Presse. Kino- und Veranstaltungshinweise erscheinen meist mittwochs unter der Rubrik "Loisirs". Hotels bieten zwar oft moderne Flachbild-TV-Geräte, allerdings, wenn überhaupt, nur sehr selten mehr als ein oder zwei deutsche Fernsehsender.

Privatunterkünfte

In vielen Orten gerade an der Küste der Bretagne bieten Privatpersonen Ferienzimmer (Chambres d'hôtes) und -häuser (gîte) als meist kostengünstige Alternative zu Hotelzimmern an. Oft können Sie auf den Websites der lokalen Fremdenverkehrsämter Listen mit Verfügbarkeit und Preisen von Objekten einsehen, die zuvor einer Prüfung unterlagen. Eine nationale - und dennoch private - Institution ist Gîtes de France (lokaler Ableger www.gites-de-france-bretagne.com), die über ein besonders reichhaltiges Angebot an Privatunterkünften verfügt. Bitte beachten Sie, dass vor allem in den Sommermonaten Ferienhäuser und wohnungen nur wochenweise (Samstag bis Samstag) zu mieten sind.

Strom

Üblich sind 220 Volt. Flachstecker passen überall, Schukostecker bedürfen eines Adapters.

Telefon & Handy

Telefonzellen akzeptieren oft nur Télé-cartes (50 oder 120 Einheiten), die Sie bei der Post, in Tankstellen und Tabakläden kaufen können. Zum Telefonieren ins Ausland wählen Sie 00, gefolgt von der Landeskennzahl (Deutschland 49, Österreich 43, Schweiz 41), und dann die Ortsvorwahl ohne 0. Wenn Sie innerhalb Frankreichs telefonieren, hat die zu wählende Rufnummer mit Ausnahme von Sondernummern immer zehn Stellen; es gibt keine Ortsvorwahl. Telefonieren Sie aus dem Ausland nach Frankreich, entfällt nach der Landesvorwahl 0033 jedoch die 0 der folgenden Teilnehmernummer.

Leider belastet auch in Zeiten des zusammenwachsenden Europas das Roaming erheblich die Handyrechnung, wenn man von unterwegs nach Hause telefonieren möchte oder sich von dort anrufen lässt. Billiger ist es, mit einer Prepaidkarte, z. B. von Kertel (bei Post, Tabakwarenhändlern oder in Supermarktgalerien | 7,50 oder 15 Euro) zu telefonieren. Sie ist ab der ersten Benutzung sechs Monate gültig und auch in Telefonzellen oder von Festnetztelefonen aus nutzbar. Auch in den großen Supermarktketten wie E. Leclerc, Carrefour oder Géant gibt es preisgünstige Prepaidkarten für die Handynutzung.

Trinkgeld

In Taxis und Restaurants sind Trinkgelder gern gesehen, je nach Zufriedenheit mit dem Service und der Höhe der Rechnung sollten Sie etwa 5-10 Prozent draufschlagen. Frankreichs Ober rechnen bei Gruppen meist pro Tisch ab, nicht pro Person; teilen Sie die Rechnung einfach durch die Personenanzahl, dann wirkt das Herumhantieren mit Beträgen nicht kleinlich! Waren Portier und Zimmermädchen in Ihrem Hotel besonders hilfsbereit, geben Sie ebenfalls ein kleines Trinkgeld (pourboire).

Gute Reiseleiter beziehungsweise Stadtführer dürfen sich für inhaltlich und sprachlich gute Leistungen ebenfalls über eine kleine Aufmerksamkeit freuen.

Unterkunft

Die Bretagne verfügt an der Küste und auch im Hinterland über ein ganzjähriges Unterkunftsangebot jeder Preiskategorie: Privatzimmer, Familienpensionen und Hotels bis Viersterneniveau (aber: Viele Häuser haben noch französische Standardbettmaße von 1,40 × 1,90 m). Seit dem Jahrhundertsommer 2003 haben viele Südfrankreichfreunde auf die Bretagne umgesattelt, da hier fühlbar angenehmere Temperaturen herrschen. Zeitige Unterkunftsbuchung, für die Hochsaison im Juli und August mindestens sechs Monate vorher, ist daher empfehlenswert. Es ist üblich, dass Ferienzimmer und -wohnungen im Sommer nur wochenweise (meist von Samstag bis Samstag) zu mieten sind. Angebote für Ferienwohnungen finden Sie zum Beispiel auf www.gites-de-france-bretagne.com. Möchten Sie Ferien auf dem Bauernhof machen, ist www.bretagnealaferme.com die richtige Adresse. Noblere Unterkünfte, die entsprechend teurer sind, können Sie sich auf den Seiten www.relaischateaux.com oder www.bienvenue-au-chateau.com ansehen.

Wohnmobile

In der Bretagne sind Wohnmobilisten meist gern gesehen. Während der Sommermonate ist das Campieren mit solchen Fahrzeugen jedoch nicht überall und jederzeit erlaubt. Quadratische, blaue Schilder mit darauf abgebildetem Wohnmobil weisen erlaubte, zumeist städtische Plätze aus. Oft finden sich hier auch legale Ablass- oder Wasseraufnahmestellen. Mitunter geben Zusatzschilder Auskunft über Anmeldung oder über eventuell anfallende Gebühren. Außerhalb des Sommers toleriert man das Übernachten im Wohnmobil auch an der Küste - vorausgesetzt, dass Sie die Aussicht der Anwohner nicht behindern und sich dezent verhalten.

Zoll

Durch die gefallenen Zollschranken dürfen Urlauber innerhalb der Europäischen Union Waren, die für den privaten Gebrauch bestimmt sind, frei ein- und ausführen. Obergrenzen sind unter anderem 800 Zigaretten, 200 Zigarren, 1 kg Rauchtabak, 90 l Wein, 10 l Spirituosen. Für die Schweiz gelten erheblich niedrigere Freigrenzen. Nähere Informationen finden Sie unter www.zoll.de.

Was kostet wie viel?

Kaffee

Ab 1,50 Euro für einen petit crème

Austern

Ca. 6,50 Euro für ein Dutzend Felsenaustern, Größe 2

Cidre

Ab 2 Euro für eine Schale

Brot

Ab 0,90 Euro für ein Baguette

Badesalz

Etwa 15 Euro für 500 g mit Algenextrakten

Kleidung

Ab 40 Euro für ein Marinière

Events, Feste & mehr

Offizielle Feiertage
1. Jan.

Nouvel An, Neujahr

März/April

Ostermontag (Lundi de Pâques)

1. Mai

Fête du Travail, Tag der Arbeit

8. Mai

Fin de la Guerre en Europe, Ende des Zweiten Weltkriegs

Mai

Christi Himmelfahrt (Ascension)

14. Juli

Fête Nationale, Nationalfeiertag

15. Aug.

Assomption, Mariä Himmelfahrt

1. Nov.

Toussaint, Allerheiligen

11. Nov.

Armistice, Ende des Ersten Weltkriegs

25. Dez.

Noël, Weihnachten

Feste & Veranstaltungen
Juni

Jammen Sie mit, wenn zur Fête de la Musique (21. Juni) landesweit kostenlose Straßen- und Kneipenkonzerte stattfinden!

Juli

Bretonische Folklore gibt es in Quimper von Mitte-Ende Juli beim Festival de Cornouaille (www.festival-cornouaille.com) und von Juli-Sept. donnerstagabends im Bischofsgarten bei den Jeudis de l'Evêché.

Am dritten bzw. vierten Juliwochenende bevölkern auf Mittelalterfesten Prinzessinnen, Ritter und Gaukler die Straßen von Dinan (nur bei gerader Jahreszahl) und Hennebont.

Deep Purple, REM, Iggy Pop, Patti Smith, James Brown, Tricky u. a. waren schon bei den Mitte Juli stattfindenden Vieilles Charrues in Carhaix zu Gast (www.vieillescharrues.asso.fr).

Jazzfreunde pilgern Mitte-Ende Juli zum Festival in Vannes.

Während der Tombées de la Nuit Ende Juli ist Rennes' Altstadt eine riesige Freilichtbühne mit Theater- und Musikspektakeln (www.lestombeesdelanuit.com).

Schöne Pardons gibt es im Juli in Ste-Anne-d'Auray (26. Juli) und in Le Vieux Marché, Siebenschläferkapelle: islamisch-christlicher Pardon (4. Julisonntag)

August

Weltmusik bietet das drei Tage dauernde Festival du Bout du Monde in Crozon zu Beginn des Monats.

Das zehntägige Festival Interceltique in Lorient ist Frankreichs größtes Kulturfestival und der Treffpunkt für Liebhaber keltischer Folklore und Musik aus aller Welt (www.festival-interceltique.com).

Im Hafen von Brest rocken donnerstagabends bei den Jeudis du Port umsonst teils illustre Namen der französischen und internationalen Musikszene.

Hortensienfest in Perros-Guirec am zweiten Augustwochenende

Im August empfehlen sich die Pardons von Porcaro, Marienmesse (15. Aug.) für Tausende Biker - danach wird abgerockt (madonedesmotards.com) -, und Ste-Anne-la-Palud (letztes Augustwochenende)

November

Die typisch bretonischen fest-noz sind keine geschlossenen Veranstaltungen für Altvordere. Einer der Beweise: das mehrtägige Festival Yaouank ("Jung") in Rennes. Verdiente Größen und junge Talente traditioneller und moderner Musik der Bretagne treffen in Sälen und Kneipen aufeinander. Veranstaltungsorte und Programm auf www.yaouank.com

Dezember

Marilyn Manson, die Fugees, die Beastie Boys und Kraftwerk spielten schon auf den dreitägigen Transmusicales Anfang Dezember in Rennes, wo sich auch Newcomer vorstellen (www.lestrans.com).

Im Trend

Romanvorlage
Literaturcafés

Bécherel ist die Stadt der Bücher und die Heimat eines schönen Trends: In dem Ort locken Cafés mit vollen Bücherregalen, Kulturprogramm und kleinen Speisen Leseratten an. Im La Vache qui lit (Cartier Richard, 2, place de la Croix) schmecken Biocidre und Galette zum Buch. Im La Porte St-Michel (1, porte St-Michel) macht man es sich vor dem Kamin mit einem Schmöker bequem, aus dem liebevoll eingerichteten Salon de Thé - Librairie Gwrizienn (3, rue de la Chanvrerie) will man gar nicht mehr weg.

Zeitgenössisch
Kunst

Bei Patrick Gaultier (14, rue du Parc, Quimper) gibt es Kunst zum Draufsitzen. Die Galerie bietet nicht nur zeitgenössische Gemälde an, sondern auch cooles Interieurdesign. Die Ausstellungen des L'Art dans les Chapelles fallen aus dem Rahmen. Einmal pro Jahr wird Zeitgenössisches in alten Kirchen gezeigt. Den Rest des Jahres kann man einen Teil der Arbeiten in Pluméliau sehen (Chapelle St-Nicodème, www.artchapelles.com). Noch mehr Zeitgenössisches gibt es bei Art & Essai (Place du Recteur Henri Le Moal, Rennes).

Durchgestylt
Kulinarik

Geschirr, Licht und natürlich die Speisen. Die Restaurants legen sich für das Gesamtbild ins Zeug. So wie das Les Filets Bleus (Pointe de Séhar, Locquémeau), wo sowohl die Essensarrangements als auch der Ausblick Hingucker sind. Kunstvoll kombiniert wird im L'Atelier des Gourmets (12, rue Nantaise, Rennes). Wie wäre es mit Lammconfit mit Maracujatrüffel? Hauchdünne Teeschalen und beste Japanküche gibt es im Le Fuji (4, rue Derval, Rennes).

Verrückte Träume
Übernachten

Frankreich macht sich langsam einen Namen als Land der ungewöhnlichen Übernachtungsmöglichkeiten. In der Bretagne können Sie in wunderschönen Retrowohnwagen aus den 1930er-Jahren schlafen (Domaine du Roc, 56, Le Roc Saint-André, www.domaine-du-roc.com) oder in einem Baumhaus mit Blick auf die Dünen (Camping Yelloh Village la Plage, 241, Hent Maner ar Ster, Penmarch, www.villagelaplage.com). Wer Land und Leute wirklich kennenlernen will, für den ist Camping in Privatgärten genau das richtige. Professionell organisiert wird das durch www.campinmygarden.com. Wie wäre es mit einem Zeltplatz direkt am Fluss Aulne? Paul Peggs (paulpeggs@hotmail.com) bietet genau diesen Privatcampingplatz nahe Landeleau an.

Arbeit und Vergnügen
Mit Anpacken

Immer mehr Urlauber wollen die Bretagne nicht nur als Tourist kennenlernen, sie wollen richtig eintauchen in das Land. Diesen Trend haben auch die Tourismusbüros erkannt und bieten echte Erlebnisse an. So können Sie einen Tag mit einem bretonischen Fischer verbringen - von der Ausfahrt im Morgengrauen bis zur Lieferung an den Markt. Wem Fisch nicht liegt, der schließt sich einem Seetangfischer an (Buchung und Informationen unter www.bretagne-reisen.de). An altrömischen Ausgrabungen teilnehmen oder eine Kapelle restaurieren? Ein Festival organisieren oder nachhaltige Gebäude errichten? In der Bretagne gibt es zahlreiche Möglichkeiten sich zu engagieren und dabei etwas über Land und Leute zu erfahren (www.chantierbenevolebretagne.org).

Bloss nicht

Austern falsch schlürfen

Noch schlimmer als das Verbreiten wilder Legenden über die Austern ist, sie falsch zu schlürfen. Für die Felsenauster etwa gilt: Halten Sie die beiden einzelnen Hälften der frisch geöffneten Auster leicht schräg so aneinander, dass das Salzwasser ablaufen kann. Dann schaben Sie mit dem Scharnier der flachen Hälfte in der - waagerecht gehaltenen - tiefen Hälfte das Fleisch vom Strunk ab und schieben es vorsichtig an die vordere Schalenrundung. Nun halten Sie die Hälften noch einmal gegeneinander, sodass wieder Salzwasser abläuft. Anschließend schlürfen Sie das Fleisch direkt aus der Schale; belassen Sie es einen Moment zwischen Gaumen und Zunge, genießen den nussartigen Charakter. Zitrone und Weißwein sind tabu, Austern sollen schließlich nach Austern schmecken …

Frühstücksbüfetts zweckentfremden

Es gilt in Frankreich (und damit natürlich auch in der Bretagne) keineswegs als Kavaliersdelikt, sondern ist strafbar, wenn Besucher das reichhaltige Frühstücksbüfett dazu nutzen, sich für den Tag mit Nahrung einzudecken und mit durch Brotscheiben, Äpfel oder gar Kuchen ausgebeulten Manteltaschen oder Rucksäcken aus dem Hotel zu schleichen. Außerdem empfindet man es als überaus befremdlich und respektlos, wenn Hotelgäste mit turmhoch bestapelten Tellern das halbe Büfett leeren.

Im Restaurant in Fettnäpfe treten

Sie erleichtern sich das Auswärtsessen ungemein, wenn Sie in bretonischen Restaurants ein paar Regeln beachten: Kleben Sie nicht schon vor der offiziellen Öffnungszeit an der Lokaltür. Warten Sie, bis man Ihnen einen Tisch zuweist. Rügen Sie keinesfalls Kellner für mangelnde Fremdsprachenkenntnisse oder nicht in Deutsch ausgezeichnete Speisekarten. Bleiben Sie geduldig und entspannt, wenn es - gerade bei frisch zubereiteten Speisen oder einem vollbesetzten Lokal - mal etwas länger mit dem Auftischen oder dem Zahlvorgang dauert. Und: Würdigen Sie freundliche und kompetente Dienste mit einem angemessenen Trinkgeld.

Gezeiten und Winde unterschätzen

Wandern in Gezeitenzonen, vor allem der Bucht vom Mont-St-Michel, kann brenzlig werden, wenn Sie jäh im Treibsand feststecken. Sie sinken zwar kaum bis über den Nabel ein, wenn aber die Flut bereits heranspült, kann es lebensgefährlich werden. Geführte Wattwanderungen sind unbedingt zu empfehlen! Die windige Küste mit ihren steilen Kaps und den manns- bis haushohen Wellen ist besonders reizvoll - aber auch enorm gefährlich! Wer bei Windstärken ab 7 mit der Kamera vor Augen allzu nah an Felskanten über 70 m hohen Steilwänden geht, um Topmotive ins Visier zu bekommen, der darf sich nicht wundern, wenn er plötzlich Flugaufnahmen macht.

Stichworte

Algen

Seit Urzeiten verbrennt man in der Bretagne getrocknete Algen: Die Asche ist unentbehrlich in der Wundbehandlung. Küstenbretonen heizten ihre Häuser mit Algenfladen - Holz wurde für den Schiffbau gebraucht.

Heute rupfen Fischer Algen mit dem rotierenden Propellerkran Scoubidou aus dem Wasser. Sie werden vor Ort zu Alginaten für Medizin, Naturheilkunde und Lebensmittel. Der Kelp, eine bis zu 30 m lange Braunalge, findet sich z. B. als Zutat in Gummibärchen.

Durch die Überdüngung mit Schweinegülle auftretende Algenblüten ließen seit 2008 an den Stränden der Côtes-d'Armor durch Einatmen von in der Sonne ausdünstenden Schwefelwasserstoffen Hunde, ein Pferd, 42 Wildschweine und einen Algentransporteur ersticken.

Anne de Bretagne

Was den Franzosen die Marianne, ist den Bretonen ihre Anne: omnipräsente Nationalpatronin und stolzes Symbol der (früheren) Unabhängigkeit. Nach dem Tod des Vaters wird das gebildete Mädchen 1488 im Alter von elf Jahren Herzogin der Bretagne. 1491 vermählt sie sich in Langeais mit dem französischen König Karl VIII. Schlau lässt sie im Ehevertrag ihren Status als souveränes Oberhaupt aller Bretonen festschreiben. Früh und ohne Nachkommen stirbt Karl bei einem Unfall. Da Königinnen in Frankreich nie allein regieren durften, heiratet Anne 1499 kurzerhand in ihrem Schloss in Nantes den Thronfolger Ludwig XII. Und wieder ist der Ehevertrag an die Autonomie der Bretagne gebunden. 1514 stirbt Anne 37-jährig; sie gebar elf Kinder, nur zwei wurden älter als drei Jahre. Ihr Grabmonument ziert die Königskathedrale St-Denis in Paris. Erst 18 Jahre später gelingt es 1532 König Franz I., Gemahl ihrer Tochter Claudia, bei einer Ständeversammlung in Vannes die Heilige Union der Bretagne mit Frankreich zu proklamieren. Geblieben sind viele Vorteile, die Anne ihrem Volk von ihren Königsgatten herausschinden konnte, z. B. die Mautfreiheit auf bretonischen Straßen. Im Andenken an ihre Eltern ließ sie ein herrliches Renaissancegrabmal aus weißem und schwarzem Marmor in der Kathedrale von Nantes erbauen.

Asterix und Obelix

Der pfiffige kleine Schnauzbartträger und sein superstarker, liebenswert-tumber Kumpan erblickten 1959 in dem Magazin "Pilote" das Licht der Welt. Humorvoll und bauernschlau erleben sie seitdem haarsträubende Abenteuer und behaupten sich derb raufend gegen strohdumme römische Legionäre. Markenzeichen der Comics sind durchweg gut recherchierte historische Hintergründe, sodass sie auch als flotte Geschichtslektüre durchgehen. Heute produziert Zeichner Uderzo die Hefte mit der Tochter von Texter René Goscinny, der 1977 bei einer Herzuntersuchung einen tödlichen Herzinfarkt erlitt. Das Dorf der unbeugsamen Helden suchen Sie in der Bretagne allerdings vergebens, der Parc Asterix befindet sich ausgerechnet vor den Toren Lutetias (Paris).

Wer aber auf der ersten Seite eines jeden Bands durch die Lupe schaut, stellt unschwer fest, dass sich das Dörfchen sehr wohl in der Bretagne befinden muss, etwa auf der Höhe von Lannion in den Côtes d'Armor - die Römer nannten die Provinz, abgeleitet vom bretonischen Ar Mor (das Meer) Armorika, Land am Meer. Das passt wunderbar, denn die Volksseele der als renitent verschrienen Bretonen, die sich bis heute nicht wirklich mit der Angliederung an Frankreich abgefunden haben, entspricht verdächtig jener aufmüpfigen Art der beiden Comic-Heroen gegenüber den römischen Besatzern.

Bauern- und Fischerkaten

Ein typisch bretonisches Bauern- oder Fischerhaus? Zwei Kamine, ein Raum, null Garten, Granit. Die niedrige Kate hat oft keinen Außenstall, sodass der Bauer im Winter von der Körperwärme seiner Rinder oder Pferde profitierte, die im selben Haus schliefen. Brennmaterial war teuer: An der stürmischen Küste verfeuerte man getrocknete Algen oder Rinderdung im Westkamin, in dem am meisten Zug und damit die Heizung ist. Der Ostkamin ist die Kochstelle und dazwischen standen Möbel als Raumteiler. Ein Fischerhaus sieht ähnlich aus, hat aber eine Giebelluke, durch die zum Schutz vor Stürmen an manchen Tagen der Mast des Segelboots ins Haus gestellt wurde. Gärten hatten die Bauern zu dieser Zeit (15.-18. Jh.) nicht, Arbeit zählte damals mehr als Erbauung und Muße. Zwischen den 1930er- und 1950er-Jahren bauten viele Bauern des Finistère immense Residenzen, Maisons de Patates, die durch die hohen Erlöse aus dem Kartoffelanbau finanziert wurden.

Dudelsack, Bombarde und Co.

Die Bretagne ist ein keltisches Land, ähnlich wie Irland, Schottland und Galicien. Rothaarige Raufbolde suchen Sie hier jedoch vergeblich. Überbleibsel jener im 6. Jh. wegchristianisierten Kultur ist u. a. die lokale, überaus aktive keltische Musiktradition. Bei ihrem Zug durch den Orient haben die Vorläufer der Keltenvölker musikalische Einflüsse mitgebracht. Nicht umsonst klingt keltische Musik irgendwie orientalisch.

Auch die keltischen Instrumente stammen in ihrer ursprünglichen Form aus dem Vorderen und Mittleren Orient: Die in der Bretagne seit Jahrhunderten heimisch gewordene, einer Oboe mit weitem Schalltrichter ähnelnde Bombarde findet sich als Zurna in der Türkei und ihren östlichen Nachbarländern. Der bretonische Dudelsack, mit einer Sackpfeife kleiner, aber viel höher gestimmt als sein schottischer Cousin, begegnet einem in beinahe gleicher Form in Ägypten. Auch die Rhythmen ähneln denen der orientalischen Musik. Bei den Tänzen schließlich ist die Verwandtschaft besonders frappierend: Bei den bretonischen Rundtänzen, zu denen die Tänzer sich an den Fingern aneinanderhaken, fühlt man sich unweigerlich an die Tänze zwischen Bosporus und Hindukusch erinnert.

Fachwerkhäuser

Holzhäuser sind im Land am Meer Mangelware. In den wehrmauerumstellten Städten der mittelalterlichen Bretagne, in denen die Feuerwehren nur kleine Mengen Löschwasser durch die engen Gässchen transportieren konnten, waren Fachwerkhäuser mit Holzständerwerk und Strohlehmfeldern fatal: Ein brennendes Holzhaus steckte schnell die ganze Umgebung an, so dass es immer wieder zu verheerenden Großbränden kam - etwa 1720 in Rennes oder 1661 in Saint-Malo. Dort gingen von 350 Holzhäusern 286 in Flammen auf. Nur in Rennes, Dinan, Quimper und Vannes haben sich noch einige Fachwerkhäuser erhalten - die meisten aus dem 15. bis 17. Jh. Danach baute man in der Bretagne eh aus Granit: Man konnte es sich leisten und vor allem war dieses Baumaterial feuerfest.

Fauna

Während im Binnenland Rot- und Schwarzwild, Fuchs, Dachs und Nager leben, besteht an der Küste mit Großem Kormoran, Trottellumme, Tordalk, Papageitaucher, Eissturmvogel und den allgegenwärtigen Möwenscharen (Mantel-, Silber-, Dreizehen- und Lachmöwe) eine einzigartige Seevogelvielfalt. Mit sehr viel Glück können Sie die zuweilen gar mit Delphinen gemeinsam veranstaltete Sardinen- und Makrelenjagd des Basstölpels erleben, bei der sich der Seevogel aus großer Höhe ins Wasser stürzt. Delphine und Tümmler jagen bei Flut oft nahe der Küste. Grind- und Finnwale sehen Sie manchmal bei Bootstouren. Im Frühjahr ziehen die weltgrößten Fische, die bis zu 15 m langen, aber völlig friedlichen Walhaie, am Finistère vorbei in Richtung Norden.

Flora

Viele alte Wälder wurden einst dem Schiffbau geopfert und wegen des rauen Küstenklimas nicht wieder aufgeforstet. Heute schützen einige Naturschutzgebiete und -parks die verbleibenden Waldgebiete. An geschützten Stellen der Küste gedeihen Heidepflanzen, die den Salzwinden trotzen, z. B. auf der Halbinsel Crozon. Im Morbihan wachsen mediterrane Pinien, Palmen, Orchideen und Mimosen. Die üppig blühende Bauernhortensie ist die Lieblingsblume der Bretonen, zu deren Ehren sogar Volksfeste (Perros-Guirec) stattfinden.

Gouren

Das Ziel beim uralten bretonischen Ringkampf, gouren, ist, den Gegner auf die Schultern zu werfen, wobei nur am Hemd, roched, gepackt werden darf. Die Beine dürfen die des Gegners umschlingen, aber dieser darf weder verbal noch durch Schläge oder Würgegriffe attackiert werden. Auf Bretonisch schwören die Rivalen vorab ehrenhaft faires Kämpfen. Kurse und Turniere, auch für Urlauber, finden auf großen Festivals (z. B. Lorient, Carhaix) statt, Infos dazu in der Tagespresse und auf www.gouren.com.

Korsaren

Der Begriff course bezeichnet einen per Kaperbrief des Herzogs oder Königs legitimierten Raubzug gegen Schiffe und Häfen von Kriegsfeinden, meist der Engländer und Holländer. Konnte ein Räuber auf See keinen Kaperbrief vorweisen, galt er als Pirat. Der Erfolg der Korsaren war immens: Mit kleinen und wendigen Schiffen erbeuteten sie große feindliche Handelsschiffe und schwammen im Reichtum. Viele wollten aber auch den Ruhm und nahmen daher bald feindliche Kriegsschiffe aufs Korn. Das freute Paris, das gegnerische Flottenverbände mitunter erheblich dezimiert sah und dafür nicht einen Heller investieren musste. Besonders erfolgreich im Korsarenkrieg (Höhepunkt Ende des 17. bis Anfang des 19. Jhs.) waren die aus St-Malo stammenden Duguay-Trouin und Surcouf. Der Kaperbrief wurde 1856 auf einem Pariser Kongress abgeschafft.

Leuchttürme

Die Küste der Bretagne gilt als eine der gefährlichsten der Welt. Früher befestigte man in vielen Küstenorten Laternen an eng angepflockten Kühen und trieb so unerfahrene Kapitäne bei Nebel in die Irre - und deren Schiffe auf die Klippen. Das Strandrecht ließ dann die Ladung eilig ihren Besitzer wechseln. Heute gibt es hier eine der höchsten Leuchtturmdichten der Welt. Viele Türme wurden kühn an Gefahrenstellen weit draußen im Meer errichtet (an Ar Men vor der Insel Sein baute man 14 Jahre) und mit dem 1823 von Augustin Fresnel erdachten Linsensystem versehen. Sie sind meist automatisiert, was Seeleute wenig verzückt: Bisher gaben die Leuchtturmwärter per Funk Infos über Dünung, Wind, Schiffsverkehr und besondere Gefahren. Auf Ouessant steht der stärkste Leuchtturm der Welt (500 Mio. Candela Leuchtstärke, 63 km Reichweite) und auf der kleinen Île Vierge Europas höchster (gleichzeitig höchster Steinleuchtturm der Welt).

Loire-Atlantique

Historisch gesehen ist das Departement, das zunächst Loire-Inférieure hieß, Herz und Machtzentrale der früher unabhängigen Bretagne. In der alten Hauptstadt Nantes steht noch heute das Herzogschloss. Bretonische Separatisten hatten die Gunst der Stunde im Zweiten Weltkrieg zu nutzen versucht und wollten im Falle der Befreiung Frankreichs von den Deutschen auch gleichzeitig die bretonische von Frankreich durchsetzen. Nazideutschland witterte eine Chance, Frankreich durch inneren Zerfall entscheidend zu schwächen und unterstützte die Unabhängigkeitsbewegung der Bretonen. 1941 wurde nach einem Dekret des Vichy-Regimes das Departement, Hauptsitz der Unabhängigkeitskämpfer, in die eigens erschaffene Region Pays de la Loire ausgegliedert und nach Kriegsende administrativ bestätigt.

Pardons

Die erzkatholische Bretagne zählt so viele (Volks-)Heilige wie das Jahr Tage. Auf Pardons werden sie gebührend gefeiert. Bei diesen Prozessionen wird der oder die Heilige (oft die hl. Anna, die laut Legende aus dem Finistère stammt) als Figur oder Banner vorangetragen, gefolgt vom Tross der Gläubigen. Das sind mitunter Tausende, wie in Locronan oder Ste-Anne-la-Palud. Bei den jahrhundertealten Wallfahrten wird häufig noch Tracht getragen, gesungen und hinterher meist zünftig gefeiert.

Schlösser & Burgen

Zweifellos stehen die bekanntesten Châteaux Frankreichs an der Loire und in Versailles. Aber auch die Bretagne wartet mit einer Unzahl trutziger Burgen auf. Den Begehrlichkeiten der französischen Krone hielt man bis zum 16. Jh. mit vielen Grenzfesten stand, zum Beispiel in Combourg, Vitré, Châteaubriand und Fougères (größte mittelalterliche Festungsanlage Europas). Älter sind die Küstenburgen, die vor Attacken der Wikinger und Engländer schützten. Reine Landsitze sind die imposanten Malouinières der Korsaren und Reeder im Hinterland von St-Malo oder die schönen Herrenhäuser des Finistère.

Vauban

"Eine von Vauban befestigte ist eine gerettete, eine von Vauban angegriffene eine verlorene Stadt." Sébastien Le Prestre Marquis de Vauban (1633-1707) war eine der einflussreichsten Persönlichkeiten des französischen Königreichs, dem er 53 Jahre diente. Das Multitalent (General, Marschall, Festungsbaumeister, Schriftsteller, Philosoph, Politiker) genoss eine enge Beziehung zu Ludwig XIV., der ihm blind vertraute. Der Sohn aus bescheidenem burgundischem Landadel erbaute oder modifizierte 160 Festungsanlagen, allein in der Bretagne 28 (u. a. in Camaret, Brest, Concarneau, St-Malo). Sogar Stadtgründungen gehen auf sein Konto (z. B. Saarlouis).

Bücher & Filme

Islandfischer

Mit dem Roman setzte Pierre Loti Anfang des 20. Jhs. mutigen Kabeljaufischern ein literarisches Denkmal. Die Saga um Liebe und Meer lässt Sie das Haus der Heldin Gaud in Paimpol und das "Witwenkreuz" mit anderen Augen sehen. Bewegend!

Bretonische Küche zum Verlieben

Mit Rezepten von Sternekoch Jacques Thorel aus St-Nazaire dürfen Sie authentische Genüsse seiner Bretagne nachkochen. Nur: Der Meister liefert die Zutaten nicht gleich mit; frischer Meeraal, Seeteufel oder Camus-Artischocke sind kaum zu ersetzen

Das Meer - für Kinder erzählt

Kindern stellt Marinefotograf Philip Plisson mit hochklassigen Fotos diverse Aspekte des Meers wie Seenotrettung, Leuchtturm oder Fischerei vor

Die Frau des Leuchtturmwärters

Regisseur Philippe Liorets Hommage (2004) an Freundschaft und Liebe. Auf der wilden Insel Ouessant und dem Meeresleuchtturm La Jument erfasst Mabé (Sandrine Bonnaire) zögernd, aber unaufhaltsam eine amour fou zu Antoine

Dolmen - Sakrileg der Steine

Selten so gelacht: Der Mysterythriller (2005) um die Polizistin Marie (die betörende Ingrid Chauvin), die auf ihrer Heimatinsel den Mord am eigenen Bruder aufklären will und dabei auf ein tödliches Geheimnis der Insulaner stößt, ist herrlich abstrus. Bretagnekenner, die die Story (hoffentlich) nicht zu ernst nehmen, versuchen zu erraten, wo die Serie gedreht wurde. Ein kleiner Tipp: Der Hafenort liegt auf einer "schönen" Insel

Fakten

Einwohner
3.318.904
Fläche
27.208 km²
Strom
230 V, 50 Hz
Hauptstadt
Rennes
Reisepass / Visum
nicht notwendig
Ortszeit
11:38 Uhr
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