
Reiseführer Sauerland

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Die grüne Lunge an der Grenze zum Kohlenpott: Das Sauerland präsentiert sich als wahres Erholungsparadies – wald- und wasserreich und arm an hektischer Betriebsamkeit. Die ländlichen Gegenden zwischen Ruhr und Lenne schmücken malerische Fachwerkdörfer, in denen die Zeit bisweilen stillzustehen scheint. Selbst in den größeren Städten pulsiert das Leben zumeist unterhalb der Belastungsgrenze. Was sich allerdings ändert, sobald es was zu feiern gibt – und das kommt häufig vor. Dann wirkt die Sauerländer Lebenslust mächtig ansteckend, auch dank einer imposanten Brauereidichte.
Sanft geschwungene Berge, deren Hänge und Kuppen dicht bewaldet sind, große Seen, liebliche Flusstäler und karg-schöne Hochheiden – das Sauerland zeigt sich landschaftlich abwechslungsreich. Kein Wunder: Die Region bedecken beinahe komplett die fünf großen Naturparks Arnsberger Wald, Diemelsee, Ebbegebirge, Homert und Rothaargebirge. Das üppige Grün sprenkeln malerische Dörfer mit viel Fachwerk; Großstädte suchen Sie hier vergebens. Iserlohn, die größte Stadt, zählt nicht einmal 100 000 Einwohner. Dementsprechend still ist es im Sauerland, Erholungsuchende sind hier zügig „ausgestiegen“.
Geschichte
Ab 800 v. Chr.
Das erste Eisenerz wird in der Region geschürft
Um 0
Römische Verbände errichten bei Rüthen ein Militärlager
7. Jh.
Die Sachsen dringen nach Westfalen vor
772
Karl der Große erobert Marsberg und unterwirft später die Sachsen
8./9. Jh.
Die ersten Klöster und Pfarreien entstehen
1618–1648
Der Dreißigjährige Krieg wütet auch im Sauerland
18. Jh.
Vorindustrielle Blütezeit
1815
Das Herzogtum Westfalen und die Grafschaft Mark werden preußisch
1849
Iserlohner Aufstand gegen die preußische Obrigkeit
1939–1945
In der Region entstehen Lager für Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter
1969–1975
Viele kleine Gemeinden werden zu großen zusammengefasst
2010
Hemer richtet die NRW-Landesgartenschau aus
Das Dach der Region liegt im Osten: das Hochsauerland. Der mit 843 m höchste Berg, der Langenberg an der Grenze zu Hessen, ist gleichzeitig der höchste Gipfel in ganz Nordrhein-Westfalen. In der Nähe entspringen die Ruhr und die Lenne, die bedeutendsten Flüsse der Region. Während sich die Ruhr zunächst nach Norden wendet, dreht die Lenne nach Süden ab, bevor beide das Sauerland in westlicher Richtung wie zwei Lebensadern durchströmen und sich kurz hinter Iserlohn vereinen.
Das ländliche Idyll, das Sie entlang der Flussufer vielfach noch bis heute finden, hat dem Sauerland in der Vergangenheit aber auch manchen Stempel verpasst: provinziell, bäuerlich – nicht selten wähnte man seine Bewohner noch hinter dem Mond. Dazu kommt dieser Name: Sauerland. Es gäbe charmantere Bezeichnungen, um in der Welt Werbung für sich zu machen.
Böse Zungen leiten den Namen von einem Ausspruch Karls des Großen ab, der sich hier im letzten Drittel des 8. Jhs. auf den Feldzügen gegen die Sachsen abmühte. Nachdem er das zähe Volk schließlich niedergerungen hatte, soll er den für ihn nicht gerade mit süßen Verlockungen gespickten Landstrich als „ein sauer Land“ bezeichnet haben. Tatsächlich stammt der Begriff aber von der mittelalterlichen Bezeichnung Suderland – südliches Land – ab. Bis ins 19. Jh. nannte jedoch kaum jemand die Region so, vorherrschend waren die Namen lokaler Verwaltungsbezirke.
Stark auf die regionale Integration hat Friedrich Wilhelm Grimme (1827–1887) gewirkt, der „Sauerlanddichter“. Der begeisterte Wanderer bezeichnete die südwestfälische Region als Surland und schuf mit seinen teilweise in der lokalen Mundart verfassten Dichtungen regionale Identifikationsmuster. Leidenschaftlich schrieb er über die Schönheit seiner Heimat, und bis heute wandeln seine Landsleute und deren Gäste auf seinen Spuren: Das Wandern ist im Sauerland Volkssport Nummer eins. Die Künstler der Gegenwart müssen weder das Wandern noch das Selbstbewusstsein der Sauerländer fördern. Beides wird mittlerweile reichlich gepflegt. Grimmes Erben zeichnen sich vielmehr durch Selbstironie aus. Schon 1983 sang die Iserlohner Band „Zoff“ in dem Song „Sauerland“: „Sauerland, mein Herz schlägt für das Sauerland/Begrabt mich mal am Lennestrand/Wo die Misthaufen qualmen/Da gibts keine Palmen/Sauerland, mein Herz schlägt für das Sauerland/Vergrabt mein Herz im Lennesand/Wo die Mädchen noch wilder als die Kühe sind.“
Auch der Zeichner Willy Zeyen brachte unlängst zwei Sauerlandcomics heraus, die das Volk zwischen Ruhr und Lenne gehörig auf die Schippe nehmen. Es spricht sehr für die Menschen in der Region und ihren gesunden Humor, dass die Comics richtig gut ankommen und der „Zoff“-Song längst Kult ist. Genauso übrigens wie die T-Shirts, die der Designer Daniel Köhne aus Meschede gestaltet und im Internet unter www.sauerlandstyle.de verkauft. Auf der Brust stehen so Sachen wie „Evolution Sauerland“, darüber jene berühmte Reihe vom Affen bis hin zum Homo sapiens. Als letztes Glied in der Kette folgt dann aber noch ein Mann auf einem Traktor ...
Während humoristisch weitgehend Einigkeit besteht, gilt das keinesfalls für die Geografie – die Grenzverläufe der Region sind umstritten. Recht eindeutig sieht es noch im Westen und im Süden aus, wo das Bergische, das Siegener und das Wittgensteiner Land anschließen. Problematischer wird es im Norden und im Osten. Gehört Soest, die prächtige alte Hansestadt, zum Sauerland? Die Soester meinen ja. Dabei trennt – geografisch – die Bergkette des Haarstrangs die Soester Börde vom Sauerland, in dem wiederum – administrativ – einige Gemeinden des Kreises Soest liegen. Besonders zäh wird um Willingen im Osten gerungen, das schon in Hessen liegt. Und alles Hessische gehört in keinem Fall zum Sauerland! Den Bewohnern des Wintersportorts ist das egal – sie zählen sich ebenfalls dazu. Politisch besteht die Region heute aus vier Landkreisen – dem Kreis Olpe, dem Märkischen Kreis, dem Hochsauerlandkreis und dem Kreis Soest –, in denen insgesamt 1,2 Mio. Menschen leben.
Die Grafschaft Mark prägte schon im Mittelalter der Eisenbergbau. Lange bevor im Ruhrgebiet die Hochöfen glühten, wurde hier kräftig Eisen verhüttet. Zum reichlich vorhandenen Erz kamen üppige Holzvorkommen und viel Wasser – wichtige Voraussetzungen für den Aufbau eines vorindustriellen Hüttenwesens. Im Lauf der Jahrhunderte gediehen die Eisengewinnung und -verarbeitung prächtig. Im Zuge der Industrialisierung zu Beginn des 19. Jhs. verlagerten sich die Produktionsstätten allerdings ins benachbarte Ruhrgebiet. Der Zusammenbruch eines ganzen Industriezweigs war zwar eine Katastrophe für die betroffenen Menschen, aber gut für die Natur, die bis dahin massiv unter der Ausbeutung durch den Menschen gelitten hatte.
Im Hochsauerland spielte der Eisenbergbau ebenfalls eine bedeutende Rolle, daneben wurde unter Tage aber auch Schiefer gewonnen, der bis in die Gegenwart die Häuser der Region deckt. Rund um Brilon wurde schon vor 2000 Jahren Blei abgebaut; der begehrte Rohstoff bescherte der Stadt gehörigen Reichtum. Die höher gelegenen Gegenden im Hochsauerland mit ihren ertragsschwachen Böden konnten vom Reichtum ihrer Nachbarn aber nur träumen. Ein bisschen Weidewirtschaft, ein bisschen Ackerbau – in der kargen Gegend lebte man über Jahrhunderte nur von der Hand in den Mund.
Rund 100 Jahre nach dem Niedergang des Hüttenwesens im Westen begannen sich die Verhältnisse im Sauerland aber umzukehren. Mit der Verbreitung des Skisports begann der Aufstieg der Tourismushochburgen im Osten. Bis in die Gegenwart zählen Willingen und Winterberg zu den Großverdienern im Sauerland.
Im Norden ragen die Silhouetten von Soest und Arnsberg gen Himmel. Die einstige Bedeutung der beiden im Mittelalter machtvollen Städte haben ihre Bewohner in die Gegenwart gerettet: historische Stadtzentren mit viel Fachwerk und alten, prachtvollen Kirchen. Was die Menschen in den engen Gassen und schmalen Straßen dort am liebsten machen? Feiern! Mehrmals im Jahr stellen sie Märkte, Stadtfeste und Festivals auf die Beine.
Überhaupt werden im ganzen Sauerland Brauchtum und Ausgelassenheit intensiv gepflegt – auf der Kirmes, beim Schützenfest oder rund ums Osterfeuer. Die Ansteckungsgefahr ist beträchtlich, was allerdings nur teilweise mit der regionalen Brauereidichte zusammenhängt. Vielmehr gilt das Wort von Friedrich Wilhelm Grimme, der von seinen Landsleuten, einem „frischen, geweckten Völkchen“, stets eine hohe Meinung hatte. Und so versprach er, „dass wir uns auf das herzlichste mit ihm befreunden werden“.
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Über die Region:
Sauerland und Siegerland sind geprägt von Mittelgebirgslandschaften mit dichten Wäldern, Seen und Tälern. Die Region bietet ideale Bedingungen für Outdoor-Aktivitäten wie Wandern, Radfahren und Naturbeobachtung. Wer Ruhe und Bewegung in abwechslungsreicher Umgebung sucht, findet hier vielfältige Möglichkeiten.

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