
Reiseführer Kapverdische Inseln

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Hektisch geht es hier selten zu, das Motto heißt Gelassenheit. Auf den Kapverden schwimmt man mit dem Strom des Lebens, Hauptsache, der Kopf bleibt über Wasser. Lässt einen die Strömung auf der einen Seite nicht vorbei, dann nimmt man eben die andere. Oder die Mitte. Und zwar ohne sich dabei aufzuregen. Es gilt also: mitschwimmen!
Zeit + Ruhe = Entspannung
Am weißen Sandstrand liegen bunte Fischerboote, tiefblau schimmert der Ozean, eine frische Brise mildert die stechende Sonne. Der Dorfplatz und die engen Kopfsteinpflastergassen wirken verlassen, nur ein paar Kinder tollen herum. Auf dem Gemüsemarkt, dem Zentrum jedes Orts, herrscht lebhaftes Durcheinander. Lautes Rufen, lachende Gesichter, Berge leuchtender Früchte. Am Straßenrand hocken Frauen vor Schüsseln voll silbrig glänzender Fische, eine Gruppe von Männern sitzt im Schatten eines Baums und spielt Karten. Gemächlich geht es zu – und ganz entspannt; man hat Zeit, man hat Ruhe und Geduld hat man auch. Die ruhige Gelassenheit der Kapverdier ist bewundernswert, umso mehr weil das Leben hier so hart ist, dass zwei Drittel der Bevölkerung im Ausland leben.
Jede Insel ist anders
Cabo Verde – das grüne Kap – trägt einen irreführenden Namen. Denn die Inselgruppe im Atlantik, 600 km vor der Westküste Afrikas, ist alles andere als grün. Der 4033 km2 große Archipel aus 15 Inseln liegt in den Ausläufern der Sahelzone und leidet unter extremer Hitze und Trockenheit. Nur auf fünf der neun bewohnten Inseln gibt es, falls der jährliche Regen nicht ausbleibt, genügend Wasser für die Landwirtschaft. Die vier anderen Inseln sind knochentrocken, braune Wüsten, deren vereinzelte Berge die Wolken, die der stete Nordostwind heranträgt, nicht aufhalten können. Man unterscheidet zwischen den Inseln über dem Wind (Barlavento) und denen unter dem Wind (Sotavento). Nach der geografischen Lage unterteilt, sind es drei flache, wüstenhafte Ostinseln und jeweils drei von verschieden hohen Gebirgen geprägte Nord- bzw. Südinseln. Jede Inselgruppe und jede Insel ist anders. Auf den Ostinseln Sal, Boa Vista und Maio findet man herrliche weiße Sandstrände und die besten Voraussetzungen für viele Wassersportarten. Im Norden bilden Santo Antão und São Nicolau mit grandiosen Gebirgspanoramen sowie São Vicente mit der Hafenmetropole Mindelo eine Inselgruppe. Zum südlichen Teil des Archipels zählen die Hauptstadtinsel Santiago, Fogo mit dem fast 3000 m hohen Vulkan Pico do Fogo und das abgeschiedene Brava. Von Oktober bis Juli fegt der Nordostpassat über die Inseln – eine angenehm kühlende Brise in der allgegenwärtigen Hitze. Windsurfer wähnen sich auf den flachen Ostinseln dann im Paradies. Stärker noch profitieren die Gebirgsinseln im Norden vom Passatwind: Ihre Berge halten die Wolken auf, die er über den Atlantik heranträgt. Durch die Feuchtigkeit ist die Nordostseite dieser Inseln grün und fruchtbar.
Geschichte
Ab 1456
Entdeckung und Kolonialiierung der Kapverden durch Portugal
1461
Erste Siedlung auf Santiago: Ribeira Grande
1580–1640
Spanische Herrschaft über Portugal und die Kapverden
1620
Beginn des Salzhandels auf Sal und Maio
1680
Letzter Ausbruch des Vulkans Pico Grande auf Fogo
1850–80
Mindelo erlebt einen Boom als Knotenpunkt der Dampfschifffahrt
1967
Eröffnung des ersten Hotels in Santa Maria auf Sal
1973
Ermordung des Freiheitskämpfers Amílcar Cabral
1975
Unabhängigkeit von Portugal
2014
Ausbruch des Pico Pequeno auf Fogo zerstört zwei Dörfer
2024
Der Boxer David de Pina gewinnt bei Olympia in Paris Bronze: die erste Medaille für das Land überhaupt
2025
Das Land im Freudentaumel: Kapverde qualifiziert sich erstmals für die Fußball-WM
Die Geburt der Kreolischen Identität
Die bis 1461 unbewohnten Inseln wurden von Seefahrern im Auftrag des portugiesischen Königs entdeckt. Als Überseekolonie Portugals wurde Cabo Verde innerhalb weniger Jahrzehnte zum Drehkreuz des Sklavenhandels zwischen Afrika, Europa und Amerika. Auf Santiago trafen weiße Auswanderer aus Europa auf einen wachsenden Strom schwarzer Sklaven aus Afrika. Die gemeinsamen Kinder waren die erste Generation eines neuen Volks: der Kreolen. Gene, Traditionen, Bräuche und Sitten zweier Kontinente brachten eine Bevölkerung hervor, die ebenso viele verschiedene Hauttöne aufweist wie Eigenarten in Kultur und Lebensart. Die kreolische Kultur ist bunt und lebensfroh, in ihrer gefühlvollen Musik, ihren Tänzen, ihren Gepflogenheiten. Ob bei Karnevalsumzügen mit Tänzerinnen in prunkvollen Federkostümen, bei Prozessionen und feierlichen Gottesdiensten oder familiären Anlässen – Lebensfreude ist angesagt. Lass dich anstecken und nimm teil, wenn es nicht eine private Veranstaltung ist: Geh hin und hör zu, wenn jemand eine Gitarre hervorholt, tanz mit, wenn getanzt wird ... alle freuen sich!
Zum Vorbild geworden
Auf den Kapverden lebt nur etwa ein Drittel der Kapverdier – der Rest hat seinen Wohnsitz im Ausland, vor allem in den USA, Portugal, Frankreich und Westafrika. Grund dafür waren immer wieder Dürre- und Hungerkatastrophen, bei denen oft Tausende verhungerten. Auch 500 Jahre koloniale Ausbeutung durch Portugal ließen Wohlstand nur für wenige zu, die Mehrheit litt unter Hunger, Not und Unterdrückung. Erst 1975, nach der Nelkenrevolution in Portugal, erlangte das Land seine politische Unabhängigkeit. Wegbereiter war der kapverdische Freiheitskämpfer Amílcar Cabral, der bis heute als Nationalheld gilt. Seit 1991 ist das Land eine pluralistisch-parlamentarische Republik mit einem demokratischen Mehrparteiensystem. Es gelang eine politische und wirtschaftliche Wende, die es dem Land erlaubt, Hunger und Armut zu trotzen. Von großer Bedeutung ist dabei der Tourismus. Die Inseln Sal und Boa Vista locken sonnenhungrige Europäer, und auch auf den für Individualtouristen attraktiven Gebirgsinseln wächst die touristische Infrastruktur. Heute gilt Kap Verde unter den Ländern Afrikas in demokratischer, politischer und gesellschaftlicher Hinsicht als Vorbild.
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