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Reiseführer
Alaska - Yukon

Alyeska, "weites Land", nannten die Ureinwohner der Aleuten das Festland, von dem aus ihre windumtosten Inselchen in den Nordpazifik hinauskleckerten. Die russischen Entdecker und Pelzhändler, die Mitte des 18.Jhs. von Sibirien her kamen, übernahmen den Namen und erzählten zu Hause von diesem geheimnisvollen, wilden Land, wo die Pelze der Seeotter so fein waren, dass sie in China mit Gold aufgewogen wurden. Ein Mythos war geboren - der Traum von einem weit entfernten, riesigen und noch unberührten Land voller Schätze.

Bis heute lebt dieser Traum fort, bis heute lockt am Norden die ursprüngliche Wildnis, die im Rest der Welt so selten geworden ist. Was zuerst auffällt bei einer Reise durch Alaska, ist tatsächlich die schier unglaubliche Weite des Lands. Sicher, Fjorde und Gletscher kennt man aus Norwegen, große Seenplatten aus Schweden oder Finnland. Doch hier ist alles einige Nummern größer. Wenn Finnland sich mit 1 Mio. Seen brüstet, sind es in Alaska 3 Mio. - und dazu 3000 Flüsse und eine Küste von 80000 km Länge. Von 6000er-Gipfeln und Eisfeldern immenser Größe ganz zu schweigen.

Geschichte

  • Ab 28000 v. Chr.

    Paläo-Indianer aus Sibirien wandern über die Beringstraße nach Alaska ein

  • 1741

    Vitus Bering entdeckt Alaska und die kostbaren Seeotterpelze dort

  • 1799

    Alexander Baranof gründet Sitka und macht es zur Hauptstadt seines Pelzhandelsreichs

  • 18.Oktober 1867

    Russland verkauft seine Kolonie für 7,2 Mio. $ an die USA

  • 1896

    Gold am Klondike! 1898 Funde bei Nome, 1902 bei Fairbanks

  • 1917

    Erster Nationalpark Alaskas wird die Wildnisregion um den Mt. McKinley

  • 1942

    Bau des Alaska Highway

  • 3.Januar 1959

    Alaska wird 49.Bundesstaat der USA

  • 27.März 1964

    Das schwerste je in Nordamerika gemessene Erdbeben erschüttert Süd-Alaska (Stärke 8,6)

  • 1968

    An der Küste bei Prudhoe Bay wird Erdöl entdeckt

  • 1974-77

    Bau der Alyeska Pipeline von Prudhoe Bay bis Valdez

  • 1989

    Der Tanker "Exxon Valdez" havariert: 42 Mio. Liter Öl strömen in den Golf von Alaska

  • 2008

    Alaskas umstrittene Gouverneurin Sarah Palin tritt als Kandidatin für die Vizepräsidentschaft der USA an, verliert aber die Wahl

  • 2012

    Trotz jahrelanger Proteste der Umweltschützer beginnen die ersten Ölbohrinseln und Bohrschiffe ihre Arbeit im Eismeer vor Nord-Alaska

  • 2013

    Der Pavlof-Vulkan am Beginn der Aleuten-Kette zeigt mit einer 7 km hohen Rauchsäule neue Aktivität

Auf der Liste der letzten Paradiese unserer Erde steht Alaska ganz oben. Zu Recht, denn wild und ursprünglich ist der 49.Bundesstaat der USA wirklich: Hier gibt es die größten Lachse und die größten Grizzlybären. Hier ist ein einzelner Nationalpark größer als die Schweiz und ein Gletscher von 60 km Länge nichts Ungewöhnliches. Bei solch grandiosen Kulissen ist Alaska vor allem ein Paradies für Outdoorfans. Egal, ob es eine Wanderung auf den Spuren der Goldgräber ist oder eine Angelreise, eine zweistündige Kajaktour oder eine zweimonatige Floßfahrt auf dem Yukon zur Beringsee - Alaska hat Platz für alle Aktivitäten.

1,7 Mio. km2 ist Alaska groß, weit größer als die skandinavischen Länder zusammengenommen. Dabei leben im 49.Bundesstaat der USA nur etwa 720000 Menschen. Statistisch gesehen hat jeder Alaskaner 2,4 km2 Platz für sich - eine sagenhaft niedrige Bevölkerungsdichte. In Deutschland müssen sich 230 Leute 1 km2 teilen. Die Statistik verzerrt das wahre Bild sogar noch: Gut die Hälfte der Alaskaner lebt nämlich in der einzigen Großstadt Anchorage, weitere 80000 in und um Fairbanks. Da bleibt viel Platz für die Wildnis - nicht von ungefähr steht heute mehr als die Hälfte des Lands in Wildschutzgebieten, National Parks und National Forests unter Schutz.

Die Russen kratzten die Wildnis einst kaum an. Sie errichteten ein paar Posten entlang der Küsten im Süden, jagten Otter und langweilten sich in den langen, dunklen Wintern. Schon 100 Jahre später - der Zar brauchte wieder mal Geld - verhökerten sie ihre Kolonie an die Amerikaner, die zunächst nicht recht wussten, was sie mit ihrem neuen Territorium, dieser "Eisbox" im Norden, anfangen sollten. Doch dann wurde um 1900 Gold entdeckt - zuerst am Klondike, dann in Nome, dann bei Fairbanks. Alaska gab seine Schätze preis, und Hunderttausende kamen - wenn auch nur kurz. Dass später Öl entdeckt wurde, passte genau in die Vorstellung: Der Norden lockte mit neuen Schätzen - und ein weiterer Boom begann. Für die Amerikaner wurde Alaska zur last frontier - zur letzten Grenze, zur letzten Wildnis für Pioniere und Abenteurer.

Hohe Erwartungen, möchte man meinen, doch Alaska wird ihnen mühelos gerecht. Im Südosten Alaskas bestimmen zerrissene Fjordküsten und dichte Regenwälder mit 60 m hohen Sitkatannen das Bild. Dies ist das alte Reich der Tlingit-Indianer und ihrer kriegerischen Clans. Ihre mystischen, aufwendig geschnitzten Totempfähle stehen noch in vielen der kleinen Küstenstädte von Ketchikan bis Haines und Skagway, dem einstigen Hafen der Goldgräber.

Weiter nördlich um Anchorage warten in den Chugach Mountains und auf der Kenai-Halbinsel Gletscherpanoramen, schöner und erhabener in der Realität, als man sie in den tollsten Naturfilmen sieht. Hier gilt es übrigens auch, sich von einem Klischee zu verabschieden: Längst nicht ganz Alaska liegt unter Eis und Schnee begraben. Gletscher gibt es nur in den Bergen Süd- und Südost-Alaskas und in der Alaska Range, die sich als zentrales Gebirgsmassiv durch das Herz des Lands zieht. Doch dort sind sie grandios: Der größte Gletscher Alaskas ist der Bering Glacier, der aus den Chugach Mountains 190 km weit zum Golf von Alaska fließt.

Der Denali National Park rund um den gewaltigen, 6194 m hohen Mt. McKinley ist ein Muss für jeden Nordlandfahrer - und die beste Gelegenheit, Grizzlys und Karibus zu erleben. Nördlich der Alaska Range dehnt sich das unendlich breite Yukon-Tal - und die Sonne scheint. Zentral-Alaska kann im Sommer mit dem besten Wetter des ganzen Lands aufwarten, 30 Grad sind keine Seltenheit, doch im Winter heulen hier noch die Wölfe, und alles Leben erstarrt bei Temperaturen von oft wochenlang anhaltenden minus 30 Grad. Dann sind allerdings die Nordlichter, die Electric-Light-Show der Arktis, hier so schön zu sehen wie kaum sonstwo.

Was bleibt, ist das riesige Hinterland. Busch-Alaska: die einsamen Tundralandschaften am Polarmeer und an der Bering-See, die noch völlig unerschlossenen Berge der Brooks Range und die weltabgeschiedenen Inseln der Aleuten. Gut, in den weit verstreuten kleinen Eskimo-Orten gibt es heute Flugplätze und Fernsehen. Alkohol und Motorschlitten haben Einzug gehalten in die Welt der Ureinwohner. Doch das weite Land liegt ursprünglich wie einst unter der Mitternachtssonne. Große Karibu-Herden ziehen durch die Hügel des Kobuk Valley National Parks, Millionen Wildgänse nisten im Seenlabyrinth des Yukon-Deltas, Braunbären sammeln sich an den Lachsflüssen des Katmai National Parks. Bis auf wenige Ausnahmen sind diese Landesteile nur auf echten Expeditionen zu erleben - die man lange vorab planen und nur in sehr guter körperlicher Verfassung antreten sollte.

Dennoch: Trotz aller Wildheit und Abgeschiedenheit ist Alaska heute verblüffend gut zu bereisen: komfortabel per Kreuzfahrtschiff, individuell mit Mietwagen oder Wohnmobil - oder auch ganz rustikal mit Rucksack und Zelt. Auf geteerten Straßen lässt sich eine lohnende Rundfahrt unternehmen: etwa ab Anchorage über Fairbanks, Delta Junction und Valdez zurück nach Anchorage. Oder du planst eine Woche auf der Kenai-Halbinsel südlich von Anchorage: mit Gletschertouren, Kajakfahrten und vielleicht einer Flugexkursion zum Grizzly-Gucken in den Katmai National Park. Oder du reist - mit entsprechend viel Urlaubszeit - auf dem legendären, 2300 km langen Alaska Highway von Süden her an. Viel Pionierflair und ebenso grandiose Landschaften bietet auch die zweite Region, die dieser Band einschließt: das im Osten an Alaska grenzende Yukon Territory (das inoffiziell schlicht Yukon genannt wird): ein Land, das durch den legendären Goldrausch am Klondike unter Abenteuerfans mindestens so berühmt ist wie Alaska. Politisch gehört das knapp 500000 km2 große Gebiet zwar zu Kanada, doch in Geschichte, Natur und nicht zuletzt in der touristischen Infrastruktur ist es untrennbar mit dem Nachbarn verflochten, und ein Besuch am Klondike zählt zum Pflichtprogramm jeder Nordlandreise.

Doch nimm dir nicht zu viel vor. Eine Rundfahrt mit Wanderungen und vielleicht einem Flug mit einem Buschpiloten ins Hinterland oder einem Aufenthalt in einer Wildnislodge, das genügt für zwei Wochen. Eine Fährfahrt durch die Inside Passage, ein Aufenthalt in einer Angellodge, eine Schlauchboottour auf einem abgelegenen Fluss - schon ist eine weitere Woche verplant. Und irgendwo, am Lagerfeuer auf einem Campingplatz, in einer Lodge mit Aussicht über einen Fjord oder beim Blick auf den Mt. McKinley, wirst dann auch du dem Zauber Alaskas erliegen.

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