Ägypten

Überblick

Willkommen in Ägypten

Ägypten gilt als die Wiege der Zivilisation und so findet man in dem nordafrikanischen Land spannende Zeugnisse seiner abwechslungsreichen Geschichte. Das Land liegt zum größten Teil auf dem afrikanischen Kontinent, mit der Sinai-Halbinsel umfasst es jedoch auch Teile Asiens. Hauptstadt ist die Metropole Kairo, die als wichtigste Stadt der arabischen Welt gilt. Erleben bei Ihrem Urlaub bunte Märkte, besichtigen Sie die weltbekannten Pyramiden von Gizeh, tauchen Sie an artenreichen Korallenriffen am Roten Meer oder unternehmen Sie eine Kreuzfahrt auf dem Nil, Ägypten bietet unzählige kulturelle und landschaftliche Sehenswürdigkeiten.

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Wetter & Klima

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Anreise

2d 3h 47min
3h 15min
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Ägypten
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Im Mutterland des Tourismus

Ein Superlativ aber wird selten beachtet: Ägypten ist das älteste Reiseziel der Welt. Tempel und Pharaonengräber, die mit klingenden Namen wie Ramses, Tut-anch- Amun, Nofretete oder Echnaton in Verbindung gebracht werden, dazu prächtige Moscheen und die Kirchen einer der ältesten christlichen Gemeinschaften der Welt locken seit Jahrtausenden Pilger und Wissenschaftler, Abenteurer oder einfach nur Neugierige. Da ist es nur logisch, dass Ägypten auch die Geburtsstätte des modernen Tourismus ist. Thomas Cook, ein praktisch veranlagter Brite, erkannte, dass alle wichtigen Sehenswürdigkeiten in Reichweite des Nilufers liegen – und erfand 1869 die Nilkreuzfahrt, durch die Besichtigungen ohne große Strapazen möglich wurden. Damit seine Gäste in der exotischen Fremde immer wussten, woran sie waren, beglückte Cook sie mit der Pauschalreise: Unterkunft, Verpflegung, Tourguide, alles war im Reisepreis enthalten – außer der Gin Tonic zur Malaria-Prophylaxe.

Die Qual der Wahl

Touristen von heute stellt sich vor allem ein Problem: Wo zuerst hinfahren? Im Süden lockt die magische Kultur der Pharaonen, im Osten bietet das Rote Meer Traumstrände und eine artenreiche Unterwasserwelt, die zu den beeindruckendsten der Erde gehört. Für Kairo allein bräuchte man Wochen, um alle pharaonischen und koptischen Sehenswürdigkeiten sowie die Bauwerke der Herrscherdynastien der Fatimiden (10.–12. Jh.) und der Mamluken (13.–16. Jh.) zu sehen. Und dann gibt es ja noch Alexandria, die „Grande Dame“ am Mittelmeer, die Wüstenoasen, den Sinai der Bibel, der Beduinen und der Badeurlauber ... Tauchen und Bergwandern, Altertum und Orient, Naturerlebnis oder Großstadtabenteuer? In Ägypten kannst du dir deine perfekte Urlaubskombi zusammenstellen.

Die ägyptische Gelassenheitsformel

Über die unendliche Gelassenheit der Menschen und ihre ansteckende Freundlichkeit sind viele Reisende immer wieder erstaunt. Es gibt nur Weniges, was die Ägypter aus der Ruhe bringt. Problemen und ihrem eigenen schlechten Gewissen begegnen sie mit der Formel „IBM“. Das I steht für „insha’allah“ und bedeutet „so Gott will“. Es ist die übliche Antwort selbst auf die Frage, ob die U-Bahn, auf der Helwan steht, auch wirklich nach Helwan fährt. Das B steht für „bukra“, was „morgen“ heißt, aber meistens meint: „Was ich heute kann besorgen, kann ich morgen immer noch verschieben.“ Das M ist das Kürzel für „malesh“ – „tut mir leid, macht doch nichts“.

Hoffen auf bessere Zeiten

Diese Gelassenheit hilft den Menschen, ihre Lebensverhältnisse zu ertragen. Viele Ägypter haben zwei und mehr Jobs, arbeiten 12 bis 18 Stunden täglich und ernähren die gesamte Großfamilie. Fast jeder Zweite muss mit weniger als einem Euro pro Tag auskommen, aber selbst in Armenvierteln kostet ein Liter Milch fast einen Euro. Mindestens zwei Drittel aller Einwohner in Kairo leben in zumeist ärmlichen Vierteln. Bessere Lebensverhältnisse verspricht sich Ägypten u. a. von einem 45-Mrd.-Dollar-Projekt, das südöstlich von Kairo entsteht: die neue Hauptstadt New Cairo. Rund 7 Mio. Menschen sollen schon Ende der 2020er-Jahre dort leben, insha’allah.

Die verpuffte Revolution

Von der nahen Zukunft in die nicht so ferne Vergangenheit: Nachdem das Mubarak- Regime die Parlamentswahlen 2010 dreister gefälscht hatte als jemals zuvor und Korruption, Polizeigewalt, Folter nie da gewesene Ausmaße angenommen hatten, war es mit dem Gleichmut der Menschen vorbei. Sie stürzten 2011 ihren verhassten Präsidenten. Auch sein gewählter Nachfolger, der Muslimbruder Mohamed Mursi, hielt sich nicht lange im Amt. Er wurde durch einen Militärputsch gestürzt. Spätestens da war die Revolution gescheitert. 2014 ging Armee-Oberbefehlshaber Abdel Fattah el-Sisi aus Wahlen als neuer Präsident hervor, vier Jahre später wurde er im Amt bestätigt. Viele Ägypter erhofften sich von ihm wirtschaftlichen Aufschwung und sahen ihn als einen Retter, der das Land vor einer islamischen Theokratie bewahrte. Menschenrechtsorganisationen werfen ihm jedoch bis heute vor, dass er wie seine Vorgänger jede Opposition unterdrücke. Unterdessen hält auf dem Nordsinai, der Region an der Mittelmeerküste um Al Arish und den Gaza-Streifen, der Konflikt mit Ablegern des „Islamischen Staats“ an. Deren Ziel: Destabilisierung Ägyptens, Regimesturz, Errichtung eines Kalifats.

Nicht das Lachen verlieren

Es gibt allen Grund, davon auszugehen, dass sich die Ägypter einer solchen Tyrannei weiterhin nach Kräften widersetzen. Denn generell sehnen sich auch hier die Menschen nach stabilen Verhältnissen. Du wirst es von den Ägyptern hören, die du triffst. Und staunen wirst du sicher auch, mit wie viel Heiterkeit und Humor sie ihrer schwierigen, oft von Armut geprägten Lage begegnen. Diese Erfahrung ist wohl eines der nachhaltigsten Mitbringsel einer Ägyptenreise.

Gut zu wissen

Anreise

Flüge mit Egypt Air kosten ab 350 Euro, mit Lufthansa, Austrian, Aegean Airlines ab 250 Euro. Andere Linien bieten günstige Flüge nach Hurghada, Sharm El-Sheikh, Marsa Alam, Kairo und Luxor an. Auch der Privatflughafen El-Gouna wurde für Touristencharter erweitert.

Vom Flughafen Kairo aus gelangst du per Taxi oder mit Uber bzw. Careem (Kosten ca. 160 £E) je nach Verkehrslage in ½–1½ Std. in die Stadt.

Auskunft
Ägyptisches Fremdenverkehrsamt

Kurfürstendamm 151 | 10709 Berlin | Tel. 030 88724670 | egypt.travel

Einreisebestimmungen

Dein Reisepass muss am Einreisetag noch mindestens sechs Monate gültig sein (in Ausnahmefällen ist die Einreise mit Personalausweis und zwei biometrischen Passbildern möglich). Das Visum bekommst du am einfachsten direkt am Flughafen in Ägypten bzw. am Grenzübergang. Im Flugzeug werden weiße Karten verteilt, die du ausfüllen und später bei der Passkontrolle vorlegen musst. Die Visamarke (ca. 25  Euro) gibt es an den Geldwechselschaltern vor der Passkontrolle. Dieses Touristenvisum ist vier Wochen lang für die einmalige Einreise gültig. Elektronische Visa waren zuletzt wegen Abrechnungs- und Ausstellungsproblemen nicht zu empfehlen.

Reisezeit

Die beste Reisezeit ist von Oktober bis April. In den übrigen Monaten herrscht besonders in Oberägypten drückende Hitze mit nicht selten über 40 Grad.

Zoll

Waren des persönlichen Bedarfs inkl. 1 l Parfum, bis zu 200 Zigaretten oder 250 g Tabak und 1 l Spirituosen oder 2 l Spirituosen mit max. 22Vol.-% sind bei Einreise zollfrei. Bis zwei Tage nach Einreise darf man im Duty free weitere 3 l Spirituosen kaufen. Egypt Air betreibt landesweit (u.a. in Malls) Duty-freeShops, in denen man gegen Vorlage des Reisepasses mit Einreisestempel von Alkohol bis Elektronik alles bekommt.

Verboten ist die Ausfuhr von Antiquitäten sowie Tieren und Pflanzen, die unter Natur- und Artenschutz stehen. Bei Wiedereinreise in die EU sind z.B. 200 Zigaretten, 2l Wein, 1l Spirituosen und sonstige Waren im Wert von bis zu 430 Euro zollfrei. Für die Schweiz geltende Freigrenzen: siehe short.travel/aeg20.

Inlandsflüge

Egypt Air (Tel. 0900 70000  | egyptair.com) verbindet täglich Kairo mit Alexandria, Hurghada, Sharm El-Sheikh, Luxor, Assuan sowie mehrmals wöchentlich mit Marsa Alam und Marsa Matrouh. Weitere Anbieter: Air Cairo (flyaircairo.com) und Nile Air (nileair.com).

Mietwagen & Straßenverkehr

Internationale Autovermietungen wie Hertz, Avis und Budget haben Niederlassungen in den großen Städten und in den Badeorten, meistens in besseren Hotels und an den Flughäfen. Ein Kleinwagen kostet pro Tag ca. 35 Euro, pro Woche etwa 350 Euro. Buche unbedingt Vollkasko ohne Selbstbehalt. Günstige Preise gibt es bei Online-Vergeichsportalen.

Mit Smartphone/Tablet und GPS-App kommst du gut durch Ägypten. Mit wenigen Ausnahmen funktionieren Navigationshilfen ausgezeichnet. Die Ausschilderung ist oft auch in Englisch gehalten. Eine gute Straßenkarte dabeizuhaben, empfiehlt sich dennoch.

Das Tempolimit beträgt in Ortschaften 50, außerhalb 100 km/h. Es gibt häufig Radarkontrollen. Die Promillegrenze liegt bei 0,0. Geh nicht davon aus, dass die Verkehrsregeln eingehalten werden, und fahre äußerst defensiv. Mit Kamelen, Eseln und großen Schlaglöchern ist immer zu rechnen. Vermeiden solltest du nächtliche Überlandfahrten.

Öffentliche Verkehrsmittel

Alle Regionen sind gut zu erreichen. Die beste Zugverbindung besteht zwischen Kairo und Alexandria. Auf der Fahrt von Kairo nach Luxor (ca. 9 Std.) sowie Assuan (ca. 13 Std.) bieten sich die Erste-Klasse-Wagen (40 US$) und Schlafwagenzüge (110 US$  | wataniasleepingtrains.com) an. Tickets ein paar Tage im Voraus kaufen.

Vor allem am Bahnhof von Luxor warten Schlepper auf den einfahrenden Zug und halten dir schon auf dem Bahnsteig kleine Fotos von Hotels unter die Nase. Ignoriere sie! Seriöse Hotels, auch die günstigen, verzichten auf diese Art des Gästefangs.

Die meisten Busse ab Kairo starten am Turgoman-Busbahnhof, Reisebusse nach Sinai fahren vom Sinai-Terminal in Abassiyya ab. Eine schlichte bis abenteuerliche, oft enge Alternative zu Bus und Bahn sind Sammeltaxis. Lokale Busse und die Kairoer Metro sind Frauen nicht zu empfehlen.

Taxi

Fast alle Taxis haben Taxameter, aber häufig werden sie nicht eingeschaltet. Der Fahrpreis ist somit oft Verhandlungssache. Eine Fahrt im Stadtinnern von Kairo kostet zwischen ca. 50 Cent bis 2 Euro, bis zu den Pyramiden gut 10 Euro. Taxis, die vor den großen Hotels warten, verlangen ein Vielfaches des Üblichen. Wenn man sich vorher nach dem Preis erkundigt, z. B. an der Rezeption, kann man nach dem Aussteigen das Geld abgezählt durchs Beifahrerfenster reichen. So erspart man sich am ehesten Diskussionen.

Stress vermeiden und jede Fahrt gegen zugemailten Beleg bar oder per Kreditkarte begleichen kannst du mit den bestens funktionierenden Fahrdienst-Apps Uber und Careem – mit exakter Abrechnung. Trinkgeld nicht vergessen!

Fotografieren & Filmen

Außer militärischen Anlagen, Häfen, Brücken, Bahnhöfen und Flugplätzen darfst du alles fotografieren – fremde Menschen wollen aber auch hier vorher gefragt werden. In Museen und Pharaonengräbern sind Blitzlicht und Stativ untersagt, ab und an Aufnahmen generell verboten. In etlichen Museen und Monumenten musst du die Kamera hinterlegen oder für Aufnahmen (auch mit Smartphone oder Tablet) ein Extraticket für 50 £E, gelegentlich mehr, lösen.

Frauen

Touristinnen werden oft von ägyptischen Männern angesprochen und umworben, besonders in den Urlaubsorten. Das kann lästig sein, gefährlich ist es nicht zwingend. Vermeiden solltest du alles, was dem Gegenüber Hoffnung machen könnte. Trage z.B. einen Ehering, notfalls einen geborgten. Erzähle von einem Ehemann und Kindern.

Auf körperbetonte Kleidung sowie kurze Röcke und schulterfreie Shirts solltest du verzichten. Kurzärmelig ist okay. Meide wegen der allgegenwärtigen Grapscher überfüllte Busse. In bedrängenden Situationen wirst du am besten so laut, dass alle Umstehenden dich hören. Man wird schnell helfen. Größere Menschenansammlungen wie etwa Demonstrationen sollten Frauen unbedingt meiden, dennn es ist dabei in den letzten Jahren zu drastischen Übergriffen gekommen.

Internet & WLAN

Eine Stunde Surfen in einem der vielen Internetcafés kostet ca. 5 £E aufwärts. Viele Hotels, Cafés und Restaurants bieten ihren Gästen kostenlosen Wlan-Zugang, Hotels dies oft nur in der Lobby, kostenpflichtig aber in den Zimmern und anderen Bereichen. In den Filialen der Mobilfunkanbieter Vodafone, Orange und Etisalat sind sehr günstige Prepaid-Karten für Telefonie und Daten erhältlich (10 GB für ein paar Euro).

Kleidung

Leichte, luftige Kleidung eignet sich am besten. Im Winter sollte man aber unbedingt einen Pullover und eine warme Jacke dabeihaben. Festes Schuhwerk ist empfehlenswert. Shorts gelten zumindest außerhalb der Badeorte auch bei Männern als unangebracht. Generell gilt: Je weiter man sich von den Urlaubszentren entfernt, desto besser ist es, aufs Tragen knapper Badekleidung zu verzichten. In den heißen Quellen der Oasen sollten Frauen mit Rücksicht auf die Oasenbewohner gut bedeckt baden.

Öffnungszeiten

Einkaufen kannst du ab morgens gegen 10 Uhr bis etwa 21 Uhr am Abend, freitags ab etwa 14 Uhr. In den Einkaufsstraßen der Städte und an den Promenaden der Badeorte wird nicht selten bis 23 Uhr verkauft. Oft legen die Händler in den Basaren am Nachmittag eine Siesta ein. Die Kairoer Shoppingmalls sind bis 23  Uhr geöffnet, Supermärkte meist rund um die Uhr. Einige Geschäfte, etwa im Basarviertel Khan El-Khalili, haben am Sonntag zu. Apotheken sind bis spätnachts geöffnet, Banken schließen freitags und samstags, Behörden nur freitags. Im Fastenmonat Ramadan gelten sehr kurze Sonderöffnungszeiten.

Preise & Währung

Das ägyptische Pfund (£E oder EGP) unterteilt sich in 100 Piaster (PT). Ein Euro entspricht etwa 18 £E; den aktuellen Wechselkurs kannst du bei Online-Währungsrechnern wie oanda. com abrufen. Bessere Hotels müssen in harter Währung (Euro, US$, Kreditkarte) oder in £E, dann aber mit Umtauschbeleg bezahlt werden. Banken und Wechselstuben tauschen die gängigen Devisen ein. An Automaten erhält man Bargeld mit Kredit- oder Maestrokarte. Karten werden auch in vielen Restaurants, Hotels und Geschäften akzeptiert. In die Oasen sollte man zumindest eine Bargeldreserve mitnehmen.

Bewahre alle Umtauschbelege auf, damit ist ein Geldrücktausch möglich. Wer Devisen im Wert von mehr als 10000 Euro ein- oder ausführt, muss den Betrag beim Zoll anmelden.

Strände

Außer in den Touristenorten kommen öffentliche Strände für Urlauber eher nicht infrage, da Bikini und Badeanzug dort verpönt sind. Sauber wie die Hotelstrände sind dagegen in den Badeorten die meisten „Public Beaches“, die ein kleines Eintrittsgeld erheben und WC, Umkleiden, Café haben. Viele Strandhotels bieten Nicht-Gästen die Möglichkeit des oft nicht sehr teuren „day use“ (Tagesnutzung) für ihre Strände.

Telefon & Handy

Aus dem Festnetz zu telefonieren ist kostenmäßig out, wenn man von Ägypten nach Europa telefonieren will, insbesondere von Hotels, die Fantasiepreise in Rechnung stellen. Roaming europäischer Netze funktioniert, es fallen jedoch hohe Gebühren an. Die heimische Mailbox solltest du deswegen am besten ausschalten. Günstig ist es mit Prepaidkarten. So kostet z. B. beim Anbieter Orange die Minute nach Europa ca. 20  Eurocent. Zum Surfen buchst du am besten ein Datenflatrate dazu. Da bekommst du etliche GB für ein paar Euro.

Die Vorwahl für Ägypten lautet 0020, für Deutschland 0049, für Österreich 0043, für die Schweiz 0041. 

Trinkgeld

In Restaurants und Cafés sind zehn Prozent der Rechnungssumme üblich. Gepäckträger bekommen etwa 20 £E, das Housekeeping 20 £E je Tag.

Diplomatische Vertretungen
Deutsche Botschaft 

Sharia Hassan Sabri/Sharia Berlin 8b | Zamalek | Kairo | Tel. 02 27282000 | kairo.diplo.de

Österreichische Botschaft

Sharia Wissa Wassef  5/Sharia El-Nil  | El-Riad Tower  | Giza  | Kairo  | Tel. 02 35702975 | bmeia.gv.at/oeb-kairo

Botschaft der Schweiz 

Sharia Abd Al-Khaliq Tharwat  10  | Downtown | Kairo | Tel. 02 25758284 | eda.admin.ch/cairo

Ägyptisches Konsulat Berlin

Stauffenbergstr.  6–7  | 10785 Berlin  | Tel. 030 47754740

Ägyptisches Konsulat Wien

Hohe Warte  54  | 1190 Wien  | Tel. 01 370810862

Ägyptisches Konsulat Bern 

Elfenauweg  61  | 3006 Bern  | Tel. 0313528012

Gesundheit

Spezielle Schutzimpfungen sind nicht vorgeschrieben. Es ist ratsam, gegen Tetanus und Kinderlähmung geimpft zu sein. Malariaprophylaxe ist von Juli bis November für das Delta und die Oasen empfehlenswert. In ländlichen Gebieten besteht zudem das Risiko, sich mit Hepatitis A anzustecken. In stehenden Gewässern und im Nil kann man nicht baden: Bilharziose-Gefahr!

Iss nur geschältes oder gründlich gewaschenes Obst und Gemüse. Das Leitungswasser ist gechlort, zum Trinken besser Mineralwasser nehmen. Die medizinische Versorgung in den Touristenorten und in Kairo ist ausreichend. Solltest du in der Wüste unterwegs sein, empfiehlt es sich, Desinfektions- und Schmerzmittel mitzunehmen.

Behandlungskosten müssen bar bezahlt werden. Fast alle Medikamente sind frei erhältlich. Schließ am besten eine gute Reisekrankenversicherung ab.

Notruf

Polizei: Tel. 122 | Feuerwehr: Tel. 180 | Notarzt: Tel. 123 | Tourist Police: Tel. 126

Minen

In Ägyptens nordwestlicher Wüste sowie an den Küsten des Roten Meers liegen immer noch Minen aus den Kriegen. Die Wege sollte man nie oder nur unter ortskundiger Begleitung verlassen, Warnschilder ernst nehmen, keine Absperrungen übertreten und im Meer nur an Stränden baden, an denen das Baden üblich ist.

Sicherheit

Es ist unerlässlich, dass du dich vor dem Urlaub gut informierst, ob es Einschränkungen bei Reisen durchs Land gibt bzw. ob du irgendwelche Sicherheitsvorkehrungen treffen musst. In Oberägypten zwischen Luxor und Assuan, am Roten Meer sowie im Südsinai (Sharm El-Sheikh, Dahab, Nuweiba) war die Lage zuletzt stabil, anders im Nordsinai, der touristisch unbedeutenden Mittelmeerregion um Al Arish. Aktuelle Informationen findest du auf auswaertiges-amt.de.

Auf Märkten und im Gewühl der Touristenbasare gilt: Vorsicht vor Taschendieben! Die Verbrechensrate im Land ist statistisch niedrig. In sehr seltenen Fällen wurden Ausländer in den letzten Jahren auf der Straße ausgeraubt.

Zeitverschiebung
+ 1 Stunde Zeitverschiebung

In Ägypten gilt die osteuropäische Zeit. Die Sommerzeit ist abgeschafft. Der Zeitunterschied hebt sich somit ~ während unserer Sommerzeit auf.

Strom
Adapter Typ C

Die Netzspannung beträgt 220 Volt. Universaladapter sind oft nötig. ~ Stromausfälle kommen häufiger vor

Was kostet wie viel?

Bier

ab 2 Euro für eine Flasche (0,3 l)

Tee

ab 20 Cent für ein Glas

Eintritt

etwa 25 Euro „All inclusive“-Ticket für die Pyramiden von Gizeh

Imbiss

ab 20 Cent für ein Falafel-Sandwich

U-Bahn

15–25 Cent für eine Fahrt in Kairo (erste 9 Stationen)

Souvenir

ab 15 Euro ~ für eine Wasserpfeife

Events, Feste & mehr

Feiertage
1. Jan.

Neujahr

7. Jan.

Koptische Weihnachten

25. Jan.

Tag der Revolution 2011

25. April

Befreiung des Sinai 1982

1. Mai

Tag der Arbeit

18. Juni

Abzug der britischen Truppen 1956

23. Juli

Jahrestag der Revolution von 1952

6. Okt.

Tag der Überquerung des Suezkanals im Oktoberkrieg 1973

Veranstaltungen
Januar/Februar 

International Book Fair (Kairo): Die Buchmesse zählt jedes Jahr Hunderttausende Besucher.

März/April 

Sham el-Nessim: Frühlingsfest am ersten Montag nach dem koptischen Osterfest

Contemporary Arts Festival (D-CAF) (Kairo): Musik, Film, Street-Art, zeitgenössische Kunst, d-caf.org

Mai/Juni 

Eid Al-Fitr (12. Mai 2021, 2. Mai 2022): Fest zum Ende des Ramadan; drei Tage frei für die Ägypter.

Sandbox Festival (El-Gouna): Performer aus aller Welt, elektronische Tanzmusik nonstop, sandboxfestival. com

Juli/August 

Egyptian Dance Festival (Kairo und Hurghada): Für zehn Tage dreht sich alles um Bauchtanz: Shows, Workshops, Partys, egyptiandancefestival.com

Sommerkonzerte (Kairo): klassische Musik unter freiem Himmel auf der Zitadelle – den ganzen Monat über

Eid Al-Adha (30. Juli 2020, 19. Juli 2021, 9. Juli 2022): Opferfest, vier bis fünf Tage frei für alle.

Ras As-Sanna (20. Aug. 2020, 9. Aug. 2021): islamisches Neujahrsfest

Oktober 

Moulid Al-Nabi (29. Okt. 2020, 18.  Oktober 2021): Geburtstag des Propheten Mohammed

November/Dezember 

International Film Festival (Kairo): Rund zwei Wochen lang laufen internationale Filme im Wettbewerb, ciff.org.eg.

Im Trend

Retro
Musik & Mode

Der Retrotrend hat das Land gepackt. Produktwerbung aus längst vergangenen Zeiten prangt auf T-Shirts von Lara Baladi www.ur-athome.com. Zu kaufen sind die Stücke mit „Aroussa Tee“-Druck oder „Bimbo Biskuit“-Logo in der Oum El Dounia GallerySharia Talaat Harb3Kairo. Den dazu passenden Soundtrack liefern die Elektro-Remixes von Musiklegende Umm Kulthum. Fündig werden Sie in den Musikshops in Kairos Sharia Shawarby. Dank der Auswahl fühlen sich Vinylfans hier wie im siebten Himmel!

Mehr als Kaffee
Extra

Leseratten kommen in Karem Youssefs Café Al Kotob KahnSharia El-Lasilky3 auf ihre Kosten. Die Regalbretter biegen sich schon unter der Auswahl. Im El BaladMohammed Mahmoud Street31Kairo kommen auch noch regelmäßige Kulturveranstaltungen wie Lesungen und Filmvorführungen hinzu. Im Ethos CoffeeshopRoad 20523 gibt es neben Kaffee auch viele regionale Brettspiele. Eine Partiegefällig?

Back to the roots
Kunst

Ägyptens Kreative vermischen Tradition und Gegenwart zu einem explosiven Mix. So wie Hazem El Mestikawy, der aus ikonenhaften Motiven moderne Werke zaubert. Gezeigt werden seine teils provokanten Arbeiten unter anderem im Espace Karim FrancisSharia El Sherifein1Kairo. Sabah Naim www.sabahnaim.com verfremdet dagegen zeitgenössische Fotos. Spannend! Ist das Interesse an zeitgenössischer Kunst geweckt, lohnt ein Besuch der Townhouse GallerySharia Nabrawy10 in Kairo.

Zu Hause in der Wüste
Beduinen

Tauchen Sie ab in die Kultur der Wüstennomaden: Schlafen Sie unter Palmwedeldächern direkt am Roten Meer, reiten Sie auf Kamelen und garen Sie Ihr Essen am Lagerfeuer. Die Beduinen des Landes teilen ihren Alltag mit den Besuchern. Empfehlenswert ist das komfortable El Milga Beduin Campwww.sheikmousa.com nahe dem Katharinenkloster, das auch andere Unterkünfte vermittelt. In Mahash auf der Sinaihalbinsel können Sie ins Auswandererleben reinschnuppern. Die Urlaubstage vergehen in den Palmwedel-und auf dicken Sitzkissen im Sand viel zu schnell www.sinaistars.com. Das Barracuda Campwww.barracudaredsea.webs.com liegt bei Nuweiba malerisch direkt am Meer.

Im Künstlerdorf
Tunis

Südlich von Kairo, gespeist vom Wasser des Nils, liegt das Oasenstädtchen Tunis. Hier ist nicht nur die Kunstszene ansässig, sondern wird auch der Trend zur Nachhaltigkeit gepflegt. So wird die Keramikwerkstatt Fayoum Pottery School von Evelyne Porret und Michel Pastore nach dem Fairtradeprinzip geführt. Die Keramikwaren können Sie auch bei Fair Trade EgyptSharia Yehia Ibrahim27www.fairtradeegypt.org in Kairo kaufen. Dort gibt es auch Abd El Sattars Werke. Er kombiniert traditionelle Techniken mit farbenfrohen Glasuren. In den Oasis Residential Creative Courses können Gäste Inspiration schöpfen, ihr kreatives Potenzial entdecken oder einfach nur entspannen. Kreativurlaube, zum Beispiel zum Schreiben, finden regelmäßig auch in der Zad al Mosafer Eco Lodgewww.oasisartists.blogspot.com statt.

Bloss nicht!

Überflüssige Diskussionen führen

Es gibt Themen, über die man mit den meisten Ägyptern besser nicht zu diskutieren anfängt. Erklären zu wollen, warum du an keinen Gott glaubst, dürfte ebenso in die Sackgasse führen wie Versuche, die israelische Nahostpolitik gegenüber den Palästinensern zu rechtfertigen. 

Alleingänge unternehmen

Unternimm Wanderungen und Touren nie allein ohne ortskundigen Führer. Dünen und Felsen sehen sich oft zum Verwechseln ähnlich, schnell verläuft man sich. Wenn du in der Wüste keinen Trinkwasservorrat dabeihast, kann das verheerende Folgen haben!

Korallen mitnehmen

Überall kann es passieren, dass dir Händler Korallen, die aus Riffen herausgebrochen wurden, ausgestopfte Tiere oder Artikel aus Elfenbein anbieten. Es ist streng verboten, Korallenriffe zu beschädigen, selbst Muscheln und Schnecken sammeln ist zum Schutz der Unterwasserwelt untersagt. Wenn du bei der Ausreise beim Gepäckscannen auffliegst, wird das echt teuer.

Auf Schlepper reinfallen

Gerne sind’s Taxifahrer, die dir ein ganz tolles Restaurant oder einen schönen Souvenirshop zeigen wollen – natürlich wegen ihrer Provision von 30 Prozent oder mehr. Die zahlst du mit, was auch die Vorliebe von Tourguides für Papyrusshops erklärt

Delfine bedrängen

Schreite mit anderen Gästen ein oder melde Bootsführer, die Delfinschulen jagen. Im Wasser hältst du dich besser fern, wenn dort offenbar regelmäßig Fische mit Speiseabfällen angelockt werden. Das ist der Grund, warum es ab und an in Strandnähe zu bösen Begegnungen zwischen Haien und Urlaubern kommt

Ägypten verstehen

Bakschisch

Wer hat, der teilt – und gibt den Ärmeren. So einfach funktioniert im Alltag die Umsetzung der obligatorischen islamischen sozialen Gabe „Zakat“, besser bekannt als Bakschisch (gesprochen mit langem i). Bettler raunen das Wort Touristen wie Einheimischen am Straßenrand zu, Kinder rufen es Fremden hinterher, denn wer als Tourist nach Ägypten kommt, gilt als reich (was relativ gesehen auch so ist). Für Ägypter ist es Ehrensache, Bettlern die eine oder andere Pfundmünze zuzustecken. Viele versuchen aus Stolz, ihre Armut zu kaschieren, indem sie als fliegende Händler Taschentücher, Bonbons oder Kaugummi zum Kauf anbieten. Greif beherzt zu. Du tust Gutes.

Wenn Kellner, Zimmerreiniger, die Toilettenfrau oder der Tankwart Bakschisch bekommen, dann entspricht das allerdings unserem Trinkgeld. Mit einem Unterschied: Es ist das Geld, mit dem sie ihre Familien ernähren. Die Löhne reichen dazu nicht aus.

Locker aus der Hüfte

Kaum eine Hochzeit oder ein Clubabend ohne ihn: Selbst Kinder beherrschen schon das Kreisen der Hüften zu Musik. Trotzdem hegen viele Ägypter eine Hassliebe zum Raqs sharki, wie der Bauchtanz auf Arabisch heißt. Sie finden ihn unsittlich, weil er gegen den religiösen Anstand verstößt, aber sie bewundern und verehren seine Superstars. Dabei gehört er zur Lebensfreude der Menschen, und das seit Tausenden von Jahren, wie altägyptische Reliefs zeigen. Seit den Musikfilmen der 1940er-Jahre treten die Tänzerinnen nicht mehr nur in Clubs auf, aber ihr Ruf besserte sich dadurch nicht. Heute werden die besten Shows in den Kairoer Luxushotels gezeigt.

Hieroglyphisch

Tempelmauern und heilige Säulen sind überzogen mit Schriftzeichen in teils absonderlichen Formen: Manche sehen aus wie Geier, Kringel oder Krüge. Die Hieroglyphen, die Schrift der Pharaonen, wurden 1822 erstmals von dem französischen Archäologen Jean-François Champollion (1790–1832) entziffert. Die Schrift wurde anfangs weder für heilige Texte noch für Geschichtsepen, sondern vor allem für Inventarlisten, Steuervermerke oder Namensetiketten verwendet. Sie ist das Produkt eines beeindruckenden Verwaltungsapparats, den man ohne Übertreibung als die älteste Bürokratie der Welt bezeichnen kann. Die Hieroglyphe in Form eines Krugs steht übrigens für Bier oder Wein

Götter von Aa bis Yam

Das Praktische am Monotheismus: Man muss sich nur einen Gottesnamen merken. Doch Echnaton, der einzige Pharao, der versuchte die Vielgötterei abzuschaffen, starb jung und ungeliebt. Das Volk wollte viele Götter. So begegnen dir auf der Reise durch das Alte Ägypten die Namen Dutzender Haupt-, Neben-, Regional- und Lokalgötter – vom Schöpfergott Aa bis zu Yam, dem Gott der Gewässer. Beide sind nicht so wichtig wie Osiris. Er stand als Herr der Unterwelten und Gott der Wiedergeburt dem Totengericht vor, das über die Aufnahme Verstorbener ins Jenseits entschied. Isis, Muttergottheit sowie Gattin und Schwester des Osiris, hatte seinen zerstückelten Leichnam eingesammelt und zu neuem Leben erweckt. Isis schenkte Osiris auch einen Sohn, den falkenköpfigen Gott Horus. Er bestieg als erster Pharao den Thron. Auch wichtig: Hathor, die Göttin der Fruchtbarkeit und der Liebe, oft in Kuhgestalt abgebildet, außerdem der Weltenschöpfer Amun und Sonnengott Aton.

Ägyptischer Numerus Clausus

Einmal im Jahr hört man ein ganzes Land klagen und stöhnen. Vor den großen Sommerferien wird das mit dem deutschen Abitur vergleichbare Thanawiyya Amma abgelegt; Schüler und Eltern stehen am Rand des Nervenzusammenbruchs. In den staatlichen und vielen privaten Schulen wird weder kritisches Denken noch das Lösen von Problemen gelehrt, sondern auswendig gelernt. Die Lehrer bessern ihr Monatsgehalt von etwa 70  Euro mit Privatstunden auf, für die Ägyptens Eltern Hunderte Millionen Pfund pro Jahr ausgeben. Vor allem während dieses Nachhilfeunterrichts erwerben die Schüler das nötige Prüfungswissen. Wochenlanges Auswendiglernen ist die Folge, jeder Satz muss aufs Komma genau in der Prüfung sitzen. Die Abiturnote entscheidet über den Studienplatz. Wer’s vermasselt, muss im Niltal statt in Kairo studieren – Numerus clausus auf Ägyptisch.

Fastenzeit

Für viele Europäer nur schwer verständlich, aber wahr: Dem entbehrungsreichen islamischen Fastenmonat Ramadan sehen die meisten Ägypter mit einer Vorfreude entgegen, wie wir sie nur von Weihnachten kennen. Der Beginn des Ramadan richtet sich nach dem Neumond, die Mondsichel muss mit bloßem Auge zu erkennen sein. Im Ramadan ist alles anders. Einmal im Jahr folgt für vier Wochen das gesamte öffentliche und private Leben Regeln, die wenig mit denen der übrigen Zeit gemein haben. Zwischen Sonnenaufgang und -untergang verzichten nicht nur die besonders gläubigen Muslime auf Speisen, Getränke, Sex, Parfüm und Nikotin. Auch weniger Fromme versuchen, wenigstens für ein, zwei Wochen mitzufasten.

Alle Geschäfte, Ämter und Firmen schließen drei Stunden vor Sonnenuntergang, und zum Zeitpunkt des Fastenbrechens, des Iftar, herrscht Totenstille auf den mit Laternen und Girlanden geschmückten Straßen, selbst in Kairo. Alle sitzen dann zu Hause am Esstisch. Das Mahl fällt besonders festlich aus, man lädt sich gegenseitig ein und feiert. Die Zeit bis zum Suhur, dem letzten Mahl in der Nacht, verbringt man in den Kaffeehäusern oder in speziellen Festzelten bei Wasserpfeife, Tee und Kaffee. Der Ramadan endet mit dem dreitägigen Fest des Fastenbrechens, dem Eid Al-Fitr.

Glaubenssache

Rund 90 Prozent der Ägypter sind Muslime. Während die Religion vor ein paar Jahrzehnten noch kaum eine Rolle spielte im öffentlichen Leben, hat sich das grundlegend geändert. Fünfmal am Tag ertönt aus den Lautsprechern der Moscheen der Gebetsruf, der sich über jede Stadt wie eine Klangwolke legt. In und vor Moscheen beten Freitagmittag zum höchsten Wochengebet Tausende. Viele Frauen, auch Mädchen vor dem Teenageralter, sind heute verschleiert. Der Islam ist Ägyptens Staatsreligion, das islamische Recht (Sharia) die wichtigste Grundlage der Gesetzgebung. Die „fünf Pfeiler“ sind die Pflichten jedes frommen Moslems: Er leistet sein Glaubensbekenntnis zu Allah und zum Propheten Mohammed. Er betet fünfmal am Tag. Er fastet im Ramadan von Sonnenaufgang bis -untergang. Er unterstützt Arme mit Geld (arabisch: Zakat) und er pilgert einmal im Leben nach Mekka.

Wichtigster Treffpunkt für die Gläubigen ist die Moschee, die – anders als die christliche Kirche – keine sakrale Stätte ist, sondern ein praktischer und vor allem stiller Ort zum Beten und Verweilen, zum Ausruhen und Meditieren. Außerhalb der Gebetszeiten kannst du fast alle Moscheen besichtigen, wenn du dezente Kleidung trägst und die Schuhe am Eingang ausziehst. Frauen bedecken ihr Haar. Wegen des islamischen Bilderverbots sind Moscheen hauptsächlich mit kunstvollen Kalligrafien verziert. Hier finden auch die typisch ägyptischen Heiligenfeste statt, die Mulids. Die Plätze vor den Moscheen sind dann geschmückt, Kinderkarusselle und Schaukeln aufgebaut. Bei den mehrere Tage andauernden Festivitäten treten Feuerschlucker und Schlangenbeschwörer auf, und Sufis tanzen sich in Trance.

Christliche Minderheit

Etwa zehn Prozent aller Ägypter sind Kopten, orthodoxe Christen, die sich oft mit einem am Handgelenk eintätowierten Kreuz als solche zu erkennen geben. Die Kopten sind wie die Muslime an Traditionen orientiert, so gibt es etwa strenge Fastenperioden.

Das Verhältnis zur muslimischen Bevölkerungsmehrheit ist infolge der Islamrenaissance angespannt. Die Regierung beschwört die Einheit des Volks, und viele Ägypter aller Glaubensrichtungen stimmen dem vorbehaltlos zu. Trotzdem kam es in den letzten Jahren zu gewalttätigen Konflikten zwischen Muslimen und Kopten, die durch blutige Attentate von ägyptischen Ablegern des Islamischen Staats geschürt wurden.

Ägypten, bereits im 2.Jh. christianisiert, ist eine der ältesten christlichen Glaubensgemeinschaften der Welt.

Krisenwirtschaft

Für Urlauber ist Ägypten ein billiges Land, für die Ägypter wird‘s immer teurer. Von ihrem Gehalt können die wenigsten leben. Vielen haben zwei, drei Jobs. Wenn du herausfindest, dass dein Taxifahrer hauptberuflich als Beamter oder Ingenieur arbeitet, ist das eher die Regel als die Ausnahme. Politische Instabilität und Terroranschläge haben den Tourismus nachhaltig beeinträchtigt. Dieser ist aber eine der vier wichtigen Devisenbringer. Auch die anderen drei Geldquellen – Ölund Gasexport, Überweisungen ägyptischer Gastarbeiter, Suezkanalgebühren – schwächeln. Dazu kommt: Für Kredite des Währungsfonds musste das ägyptische Pfund um fast 50 Prozent abgewertet werden. In der Folge vervielfachten sich die Preise für Grundnahrungsmittel wie Brot, Tomaten und Fleisch. Zucker wurde sogar knapp. Hoffnung setzt die Regierung nun u. a. in den weltgrößten Solarpark in der Wüste.

Mein Haus ist dein Haus

Sobald ein Gast das Haus oder das Zelt betritt, so lautet eine alte Beduinenregel, soll man ihn mindestens drei Tage lang wie ein Mitglied der Familie behandeln. Er muss beköstigt, beschützt und notfalls auch gekleidet werden. Auch heute noch ist die Gastfreundschaft der Ägypter nahezu legendär. Die Chance, dass Einheimische dich zum Essen in ihr Haus oder ihre Wohnung einladen, ist gar nicht so gering. Bevor du eine Einladung annimmst, sollte sie mindestens dreimal ausgesprochen sein, und selbst dann kann es passieren, dass die Gastgeber dir zuliebe mit einem opulenten Mahl die Haushaltskasse für Monate im Voraus schröpfen. Bring ein kleines Geschenk mit, Geld für die Kinder, Gebäck oder frisches Obst.

Gescheiterte Revolution

Am 25. Januar 2011 begann ein 18-tägiger Volksaufstand, der mit dem Sturz von Präsident Mubarak endete. Millionen Ägypter waren auf die Straße gegangen, fast tausend kamen um. Das Ergebnis ist bekannt: 2014 übernahm das Militär in der Rolle des Retters wieder die Macht. Seitdem ist Oberbefehlshaber Abdel Fatah el-Sisi Präsident. Die Revolution aber ist gescheitert. Warum? Erstens gab es keine charismatische Gallionsfigur mit dem Zeug, das Land zu führen. Zweitens hatte keine der Revolutionsparteien ein tragfähiges Konzept für die Zukunft eines neuen Ägypten. Armut, Wirtschaftsmisere, unterdrückte Demokratie – nichts ist heute besser als unter Mubarak. Amnesty International sieht das Land u. a. wegen Willkürverhaftungen und der Knebelung der Meinungsfreiheit in einer anhaltenden „Menschenrechtskrise“.

Apfelrauch

Die markantesten Geräusche eines typisch ägyptischen Kaffeehauses sind das Klappern der Backgammonsteine und das stete Blubbern der Wasserpfeifen. Die Shisha erfreut sich trotz des hohen Schadstoffgehalts ihres Rauchs weiter großer Beliebtheit. Als Mundstück dient Einwegware aus Plastik. In einigen Cafés trennt man die glühende Kohle mit Alufolie vom Tabak, sodass nur der reine Tabakrauch eingeatmet wird. Es gibt die verschiedensten Aromen wie Apfel, Pfirsich und traditionell Rosenblüte oder Minze.

Lesestoff & Filmfutter

Bücher
Die Kairo-Trilogie 

Das schönste und zeitlose Werk (2004) von Nobelpreisträger Naguib Mahfouz (1911–2006) dreht sich um Leben, Leiden und die Menschen in der Altstadt Kairos zwischen den Weltkriegen. Vielen der Protagonisten wirst du in Ägypten begegnen

Im Taxi: Unterwegs in Kairo 

Chalid al-Chamissi hat 2011 im bitter bis witzigen Plausch mit Kairoer Taxifahrern den Irrsinn des ägyptischen Alltags aufgezeichnet, der zur Revolution führte. Zeitlos großartig!

Filme
Der Jakubijân-Bau

Der regimekritische – und verfilmte – Bestsellerroman (2002) von Alaa Al Aswany lässt kein Tabu aus: Korruption, Ehebruch, islamistischer Extremismus, staatliche Repressionen

Dream Away

Der Dokumentarfilm (2018) zeigt, wie die Touristenflaute nach der Revolution das glamouröse Sharm El-Sheikh zur gespenstischen Kulisse schrumpft – ein guter Denkanstoß, wie sehr Tourismus auch angewandte Entwicklungshilfe und Stabilitätsfaktor für ein Land wie Ägypten ist

Fakten

Einwohner
94.798.827
Fläche
1.010.407 km²
Sprache
Arabisch
Währung
ägyptisches Pfund
Strom
220 V, 50 Hz
Regierungssystem
Republik
Hauptstadt
Kairo
Reisepass / Visum
notwendig
Ortszeit
04:16 Uhr
Zeitverschiebung
1 h (zu MEZ)
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