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Estland

Check-in

Die Wälder wollen kein Ende nehmen, in abgründigen Moorseen spiegelt sich baltisches Wolkentheater, und an der Küste, gesäumt von zerklüfteten Felsen, schilfigen Buchten, breiten Stränden und über 1500 Inseln, nennen die Leute in den Fischerdörfern die Ostsee ihr „Westmeer“. Die kleinste der drei Ostseerepubliken wartet mit viel Natur und Ursprünglichkeit auf; alte Hansestädte, Burgruinen und Herrenhäuser erzählen von bewegter Geschichte. Und die Hauptstadt Tallinn betört mit mittelalterlich-nordischem Charme, viel Kultur und pulsierendem Nachtleben, die meisterhaft restaurierte Altstadt zählt zu Europas schönsten.

Estland, die nördlichste der drei Ostseerepubliken, ist ein Land der leisen Töne. Geprägt von der herben Schönheit seiner Natur, vom Leben am Meer: Stolze 3800 km misst die Küstenlinie, sechsmal mehr als die Landgrenzen zu Lettland und Russland. Nur der Finnische Meerbusen trennt Estland von Finnland, wie man sich überhaupt mehr Skandinavien als dem Baltikum zugehörig fühlt. Lange Sandstrände, von Kiefernwäldern gesäumt, zerklüftete Kalksandkliffe im Norden, Flüsse, die von der 50 m hohen Steilküste ins Meer stürzen, flache Küstenlinien, durchsetzt mit großen Findlingen: Das Naturpanorama an der Ostsee ist faszinierend. Im Süden des Landes formt sich aus der Ebene eine sanftwellige, waldreiche Hügellandschaft, Hunderte Seen sind in diese Moränenketten eingebettet. Nach Osten öffnet der riesige Peipus-See eine Ahnung russischer Weite.

Der Kontrast zur Hauptstadt könnte größer kaum sein. Altes, junges, aufstrebendes Tallinn: Kopfsteinpflastergassen, gesäumt von spitzgiebeligen Kaufmannshäusern und Kirchen, zwischendrin ein altes Dominikanerkloster, das gotische Rathaus. Man könnte glauben, ins Mittelalter zurückzuwandern, wären da nicht die bunten Straßencafés vor den historischen Fassaden und allenthalben junge Leute mit aufgeklappten Laptops und den allgegenwärtigen Handys, mit dem man hier sogar die Parkuhr fürs Auto bezahlt oder auch den Stadtbus. Vergangenheit trifft Zukunft. Grauer Sowjetmief ist einem lebendigen Mix aus eleganten Läden, Restaurants und trendigen Cafés gewichen, hanseatisch-nordisches Flair durchweht die Altstadt. Sich hier wohlzufühlen fällt leicht.

Tallinn mit seinem mittelalterlichen Stadtkern, den Theatern, Museen und Kneipen, mit seinem pulsierenden Nachtleben, dem Regierungssitz und den modernen Einkaufszentren ist Estlands unbestrittenes Zentrum, in jeder Hinsicht. Etwa 400000 Menschen leben hier, fast ein Drittel aller Esten. Jenseits von Tallinn fließt das Leben viel gemächlicher. Schon in Tartu, der zweitgrößten Stadt des Landes, ist das zu spüren.

Die baltische Republik, mit 45000 km² etwa so groß wie Niedersachsen und von knapp 1,4 Mio. Menschen bewohnt, wurzelt in bewegter Geschichte. Überall im Land stößt man auf ihre Zeugen: Reste alter Ordensburgen, noch als Ruinen von einstiger Macht erzählend, seltsam anmutende Radkreuze im hohen Gras verwitterter Inselfriedhöfe, orthodoxe Kirchen, prächtige Herrenhäuser. Es sind die Spuren fremder Regenten. Jahrhundertelang lebten die Esten unter deren Herrschaft: Dänen, Deutsche, Polen, Schweden, schließlich die Russen - sie alle rissen sich das historische Livland oder Teile davon unter den Nagel.

Die ersten Missionare kamen im 13. Jh. noch aus Dänemark, doch bald fielen die Ritter des Deutschen Ordens im baltischen Norden ein, um die heidnischen Esten mit dem Schwert unter das Kreuz zu zwingen. In ihrem Gefolge errichteten deutsche Kaufleute Handelsniederlassungen. Tallinn, von den Deutschen Reval genannt, Narva, Tartu (Dorpat), Pärnu (Pernau) und Viljandi entstanden und wuchsen als blühende Hansestädte zu Reichtum und Wohlstand. Im 16. und 17. Jh. rauften sich Polen, Schweden und Russen um das Land, bis das aufstrebende Zarenreich Peters des Großen als Sieger aus diesen Machtkämpfen an der Ostsee hervorging. Zwar konnten sich die Esten 1917/18 endlich aus dem zaristischen Imperium lösen, doch die Eigenständigkeit endete schon 1939 wieder - mit dem Hitler-Stalin-Pakt. Für Estland begann die schlimmste Zeit seiner Geschichte: von Moskau einverleibt, von den Deutschen besetzt, nach Kriegsende sowjetisiert. Durch Flucht, Massendeportationen und Staatsterror verlor das kleine Land ein Viertel seiner ethnischen Bevölkerung. Im Gegenzug kamen Einwohner aus dem Sowjetreich in das Land.

Alle Wunden dieser Zeit sind noch längst nicht verheilt. Doch für mehr und mehr Esten, vor allem in den jungen Generationen, ist Vergangenheit Geschichte: Wer kann, blickt nach vorn. Das Land steckt in einem rasanten Aufschwung, die Wachstumsrate zählt konstant zu den höchsten in Europa. Weltweit als Musterknabe gilt das Baltenland auf dem Gebiet neuer Kommunikationstechnologien. Der Staat garantiert seinen Bürgern per Verfassung den freien Internetzugang, blau-weiße Schilder mit dem @-Symbol weisen auf die etwa 1100 öffentlichen und kostenlosen Internetzugänge hin, die sich selbst in kleinen Dörfern finden.

Esten gelten als Individualisten, wortkarg und schweigsam. Gerade auf dem Land gilt Schweigen durchaus als Art der Kommunikation. Niemals würde ein Este einem Fremden ein Gespräch aufdrängen. Freundschaften schließen die Menschen hier nicht so schnell. Aber wenn, dann halten sie ein Leben. Doch einmal im Jahr ist manches anders: Von Ende Mai bis Mitte Juli, wenn es nicht richtig dunkel wird, beschwingen die „weißen Nächte“ die Seelen der Esten. Ihren Höhepunkt findet diese Zeit an Jaanipäev, der Johannisnacht vom 23. zum 24. Juni: Das ganze Land feiert an diesem Tag ein fröhliches Fest mit Sonnenwendfeiern und alten Liedern.

Traditionen und Bräuche spielen in Estland eine immense Rolle. Traditionen haben den Esten in den Jahrhunderten wechselnder Fremdherrschaft geholfen, die Identität zu bewahrten, so etwas gräbt sich tief ein ins nationale Bewusstsein. Das gilt vor allem für die Lieder, ein heiliger Volksschatz wie überall im Baltikum. Die Sängerfeste, das erste fand 1869 in Tartu statt, sind eine nationale Institution. Mit ihren Volksliedern auf den Lippen stellten sich die Esten 1991 den sowjetischen Panzern entgegen, der Freiheitskampf ging als „singende Revolution“ in die Weltgeschichte ein. Auch das freie Estland machte singend von sich reden: Mit dem Gewinn des European Song Contest 2001 rückte die kleine Republik im Bewusstsein vieler TV-Zuschauer erstmals wieder auf die europäische Landkarte.

Ein Geheimtipp ist das Land im Norden des Baltikums längst nicht mehr. Immer mehr Urlauber entdecken Estland, zumal im Zeitalter der Billigflieger auch Tallinn so leicht erreichbar ist wie Paris und spätestens mit der Aufnahme in den Schengen-Verbund letzte Grenzen fielen. Natürlich lockt vor allem die Hauptstadt die Touristen. Doch auch auf den Inseln und im Binnenland mit seinen kleinen Städtchen gibt es viel zu entdecken: restaurierte Gutshäuser, uralte Windmühlen, Leuchttürme und nicht zuletzt wunderbare Landschaften. In der Stille der Natur dieses Landes lässt sich Kraft schöpfen, und die Gastfreundschaft der Menschen tut ein Übriges, um Besucher spüren zu lassen, dass sie hier, im baltischen Norden, herzlich willkommen sind.

Sehenswürdigkeiten & Top Highlights

Der Rathausplatz ist damals wie heute Schnittpunkt des städtischen Lebens. Im Sommer finden Feste statt, Cafés stellen Tische ins Freie. Das Rathaus selbst ist das einzig erhaltene gotische Rathaus…
Seit 800 Jahren ist dieser mittelalterliche Marktplatz das Herz der Stadt. Ihn säumen einige der schönsten gotischen Fassaden Tallinns. Mit seinen Kneipen und Cafés ist er bis heute zentraler…
Schöne inhabergeführte Läden für nachhaltige estnische Produkte – verstreut übers alte Industriegelände: z. B. hochwertige Mode von Ellen Richard und Nordhale, beide in Estland genäht. Schuhe…
In der riesigen neuen Markthalle direkt hinter dem Bahnhof finden Sie einfach alles, was man so brauchen kann: von Socken über Südfrüchte bis zu Sesseln. Zum Ausruhen und Auftanken gibt es auß…
Das malerische Dörfchen Koguva (Koguvaküla) auf der westlichen Seite der Insel Muhu, seit 1968 unter Denkmalschutz stehend, ist ein bewohntes Museum. Bemooste Steinmauern, alte Höfe, Mühlen, eine…
Die Aussichtsterrassen Tallinns prägen die Erinnerung eines jeden Besuchers an die Stadt. Die Aussicht von dieser frei zugänglichen Terrasse über die roten Ziegeldächer der Unterstadt vor dem Meer…
Das Estnische Meeresmuseum ist in den alten Hangars des Tallinner Seeflughafens aus der Zarenzeit untergebracht. Historische Flugzeuge und Schiffe, wie das Wrack eines Frachtseglers aus dem 16. Jh.…
Die Attraktion der Stadt bilden die Ruinen der 1265 errichteten Bischofsburg mit ihren gewaltigen Mauern und die Domkirche. Die größte einschiffige Kathedrale im Baltikumistkompletterhalten. Im…
Tallinns Domberg – Wahrzeichen der Stadt – ist ein wichtiger Schauplatz des estnischen Gründungsepos Kalevipoeg: Der Sage nach soll der Kalkberg die Grabstätte der finnisch-estnischen Gestalt…
Die Festung wurde von den Dänen auf-, vom Deutschen Orden und später den Schweden umgebaut. Die Ordensritter tauften sie Hermannsfeste. 1492 bauten die Russen die Feste Ivangorod am anderen…
Vom 13. Jh. an wurde die Unterstadt in die Burgbefestigung auf dem Domberg integriert, die Mauer dafür erweitert. Am Ende stand eines der größten Bollwerke des nordeuropäischen Mittelalters: 3 m…
Die 1913 eingeweihte Nationaloper glänzt mit eigenen Inszenierungen und internationalen Gastspielen. Opern werden in der Originalsprache gesungen, Musicals und Operetten auf Estnisch (meist mit…
Die älteste Stadt des Baltikums (1030 erstmals erwähnt) tritt studentisch-jung, unkonventionell und kreativ auf. Tartu (93 000 Ew.) ist das akademische und historisch-kulturelle Herz Estlands.Klar,…
Etwa 60 km von Heltermaa, in der Mitte der westlichen Halbinsel Kõpu das Symbol Hiiumaas: der Leuchtturm Kõpu. Schon 1531 errichtet, ist er heute das älteste noch tätige Leuchtfeuer im Ostseeraum…
Die lutherische Domkirche ist eine von drei noch bestehenden Kirchen aus dem Mittelalter in Estland und somit eine der ältesten im ganzen Land. Im 13. Jh. wurde hier für die deutschen Ritter die…

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Praktische Hinweise

Anreise

Auto

Von Polen ab Warschau die E 67 Suwalki-Marijampole-Kaunas-Panevezys-Bauska bis Riga. Weiter zum lettisch-estnischen Grenzübergang Ainaži/Ikla. Für Norddeutsche ist auch ein Landweg über Dänemark, Schweden und weiter mit der Fähre Stockholm-Tallinn denkbar.

Bahn

Nicht wirklich zu empfehlen, weil langsam (allein bis Riga 35 Std.) und umständlich (für Weißrussland ist ein Transitvisum nötig, das vor Antritt der Reise im Heimatland zu beantragen ist). Es geht mit dem Zug von Berlin nach Warschau, von dort weiter über Minsk und Vilnius nach Riga. Weiter nach Estland geht es von da nur mit dem Bus. | Infos: Tel. 0800/1500700 | www.bahn.de

Bus

Von Kiel zweimal wöchentlich über Hamburg, Berlin, Warschau, Riga nach Tallinn in ca. 31 Std. (TAK Reisid | Kadaka 62a | Tallinn | Tel. 6279080 | Fax 6723929 | www.takreisid.ee). Von München, Stuttgart, Köln oder Berlin fährt Mootor Reisid/Eurolines (Lastekodu 46 | Tallinn | Tel. 6800909 | www.eurolines.ee | Tel. 069/790350 | www.eurolines.de) nach Tallinn.

Fähre

Zurzeit besteht keine direkte Fährverbindung zwischen Deutschland und Estland. Ab Travemünde fährt Finnlines täglich in 26–35 Stunden nach Helsinki (Tel. 0451/150 74 43 | www.finnlines.de). Von Helsinki aus gibt es eine Vielzahl von Fährverbindungen (1,5–4 Stunden) nach Tallinn (www.vikingline.fi, www.eckeroline.fi, www.tallinksilija.com, www.njl.info). Wer mit der Fähre anreisen und mit dem eigenen Auto weiterfahren möchte, kann auch mit Scandlines von Rostock ins lettische Ventspils fahren (Tel. 0381/673 12 17 | www.scandlines.de); zwischen Ventspils und der estnischen Insel Saaremaa pendelt mehrmals wöchentlich eine Autofähre (www.slkferries.ee). DFDS Lisco Baltic bedient dreimal pro Woche die Linie Lübeck–Riga und steuert von Kiel und Sassnitz aus sechsmal wöchentlich die litauische Hafenstadt Klaipėda an (Tel. 0431/20 97 64 20 | www.dfdslisco.com).

Flugzeug

Estonian Air fliegt mehrmals die Woche von Hamburg, Berlin, Frankfurt, München nach Tallinn (Tel. 06105/206070 | www.estonian-air.ee). Täglich fliegt EasyJet Berlin-Tallinn (www.easyjet.com). Finnair bietet täglich von Deutschland aus Flüge über Helsinki nach Tallinn an (www.finnair.com). SAS startet von deutschen Flughäfen via Kopenhagen oder Stockholm nach Tallinn (www.scandinavian.net). Austrian Air tut dies über Wien (www.aua.com). Die polnische LOT fliegt von Düsseldorf über Warschau nach Tallinn (www.lot.com).

Auskunft

In Deutschland

Baltikum Tourismuszentrale | Katharinenstr. 19 | 10711 Berlin | Tel. 030/89009091 | Fax 89009092 | www.baltikuminfo.de

In Estland

Estnisches Fremdenverkehrsamt | Roosikrantsi 11 | 10119 Tallinn | Tel. 6279770 | Fax 6279777 | www.visitestonia.com

In Estland finden Sie in allen größeren Orten Infozentren (Tusimiinfokeskus), erkennbar am internationalen grün-weißen I-Signet.

Auto

In Estland muss man auch tagsüber mit Licht fahren. Gewöhnungsbedürftig sind die Schotterpisten in entlegeneren Gebieten. Höchstgeschwindigkeit innerorts 50 km/h, auf Landstraßen 90 km/h. Autobahnabschnitte (bis 110 km/h) gibt es auf den Strecken Tallinn–Narva und Tallinn–Pärnu. Es gelten die Null-Promillegrenze und Handyverbot am Steuer. Von Dezember bis März sind Winterreifen vorgeschrieben. Achtung an Ampeln: Blinkendes Grün entspricht Gelb in Deutschland; bei Gelb daher nie weiterfahren. Tankstellen gibt es genügend und bleifreies Benzin überall, meist mit einem E gekennzeichnet (Normal: 95, Super: 95 E). In der Regel sind die Zapfanlagen farbig markiert: grün (bleifrei), rot (verbleit), schwarz (Diesel). Die grüne Versicherungskarte ist zu empfehlen.

Banken und Kreditkarten

Die meisten Banken akzeptieren alle gängigen Kredit- und EC-Karten. Geldautomaten (EC, Master, Visa, Eurocard) gibt es in jedem größeren Ort. Banköffnungzeiten: Mo-Fr 9-16 Uhr; einige Banken sind auch samstags geöffnet. Zahlen per Kreditkarte ist auch in abgelegenen Gegenden durchaus möglich.

Diplomatische Vertretungen

Deutsche Botschaft

Toom-Kuninga 11 | 15048 Tallinn | Tel. 6275300 | Fax 6275304 | www.germany.ee | Notfalldienst: Tel. 5012560

Österreichische Botschaft

Vambola 6 | 10114 Tallinn | Tel. 6278740 | Fax 6314365 | www.austrianembassy.ee

Schweizer Generalkonsulat

Tuvi 12-28 | 10119 Tallinn | Tel. 6313041 | Fax 6314092 | matti.klaar@starman.ee

Einreise

Seit 2008 gilt in Estland das Schengen-Abkommen. Wer aus einem anderen Schengen-Staat einreist, wird im Normalfall also nicht mehr kontrolliert. Sie sollten dennoch immer einen gültigen Personalausweis oder Reisepass dabeihaben.

Gesundheit

Zusätzlich zur Notwendigkeit einer Auslandskrankenversicherung empfiehlt sich eine Zeckenschutzimpfung. Im Notfall können Sie sich bei Ärzten, Zahnärzten und in Kliniken behandeln lassen. Der EWR-Auslandskrankenschein ist in Estland gültig. Sie müssen zunächst die Kosten für die Behandlung vorstrecken, Ihre Kasse erstattet sie dann. Nahezu jeder größere Ort ab 2000 Ew. hat eine Apotheke (apteek), in der Medikamente rezeptfrei verkauft werden. Informationen über deutschsprachige Ärzte und Kliniken erhalten Sie am besten in größeren Hotels.

Internet

Internet

Touristische Infos: www.visitestonia.com, www.estemb.de, www.estnet.info. Die Seite von www.maaturism.ee informiert über Urlaub auf dem Land, www.estonica.ee über Kultur, Natur und Geschichte. Die wohl umfangreichste Datenbank über touristische Angebote in Estland bietet www.ozoon.de. Auf Deutsch informieren www.estmonde.ch und www.ratgeber-estland.de; interessant auch www.infobalt.de. Ausführliche Urlauberinfos über die Hauptstadt unter www.tourism.tallinn.ee. Bewährt sind die Seiten von www.inyourpocket.com, die aktuelle Veranstaltungstipps über Tartu, Tallinn, Pärnu und Haapsalu bieten. Unter http://web.starman.ee/th/estland.htm finden Sie auf Deutsch Infos über Estland und eine Vielzahl von Links aus dem Land.

Internet-Hotspots

Estland verfügt über ein dichtes, stabiles und schnelles, in der Hauptstadtregion sogar flächendeckendes WLAN-Netz: Tallinn ist als eine der ersten Städte der Welt auf Basis der neuen Wimax-Technologie mit einem großen WLAN-Hotspot ausgerüstet. Doch auch im übrigen Land gibt es selbst in entlegenen Dörfern und an Stränden überall öffentliche Internet-Hotspots, insgesamt etwa 1100 Stück - erkennbar an den blauweißen @-Schildern, die den kostenlosen Zugangspunkt kennzeichnen (komplette Übersicht unter www.wifi.ee). Weltweit einmalig hat Estland den kostenfreien Internetzugang als Grundrecht verankert.

Klima & Reisezeit

Die schönste Zeit für eine Estland-Reise liegt zwischen Mai und Mitte Oktober. Die Sommer können wunderbar warm werden. Die Ostsee erwärmt sich im August oft auf bis zu 23 Grad, die Seen auf 25 Grad. Schön ist der Herbst, wenn das Laub bunt wird. Ende September kann es nachts schon frieren. Der Winter ist schneereich und oft bitterkalt.

Mietwagen

In Tallinn am Flughafen sind alle internationalen Mietwagenfirmen vertreten, ebenso in Pärnu und Tartu. Preise: zwischen 50 und 80 Euro pro Tag, also relativ hoch. Manchmal bucht man über ein heimisches Reisebüro günstiger, auch lokale Anbieter sind u. U. billiger (R-Rent | Lennujaama 2 | Tallinn | Tel. 6058929 | Fax 6058929; Tulika Rent | Tihase 34 | Tallinn | Tel. 6120012 | Fax 6120013 | www.tulika.ee).

Notruf

Feuerwehr sowie Notarzt/Krankenwagen: 112. Polizei: 110

Öffentliche Verkehrsmittel

In Tallinn fahren Straßenbahnen und Trolleybusse. Kaufen Sie die Tickets im Zehnerblock am Kiosk für ca. 5 Euro. Beim Fahrer kostet der Einzelfahrschein 0,80-1 Euro. Ein Routenplan hängt an jeder Haltestelle aus (www.tak.ee). Generell sind Busse das Verkehrsmittel im Land. Jede größere Stadt besitzt einen Busbahnhof. Zwischen den Zentren verkehren Schnellbusse. So braucht man für die knapp 200 km lange Strecke Tartu-Tallinn etwas mehr als 2 Std., Preis: 6 Euro. www.bussireisid.ee

Ein dichtes Eisenbahnnetz existiert für den Personenverkehr nur im Großraum Tallinn. Nach Viljandi, Pärnu, Tartu und Valga gehen ein bis zwei Züge am Tag, Fahrtdauer 3-6 Std.! Die Preise sind niedrig; etwa 3 Euro kostet die Fahrt nach Pärnu. www.elektriraudtee.ee, www.edel.ee

Öffnungszeiten

Geschäfte sind Mo-Sa 9-19 Uhr geöffnet. Auf dem Land können Läden früher schließen - oder die ganze Nacht offen sein. Die Öffnungszeiten von Restaurants, Discos und Bars sind saisonal ausgerichtet, ebenso die der Touristinfos, die meist Mai-Sept. Mo-Fr 9-18, Sa/So 10-15 Uhr, Okt.-April Mo-Fr 10-17 Uhr geöffnet haben. Museen sind montags, manchmal dienstags geschlossen.

Post

Postämter sind meist Mo–Fr 9–18, Sa 9.30–15 Uhr geöffnet. Briefmarken gibt es auch an einigen Kiosken. Eine Postkarte nach Deutschland kostet ca. 1,2 Euro. www.post.ee

Preise und Währung

Seit dem 1. Januar 2011 ist in Estland der Euro offizielles Zahlungsmittel.

Wie sich die Einführung der europäischen Gemeinschaftswährung auf die Preisentwicklung auswirkt, ist schwer abzuschätzen, viele Esten befürchten einen Preisanstieg. Im Vergleich mit Deutschland ist Estland immer noch ein preisgünstiges Land – mit Ausnahme von Tallinn, wo vor allem die Übernachtungspreise in neuen Hotels westliches Niveau erreicht haben. Die Preise in diesem Reiseführer beziehen sich auf den Umrechnungskurs bei Redaktionsschluss: 1 Euro = 15,65 Kronen.

Rauchen

Rauchen ist in Estland in allen öffentlichen Einrichtungen und allen Gaststätten tabu. Wer dagegen verstößt, riskiert ein saftiges Bußgeld.

Sicherheit

In Estland ist es genauso sicher oder unsicher wie anderswo in Europa. Das Auto sollten Sie möglichst auf bewachten Parkplätzen abstellen. In Touristenzentren wie Tallinn ist die Polizei stärker präsent, auch zur fürsorglichen Kontrolle vieler trinkfester Reisender aus Finnland und England. Manche Plätze werden per Video überwacht. Von der berüchtigten Ostmafia merken Touristen nichts.

Taxi

Taxifahrten werden nach Entfernung berechnet. Allerdings ist es in Tallinn ratsam, die Fahrtkosten vorher abzuklären und nur einzusteigen, wenn der Preis akzeptabel erscheint. Preis: 6-8 Kronen/km zwischen 6 und 23 Uhr. Normalerweise hängt im Wagen eine Preisliste aus. Auf Verlangen muss der Fahrer eine Quittung auszustellen. Taxiruf Tallinn: Taxis-Klubi Takso | Tel. 14200 | www.klubitakso.ee. Speziell am Flug- und am Fährhafen in Tallinn scheinen einige Taxifahrer ein „Touristen-Taxameter“ zu haben. Manche Hotels geben daher auf ihrer Website an, wie hoch der Fahrpreis zum Hotel sein darf.

Telefon & Handy

Internationale Vorwahl für Estland: 00372. Durchwahl aus Estland nach Deutschland: 0049 plus Ortsnetzvorwahl ohne 0. Vorwahl Österreich: 0043, Schweiz: 0041. In Estland wird bei Inlandsgesprächen keine 0 vorweg gewählt; alle Anschlüsse haben mit Ortsvorwahl sieben Ziffern. Eine englischsprachige Auskunft erhält man unter Tel. 11 82. Telefonzellen funktionieren mit Telefonwertkarten (2–10 Euro), die es u.a. in Tankstellen, Hotels und bei der Post gibt.

Estland hat ein nahezu flächendeckendes und stabiles Mobilfunknetz. Um Roamingkosten zu sparen, empfiehlt sich der Kauf einer estnischen Prepaid-SIM-Card, die es in Handyläden, Supermärkten, an Kiosken oder bei der Post gibt. Tipp: ein Starterpaket kaufen. Es kostet weniger als 5 Euro, enthalten sind neben der SIM-Card auch gleich Gesprächsguthaben von etwa 6,50 Euro.

Zeit

Ins Estland gilt die Osteuropäische Zeit = MEZ plus eine Stunde.

Zoll

Auch nach dem Beitritt zum Schengen-Abkommen gibt es stichprobenartige Zollkontrollen. Es gelten die Regeln des EU-Binnenmarktes. Zollfrei ein- und ausführen darf man z. B. 110 l Bier, 90 l Wein, 10 l Spirituosen. Zollbehörde Tallinn | Tel. 696 74 35 | www.emta.ee, www.zoll.de

Feste und Events

Offizielle Feiertage

1. Januar

Neujahr

24. Februar

Unabhängigkeitstag - Gründungstag der Republik Estland 1918

März/April

Karfreitag

März/April

Ostermontag

1. Mai

Tag der Arbeit

23. Juni

Fest des Sieges (Vöidupüha) - 1919 besiegte die estnische Armee die deutsch-baltische Heimwehr in der Schlacht von Vönnu (Cesis)

24. Juni

Johannistag

20. August

Tag der wiedererlangten Unabhängigkeit 1991

25./26. Dezember

Weihnachten

Feste und Veranstaltungen

März

Ende März: Kinder und Jugendmusikfest Muusikamoos in Pärnu

April

Anfang April: Tage der Estnischen Musik (www.ehl.kuhl.ee)

Mitte/Ende April: Studententage in Tartu - Highlife in Bars und Discos (www.studentdays.ee)

Letzte Woche: internationales Jazzfestival Jazzkar in Tallinn (www.jazzkaar.ee)

Mai

Ende Mai: internationales Chorfestival in Pärnu

Juni

Anfang Juni: Altstadttage in Tallinn - Budenzauber, Konzerte, Aufführungen und Trachtenfest

Mitte Juni: Grillfest in Pärnu - Sommerparty mit Livemusik und Barbecue

23./24. Juni: landesweite nächtliche Feiern zur Sommersonnenwende mit Johannisfeuern, Speisen, vielen Getränken und viel Tanz

Juli

Erste Juliwoche: Biersommer auf dem Sängerplatz in Tallinn - die größte Hopfenfete im Baltikum (www.ollesummer.ee)

Mittelalterliche Markttage auf dem Rathausplatz in Tallinn

Mitte Juli: internationales Folklorefestival in Võru - die Stadt verwandelt sich für einige Tage in eine Bühne für Trachten, Volksmusik und Handwerkskunst (www.werro.ee/folkloor.html)

Mitte Juli: Watergate in Pärnu - Sommerfestival rund ums Wasser (www.watergate.ee)

Ende Juli: Operntage in Kuressaare auf Saaremaa (www.operadays.ee)

August

Mitte August: Festtage der „Weißen Dame“ in Haapsalu - Stadtfest rund um eine Legende

Ende August: Sommer-Abschlussfest der „Sommerhauptstadt“ Pärnu - traditoneller Tanz am Strand - der Ministerpräsident tanzt ebenfalls mit

September

Mitte September: Studententage in Tartu - Openend in Kneipen und Discos; Konzerte, Bandwettbewerbe

Ende September: internationales Fest der orthodoxen Kirchenmusik in Tallinn (www.orthodoxsingers.com)

Oktober

Anfang Oktober: internationales Festival alter Musik in Tartu (www.festivitas.ee)

Dezember

Ende November bis Heiligabend: „Es weihnachtet in Tartu", in der Stadtmitte

Weihnachtsmarkt auf dem Rathausplatz in Tallinn

Bloß nicht

Die Blumen vergessen

Sollten Sie eingeladen werden, nehmen Sie unbedingt einen Strauß Blumen für Ihre Gastgeber mit. Nicht der Preis, sondern die Geste zählt. Mit leeren Händen zu kommen wird in Estland als unhöflich empfunden. Und Estinnen lieben Blumen: Überall in den Städten gibt es kleine Blumenstände, die ein großes Publikum haben. Vermeiden Sie rote Nelken, da sie an die Sowjetzeit erinnern. Schenken Sie immer in ungerader Zahl, nur bei traurigen Anlässen ist dies anders. Übrigens: Bei Privatbesuchen ist das Ausziehen der Schuhe im Flur üblich. Also vorher auf die Socken achten.

Gewohnheiten missachten

Esten gelten als reserviert, schweigsam und zurückhaltend. Pünktlichkeit zählt hier zur Höflichkeit, sie wird erwartet, ist eigentlich ein absolutes Muss. Bei der Begrüßung reicht man sich die Hände, mehr nicht. Sentimentalitäten im Zwischenmenschlichen vermeiden Esten. Selbst alte estnische Freunde kann es durchaus irritieren, wenn man sie zur Begrüßung drückt oder umarmt. Esten haben ihre Gefühle in der Öffentlichkeit stets unter Kontrolle, und man muss sich schon sehr gut kennen, bevor sie sich im Privaten öffnen.

Das Nationalbewusstsein verletzen

Die Esten sind als kleines Volk stolz auf ihre Nation und ihr Land. Verwechseln Sie die Esten daher bloß nicht mit Letten oder Litauern, das mögen sie nicht. Achten Sie auch darauf, ihre Hauptstadt Tallinn klar von Riga oder Vilnius zu unterscheiden. Manche, die das Baltikum zum ersten Mal bereisen, können seine drei Länder nicht immer in allen Facetten voneinander trennen, was bei Gesprächen zu peinlichen Momenten führen kann. Ebenso ist der in Deutschland übliche Begriff „Balten“ für die Esten eine Bezeichnung, die sie mit gemischten Gefühlen hören. Der Begriff ist zwar geografisch korrekt, spiegelt aber die nationale Eigenständigkeit nicht wider. Sie gewinnen Sympathien, wenn Sie die estnische Kultur und Tradition anerkennen und sich selbst bescheiden zeigen. Und: Bezeichnen Sie Esten nie als Russen und sprechen Sie nie von der einstigen Sowjetrepublik. Esten finden es zudem unpassend, wenn man ihr Land klein nennt. Sie haben ja nicht Unrecht: Dänemark, Belgien, Holland sind kleiner. Und im Sport sind die Esten, gemessen an der Einwohnerzahl, noch größer und verweisen gern und stolz auf ihre Erfolge.

Bahn fahren

Die Eisenbahn ist in Estland ein völlig unterentwickeltes Verkehrsmittel, es gibt nur wenige Inlandstrecken, auf denen meist nur zwei- bis dreimal täglich Züge fahren und das dann auch noch kriechend langsam, zumal sie in jedem Nest halten. Die meisten Esten fahren, wenn sie im Land vorwärts kommen wollen, lieber Bus. Das ist schneller und billiger.

Bücher & Filme

Das Leben des Balthasar Rüssow

Jaan Kroos, der große alte Mann der estnischen Literatur, thematisiert in diesem historischen Roman den Freiheitskampf im Livland des 16. Jhs.

Tod in Reval

Wunderschöne Geschichten aus Reval, heute Tallinn, aufgeschrieben von dem gebürtigen Rigaer Werner Bergengruen.

Die Estonia

Die Journalistin Jutta Rabe hat die tragische Schiffskatastrophe recherchiert. Hoch spannend, auch wenn viele Fragen offen bleiben.

Estland, mon amour

Regisseurin Sibylle Tiedemann folgt den Spuren ihres Bruders, der auf mysteriöse Weise in Estland ums Leben kam. Die sensible Dokumentation (2004) gerät trotz des ernsten Themas zu einer Liebeserklärung an das Ostseeland und seine Bewohner.

Revolution der Schweine

Thema dieses in Estland viel diskutierten Films (2004) von René Reinumägi und Jaak Kilmi ist eine antisowjetische Jugendrevolte gegen parteitreue Erwachsene in einem Zeltlager Mitte der 80er-Jahre.

Grüße aus Sowjet-Estland!

Der Dokumentarfilm (2005) von Urmas Eero Liiv kontrastiert sowjetische Wochenschauen und Propagandastreifen aus den 50er- bis 70er-Jahren mit den Erzählungen dreier estnischer Dissidenten: einer Nonne, eines heutigen EU-Abgeordneten und eines Emigranten.

Fakten

Einwohner 1.330.068
Fläche 45.339 km²
Sprache Estnisch
Währung Euro
Strom 230 V, 50 Hz
Regierungssystem Parlamentarische Republik
Hauptstadt Tallinn
Reisepass / Visum nicht notwendig
Ortszeit 05:40 Uhr
Zeitverschiebung 1 h (zu MESZ)

Anreise

23h 20min
1d 7h 3min
2h 20min
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