Ist erwähnt in Reiseführer:
Dynamisch, liebenswürdig, ein Moloch, eine Ansammlung von Dörfern, aufregend, provinziell, hässlich, exotisch, steif, vital … Greif eins dieser Merkmale heraus – oder erweiter die Liste – und setz davor: „Tokio ist …“. So unendlich viele Facetten hat diese Stadt, dass wohl niemand sie auf einen einzigen Nenner bringen kann.
Keine Langeweile zwischen Fuji und Fischmarkt
Auf dem größten Fischmarkt der Welt herrschen ab 5 Uhr morgens eigene Gesetze, wenn Hunderte riesengroße Thunfische versteigert werden. Über edle Einkaufsmeilen ziehen ab 11 Uhr gut betuchte, markenbewusste Fashionistas, während Gadget-Fans in den hippen Elektronikläden auf Jagd gehen. In Kabuki- und Nohtheatern lebt die Tradition des alten Japan ebenso weiter wie im sandigen Ring der Sumoarenen. Spätestens, wenn man während der Dämmerung, der sogenannten blauen Stunde, von der Aussichtsplattform eines Wolkenkratzers oder des Tokyo Skytree auf die größte Stadt der industrialisierten Welt schaut, diese sich endlos ausdehnende Metropole, hinter der im Westen majestätisch der Vulkankegel des heiligen Fuji thront, wird klar: In dieser Stadt kann es einfach nie langweilig werden.
Lust auf Veränderung
Tokio ist ein Abenteuer, eine faszinierende Reise zwischen Vergangenheit und Zukunft. Aber wie lernt man die dynamische Megastadt mit ihrer ständigen Lust an der Veränderung am besten kennen? Für einen ersten Überblick bietet es sich an, einfach in die Tokioter Ringbahn Yamanote zu steigen. Von der wichtigsten Verkehrsverbindung der Stadt hast du einen leichten Zugang zu den meisten Sehenswürdigkeiten. Steig aber bloß nicht zu früh aus den Federn, du tust dir zumindest an Wochentagen keinen Gefallen. Denn zur morgendlichen Stoßzeit zwischen 7.30 und 9.30 Uhr sind Tokios Bahnen immer extrem voll. Beginn deine Stadtrundfahrt am besten auf der von ausladenden Bäumen und Designerläden gesäumten Omotesandō in Harajuku, den Champs Élysées von Tokio. Auf diesem Prachtboulevard und in seinen kleinen Seitenstraßen ist die Fernostmetropole am europäischsten. Nach einem Bummel durch die schicken Geschäfte steigst du dann in die Yamanote-Bahn. Eine Weile grüßen zur Linken noch die hohen Baumwipfel aus dem Parkgelände des Meiji-Schreins herüber, später bestimmen die avantgardistischen Wolkenkratzer von Shinjuku das Panorama. Die Zahlen sprechen für sich: Allein in den 23 Innenstadtbezirken (ku) Tokios leben fast 10 Mio. Menschen, auf einer Fläche kleiner als Hamburg wohlgemerkt, mit eingemeindeten Städten und Inseln sind es rund 14 Mio. Einwohner. Das entspricht insgesamt etwa elf Prozent der Bevölkerung Japans. Der Großraum Tokio inklusive Yokohama zählt sogar über 37 Mio. Menschen.
Geschichte
12.Jh.
In Edo, einem kleinen Fischerdorf, wird erstmals eine Festung gebaut.
1509
Reichseiniger Tokugawa Ieyasu erklärt Edo zur Hauptstadt. Der Kaiser bleibt in Kyoto.
um 1800
Edo erreicht die 1-Millionen-Einwohner-Marke – noch vor London oder Paris.
1869
Im Zuge der Meiji-Restauration zieht auch der Kaiser nach Edo, welches in Tokio umbenannt wird.
1923
Das verheerende „Große Kanto-Erdbeben“ macht Tokio dem Erdboden gleich, rund 140 000 Bewohner kommen ums Leben.
1945
Luftangriffe verwüsten die Stadt vollständig, rund 210 000 Bewohner sterben.
1964
Tokio ist mitten im Wiederaufbau und richtet die Olympischen Sommerspiele aus.
1970
Die Stadt erreicht die 10-Millionen-Marke und erlebt einen beispiellosen Bauboom.
2021
Austragung der Olympischen Sommerspiele
Ursprüngliche Viertel mit poetischen Namen
Mit der Yamanote-Bahn gelangst du bald an die Station Takadanobaba. Zwei der angesehensten Universitäten liegen in dieser Gegend: die Waseda und die Gakushūin. An Letzterer hat Kaiser Naruhito studiert, ebenso wie sein Vater, der emeritierte Kaiser Akihito. „Ikebukuro!“ verkündet die Lautsprecherstimme. Dieses moderne Viertel der Hauptstadt wird überragt vom 60-stöckigen Einkaufsund Vergnügungskomplex Sunshine City. Er steht auf historischem Boden: Hier befand sich einst das Sugamo-Gefängnis, in dem Kriegsverbrecher des Zweiten Weltkriegs inhaftiert und die Hauptangeklagten am 23.Dezember 1948 hingerichtet wurden. Zwei Stationen weiter steht der Bahnhof Sugamo, auf deutsch „Entennest“. Was Harajuku für die Teens ist, ist Sugamo für die Alten, die hier durch die Läden stöbern. Die Atmosphäre südlich des Bahnhofs ist herrlich schrullig und Ausdruck japanischer Lebensfreude bis ins hohe Alter. „Komagome“, meldet der Schaffner, „Tabata“, „Nippori“ und „Uguisudani“. Auf Deutsch heißt das so viel wie Pferdekoppel, Reisfeldrain, Sonnenuntergangsdorf und Nachtigallental – poetische Namen aus vergangener Zeit, die Realität sieht mittlerweile ganz anders aus. Der Zug gleitet heute an monotonen Häuserfronten vorbei. Wäre das Tempo nur ein wenig langsamer, ließen sich Einblicke in die Wohnsituation der Durchschnittsjapaner gewinnen. Zumeist eher trostlose Szenerien, denn ältere Wohnungen im Zentrum sind winzig, ohne besonderen Komfort und teuer obendrein. Zurück zur Pferdekoppel und dem Tal der Nachtigallen. Gesetzt den Fall, du würdest an einer dieser Stationen aussteigen und durch die Gegend streifen: Auch ein Tokio-Neuling spürt den Unterschied zu Vierteln wie Shinjuku oder dem Ausgangspunkt, der Omotesandō, nach wenigen Schritten. Ursprünglicher ist es hier, direkter und ungeschminkter – das Hässliche ebenso wie das Schöne.
Auf Spurensuche nach dem alten Tokio
Irgendwo in dieser Gegend verläuft eine imaginäre Grenze, die Tokio schon seit jeher in zwei Bereiche geteilt hat: in Yamanote, die Oberstadt, und Shitamachi, die Unterstadt der kleinen Leute. Shitamachi bedeutet eigentlich „Burgunterstadt“. Hier geht es etwas rauher, aber auch herzlicher zu. Schön lässt sich das zwischen Uguisudani und Ueno auskosten – rund um den Bahnhof Iriya. Der nächste Bahnhof heißt Ueno. Unterbrichst du die Fahrt hier, bist du mitten im Herzen des früheren Stadtzentrums. In den angrenzenden Vierteln Yanaka und Nezu kann man bei Streifzügen durch enge Gassen, vorbei an Tempeln und kleinen Geschäften, noch einiges vom alten Tokio entdecken. Ein geeigneter Anlass, einen kurzen Blick auf die bewegte Stadtgeschichte zu werfen. Als Stadtgründer gilt Fürst Ōta Dōkan, der im 15.Jh. auf den Grundmauern einer alten Burganlage eine Festung errichten ließ. Doch als „Stadt“ kann man wohl kaum bezeichnen, was Tokugawa Ieyasu, Herr der acht Kanto-Provinzen, ein gutes Jahrhundert später vorgefunden hat: Nicht mehr als insgesamt 100 Häuser zählt die Ansiedlung, die sich Edo – das Tor zum Fluss – nennt. Doch wegen der strategisch günstigen Lage beschließt der Kriegsherr, hier sein militärisches Hauptquartier aufzuschlagen. Nach zehn Jahren hat sich die Situation schlagartig verändert. 1600, in der Schlacht von Sekigahara, besiegt Ieyasu seine fürstlichen Rivalen und wird 1603 zum Shōgun, zum obersten Militärherrn, ernannt. Der Kaiser – ohne Macht und Einfluss – residiert weiterhin in Kyoto, doch Politik wird ab jetzt in Edo gemacht. Das Fischerdorf mausert sich zur Metropole. Ab 1634 werden alle Lehnsherren gezwungen, sich jedes zweite Jahr mitsamt Gefolge in Edo einzufinden. Ihre Familien müssen ohnehin in Edo bleiben – quasi als Geiseln.
Tokio wird zur Millionenstadt
Im Süden und Westen der Burg liegen ihre Residenzen – in Yamanote. Im Norden und Osten – in Shitamachi – lebt das einfache Volk. Während die Vornehmen ein reglementiertes Dasein führen, blüht hier die städtische Kultur. Ab Mitte des 19.Jhs., Edo hat nun schon mehr als eine Million Einwohner, verfällt die Macht des Tokugawa-Shogunats. In der Bucht vor Edo kreuzen die „Schwarzen Schiffe“ des amerikanischen Kommodore Perry, der Einlass begehrt in das seit über 200 Jahren abgeschottete Land. Mit der Thronbesteigung von Kaiser Mutsuhito 1867 beginnt eine neue Ära: Der letzte Shōgun wird entmachtet, und Edo wird zu Tokio, der „östlichen Hauptstadt“, denn nun siedelt der Kaiser hierher um. Grundlegende Reformen in dessen als Meiji-Ära bekannter Regierungszeit ebnen den Weg zu Japans rascher Industrialisierung.
Erneuter Bauboom auf künstlichen Landflächen
Zurück zur Yamanote-Rundfahrt: Von Ueno sind es nur wenige Stationen bis Tokyo- eki, dem wuseligen Hauptbahnhof der Metropole. Hier bist du dem Geschäftszentrum Marunouchi ganz nahe. Und dennoch dringt an manchen Tagen Meeresluft durch die geöffneten Zugtüren. Wenn der Wind günstig steht, kann das in dieser Gegend durchaus passieren. Zu leicht vergisst man, dass Tokio eine Hafenstadt ist und Wasserstraßen ihre Lebensadern waren. Schon in der Edo-Zeit begannen die Stadtplaner damit, die Hauptstadt in die Tokio-Bucht auszudehnen. Aus kleinen Inselfestungen entstanden seit Mitte des 19.Jhs. durch sukzessive Aufschüttungen riesige künstliche Landflächen. Eine der Inseln, Odaiba, sollte zu einer Stadt der Zukunft ausgebaut werden. Doch als Anfang der 1990er-Jahre die Spekulationsblase platzte, mussten die Stadtväter umdenken. So blieben große Flächen zwischen den utopisch anmutenden Bauwerken frei für Parkanlagen, Promenaden und sogar Sandstrand. Leider hat sich das aber schon wieder geändert, und zwar durch den Bauboom, der mit der Ausrichtung der Olympischen Sommerspiele 2021 einherging.
Mischung aus Vergnügungszone und Zukunftsarchitektur
Mit der computergesteuerten Yurikamome-Bahn geht es ab Shimbashi über die von Sonnenuntergang bis Mitternacht beleuchtete Rainbow Bridge hinüber auf die künstliche Insel Odaiba. Es ist eine Fahrt in ein ganz anderes Tokio – eine anregend-skurrile Mischung aus Vergnügungszone und Zukunftsarchitektur. Zu Beginn dieses Jahrhunderts ist am Bahnhof Shimbashi das neue Wolkenkratzerviertel Shiodome entstanden: mit Wohnungen, Hotels, vielen Restaurants und Geschäften. Drei Stationen weiter auf der Yamanote-Ringlinie wartet gleich noch ein imposanter Bau: der Shinagawa-Bahnhof, in dem auch die superschnellen Shinkansen-Züge Station machen. Drei? Auch das ist seit 2020 Geschichte, denn der nagelneue Bahnhof Takanawa Gateway öffnete seine Pforten – der erste neue Bahnhof an der Ringlinie seit 1971.Rund um die Haltestellen Gotanda, Meguro und Ebisu geht es dann ziemlich geschäftig zu, die vielen kleinen Läden, Restaurants und Coffeeshops sind immer gut besucht. Bevor sich der Kreis in Harajuku, deinem Ausgangspunkt, schließt, solltest du unbedingt in Shibuya aussteigen. In den grell beleuchteten, dauerbeschallten Geschäftsstraßen pulsiert das junge Leben in Tokio, dort werden die Trends von morgen geboren. Immer noch nicht genug gesehen? Dann warte einfach mehrere Ampelphasen an der berühmten Kreuzung Shibuya Scramble Crossing ab und beobachte, wie Tausende Menschen dort auf einen Schlag bei Grün die Straße überqueren. Einen guten Blick auf das Schauspiel hast du vom Verbindungsgang zwischen der Yamanote-Linie und der Keio-Inokashira-Linie. Das also ist Tokio? Beileibe nicht: Die Yamanote-Linie umkreist nur einen kleinen Teil des Stadtgebiets – auch außerhalb der Ringlinie gibt es sehr viel zu entdecken.
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Kirschblüte unter Wolkenkratzern: Erlebe unvergessliche Momente in Tokio!
In Tokio geht es öfter mal eng zu. Trotzdem hat die Stadt genug Platz für jede Menge Abenteuer! Stürze dich ins Getümmel des weltgrößten Bahnhofs in Shinjuku, schieße ein Selfie auf der berühmten Kreuzung in Shibuya oder lass dich im Ghibli-Museum in die Welt von Totoro und Prinzessin Mononoke entführen. Ob Sightseeing-Tour oder Partytrip, allein, zu zweit oder mit der ganzen Familie – mit deinem MARCO POLO Reiseführer lernst du Tokio abseits der touristischen Hotspots kennen!
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