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Köln erschließt sich nicht auf den ersten Blick. Doch wer sich auf die Stadt einlässt, entdeckt eine lebensfrohe Metropole mit einem unverwechselbaren Charakter, die nicht auf die Klischees angewiesen ist, die über sie kursieren. Aufgrund seiner Kompaktheit eignet sich Köln wie keine andere deutsche Millionenstadt für die unkomplizierte Erkundung zu Fuß oder per Fahrrad.
Mehr als ihr Image
Der Dom. Der Rhein. Ein paar Kölsch. Und natürlich der Karneval. Auf diese vier Grundpfeiler beschränkt sich Köln in seiner Außendarstellung gern. Anschließend kommt lange nichts – zumindest aus der Sicht von Traditionalisten. Höchstens der „Effzeh“ noch. Aber der 1.FC Köln ist ja derart sachlich und erwachsen geworden, dass es trotz gelegentlicher Ausflüge in die Zweite Liga schon fast ein bisschen langweilig wird, dem Fußballverein zu folgen. Einen Eindruck, den man auch von der Stadt bekommen könnte, wenn man nur ihr oben erwähntes offizielles Image kennt. Und auch wenn dieses das Dasein des Kölners erfreut und die Stadt definitiv für Besucher lebenswert macht, ist die Realität zum Glück deutlich vielseitiger.
Der Dom und sein Schatten
Zwar ist unbestritten, dass der mächtige Sakralbau, der träge vor sich hin fließende Strom, das spärlich portionierte Bier und das wilde närrische Treiben für das Selbstverständnis der Stadt unverzichtbar sind. Doch der wahre Reiz ist ein anderer: Köln ist eine der kompaktesten Millionenstädte überhaupt. Die Wege sind kurz und die Viertel sehr unterschiedlich. Die Stadt ist über 2000 Jahre alt – und doch liegen zwischen den romanischen Kirchen der Altstadt und den Industriebrachen Ehrenfelds kaum mehr als fünf Kilometer. Überhaupt zeigt sich in Ehrenfeld ein Köln, das der Flusskreuzfahrer und der Bustourist nie zu sehen bekommen. Sehenswürdigkeiten im klassischen Sinn würden sie hier auch vergeblich suchen. Dafür sind die verschiedenen Subkulturen der Gegenwart hier zu Hause. Vor allem am Wochenende erhalten sie Gesellschaft von jungen Menschen aus der ganzen Welt. Auf Clubs wie das Heinz Gaul sind sie nicht nur in Berlin neidisch, nein, im ultrahippen Ehrenfeld wird auch immer mehr Englisch, Spanisch und Niederländisch gesprochen. Das Feiern – und da meldet sich der Karneval wieder – liegt den Kölnern eben in den Genen.
Geschichte
38 v. Chr.
Die Römer gründen eine Siedlung auf dem Gebiet des späteren Colonia Agrippina
Ca. 310 n. Chr.
Das römische Köln wächst auf 15 000 Einwohner, Kaiser Konstantin lässt die 1.Brücke über den Rhein bauen
1248
Bau des Doms beginnt. Köln erhält Stapelrecht – alle Waren müssen zwischengelagert oder angeboten werden
1709
Parfümeur Johann Maria Farina erfindet das Eau de Cologne
1823
1.Rosenmontagszug in Köln – der älteste in Deutschland
1880
Nach 632 Jahren Bauzeit und 320 Jahren Baupause wird der Dom vollendet
1939–45
Im Zweiten Weltkrieg wird Köln zu 90 Prozent zerstört
2009
Das Stadtarchiv stürzt bei U-Bahn-Bauarbeiten ein
2022
Der größte Teil der Karnevalsveranstaltungen wird aufgrund der Coronapandemie abgesagt
2025
Die Stadt beschließt die Planung von zwei neuen, Fußgängern und Radfahrern vorbehaltenen Rheinbrücken
Klettenfreie Zonen
Auch das Belgische Viertel kann sich sehen lassen in dieser Hinsicht. Hierhin hat sich Köln Ende des 19.Jhs. ausgedehnt, nachdem die Stadtmauern gefallen waren. Und zwischen Venloer, Brüsseler und Aachener Straße besitzt Köln auch noch etwas von der gründerzeitlichen Anmut, die durch die Zerstörungen des Kriegs vielerorts verloren gegangen ist. Ersetzt wurden die Ruinen durch Zweckbauten mit gekachelten Fassaden, die konventionelle Ästheten bis heute verstören, die aber von nachfolgenden Generationen zunehmend als hip empfunden werden. Im Belgischen Viertel findest du die coolsten Geschäfte der Stadt: Plattenläden, eigentümergeführte Boutiquen mit liebevoll ausgesuchten Klamotten, Vintage-Stores, Designspezialisten und anderen Bedarf für das abgeklärte Leben in der Großstadt. Die global agierenden Ketten haben es bisher nicht über die Ringe hinübergeschafft. Ebenfalls im Belgischen Viertel sind auch heute noch Bananen an den Fassaden der Hauswände zu sehen – kleine Graffitis, die der Kölner Künstler Thomas Baumgärtel als Erkennungszeichen für eine Galerie kreiert hat. Nach einem Zwischentief mit vielen Abwanderungen ins unvermeidliche Berlin ist die Szene wieder vital. Wie die bildende Kunst überhaupt ein Argument ist, Köln zu besuchen: Mit dem Museum Ludwig und dem namentlich eingekürzten Wallraf(-Richartz-Museum) besitzt die Stadt zwei Topmuseen. Letzteres wird ab Mitte 2026 für zwei Jahre wegen Sanierung geschlossen. Damit leistet es dem Römisch-Germanischen Museum Gesellschaft, das bis voraussichtlich 2030 keine Gäste empfängt.
Architektonische Kostbarkeiten
In der Innenstadt ist auch die weit zurückreichende Geschichte präsent. Ja, da steht der Dom, aber der ist ja gar nicht so alt: Fertiggestellt wurde er erst im Jahr 1880 nach jahrhundertelanger Baupause. In diesem Licht wirken die unsäglichen Verzögerungen und Pannenserien beim Bau der U-Bahnlinie, die in die Südstadt führt, sowie bei der Sanierung von Oper und Schauspiel gar nicht mehr so epochal. Doch innerhalb der Grenzen der mittelalterlichen Stadt stehen als Erinnerung an das streng katholische Köln vergangener Zeiten auch die romanischen Kirchen. Ein Dutzend an der Zahl, und oft werden sie gar nicht groß wahrgenommen. Doch jede hat eine eigene Geschichte und eigene Vorzüge: Hier ist es ein Kreuzgang, dort ein Rosengarten. Ein ehrfurchterweckender Verweis auf die Vergangenheit befindet sich weit unter der Erde: das Praetorium. Auch der ehemalige römische Statthalterpalast aus dem 4.Jh. ist allerdings bis voraussichtlich 2028 wegen des Baus des Museums im Quartier (MiQua) nicht zugänglich.
Kölsch über alles
Dessen ungeachtet kann hier, in unmittelbarer Nähe zu Dom und Rhein, die Geburtsstätte der kölschen Seele lokalisiert werden. Am besten geht das wohl in den Brauhäusern der Altstadt, wo das Kölsch in Strömen fließt und wo obskure – aber gute – Speisen wie „Himmel un Äd“, „Halve Hahn“ und „Hämchen“ serviert werden. Es sind die Wirkungsstätten der berüchtigten Köbesse, die das Bier unaufgefordert nachliefern, die Bestellungen nichtalkoholischer Getränke mit schnoddrigen Kommentaren begleiten und die gern dazu aufgefordert werden, einen mitzutrinken. In den Brauhäusern ist es zudem immer gesellig. Und die wohl besten Biere (Päffgen und Mühlen) können sogar für sich beanspruchen, nach den Grundsätzen jener Gerstensäfte gebraut zu werden, die andernorts neumodisch als Craftbeer verkauft werden.
Eigene Gesetze und Lieder
In den Brauhäusern, die ihre Wirkungsstätte analog zum Stadtwachstum ausgedehnt haben, werden die Besucher mit dem kölschen Grundgesetz konfrontiert. „Et kütt wie et kütt“ (es kommt, wie es kommt – wir können es ohnehin nicht ändern), „Jeder Jeck es anders“ (eine Frühform der Toleranz) oder „Wat fott es, es fott“ (eine Vorbeugung vor Verlustängsten) prägen die Mentalität des Kölners auch im dritten Jahrtausend noch.
Zur kölschen Seele freilich gehört auch das heimische Liedgut, dessen Kanon beständig wächst. Durch den Karneval im Allgemeinen (während der Session verdienen die Topbands eimerweise Euros), vor allem aber wegen eines Songcontests, der den schönen Namen „Loss mer singe“ trägt. Dahinter verbirgt sich ein Wettbewerb, der während der Session durch die Region tourt, um die Hits für den bevorstehenden Karneval herauszufiltern. Wer das einmal mitgemacht hat, weiß: Diese Lieder bekommt man so schnell nicht wieder aus dem Kopf. Und ihre einzige Botschaft lautet: Köln ist mit großem Abstand die schönste, lebenswerteste und toleranteste Stadt des Planeten.
Nicht nur räumlich kompakt
Viele Kölner erfreuen sich an dem Gedanken, mit diesem Liedgut einen Beitrag zum Erbe der Nation zu leisten. Andere – den Karneval musst du deshalb gar nicht skeptisch beäugen – sehen die musikalischen Errungenschaften der Stadt an anderer Stelle. Schließlich ist Köln auch die Geburtsstätte des Kompakt-Labels, das den Minimal Techno vom Rhein in die ganzen Welt exportiert hat, was manche Theoretiker als würdigen Abschluss der Musikgeschichte bewerten. Auch diese Kultur ist in den Clubs noch weithin präsent. Überhaupt sind Forschung, Technik und Modernität stark ausgeprägt. Allein die Uni zählt 45 000 Studierende, hinzu kommen diverse andere Hochschulen. Firmen wie Microsoft oder Electronic Arts haben ihre Deutschlandsitze im gelungensten Stück Kölns, dem Rheinauhafen. Die Vielfalt zieht eine gewisse räumliche Beengtheit nach sich. Doch auch darauf hat Köln eine Antwort gefunden: Die Stadt wird von zwei Grüngürteln eingerahmt, dem inneren und dem äußeren. Und wer die entsprechenden Wege sucht, kann sich einen ganzen Tag lang innerhalb der City bewegen, ohne größere Mengen an Asphalt zu sehen. Der Asphalt ist zugleich die größte Schwäche Kölns: Obwohl sich die Stadt für eine weitgehende Erschließung durch Fußgänger und Radfahrer eignen würde, bürsten Unmengen von Autos durch die City, die an den unmöglichsten Stellen (zum Beispiel dem Vorplatz der Oper) von feindseligen Schnellstraßen durchschnitten wird. Es bleiben also Baustellen.
Drink doch eine met
Das soll dich als Besucher nicht weiter kümmern. Genieß einfach die Vorzüge der Stadt: ein aufregendes Nachtleben, die hohe Dichte an Restaurants, das große Angebot an etablierter Kultur und die sich immer wieder neu erfindenden Subkulturen. Lass den Tag vor sich hinplätschern im Grüngürtel oder in den Cafés des Belgischen Viertels. Vielleicht nimmst du eines der Events zum Anlass, die die ganze Stadt in Wallung versetzen: die Passagen während der Internationalen Möbelmesse, die Art Cologne oder das Musikfestival c/ o pop. Aber vernachlässige die Traditionen deswegen nicht: Sing während der Session all die kölschen Lieder mit, spazier am Rhein und geh zu einem Spiel des „Effzeh“. Wenn dort „et Trömmelche jeht“ (das Lied von den Höhnern wird bei jedem Torerfolg gespielt), ist das ein erhabener Moment, den man auch als Anhänger eines anderen Vereins genießen kann. Vielleicht ziehst du ja sogar in Erwägung, dich nicht so anzustellen und einfach einen mitzutrinken – so wie es die Bläck Fööss in ihrem Evergreen „Drink doch eine met“ fordern.
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