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Ein Sommerabend am Teehaus im Weißenburgpark. Die Hitze strahlt von den Mauersteinen ab, es duftet südlich, der Wein schmeckt hiesig. Der Blick geht über rotes Dächermeer und grüne Hügel, über Höhen und den Talkessel. Stuttgarter Leichtigkeit im Abendrot, mediterran angemalt. Einfach mal schauen, durchatmen. Und merken, dass diese Stadt ganz viel hat, Lebensgefühl nämlich, ein offenes Herz, viel Wald und Natur. Aber auch: ein Problem. Ein Imageproblem.
Viele Überraschungen hinter der Fassade
Spießig, bieder, hässlich. Unsexy halt. So wird über Stuttgart geurteilt – und ein Körnchen Wahrheit steckt ja auch drin, bei all den Baustellen, dem Verkehr, den vielen kühlen Business-Stahl-Glas-Beton-Bauten. Aber sei sicher, auf dich warten jede Menge Überraschungen beim Blick hinter die Fassade. Die wird im Norden von den Nobelterrassen am Killesberg gebildet, die an das vergleichsweise kleine Zentrum grenzen. Im Osten liegen eher von Arbeiterwohnungen geprägte Straßen, im Westen und Süden beliebte Wohnviertel, drum herum ehemals unabhängige Gemeinden wie Bad Cannstatt, Wangen, Weilimdorf oder Vaihingen. Die Metropole ist eine Großstadt im Grünen mit den vielen Parks, den Bärenseen oder dem Wald rund um den Fernsehturm. Beim Blick von den umgebenden Hügeln fallen in der City nicht nur herrschaftliche Bauten wie das Neue Schloss oder der Königsbau auf, auch die Betonsünden der 1960er- und 1970er-Jahre sind deutlich zu sehen. Und der Neckar? Den findest du östlich der Innenstadt in einem unattraktiven Betonbett – ein echtes Stiefkind. Erst flussabwärts, in Bad Cannstatt oder Münster, kann man auch mal nette Stellen am Fluss finden.
Vom idyllischen Gestüt zur Industriemetropole
Ihre idyllische Lage hat es der Metropole auf ihrem Weg in die Zukunft nicht einfach gemacht. Eingeengt zwischen grünen Buckeln und Bergen, nur in Richtung Osten offen, konnte sich Stuttgart nur schlecht ausbreiten. Wenn du rund um das Alte Schloss unterwegs bist, bist du mitten im historischen Zentrum. Dort, wo in sumpfigem Gelände um die Mitte des 10.Jhs. ein „Stutengarten“ stand, ein Gestüt also. Im 13.Jh. erhielt die Siedlung das Stadtrecht, wurde Sitz der Grafen von Württemberg und der Aufschwung zur offiziellen Haupt- und Residenzstadt begann. Er setzte sich fort, als Stuttgart in der ersten Hälfte des 19.Jhs. zur Industriestadt aufstieg. Noch immer ist die Landeshauptstadt mit weltbekannten Unternehmen wie Daimler, Porsche oder Bosch selbst in Krisenzeiten wirtschaftlich erfolgreich, dazu kommen zwei Universitäten und zahlreiche Forschungseinrichtungen. Außerdem gibt es jede Menge Verlage in Stuttgart, Holtzbrinck, Klett, Thieme, Motorpresse und Mairdumont sind nur die größten und bekanntesten. Und: Von den Thienemann-Verlagsräumen aus eroberten der Räuber Hotzenplotz und Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer, die Kinderzimmer.
Geschichte
950
Gründung eines Gestüts, eines „Stuotgarten“, von Herzog Liudolf von Schwaben
1229
Erste urkundliche Erwähnung
1495
Erhebung zur Herzogsresidenz
1534
Reformation in Württemberg, Stuttgart wird protestantisch
1746
Grundsteinlegung des Neuen Schlosses unter Herzog Karl Eugen; kulturelle Blüte
1883
Gottlieb Daimler und Wilhelm Maybach erhalten das Patent für einen schnell laufenden Motor: Geburt des Automobils
1912
Eröffnung des europaweit einmaligen Opernhauses, Stuttgart als Leuchtturm für den Aufbruch von Kunst und Architektur in die Moderne
1927
Bau der Weißenhofsiedlung
1944
Schwere Luftangriffe zerstören fast die gesamte Innenstadt
1952
Stuttgart wird Landeshauptstadt von Baden-Württemberg
2011
Winfried Kretschmann wird erster grüner Ministerpräsident
2026
Geplante Inbetriebnahme des Bahnhofs Stuttgart 21
Schlendern, schauen und entdecken
Beim Schlendern durch die City oder einem Bummel von Kneipe zu Kneipe wirst du auf jeden Fall schnell erkennen: Stuttgart passt nicht zu seinem Image – und in keinen Rahmen. Auf den ersten Blick aber ein typisches, klar umrissenes Gesicht der Stadt zu finden ist nicht einfach. Lass dir Zeit, die Vielfalt – und auch die Gegensätze – zu entdecken: Streif allein durchs verträumte Lapidarium mit seinen steinernen Zeitzeugen oder feier mit vielen in den Clubs und Kneipen am Hans-im-Glück-Brunnen durch die Sommernacht. Mach dich schick fürs prunkvolle Opernhaus oder lass dich schwindlig tanzen von der Gauthier Dance Company im Theaterhaus. Unternimm eine virtuelle Reise ins Mittelalter im Württembergischen Landesmuseum, spazier durch die Weinberge rund um die Stadt oder stöber in den kleinen Shops und Boutiquen im Süden und Westen. Du merkst: Hier geht was und das Superklischee „Schaffa, schaffa, Häusle baua“ ist ein Relikt aus einem anderen Jahrhundert (zumal in der Stadt Unmengen von Wohnungen fehlen).
Dass Stuttgart was zu bieten hat, haben auch viele Touristen aus aller Welt gemerkt – und so sind in den letzten Jahren immer mehr in die Landeshauptstadt gekommen. Netter Nebeneffekt: Endlich gibts ein paar wirklich schöne Hotels in der City und nicht nur klassische Businessherbergen. Doch dann hat Corona vieles verändert. Die Einwohnerzahl zum Beispiel ist zurückgegangen, auf jetzt 610 000 Stuttgarter. Sind viele aufs Land gezogen? Vielleicht, sagt das Statistische Amt der Stadt. Womöglich ist aber auch einer der Gründe, dass vor allem junge Familien praktisch keine bezahlbaren Wohnungen mehr finden.
Kultur wurde schon immer großgeschrieben
An Stuttgart selbst, das können wir festhalten, liegts nicht. Die Lebensqualität ist nicht schlechter geworden, im Gegenteil. Nicht nur der Marktplatz und das Drumherum wurden und werden aufgehübscht, auch neue Restaurants, Clubs und Gastroperlen haben sich etabliert, und die Kulturszene ist vielfältig wie eh und je. Ihr buntes Spektrum hat Tradition im Kessel: Das Stuttgarter Ballett ist weltberühmt, die Oper mehrfach zum besten Opernhaus im deutschsprachigen Raum gekürt worden und die Vielfalt der kleinen Theater ganz schön eindrucksvoll. In kaum einer anderen deutschen Stadt gehen so viele Menschen ins Theater, in die Oper oder die Bibliotheken wie in Stuttgart. Und wenn Bühne und Bücher nicht so deins sind, dann sind es vielleicht Museen wie das von Mercedes Benz oder Porsche. Nicht nur diese beiden begeistern durch ihre kühnen Gebäude, auch die Neue Staatsgalerie und der Kunstmuseum-Glaswürfel am Schlossplatz verführen durch Ausstellungen und (!) Architektur. Subkultur und Underground haben es allerdings nach wie vor nicht leicht – aber vielleicht konnte sich auch nur in einer solch saturierten Umgebung ein Phänomen wie die Fantastischen Vier entwickeln? Nun ja, sagst du, die Geburtsstunde des deutschen Hip-Hop in „Benztown“ ist mittlerweile auch schon mehr als 30 Jahre her. Klar, aber die „Fantas“ sind immer noch da, gefolgt von einer zweiten und dritten Hip-Hop-Generation wie den Orsons oder Cro. Aktuell angesagte Rockbands wie Die Nerven oder Human Abfall dagegen klingen nach Berlin – und kommen doch aus Schwaben.
Fremde sind längst zu Freunden geworden
Der eine oder andere von deren Songs könnte dein Soundtrack auf Streifzügen durch die Stadt sein. Auf ihnen kannst du theoretisch Menschen aus rund 180 Nationen begegnen, von denen viele in den 1960ern als Arbeitskräfte kamen. Rund ein Drittel der Stuttgarter hat einen Migrationshintergrund – nicht selten hörst du aus dem erlernten Deutsch den schwäbischen Akzent heraus. Die „Neig’schmeckten“ haben die Stadt und ihre Bürger nachhaltig zum Besseren verändert. Der Schriftsteller Thaddäus Troll, in Stuttgart geboren und hier 1980 auch gestorben, stellte fest: „Das Zweiflerische, Querköpfige, Kritische und Praktische im Wesen des Stuttgarters vermischte sich mit der Großzügigkeit, dem Wagemut, der Urbanität und der Musenfreundlichkeit vieler Neubürger.“ Eine super Mischung, die blieb. Und so schaffte es Stuttgart auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise 2015 sogar in die New York Times – als leuchtendes Beispiel für eine Stadt mit hohem Migrantenanteil, in der die Integration vorbildlich funktioniert. Hier sei man, so der US-Autor, stolz auf die Vielfalt in der Bevölkerung: „Die Botschaft in Stuttgart lautet, dass Migranten gebraucht werden, ja sogar willkommen sind.“
Die Wutbürger und was aus ihnen geworden ist
Mit Erstaunen registrierte auch die restliche Weltpresse: Diese Stadt ist weder bieder, noch werden hier die Bürgersteige ständig wahlweise gefegt oder hochgeklappt. Weniger gnädig waren ein paar Jahre zuvor die deutschen Medien zu den Stuttgartern, als die gegen das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 auf die Straße gingen. Sie pappten ihnen das Etikett des Wutbürgers an, das falscher nicht hätte sein können. Denn wie sich jetzt, nach 15 Jahren Bauzeit, zeigt, lagen die Kritiker fast überall richtig. Die Baukosten etwa haben sich von 2,6 auf zuletzt 11,5 Milliarden Euro erhöht, das ist deutlich mehr, als sogar die Kritiker vorausgesagt haben. Die Gegenwehr hat sich verwandelt, wurde zu etwas Neuem, zur Keimzelle einer bürgerlichen Protestkultur – konstruktives Einmischen gibt es nun bei vielen Themen. Aber auch eine andere Entwicklung ist zu beobachten: In der Stuttgarter Krawallnacht im Juni 2020 mit Ausschreitungen und Plünderungen brach sich ganz viel Coronafrust Bahn. Die Stadt ist zwar immer noch sicher, auch nachts, aber die Club- und Ausgehkultur ist nicht mehr ganz so unbeschwert, wie sie einmal war.
Zukunftsvision von der Stadt am Fluß
Wie das Stuttgart der Zukunft einmal aussehen wird, ist nicht abzusehen. 2021 löste der CDU-Politiker Frank Nopper den Grünen Fritz Kuhn als Oberbürgermeister ab. Das riesige Loch im Herzen der Stadt namens Stuttgart 21 wird sich – voraussichtlich – erst 2027 endgültig schließen. Dort, wo heute die Schienen des oberirdischen Bahnhofs liegen, soll das Rosensteinquartier entstehen. Vielleicht wird irgendwann auch der Plan von der Stadt am Fluss umgesetzt und Stuttgart rückt näher an den Neckar heran. Das Gewässer, an dem die Stadt in Wahrheit liegt, ist nämlich der – längst in den Untergrund verbannte – Nesenbach. Eigentlich ein gutes Bild für die Schwabenmetropole: Sie mag eine herbe Schönheit sein – wenn du aber versuchst, hinter ihre Kulissen zu schauen, und ihr neugierig und ohne Vorbehalte begegnest, dann zeigt sie ihr wahres Gesicht. Und das ist offen, freundlich, charmant und, manchmal, von fast mediterraner Leichtigkeit.
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