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Reiseführer
Moskau

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Während der Geschäftsmann im Geländewagen mit Vollgas durch die City schlittert, steht die Babuschka selbst im tiefsten Winter mit eisernem Willen vor der U-Bahn und verkauft Eingemachtes, um ihre schmale Rente aufzubessern. Eine Szene, wie sie typischer für die Stadt nicht sein könnte: Moskau steht für knallharte Gegensätze.

Ein neues Lebensgefühl

Durch die Stadt weht dazu ein hipper Wind, es macht sich ein neues Lebensgefühl breit – vor allem bei den Jungen. Sie tanzen zu DJ-Sets in alten Fabriken, trinken Cocktails auf Dachterrassen an der Moskwa oder essen georgisch an den Patriarchenteichen. Und fahren auch mal Longboard im Gorki-Park. Die Szene ist dynamisch, ständig öffnen neue Klubs, Bars oder Restaurants mit neuen Konzepten. Die Wirtschaft kriselt, aber Moskau lebt weiter. Nachts leuchtet der Kreml. Zuckerbäckerbauten, Stuckfassaden und Zwiebeltürme strahlen. Die Glastürme der Moscow City funkeln in der Abendsonne, und schillernde Hotelfassaden erleuchten den Moskauer Sternenhimmel. An Strom wird hier nicht gespart, was soll der Geiz auch. Die Hauptstadt Russlands ist ein Planet für sich, ein Universum, das niemals schläft. Durch die Straßen wälzt sich dichter Verkehr, selbst weit nach Mitternacht. Grelle Leuchtreklamen sollen Gäste in Geschäfte, Klubs und Bars locken. Moskau ist Stadt der Studenten und Künstler, Gral des Nachtlebens, Zentrum der Macht und der Geschäftswelt. Mit circa 15 Mio. Einwohnern im Großraum, inoffiziell weit mehr, ist Moskau die mit Abstand größte Metropole Europas. Und laut der Financial Times Osteuropas Zukunftsstadt Nummer 1 mit Infrastruktur für innovative Ideen, steigender Lebenserwartung und einer Lebensqualität auf zentraleuropäischem Niveau.

Reich trotz Wirtschaftskrise

Drei Viertel des russischen Kapitals strömen an der Moskwa zusammen. Doch die Dauerwirtschaftskrise, westliche Sanktionen (seit 2014) und teure neue Infrastruktur auf der annektierten Krim haben selbst in Moskau ihre Spuren hinterlassen: In den glänzenden Hochhäusern von Moscow City, eigentlich als neuer Finanzdistrikt geplant, stehen viele Büros leer. Statt auf westliche Technologie und Produkte setzt Russland auf eigene Waren, nur teilweise mit Erfolg. Der Pracht des historischen Moskaus tut die Krise bislang keinen Abbruch. Der Reichtum aus einem Sechstel der Erde wird nach wie vor in dieser Stadt angehäuft. Moskau war schon immer das Herz Russlands, selbst als die Hauptstadt rund zwei Jahrhunderte lang vorübergehend St. Petersburg hieß. Seit knapp neun Jahrhunderten wird rund um den Kreml gebaut, gekämpft und gedichtet. In dieser Zeit wurde ein ganzes Weltreich erobert, Kulturschätze wurden gesammelt und Revolutionen geschmiedet. All das ist am Roten Platz zu sehen.

Geschichte

  • 1147

    Erste Erwähnung Moskaus

  • 1156

    Fürst Dolgoruki lässt den Kreml, eine Stadtburg, bauen

  • 1237–1480

    Mongolen besetzen Russland, Moskau wird niedergebrannt

  • 1712

    St. Petersburg wird Hauptstadt

  • 1812

    Napoleon siegt bei Borodino, die Moskauer stecken ihre Stadt in Brand. Napoleons Armee muss abziehen

  • ab 1918

    Nach der Oktoberrevolution wird Moskau wieder Hauptstadt, als Metropole ausgebaut, die Metro geplant

  • 1941–1942

    Hitlers Versuche, Moskau einzunehmen, scheitern und zwingen ihn zum ersten großen Rückzug im Zweiten Weltkrieg

  • ab 1985

    Perestroika, Abkehr vom Sozialismus und Zerfall der Sowjetunion

  • 2014

    Wirtschaftssanktionen und Lebensmittelembargo als Folge der Krim-Annexion

  • 2017

    Der Sarjadje-Park wird zum 850.Geburtstag Moskaus eingeweiht

  • bis 2023

    Ausbau der Metro auf 300 Stationen

Das Herz der Macht

Hier schlägt der Puls des russischen Staats. Auf dem engen Quadratkilometer zwischen Kreml und Ex-KGB-Zentrale liegen Parlament, Verfassungsgericht und Präsidentenadministration, Lenin im Mausoleum sowie die Basilius-Kathedrale, das Bolschoi-Theater und das Kaufhaus GUM. Bei Tag und Nacht flanieren sie vor den Kremlmauern: wettergegerbte Sibirier, bärtige Kaukasier, stolze Kirgisen, neugierige Japaner und Chinesen, westeuropäische Touristen, indische Turbanträger, Klischee-Russen mit Goldkettchen und Handtäschchen, Schulkindergruppen, Polizisten, Studenten, Barbies beim Schaulaufen und Rentnerinnen, die über all dies schimpfen. In Moskau trifft Asien auf Europa.

Gourmet-Hotspot des Ostens

Das solltest du ausnutzen: Denn die russische Hauptstadt vereint eine weltweit einzigartige Vielfalt exotischer Küchen. Für Plow, Chatschapuri und Lagman musst du nicht nach Taschkent, Tiflis oder Bischkek reisen. Russische Küchenchefs setzen auf regionale Küche mit Buchweizen und Roter Bete. Das Lebensmittelembargo gab der Hauptstadt ihre nationale Küche zurück – wenn auch ungewollt. An den Patriarchenteichen entsteht das neue kulinarische Zentrum der Stadt. Der Vorbeigehende fühlt sich an Paris oder Berlin erinnert, die Cafés sind voll mit jungen Leuten. Derweil experimentiert Moskau mit den ausgefallensten Gastrokonzepten. Im True Cost zahlst du erst Eintritt und schlemmst dann für wenig Geld. In den vielen Anticafés wird nach Zeit, nicht nach Kaffees abgerechnet.

Grün ist schick

Das neue grüne Bewusstsein in der russischen Metropole wächst. Den Anfang machte der Gorki-Park vor ein paar Jahren, als die Vernunft über den Kommerz siegte. Aus halb verwahrlosten Parks mit rostigen Karussells und Billigbier wurden Oasen, die Moskau ein überraschend grünes Antlitz geben – mit großen Liegewiesen, Restaurantterrassen, Tanzkursen und regelmäßigen Open-Air- Events. Dazu kommen Leihstationen für Fahrräder und Roller, auf denen Moskowiter die Promenade langfahren. Moskau ist im Umbruch. Wo früher vor lauter Blechlawinen für Fußgänger wie Radfahrer kein Durchkommen war, werden heute Gehwege verbreitert und Radwege gebaut. Jahr für Jahr kommen im Stadtzentrum ein paar Kilometer an Fußgängerzonen hinzu.

Geschichtsstunde am Bau 

Und während du so durch Moskau schlenderst, kannst du – mit etwas Übung – die Geschichte von den Wänden ablesen. Zar Alexander I. ließ Moskau streng nach Plan wiederaufbauen. Deswegen sind fast alle Paläste im Zentrum relativ jung: Sie wurden nach 1812 gebaut. Außer dem Kreml und einigen Kirchen ist vom mittelalterlichen Moskau wenig geblieben. Mit dem Wirtschaftsaufschwung im 19.Jh. entstanden bürgerliche Stadtviertel mit regelmäßigen Straßenzügen und Jugendstilbauten. Stalin holte dann im 20.Jh. zum radikalen Rundumschlag aus. Mit seiner „Umstrukturierung“ hinterließ er das, was heute als Stalinbarock gilt: den Zuckerbäckerstil der Sieben Schwestern genannten Gebäude. Nach seinem Tod ging die Hauptstadt mit neuen Plattenbauvierteln vor allem in die Breite.

Hip & luftig

Sinnbild für Moskaus neues Lebensgefühl ist der futuristische, 13 ha große Sarjadje- Park, der den sowjetischen Betonklotz des Hotel Rossija ersetzte. Sarjadje veränderte das Bild von Russland in der Welt, wie es der Blogger Ilja Warlamow treffend formulierte: hip, luftig und grün. Und Sarjadje ist nur ein Teil der Vision von Moskau als einer Smart City. Die Stadt wird sich weiter verändern. Die Metro wird erweitert, bis 2030 sind neue, futuristische Wohnprojekte, Wolkenkratzer und Kreativlabors in alten Fabriken geplant.

Ade, Sowjetunion!

Ihren Ausgang nahmen die Veränderungen mit der Perestroika, auch wenn sich die anfängliche Euphorie bald legte. Erst als Sieger über den roten Stern gefeiert, fiel der neue Mann im Kreml, Boris Jelzin, nach seinem Machtantritt 1985 schnell in Ungnade. Die Moskauer verehrten ihn, weil er die anderen Parteibonzen kritisierte und manchmal mit dem Trolleybus fuhr. Doch bis heute wird Jelzin von vielen dafür verantwortlich gemacht, dass Russland durch seine Reformen verarmte, während ein paar Oligarchen Milliarden machten. Sein Nachfolger Wladimir Putin stabilisierte Russland und gewann damit den Rückhalt eines großen Teils der Bevölkerung für sich. Unter Putin, Medwedew und danach wieder Putin arbeitet Russland an seiner Position als globale Wirtschaftsmacht. Selbst die international kritisierte Krim-Annexion hat zumindest im Inland seine Machtstellung nicht erschüttern können. Und während die Opposition um Alexej Nawalny auf zu wenig Meinungsfreiheit und zu viel Korruption hinweist, genießen viele Moskauer das Mittelschicht-Leben. Sie fahren im Urlaub in den Westen, schmieden Studienpläne für die Kinder und bevölkern die zahllosen Cafés und Bars der Hauptstadt.

Moskauer Nächte

Selbst wenn du dir manchmal wünschen wirst, der grimmige Onkel am Eingang hätte dich doch nicht durchgelassen: Das Nachtleben in Moskau ist einfach eine Attraktion für sich. Neben Trashbars à la Kamschatka und Co., die du dir schwerlich mit weniger als ein paar Hundert Gramm Wodka schöntrinken kannst, zappelt Moskaus Szene bis zum Morgengrauen und länger an allen möglichen Orten und Lagen ab: z. B. auf dem alten Arma-Fabrikgelände im Gazgolder, auf dem Dach der hippen Strelka-Bar oder im mainstreamigen Gipsy an der Moskwa- Promenade mit Kremlblick. Fest etablierte Szenen gibt es nicht wirklich, fang also gar nicht erst an, danach zu suchen! Das liegt vielleicht auch an der Stadtverwaltung, die in den vergangenen Jahren mehrere Szeneklubs dichtmachte. Doch langweilig wird Moskau nie. Dafür sorgen jede Saison ein paar neue Klubs.

Augen auf und durch 

Moskau ist wie ein Fallschirmsprung: Zuerst fliegt alles an einem vorbei. Doch man gewöhnt sich schnell daran und bewegt sich bald freihändig im U-Bahn-Menschenstrom, ohne sich verzweifelt an der Faltkarte in den Händen festzuklammern. Und wenn du heute durch die lebhaften Straßen der russischen Metropole spazierst, wenn du noble Geschäfte, elegante Häuserfassaden und frisch renovierte Prachtmuseen passierst, die üppige Warenwelt der Märkte siehst, wenn du vorbeiläufst am ganzen Bling-Bling und den Hipster-Oasen, dann wirst du kaum glauben, dass diese Stadt Anfang der 1990er-Jahre noch grau, trist und bedrückend war. Moskau blüht auf – in jeder Hinsicht, trotz aller Probleme. Und öffnet sich seinen Gästen aus aller Welt. Aber mach dir doch selbst ein Bild!

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