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Wer tagsüber durchs Zentrum von Madrid läuft, bekommt unweigerlich das Gefühl, dass die einzelnen Viertel wie kleine Dörfer jedes für sich funktionieren. Jeder kennt jeden, immer wieder fallen freundliche Worte zur Begrüßung. „¿Qué tal, wie gehts?“, „Hab einen schönen Tag!“ – man kennt sich.
Frühstücksritual im Stammcafé
Die Madrider sind nicht umsonst als weltoffene und gastfreundliche Menschen bekannt. Und wenn man nicht gerade arbeitet, verbringt man einen erheblichen Teil seiner Freizeit in den Bars und Cafés, die du buchstäblich an jeder Ecke findest. Hier wird diskutiert, gegessen und getrunken – und das nicht nur am Abend: Die Madrider lieben es, den Vormittag mit einem kleinen Frühstück in einer der unzähligen cafeterías einzuleiten. Für rund 3,50 Euro bekommt man einen café solo oder einen café con leche inklusive Croissant oder Toast mit pürierter Tomate und Olivenöl. Kein Mensch käme auf die Idee, zu Hause zu frühstücken, schneller geht es in der Bar nebenan, bei einem Plausch mit den Nachbarn. Stammgäste müssen ihren Kaffee gar nicht erst bestellen, sondern bekommen alles automatisch vor die Nase gestellt. Die spanischen Kellner kennen schließlich ihre Kundschaft – das trifft sogar auf Touristen zu, spätestens wenn sie zum dritten Mal mit der gleichen Bestellung dasselbe Café aufsuchen. Die meisten Madrider frühstücken übrigens am liebsten zweimal im Lauf des Vormittags.
Du lebst nur einmal!
Es gibt auch die Fraktion, die sich immer gern und vor allem lautstark beschwert. Zum Beispiel über nicht ordnungsgemäß recycelten Müll vor den Papiercontainern oder hier und da mal ein Hundehäufchen. Fast schon wie in Deutschland! Dabei ist der Dreck, den du in Madrid – immerhin eine Millionenmetropole – findest, relativ gering. Gerade die Touristen sehen das alles ganz entspannt und betonen gern, wie sauber die Stadt sei, oder freuen sich über die gut erhaltenen Hausfassaden. Das Leben wird hier in vollen Zügen genossen, man lebt schließlich nur einmal. Die Cafés sind voll, die Geschäfte sind voll, die Straßen sind voll. Die Häuser sehen gepflegt aus, die Menschen sowieso. Die Madrider lieben das Leben außerhalb ihrer Wohnung, in den Cafés, Tavernen, Restaurants und Bars. Am Ende des Monats ist oft das Konto leer; Sparen ist ein Fremdwort, aber man hat Spaß und macht sich am besten so wenig Gedanken wie möglich, wenn es mal eng wird. Eine bemerkenswerte Lebenseinstellung – kein Wunder, dass viele Nord- und Mitteleuropäer die Madrider um diese Kunst, das Leben in vollen Zügen zu genießen, beneiden..
Geschichte
854
Emir Muhammad I. gründet das Städtchen Mayrit
1085
Die Christen erobern Madrid
1561
Felipe II macht Madrid zu Spaniens neuer Hauptstadt
16./17.Jh.
„Goldenes Zeitalter“: Die großen Schriftsteller leben und schreiben in Huertas
1700
Ende der Habsburgerdynastie, Bourbonenherrschaft unter Carlos V aus Versailles
1808
Napoleon versucht, Madrid zu erobern; blutige Schlachten, die Goya in Bildern festhält
1931
Die Republikaner rufen die 2.Spanische Republik aus
1933–1936
Spanischer Bürgerkrieg im Anschluss an den Militärputsch unter General Franco
1975
Diktator Franco stirbt, Übergang zur parlamentarischen Monarchie unter Juan Carlos
2004
„11-M“: Terroranschlag im Atocha-Bahnhof fordert 191 Tote und über 2000 Verletzte
2023/24
Erweiterung von Prado- und Thyssen-Bornemisza-Museum; Fokus auf nachhaltige Stadtentwicklung, Ausbau der Fahrradund Fußgänger-Infrastruktur
Madrid im Wandel: digitale Nomaden erobern die Stadt
In den letzten Jahren lässt sich allerdings auch ein Trend beobachten, der das Stadtbild verändert: Co-Living-Spaces sprießen aus dem Boden, digitale Nomaden schwärmen in die Stadt, und die „Madrid Experience“ wird zum boomenden Geschäftsmodell. Die neuen Wohnformen sind hip und flexibel – genau das, was Remote-Worker und Freelancer aus aller Welt suchen. Für Einheimische hingegen bedeutet das vor allem eines: steigende Mieten und weniger Wohnraum im Zentrum. Neben ehemals günstigen Vierteln wie Lavapiés und Malasaña sind mittlerweile sogar Gegenden wie Carabanchel oder Tetuán neue Hotspots für Kurzzeitmieter und Co-Living-Konzepte. Diese Welle und die zunehmende Touristenflut machen aus Madrid immer mehr ein zweites Barcelona. Fancy Airbnb-Apartments und Rooftop-Bars boomen – sie machen die Stadt noch abwechslungsreicher und angesagter. Derweil müssen sich viele Einheimische von der Idee, im Zentrum zu wohnen, verabschieden. Wer kein überdurchschnittliches Gehalt aufweisen kann, zieht in Außenbezirke oder in Vorstädte wie Alcorcón und Getafe. Alleinstehende Madrider greifen auch immer häufiger auf die Option zurück, ein WG-Zimmer zu mieten. Immerhin liegt das durchschnittliche Jahresgehalt eines vollzeitbeschäftigten Arbeitnehmers in Madrid nur bei ca. 28 000 Euro brutto – kaum mehr als die Hälfte im Vergleich zu Deutschland.
Tradition trifft Trend
Die positive Seite dieser Entwicklung: Madrid erlebt eine wahre kulinarischeRenaissance. Durch die vielen Kurzzeitbesucher und internationalen Touristensprießen überall neue Cafés mit Kaffeespezialitäten, coole Burgerläden und hippeTapasbars. Viele neue Hotspots haben das Konzept von traditionellen Lokalenaufgegriffen und mit einem modernen Touch gemixt. Es entstehen kreative Verschmelzungenvon Alt und Neu. Und genau das ist wieder typisch Madrid – esbewahrt seinen Charme und geht gleichzeitig mit der Zeit.
Die Stadt wird grüner, die Luft sauberer
Verglichen mit dem Madrid, das Franco nach seinem Tod hinterlassen hatte, führte bereits die Bauwut der 1990er- und frühen 2000er-Jahre zu einem optischen 180-Grad-Wandel. Die Stadt wurde fußgängerfreundlicher, lebenswerter und bunter. Heute ist Madrid vom Smog befreit, es gibt unzählige Parks und grüne Ecken sowie Fußgängerzonen und Bänke. Die Altstadt ist motorisiert nur noch für den öffentlichen Verkehr und für Anwohner zugänglich, der Rest muss ins Parkhaus. Du kannst das meiste prima zu Fuß machen und mit der Metro kommst du bequem und schnell, wohin auch immer du willst. Außerdem gibt es jede Menge Parks und Wälder. Das neueste Projekt ist der Bosque Metropolitano: ein Grüngürtel, der auf 75 km Länge die gesamte Stadt mit mehr als anderthalb Millionen Bäumen umschließen wird.
Vom Kuhkaff zur Millionenmetropole
Mit knapp 3,3 Mio. Ew. ist Madrid die größte Stadt Spaniens, aber eine mit ländlichen Wurzeln. Es gibt nur wenige alteingesessene Familien in der Stadt, die Bewohner sind Zugezogene, Kinder von Zugezogenen oder Enkel von Zugezogenen. Deswegen macht sich auch an jedem Brückenwochenende eine Autokarawane von Madrid in alle Winkel Spaniens auf. Voy al pueblo sagen sie dann, ich fahr aufs Dorf: Gemeint ist das Dorf der Eltern, der Onkel oder Tanten oder Großeltern. Jeder Madrider hat irgendwo in Spanien seine zweite Heimat. Seit der Habsburgerkönig Philipp II. das unbedeutende kastilische Städtchen 1561 zur Hauptstadt seines Reichs machte, hat Madrid nicht aufgehört, Immigrantenstadt zu sein. Über Jahrhunderte war es vor allem der königliche Hof, der Arbeit versprach. Doch die Lebensbedingungen der meisten Bewohner waren so miserabel, dass mehr Menschen starben, als geboren wurden. Ohne die Zugezogenen aus Galicien, Andalusien, der Extremadura oder dem kastilischen Umland hätte Madrid nicht überlebt. Trotzdem wuchs die Stadt sehr langsam. 1910 lebten in Paris fast 3 Mio. und in Berlin gut 2 Mio. Menschen – in Madrid gerade mal 500 000.
Die Jahre des Aufbruchs, der Movida
Der Anschluss an Europa sollte noch Jahrzehnte auf sich warten lassen. Spanien und Madrid erlebten das Drama des Bürgerkriegs 1936–1939 und der anschließenden Diktatur des Generals Francisco Franco. Politisch blieb das Land auf dem Nullpunkt, wirtschaftlich begann es sich erst ab den 1960er-Jahren langsam zu entwickeln. Mit Francos Tod 1975 kam die Befreiung aus fast 40 Jahren Muff und Enge. Madrid erlebte eine Explosion der Lebenslust. „Es war eine unbesonnene, verspielte, kreative Epoche, voller fiebriger Nächte“, sagt Filmregisseur Pedro Almodóvar. Für ein paar Jahre war Madrid die heißeste Stadt der Welt, so auch für Bands wie Depeche Mode oder Künstler wie Andy Warhol, die in den 80er-Jahren nach Madrid kamen, um sich von der Madrider Welle, der Movida Madrileña, inspirieren zu lassen.
Ein weltoffener Geist
Doch nicht nur die Lust auf marcha, auf lange, durchtanzte und durchzechte Nächte, hat überlebt, sondern auch der weltoffene Geist – und er ist seither noch größer geworden. Das Schwulenviertel Chueca ist der Stolz der Stadt, der Día del Orgullo Gay, der „Tag des schwulen Stolzes“, das größte, auch international bekannte Fest Madrids. 2017 feierte man den World Gay Pride mit über 2 Mio. Besuchern aus aller Welt – und die Party verlief total friedlich. Chueca gilt übrigens als das bekannteste LGBT-Viertel der Welt und ist für viele ein Synonym für Freiheit.
Auf der Straße tobt das Leben
Besucher aus dem Rest Spaniens finden die Stadt vor allem groß und laut. Die Größe ist eine Frage der Perspektive, der Lärm ist messbar. Der Autoverkehr ist lästiger als in anderen Städten, weil Madrid extrem dicht bebaut ist, aber die Innenstadt ist in den letzten Jahren entspannter geworden. Die Madrider hat es eh nie groß gestört, sie saßen und sitzen immer noch am liebsten direkt an der Straße und trinken Kaffee, eine caña, oder einen Feierabendwein. Das Phänomen der abends und sonntags ausgestorbenen Fußgängerzonen kennt die spanische Hauptstadt nicht: Die Madrider leben draußen, zu jeder Zeit (und außerdem haben die meisten Geschäfte lange geöffnet, auch feiertags). Und das genießen auch die Besucher!
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