
Reiseführer Djerba - Südtunesien
Ein sanfter Einstieg in die arabische Welt ist das orientalische Afrika am Mittelmeer.
Spätnachmittags, wenn die Sonne langsam sinkt, herrscht Hochstimmung am Hedi-Chaker-Platz im Zentrum von Houmt Souk, der Hauptstadt Djerbas. Männer kommentieren lautstark ihr Dominospiel, Touristen trinken entspannt einen frisch gepressten Orangensaft und vor den Geschäften, die den Platz umgeben, versuchen Verkäufer, die Passanten von ihren Taschen, Tüchern und Teppichen zu überzeugen.
Geschichte
Um 3000 v. Chr.
Besiedlung durch die Protolibyer, die Berber
814 v. Chr.
Gründung Karthagos
146 v. Chr.
Zerstörung Karthagos und Errichtung der römischen Provinz Africa
800
Die Provinz Africa wird zum arabo-islamischen Ifriqiya
1236-1547
Herrschaft der Dynastie der Hafisiden mit der Hauptstadt Tunis
1574
Tunesien wird von den Osmanen beherrscht. Sie regieren es bis zum 19.Jh.
1881
Beginn der Kolonialzeit: Die Franzosen erklären Tunesien zum Protektorat
1920
Die türkische Vorherrschaft wird offiziell beendet
1942
Deutsche und italienische Truppen besetzen Tunesien
1956
Frankreich erkennt die Unabhängigkeit Tunesiens an
1957
Habib Bourguiba wird erster Präsident der Republik
1987
Zine el-Abedine Ben Ali setzt Habib Bourguiba ab, wird neuer Staatspräsident
April 2002
Anschlag auf die Synagoge La Ghriba, bei dem 19 Menschen ums Leben kommen
2011
Ben Ali wird im Januar durch einen Volksaufstand gestürzt
2011-2013
Während die verfassungsgebende Versammlung um ein neues Grundgesetz ringt, erschüttern Demonstrationen und Anschläge das Land
2014
Eine neue, liberale Verfassung wird verabschiedet. Bei den Parlamentswahlen gewinnt die laizistische Partei Nidaa Tounes
Viele Ladenbesitzer haben eine kleine tunesische Flagge aufgestellt - ihre Ehrfurchtsbekundung gegenüber der Revolution, die zum Sturz des Diktators Ben Ali führte. Sein Bildnis, das bislang über jeder Ladentheke hing, wurde verbannt und meist durch unverfängliche Familienfotos ersetzt. In der tunesischen Nationalhymne, die um 1930 von dem aus Tozeur stammenden Dichter Abou El Kacem Chebbi verfasst wurde, heißt es: "Wenn sich das Volk erhebt, muss sich das Schicksal seinem Willen fügen." Tunesien schrieb Anfang 2011 Revolutionsgeschichte und löste eine Lawine des Aufbegehrens in der ganzen arabischen Welt aus.
Im verwinkelten Houmt Souk ist die Geschichte Djerbas präsent. In den alten foundouks, die heute Hotels oder Geschäftszentren sind, rasteten einst die Karawanen, die die Sahara beladen mit Gold und Elfenbein durchquert hatten. In den Gassen der Altstadt, dem Souk, wurden Waren aus Afrika und Europa gehandelt, vom Hafen aus Sklaven, Gewürze, Elfenbein und die im ganzen Mittelmeerraum gerühmten Tonwaren aus Guellala verschifft.
Berber und Vandalen, Punier und Römer, jüdische Händler und türkische Seeräuber haben die Insel an der Grenze zwischen Orient und Okzident geprägt. Die Osmanen beherrschten Tunesien ab dem 16.Jh., bis es die Franzosen 1883 in ihr Kolonialreich eingliederten. Bekannt ist die Seeschlacht von Djerba, bei der 1560 die spanische Flotte von dem für die Osmanen kämpfenden Piraten Dragut besiegt wurde.
Mit rund einer Million Dattelpalmen, den Minaretten, die in den blauen Himmel ragen, und uralten Olivenbäumen bietet Djerba heute eine Urlaubsidylle zum Abschalten. Das 514 km2 große, flache Eiland mit seinen 130000 Einwohnern ist umsäumt von weiten Stränden. Und während es an der Ostküste mit Reiten, Tauchen und Pilates am Pool modern und touristisch zugeht, wird an der einsamen Westküste der Fisch noch auf altbewährte Weise mit kleinen Booten gefangen. Die weiße Tracht der Frauen ändert sich von Ort zu Ort und es ist nichts Ungewöhnliches, dass eine Braut im Jehaf (Hochzeitszug) auf einem Kamel, begleitet von Musikern, vorbeizieht. Tradition ist auf Djerba eben nicht nur Folklore. Sie ist lebendig.
Mit ihrem gemäßigten Klima und 320 Sonnentagen im Jahr stellt die Insel das ideale Urlaubsziel für lichtbedürftige Nordeuropäer dar. Die Ruhe, die Freundlichkeit der Menschen, das mediterrane, weltoffene Flair - all das macht Djerba so anziehend.
Noch dazu ist die Insel ein idealer Ausgangspunkt für Touren in den Süden Tunesiens - eine Region, die den Traum von Tausendundeiner Nacht in Oasenstädten wie Douz, Tozeur und Nefta Realität werden lässt. Oder Sie unternehmen eine Wüstentour und lernen die Ursprünglichkeit einer fast schon in Vergessenheit geratenen Lebensweise kennen: die der Nomaden. Mit schicken Wüstenhotels ist Südtunesien heute das komfortable Tor zur Sahara. Vor allem im Herbst und Winter durchziehen Karawanen von Jeeps die Straßen und bringen Wüstenfans zu Sandrosen, Dünen oder versteckten Oasen.
Es ist eine ländliche, aber vor allem eine sehr einsame Gegend. Wenngleich der Süden mit seinen 80000 km2 Fläche die Hälfte des Staatsgebiets ausmacht, leben hier nur zwölf Prozent der Bevölkerung (ca. 1,2 von insgesamt 10 Mio.). In der trockenen Sahara-Region ist Landwirtschaft nur unter größten Anstrengungen und bei künstlicher Bewässerung möglich. Die Wüste breitet sich beharrlich immer weiter aus: Jedes Jahr verliert Tunesien rund 15000 ha fruchtbares Land. Dagegen helfen auch keine künstlichen Dünen und Schutzzäune.
Der südöstliche Ausläufer des Sahara-Atlas, der sich von Algerien über die Bergregion um Tamerza, die Phosphatgebiete um Metlaoui und Gafsa zieht, bildet die letzte Barriere vor der Wüste. In der Region des Phosphatabbaus mit ihren bizarren alten Abbauhalden nahm der Widerstand gegen das alte Regime seinen Anfang. Hier wurde von den gewerkschaftlich organisierten Arbeitern schon lange für gerechte Bezahlung und eine Perspektive für die arbeitslosen Jugendlichen gekämpft.
Die wenigen von hier aus nach Süden zum Salzsee Chott el Jerid fließenden Flüsse haben sich in spektakulären Durchbrüchen ihren Weg durch die Sedimentschichten gebahnt. So entstanden wild-romantische Canyons. Bekannt sind vor allem die Seldja-Schlucht, der Canyon von Tamerza und jener bei Gafsa.
Südlich der Berge bestimmen Wüstensteppen und die abflusslosen Salztonsenken, die Chotts, das Bild. Karl May hat dem deutschsprachigen Publikum die Tücken des riesigen Salzsees Chott el Jerid in "Durch die Wüste" nähergebracht. Heute wird der Chott auf einer gut ausgebauten, schnurgeraden Straße überquert. Doch die Einöde und das flirrende Licht beeindrucken nach wie vor.
Große Süßwasserquellen, die aus fossilen Grundwasservorräten gespeist werden, haben am Nord- und Südrand der Salzseen die größten Oasen des Landes entstehen lassen: die Gruppe der Bled el Jerid im Norden (Tozeur, Nefta, Hazoua) und die Nefzaoua-Oasen im Südosten (Kebili, Douz). Es sind magische Orte mit sprudelndem Wasser, grünen Gärten, Schatten spendenden Palmen und hellen Datteln. Noch. Durch den wenig angepassten Massentourismus wird den Oasen - beispielsweise in Tozeur - das Wasser abgegraben.
Der trockene Süden Tunesiens erstreckt sich bis zum Dreiländereck mit Algerien und Libyen. Er ist Teil des Östlichen Großen Erg, der Vollwüste. Jahrelang fällt hier kein Regen und die Wanderdünen - Highlights jeder Wüstentour - sind bis zu 200 m hoch. Am Rand der Wüste liegt das kahle, sich etwa 200 km in Nord-Süd-Richtung ausdehnende Dahargebirge. Das zerklüftete Bergplateau hebt sich schroff von der Küstenebene im Südosten Tunesiens ab. Seine Dörfer zählen zu den schönsten des Landes. Wüste, Palmen, schroffe Berge und eine unendliche Stille erwarten Sie. In dieser kahlen Mondlandschaft drehte George Lucas "Krieg der Sterne". Auf den Kämmen und an steilen Hängen reihen sich festungsartige Ksour (Speicherburgen) aneinander: Douirat, Chenini, Guermessa, Ghomrassen, Ksar Hadada, Beni Kheddache. Sie dienten einst zur Lagerung der Habseligkeiten und Vorräte der Nomaden.
Wie keine andere Region hat der Süden das Bild Tunesiens geprägt: Dromedare, Dattelpalmen und Oasen, Salz und Sand, Hochzeitsrituale und Nomadenleben - all das gibt es noch heute neben sozialen Netzwerken und neuester Technik. Die junge Bevölkerung ist gut ausgebildet, doch gerade die Akademiker darunter sind von der hohen Arbeitslosigkeit betroffen. Nicht wenige der auf die italienische Insel Lampedusa geflüchteten Tunesier waren als Saisonarbeiter im Tourismus beschäftigt und wurden wegen der schlecht laufenden Geschäfte nach der Revolution entlassen. So ist die wirtschaftliche Lage das größte Problem der sich neu ausrichtenden tunesischen Gesellschaft.
Wie ein rotes Band zieht sich also die touristische Spur durch Tunesien. Abseits der ausgetretenen Pfade - etwa von Djerba über Matmata sowie die Oasen Tozeur, Midès, Tamerza und zurück - ist es für Reisende mitunter nicht leicht, irgendwo anzukommen, ein Hotel oder ein ansprechendes Restaurant zu finden. Das ändert sich. Es gibt Ansätze eines ökologischen, eines kleinteiligen Tourismus. Das Reiseland Tunesien wird vielfältiger, demokratischer, spannender.
Djerba - Südtunesien Highlights
- Highlights
Highlights Ausgehen Djerba - Südtunesien
HighlightsFreizeit und Sport Djerba - Südtunesien
HighlightsMust Sees Djerba - Südtunesien
HighlightsTop Sehenswürdigkeiten Djerba - Südtunesien
- Highlights
Cafés und Restaurants Djerba - Südtunesien
HighlightsTop Shopping Tipps Djerba - Südtunesien
HighlightsÜbernachtungen/Hotels Djerba - Südtunesien
- in Kooperation mit
Djerba - Südtunesien Erlebnisangebote
Aktuelles Wetter
Wissenswertes
Aktuelles Wetter
Wissenswertes
Djerba - Südtunesien in Buch & Film







