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Asien für Anfänger? Eine sterile Stadt ohne Seele, aber mit vielen Verboten? Manches Vorurteil über den Stadtstaat hält sich hartnäckig. Und es stimmt – Law and Order spielen eine Hauptrolle, und Vergehen werden streng geahndet. Singapur ist aber auch eine kunterbunte, multikulturelle Stadt und inzwischen ganz schön cool. Du wirst sehen: Es macht super viel Spaß, auf Entdeckungsreise zu gehen.

Eine Stadt, die sich immer wieder neu erfindet

„Asia light“ trifft es insofern, als es Singapur Europäern leicht macht, sich schnell wohlzufühlen. Nirgends sonst wirst du es so einfach haben, Asien kennenzulernen. Dabei hat der noch junge Stadtstaat schon einiges mitgemacht. Aus der Insel, die sich mit eiserner Disziplin von der verlotterten Hafenstadt über die Kolonialmetropole zum Zentrum Südostasiens hocharbeitete, ist eine Weltstadt geworden. Schon auf der Fahrt vom Flughafen in die Stadt tauchst du ein in eine andere Welt: Palmen! Links das glitzernde Meer! Und jede Brücke ist mit Bougainvilleen bepflanzt. Die Stadt ist ein grünes Paradies mit Gärten selbst an Hochhauswänden. Und sie ist Mekka für Spieler mit gleich zwei Kasinos. Es gibt atemberaubende Museen und Blicke aus Pools in schwindelnder Höhe, Spitzenrestaurants und geheime Imbissperlen, und der Freizeitpark von Universal Studios lässt nicht nur Kinder staunen.

Sich dem Luxus hingeben

Singapur kannst du ganz problemlos auf ganz eigene Faust erkunden. Jeder in dieser Stadt spricht Englisch, und jeder ist bemüht, den Touristen gegenüber freundlich aufzutreten. Kein Wunder also, dass mehr als 16 Mio. Besucher Jahr für Jahr in das Tropenparadies kommen, allein 350 000 davon aus Deutschland, und die Tendenz ist steigend. Hier bieten die Hotels noch viel Service, und die Pagen helfen beim Koffertragen, hier kannst du noch koloniales Flair genießen.

Geschichte

  • Ende des 13.Jhs.

    Prinz Sang Nila Utama sieht auf der Insel ein Fabeltier mit Löwenkopf und Fischschwanz und tauft den Ort deshalb Löwenstadt bzw. Singapura

  • 1819

    Stamford Raffles errichtet einen Handelsposten der British East India Company

  • 1859

    Der Botanische Garten Singapurs wird gegründet

  • 1945

    Die Japaner, die Singapur seit 1942 besetzt hielten, kapitulieren. Die Stadt kehrt zurück in britische Hände

  • 1965

    Singapur wird unabhängiger Stadtstaat unter Führung von Ministerpräsident Lee Kuan Yew

  • 1967

    Der Stadtstaat führt mit dem Singapore Dollar seine eigene Währung ein 

  • 2005

    Die Regierung hebt das Glücksspielverbot auf und lässt zwei Kasinos bauen

  • 2015

    Staatsgründer Lee stirbt

  • 2021

    Mit dem Singapore Green Plan 2030 setzt der Stadtstaat auf Nachhaltigkeit

  • 2028

    Man feiert 20 Jahre Grand Prix in Singapur, das erste Nachtrennen der Formel 1

Und dich einem Luxus hingeben, wie du ihn in Europa kaum finden wirst – von den schönsten Spas bis zu den supermodernen Boutiquen. Von 10 bis 22 Uhr klingeln in Singapur sieben Tage die Woche die Kassen der Shoppingmalls. Nicht nur Shopaholics geht das Herz über. Luxusgüter aus aller Welt, aber auch Überraschungen aus Asien auf allen Märkten – klar packt man da die Tüten voll.

Toleranz ist das oberste Gebot

Und Singapur bietet noch viel mehr. Die Vielvölkerstadt mit ihren 76 Prozent Chinesen, 15 Prozent Malaien und sieben Prozent Indern ist nämlich sehr wohl eine echte asiatische Metropole. Tolerant leben dort Buddhisten, Muslime, Hindus und Christen nebeneinander. Zwei Feiertage wurden aus jeder Religion bestimmt, die jeweils inselweit gelten. Deshalb – und weil es den Umsatz hebt – feiern hier Hindus Weihnachten, Christen das Chinesische Neujahrsfest und Muslime das hinduistische Lichterfest Deepavali.

Beim Bummel durch Stadtteile wie Chinatown oder Little India schaust du hinter die modern-westlichen Fassaden der Metropole, die Singapur auf den ersten Blick zu prägen scheinen. Bis heute wird der Alltag in den Vierteln von den Traditionen der jeweiligen Heimatländer bestimmt. Wag dich ruhig ins Getümmel der Märkte Chinatowns, in die drückende Schwüle Little Indias – es gibt so viel zu entdecken! In leuchtend bunten Saris erledigen Frauen in Little India ihre Einkäufe, in Chinatown sind meist ältere Frauen im bequemen China-Look unterwegs. Manche tragen noch die buntgemusterten Anzüge aus Polyester, die an einen Pyjama erinnern. Entzückend sehen die malaiischen Kinder aus, wenn sie herausgeputzt in ihren kleinen Seidenanzügen auf dem Weg in die Moschee sind.

Die Tempel fast aller Religionen stehen auch dir offen. Die Gerüche, die Glocken, die Gesänge der Priester – schnell tauchst du in eine völlig fremde Welt ein. Beim Bummel durch Chinatown steigt dir nicht nur in den chinesischen Tempeln, sondern auch an vielen Ecken des Viertels der Duft von Räucherstäbchen in die Nase: Auf kleinen Altärchen haben Gläubige die glühenden Sticks in bunte Früchte gesteckt.

Essen als Lebenshaltung

Hast du nach dem ersten Erkunden der Stadt Hunger? Der Rentner im Feinrippunterhemd und die Geschäftsfrau im edlen Kostüm treffen sich mittags beim hawker stall, den Essmärkten um die Ecke – der Platz dazwischen kann deiner sein. Denn die Liebe zum Essen vereint in dieser Stadt alle: Junge wie Alte, Reiche wie Arme, Chinesen, Malaien und Inder. Gerne erklären dir deine Nachbarn am Nebentisch die teils exotisch wirkenden Gerichte: die indischen Curries, die brennend scharfe Chili Crab oder die Laksa, eine orange-rote Nudelsuppe, die schon dank der Kokosmilch nach Tropen schmeckt. Scheu braucht in Singapur keiner zu haben: Hier ist alles sauber und wird von den Behörden überprüft.

Konzentration des Kapitals

Aber auch die glitzernde Stadt kann sich nur leisten, was sie zuvor verdient hat. Singapur ist ein internationales Finanz- und Wirtschaftszentrum und versteht sich völlig zu Recht als hub, als Dreh- und Angelpunkt der Region, von dem aus nicht nur die unmittelbaren Nachbarn Indonesien und Malaysia profitieren, sondern Südostasien insgesamt. Nirgends sonst auf der Welt leben so viele Millionäre und Milliardäre auf so engem Raum – kein Wunder, dass die Motoren der Ferraris oder Lamborghinis in den Häuserschluchten dröhnen. Mehr als zwei Drittel aller Waren, die Europa nach Südostasien schickt, werden über Singapurs imposanten Containerhafen in die umliegenden Länder verschifft. 

Das hat Singapur nur erreicht, weil es sich eine stabile Ordnung verliehen hat. Von ihr profitieren auch die Gäste der Stadt. Deshalb kannst du dich auch noch spätabends auf einen Spaziergang in der kühleren Tropennacht machen – keine Gefahr lauert, kein Überfall droht. Die Partei People’s Action Party (PAP) lenkt, begleitet von staatstreuen Medien, eine Regierung, die so lange behütend ist, wie niemand den Konsens in Frage stellt. Die Partei des so autokratischen wie charismatischen Staatsgründers Lee Kuan Yew, auf dessen Bilder du immer wieder in der Stadt stoßen wirst, macht es freilich jeder Opposition schwer.

Doch hat inzwischen ein bemerkenswerter Öffnungsprozess eingesetzt. Singapur soll zu einem Zentrum für Asien heranwachsen, in dem Manager der ausländischen Konzerne ihren Sitz haben, Forschungs- und Entwicklungszentren ihren Platz finden und Spitzenuniversitäten Studenten der Region formen. Trotz dieser spürbaren Öffnung herrscht nicht die gleiche Freiheit wie in Europa: Gewerkschaften sind zu Regierungsinstrumenten umfunktioniert, Medien werden zensiert, es gibt keine Versammlungsfreiheit. Dennoch: Die Mehrheit der Bevölkerung ist mit ihrer Regierung zufrieden, auch wenn die Kluft zwischen Arm und Reich wächst. Was Singapur auch für die Bürger umliegender Länder so anziehend macht, erkennen Gäste der Stadt schnell: Krankenhäuser bieten jeden Service – auch dir, sollte dir ein Malheur passieren. Die Kriminalitätsrate ist niedrig, und der soziale Wohnungsbau verschafft den Bürgern Sicherheit.

Handel als Lebenselixier

Doch auch die Vergangenheit des so modernen Singapurs fesselt und steckt voller Anekdoten – sie ist so aufregend wie ein Krimi, so bunt wie ein Märchen aus Tausendundeiner Nacht: Singa Pura, Löwenstadt, taufte ihr Entdecker, der indische Prinz Nila Utama, Ende des 13.Jhs. dieses Küstendorf, nachdem ihm ein imposantes Wesen im dichten Tropenwald erschienen war, das er für einen Löwen hielt. „Singa“ ist das Sanskrit-Wort für Löwe. Der Brite Sir Thomas Stamford Raffles, der im Januar 1819 dort landete, erkannte die strategische Lage des Orts an der Malakka-Seestraße. Raffles kaufte die Insel für die britische East India Company. Indische Sträflinge rodeten den malariaverseuchten Dschungel, bauten Straßen und Kanäle. Chinesische Kulis schleppten Elfenbein und Gewürze, Tee, Seide, Edelhölzer und Opium, später auch Zinn und Kautschuk in die Lagerhäuser. 1911 lebten schon 250 000 Menschen in Singapur; sie gehörten 48 Ethnien an. Die meisten kamen aus dem Süden Chinas, viele aus Indonesien, Malaysia und Indien.

Der Merlion wacht über alle

Für die britischen Kolonialherren war Singapur ein äußerst wichtiger Stützpunkt – von der Seeseite her uneinnehmbar für jeden Angreifer. Doch die Japaner, die während des Zweiten Weltkriegs Asien unter ihre Kontrolle zu bringen versuchten, benutzten bei ihrem Eroberungszug – Fahrräder! Sie radelten die Malaiische Halbinsel hinunter und eroberten das von dieser Seite ungeschützte Singapur am 15.Februar 1942.Die folgenden dreieinhalb Jahre bis zur Kapitulation am 21.August 1945 herrschten die japanischen Streitkräfte mit äußerster Brutalität. Danach kamen die Briten zurück, Singapur wurde Kronkolonie. Wahrzeichen der Stadt wurde das Fabeltier, das Prinz Nila Utama einst sah, der Merlion mit seinem Löwenhaupt über dem Fischschwanz. Als Standbild grüßt er dich heute auf Sentosa, an der Marina Bay und in jedem Souvenirladen. Nimm dir doch einen mit nach Hause – als Andenken an diese fantastische Metropole, den Schmelztiegel der asiatischen Kulturen.

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