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Reiseführer
Oxford

Ist erwähnt in Reiseführer:

Zauberhaftes Oxford – Stadt der Geheimnisse: ein Portal zur magischen Welt von Harry Potter mit angeketteten Büchern, holzgetäfelten Speisesälen und Wendeltreppen zu windumtobten Turmzimmerchen. Studenten in flatternden Talaren kurven auf dem Fahrrad durch holperige Gassen, ein dick gemauertes College kuschelt sich ans nächste, groteske Wasserspeier auf gotisch gezackten Türmen überblicken die mittelalterliche Altstadt von hoch oben.

Romantisches Oxford? Ja und nein ...

„Sweet city with her dreaming spires“, frei nach Poet Matthew Arnold ist Oxford die Stadt der träumenden Türme. Wenn du dir jetzt aber ein verschlafenes Nest vorstellst, irrst du dich gewaltig. Oxford ist steinalt und postmodern, ehrwürdig und albern, vornehm und prollig, wunderschön und hässlich und alles zwischendrin. Die Türme träumen vielleicht, aber sonst pennt hier keiner!

Städter und Studis, town and gown

Um Oxford zu verstehen, muss man sich über das komplizierte Verhältnis von Stadt und Uni im Klaren sein. Stadt (town) und Uni (gown, bezeichnet den akademischen Talar) liegen praktisch seit der Stunde null im Dauerzwist – oft ging es um Leben und Tod. 1209 flohen verängstigte gownies nach Krach mit townies gen Nordost und gründeten dort eine brandneue Uni. Der Name des kleinen Kaffs, in dem sie sich niederließen? Cambridge! Am St Scholastica’s Day 1355 wurde es in Oxford noch mal besonders schlimm: Eine Schlägerei in der Swyndlestock Tavern am Carfax uferte in eine Gewaltorgie aus – 63 Studenten wurden dabei von den Städtern umgebracht; noch fast 500 Jahre später musste jeder Stadtbewohner dafür als Kollektivstrafe jedes Jahr 63 Pennys an die Universität bezahlen. Der König schlug sich auf die Seite der Uni: gown hatte nun fast vollständige Macht über town und das Sagen auch in städtischen Angelegenheiten wie beispielsweise das Festlegen von Preisen und Gewichten oder die Straßenreinigung. Bis heute ist das Verhältnis zwischen den Parteien angespannt.

Geschichte

  • 1167

    Erste Anfänge der Uni – geboren aus Klosterschulen

  • 1555/56

    Verbrennung der protestantischen Bischöfe Cranmer, Latymer und Ridley

  • 1912

    William Morris entwirft sein erstes Auto in Oxford

  • 1920

    Frauen erlangen das Recht auf gleiche Uniabschlüsse

  • 1954

    Roger Bannister läuft im Stadion an der Iffley Road zum ersten Mal eine Meile in unter vier Minuten. Seitdem ist die „four-minute-mile“ Kult in Ländern mit britischem Maßsystem

  • 2001

    Produktion des BMW Mini in Cowley läuft an

  • 2007

    Das frühere Schlossgefängnis wird als Luxushotel eröffnet

  • 2017

    Eröffnung der Westgate Shopping Mall – ein £400-Millionen-Projekt

  • 2020

    Eine Zugverbindung Oxford–Cambridge wird beschlossen. Forscher der Uni Oxford sind führend bei der Entwicklung eines  Corona-Impfstoffs

  • 2022

    Zero Emission Zone (ZEZ) in der Innenstadt: Elektroautos fahren kostenfrei, alle anderen müssen bezahlen

Streit und Religion

Oxford ist die älteste Uni im englischsprachigen Raum. Ihre Gründung ist einem Streit zwischen Frankreich und England zu verdanken: Um König Henry II. zu ärgern, schmiss die Pariser Uni 1167 alle Engländer raus. Diese zogen wieder ab in ihr Heimatland und ließen sich in Oxford nieder. Hier gab es auch praktischerweise schon ein paar religiöse Institutionen, und so entstanden langsam daraus die ersten Colleges – die oft biblischen College-Namen und die auf Mönchskutten basierenden akademischen Talare zeugen heute noch davon. Die „richtige“ Religion zu haben, war in Oxford oft lebenswichtig: In der Reformation verbrannte man je nach Weltanschauung nicht nur Bücher, sondern auch Menschen – schaurig. Berühmteste Brandopfer sind die Bischöfe Cranmer, Latymer und Ridley. Ein Kreuz aus Pflastersteinen mitten in der Broad Street erinnert an die Stelle, wo die drei als Ketzer bezeichneten Protestanten unter der katholischen Königin „Bloody Mary“ 1555/56 ihr grausiges Ende auf dem Scheiterhaufen fanden.

Wie kommt man zur Uni?

Auch heute noch dominiert die Universität die Stadt. Es gibt sie praktisch nur als Konzept und nicht als Gebäude: Oxford University besteht aus 38 über die Stadt verteilten Colleges. Jedes College hat seine eigene Identität samt skurrilen Sitten und Gebräuchen. Die Uni Oxford ist eine staatliche Hochschule: Wie an allen anderen Universitäten in England auch, kostet es für Briten £9250 pro Jahr, hier ein Bachelor-Studium zu absolvieren, für Studenten aus Übersee wesentlich mehr. Das Auswahlverfahren für einen Studienplatz ist hart, die meisten Bewerber scheitern. Trotzdem bewerben sich jedes Jahr mehr und mehr Studenten, denn egal, welche Rangliste man konsultiert, Oxford tummelt sich stets ganz oben. Jedes Jahr im Juni und September finden University Open Days statt – eine super Gelegenheit, die Colleges und Studiengänge vor Ort kostenfrei zu erkunden (short.travel/oxf2). Über die Hälfte der britischen Premierminister sind Ex-Oxonians, inklusive Boris Johnson, Theresa May, David Cameron, Tony Blair und Margaret Thatcher. Neben der weltbekannten Eliteuni gibt es aber noch eine zweite Hochschule in der Stadt: Oxford Brookes University mit vier separaten Campussen. Mit seinen vielen Studenten ist Oxford (158 000 Ew.) eine junge und facettenreiche Stadt. Insgesamt sind über 40 000 Studenten hier – in den Semesterferien von Juli bis September weniger Studis, dafür aber Tausende jugendliche Sprachschüler, die hier ihr Englisch verbessern wollen. Studenten wohnen oft im College oder in Studentenwohnheimen, ältere Semester aber auch über die Stadt verteilt in WGs. Bei Studenten besonders beliebt: das Trendviertel Jericho und die dynamisch-alternative Cowley Road.

Arme reiche Stadt

Hauptarbeitgeber in Oxford sind der NHS (National Health Service, das geliebte, aber verarmte staatliche Gesundheitssystem), die Bildungseinrichtungen, Forschung und Technologie, das Verlagswesen und natürlich: der Tourismus! Pro Jahr machen sich rund sieben Millionen Besucher auf den Weg in die Universitätsstadt, um die traditionsreichen Colleges zu besichtigen und die einzigartige Atmosphäre zu erleben. Die wohlhabenden Colleges beeindrucken mit mittelalterlicher Pracht, und auch im UK selbst wird Oxford gern als posh, vornehm, angesehen. Die Stadt hat aber auch mit Herausforderungen zu kämpfen: Die Schulleistungen liegen unter dem englischen Durchschnitt, bestimmte Stadtteile im Süden und Osten gehören zu den sozial schwächsten in ganz England, eins von vier Kindern wächst in Armut auf, und ein Fünftel der Erwachsenen hat keine oder niedrige Qualifikationen. Soziale Brennpunkte existieren neben altüberlieferten Privilegien der reichen Elite. Tendenziell wohnen Wohlhabendere eher im Norden, so in Jericho und Summertown, Menschen mit weniger Geld im Süden und Osten, z. B. in Cowley. Dauer-Gesprächsthema sind die extrem hohen Wohnkosten: Oxford ist überflutungsgefährdet, der Stadtkern denkmalgeschützt, die Stadt von einem Grüngürtel umgeben – es gibt wenig Platz für neuen Wohnraum und der existierende ist der teuerste in ganz Großbritannien.

Was ist denn nun mit dem Brexit?

Der Brexit ist vollzogen – und hört nicht auf, die Menschen vor Ort zu beschäftigen. Die Oxforder wollten ihn nicht – im Referendum 2016 stimmten sie mit deutlicher Mehrheit dafür, in der EU zu bleiben. Selbst Premier Boris Johnson war ursprünglich dagegen, machte dann aber eine 180-Grad-Wende in Richtung politische Macht. Besonders in der akademischen Welt sieht man die Post-Brexit-Situation mit Bedenken: Was wird aus EU-weiten Forschungsprojekten und europäischen Austauschprogrammen, wie geht’s weiter für die vielen EU-Bürger, die hier leben und arbeiten? Man redet, verhandelt und organisiert sich um. Auch jetzt gibt es noch mehr Fragen als Antworten …

Filmreife Skyline

Den wahren Geist Oxfords erlebt man am besten, wenn man grundverschiedene Orte auf sich wirken lässt. In der Stadtmitte drängen sich mittelalterliche Colleges mit ihren Kapellen und gezackten Türmchen um die historische High Street. Den Kern der kleinen, historischen Altstadt kannst du bequem zu Fuß erkunden – besonders stimmungsvoll ist ein Spaziergang in der Dämmerung, wenn die Retro-Straßenlaternen ihr schummriges Licht auf die dicken alten Gemäuer werfen und sich die gotischen Verzierungen bizarr gegen den intensiv gefärbten Himmel abzeichnen. Oxford inspirierte mit seinen Türmen und seiner mittelalterlichen Atmosphäre Dichter von damals und heute und ist beliebte Filmlocation – nicht nur für die Harry-Potter-Filme. Betritt im Herzen der Altstadt den Radcliffe Square mit dem ikonenhaften Rundbau der Radcliffe Camera und Blick über die jahrhundertealten Unigebäude – und dir stockt der Atem. Im Norden findest du den Hipsterstadtteil Jericho mit seinen Artisan-Foodie-Läden und der mit Lämpchen geschmückten Ausgehstraße Little Clarendon Street, im Osten lockt die bunt-dynamische Cowley Road mit authentischer Multikultiatmosphäre, trendigen Bars und Restaurants und cooler Streetart. Die romantischen Parks und Wiesen ringsherum und die Wasserwege mit den vorbeigleitenden Stocherkähnen drauf ergänzen das Bild Oxfords als malerisches Städtchen in typisch englischem Setting.

Verstaubt war gestern

Trotzdem: Nicht nur die wissenschaftlichen Forschungseinrichtungen und Technologiezentren sind ultramodern ausgerüstet und gehören zu den besten der Welt, auch Sehenswürdigkeiten, Kulturinstitutionen und der Dienstleistungssektor sind auf topaktuellem Stand und auch häufig auf Social Media aktiv. Auch die Bauten werden aufgehübscht. Den Anfang machte das Schlossviertel, wo man sich um eine zeitgemäße, nachhaltige und attraktive Restaurierung bemüht, das Bahnhofsviertel soll folgen. Die Colleges bekommen postmoderne An- und Umbauten, die futuristische Blavatnik School of Government und die neue Westgate Mall zeigen, dass Alt und Neu eine kreative Kombi sein können. Und wenn du genug hast von ehrwürdiger Historie und vom Stadtrundgang? Dann erde dich mit einem Real Ale im urigen Pub oder einem sommerlichen Pimm’s-Drink im Stocherkahn, rock auf Festivals ab, tanz unterm Regenbogen auf dem Cowley Road Carnival. Oxford bringt’s einfach – erleb selbst, wie diese kleine große Stadt es schafft, aus all den Strömungen ein einzigartiges, unvergessliches Ganzes zu zaubern. See you – bis bald!

Aktuelles Wetter

4h/Tag (März)
52Sonnenstd. Jahr

Wissenswertes

Einwohner147.500
Fläche/km245 km²
AdaptertypG (D, M)
Reisepass/Visum/Reisewarnungen beim Auswärtigen Amt
Mehr Wissenswertes

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Oxford in Buch & Film

Über den wilden Fluß
Über den wilden FlußBuch 0 der Erfolgsserie „His Dark Materials“ von Philip Pullman. Der elfjährige Malcolm wächst im Pub Trout Inn auf. Er macht sich auf eine abenteuerliche Bootsfahrt durch das überflutete Oxford, um Lyra Belacqua, ein Baby, von dem keiner wissen darf, vor finsteren Gestalten in Sicherheit zu bringen. (2017)
139,00 EURinkl. 19% MwStr.
Alice im Wunderland
Alice im WunderlandSurreal, genial, oft imitiert: Nichts ist so gut wie das Original. Autor und Uni-Dozent Lewis Carroll verewigte die echte Alice 1865 in seinem berühmtesten Werk.
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Morse/Lewis/EndeavourSeit 1987 laufende Kultkrimiserie nach den Romanen von Colin Dexter. In den 90ern machte Inspektor Morse Oxford (un)sicher, sein Sidekick Lewis bekam eigene neun Staffeln. Endeavour lässt den jungen Morse im Oxford der 60er-Jahre auferstehen.
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The Riot ClubFilmversion (2014) des Theaterstücks „Posh“ von Laura Wade. Satire auf den berüchtigten Bullingdon-Club arroganter Oxford toffs. Eine Party endet in Gewalt. Die Schuldigen werden verhaftet – aber auch zur Rechenschaft gezogen?
1,48 EURinkl. 19% MwStr.