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Reiseführer
Athen

MARCO POLO Reiseführer

Athen

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Schon im Landeanflug auf Athen enthüllt die griechische Metropole einen Aspekt ihrer Schönheit. Aus welcher Richtung die Maschine auch kommt, schwebt sie immer über Inseln und Ägäis ein, fällt der Blick aus den Kabinenfenstern auf hohe Berge, Strände, felsige Küsten und ein überwiegend weißes Häusermeer, in dem fast die Hälfte aller Hellenen zu Hause ist.

Athen von Anfang an

Nur zwei bis drei Stunden nach der Landung kannst bereits mitten in der lebendigen Athener Geschichte sitzen, denn die Verkehrsverbindungen vom Flughafen in die Innenstadt sind rund um die Uhr ausgezeichnet. Einen besonders schönen Einstieg ins Athener Lebensgefühl bieten dir die Straßencafés in der Odós Adrianoú gleich gegenüber der antiken Agorá. Hier überblickst du den antiken Marktplatz, auf dem einst große Philosophen wie Sokrates und Platon wandelten, und schaust auf das Thiseion, Griechenlands besterhaltenen antiken Tempel. Dahinter erheben sich der nackte Fels des Areopags und der steile Felshang der von Tempeln gekrönten Akrópolis. Zwischen den Cafés und der Agorá rattert alle paar Minuten Athens älteste Metrolinie vorbei, auf der anderen Seite der Fußgängerpromenade sitzen Straßenhändler. Straßenmusikanten ziehen vorbei und spielen meist mehr oder minder gut „Ein Schiff wird kommen“. In deinem Rücken sind das Flohmarktviertel Monastiráki und das ehemalige Gewerbeviertel Psirrí zu Trendvierteln für Touristen und Einheimische geworden.

Die Stadt erlaufen

Wenn du dann zu einem ersten Stadtrundgang aufbrichst, wirst du schnell feststellen, wie kurz die Entfernungen zwischen fast allen wichtigen historischen Sehenswürdigkeiten, ganz unterschiedlichen Stadtteilen mit fotogenen Ansichten, Einkaufs- und Vergnügungsvierteln sind. In Athen brauchst du auf keinen Fall ein Auto und nur selten eine der drei Metrolinien, einen der abgasarmen Busse, einen Trolleybus oder die hier tram genannte, hochmoderne Straßenbahn. Fast alles erreichst du bequem und ohne langweilige Durststrecken zu Fuß. Anders als noch kurz vor den Olympischen Sommerspielen 2004, die Athen stark verändert haben, brauchst du den einst berüchtigten Athener Smog nicht mehr zu fürchten. Die Luft in Athen ist dank zahlreicher Verkehrsbeschränkungen und modernem ÖPNV deutlich sauberer geworden, immer mehr Straßen werden zu reinen Fußgängerzonen. Überhaupt bessert sich das Umweltbewusstsein der Athener zwar langsam, aber stetig. So beteiligen sich immer mehr Stadtbewohner am Müll-Recycling oder installieren auf ihren Hausdächern Sonnenkollektoren für die Warmwasserbereitung.

Geschichte

  • 1300 v. Chr.

    Erste Befestigung der Akrópolis

  • um 500 v. Chr.

    Entwicklung zur ersten Demokratie der Welt mit Athen als einem Zentrum

  • 492–479 v.Chr.

    Perserkriege. Die Griechen bleiben siegreich. Athen wird zur Metropole der Ägäis

  • 146 v. Chr.

    Athen wird Teil der römischen Provinz Macedonia

  • 1456–1827

    Osmanische Herrschaft

  • 1821–30

    Griechischer Freiheitskampf. 1830 Gründung des neugriechischen Staats

  • 1834

    Athen wird griechische Hauptstadt

  • 1941–44

    Deutsche Besetzung Athens, Deportation aller Juden

  • 1944–49

    Griechischer Bürgerkrieg

  • 1967–74

    Militärdiktatur

  • 1981

    EU-Beitritt Griechenlands

  • 2010–19

    Wirtschafts-, Finanz- und Gesellschaftskrise

  • 2025

    Neue Besucherrekorde trotz großer Preissteigerungen

Zwischen Antike und Neuzeit

Durch Athen zu bummeln macht Spaß und wird nie langweilig. Auf dem Weg vom Thissío, die Nordseite des Akrópolis-Hügels entlang zum Akrópolis-Museum fühlst du dich kaum noch in einer Großstadt. Links säumen berühmte Altertümer die breite, ganz Fußgängern vorbehaltene Promenade, die einmal eine vierspurige Autostraße war. Rechts sind niedrige Hügel von dichtem Grün bedeckt, zwischen denen sich antike Bauten verstecken: die Pnyx als Stätte der antiken Volksversammlung oder das Philopáppos-Denkmal. Im modernen Akrópolis-Museum, das selbst schon eine architektonische Sehenswürdigkeit darstellt, wird man schließlich auf vielfältige Weise mit Athens bekanntestem Bauwerk bekannt gemacht – und kann auf der Terrasse dieses Museums von Weltrang im Angesicht der antiken Tempel in einer schicken Cafeteria Spezialitäten aus ganz Griechenland genießen. Auf den Tellern können Käse von den Ägäischen Inseln oder Wurst aus Mykonos oder Léfkas liegen, in den Gläsern schimmert griechischer Wein oder eine traditionelle Pflaumenlimonade. Gehst du weiter um die Akrópolis herum, kommst du sogleich in Athens Altstadt, die Pláka. Sie ist der Kern des neuen Athens, das nach dem Befreiungskrieg gegen die Türken 1821–29 seine Wiedergeburt erlebte. Als Athen 1834 dann Hauptstadt des befreiten Griechenlands wurde, hatte es nur 5000 Bewohner, von denen viele direkt auf der Akrópolis zwischen den Tempelruinen lebten. Zunehmende Industrialisierung nach dem Ende des 19.Jhs. und die Umsiedlung Hunderttausender Griechen aus Kleinasien ins Gebiet der Metropole nach dem gescheiterten Feldzug der Hellenen gegen Ankara 1922/ 23 brachten ein enormes Bevölkerungswachstum mit sich. Heute zählt die Stadt mit all ihren Vorstädten ca. 3,8 Mio. Menschen, das eigentliche Athen hat ca. 608 000 Bewohner.

Stadtviertel-Vielfalt

Zumeist in zarten Ockertönen gehaltene, ziegelgedeckte Häuser und klassizistische Stadtvillen aus dem 19.und frühen 20.Jh. säumen in der Pláka die meist autofreien Gassen, beherbergen kleine Museen, Galerien und historische Archive. Anders als am verkehrsreichen, durch seine Luxushotels und das Parlamentsgebäude repräsentativen Síntagma-Platz laden in der Pláka kleine, ganz urbane Plätze zur Rast, und in vielen kleinen Hotels kannst du hier mitten in der Geschichte wohnen. An den Hauptachsen der Pláka reiht sich Laden an Laden, Taverne an Taverne. Nur ein paar Meter weiter sitzen Katzen auf Fensterbänken, fühlst du dich – wie im Stadtviertelchen Anafiótika – in ein ägäisches Inseldorf versetzt. Und überall entdeckst du antike Ruinen und kleine mittelalterliche Kirchen. Diese vielen historischen Bauten stehen nicht isoliert wie deplatzierte Relikte aus längst vergangenen Zeiten im Straßenbild, sondern sind ins Alltagsleben eingebunden. In keiner anderen Großstadt Europas ist die Antike noch so präsent wie hier – Rom ausgenommen. Doch in Rom künden Bauwerke von der Großmannssucht der Kaiser, in Athen sind sie größtenteils eindrucksvolle Zeugnisse des ersten demokratischen Staats der Geschichte. Hier wurde zuerst gebaut und gedacht, was die Römer später nachahmten, technisch verbesserten und schließlich – wie das Theater mit der Tierhatz und den Gladiatorenkämpfen oder die Tempel zur Kaiserverehrung – entwürdigten und entweihten. Zum besonderen Flair der Athener Innenstadt tragen auch andere, an die Pláka angrenzende Stadtviertel bei, die noch bis vor wenigen Jahrzehnten reine Industrieund Gewerbeviertel waren. Im Thissío-Viertel trifft sich die Jugend bei Rockmusik in den ehemaligen königlichen Pferdeställen, zeigt eine Galerie moderne Kunst in den Räumen einer einstigen Hutfabrik. Im Psirrí-Viertel werden heute noch tagsüber in vielen kleinen Werkstätten Schuhe, Taschen und andere Lederwaren genäht, während abends die Tavernen, Bars und Musiklokale überwiegend junge Leute aus der ganzen Stadt anziehen. Sogar der alte Gasometer im Gázi-Viertel hat eine neue Verwendung als Kunstgalerie gefunden, um die herum Bars und Restaurants auch wohlhabende Feinschmecker anlocken.

Der Atem der Geschichte

Gegenwart und Geschichte verschmelzen in Athen überall miteinander. Unvergesslich werden dir die Minuten sein, die du auf einer Parkbank im Nationalgarten, unter einem Olivenbaum auf dem antiken Kerameikós-Friedhof oder auf dem Rasen unterhalb des Hephaistos-Tempels verträumst. Einzigartig ist das Plätzchen auf dem Areopag, wo vor über 2500 Jahren Athens oberster Gerichtshof tagte und von dem aus du abends eine fantastische und obendrein kostenlose Aussicht über das weite Lichtermeer Athens genießt. Und vielleicht lässt sich nirgends besser als auf der Akrópolis über den Fortschritt der Menschheit nachdenken, wenn du siehst, wie viel grandiose Schönheit die Menschen der Antike ganz ohne Computer, Beton und moderne Baumaschinen schufen.

Athener Kontraste

Fast ebenso reizvoll kann es sein, sich einfach auf die griechische Lebensart einzulassen und die Kontraste zu beobachten, die unsere Zeit mit sich bringt. Die gut gekleideten jungen Leute mit I-Phone und Sportwagenschlüsseln auf dem Kaffeehaustisch vor sich gehören ebenso dazu wie die Hunderttausende legale und illegale Immigranten aus Afrika und Asien, die nicht ans Mittelmeer grenzende EU-Mitgliedsstaaten gern den Griechen als notgedrungenem Erstaufnahmeland überlassen, oder wie die traditionellen Losverkäufer, die dir mit ihren Rubbellosen das große Glück versprechen. Die Maronengriller am Straßenrand sind ebenso ein Teil Athens wie die vielen Zweigstellen griechischer und internationaler Fast-Food-Ketten, die sich bei Alt und Jung wegen ihrer scheinbar günstigen Preise großer Beliebtheit erfreuen. Athen ist eine Stadt der Gegensätze – und wird es auch nach der Wirtschafts- und Finanzkrise, die das Land in den 2010er-Jahren beutelte, wohl noch lange bleiben. Gestiegene Steuern, gekürzte Gehälter und Renten haben die Einkaufskraft der Durchschnittsathener stark beschnitten. Der wirtschaftliche Aufschwung in den 2020er-Jahren hat Wenigen riesige Gewinne gebracht, den meisten Griechen aber kaum mehr Wohlstand beschert. Auszugehen lassen die Athener sich aber trotzdem nicht nehmen – man konsumiert eben einfach weniger als früher.

Rund um Athen

Auch in einem anderen Teil Groß-Athens, der Hafenstadt Piräus, pulsiert das Leben wie eh und je. Hier wirst du mehr hypermoderne Schnellschiffe – meist Katamarane – und riesige konventionelle Autofähren sehen als in den meisten anderen europäischen Häfen; mehr Luxusyachten gibt es nicht einmal in Palma, Cannes oder Portofino. In Piräus kannst du bequem einen ganzen Urlaubstag verbringen: Es gibt interessante Museen und zwischen den beiden Häfen Zéa Marína und Mikrolímano sowie an der Limanáki-Bucht findest du offizielle Badestrände. Strände säumen auch die stets am Meer entlangführende Straßenbahnlinie zwischen Piräus und dem Küstenort Vouliagméni mit seinem natürlichen Thermalbadesee. Noch mehr Meer erlebst du bei einer Fährfahrt zur Insel Ägina oder bei einer Drei-Insel-Tageskreuzfahrt nach Ägina, Póros und Hydra. Spätestens dann wirst du wahrscheinlich den Drang spüren, bald nach Hellas zurückzukehren und auch die Inselwelt der Ägäis zu entdecken – Athen und Piräus sind das Tor zu ihr.

Aktuelles Wetter

6h/Tag (März)
98Sonnenstd. Jahr
Beste Reisezeit
September
29°C
Wetter in Athen

Wissenswertes

Einwohner643.452
Fläche/km239 km²
SpracheGriechisch
AdaptertypC, F
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Athen

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