Günstig übernachten Wie gut ist AirBnB wirklich?

AirBnB – einst Airbedandbreakfast (Luftmatratze und Frühstück) – vermittelt privat vermietete Unterkünfte zu attraktiven Preisen. Die zunehmende Sehnsucht nach authentischen Urlaubserlebnissen und echten Begegnungen mit den „Locals“ animiert immer mehr Menschen dazu, diesen Mittelweg zwischen anonymer Privatsphäre (z.B. Hotel) und engem Einheimischen-Anschluss (z.B. Couchsurfing) auszuprobieren. Die Idee ist also gut, doch wie sieht es mit der Umsetzung aus? Wir haben es getestet …

Wie gut ist AirBnB wirklich? | © mihalis_a, iStock

Nicht jeder will couchsurfen: Die einen haben keine Lust auf allzu engen Kontakt mit den Gastgebern (und fürs kostenlose Übernachten muss man anstandshalber ein Mindestmaß an Interesse zeigen!), die anderen finden zu dritt oder viert wenig Unterkunftsmöglichkeiten auf dem Portal. Trotzdem möchte man oft nicht an der klinischen Freundlichkeit einer Hotel-Rezeptionistin abgleiten, sondern sich ein paar „waschechte“ Tipps von Einheimischen holen, ein bisschen Lokalkolorit aufsaugen und das Gefühl haben, man sei mittendrin als Besucher, nicht „außen vor“ wie der klassische Tourist.

Der bekannteste Kompromiss, der aus dem Silicon Valley zu uns herübergeschwappt ist, heißt AirBnB. Kommt ganz locker, flockig, easy daher, soll ja auch vor allem junge Leute ansprechen. Die Preise sind noch unter dem Hoteldurchschnitt, aber keine Schnäppchen mehr, dafür gibt’s dann unkonventionelle Erlebnisse gratis mit dazu.

Das fängt schon bei der Anmeldung an: Zur Verifizierung der eigenen Person sind E-Mail-Adresse und Telefonnummer erforderlich. Klar, schließlich lässt man hier wildfremde Leute ins eigene Zuhause. Ein Profil mit Foto und Beschreibung der eigenen Person ist auch Pflicht. Na gut. Und jetzt bitte noch ein paar Referenzen. Aha. Ein Schreiben vom Pfarrer oder der besten Freundin, dass man ein guter und ehrlicher Mensch ist? Ich will auf meine etwas objektiveren Bewertungen als Couchsurfing-Gastgeber verweisen, aber dieses offensichtliche Konkurrenzunternehmen ist wohl tabu, denn alle „Couchsurfings“ und ähnliche Schreibweisen werden sofort wieder gelöscht. Also nicht. Aber es scheint auch ohne Referenzen zum nächsten Schritt zu gehen.

Der heißt: Personalausweis einscannen. Dazu muss ich Zugriff auf meine Webcam gestatten. Ist mir etwas unangenehm, schließlich habe ich schon länger nicht aufgeräumt hier. Also schnell den Ausweis vorhalten, Vorder- und Rückseite scannen lassen; dann wird überprüft, ob auch alles gut lesbar ist. Scheint in Ordnung zu sein, denn ich werde zum nächsten Schritt geleitet: Um sicherzustellen, dass ich eine real existierende Person bin (hallo, was ist mit meinem Perso?!), muss ich eines von drei Social-Media-Accounts für AirBnB freischalten: Facebook, Google+ oder LinkedIn.

Ganz schön frech, finde ich, aber der Wunsch, diese Plattform zu testen, ist immer noch groß, also klicke ich auf „Facebook“. Im Pop-up-Fenster wird gelistet, welche Daten von Facebook an AirBnB übermittelt werden: u.a. persönliche Daten, sämtliche Freunde und jeder einzelne Gefällt-mir-Klick. Das geht zu weit, finde ich. Mit etwas Suchen finde ich die Option, wenigstens die Gefällt-mir-Freigabe abzuklicken. Das Ergebnis: „Ihr Facebook-Account weist zu wenige Aktivitäten zur Verifizierung auf.“ Na super. Fünf Jahre Facebook und fast tägliche Nutzung reichen also nicht. Ich vermute, AirBnB will einfach alle Daten haben, aber wozu dann die Abklick-Option?

Nachdem ich keine anderen Social-Media-Accounts aktiv pflege, bleibt nur noch die ganz harte Nummer, um zu beweisen, dass ich ich bin: ein 30-sekündiges Video, in dem ich von mir erzählen soll. Ich denke zähneknirschend an mein Ziel und starte das Letzte, wozu ich bereit bin. Webcam-Freigabe und Vorstellung meiner Person, die sich auf meinen Namen und eine Beschwerde über dieses Anmeldesystem beschränkt. Danach werde ich informiert, dass das Video nicht verarbeitet werden kann, weil mein Format nicht unterstützt wird. Ich glaube das einfach nicht – schließlich hat meine Webcam beim Ausweis auch gepasst – und nehme noch einmal auf. Wieder die gleiche Meldung. Ich bin ziemlich genervt – und ratlos.

Die einzige Chance: einen Mitarbeiter von AirBnB zu kontaktieren. Das ist mindestens ebenso kompliziert. Auf der Webseite kann man nur vorgefertigte Fragen aus einem Dropdown-Menü auswählen, die leider alle nicht auf meinen Fall passen. Am Ende heißt es dann, ich könne mit Community-Mitgliedern Kontakt aufnehmen und dort Rat suchen. Nein und nochmals nein! Ich will professionelle Hilfe und zwar sofort. Endlich finde ich eine vorgefertigte Frage, die zu einem Kontaktformular führt, das direkt an AirBnB geht. Ich tippe mein Anliegen ein und warte.

Während des Wartens google ich ein wenig, ob es anderen Nutzern schon ähnlich ergangen ist. Und siehe da, ich bin nicht alleine. Einige haben ihr Problem auf der Facebook-Pinnwand des Unternehmens gepostet. Ich schließe mich an, beweise damit nebenbei, dass ich ein gültiges Facebook-Account habe – und bekomme kurze Zeit später einen Anruf von einer sehr hilfsbereiten Mitarbeiterin aus Großbritannien. Ein paar Dinge klären sich auf. So ist das Video anscheinend doch angekommen, trotz Fehlermeldung. Ich müsse nur noch meinen Personalausweis einscannen. Was? Es hieß doch, hiermit sei alles OK! Ich muss auf interne Klärung warten. Dann Entwarnung: Alles sei in Ordnung, ich solle mich nun versuchen einzuloggen. Dabei lande ich aber nur in einer Warteschleife, das System hat sich wohl aufgehängt. Nach einem Screenshot als Beweis, dass ich leider nicht weiterkomme, werde ich doch noch freigeschalten – ganze drei Stunden hat die Chose gedauert.

Jetzt aber los. Die Auswahl ist wirklich groß, die Angebote teils sehr attraktiv, teils sehr einfach. Leider unterscheidet AirBnB nicht zwischen wirklich privaten und eher kommerziellen Anbietern, sodass man darauf achten muss, nicht in einem gastgeberlosen Haus zu landen, wo sämtliche Zimmer an unterschiedliche Gäste untervermietet werden – mit Gemeinschaftsbad, versteht sich. Wie eng der Kontakt mit den Gastgebern ist, kann man aber gut in den Erfahrungsberichten nachlesen.
Schließlich bin ich fündig geworden. Doch der Weg zur Buchung ist noch weit. Meine beiden Favoriten sind zur gewünschten Zeit schon ausgebucht, also stelle ich eine Buchungsanfrage beim Apartment Nummer drei. Innerhalb 24 Stunden muss der Gastgeber die Anfrage zu- oder absagen. Zum Glück geht es bei mir etwas schneller und ich weiß nach vier Stunden schon, dass sich die Gastgeberin so früh noch nicht festlegen möchte, also Absage.

Was ich nicht wusste: Der Preis für die drei Übernachtungen bei der angefragten Unterkunft wird von der Kreditkarte sofort bei der Buchungsanfrage autorisiert, das heißt eine schwebende Abbuchung vorgenommen. Wenn der Gastgeber die Anfrage ablehnt, kann es dann bis zu einer Woche dauern, bis der eingefrorene Betrag wieder freigegeben ist. Puh, ganz schön riskant, das Anfragen. Schließlich will ich nicht hunderte von Euro auf meinem Konto eingefroren haben, solange ich noch gar nichts Konkretes gebucht habe, also eins nach dem anderen.

Endlich finde ich die für mich passende Unterkunft zu einem noch akzeptablen Preis (zu dem Preis des Gastgebers kommen eine Putzpauschale und die AirBnB-Servicegebühr plus Mehrwertsteuer hinzu). Nach Zusage vom Gastgeber wird meine Kreditkarte sofort mit dem vollen Betrag belastet – mehr als ein halbes Jahr, bevor ich die Reise überhaupt antrete! Hier unterscheidet sich AirBnB deutlich von den Gepflogenheiten des Hotel- und Gastgewerbes: Die meisten Hotels verwenden die Kreditkartendaten nur für den Fall einer Stornierung – bezahlt wird vor Ort im Anschluss an die Nächtigung. Dass AirBnB, das durch sein Konzept ja gerade etwas jüngere Leute und Menschen mit knappem Geldbeutel anspricht, hier in die Vollen greift, beweist einmal mehr, dass dahinter keine idealistischen Weltverbesserer, sondern knallharte Unternehmer stecken. Die großartige Idee, authentische Begegnungen zu einem günstigen Preis zu ermöglichen, wird also leider nur als oberflächliche Werbebotschaft vorgeschoben. Die wirtschaftliche Interessen – die prinzipiell nachvollziehbar sind, aber in einem gewissen Rahmen bleiben sollten – drängen sich doch stark in den Vordergrund und lassen den Glanz des eigentlichen Nutzens etwas bröckeln.

Auch für Gastgeber scheinen Vermietungen über AirBnB übrigens ein lukratives Geschäft zu sein: In New York witterte eine Firma das große Geld, kaufte 50 Apartments und wollte sie über AirBnB vermieten, was gerichtlich unterbunden wurde. Aber auch im „kleineren Stil“ macht AirBnB den Hotels Konkurrenz: Die AirBnB-Spitzenvermieter in New York machen geschätzte 100.000 Dollar Jahresumsatz; die 100 Top-Vermieter zusammengenommen haben laut Staatsanwaltschaft innerhalb von drei Jahren ganze 54 Millionen Dollar kassiert – beileibe nicht alles wird versteuert, weshalb das Portal gerade in den USA ein großer Zankapfel ist.

Was also ist die Alternative? Das europäische Pendant 9flats arbeitet ähnlich wie AirBnB, bietet aber immerhin die Bezahloption „book now, pay later“ bei einigen Unterkünften an. Nur leider ist die Auswahl an Unterkünften deutlich geringer, kaum einer kennt den Namen des Anbieters.

Also doch: zurück zu Cochsurfing? Auch dieses Unternehmen ist kommerzialisiert worden, aber die Übernachtungen sind immer noch kostenlos, ja, es ist sogar verboten, dafür Geld zu nehmen, weil es gegen die Couchsurfing-Grundsätze verstößt. Die Folge: Die meisten Gäste bringen ein kleines Gastgeschenk als Dankeschön mit oder kochen ein besonderes Essen für die Gastgeber. Und genau damit findet der kulturelle Austausch dann tatsächlich statt, werden Freundschaften geschlossen und authentische Begegnungen ermöglicht. Auch wenn das Nachlassen des ursprünglichen „Couchsurfing-Spirits“ beklagt wird: Wer nicht nur eine kostenlose Bleibe sucht, sondern die Menschen dahinter kennen lernen möchte, wird auf diesem Portal sicher fündig. 

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von Solveig Michelsen

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