Island: Blick auf Seljalandsfoss-Wasserfall
© Mumemories, shutterstock
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Island: Der Massentourismus hinterlässt Spuren

Island ist en vogue: Mehr als 2 Millionen Touristen haben dem Land Ende 2023 einen Besuch abgestattet, davon über ein Viertel aus den Vereinigten Staaten. Die Zahlen allein wären nicht so erschreckend, hielte man sich nicht vor Augen, dass die isländische Bevölkerung selbst nur aus 380.000 Menschen besteht. Das hat weitreichende Konsequenzen für Islands Fauna und Flora – und auch für die Isländer selbst.

MARCO POLO Redaktion, basierend auf einem Text von Solveig Michelsen. 12.04.2024

Island: Der Massentourismus hinterlässt Spuren

  • Island: Blick auf Seljalandsfoss-Wasserfall © Mumemories, shutterstock

Island ist en vogue: Mehr als 2 Millionen Touristen haben dem Land Ende 2023 einen Besuch abgestattet, davon über ein Viertel aus den Vereinigten Staaten. Die Zahlen allein wären nicht so erschreckend, hielte man sich nicht vor Augen, dass die isländische Bevölkerung selbst nur aus 380.000 Menschen besteht. Das hat weitreichende Konsequenzen für Islands Fauna und Flora – und auch für die Isländer selbst.

MARCO POLO Redaktion, basierend auf einem Text von Solveig Michelsen. 12.04.2024

Man kennt die Vergleiche mit Tieren: 5 Schafe pro Einwohner in Neuseeland oder 3,5 Rinder pro Mensch in Uruguay. Das ist amüsant und lässt sich als Bürger gut verkraften. Bedenklich wird es allerdings, wenn die Anzahl der Touristen das Vielfache der eigenen Bevölkerung erreicht. So wie in Island: fünf Mal so viel Besucher wie Einwohner – kann das auf Dauer gut gehen?

Durch groß angelegte Kampagnen und ein kostenloses Stopover-Angebot von Icelandair entdecken immer mehr Menschen die Naturschönheiten Islands. Bis Ende 2023 kamen allein 460.000 US-amerikanische Touristen – Zahlen, die bereits das Niveau der Besucherzahlen vor der Pandemie erreichen. Darunter leiden die Naturschätze Islands. Durch den Anstieg der Besucherzahlen vermerken Isländer immer mehr Probleme in ihrem Land. Davon sind die häufigsten:

  • Schädigung der Böden
  • Vandalismus
  • Störung der Ökosysteme
  • Steigende Lebenskosten für Isländer
  • Entfremdung der Kultur
  • Überbelastete Infrastruktur

Fast all diese negativen Effekte lassen sich auf den Massentourismus zurückführen. Allein die hohe Anzahl von Menschen verursacht Schäden in den empfindlichen Böden und Ökosystemen Islands. Und wo sich viele Leute tummeln, ist oftmals der Vandalismus nicht weit entfernt – das ist ein trauriges Naturgesetz. Natürlich gibt es auch Touristen, die sich nachhaltig verhalten, aber auch die haben zwei Füße und hinterlassen Spuren. Ganz unabhängig davon, wie sich die Menschen verhalten, ab einem bestimmten Punkt sind es einfach zu viele. Manche Orte kriegen das bereits zu spüren.

So kommt es, wie es kommen muss: Das Missverhältnis von Reisenden gegenüber den Einwohnern stellt eine Belastung dar. Die Bedürfnisse der Touristen nach Unterkunft und Verpflegung hat die Lebenserhaltungskosten der Isländer in den letzten Jahren in die Höhe schießen lassen. Das heißt, dass Essen und Miete teurer werden. Außerdem fühlen sich die marginalisierten Isländer zunehmend entfremdet von ihrer eigenen Kultur. So gibt es mittlerweile einige Restaurants in Island, die ihr Menü nur noch auf Englisch drucken. In Deutschland wäre das undenkbar.

Die Isländer kommen schlussendlich zu der Erkenntnis, dass der Wachstum des Tourismus in ihrem Land zu schnell voranschreitet. Die Regierung reagiert darauf, indem sie einen Fokus auf Nachhaltigkeit und Sanften Tourismus setzen will: Eine Art des Reisens, mit dem die Destination ökologisch und sozial geschützt werden soll, ohne dabei das ökonomische Wachstum zu beenden. 2017 hat die isländische Regierung dazu beschlossen, das Campen an beliebten Orten außerhalb von offiziellen Plätzen zu verbieten. Das schließt insbesondere Nationalparks mit ein und gilt auch für das Übernachten in Bussen und Campervans. Besonders restriktiv sind die Gesetze in Südisland – jede Gemeinde kann ihre eigenen Regeln aufstellen. Im Zweifelsfall sollten Abenteuer-Urlauber also bei offizieller Stelle oder dem Landbesitzer anfragen, ob eine Übernachtung erlaubt ist. Wie gut all diese Maßnahmen greifen werden, wird letztendlich die Zeit zeigen.

Da kann man nur wünschen: Gangi þér vel!