Die Felsalgarve: Wilder Westen

Der Weg zum legendären Außenposten Europas, dem stürmischen Kap São Vicente, führt an einer der schönsten Küsten des Kontinents entlang. Wie Perlen reihen sich auf den knapp 100 km von Faro bis zum südwestlichsten Ende des Festlands die zahllosen Highlights der Felsalgarve aneinander: Die ketchup-roten Klippen der „Tomatenbeach“ von Falesia, das perfekte Fischerdörfchen Cavoeiro mit seiner engen, sandigen Bucht zwischen spektakulären Felswänden liegen am Weg nach Westen.

Holperpisten zu alten Forts

Immer wieder führen Stichstraßen, oft nur Holperpisten, von der N125 – jenem Asphaltband, das dem Verlauf von Portugals südlicher Küste fast vollständig folgt – zu einigen der einsamsten Buchten der Felsalgarve: Cabanas Velhas bei Burgau etwa oder der urige Fischerort Salema, der einst als Geheimtipp der Rucksacktouristen die Runde machte. Die einsame Praia Boca do Rio durchzieht ein kleines Flüsschen, ein einsames Haus liegt am Ende der kleinen Bucht und am gegenüberliegenden Hang die verwitternden Reste eines alten Forts.

Letzte Grüße vom Blumengarten

Oft ist bereits der Weg zur Beach ein Erlebnis für sich: Zur Praia da Figueira, einer Bilderbuchbucht mit skurrilen Felsklippen, führt er an Maulbeerbüschen und wildem Fenchel vorbei zum Sandstrand. Hier befinden Sie sich bereits im Gebiet des „Parque Natural de Sudoeste Alentejano e Costa Vicentina“, und die verwilderten Gärten an den Wegesrändern des Nationalparks sind denn auch die letzten Grüße vom üppigen Blumengarten Europas.

Elementare Wellenwucht

Dramatisch wandelt sich die Landschaft wenige Meter dahinter. Wer der „Fortaleza do Infante“, der 5 km westlich von Sagres exponiert gelegenen Burg Heinrich des Seefahrers einen Besuch abstattet, merkt die Veränderung auf Anhieb. Mit elementarer Wucht schlagen die Atlantikwellen jetzt gegen die gewaltigen Mauern der Festung, und die wenigen zwergwüchsigen Pinien liegen in devoter Schräglage am steinigen Grund. Das Größte, was hier „wächst“, ist die überdimensionale, aus Kieseln gestaltete Windrose des Dom Henrique alias Prinz Heinrich, die im Innenhof des Forts bis heute an die Ära der ersten Marineakademie der Welt erinnert.

Der Wind zerrt und reißt

Wer von Sagres Fortmauern auf die Steilküste von Kap São Vicente hinüberblickt, merkt sofort: eine Grenze wurde überschritten. Rau und einsam wird plötzlich das Land, und wunderschön, unter einem windgepeitschten, offenen Himmel ohne Telegrafenleitungen. Ein Revier für Surfer, die die Suche nach dem ultimativen Ritt über die Welle in eine der wildesten Gegenden Europas geführt hat. Einfache Häuser, an denen der Wind zerrt und reißt, ducken sich in die Falten der zerschrammten Hänge. Selbst die Tourismusindustrie versuchte erst gar nicht, die wilde Westküste der Algarve zu domestizieren.

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