Ganz schön gemütlich Willkommen in der Westschweiz

Irgendwo zwischen Bieler See, Neuchâteler See und dem Murtensee wechselt die Sprache von Deutsch zu Französisch – welcome zu einer internationalen Tour de Suisse der geruhsamen Art. Mit dem Reisemobil lässt sich diese abwechslungsreiche Region perfekt erkunden.

Leuchtende Weinberge, der tiefblaue See und ganz im Hintergrund schneeweiße Gipfel – Blick auf Ligerz und die St. Peterinsel im Bieler See. | © Christof Sonderegger

Das Baguette ist hier so dünn und knusprig wie in Frankreich

Der Berg ist nicht sehr hoch – nur 653 Meter –, aber wirklich groß, was die Aussichten anbetrifft. Zwei Reisemobile sind über kurvige Sträßchen von Môtier am Murtensee nach oben auf den Mont Vully gezuckelt und parken jetzt direkt am Gipfel.

Noch mehr erlebt, wer über Wiesen und Wälder zu Fuß hier herauf kommt, etwa von Sugiez aus. Man sucht sich einen schattigen Picknickplatz unter einem Baum und packt aus: das Baguette, das hier so dünn und knusprig ist wie in Frankreich. Und den Schweizer Käse (der noch mit dem roten Taschenmesser klein gesäbelt werden muss!).

Dazu gibt’s einen herrlichen Ausblick auf den Murtensee, über den kleine weiße Punkte mit Schweif ziehen – die Schiffe, die die Orte am See verbinden. Sie sind zu sehen, aber nicht zu hören.

Wo aber liegt der besondere Reiz des Mont Vully, mal abgesehen davon, dass er einfach ein schönes Fleckchen Erde ist? Von diesem Berg aus sind alle drei Seen zu sehen: nicht nur der Murtensee, sondern auch der Bieler See im Norden und der Neuchâteler See im Westen. Über ein Kanalsystem sind sie alle miteinander verbunden. Mit dem Schiff Romandie I lässt sich eine Drei-Seen-Tour erfahren.

Gut essen gehen ist hier eine reichlich kostspielige Sache

Wir erkunden das Drei-Seen-Land lieber mit dem Reisemobil und staunen, wie abwechslungsreich das ist: Mal fahren wir auf Nebenstraßen nah an grünen Ufern entlang, dann zuckeln wir von Weindorf zu Weindorf, und wieder ein anderes Mal rauschen wir auf einer mit Schallmauern abgeschotteten Autobahn am Wasser entlang und schütteln den Kopf über die Schweizer. Wieso verbauen die ein ganzes Seeufer mit Schnellstraße und Bahnlinie, so dass die Orte am Wasser vom Rest der Welt wie abgeschnitten sind?

Wie schön, dass Neuchâtel wieder aufs Wasser und auf die umliegenden Berge blickt! Die Hauptstadt des gleichnamigen Kantons am Nordwestufer des Neuchâteler Sees hat ein so angenehmes Flair, dass wir sie sofort ins Herz schließen: französisch, lässig, unaufgeregt, schick genug. Hier kann man bei einem Café au Lait an der Place des Halles hocken, sich in der Fromagerie Sterchi fürs nächste Picknick eindecken und abends im Café du Cerf auch mal ein Bier trinken. Schick essen gehen ist im Angesicht des starken Schweizer Franken ja eine eher kostspielige Angelegenheit. Nudeln mit Tomatensoße für derzeit umgerechnet etwa 15 Euro? Da muss öfter die Bordküche ran.

Alle Städte der drei Jura-Seen haben ihren eigenen Charme

Von den größeren Städten an den drei Jura-Seen ist jede eine Welt für sich, jede hält Überraschungen bereit, alle sind sie ein bisschen unperfekt, aber gerade deshalb liebenswert. In Biel muss man nicht länger verweilen – denkt man, bis man auf die beiden Plätze der charmanten, engen Mini-Altstadt gelangt. Man entdeckt heimelige Arkadengänge, Treppengassen und kleine Galerien und verbummelt plötzlich doch Zeit in der größten zweisprachigen Stadt der Schweiz.

Yverdon-les-Bains ganz am Südende des Neuchâteler Sees hat dramatische Berge im Rücken, es geht Richtung Alpen. Am Altstadtplatz lässt es sich an lauen Abenden gut sein, aber wir vermissen die Kurpromenade am Wasser! Das hatten wir uns so vorgestellt, so muss das doch sein in einer Bäderstadt am See? Ist es aber nicht. Wir staunen darüber, dass eine Stadt am Wasser liegen kann, ohne ihm auch zugewandt zu sein. Das Thermalzentrum mit warmem schwefelhaltigem Wasser hat uns dann aber wieder ausgesöhnt mit Yverdon.

Eigentlich ist neben Neuchâtel nur Murten so, wie man sich’s vorstellt: klein, malerisch, allüberall und stolz geschmückt mit Schweizer Flagge, urgemütlich-urig, mit kleinen Laubengeschäften, Balkonen voll üppig blühender Geranien, dem trutzigen Schloss, Restaurants und einem Yachthafen unterhalb der Altstadt.

Mit dem Reisemobil zuckeln wir am Murtensee, dem kleinsten und, wie wir finden, sympathischsten der drei Westschweizer Seen entlang, machen einen Abstecher ins Städtchen Avenches, in dessen Mitte eindrucksvoll ein römisches Amphitheater steht. Am Hafen von Praz entdecken wir später ein kleines Café. Wunderbar, so beim Eisessen aufs Wasser zu schauen, hinüber nach Murten, das von hier aus noch putziger aussieht und das sich vor neugierigen Blicken heute mit einem Dunstvorhang schützt.

Herrlich, so ein Sonntag in der Schweiz

Zwei französisch quasselnde Badenixen schaukeln auf Luftmatratzen übers Wasser, am Steg gießt ein Straßenkehrer die Geranien, und eben bricht ein Pärchen auf. Sie sind nicht mit dem Cabriolet da, auch nicht mit dem Reisemobil – das Verkehrsmittel der Wahl ist hier ein schnittiges, blendend weißes Motorboot. Der Luxusschlitten wird angeworfen und hört aufs Wort. Das Geknatter signalisiert, dass nun Madame zusteigen kann, und als die sich ausbalanciert hat, steuert Monsieur stolz aufs Wasser hinaus. Vom Mont Vully aus gesehen rast jetzt ein kleiner weißer Punkt mit Schweif auf die Seemitte zu.

Die besten Links

Fremdenverkehrsamt

MARCO POLO Reiseführer Genf, Westschweiz, Wallis

Offizielle Tourismusseite der Schweiz

Tourismusseite Genf

Drei-Seen-Schifffahrt


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