Online Gebucht Willkommen bei mir zu Hause

Im Urlaub bei Einheimischen daheim lecker essen – das geht heute ganz einfach! Neue Portale wie EatWith, feastly, Bookalokal oder Traveling Spoon öffnen die Türen zu kochfreudigen Menschen weltweit, die Touristen und Locals gegen Entgelt festlich bewirten – dabei erwartet die Gäste oft weit mehr als nur ein gewöhnliches Essen. Wir stellen einige Gastgeber und ihr kulinarisches Können vor!

Die Gastgeber lassen ihrer Kreativität bei den Gerichten gern freien Lauf

Als die griechische Familie Papadakis den fremden Reisenden aus Tel Aviv 2010 zum Essen in ihre winzige 2-Zimmer-Wohnung in Heraklion einlud, ahnte sie nicht, was sie damit ins Rollen bringen würde. Den Rechtsanwalt Guy Michlin inspirierte der fröhliche Abend mit einem hausgemachten Pastagericht in großer Runde (die Familie hatte in bester griechischer Gastgebermanier auch noch sämtliche Cousins und Nachbarn eingeladen) so sehr, dass er EatWith gründete. Ein Portal, mit dessen Hilfe auch andere Urlaubern in den Genuss kommen können, mit privaten Gastgebern aus aller Welt in Kontakt zu treten.

„Als Urlauber bewegst du dich oft wie in einer Luftblase, du gehst in gute Restaurants, machst Touren mit oder schaust dir Museen an”, sagt Michlin. „Der beste Weg, um aus dieser Blase auszubrechen, ist der Kontakt mit Einheimischen.” Die Likör-Flasche, die ihm damals die Familie Papadakis als Abschiedsgeschenk mit auf den Weg gab, hat er immer noch, das Andenken an den vierstündigen Abend ist allerdings mittlerweile geleert. Sein Start-up dagegen ist in voller Bewegung: Rund 400 Gastgeber in 30 Ländern weltweit präsentieren sich auf EatWith mit Fotos und Menü-Vorschlägen.

Mittlerweile gibt es verschiedene Plattformen für private Gastgeber

EatWith ist nicht die einzige Vermittlungsplattform für privates Essen weltweit. Auch andere folgen dem Zeitgeist des Teilens, der gerade über den Planeten schwappt – von geteilten Autos bis zu Wohnungen – und bieten Mahlzeiten bei Einheimischen an, ob belgischen Brunch, französisches Frühstück oder ein 7-Gänge-Gourmet-Dinner. Die Website eatfeastly.com richtet sich vorwiegend an Gäste in Washington, San Francisco und New York. Traveling Spoon setzt auf Angebote im asiatischen Raum, Bookalokal ist sehr stark in allen europäischen Ländern präsent, launcht aber gerade eine US-Website.

„Durchschnittlich sind etwa 6 bis 10 Gäste bei einem Essen dabei”, sagt Evelyne White, die Gründerin des belgischen Portals Bookalokal. „Die meisten sind zwischen Ende 20 und Ende 30, aber eigentlich ist das Publikum immer ganz gut durchmischt.” Und die Preise fürs Hausgemachte? Los geht's zum Beispiel ab 9 Euro, dafür kann man etwa in Brüssel von der gebürtigen Norwegerin Linn lernen, wie man die leckersten Zimtschnecken – nach einem Geheimrezept selbstredend – backt. In der oberen Preisspanne bewegt sich das Menü der ehemaligen Opernsängerin Caroline, die ein so großer Beatles-Fan ist, dass sie der Band gleich mal ein ganzes Menü gewidmet hat, das allein schon für seine Originalität den Preis von 73 Euro vergessen lässt. Als Starter gibt's so zum Beispiel „Honeypie, you are making me crazy” oder Shrimps-Lollipops mit einer Cornflake-Kruste, inspiriert von der Song-Zeile „Sitting on a cornflake, waiting for the van to come” aus dem Lied „I Am the Walrus”.

Gewöhnlich zahlt man für die Essens-Erlebnisse, aber es gibt auch Gastgeber, die zum Einstand ein kostenloses Probeessen anbieten. Die New Yorker Make-up-Artistin Shamaila gewährt ihren Gästen so zum Beispiel gratis einen Einblick in die Küche ihrer ursprünglichen Heimat mit einem traditionellen afghanischen Reisgericht namens Kabuli Palau.

Man merkt schnell: Viele Gastgeber auf den Portalen lassen ihrer Kreativität freien Lauf. Manche bieten auch Extras zu ihren Essen an, wie kostenlose Stadtführungen, Live-Musik oder Filmvorführungen. Einige der Gastgeber kommen aus der Food-Branche, sogar Michelin-Köche sind unter den Hosts zu finden, wie zum Beispiel Xabi aus Barcelona, der als EatWith-Gastgeber für 53 preiswerte Euro bei sich zuhause ein Sterne-Menü auftischt. Der Rest besteht aus passionierten Hobbyköchen. „Bei uns muss man kein Sterne-Koch sein, um sich als Gastgeber zu bewerben”, sagt Evelyne White von Bookalokal. „Wichtig ist uns bei der Auswahl der Gastgeber, das sie authentisch und sehr kommunikativ sind und einen sauberen, schönen Ort zur Bewirtung der Gäste haben.” In vielen Fällen werden die Gastgeber persönlich unter die Lupe genommen, der grüne Stempel „verified” unter einem Profil besagt, dass das Angebot vom Bookalokal-Team getestet wurde. Bei EatWith gibt es den „Geprüft- und für gut befunden”-Stempel ebenfalls, und auch bei allen anderen Plattformen werden die Gastgeber näher unter die Lupe genommen, und sei es mit einem Skype-Interview.

Auf fast allen Portalen kann man wunderbar in den Angeboten stöbern. Die Registrierung ist einfach, das Angebot schnell ersichtlich. Anhand von Fotos und Fakten stellen die Gastgeber sich und die Wohnung vor und erklären, was den Gast erwarten wird. Die User können den gewünschten Ort eingeben, einen Maximal-Preis festlegen und zudem über den Filter Sprache Gastgeber suchen, die zum Beispiel auch Deutsch sprechen. Bei EatWith gibt es noch mehr Möglichkeiten zu selektieren, zum Beispiel, ob der Gastgeber WLAN in seiner Wohnung anbietet oder ob er Profi-Koch ist. Die Buchung ist unkompliziert: Anmelden (geht bei einigen Portalen auch mit einem vorhandenen Facebook-Profil), mit Paypal oder Kreditkarte online bezahlen – schon kann es losgehen. Das Schöne daran: Man kann nicht nur ein wunderbares Essen genießen und sich Tipps für die Stadt geben lassen, es gibt auch genug Raum für überraschende neue Begegnungen, die vielleicht sogar in einer Freundschaft münden.

Im Interview mit Gastgebern:

Zu Gast bei Evelyne in Brüssel

Evelyne ist Harfenistin, Unternehmensberaterin und Günderin von Bookalokal. Sie führt ihre Gäste Querbeet durch die kulinarische Welt: Vom mexikanischen Brunch bis zum belgischen Dinner.

Was kommt auf den Tisch? Am liebsten koche ich einfache belgische Gerichte. Ich finde es schön, wenn die Gäste dadurch mein geliebtes Brüssel besser kennenlernen. Eines nennt sich „Stoemp“: Ein würziger Kartoffelstampf mit regionalem Chimay-Käse, Möhrchen und Rucola, dazu gibt es Bratwurst mit Rosenkohl. Aber eigentlich habe ich sehr viel Abwechslungsreiches auf dem Speiseplan für meine Gäste stehen – von klassischen amerikanischen Barbecues bis zum mexikanischen Brunc.

Wie viel kostet es? ca. 15 Euro für ein einfaches belgisches Menü, inklusive Getränke.

Wo wird serviert? Am Place du Châtelain im Kastanienviertel.

Warum bist du gern Gastgeber? Ich bin liebend gern unter Menschen. Die Leidenschaft fürs Gastgeben habe ich auch von meinen Eltern: Mein Vater war (italienischer) Chefkoch und meine Mutter ist eine unglaubliche Gastgeberin. Bei ihren Partys war alles immer „to the max“ – von niedlichen kleinen Drinks, Luftballons bis zu kreativen Einladungen.

Was magst du an Brüssel? Ich komme ja ursprünglich aus New York, jeder kennt New York. Die meisten Leute fragen mich ganz erstaunt: „Warum lebst du lieber in Brüssel?” Ganz einfach: Hier ist einfach alles viel entspannter. Die Leute sind spontaner und nicht so busy, die Entfernungen sind kleiner und Freizeit hat einen viel höheren Stellenwert.

Tipps für Brüssel? Auf jeden Fall den Grand' Place, den historischen Marktplatz im Zentrum, anschauen! Der mag vielleicht ein bisschen kitschig und traditionell sein, aber er ist wirklich schön. Brüssel ist außerdem eine Stadt der Märkte: Jeden Mittwoch verwandelt sich der Bauernmarkt am Place du Châtelain in einen abendlichen Treffpunkt. Ich liebe auch den Trödelmarkt „Marche aux puces“ im Szene-Viertel Les Marolles.

www.bookalokal.com (Evelyne)

Gourmet-Erlebnis bei Peter in New York

Peter (29) ist Koch & Barkeeper auf der Fashion Week.  Er beherrscht die Kunst des Servierens: Vom angesagten Brüh-Kaffee aus dem Siphon bis zum leckeren Enten-Confit!

Was kommt auf den Tisch? Aktuell ein französisches Enten-Confit mit Rucola, Granatapfelkernen, Gurken und Käse. Dazu gibt es Flaming-Cocktails oder raffinierten Brüh-Kaffee im Siphon.

Wie viel kostet es? Etwa 62 Euro für das kommende 7-Gänge-Sommer-Menü – mit Getränken.

Wo wird serviert? In Williamsburg (Brooklyn), an der U-Bahn-Haltestelle Lorimer Street (L-Linie).

Warum bist du gern Gastgeber? Ganz simpel – ich mag es, Menschen zu bewirten. Statt eines passiven Abendessens sollen sie bei mir ein kulinarisches, interaktives Experiment erleben. Ein gewisser Hang zum Übermut und zur Selbstdarstellung hat mich schon bei anderen Köchen immer beeindruckt.

Gibt es eine Dinner-Anekdote? Einmal verirrte sich ein Pärchen ins falsche Apartment. Nachbarn von uns hatten gerade ihre Zigarette vor der Tür ausgedrückt und die zwei folgten ihnen durch die offene Haustür, in der Annahme, es handele sich um die Gastgeber.

Was magst du an New York? Die Umtriebigkeit der Leute hier, diese erstaunliche Ansammlung von dynamischen, hart arbeitenden, manchmal verrückten und normalerweise charmanten Überlebenskünstlern.

Ein paar Geheimtipps für New York? Parlor Coffee ist New Yorks vielleicht kleinste Espressobar. Man findet sie im hinteren Teil des Friseurladens Persons of Interest in der Havemeyer Street. Dort gibt es den besten Espresso der Stadt! Der Bossa Nova Civic Club in Bushwick ist der coolste Club hier, seitdem ich vor acht Jahren hier her gezogen bin! Und das Fortuna Bros, eine alte Bäckerei und Eisdiele, gegründet von drei italienischen Brüdern. Ihre Süßigkeiten sind besser als in Manhattans Little Italy, vor allem die Cannolos. Wirklich, ich träume nachts von den Cannolos! www.eatfeastly.com (Peter)

Zum Dinner bei Hang & Zoom in Hanoi

Zoom (35) ist die Gründerin der Fahrradtour-Firma „Zoom Zoom“ & Hang (35) ist Mitarbeiterin beim Hanoier NGO „Live and Learn“. Sie leben beide in Hanoi. Sie sind ein eingespieltes Team und führen durch die Küche Vietnams: Von exotischem Salat mit Bananenblüten bis zu knusprig-frischen Frühlingsrollen.

Was kommt auf den Tisch? Zooms Lieblingsgericht sind einfache Frühlingsrollen, perfekt knusprig gebraten. Hang liebt die Zubereitung von frischen Salat mit lokalen Zutaten, zum Beispiel mit Lotus- und Bananen-Stängeln.

Wie viel kostet es? Ab ca. 18 Euro für 2 Personen.

Wo wird serviert? Im Alten Viertel von Hanoi.

Warum seid ihr gern Gastgeber? Wir sehen das als eine großartige Möglichkeit, den Besuchern die Kultur und den Alltag einer Hanoier Familie näher zu bringen. Im Gegenzug hören wir gerne interessante Reisegeschichten.

Gibt es eine Dinner-Anekdote? Bei unserem ersten Koch-Workshop waren wir sehr überrascht über unsere Gäste: 5 Jungs aus den USA, alle zwischen 25- und 30 Jahren, die lernen wollten, wie man hier kocht. Tipps für die Stadt? Auf jeden Fall sollte man den Trubel auf dem Dong Xuan Markt erleben und die Straßenküchen bei einem Spaziergang im Alten Viertel ausprobieren. Ein entspanntes Kontrastprogramm dazu: Mit der Fähre über den Roten Fluss und mit dem Fahrrad eine Tour über Land machen, durch stille Dörfer, vorbei an Bananen-, Gewürz- und Gemüseplantagen. www.travelingspoon.com (Hang & Zoom)

Ein fröhlich-italienisches Festmahl bei Andrea

Andrea (27) ist Tourismus-Wissenschaftler & Betriebswirt und lebt heute in Bellinzona (Schweiz). Bei ihm findet man La Dolce Vita in der Schweiz: Von Honigmelone mit Parmaschinken bis zu allen Varianten von Nudeln mit Pesto.

Was kommt auf den Tisch? Das einzig wahre und echte Pesto! Basilikum-Pesto aus Genf mit Pecorino, Parmesan, Pinienkernen, Knoblauch und Olivenöl. Alle Zutaten liegen auf dem Tisch; jeder Gast kann sein eigenes Pesto zubereiten, wenn er will.

Wie viel kostet es? Etwa 18 Euro für ein Menü, inklusive Wein & Bier.

Wo wird serviert? In meinem neuen Haus in Bellinzona.

Warum bist du gern Gastgeber? Ich bin Italiener, Gastfreundschaft liegt mir im Blut. Es ist schön zu sehen, wie Leute über ein Essen zusammenfinden – unabhängig von Alter oder sozialem Hintergrund. Manchmal sammle ich auch vorher Infos über die Gäste, um für einen lebendigen Mix zu sorgen. www.eatwith.com (Andrea)

Zu Gast bei Mow in SoHo, New York

Mow (38) ist Unternehmensberater für Start-ups und lebt in New York. Mit seinen Gerichten ist er den besten Aromen auf der Spur: Vom feinsten Burrata-Salat bis zum gebratenen Ahi-Thunfisch in Sojasauce.

Was kommt auf den Tisch? Eins meiner Lieblingsgerichte sind gebratene Ahi-Thunfisch-Würfel in Soja- und Wasabisauce mit Schalotten und Avocado. Die Vorspeise ist allerdings prinzipiell mein Favorit beim Menü: Es macht Spaß, so viele Aromen in ein paar winzigen Bissen zu packen. Ich mag auch ganz simple Vorspeisen wie Burrata-Salat mit frischem Basilikum, Olivenöl und einem schön gereiften Balsamico-Essig.

Wie viel kostet es? Etwa 26 Euro für das Menü, inklusive Wein.

Wo wird serviert? In meiner neuen Wohnung in SoHo.

Warum bist du gern Gastgeber? Mir macht es Spaß, neu entdeckte Aromen mit anderen zu teilen. Außerdem kann beim Essen eine ganz einzigartige Verbindung zwischen völlig Wildfremden entstehen; außerdem gibt es oft auch neue berufliche Kontakte.

Tipps für den Big Apple? Ich würde wirklich allen Besuchern das Metropolitan Museum of Art ans Herz legen; da ist für jeden etwas Spannendes dabei. Außerdem würde ich einen Spaziergang durch die Lower East Side in Manhattan empfehlen. Das früher von jüdischen Einwanderern geprägte Viertel erfährt heute eine Renaissance – mit vielen tollen Restaurants und Bars.

Was liebst du an New York? Dass die Stadt einen scheinbar unerschöpflichen Vorrat an neuen Erlebnissen und Erfahrungen hat. Die Herausforderung dabei: Herauszufinden, wo man steht und sich trotzdem in der Vielfalt weiterbewegen. www.bookalokal.com (Mow)

Zu Tisch bei Chris in San Francisco

Chris (33) ist Dozent für italienische Sprache und Literatur an der Berkley-Universität in San Francisco. Für ihn steht Italien im Mittelpunkt: Vom Dinner „Nächte in Neapel” bis zu Tortellini-Kochkursen.

Was kommt auf den Tisch? Ich liebe es, „Parmigana di melanzane“ zu servieren; der herzhafte Auberginenauflauf aus Süditalien ist den meisten Amerikanern fremd.

Wie viel kostet es? Für ca. 15 Euro gibt es ein italienisches 3-Gänge-Menü.

Wo wird serviert?Zwischen den beiden Stadtteilen Mission und Noe Valley.

Warum bist du gern Gastgeber? Als ich 2003 in Italien lebte – in Florenz, Rom und Bologna –, habe ich viele neue, spannende Gerichte entdeckt. Diese kulinarischen Erfahrungen möchte ich gerne teilen.

Tipps für San Francisco? Macht eine Wanderung zu den „Sutro Baths“ unterhalb der Klippen bei Land’s End – das sind Ruinen einer ehemaligen Therme am Pazifik. Besucht samstagvormittags unbedingt den „Farmers Market“ am alten Fährterminal; dort bieten Biobauern aus ganz Nordkalifornien ihre Ware feil, von frischem Obst, Gemüse bis zu würzigem Käse.

Was magst du an deiner Stadt? In San Francisco arbeiten die Leute, um ihre Freizeit zu genießen – ob nun bei einem gemütlichen Fahrradausflug oder einem lange vor sich hin köchelnden Gericht. www.eatfeastly.com (Chris)


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