Missverständliche Slogans der Reisebranche Von Entführungen und tropfenden Wasserhähnen

Eifrig dichten Werbeleute immer neue Sinnsprüche für die Ferien-Regionen rund um den Globus, versuchen damit Gäste zu locken – und warten oft völlig vergeblich auf positive Resonanz, weil die Merk-Zeilen schlecht übersetzt oder einfach nur zweideutig oder dumm sind. Beispiele dafür gibt es genug.

| © JynMeyerDesign, iStockphoto

Unfreiwillig komisch etwa kam die brasilianische Hotelkette Othon daher, die für ihre Vier-Sterne-Häuser auf Deutsch mit dieser Zeile warb: „Warum sollten wir unsere Installationen erneuern, wenn alles gut läuft?“ Wer die Hotel-Badezimmer Südamerikas kennt, mag die Stirn gerunzelt haben. Dabei haben die Dichter in diesem Fall sicher gemeint: „Warum sollen wir an unserem Erfolgsrezept etwas ändern?“ Ein Schelm, wer da an tropfende Wasserhähne denkt.

Leicht missverständlich ist auch die englische Zeile, mit der Marokko warb: „Morocco – the country that travels within you“. Wörtlich übersetzt sieht sich Marokko demnach als ein Land, das in jemandem reist. Gemeint ist wohl, dass der Urlauber ein Gefühl der Faszination mit nach Hause nimmt. Genauso mag der Slogan aber auch suggerieren, dass man mit einem ungebetenen Gast im Körper heimreist – und damit ungewollt auf die in Europa weit verbreitete Sorge anspielen, sich in Nordafrika einen Magen-Darm-Infekt einzufangen.

Mehrdeutig kann auch diese Botschaft Kolumbiens erscheinen, die sicherheitshalber in der Werbung gar nicht erst ins Deutsche übertragen wurde: „The only risk is wanting to stay“ – „das einzige Risiko ist, bleiben zu wollen.“ Die Botschaft wirkt nicht nur wenig gastfreundlich, sondern kann auch Assoziationen zu diversen Risiken wecken, die manch einer mit diesem Land verbindet – nämlich dort bleiben zu müssen, weil man von Bewaffneten in den Dschungel entführt wurde, die ein saftiges Lösegeld fordern.

Manche Slogans klingen im Deutschen einfach nur hölzern, wie der Spruch der brasilianischen Region Santa Catarina: „Wo sich die Natur entschieden hat zu wohnen.“ Und auch diese Botschaft reißt niemanden vom Hocker: „Paraguay – man muss es wahrnehmen.“ Die Südsee-Insel Fiji wiederum hat ihren irritierenden Slogon „Fiji me“ („Fiji mich“) inzwischen ausgetauscht, der neue Slogan „Fiji – where happiness finds you“ (wörtlich ungefähr: „Fiji – wo die Freude Dich findet“) ist jedoch ebenso wenig erhellend.

Dabei ist Ehrlichkeit bei der Erfindung eines Slogans manchmal gar nicht die schlechteste Wahl, so wie es das Städtchen Prince Rupert zeigt. „City of the Rainbows“ – „Die Stadt der Regenbogen“ nennt sich die Gemeinde am Pazifik, mit 12.800 Einwohnern die nördlichste Hafenstadt der kanadischen Provinz British Columbia. Ein Spruch, der gefällt: weil er poetisch klingt, ein bisschen geheimnisvoll, fast märchenhaft, und weil er zugleich gnadenlos ehrlich ist. Denn tatsächlich regnet es in Prince Rupert dauernd – und ab und zu kommt zwischen zwei Unwettern mal die Sonne heraus, um einen Regenbogen an den Himmel zu zaubern ...

Autorin: Helge Sobik


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