EXTRA Luzern Vierwaldstättersee: Gute Reise!

Laut schallt das Schiffshorn zu den Bergen empor, der Raddampfer nimmt Fahrt auf. Noch fünf der stolzen Schiffe kreuzen über den Vierwaldstättersee, versetzen die Passagiere mit ihrem Flair in längst vergangene Tage. An insgesamt 32 schönen Stationen können die Passagiere aussteigen, um zu wandern, auf Gipfel zu fahren und die Natur zu genießen – Bericht über eine geruhsame Reise.

Egal ob Windsurfen, Wasserski, Wakeboarden oder Seekajak fahren – der Vierwaldstättersee bietet ideale Bedingungen dazu, wie hier in der Nähe von Flüelen.. | © Joachim Negwer

Der älteste aller Raddampfer vor Ort wurde bereits im Jahr 1901 gebaut

Leise rauschen die Wellen gegen den Schiffsanleger von Luzern. Leinen schlagen an Masten, kräftiger Wind kräuselt das glasklare Wasser des Vierwaldstättersees.

Ein kreisrundes Wölkchen liegt um den Gipfel von Luzerns Hausberg Pilatus. „Hat der Pilatus einen Hut, wird das Wetter gut, trägt er einen Degen, dann gibt’s sicher Regen“, sagt der Volksmund – also stehen die Zeichen heute eindeutig auf schön.

Rings um Luzern liegen Berggipfel wie aus dem Bilderbuch

Nach zehn Minuten Fahrt gleitet der Raddampfer bereits am Bürgenstock entlang, der gewaltigen Felsnase, die frech in den See ragt. Ringsherum liegt eine Landschaft wie aus dem Bilderbuch. Hinter uns ragt der Pilatus auf , der 2129 Meter hohe Hausberg Luzerns mit seinem Schönwetter-Häubchen, und links sehen wir die Rigi, „Königin der Berge“, wie die Schweizer gern sagen, mit ihrem 1797 Meter hohen Gipfel, der Rigi-Kulm.

Man nennt ihn auch den „lächelnden See“, und niemand weiß so genau, ob damit das Glitzern des fünftgrößten Schweizer Binnengewässers gemeint ist oder das Strahlen im Auge der Betrachter. Als eine „Großtat der Natur“ hat Johann Wolfgang von Goethe diese Region einst geadelt, denn spätestens hier beginnt die Schweiz, traumhaft schön zu werden.

Die alten Raddampfer sollten einst durch moderne Schiffe ersetzt werden

Am Vierwaldstättersee schlägt das Herz des Alpenstaats. Nicht wegen des Rütlischwurs, mit dem die drei Urkantone einst ihren Bund gegen die Habsburger schlossen, und auch nicht wegen Wilhelm Tell, der hier den Tyrannenmord wagte. Die Schönheit der Natur ist es, die die Herzen der Besucher nachhaltig beglückt.

Der Raddampfer Uri, gut 61 Meter lang, samt Radkästen 14 Meter breit, bringt uns gemächlich von Ort zu Ort: Hertenstein, Weggis, Vitznau. Mit dem Auto könnte man die Strecke bequem in 30 Minuten fahren. Mit dem Dampfer dauert’s fast eine Stunde – und wenn wir ganz ehrlich sind, dürften’s auch zwei oder drei sein. Der Kapitän und der Steuermann, zwei Maschinisten für die 650-PS-Verbunddampfmaschine, dazu Kassier und Kontrolleur sorgen dafür, dass das Schiff stets pünktlich ins Ziel kommt; rund ein Dutzend dienstbare Geister in Küche und Service verwöhnen die bis zu 800 Passagiere mit Speis und Trank. Nichts ist schöner als eine Tasse Kaffee an frischer Luft auf dem Sonnendeck zu genießen und dabei geruhsam die Villen und alten Grandhotels an den Uferhängen zu bewundern.

10.05 Uhr, das Schiff steuert Vitznau an. Die Landungsmanöver sind ein Schauspiel: Der Kapitän tritt auf die Außenbrücke, drei, vier Meter über der Anlegestelle, und gibt seine Kommandos durch ein Sprachrohr in den Maschinenraum. Leise, mit einem leichten Stoß, legt die Uri an, mit Schweizer Präzision genau nach Fahrplan um 10.07 Uhr.

Pünktlichkeit gilt der Schifffahrt auf dem Vierwaldstättersee als ebenso wichtig wie Tradition. Einst fuhren hier 16 Raddampfer, heute gibt es immerhin noch fünf davon, neben der Uri das Dampfschiff Unterwalden, DS Schiller, DS Gallia und als Flaggschiff das DS Stadt Luzern, 1928 gebaut mit wunderschönen Art-Déco-Salons und Platz für bis zu 1200 Passagiere – die fünf alten Damen der See-Fahrt sind eine Sensation für Urlauber von nah und fern.

In den 70er Jahren, als alles modern werden musste, wäre es den stolzen Raddampfern allerdings beinahe an den Kragen gegangen. Damals kündigte die Schifffahrtsgesellschaft (SGV) an, dass sie alle Dampfschiffe ausrangieren und durch moderne Boote ersetzen wolle. Doch da hatten die Manager nicht mit den Bürgern der Gegend gerechnet: Sie gründeten den Verein der Dampferfreunde und starteten eine Kulturrevolution der Schweizer Art. Bei einer Kapitalerhöhung sicherte man sich durch Spenden die Aktienmehrheit und setzte durch, dass die übrig gebliebenen fünf Dampfschiffe renoviert wurden und weiter auf Fahrt gehen konnten. Und sie tun das bis heute mit großem Erfolg.

Die Raddampfer und ihre modernen Kollegen, nämlich 13 Motor- und Panoramaschiffe sowie ein Nauen (kleines umgebautes Frachtboot), bedienen insgesamt 32 Stationen rund um den See, der in seiner größten Ausdehnung (zwischen Luzern und Flüelen) 38,1 Kilometer misst und maximal 214 Meter tief wird. Eine Rundfahrt dauert bis zu fünfeinhalb Stunden. Von den meisten der Anlegestellen lassen sich wunderbare Ausflüge und Wanderungen unternehmen. Je nach Lust und Tagesform, nach Wetter und Laune fährt man entweder mit einer der vielen Seilbahnen auf den nächsten Berg oder geht zu Fuß hinauf, wandert dort eine, zwei oder auch sechs Stunden, und am Abend geht es zurück mit dem Schiff zum Urlaubsquartier.

Unser Dampfschiff Uri hat um 10.07 Uhr in Vitznau angelegt, gleich nebenan wartet schon fauchend die Dampflok, die hoch zum Rigi-Kulm fährt, Start um 10.16 Uhr. So genau sind hier die Verkehrsmittel aufeinander abgestimmt. Von dort oben wirken die Schiffe und Segelboote auf dem Vierwaldstättersee wie Spielzeuge, ziehen silbrige Wellen hinter sich her. Ein langes „Tuuuut“ hallt zu uns herauf, das ist der Dampfer in Gegenrichtung, Abfahrt im Sommer tagsüber stündlich. So werden wir heute Abend zurückfahren nach Luzern – eine kleine geruhsame Seereise als Abschluss eines gelungenen Urlaubstags.

Die besten Links

Website der Stadt Luzern

Das spizielle Tourismusportal der Stadt Luzern bietet viele Tipps Infos, Bilder und die Möglichkeit, direkt die Vefügbarkeit von Hotels zu überprüfen.

Regionalportal Luzern

Hier finden Sie viel wissenswertes über die Stadt, den Kanton und die Region Luzern.


Nach oben