Spanien Valencia: Raumschiff Erde

Coole Bauten im Science-Fiction-Format, gleich nebenan eine der romantischsten Altstädte Europas und Sandstrände direkt vor der Tür: Valencia, die drittgrößte Stadt Spaniens, ist ein Reiseziel voller Kontraste. Bericht über das Werk eines Star-Architekten, ein tolles Nachtleben und die wohl beste Paella der iberischen Halbinsel.

Das futuristische Wissenschaftsmuseum inmitten einer 13.500 Quadratmeter großen Wasserfläche. | © Silke Tokarski

Es sieht so aus, als sei gerade eine Flotte außerirdischer Raumschiffe inmitten der Metropole gelandet, so ziemlich genau zwischen Hafen, Shoppingmalls und dem historischen Zentrum.

Die Stadt Valencia, Spaniens drittgrößte Kapitale, punktet nämlich nicht nur mit einer der schönsten Altstädte Europas und riesigen Orangenplantagen ringsherum, sondern auch mit einem futuristischen Herz.

Ciudad de las Artes y las Ciencias lautet der sperrige Name dieser Wunderwelt, die aus Oper, Kunstpalast, Wissenschaftsmuseum, Planetarium samt IMAX-Kino und Mega-Aquarien besteht und mit ihrer avantgardistischen Architektur einzigartig ist – wir werden sie später besuchen.

Paradies für Sonnensüchtige

Die gesamte Region Valencia ist ein spannendes Reiseziel rund ums Jahr, die Sonne ist Dauergast, und selbst zur Hochsaison sind die langen Strände nicht so überlaufen wie an anderen Urlauber-Hotspots Spaniens. Star dieser Region im Osten der iberischen Halbinsel ist die namengebende Hauptstadt selbst: Valencia mit ihren rund 800.000 Einwohnern ist mit so vielfältigen Reizen gesegnet, dass sie allein schon einen längeren Aufenthalt lohnt.

Es ist Freitag abend, in der Innenstadt der Metropole tobt das Leben. So gegen 21 Uhr geht scheinbar die ganze Bevölkerung auf die Straße. Obwohl die Metropole durch Spaniens Wirtschaftskrise stark betroffen ist (hohe Arbeitslosigkeit), füllen sich hunderte Restaurants und Bars mit feierfreudigen Menschen, werden feine Tapas gereicht, dazu das erste Glas Bier, der erste Wein. Leibliche Genüsse stehen in Valencia ganz oben auf dem Programm, so wurde vor Ort die Paella erfunden: 750 Gramm Reis, jede Menge Bohnen, ein Huhn, ein Kaninchen, zwei Dutzend Schnecken, Öl, Tomaten, Knoblauch, Safran – diese und gefühlte 364 andere Paella-Versionen gibt es, für jeden Tag im Jahr eine.

Gegen Mitternacht, wenn alle satt sind, beginnt die Movida, La Marcha, der große Bummel durch die Lokale. Zwischen Jugendstilpalästen und Kirchen im warm leuchtenden Viertel Barrio del Carmen strömen die Massen von Bar zu Disco zu Kneipe, rund um die schmale Calle Caballeros etwa, an der studentischen Plaza Xúquer (es gibt zwei Universitäten vor Ort) und im Sommer am Stadtstrand Malvarossa; ältere Semester sitzen gemütlich bei Kerzenlicht und klassischer Musik in barocken Cafés. Das sind Urlaubsnächte, die man so schnell nicht vergisst.

Und die Stadt bietet noch so vieles mehr. Den riesigen Turia-Park etwa, ein ehemaliges Flussbett rund um das Zentrum, der sich wie ein grünes Band sieben Kilometer lang durchs ockerfarbene Häusermeer zieht. Den Rathausplatz mit Prunkbauten im Zuckerbäckerstil, die gotisch-barocke Kathedrale, eine große Jugendstil-Markthalle mit frischesten Waren, dazu jede Menge Ausstellungen und Museen. Mit der Straßenbahn fährt man zudem von der City aus vorbei am Universitätsgelände in ein paar Minuten hinunter zu Hafen und Stadtstrand – auf der kilometerlangen Palmenallee am breiten Beach lässt es sich schön flanieren, es gibt fliegende Händler und jede Menge kleine Cafés.

Das Kontrastprogramm zur quirligen Metropole beginnt gleich südlich der Stadtgrenze. Ruderboote ziehen ruhig über glitzernde Seen, Wasservögel singen ihr Lied, Kiefernwälder und Dünen begrenzen die Region zum Meer: Der Naturpark La Albufera zählt zu Spaniens wichtigsten Feuchtbiotopen. Seine Gewässer nähren seit je her Fischer und Reisbauern, und natürlich wird in den kleinen Gaststätten der Orte die allerbeste Paella serviert; zudem lockt ein großer Golfplatz. Ein ruhiger Tag im Park macht dann vielleicht Lust, die Region noch ein wenig mehr zu erkunden: die Küstenorte Gandía oder Sagunt etwa, oder urige Dörfer wie Requena und Xàtiva in den Bergen des Hinterlands. Auch bauliche Schönheiten wie Peniscola weiter im Norden oder Urlauberhochburgen à la Dénia, Benidorm und Alicante im Süden sind über die Küstenautobahn ganz schnell erreicht.

Die wohl spektakulärste Sehenswürdigkeit Valencias aber haben wir uns für den letzten Tag aufgehoben. Star-Architekt Santiago Calatrava, Sohn dieser Stadt, hat sich mit der futuristischen Ciudad de las Artes y las Ciencias selbst ein Denkmal gesetzt, Baukosten rund 1,4 Milliarden Euro. Die schneeweiß leuchtende, biomorphe Anlage ist von blau schimmernden Wasserbecken umgeben. Mit der gewaltigen Kuppel des IMAX-Kinos L’Hemisfèric, dem walfischskelettartigen Wissenschaftsmuseum, der Aquarienwelt L’Oceanogràfic mit 42 Millionen Liter Wasser in Arktis- und Tropenbecken zieht sie Reisende aus aller Welt an – und gilt als meistbesuchte Attraktion Spaniens, noch vor dem Prado in Madrid und Barcelonas Sagrada Família. Und ist damit einer von so vielen Gründen, Valencia bald mal einen Besuch abzustatten.

Text: Thomas Zwicker

Fotos: Silke Tokarski


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