Crowdfunding Mit dem Schwarm auf Reisen

Mit dem VW-Bus bis zum Mount Everest, ein cooles Work & Travel-Jahr in Australien oder zu Fuß ganz alleine durch Island – wer seine Reisepläne zu einem kreativen Projekt macht, kann dafür im Netz auf sogenannten Crowdfunding-Plattformen Geld einsammeln. Wir erklären, wie die Finanzierung über den „Schwarm” funktioniert, und berichten über fünf spannende Projekte und deren Erfolg.

Bitte einsteigen! VW-Bus samt rotem Luftkissen-Boot wollen Samuel und Christina Richtung Mount Everest reisen. | © Christina Just & Samuel Herbrich

Gratisurlaub? Von wegen! Der Schwarm im Netz finanziert in erster Linie ernst gemeinte kreative Projekte

Unter Palmen Urlaub machen – und im Netz schnell mal Geld dafür einsammeln? Schön wäre es, aber ganz so einfach funktioniert das Generieren von Kapital im Internet dann doch wieder nicht. Um was geht es eigentlich beim sogenannten Crowdfunding? Kurz gesagt: Kreative, Künstler, Erfinder oder Firmengründer können ihr Projekt im Netz auf Plattformen wie Startnext oder Pling mit Videos und Texten vorstellen und bei den Nutzern um finanzielle Unterstützung werben.

Die Idee dahinter ist folgende: Auch mit kleinen Geldbeträgen vieler Menschen (crowd: Englisch für Schwarm oder Menge) können sich Projekte finanzieren lassen (funding: Englisch für Finanzierung/Förderung). Wenn die Idee der „crowd” gefällt, unterstützt sie das Projekt, wenn die vom Initiator vorgeschlagene Fördersumme nicht zustande kommt, geht das Geld an die jeweiligen Unterstützer zurück. Die Erfolgsquote bei Startnext etwa, der größten Crowdfunding-Plattform Deutschlands, beträgt 48 Prozent. „Es ist wichtig, dass die Projektstarter genau wissen, was sie vorhaben und welche Zielgruppe sie damit erreichen möchten”, rät Theresa Koppler von Startnext. „Auf unserer Plattform finden sich nur Reiseprojekte, bei denen auch etwas Kreatives entsteht, wie beispielsweise ein Film oder ein Buch, das die Reise dokumentiert.”

Im Idealfall basiert Crowdfunding also auf einem fairen Handel: Der Initiator gibt den Nutzern immer etwas zurück für ihre finanzielle Unterstützung, die meistens zwischen 1 und 100 Euro liegt. Für ihren Beitrag erhalten die Förderer des Projekts eine vorab festgelegte „Gegenleistung”, die je nach Höhe des gespendeten Betrags verschieden groß ausfällt, auch rein ideeller Natur sein kann und sich etwa bei  Startnext „Dankeschön” nennt. Das kann eine selbst gestaltete Postkarte sein, ein Kieselstein aus dem Himalaya-Gebirge oder ein Buch oder eine DVD zum Projekt.

Bei finanziell aufwendigen Kreativ-Projekten, etwa einem professionell produzierten Dokumentarfilm über eine Reise, ist es natürlich relativ schwierig, das benötigte Kapital ausschließlich über Crowdfunding zu generieren. Die Plattformen werden hier hauptsächlich für eine Teilfinanzierung genutzt, die erfahrungsgemäß bei Filmen im Durchschnitt bei ca. 5000 Euro liegt. Ausnahmen sind möglich, wenn etwa prominente Persönlichkeiten beim Projekt Pate stehen oder wenn schon im Vorfeld eine große Fangemeinde existiert – wie etwa bei einer Fußball-Dokumentation über „Fortunas Legenden”, die mit über 90.000 Euro von 1158 Menschen unterstützt wurde.

Was sich kreative Menschen mit Fernweh alles haben einfallen lassen, wie sie es auf Crowdfunding-Plattformen umgesetzt haben und was für ein Arbeitsaufwand dahinter steckt, erfahren Sie in den folgenden Episoden. Wir stellen fünf erfolgreiche Reiseprojekte vor, in denen es nach Island, nach Nepal, an den Atlantik, nach Australien und nach Shanghai geht.

Welche Idee steckt hinter dem Projekt? „Das ist so eine naive Idee, die ich seit meiner Kindheit hatte. Einfach draußen zu sein, in der Natur, ganz auf mich allein gestellt”, sagt die heute 25-jährige Klara Harden, die sich selbst auch als „Wildfang” beschreibt. „Ein letzter Fluchtversuch vor dem vorgeplanten Leben als ausgebildete Grafikdesignerin.” Ihre Erfahrungen in der Einsamkeit Islands will sie auf HD festhalten – die Reise soll zur Dokumentation werden.

Warum Crowdfunding als Finanzierung? Mit der Unterstützung im Netz könne man sich wesentlich kurzfristiger finanzieren als beispielsweise mit Hilfe von Film-Förderungen, die teils auch an Auflagen gebunden sind. Crowdfunding sei zudem schön, weil man direkt für das eigene Publikum produziere, sagt Klara Harden, die derzeit in Berlin lebt und als Kamerafrau, Cutterin und Motiongraphic-Designerin arbeitet.

Island im Alleingang

„The Story of a Shipwrecked Rambler” – ein Film von Klara Harden

Wie hoch war die Unterstützung und was genau wurde mit dem Geld finanziert? 1528 Euro – fast 300 Euro mehr als der ursprünglich veranschlagte Betrag. Die Summe floss in Klara Hardens Equipment, etwa Schlafsack, Kompass, Zelt und Rucksack.

Was waren u.a. die Gegenleistungen? 11 Unterstützer spendeten jeweils 10 Euro für einen Tagebuch-Eintrag, 18 spendeten jeweils 25 Euro für eine persönliche, selbst illustrierte Postkarte aus Island, 4 spendeten jeweils 100 Euro für exklusives Vorab-Footage-Material.

Tipps für Crowdfunding-Einsteiger: „Es funktioniert am besten, wenn man online gut vernetzt ist”, sagt Klara Harden. Facebook oder Twitter seien gute Plattformen, um eine Idee zu verbreiten. Man müsse sich nur gut vorbereiten: Wie stelle ich das Projekt vor? Wie kommuniziere ich meine Idee? Die gebürtige Österreicherin investierte etwa eineinhalb Monate lang jeden Tag mehrere Stunden in die Werbung für ihr Projekt auf der Plattform Startnext. Mittlerweile hat sie eine eigene Fanpage auf Facebook mit ca. 5000 Fans. Für ihr zweites filmisches Reise-Projekt „With Love from Madagaskar”, das ebenfalls bereits erfolgreich finanziert wurde, hat Klara Harden eine eigene Website erstellt, um an Professionalität zu gewinnen.

Und was ist daraus geworden? Im August 2011 setzt Klara Harden ihren Traum um. Mit einem 20 Kilo schweren Rucksack auf den Schultern wandert sie alleine durch die menschenleere Wildnis Islands, nachts schläft sie im Zelt. Jeden Tag filmt sie mit ihrer digitalen Spiegelreflexkamera sich selbst und die Landschaft.

Mit dem VW-Bus nach Nepal

„Wink mit dem Zaunpfahl” – ein Film von Samuel Herbrich und Christina Just

Welche Idee steckt hinter dem Projekt? „Vor drei Jahren wollten wir mit dem Bulli zum Kap der guten Hoffnung fahren”, sagt die 22-jährige Christina Just. „Mein Freund Samuel und ich haben dann aber schnell gemerkt, dass man mit einem VW-Bus auf dieser Strecke schlechte Karten hat.” Die nächste Herausforderung ist jedoch schnell gefunden: Eine Fahrt nach Nepal mit anschließendem Flug zum Lukla-Airport, der etwa 50 Kilometer vom Mount Everest Basiscamp entfernt liegt. Und das – so nehmen sie  zunächst an –  mit besseren Straßenverhältnissen. Die beiden Abenteurer aus dem oberbayrischen Schnait veranschlagen etwa 7000 Euro für die gesamte Reise.

Warum Crowdfunding als Finanzierung? „Ganz einfach, Freunde von uns haben schon erfolgreich Geld für ein Projekt auf einer Plattform gesammelt”, sagt Christina Just. „Das hat uns inspiriert, denn wir hatten selbst nicht genug Budget für diese Reise.

Wie hoch war die Unterstützung und was wurde genau mit dem Geld finanziert? 2935 Euro – 435 Euro mehr als der ursprünglich veranschlagte Betrag. Die Summe floss in die DVD-Produktion und teilweise in die Reisekosten. Die verbleibenden Kosten wurden mit Hilfe von Sponsoren und Eigenkapital finanziert.

Was waren u.a. die Gegenleistungen? 7 Unterstützer sicherten sich „Liebesgrüße aus Nepal”, eine Postkarte für jeweils 15 Euro, 17 erwarben für jeweils 25 Euro die DVD zur Reise, 4 erwarben für jeweils 100 Euro eine DVD und eine exklusive Einladung zur Filmvorführung.

Tipps für Crowdfunding-Einsteiger: „Man braucht auf jeden Fall eine gute Idee, die mit der Reise verknüpft ist, wie in unserem Fall einen sehr persönlichen Film”, sagt Christina Just. Empfehlen würde sie auch die Einrichtung einer eigenen Website für das Projekt sowie eine Fanpage auf Facebook, um „Likes”, also Empfehlungen, zu sammeln. Das sei eine gute Referenz für Firmen, die das Projekt eventuell unterstützen wollen. „Wir hatten zum Glück im Vorfeld schon viele persönliche Kontakte zu Firmen”, sagt Christina Just. „Das ist ein großer Vorteil!” Ihr persönliches Resümee: „Crowdfunding ist aufwendig und frisst am Anfang viel Zeit. Aber die Mühe lohnt sich!” Mit den Vorbereitungen zur Reise begannen sie ein halbes Jahr vor dem Starttermin.

Und wie war es? Im April 2013 brechen Samuel Herbrich und Christina Just mit ihrem VW-Bus auf. Fast drei Monate sind sie unterwegs auf der 25.000 Kilometer langen Strecke von Schnait in Baden Württemberg bis zur Hauptstadt Nepals, Kathmandu. Sie führt das Pärchen durch Osteuropa in die Türkei, von dort in den Iran und durch Pakistan nach Indien. Der VW-Bus hält durch – muss aber immer mal wieder geflickt werden, in Pakistan hat die Ölwanne ein Leck, in Indien müssen die Reifen ausgetauscht werden. Ins Basislager des Mount Everest haben es die beiden Abenteurer am Ende nicht geschafft – der Flug fiel ganz einfach aus. Am Flughafen in Kathmandu treffen sie Reinhold Messner, der ihnen nur den Rat gibt: „Wenn man ein Ticket hat, heißt das gar nichts.” Der bekannte Bergsteiger fliegt noch am gleichen Tag mit einem Helikopter zum Basislager. Samuels und Christinas Erlebnisse wurden im September 2013 bei einer privaten Filmvorführung auf großer Leinwand gezeigt, Auszüge davon kann man sich auf der Homepage anschauen.

Blind, taub und stumm vom Bodensee zum Atlantik

Ein Dokumentarfilm von David Stumpp, Jakob von Gizycki und Bart Bouman

Welche Idee steckt hinter dem Projekt? „Auf einmal war das Bild der drei Affen im Raum, nichts sehen, nichts hören, nicht sprechen, und da hatten wir die Idee zu unserem filmischen Experiment”, sagt David Stumpp, ein 27-jähriger Dokumentarfilmer aus Berlin und einer der drei Initiatoren des Projekts. Während einer dreiwöchigen Reise vom Bodensee zum Atlantik wollen die drei Freunde jeweils abwechselnd auf etwas für sie Selbstverständliches verzichten: Auf das Sehen, das Hören und das Sprechen. Was heisst es, wenn man wirklich mal jemandem „blind” vertraut, und das in einer völlig fremden Umgebung. „Eine spannende Frage – die Antwort darauf soll ein professionell produzierter Dokumentarfilm geben.”

Warum Crowdfunding als Finanzierung? Die drei Projektstarter wollen mit den Fördergeldern einen unabhängigen Film produzieren, frei von Fernsehsendern und ihren Auflagen. Geplant ist es, die Doku auch auf Filmfestivals zu zeigen.

Wie hoch war die Unterstützung und was genau soll mit dem Geld passieren? 10.167 Euro – 167 Euro mehr als der ursprünglich veranschlagte Betrag. Die Summe soll nicht in die Reisekosten fließen, sondern in die Finanzierung der Dokumentation. Die drei Initiatoren wollen damit eine(n) Regisseur/in und eine(n) Kamerafrau/mann bezahlen. Die Postproduktion (Schnitt/Ton) soll in Zusammenarbeit mit einer Filmhochschule entstehen.

Was waren u.a. die Gegenleistungen? 49 Unterstützer sicherten sich den Film-Download für jeweils 15 Euro, 40 erwarben die DVD für 25 Euro, ein besonderes nettes Highlight erwartet einen Unterstützer für 500 Euro: Er wird von den drei Initiatoren persönlich bekocht und bekommt eine private Filmvorführung am Bodensee.

Tipps für Crowdfunding-Einsteiger: „Startnext empfehlen wir als Plattform dafür weiter, doch man sollte  nicht die Arbeit unterschätzen, die damit einhergeht”, sagt Jakob von Gizycki, er studiert in Innsbruck Architektur. So ein Projekt sei kein Selbstläufer, man müsse jede Menge Zeit in PR-Arbeit und in die Pflege von Social-Media-Kanälen investieren. „Doch wenn man es ernst nimmt und viel Herzblut investiert, kann man wie wir einen so hohen Betrag für ein Projekt, das einer ,kleinen' Idee entsprang, verwirklichen”, erzählt der 25-Jährige.

Und wann geht es los? Im September 2014 wollen die drei Freunde zu Fuß, per Anhalter oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln aufbrechen zu ihrer Reise in die Stille, in die Dunkelheit und in die Sprachlosigkeit. Mit dabei: ein individueller Gehörschutz und lichtundurchlässige Augenpflaster, die von Firmen gesponsert sind. Auf der extra dafür eingerichteten Facebook-Seite kann man sich über das spannende Projekt auf dem Laufenden halten.

„Von einem, der loszieht, um verloren zu gehen”

„The Journey”, ein Tagebuch über eine Australienreise von Chris Bucanac, Julia Disser und Tim Wilsdorf

Welche Idee steckt hinter dem Projekt? „The Journey” erzählt die Geschichte meiner einjährigen Backpacker-Reise durch Australien – als positives Beispiel dafür, was alles Spannendes entlang des Weges passieren kann, wenn du dich nur spontan darauf einlässt”, sagt Chris Bucanac, Fotograf aus Aachen. Das kreativ illustrierte Tagebuch versteht sich nicht als herkömmlicher Reiseführer, sondern vielmehr als Inspirationsquelle für Abenteurer. Zielgruppe sind vor allem 18- bis 30-Jährige, die nach dem Abitur oder dem Studium noch einmal für eine längere Zeit ins Ausland wollen. Alles ist möglich, das ist die schöne Grundessenz, lass dich einfach nur ein wenig treiben! Umgesetzt hat Chris Bucanac das Projekt zusammen mit zwei Freunden, der Grafikdesignerin Julia Disser und dem Texter Tim Wilsdorf.

Warum Crowdfunding als Finanzierung? „Es wäre uns am liebsten gewesen, das Buch selbst auf den Markt zu bringen”, sagt der 30-jährige Chris Bucanac. „Immerhin ging es uns nicht darum, hohe Verkaufszahlen zu erzielen, sondern ein Herzens- und gleichzeitig Nischenprodukt am Markt zu platzieren.” Die drei Freunde mussten allerdings sehr schnell feststellen, dass sie die Kosten auch bei einer geringen Auflage nicht alleine stemmen konnten. „Dadurch sind wir auf Crowdfunding gestoßen”, sagt Bucanac. „Und Startnext als größte Plattform Deutschlands suggeriert ja auch noch einmal zusätzlich, dass du es ernst meinst!”

Wie hoch war die Unterstützung und was genau wurde mit dem Geld finanziert? 7092 Euro – 142 Euro mehr als der ursprünglich veranschlagte Betrag. Die Summe floss ausschließlich in den Druck der 2000 Bücher. Ca. 2000 Euro davon wurden über Startnext-Nutzer finanziert, den Rest übernahm der Verlag 360 Grad, der „The Journey” herausgibt.

Was waren u.a. die Gegenleistungen? 47 Unterstützer erhielten als Dankeschön das gedruckte Buch im Wert von 19,95 Euro (günstiger als im Handel), 2 erhielten als ganz individuelles Dankeschön das Buch sowie eine gerahmte Originalillustration der mitwirkenden Künstlerin im Wert von jeweils 100 Euro. Die Dankeschöns entsprachen einer Vorfinanzierung.

Tipps für Crowdfunding-Einsteiger: „Wir haben uns zwei bis drei Monate im Vorfeld auf die Präsentation vorbereitet”, sagt Chris Bucanac. Vor allem die Recherche von potenziellen Investoren und Interessenten, seien es Reisebuch-Verlage, Reiseblogs oder Reiseforen, nahm dabei viel Zeit in Anspruch. Daraus entstand ein E-Mail-Verteiler für Pressemitteilungen mit Verweis auf die Startnext-Seite und – nicht zuletzt – der richtungweisende Kontakt zum Verlag, der das Buch veröffentlicht hat. „Während unser Projekt online war, waren wir konstant auf allen sozialen Kanälen aktiv”, sagt Chris Bucanac. Das sei notwenig, denn bei einer sinkenden Klickrate würde man immer weiter hinten in der Suche gelistet. Allerdings reiche ein großer Freundeskreis auf Facebook nicht aus, um ein Projekt mit so einer schmalen Zielgruppe adäquat zu promoten. „Du willst ja auch nicht nur Leute aus deinem eigenen Dunstkreis ansprechen, damit wäre das Ziel verfehlt.”

Folgt eine Fortsetzung? „Wenn sich das erste Buch gut verkauft, würden wir noch eine zweite Ausgabe in Erwägung ziehen, eventuell über meine Reise nach Asien”, sagt Chris Bucanac. Dann wäre die Finanzierung auch noch einmal einfacher auf Startnext, weil wir in diesem Fall schon einen festen Kundenstamm hätten. Hier kann man einen Blick ins fertig produzierte erste Buch werfen. 

Mit dem Rad von Berlin nach Shanghai

„Zwei nach Shanghai”, ein Reisebuch und eine DVD von Paul und Hansen Hoepner

Welche Idee steckt hinter dem Projekt? „Von Berlin nach Shanghai mit dem Rad? Ihr spinnt ja!” Die erste Reaktion von Freunden auf ihre Idee, eine der längstmöglichen Landstrecken von Berlin aus mit dem Fahrrad in Angriff zu nehmen, schreckte die Zwillingsbrüder Paul und Hansen Hoepner nicht ab. Denn ein bisschen Wahnsinn gehört ihrer Meinung nach ganz klar zu so einer Tour dazu: 13.600 Kilometer im Sattel durch Länder wie Russland, Kasachstan, Kyrgyzstan und Tibet, und schließlich über das Himalaya-Gebirge mit bis zu 5200 Meter hohen Pässen bis nach Shanghai. Eine Tour de Force – selbst für zwei tourenerprobte Radler, die schon eine 3300 Kilometer lange Fahrt zu den Lofoten hinter sich hatten. Die geplante Reise nach China wollten die beiden Brüder in einem Reisebuch und einer App festhalten, die das Abenteuer aus zwei Perspektiven schildern soll.

Wie hoch war die Unterstützung und was genau passierte mit dem Geld? Insgesamt 9003 Euro konnten die eineiigen Zwillinge für ihre Reise auf der Plattform Pling sammeln. Die Summe deckte nur einen Teil der Kosten. Sie floss in die teure Ausrüstung und in den Unterhalt während der Tour und den Monaten danach, in denen das Buch zur Reise entstand.

Was waren u.a. die Gegenleistungen? 12 Unterstützer bekamen ein sehr persönliches Foto von der Reise zugeschickt im Wert von jeweils 25 Euro, 17 Unterstützer entschieden sich für ein überraschendes Reisesouvenir sowie für ein Los mit der Chance auf einen Hin- und Rückflug nach Shanghai für jeweils 50 Euro (und mehr). Alle weiteren, sehr kreativen Dankeschöns kann man sich auf der Projektseite bei Pling noch einmal anschauen.

Tipps für Crowdfunding-Einsteiger: „Crowdfunding ist kein Zuckerschlecken”, sagt Paul Hoepner, Mediendesigner aus Berlin. „Um ein Projekt wie dieses zu finanzieren, muss man sehr viel Arbeit reinstecken. Einziger Vorteil: Die Arbeit ist gleichzeitig Öffentlichkeitsarbeit, so dass man für eine Dokumentation etc. schon ein Netzwerk hat.” Paul Hoepner und sein Bruder Hansen haben etwa drei Monate in Vollzeit an der Realisierung ihres Projekts gearbeitet.

„Man braucht ein gutes, virales Video, eine Website, einen Blog und gute Ideen für originelle, ideologische Vergütungen. Zudem muss man die Idee auf den Punkt bringen und Leute dafür faszinieren”, sagt der 31-jährige, der am Bodensee aufgewachsen ist und fünf Minuten jünger ist als sein Bruder Hansen.

Und was ist daraus geworden? An ihrem 30. Geburtstag brechen die Brüder auf ihre große Radtour nach China auf. Sieben Monate sind sie unterwegs. Im Oktober 2012 erreichen sie glücklich und erschöpft ihr Ziel: Shanghai. Die Reise hat die beiden Brüder verändert: „Wir haben gelernt, wie wenig man braucht, um glücklich zu sein”, sagt Paul Hoepner heute. Der 31-Jährige hat auch noch etwas anderes gelernt, das ganz wunderbar nach dem Kinderbuchautor Janosch klingt: "Die Welt ist groß, aber auch sehr klein. Man kann sie komplett mit dem Fahrrad erkunden, das dauert dann auch entsprechend, aber irgendwann ist man da." Das schöne Buch zur ungewöhnlichen Radtour ist im Piper-Verlag unter dem Titel „Zwei nach Shanghai” im September 2013 erschienen. Kaufen kann man es auf der gleichnamigen Website der Brüder. Zusätzlich gibt es auch noch einen Film zur Reise, der im SWR ausgestrahlt wurde.

Text: Bettina Hensel


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