Blog des Monats Inspiriert von der See: meerblog.de

Sie schreiben über das schönste Hobby der Welt und das fast täglich: die Reiseblogger. Diesmal trafen wir Elke Weiler.

© meerblog.de

Elke Weiler lässt sich an der Küste Nordfrieslands von der rauen See inspirieren und bloggt darüber auf Meerblog. Unterstützt wird die Journalistin von ihrer Redaktion: den beiden Bearded Collies Julchen und Janni und Luis, einem Plüsch-Schaf. Mit der Oma im Lkw auf Tour – das ist eine ihrer ersten Urlaubserinnerungen. Ob daher ihre Reiselust kommt? Das weiß auch Elke nicht so ganz genau. Mehr über ihr abenteuerliches Zigarrenschmuggeln auf Kuba und neugierige Menschen im Dschungel von Panama erzählt sie uns im Interview:

Stell Dich bitte einmal kurz vor!
Moin moin, ich bin Elke, eine Rheinländerin mit aktuellem Wohnsitz in Nordfriesland. Ich komme aus Düsseldorf, wo ich als freie Journalistin gearbeitet habe, hauptsächlich im Bereich Reise. Seit drei Jahren blogge ich nun über meine Trips auf MEERBLOG – ein Reisetagebuch –, und zwar hauptberuflich. Das war ein logischer Schritt, nachdem ich so lange Zeit nur für andere Medien geschrieben habe. Seit ein paar Jahren lebe ich also an der Nordsee, deswegen wurde mein Reiseblog ein Meerblog. Mich inspiriert das raue Küstenleben immer wieder zu Geschichten. Vor allem aber dient die Nordsee meiner Kolumnistin Julchen, einem blitzgescheiten Bearded Collie, als Inspirationsquelle für ihre Diktate. Die ersten Stories sind mittlerweile auch als eBook unter dem Titel “Julchen und das wilde Meer” erschienen.

Wie oft bist Du unterwegs?
Sehr oft. Ehrlich gesagt: Ich weiß es nicht genau. Ich gehöre nicht zu den Leuten, die ihre Reisetage pro Jahr zusammenzählen. Das kann auch daran liegen, dass ich Zahlen nicht aussagekräftig finde. Ich liebe Worte.

Wo bist Du gerade und warum bist Du dort?
Gerade bin ich an der Nordsee und dichte, am Freitag geht's dann nach Lissabon, eine meiner Lieblingsstädte weltweit. Ich habe akute Sehnsucht nach Pasteis und Fado in der Alfama.

Was ist Dir wichtig auf Reisen?
Etwas Neues zu entdecken, mich inspirieren zu lassen, Einheimische kennenzulernen, in die Kultur und das Leben vor Ort einzutauchen. Intensive Naturerlebnisse. Und neue Vokabeln zu lernen für so nette Angewohnheiten wie etwa die schwedische Fika, die Kaffeepause.

Was war Dein erster Trip?
Als kleiner Mops haben meine Eltern mich bereits in die Hände meiner abenteuerlustigen Oma übergeben. Mit dem Ergebnis, dass wir uns in einem Lkw wiederfanden. Strecke: Köln – Gmunden in Österreich. Nicht gerade die schnellste Art zu reisen! Meine Oma als Kopilotin auf dem Beifahrersitz, ich hinten in der Ruhekabine. Vorhang auf! Ungefähr im gleichen Alter war ich mit meinen Eltern zum ersten Mal am Mittelmeer, das ich bis heute liebe. Oder heißt es deswegen Meerblog?

Wo warst Du schon öfter und warum?
In Rom war ich sehr häufig, weil ich dort studiert habe und es mich immer wieder hingezogen hat. Überhaupt Italien, ich weiß nicht, wie oft ich schon dort war. Fast hätte ich mich ganz im Süden niedergelassen! Seit ich im Norden wohne, habe ich mich allerdings in Skandinavien verliebt und bin Italien ein bisschen untreu geworden. Ich mag ja eine schöne Mischung aus Geschichten und Destinationen auf dem Blog, doch ich versuche, so oft wie möglich Dänemark, Schweden und Norwegen zu erkunden. Finnland fehlt übrigens noch.

Was magst Du am meisten am Reisen?
Ich mag das Reisen an sich, es ist voller neuer Eindrücke. Vor allem, wenn man langsam reist, die ersten Bekanntschaften im Zug oder auf der Fähre macht. Beim Ankommen fühle ich mich erst mal fremd und wünsche mich oft an den Ort der letzten Reise zurück. Das dauert jedoch nicht lang, dann packt mich die Gegenwart – egal, ob es eine brodelnde Stadt ist oder ein atemberaubender Landstrich. Oder eine neue Küste.

Was nimmst Du für Dich persönlich mit von Deinen Reisen?
Intensive Erlebnisse, wenn es gut läuft. Neue Bekanntschaften und Wörter, einen neuen Sound, bunte Bilder und Gerüche. Es ist diese andere Art von Reichtum, die das Leben und die eigene Persönlichkeit prägt. Auf Reisen behält man sich seine Flexibilität.

Hast Du manchmal auch Angst?
Ja, zum Beispiel einen Flieger zu verpassen, das ist mir schon mal passiert. Ich habe keine Ahnung, warum. Irgendwie hatte ich mich mit der Zeit vertan. Einen Zug habe ich auch schon verpasst, aber das war weniger tragisch. In China hatte ich einmal Schwierigkeiten, den richtigen Zug zu finden, weil in dem Gewusel am Bahnhof niemand Englisch sprach. Mit Händen und Füßen hat es dann geklappt, die einzige Person zu finden, die mich verstand und beraten konnte.

Was würdest Du noch einmal bzw. nie wieder machen?
Ich war vor einigen Jahren im Dschungel von Panama und habe zwei Tage in einem Dorf der Embera verbracht. Normalerweise stelle ich ja die Fragen, wenn ich irgendwo recherchiere. Doch die Leute dort waren so neugierig und haben den Spieß umgedreht. Heute würde ich gerne wissen, ob sich in ihrem Leben etwas geändert hat, und ob sie immer noch zufrieden sind.

Gibt es etwas, was Du immer schon mal machen wolltest? Wenn ja, was?
Ich finde es spannend, ungewöhnlich zu reisen. Vielleicht hängt das mit meiner frühkindlichen Reiseerfahrung im Lkw zusammen. So würde ich gerne mal auf einem Frachtschiff mitfahren, vielleicht über den Atlantik, und diese Langsamkeit und Einfachheit erleben. Den Mikrokosmos an Bord für einige Wochen erforschen. Vermutlich gibt es kein Netz, das Essen ist eintönig, die täglichen Handgriffe immer gleich. Und würde mich irgendwann sogar der ewig gleiche Blick aufs Meer langweilen?

Wenn Du Dich jetzt einfach irgendwo hin beamen könntest – wohin wäre das?
Gerade nach Lissabon, aber da lande ich ja sowieso am Freitag, wenn nichts dazwischen kommt. Außerdem hätte ich Lust zu schwimmen, aber nicht in einem Pool. Das Mittelmeer ist noch nicht warm genug, daher bleibt nur die Karibik. Kuba oder Martinique... Auch wegen der sehr guten Musik!

Drei Sachen, die man auf Reisen nicht vergessen sollte.
Lächeln und Hilfsbereitschaft. Manchmal über seinen Schatten zu springen und etwas Neues auszuprobieren.

Gibt es etwas, was Du immer mit nimmst?
Mein Mini-Büro natürlich, bestehend aus Smartphone, Kamera, Laptop und Schreibmaterial. Ich packe nicht gerne. Irgendwann möchte ich mal ausprobieren, ohne Gepäck zu reisen.

Das Unglaublichste/Beste/Schrägste, was Dir auf Reisen passiert ist, bitte!
Ist schon etwas länger her, aber das war eine lustige Nacht-und-Nebel-Aktion auf Kuba. Jemand hatte einen Kontakt, der einen Kontakt hatte. Wir trafen uns im Verborgenen und sollten unauffällige Taschen mitführen. Es ging um Zigarren. Illegal. Bloß keine Fragen stellen, die Qualität sollte gut sein. Ein bisschen Herzklopfen hatten wir bei der ganzen Geschichte schon. Und als alles über die Bühne war, ganz ohne Zwischenfälle, was für ein Gelächter! Und die Zigarren? Wer raucht schon Zigarren.

Wie finanzierst Du Deine Reisen?
Meine Reisen entstehen entweder aus eigenen Ideen oder sind Einladungen zu Pressereisen – alles wie schon zu reisejournalistischen Zeiten. Häufige Reisen sind nur durch Kooperationspartner wie Destinationen, Touristikunternehmen und Airlines machbar, die mich ganz oder teilweise unterstützen. Irgendwann werde ich ein Crowdfunding-Projekt für eine eher ungewöhnliche Reise ins Leben rufen ...

Was macht Deiner Meinung nach einen guten Blog aus?
Die persönliche Note. Ein erkennbarer Stil, sowohl in Wort als auch in Bild. Eine definierte Zielgruppe und ein Programm, das dazu passt. Frische Ideen und ein hohes Maß an Kreativität.

Welche Tipps gibst Du Menschen, die auch Blogger werden möchten?
Den Blickwinkel öfters zu wechseln und sich mit anderen auszutauschen. Auf Plattformen wie reiseblogs.org, Bloggerevents oder Messen wie der ITB.

Herzlichen Dank für das Interview, liebe Elke!


Nach oben