Trinidad und Tobago Impressionen aus der Karibik

Bis Einheimische einem Urlauber ihren persönlichen Lieblingsort in der Heimat verraten, ist oft einige Überredungskunst nötig. Bei uns erzählen drei Prominente von den Karibik-Inseln Trinidad und Tobago, wo sie sich am liebsten aufhalten: ein Kolibri-Kenner, ein Maler und eine Miss Universe

Karibik-Feeling vom Feinsten | © Stefan Orth

Traumhafte Strände, hohe Palmen im Wind, rund ums Jahr warme Temperaturen, dazu feinste Meeresfrüchte und coole Cocktails – die Inseln Trinidad und Tobago vor der Küste Venezuelas versprechen Karibik-Glück pur. Rund 1,3 Millionen Menschen leben in der Insel-Republik, die Hauptstadt ist Port of Spain.

Drei prominente Bewohner der Inseln verraten auf den folgenden Seiten ihren ganz persönlichen Lieblingsort, zwei von ihnen auch im Video: Fotograf Theo Ferguson, Maler Martin Superville und Wendy Fitzwilliam, Miss Universe 1998.

WENDY FITZWILLIAM, 41, MISS UNIVERSE 1998:

Mein liebster Ort auf Trinidad ist die Maracas-Bucht im Nordwesten der Insel. Sie ist perfekt geeignet, um Menschen zu beobachten, und die Wellen sind wunderbar, um einfach Spaß zu haben: nicht so flach, dass man sich langweilt, aber auch nicht so hoch, dass es richtig gefährlich wird. Außerdem gibt es am Ufer das beste Sandwich der Welt: Bake and Shark, ein gebratenes Hammerhaifilet im Brötchen, unschlagbar schmeckt es bei 'Richards'.

In der Maracas-Bucht geht es nicht um große Egos oder darum, besonders cool zu sein. Hier könnte die Staatspräsidentin einen Strandspaziergang unternehmen, und niemand würde viel Aufhebens darum machen. Vielleicht würde sie sich mit einem Obdachlosen über unser Land unterhalten.

Als ich mit 17 gerade meinen Führerschein hatte, fuhr ich gleich am nächsten Tag mit ein paar Freunden über die abenteuerliche North-Coast-Straße nach Maracas. Die Wellen waren riesig, wir surften mit Bodyboards durch das Wasser und futterten Haibrötchen. Und zum ersten Mal in meinem Leben blieb ich bis nach Sonnenuntergang an einem Strand. Plötzlich wurde das Wasser ganz ruhig, der Mond spiegelte sich darin, ansonsten war es stockdunkel. Wir blieben bis Mitternacht, meine Eltern haben sich riesige Sorgen gemacht, es gab ja noch keine Handys. Aber an diesem Abend habe ich kapiert, wie dankbar ich sein muss, in der Karibik geboren zu sein.

Die Bucht sieht so aus, wie Karibikbuchten eben aussehen: feinster karamellfarbener Sand, Regenwald an beiden Seiten, rote Fahnen als Markierung des Schwimmbereichs, als Rahmen die obligatorischen Reihen großer Palmen. Für ein Desktop-Hintergrundfoto ist der Himmel etwas zu dunkel und die Wasserfarbe zu grünlichtrüb, aber mit ein bisschen Photoshop würde es gehen. „Woanders essen Haie die Menschen, wir essen die Haie“, sagt die Verkäuferin bei Richard’s Bake and Shark. Für umgerechnet vier Euro gibt es hier eine panierte Raubfischfrikadelle im frittierten Brot. An einem Büffet können sich Kunden dann beliebige Mengen an Tomaten, Gurken, Knoblauch, Salatblättern und mehr und weniger scharfen Soßen dazuschaufeln. Wer bei den Trinis abguckt, so nennen die Trinidader sich selber, kommt zu dem Schluss, dass das fertige Sandwich um etwa die Hälfte höher sein sollte als die Spannweite der eigenen Kiefer. Convenience-Food ist was anderes, aber Geschmack und Preis-Leistungs-Verhältnis sind so sensationell, dass ein längerer Aufenthalt in Maracas jungen Menschen mit Model-Ambitionen nicht zu empfehlen ist.

BESUCH VOR ORT:

Ein paar Pelikane und Bussarde kreisen über den Kokospalmen, Familien plantschen und Fischer bringen ihre Beute an Land. Die Männer tragen Hammerhaie aus hölzernen Motorbooten, die bunt angemalt sind und „Shining Star“ oder „Fireball 500“ heißen.

THEO FERGUSON, 70, KOLIBRI-FOTOGRAF:

Mein Lieblingsort auf Trinidad? Natürlich mein eigener Garten in St. Joseph! Vor acht oder neun Jahren fing ich hier an, Kolibris zu fotografieren, die so etwas sind wie die Nationalsymbole des Landes. Auf der 20-Dollar-Note ist einer zu sehen, auch in den Logos der Polizei, der Armee und der Post. Um sie anzulocken, habe ich Futterstellen mit Zuckerwasser eingerichtet. Und jetzt kommen täglich Hunderte, manchmal Tausende. Sie sind wirklich unglaubliche Kreaturen: In Relation zu ihrem Körpergewicht sind sie die schnellsten Lebewesen der Erde. Sie sind die einzigen Vögel, die rückwärts fliegen und ohne Hilfe des Windes in der Luft anhalten können. Und absolute Leistungssportler. Schon ihr Ruhepuls liegt bei 500 bis 700 Schlägen pro Minute.

Ich glaube, jeder Mensch hat mindestens eine Tierart, mit der er eine besondere Verbindung verspürt. Das können Katzen sein, Hunde oder Pferde. Bei mir sind es die Kolibris. Ein Arzt hat einmal gemessen, dass ich eine ähnliche Art von Energie habe wie die Tiere. Ich weiß nicht, was ich davon halten soll, aber vorstellen könnte ich mir es schon. Früher habe ich an der Uni Landwirtschaftskurse gegeben, jetzt zeige ich Touristen meine Kolibris und werde bald einen Bildband veröffentlichen. Glauben Sie mir – das ist der bessere Teil meines Lebens.

BESUCH VOR ORT:

Keine Wegweiser führen zum Garten von Theodore Ferguson, ein gigantischer Cotton-Silk-Baum markiert die Einfahrt. Wie groß muss der erst auf die sechs bis 18 Zentimeter langen Kolibris wirken, die Gäste sofort umschwirren, sobald die die Veranda betreten. Hier herrscht zwölf Stunden pro Tag Tieffliegeralarm, ein wildes Gefiepe, Geflatter und Gezwitscher. Trotzdem soll Kolibri-Beobachten gut fürs Herz und gegen Stress sein.

Der Garten mag etwa 50 Quadratmeter groß sein, überall hängen Futterspender, die von der Form her an kleine Lavalampen erinnern. Für die leuchtenden Farben sorgen allerdings nicht ihr Zuckerwasser-Inhalt, sondern die pickenden Winzlinge, die manchmal libellenhaft in der Luft stehen, manchmal wie Torpedos durch die Gegend schießen. 13 Spezies hat Ferguson in seinem Garten gezählt, vom Ruby Topaz bis zum Blue-chinned Sapphire, vom White-chested Emerald bis zum Tufted Coquette. Man versteht anhand der bunten Pracht schnell, warum die Tiere auch „Fliegende Juwelen“ genannt werden. „Nur wenn du der Natur ganz nahe kommst, erlebst du wirklich ihre Magie“, sagt Ferguson (Besuche möglich mit Anmeldung unter www.yerette.com).

MARTIN SUPERVILLE, 47, MALER:

Mein Lieblingsort auf Tobago ist der Strand Pigeon Point. Von meinem Atelier sind es nur ein paar Minuten zu Fuß dorthin. Auf einer kleinen Karibikinsel wie dieser bleibt einem nichts anderes übrig, als ein Strandfreak zu werden. Was soll man auch sonst machen? Ich gehe jeden Tag hin, wenn ich eine Pause von der Arbeit brauche. Manchmal arbeite ich aber auch dort, von dem Strand und seinen Palmen habe ich Dutzende Bilder gemalt. Er ist der wohl bekannteste Postkartenstrand der Insel, leider ist der Müll dort ein Problem, der Beach müsste besser gepflegt werden.

Was ihn so besonders macht? Kann ich nicht sagen. Das wäre so, als würde ich versuchen, dir eine schöne Frau mit Worten zu beschreiben: Du musst sie selber sehen, um sie dir vorstellen zu können. Aber wenn ich am Pigeon Point sitze, kann ich alles um mich herum vergessen. Ich werde trunken von der Sonne, den Wellen und dieser irren Weite des Meeres.

BESUCH VOR ORT:

Wenn Pigeon Point eine schöne Frau ist, dann diesmal eine launische und eine ziemlich strenge: Es regnet, und überall hängen Schilder, was man alles nicht darf. „Don’t sit on the tables.“ „No littering.“ „No pets allowed.“ Ein Zettel warnt vor Gefahren durch giftige Rotfeuerfische – lange Zeit gab es die hier nicht, doch derzeit werden sogar Fang-Wettbewerbe auf Tobago ausgeschrieben, um zu verhindern, dass ihr Bestand sich vergrößert. „Schlechter als heute kann es nicht werden hier“, sagt ein großer Mann mit vielfarbiger Sonnenbrille und weißem T-Shirt, der sich passend zu seiner Statur als „Power“ vorstellt. Er bietet Schnorchelausflüge in Glasbodenbooten an, die Power-1 und Power-3 heißen. „Sieht schlecht aus heute mit Kundschaft“, sagt er. Das sei nicht oft so, er stehe nämlich im „Rough Guide“-Reiseführer für Tobago, „seitdem läuft das Geschäft super.“

Jeder Strandbesucher muss 20 Trinidad-Dollar (ca. 2,50 Euro) Eintritt zahlen und bekommt dafür ein gelbes Plastikbändchen. An einem sonnigen Tag muss es toll sein hier: Die Lage auf einer Landzunge ist super, dazu gibt es unzählige Palmen, große Vögel, bunte Holzhäuschen mit Snack- und Souvenirläden und Pavillons als Sonnenschutz. Ein paar indische Touristen versuchen sich im Stand-Up-Paddling auf orangefarbenen Brettern, das Wasser ist trotz des Regens noch reisekataloghellblau. Zwei Palmen stehen ein bisschen isoliert von den anderen, sie waren auch auf einem von Supervilles Ölbildern zu sehen. Wer an einem Regentag ein perfektes Karibikpanorama sehen will, läuft am besten kurz rüber zu seinem Atelier.

>> Marco Polo Trinidad und Tobago

>> Offizielle Tourismusseite Trinidad und Tobago


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