Online-Check Hier gibt´s die günstigsten Reisen im Netz

Ob Urlaubspiraten, Urlaubsguru, Travelcloud, Travelzoo, oder Exbir – es gibt immer mehr Schnäppchenjäger im Netz, die nach möglichst günstigen Reiseangeboten suchen. Die von ihnen aufgestöberten Deals bringen den Nutzer zum Staunen: von der Zugfahrt nach Paris für ganze 8 Euro bis zum New-York-Flug für 200 Euro ist alles zu haben. Wir haben mit den Betreibern der Websites über das Thema gesprochen – und nach Insider-Tipps gefragt.

So finden Sie die besten Reiseschnäppchen. | © Yuri, iStockphoto

Die Urlaubsgurus

Als die zwei Freunde Daniel Krahn und Daniel Marx im Sommer 2012 auf dem Balkon saßen und über ihre neue Idee plauderten, ahnten sie noch nicht, was sich aus ihrem „Hobbyprojekt” entwickeln würde. Ihre Seite Urlaubsguru boomt. Insgesamt 50 Menschen arbeiten heute im Büro in der Nähe des Dortmunder Flughafens, den Betreibern zufolge zählt ihr Angebot 19,5 Millionen Besucher im Monat (davon entfallen 4,5 Millionen auf die Website, der Rest auf die App). Auf Facebook haben „die Gurus” rund 1,2 Millionen Fans. „Heute sind wir hauptberuflich Urlaubsgurus”, sagt Krahn, 31 Jahre alt, der früher kaufmännischer Angestellter war und gerne reist. „Mittlerweile sind wir auch in acht weiteren europäischen Ländern vertreten.”

Die Urlaubspiraten sind vor allem bei Studenten sehr beliebt

Doch andere Schnäppchenjäger sind ihnen dicht auf den Fersen. Mit rund 2,5 Millionen Facebook-Fans zählen auch die Urlaubspiraten mit Sitz in Berlin, die 2011 online gingen und inzwischen auch mit dem englischsprachigen Ableger „Holidaypirates” vertreten sind, zu den Gewinnern der Trüffelsuche im Netz nach den besten Reise-Angeboten. Ihre Seite ziert ein bunter Papagei. Größte Zielgruppe bei den „Piraten” sind Studenten zwischen 20 und 30.

Eine neue Spezialität bei den Piraten, die rund 40 Angebote jede Woche auf ihrer Seite veröffentlichen, seien die selbst zusammengestellten Rundreisen wie zum Beispiel „15 Tage Rundreise: Seychellen, Kapstadt, Abu Dhabi für nur 985 Euro inklusive Flügen und Hotels”. „Das würde ich selbst gerne machen”, sagt Igor Simonow, die Nummer 1 bei den Piraten, „denn die Reise ist sehr vielfältig und man kommt mit vielen Eindrücken zurück.” Effizient sei es, so Igor Simonow, wenn man sich schon vorher darüber Gedanken mache, zu welcher Zeit man in welcher Region gerne Urlaub machen möchte. Dann könne man schneller auf limitierte Angebote reagieren.

Was können die, was ich nicht kann?, fragt man sich da als geübter Internetnutzer, der zumindest weiß, wie man „günstig, Flug, New York” googelt oder auf gängigen Metasuchmaschinen Flüge- und Hotelpreise vergleicht. „Der Aufwand, jeden Tag alle Angebote zu checken, ist für eine Einzelperson sehr groß”, sagt Patrick Konrad, der vor einem Jahr die schicke Website Travelcloud an den Start gebracht hat und selbst aus dem Online-Marketing kommt. „Man müsste sich die Zeit nehmen, hunderte Webseiten und tausende Angebote zu scannen.”

Günstige Kurztrips innerhalb Europas

Travelcloud hat seinen Sitz in Berlin und wird von fünf Mitarbeitern betreut. Schwerpunkt der Reiseseite liegt auf Kurztrips innerhalb Europas und auf Pauschalreisen. Jede Woche werden zwischen 80 und 120 Schnäppchen veröffentlicht. „Es gibt auch nicht zu verachtende Angebote, die man länger buchen kann, aber wenn es sich um einen echten Knaller handelt, dann sollte man nicht lange überlegen”, sagt Konrad, „solche Angebote sind häufig in wenigen Stunden oder gar Minuten ausverkauft.” Als echte Knaller gelten Bustickets für 1 Euro nach London als Promotionsaktionen von Fernbus-Anbietern, oder Flüge für 200 Euro nach New York.

Die irrwitzigsten Highlights haben meist alle Jäger im Portfolio – schließlich surft man auch mal auf der Seite der Konkurrenz und übernimmt die Preishits. Als echte Trophäe gelten „Error Fares” – fehlerhafte Angebote, etwa in den Buchungssystemen von Fluglinien, bei denen die eine oder andere Null im Preis fehlt. Diese werden manchmal jahrelang als Insidertipps in Reiseforen gehandelt. Gelangen sie in die Hände der Schnäppchenjäger, fliegen die Fehler schnell auf – kein Wunder, die Buchungen steigen in der Folge exorbitant. Bei diesen „Error Fares” besteht auch ab und an die Gefahr, dass der Anbieter schlussendlich die Angebote storniert – damit geht der Buchende leer aus.

Wie auch manch anderer Schnäppchenjäger hat die Website Exbir, eine Abkürzung für „extrem billig reisen”, eine Liste mit den besten Deals aller Zeiten, die sich hier „Hall of Deals” nennt. Dazu gehören beispielsweise ein Flug mit der russischen Airline Aeroflot für 165 Euro nach Hanoi oder ein Flugticket für 88 Euro nach Tokio mit der italienischen Fluggesellschaft Alitalia. „Unser Wissen um Billigreisen kommt aus der Praxis”, sagt Geschäftsführer Jürgen Wolff. „Unser Team ist ständig unterwegs, hat bereits 100 Länder bereist, 2000 Flüge gebucht und 170 Airlines dabei getestet”. Exbir ist seit 2010 online und damit eine der ersten Schnäppchenseite – zumindest im 21. Jahrhundert.

Die alten Hasen unter den Schnappchenjägern: Travelzoo

Bereits 1998 begann dagegen die Geschichte von Travelzoo – im legendären Silicon Valley gründete der deutsche Journalist Ralph Bartel eine kleine Reiseseite mit 20-Top-Tipps. Der Hintergrund: Bartel hatte schon immer Freude daran, die besten Reise-Angebote für seine Freunde und seine Familie zu entdecken. Die besten 20 Tipps gibt es auch heute noch; aus dem einstigen startup ist eine internationale Firma geworden – mit 25 Büros weltweit. Die deutsche Travelzoo-Website, die seit 2006 online ist, zählt heute rund 7 Millionen Seitenbesuche im Jahr.  

„Das Herzstück unseres Unternehmens sind die Newsletter-Publikationen mit weltweit 27 Millionen Abonnenten”, sagt Christian Smart, Geschäftsführer von Travelzoo Deutschland. „Nur Aktionen mit einem herausragenden Preis-Leistungs-Verhältnis werden an die Leser versendet – viele von ihnen sind nur exklusiv über unsere Seite zu beziehen.” Alleinstellungsmerkmal des Portals: Das Unternehmen hat ein TÜV-Süd geprüftes Test-Booking-Center. „Das verantwortliche Team testet dort täglich den Preis und die Buchbarkeit der Newsletter-Publikationen – vor und nach der Veröffentlichung.” Mit diesen Tests wird auch heftig an einem der bisherigen Vorteile der herkömmlichen Reisebüros gerüttelt, einem praktischen Werkzeug, das Schnäppchenjägern verwehrt bleibt: Sie können sofort im System einsehen, wie viele Plätze noch verfügbar sind.

Auch bei der Beratung, die ebenfalls zu den großen Stärken des Reisebüros zählt, wollen die Dealseiten aufholen: „In unserem Forum helfen wir Kunden dabei, ihren Traumurlaub zu finden”, sagt Krahn von Urlaubsguru. Viele User schicken konkrete Anfragen – mit gewünschtem Reisetermin, bevorzugtem Ziel und zur Verfügung stehendem Budget. „Manchmal stehen auch ältere Menschen plötzlich direkt bei uns um Büro. Wir suchen für sie etwas heraus, aber da wir kein Reisebüro sind, vermitteln wir nur – buchen müssen sie selbst.” Ein Service, der komplett kostenlos für die Kundschaft ist. Natürlich gehen die Schnäppchenjäger dabei nicht leer aus – sie verdienen ihr Geld mit Provisionen für Buchungen ihrer User oder über Werbung auf der Seite.

Jede dritte Urlaubsreise wird mittlerweile online abgeschlossen – vor allem kurzfristige Angebote, die Spezialität der Schnäppchenjäger. Das geht aus der Gemeinschaftsstudie „Customer Journey Travel” von GfK, Google und TUI hervor, die im Herbst 2013 in Teilen vorgestellt wurde. Doch obwohl die Jäger im Netz in der Gunst der User aufholen – ein Aus für Reisebüros bedeutet das noch lange nicht. So lag andererseits die Zahl derjenigen, die zwar online suchen, aber anschließend im vertrauten Reisebüro buchen, 2012 bei 47 Prozent.

Ein bisschen Skepsis gegenüber grell angepriesenen „Superkrachern” ist allerdings nicht immer fehl am Platz. Denn manche der angebotenen Super-Deals haben natürlich auch einen Haken – oder ein notwendiges Übel, das den extrem niedrigen Preis bedingt. Das reicht von günstigen Flugpreisen in der schönsten Hurrikan-Saison, Pauschalangeboten ohne Frühstück bis zu Hotels, die sich in dezentraler Lage befinden. Der User sollte sich also ein bisschen Zeit nehmen und einen genauen Blick auf das Angebot werfen, bevor er vorschnell bucht – aus lauter Angst, zu spät dran zu sein. Doch auch in diesem Punkt offerieren manche Schnäppchenjäger mittlerweile Hilfestellung: „Wir geben unseren Usern häufig Hinweise zu den Angeboten mit auf den Weg”, sagt Konrad von Travelcloud. „Gibt es irgendwo einen Haken? Wie kommt man vom Flughafen in die Innenstadt? Muss bei der Einreise etwas beachtet werden?”

Die meisten der Schnäppchenjäger sind auf allen digitalen Kanälen vertreten, angefangen von der eigenen Website mit einem Newsletter-Service und einer App bis zu Twitter oder Facebook. Letzteres erweist sich aber jüngst nicht mehr so effektiv wie früher, Schnäppchen an den „Fan” zu bringen. „Es gibt eine Renaissance der Websites selbst”, meint Jürgen Wolff von Exbir. „Facebook liefert immer weniger aus.” Ende 2013 verkündete das soziale Netzwerk, Content mit hoher Qualität (High Quality Content Posts) in ihren Algorithmen, die für die Streuung der Inhalte sorgen, zu bevorzugen. Als Fan bekommt man daher nicht mehr automatisch jeden neuen Schnäppcheneintrag angezeigt. Für alle, die die neuesten Reisedeals im Blick haben wollen, kann sich ein Umstieg auf die Newsletter lohnen.

Natürlich können die Schnäppchenjäger mittlerweile auch gewisse Trends bei ihrer Kundschaft ausmachen. „Was zur Zeit richtig zieht auf unserer Seite, das sind Städtetrips”, sagt Daniel Kahn von Urlaubsguru. „Statt Freitag vor dem Fernseher zu sitzen und RTL zu gucken, steigen die Leute lieber in den Flieger und verbringen spontan mal zwei Tage in Rom oder in Paris.”

PERSÖNLICHE TIPPS VON DEN SCHNÄPPCHENJÄGERN:

Christian Smart von Travelzoo: „Griechenland ist zwar etwas teurer als im Vorjahr, aber aktuell findet man inselübergreifend sehr gute Angebote. Außerdem lohnen sich Tunesien, Bulgarien und die Türkei.”

Jürgen Wolff von Exbir: „Auch bei Günstig-Airlines sollte man auf den richtigen Buchungszeitpunkt achten! So bucht man bei easyJet oder AirBerlin in Europa am besten früh, bei Ryanair dagegen sind ein halbes Jahr vor Abflug nur hohe Preise eingespielt. Die Aktionspreise von 14,99 Euro bis 19,99 Euro gibt es erst ab 3 Monaten bis ca. 6 Wochen vorher.”

Patrick Konrad von Travelcloud: „Wer flexibel und nicht an Ferienzeiten gebunden ist, sollte einen Last-Minute-Urlaub im Juni planen. Die passenden Angebote dazu werden wir voraussichtlich ab Mai häufiger präsentieren.”

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